A Young Doctor’s Notebook

Abseits der großen Blockbusterwelt gibt es immer wieder interessante Produktionen, auch mit namhaften Schauspielern. Die kuriose Zusammenführung von „Mad Man“ Jon Hamm und Daniel Radcliffe alias Harry Potter gibt es in A Young Doctor’s Notebook, einer Miniserie basierend auf Kurzgeschichten von Michail Bulgakow.

8-10A Young Doctor’s Notebook.
Satire/Drama UK 2012.
4 Folgen (Staffel 1). FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Gesamtlänge: ca. 92 Minuten (PAL-DVD). Mit: Daniel Radcliffe, Jon Hamm, Adam Godley, Vicki Pepperdine, Rosie Cavaliero u.a. Nach Aufzeichnungen eines jungen Arztes von Michail Bulgakow. Drehbuch: Mark Chappell, Alan Connor und Shaun Pye. Regie: Alex Hardcastle.

A Young Doctor's Notebook_DVD

 

Besser Arm dran als Bein ab

Als die Rote Armee im Jahre 1934 sein Büro durchsucht, findet der desillusionierte Arzt Dr. Vladimir Bomgard (Jon Hamm) sein altes Tagebuch und erinnert sich dadurch an seine erste Arbeitsstelle. Siebzehn Jahre zuvor. Mit fünfzehn Bestnoten schließt der junge Vladimir (Daniel Radcliffe) sein Medizinstudium an der Kaiserlichen Universität zu Moskau ab und erhält gleich seine erste Stellung, ausgerechnet im hintersten Kaff von ganz Russland. Im einzigen Krankenhaus weit und breit ist die Ausstattung schlecht, die Lage hoffnungslos und auch das Personal könnte besser sein. Der Feldarzt (Adam Godley) ist aufdringlich und Krankenschwester Anna (Vicki Pepperdine) scheint Vladimir nicht wirklich ernst zu nehmen, vor allem weil sie ständig von seinem Vorgänger, dem großen Leopold Leopoldowitsch, in den höchsten Tönen spricht.

A Young Doctor's Notebook_Duo Der ältere und der junge Doktor

In den 1920ern schrieb und veröffentlichte der russische Arzt und Schriftsteller Michail Bulgakow (1891-1940) mehrere Kurzgeschichten, in welchen er seine Erfahrungen als junger Arzt in der Provinz 1916-1918 verarbeitete. Diese satirischen Erzählungen wurden als Miniserie für den britischen Arthouse-Sender Sky Arts verfilmt. Die Titelrolle übernahm niemand anderes als Daniel Radcliffe, der als Harry Potter in acht Filmen (2001-2011) berühmt wurde. Vor allem seit Ende der erfolgreichen Filmreihe ist Radcliffe immer bemüht, von seinem Image als Zauberlehrling loszukommen. So spielte er u.a. einen alleinerziehenden Familienvater in Die Frau in Schwarz und den Beatpoeten Allen Ginsberg in Kill Your Darlings. Auch bei seiner Performance in „Young Doctor“ beweist Daniel Radcliffe seine schauspielerischen Qualitäten. Mit viel Spielfreude und Selbstironie agiert er als theoretisch bewanderter, aber praktisch völlig unerfahrener Jungarzt. Es scheint, als wäre ihm die Rolle des jungen Dr. Bomgard auf den Leib geschrieben.

Doch darf man den zweiten Hauptdarsteller hier keineswegs vergessen. Jon Hamm, der als Werbefachmann in der genialen Serie Mad Men bekannt wurde, spielt den älteren Dr. Bomgard. Eine nicht nur auf den ersten Blick kuriose Paarung. Der 188 cm große Hamm verkörpert die ältere Version des 165 cm kleinen Radcliffe. Der wirkliche Clou an „Young Doctor“ sind allerdings die (unfreiwilligen) Zweigespräche, die der junge Arzt mit seinem älteren Ich führt. Letzterer schaut seinem jüngeren Selbst sprichwörtlich über die Schulter, kommentiert und sabotiert dessen teils vergebliche Bemühungen.

Die erste Staffel von A Young Doctor’s Notebook beginnt als makabre Satire mit kauzigen Charakteren und einer gehörigen Portion Slapstick. Im Verlauf wird die Geschichte und folglich die Stimmung des Titelhelden immer düsterer. Dem jungen Bomgard machen einerseits die uneinsichtigen Patienten zu schaffen, die selbst bei schweren Krankheiten sich eine schnelle Heilung durch „Tropfen oder eine Gurgellösung“ erhoffen. Außerdem sieht sich der junge Arzt zu brutalen chirurgischen Eingriffen gezwungen, die nicht selten in einem Blutbad enden. Wer kein Blut sehen kann, sollte hier auf jeden Fall wegschauen.

Leider ist diese makabre Miniserie schon nach vier Folgen und ca. 90 Minuten zu Ende. Auch wenn die kurzen Dreharbeiten und das sicher nicht besonders üppige Budget der kleinen britischen Produktion kaum größere zeitliche Möglichkeiten gegeben haben, so hätten zwei weitere Episoden Story und Atmosphäre noch besser vertiefen können. Im November/Dezember 2013 wurde im Vereinigten Königreich eine zweite Staffel mit weiteren vier Folgen gesendet, welche vermutlich die letzte sein wird. Diese gibt es leider hierzulande bisher nicht auf DVD und BluRay. Hoffentlich legt der Verleih Polyband bald nach. Denn Staffel 1 endet quasi mit einem Cliffhanger.

Fazit: A Young Doctor’s Notebook glänzt als makabre, vorsinnflutliche Mischung aus Emergency Room und Der Landarzt. 8 von 10 Punkten.

A Young Doctors Notebook
In freudiger Erwartung

Bilder (C) Polyband.

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4 Responses to A Young Doctor’s Notebook

  1. Jau, da sind wir uns ja doch recht einig! Diese ungewöhnliche und zugegebenermaßen recht kurze Serie hat mich – wie du ja weißt – ähnlich zu packen gewusst und ich fand es vor allem erstaunlich, wie sie es binnen vier so kurzer Folgen geschafft haben, den Schwenker von humoristisch zu dramatisch zu schlagen.

    Dass die zweite Staffel dann auch wohl schon die letzte sein soll trifft mich hart, denn ich hätte mich sehr gefreut, wenn da noch mehr gekommen wäre. Schade, aber trotzdem schön, dass sowohl Radcliffe als auch Hamm sich der Sache gewidmet haben, zumal speziell Radcliffe es dadurch tatsächlich geschafft hat, sich von seinem ‚Harry Potter‘-Image freizuspielen.

    Warten wir mal ab, wann Polyband mit der zweiten Staffel nachlegen wird, die uns eine zwar wider kurze, aber hoffentlich umso vergnüglichere Zeit mit Bomgard und Bomgard bescheren wird 😉

  2. […] Der Pay-TV-Sender RTL Passion zeigt am 5. und 12. Februar die zweite und leider letzte Staffel der eigenwilligen Miniserie. Die DVD-Auswertung erfolgt am 27. Februar […]

  3. […] 8 Punkte The Big Bang Theory – Staffel 7 Mad Men – Staffel 7, Teil 1 Orphan Black – Staffel 1 und 2 Sherlock – Staffel 3 A Young Doctor’s Notebook – Staffel 1 […]

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