Review(s) Februar 2021

2. März 2021

Ein Sechstel von 2021 haben wir bereits hinter uns. Meine Reviewbilanz für Februar gestaltet sich (wieder) sehr filmlastig.

 

Bedingt durch die „Aufarbeitung“ der Internationalen Filmwoche Würzburg (28. Januar bis 3. Februar 2021) und der Tatsache, dass die aktuelle Situation hinsichtlich meiner Produktivität nicht unbedingt förderlich ist, habe ich im Februar überwiegend Filmkritiken geschrieben/veröffentlicht. Die Serien-Reviews mussten da leider (erneut) ziemlich kürzer treten. Als Kontrastprogramm zu den fünf hochwertigen Festivalbeiträgen habe ich mir zwei miese Streifen gegönnt. 😉


Filme
Filles de Joie – Freudenmädchen (Internationale Filmwoche Würzburg)
Nafi’s Father (Internationale Filmwoche Würzburg)
Farewell Paradise (Internationale Filmwoche Würzburg)
Old Men Never Die (Internationale Filmwoche Würzburg)
Halef (Internationale Filmwoche Würzburg)
Wizards of the Lost Kingdom
Ninja Assassin

Serien
Black Lagoon: Roberta’s Blood Trail
Years and Years

Sonstiges
MWJ Film Awards 2020
Star Trek: Corona (Roman)

Außerdem gesehen und (noch) nicht besprochen
Malcolm & Marie
Puparia (Kurzfilm)

Borkum… mit Judith Rakers (TV-Doku)
Das Geheimnis George Méliès (TV-Doku)

American Gods: Staffel 3, Folgen 4 bis 6
Babylon 5: Staffel 1, Folgen 14 bis 16
Disenchantment: Teil 3, Folgen 6 bis 10
His Dark Materials: Staffel 2, Folgen 1 bis 4

 

 


Media Monday #505

1. März 2021

Und schon wieder ist es März. Verrückt, nicht wahr? Die Zeit vergeht, aber es ändert sich wenig. Das hat aber auch seine Vorteile. Etwa in Form der Verlässlichkeit des Media Mondays, der heute wieder mit sieben Fragen aufwartet…

Beiträge der Woche
Ninja Assassin
Years and Years


1. Im Kampf der Streaming-Dienste befindet man sich aus meiner Sicht gerade in der „Zersplitterungsphase“, in welcher gefühlt jeder Sender einen eigenen Streaming-Dienst aufmacht oder viele kleine Anbieter aus dem Boden schießen. Als Fan hochwertiger Film- und Serien-Kost steht man da irgendwie zwischen zu vielen Stühlen. Wie viele der Anbieter längerfristig überleben wird sich noch zeigen.

2. Der Star Trek-Roman Corona war für mich eine erfreuliche Entdeckung, quasi ein Geheimtipp, denn so habe ich nach langer Zeit wieder mal einen Roman aus Gene Roddenberrys Sternensaga gelesen, der allerdings das „Aktualitätsversprechen“ des Titels nicht einlösen konnte. 😉

3. Auch jetzt noch ist Kino (und auch Fernsehen) eine Form des Eskapismus für mich, die mich nach 19 Jahren als Hobbyfilmkritiker und 30 Jahren als Kinogänger noch begeistern und verzaubern kann.

4. Was es braucht für eine in allen Punkten überzeugende Produktion, stellt Francis Ford Coppolas Verfilmung von Bram Stokers Roman Dracula aus dem Jahre 1992 eindrucksvoll unter Beweis, denn für mich funktioniert der Film durch seine ungemein atmosphärisch-düstere Inszenierung als ganzheitliche Adaption des Stoffes.

5. Nick & Norah – Soundtrack einer Nacht (OT: Nick & Norah’s Infinite Playlist) kommt mit einer „bestechenden“ Playlist an Songs daher, nur leider hat sich weder die Playlist noch der Film an sich besonders in mein Gedächtnis eingebrannt. Beides habe ich nämlich seit der Sichtung des Films im Juli 2016 wieder vergessen.

6. Wenn TV/PC/Laptop mal ausbleiben, bevorzuge ich ja Musik und/oder (in letzter Zeit zu selten) ein interessantes Buch, gerne auch in Comicform. Mit Freunden treffen und solche Sachen ist ja derzeit schwierig.

7. Zuletzt habe ich meine beste Freundin und ihre kleine Familie besucht und das war seit langem überfällig und daher sehr schön, weil wir uns seit Anfang August nicht gesehen hatten.

 


Ninja Assassin

24. Februar 2021

Eine Europol-Ermittlerin kommt einem jahrhundertehalten Clan von Ninja-Killern auf die Spur und begibt sich in Gefahr. Wie gut, dass sich Kämpfer Raizo auf ihre Seite schlägt…

Licht aus, Ninja-Angriff!

Seit Jahrhunderten nehmen neun Ninja-Clans jeden Mordauftrag an, sofern sie mit der richtigen Menge Gold bezahlt werden. Der Ozuno-Clan unter seinem Meister (Sho Kosugi) bildet Waisenkinder mit aller Härte zu perfekten Kampfmaschinen aus. So auch Raizo (Rain), der dem Clan jedoch abgeschworen hat und schließlich gegen seine alte „Familie“ kämpft. Die Europol-Ermittlerin Mika (Naomie Harris) ist dem geheimen Assassinenbund auf der Spur und bringt dabei nicht nur ihren Chef Ryan (Ben Miles) in Bedrängnis, sondern sich selbst auch in tödliche Gefahr…

Zugegebenermaßen stand Ninja Assassin schon länger auf meiner Watchlist. Allerdings weniger weil ich mich für Martial-Arts-Action begeistern kann, sondern wegen einer kuriosen Geschichte aus der Entstehung des Films. Die Wachowskis (damals noch Brüder, heute Schwestern), bekannt vor allem für die Matrix-Trilogie, produzierten diesen von ihrem langjährigen Mitstreiter James McTeigue (V wie Vendetta) inszenierten Actionreißer und schnitten ihn komplett auf den koreanischen Sänger/Schauspieler Rain zu, mit welchem die beiden schon bei ihrer Anime-Adaption Speed Racer (2008) zusammengearbeitet hatten. Doch das ursprüngliche Skript von Matthew Sand (Deepwater Horizon) war nicht überzeugend genug und so baten die Wachowskis ihren guten Freund J. Michael Straczynski (Schöpfer und Autor der hochklassigen Space-Opera-Serie Babylon 5) um Hilfe. Straczynski verfasste ihn nur 53 Stunden ein fast komplett neues Drehbuch und ermöglichte so den rechtzeitigen Beginn der Dreharbeiten, die ausschließlich in Berlin und den Babelsberg Studios stattfanden.

Nach Sichtung des fertigen Films bin ich allerdings der Meinung, dass keine der Skriptfassungen verwendet wurde. Denn die Handlung ergibt überhaupt keinen Sinn und funktioniert selbst als grober Aufhänger für die Actionsetpieces nur bedingt. Das Personal gestaltet sich zudem als überaus austauschbar, die Dialoge wirken eher peinlich. Generell krankt Ninja Assassin daran, dass die ganze Sache komplett bierernst aufgezogen wird. Hauptdarsteller Rain präsentiert hier zwar seinen gestählten Körper und überzeugt dank sechs Monaten Training in den von Chad Stahelski (John Wick) und David Leitch (John Wick, Deadpool 2) ansprechend inszenierten Kampfszenen, entpuppt sich beim Schauspiel aber relativ schnell als völlig farblos. Zugute halten muss man der „Story“, dass die Vorgeschichte und Ausbildung des Protagonisten sukzessive in Rückblenden erzählt wird und somit seine Motivation einigermaßen nachvollziehbar wirkt. Die von Raizo erlittenen Qualen vermag der Zuschauer durchaus mitzuerleben. Auch an Gewaltspitzen wird über weite Strecken nicht gespart, wobei der Gore- und Splatter-Faktor der Eingangsszene unerreicht bleibt. Fast könnte man zum Schluss gekommen, dass die oben erwähnte Geschichte mit dem Drehbuch (das wohl in der Tonne gelandet ist) spannender als der fertige Film ist. Oder dass Uwe Boll, seit ein paar Jahren nicht mehr im Filmbusiness tätig, hier einen uninspirierten Martial-Arts-Klopper mit Anleihen bei Batman Begins und Wanted gedreht hat. Einer weiteren Zusammenarbeit der Wachowskis und Straczynski hat Ninja Assassin jedoch nicht geschadet. Ein paar Jahre später schufen sie gemeinsam die Netflix-Serie Sense8.

Ninja Assassin ist auf DVD und BluRay erschienen sowie bei diversen Streaminganbietern abrufbar.

Ninja Assassin
Actionfilm USA, Deutschland 2009. FSK 18. 99 Minuten. Mit: Rain, Naomie Harris, Ben Miles, Rick Yune, Sho Kosugi, Anna Sawai u.v.a. Drehbuch: Matthew Sand, J. Michael Straczynski. Regie: James McTeigue.

Credits
Bilder (c) Warner.

 


Media Monday #504

22. Februar 2021

Frühlingsgefühle im Februar. Das und mehr gibt es im heutigen Media Monday

Beitrag der Woche
Black Lagoon: Roberta’s Blood Trail

Fragen der Woche

1. Man mag ja von einfallslosem Ausfüllen eines Lückentextes halten was man will, aber manchmal passiert es einfach. 😉

2. Als Ausgleich für fehlende Kinobesuche kann/muss man Filme auf anderen Wegen sehen, etwa auf haptischem Datenträger, im linearen Fernsehen oder als Stream.

3. Hätte man mir vor einem Jahr erzählt, dass die Corona-Pandemie solche Ausmaße annehmen würde hätte ich das schlicht und ergreifend nicht geglaubt.

4. Der ein oder andere Superheldenfilm ist ein lupenreines Retortenprodukt, das nur hergestellt wurde, damit es halt zu Superheld XY einen Filme gibt, der möglichst viel Kohle einspielen sowie natürlich Comics, Spielzeug und anderes Merchandising in Unmassen verkaufen soll.

5. Manchmal glaube ich, ich sollte besser weniger über manche Sachen nachdenken als mich vielmehr direkt ans Werk zu machen.

6. Bis vor kurzem habe ich ja nicht einmal geahnt, dass sich Tim Burton der Addams Family zuwenden würde, doch wie ich vorhin HIER lesen durfte plant er eine Serie über Wednesday Addams.

7. Zuletzt habe ich ein ziemlich faules Wochenende verbracht aber auch einen schönen Sonntagsspaziergang gemacht und das war schön, aber auch etwas irritierend, weil einerseits letztes Wochenende noch tiefster Winter herrschte (siehe Foto aus dem letzten Media Monday) und andererseits weil manche Leute schon fast wie im Hochsommer angezogen waren.

 


Black Lagoon: Roberta’s Blood Trail

20. Februar 2021

Ein letztes Mal geht es zurück in die Gangster-Metropole Roanapur, wo die Mitglieder der Lagoon Company in einen überaus blutigen Rachefeldzug mit hineingezogen werden, in der OVA-Fortsetzung zur Serie Black Lagoon.

 


Die Fährte des Bluthundes

Roberta, Hausmädchen der einflussreichen venezuelanischen Lavres-Familie und eine schier unüberwindbare Killerin/Ex-Guerillakämpferin der FARC, startet einen überaus blutigen Rachefeldzug. Denn Diego Lavres, Robertas Arbeitgeber und Oberhaupt der Lavres-Familie, wurde bei einem vom US-Geheimdiensten inszenierten Bombenattentat getötet. Bald schon mischt Roberta das südostasiatische Ganoven-Moloch Roanapur auf. Die herrschenden Verbrecher-Organisationen wollen sich die USA auf keinen Fall zum Feind machen. Garcia Lavres, Diegos Sohn, wendet sich mit seinem Bodyguard, dem Hausmädchen Fabiola Iglesias, hilfesuchend an die Lagoon Company, um zu verhindern, dass Roberta ein komplettes Blutbad anrichtet, und um sie nach Hause zu holen. Dutch, Chef der Söldnertruppe, lehnt ab. Doch Garcias Bitte richtet sich an Rock, den japanischen Ex-Büroangestellten der Lagoon Company…

Ein halbes Jahr nach Sichtung der ersten und zweiten Staffel bin ich endlich dazu gekommen, zurück nach Roanapur zu reisen. Die auf der Manga-Reihe von Rei Hiroe basierende Animeserie wurde nicht mit einer dritten Season bedacht, sondern als Original Video Animation (OVA), die in Japan zwischen dem 17. Juli 2010 und dem 22. Juni 2011 veröffentlicht wurde, fortgesetzt. Im Zentrum von Roberta’s Blood Trail steht, wie auch schon der Titel vermuten lässt, der blutige Rachefeldzug der als Dienstmagd getarnten, scheinbar unkaputtbaren Killerin Roberta. Bereits in den Episoden acht bis zehn von Staffel bekamen es Rock, die übel gelaunte Gunwoman Revy, Vietnam-Veteran Dutch und Technikexperte Benny von der Lagoon Company bzw. die Verbrecher-Syndikate Roanapurs mit der eiskalten Ex-Guerillakämpferin zu tun, als diese ihren entführten Schützling Garcia Lavres befreite. Nun bittet genau dieser Junge die „Lagoons“ um Hilfe. Denn Roberta hat einen gefährlichen Vergeltungkrieg gegen die Verantwortlichen des Mordanschlag auf Garcias Vater, eine Gruppe von US-Agenten, angezettelt, der die „Neutralität“ Roanapurs und dessen Unberührtheit hinsichtlich internationaler Ermittlungen zu gefährden droht. Auch wenn Drehbuchautor/Regisseur Sunao Katabuchi und das Anime-Studio Madhouse (u.a. Perfect Blue, Death Note, Highschool of the Dead) hier wieder die gewohnten stylisiert-brutalen Actionszenen aufbieten und sich die Szenerie der Serie trotz wechselnder Beteiligter zunehmend repetitiv gestaltet so erweist sich Roberta’s Blood Trail einen guten Balanceakt zwischen Exploitationkost und introspektivem Drama.

Lässt sich die Spirale der Gewalt durchbrechen? Ist Roberta, die wie ein Berserker im Blutrausch agiert und in ihrem Wahn kaum noch Freund von Feind unterscheiden kann, noch aufzuhalten oder gar zu retten? Diese und andere Fragen werden immer wieder in den Raum geworfen. Wie auch in den beiden Staffeln zuvor gibt es immer wieder gekonnte, nicht selten mit einem Off-Kommentar (meist von Rock) unterlegte Montageszenen, welche die Vergangenheit einzelner Figuren oder Charaktere beleuchten oder Vorahnungen über künftige Geschehnisse geben. Trotz (oder vielleicht gerade wegen) der düsteren Abgründigkeit erweist sich Roberta’s Blood Trail als gelungener Abschluss der Anime-Serie.

Black Lagoon: Roberta’s Blood Trail ist auf DVD und BluRay erschienen sowie aktuell im Angebot von Netflix enthalten.

Black Lagoon: Roberta’s Blood Trail
Anime-Action/Miniserie Japan 2010/11. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 5 Folgen. Gesamtlänge: ca. 168 Minuten. Deutsche Sprecher: Tobias Nath (Rock), Antje von der Ahe (Revy), Thomas Petruo (Dutch), Christoph Banken (Benny), Katrin Zimmermann (Roberta), Hannes Maurer (Garcia Lavres), Maximiliane Häcke (Fabiola Inglesias) u.v.a. Nach der Manga-Serie von Rei Hiroe. Drehbuch und Regie: Sunao Katabuchi.

 

 

Credits
Bilder (c) Kazé

 

 


Media Monday #503

15. Februar 2021

Die zweite Februarhälfte startet (wie schon die erste) mit dem Media Monday

Beiträge der Woche
Halef (Internationale Filmwoche Würzburg 2021)
Star Trek: Corona (Roman)
MWJ Film Awards 2020

 

Fragen der Woche

1. Was mich immer wieder aufs Neue fasziniert ist der immersive Effekt bei Filmen und Serien (bei ersterem vor allem im Kinosaal).

2. Anonymus ist mal ein richtig untypischer Film für Roland Emmerich, schließlich ist der aus dem Schwabenland stammende Filmregisseur ja eher für seine Katastrophenfilme bekannt. Das genannte Historiendrama widmet sich aber einer möglichen Theorie zur Autorenschaft von William Shakespeare.

3. Ich bin ja schon ziemlich aufgeregt, wenn ich daran denke dass irgendwann vielleicht mal wieder Kinos öffnen und Konzerte stattfinden dürfen.

4. Fernab von bombastischen Effekten und allgemein Blockbuster-Attitüden spielt sich mein Filmkonsum in den letzten Jahren weitgehend ab.

5. Im Vergleich zwischen dem, was früher und heutzutage optisch und inhaltlich in Serien möglich ist hat sich vor allem in narrativer Hinsicht Einiges getan. Es gibt aber auch immer noch „althergebrachte“ Formate.

6. Star Trek: Corona wusste mich von der ersten Seite an zu fesseln, denn ich wollte unbedingt wissen ob der Roman etwas mit unserer gegenwärtigen Lage zu tun hat. 😉

7. Zuletzt habe ich das Wochenende genutzt, um ein wenig produktiv zu sein (siehe oben) und gleichzeitig aber auch wieder Kraft zu tanken und das war sehr wichtig, weil die aktuelle Situation bisweilen schon an den Nerven zehrt. Am Sonntag machte ich einen kleinen Spaziergang durch den noch verschneiten und vereisten Park in der Nähe, siehe Foto.

 


MWJ Film Awards 2020

14. Februar 2021

Hochverehrtes Publikum! Es ist soweit. Zum vierten Mal werden die MWJ Film Awards verliehen. Vorhang auf!

Während die Golden Globes (28. Februar 2021) und Oscars (Nominierungen am 15. März, Verleihung am 25. April 2021) noch auf sich warten lassen hat sich die Jury der MWJ Film Awards (kurz JdMWJFA) wie jedes Jahr seit 2017 nach Ende des Kinojahres wieder zusammengesetzt, um die Gewinner in mittlerweile mehr als einem Dutzend Kategorien zu küren. Wegen der zahlreichen starken Filmbeiträge in 2020 fielen die Entscheidungen dieses Mal besonders schwer. Daher gibt es in fast allen Kategorien mehr als einen Preisträger. Wegen der Corona-Pandemie muss dieses Jahr die üblicherweise immer am 30. Februar in Abrahama City stattfindende Übergabe der Awards leider entfallen.

Hier nun die hochverdienten Preisträger:

FLOP

Sonderpreis für einen dummen deutschen Verleihtitel
Ascot Elite für Der Killer in mir (Original: Daniel Isn’t Real)

TOPS

Beste Ausstattung
Cristina Casali, David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück
Katharina Wöppermann, Little Joe

Beste Kamera
Hélène Louvart, Niemals Selten Manchmal Immer
Jörg Widmer, Ein verborgenes Leben
Jasper Wolf, Monos

Beste Kostüme
Alexandra Byrne, Emma.

Beste Musik
Clark, Daniel Isn’t Real
Julia Holter, Niemals Selten Manchmal Immer
Studio Bonaparte, Der göttliche Andere

Bester Schnitt
Rehman Nizar Ali, Joe Gleason, Sebastian Jones, Ein verborgenes Leben

Beste visuelle Effekte
Diverse, The New Mutants

Bestes Ensemble
David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück
Milla meets Moses

Bester Nebendarsteller
Vesa-Matti Loiri als Vippula in Master Cheng in Pohjanjoki
Dan Stevens als Alexander Lemtov in Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga

Beste Nebendarstellerin
Thomasin McKenzie als Elsa in Jojo Rabbit
Valerie Pachner als Franziska Jägerstätter in Ein verborgenes Leben

Bester Hauptdarsteller
August Diehl als Franz Jägerstätter in Ein verborgenes Leben

Beste Hauptdarstellerin
Sidney Flanigan als Autumn in Niemals Selten Manchmal Immer
Anna-Maija Tuokko als Sirkka in Master Cheng in Pohjanjoki

Bestes Drehbuch
Jeremy Gardner für After Midnight
Charlie Kaufman für I’m Thinking of Ending Things
Carmen Losmann für Oeconomia

Beste Regie
Eliza Hittman, Niemals Selten Manchmal Immer
Carmen Losmann, Oeconomia

Bester Film
Ein verborgenes Leben
Master Cheng in Pohjanjoki
Milla meets Moses
Niemals Selten Manchmal Immer
Oeconomia

EDIT: Da hatte ich doch glatt einen Gewinner vergessen!

 


Linktipps
Mein Filmjahr 2020
Mein Fernsehjahr 2020

 

 

 


Star Trek: Corona (Roman)

13. Februar 2021

Einen kuriosen Fund entdeckte der Comicbuchladen meines Vertrauens im hauseigenen Antiquariat. Und ich konnte das Büchlein mit dem „schönen“ Titel Corona ergattern.

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise unter dem Kommando von James T. Kirk, das aus dem 23. Jahrhundert ins Jahr 2021 zurückreist, um die Menschheit vor der Covid-19-Pandemie zu retten. Schiffsarzt Dr. Leonard „Pille“ McCoy gelingt es einen überaus wirksamen Impfstoff zu entwickeln, der nun unter die Menschen gebracht werden muss. Doch Widerstand in Gestalt von querdenkenden Humanoiden droht…

Scherz beiseite. Das Buch ist natürlich kein Werk unglaublich prophetischer Science-Fiction, sondern „nur“ ein Roman aus dem Star Trek-Universum, mit der bekannten Crew aus der Serie Raumschiff Enterprise (Star Trek: The Original Series; 1966-1969). Geschrieben wurde Corona vom amerikanischen Science-Fiction-Autoren Greg Bear (geboren 1951), der über 50 Bücher verfasst hat und zu den Gründungsmitgliedern der San Diego Comic Con zählt. Erschienen ist der Roman 1984, die deutsche Übersetzung von Andreas Brandhorst wurde von Heyne Science-Fiction & Fantasy 1988 (225 Seiten) veröffentlicht.

Auf Befehl der Sternenflotte wurde die U.S.S. Enterprise sehr zum Missfallen von Captain Kirk und Schiffsarzt Dr. McCoy mit einem neu entwickelten Überwachungssystem für Notfälle ausgestattet. Außerdem ist die Reporterin Rowena Mason an Bord gekommen, um eine Reportage über die Enterprise zu machen. Da erreicht das Schiff ein Notruf aus dem Black-Box-Nebel. Dort erforscht ein vulkanisches Wissenschaftler-Team unter Führung von T’Prylla, einer Verwandten Spocks, und ihrem Ehemann Grake auf einem Asteroiden den Entstehungsprozess dreier Protosterne. Kirk und seine Crew müssen feststellen, dass die Vulkanier von „Corona“, einer fremden Macht kontrolliert werden, welche den Zustand des Universums vor dem Urknall wieder herstellen will.

Meine Enttäuschung über den fehlenden Bezug zur aktuellen Pandemie-Situation hielt sich bei der Lektüre in Grenzen. Greg Bear lieferte mit seinem einzigen Roman zum von Gene Roddenberry ins Leben gerufenen Scifi-Franchise eine solide Geschichte ab. Im Zentrum steht nicht nur die titelgebende Macht. Auch die Perspektive der jungen Reporterin Rowena Mason, die erstmals ihren, nur von Menschen bewohnten kleinen Heimatplaneten verlässt und sich in Anwesenheit von „Nichtmenschen“ unwohl fühlt, kommt zur Geltung. Für Spannung in der Besatzung sorgt das neue Computersystem, welches programmiert wurde, die Befehle des Captains in Notfällen gegebenenfalls außer Kraft zu setzen. Insgesamt hätte man die Story sicher noch weiter ausarbeiten können denn das Ende kommt leider etwas zu früh. Im Gegensatz zur TV-Serie bietet das Medium Roman die Möglichkeit, Gedanken, Gefühle, Sorgen, Zweifel und Ängste der Figuren stärker zu vermitteln, was Bear auch nutzt.

Kleines Kuriosum noch am Rande: zwischen Kapitel 20 und 21 (von insgesamt 25) wird die Handlung doch tatsächlich von Produkt(de)platzierung unterbrochen, als auf zwei überwiegend geschwärzten Seiten Werbung für eine bekannte Suppenmarke gemacht wird! Also gleich auf zum Replikator! 😉

Die deutsche Taschenbuchausgabe von Star Trek: Corona gibt es nur noch gebraucht zu kaufen. Der Roman ist bei Heyne auch als E-Book erschienen.

Credits
Bild (c) Heyne.

 


Media Monday #502

8. Februar 2021

Was kommt denn hier hereingeschneit? Die neue Ausgabe des Media Mondays mit sieben flockigen Fragen!

Von Donnerstag vorletzte Woche bis Mittwoch letzte Woche war ich quasi im Festival-at-Home-Modus (aka Cineast im Homeoffice), weil das seit 2012 jedes Jahr von mir besuchte Filmwochende in Würzburg in eine digitale Filmwoche umgewandelt wurde. Leider habe ich es noch nicht ganz geschafft, das ganze halbe Dutzend Filme zu rezensieren, es fehlt nur noch der letzte Beitrag. Als Kontrastprogramm zum hochwertigen Filmgenuss gab es zwischendurch einen echten Fantasy-Trashfilm, nämlich Wizards of the Lost Kingdom.

Internationale Filmwoche Würzburg 2021
Die Erlösung der Fanny Lye
Filles de Joie – Freudenmädchen
Nafi’s Father
Farewell Paradise
Old Men Never Die
Halef (Kritik folgt noch)


Fragen der Woche

1. Jetzt, wo man durch widriges Wetter noch mehr ans eigene Heim gefesselt ist überlegt man sich vielleicht das ein oder andere Mal nach draußen zu gehen.

2. Apropos Eskapismus, ist es doch immer wieder schön von besonderen Filmen (und Serien) in eine andere Welt/Lebenswirklichkeit versetzt zu werden. Auch wenn das Heimkino das richtige Kinoerlebnis nicht ersetzen kann, ein immersives Eintauchen ist auch zuhause möglich.

3. Ansonsten ist sequentielle Kunst ein Thema, das mich ein ums andere Mal zu begeistern weiß, denn es gibt auf diesem Gebiet einfach viele tolle Werke.

4. Die Baustelle gegenüber hat nun schon länger (seit Freitag) nichts mehr von sich hören lassen und ich frage mich ob die Arbeiten im angekündigten Schneetreiben einfach weitergehen.

5. In den letzten Monaten beobachte ich bei mir in Sachen Medienkonsum ja durchaus dass die Vielfalt immer bunter wird, vor allem da sich die Bandbreite zwischen anspruchsvollerem Arthouse-Kino bis hin zu miesem Trash erstreckt.

6. Der iranische Film Old Men Never Die, über eine Gruppe uralter Männer, die auf den Tod warten, ist meines Erachtens eine unbedingte Empfehlung wert, schließlich hat er mich mit herrlich schwarzem Humor, urigen Figuren und tollen Landschaftaufnahmen begeistert.

7. Zuletzt habe ich siehe oben und das war ____ , weil ____ .

 

 


Wizards of the Lost Kingdom

7. Februar 2021

Nach einem halben Dutzend anspruchsvoller Filme bei der Internationalen Filmwoche in Würzburg stand mir der Sinn nach leichter Unterhaltung. Daher konsumierte ich den billigen „Fantasy-Kracher“ Wizards of the Lost Kingdom.

Rogers Resterampe

Im Königreich Axeholme lebt der junge Simon (Vidal Peterson), Sohn des Hofmagiers Wulfrik (Edgardo Moreira). Mit Unterstützung von Königin Udea (Barbara Stock) stürzt und tötet der böse Magier Shurkan (Thom Christopher) den König (Augusto Larreta). Dessen Tochter, Prinzessin Aura (Dolores Michaels), landet im Kerker. Wulfrik gelingt es gerade noch seinem Sohn Simon einen magischen Ring zu übergeben bevor der Hofzauberer im Kampf mit Shurkan sein Leben lässt. Gemeinsam mit seinem befellten Freund Gulfax (Edgardo Moreira) gelingt Simon die Flucht. Unterwegs treffen die beiden auf Krieger Kor (Bo Svenson), der sich dazu überreden lässt, Simon im Kampf gegen Shurkan zu unterstützen…

Was der Bezos’sche Algorithmus so alles verzapt! Weil ich vor etwa einem halben Jahr Deathstalker – Der Todesjäger (1983) gesichtet hatte wurde mir doch glatt Wizards of the Lost Kingdom empfohlen. Das ergibt auch ziemlich Sinn, denn beide Filme gehören zu den insgesamt neun Machwerken, die B-Movie-Papst Roger Corman in den 1980ern in Argentinen produzieren ließ. Gleich vorweg: Wizards of the Lost Kingdom (in Deutschland auch bekannt als Der Zauberring, Magier der verlorenen Welten, Der Zauberer des vergessenen Königreichs und Ein Königreich vor unserer Zeit I) ist eine echte Trash-Granate wie sie im Buche steht, im Strafgesetzbuch! Ein klarer Fall für SchleFaZ bei Tele 5!

Den Trailer und die Prämisse fand ich ja irgendwie noch ganz spannend, der Film aber „glänzt“ überwiegend durch unfreiwillige Komik und ein Sammelsurium unterschiedlichster Kreaturen. Am auffälligsten in Erinnerung bleibt natürlich Simons pelziger Freund Gulfax, eine Kreuzung aus Chewbacca (spricht die gleiche Sprache), Yeti und Big Foot, der meisten nur dumm brummelnd in der Gegend rumsteht. Wer sich schon immer mal gefragt was aus den sieben Zwergen nach Schneewittchen und der Bergwerkskarriere geworden ist bekommt hier die Antwort serviert. Die kleinen Zipfelmützenträger verdingen sich als Handlanger des bösen bösen bösen Magiers Shurkan (nicht Shere Khan!), mit Ausnahme von einem, der zum Waldzauberer umgeschult hat und als Nachmieter der Hexe im Knusperhäuschen wohnt. Außerdem bekommt der Zuschauer hier unter anderem noch Echsenmenschen, Spielzeugdinosaurier, eine Truppe untoter Krieger, Zyklopen, eine Meerjungfrau und einen geflügelten Löwen geboten.

Auf dem Papier mag das nach einem brauchbaren, familientauglichen (der Protagonist ist schätzungsweise 12) Fantasyfilmchen aussehen. Der Schein trügt. Das Machwerk ist an allen Ecken und Enden billig zusammengeschustert. An den teils farbenfrohen Kostümen (blau, türkis, fliederfarben, lila…!) und den schlichten Lichteffekten (Merke: böse Magie ist rot, gute Magie ist blau) konnte ich mich (auch wegen minimalem Restalkohol) noch erfreuen. Alles andere entpuppt sich als ziemlich mies. Die Kampfszenen wirken fast noch stümperhafter gefilmt als bei Billigbarbar Ator. Für eine kohärente Geschichte hat sich wohl auch niemand interessant. So lustlos wie der schwedisch-amerikanische Actionfilm-Hüne Bo Svenson als Kor (kommt heraus, wenn man Thor und Conan mixt) hier agiert so uninspiriert-lieblos wird der ganze Schmu auch heruntergekurbelt. Was Regisseur Héctor Oliveira (Barbarian Queen) ursprünglich an verwertbarem Filmmaterial abgeliefert hatte ging nur eine knappe Stunde und so wurde die Laufzeit einfach mit Szenenschnipseln aus zwei anderen Corman-Produktionen der Zeit, nämlich (ja!) Deathstalker und Sorceress – Die Mächte des Lichts (1982), auf knapp 80 Minuten gestreckt. Nur leider fällt diese Schummelei auf, weil das zusätzliche Material nicht wirklich dazu passt.

Passend zur kreativen „Eigenleistung“ wird einfach der Score von James Horner aus Sador – Herrscher im Weltraum recycelt und ein Programm generischer Fantasy-Versatzstücke (Herr der Ringe und Star Wars zählen zu den offensichtlichen, unfreiwilligen Paten) mit an Oberflächlichkeiten nicht mehr zu überbietenden Dialogen (ich vermute Ausschussware von Kalenderblattsprüchen) kombiniert. Erstaunlich, dass die wackeligen Styropor- und Pappkulissen beim turbulenten Finale nicht eingestürzt sind. Das Fehlen jeglicher Qualität hat Corman und Co übrigens nicht davon abgehalten, eine Fortsetzung (Ein Königreich vor unserer Zeit II) zu drehen, mit komplett anderer Besetzung und Story sowie „ergänzendem“ Material aus Der Krieger und die Hexe (1984), Barbarian Queen (1985), Amazons (1986) und Mystor – Todesjäger II (1987). Falls Textstellen aus dieser Rezension in anderen Reviews auftauchen, bitte nicht wundern.

Wizards of the Lost Kingdom ist auf DVD und BluRay erhältlich sowie als Stream bei Amazon (in Prime enthalten), Google Play, maxdome und Youtube verfügbar.

Wizards of the Lost Kingdom
Fantasy-Abenteuer Argentinien, USA 1985. FSK 12. 78 Minuten.
Mit: Vidal Peterson, Bo Svenson, Thom Christopher, Barbara Stock, Dolores Michaels, Edgardo Moreira, Michael Fontaine u.a. Drehbuch: Ed Naha alias Tom Edwards. Regie: Héctor Oliveira.

Credits
Bilder (c) M-Square.

 


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