La Flor – mwj schaut den Mammutfilm (3)

14. Mai 2021

Vor knapp zwei Jahren hörte ich zum ersten Mal von La Flor, einem argentinischen Film mit einer stolzen Länge von 14 (!) Stunden. Aktuell ist das komplette, cineastische Mammutwerk in der Arte-Mediathek kostenlos verfügbar. Und ich habe mich daher an das gigantische Unterfangen der Sichtung herangewagt. Willkommen zur dritten und letzten Etappe des Marathons.

Nach Teil 1 (Episoden I und II, 3 Stunden 34 Minuten) und Teil 2 (Episode III, 5 Stunden 27 Minuten) folgen im letzten der drei Teile die verbleibenden Episoden IV, V und VI.

¡Ándale!

Episode IV

Sechs Jahre sind seit dem Beginn der Dreharbeiten vergangen. Regisseur Mariano Llinás hat irgendwie die Lust oder den Faden verloren. Oder beides. Seine vier Hauptdarstellerinnen (Elisa Carricajo, Valeria Correa, Pilar Gamboa und Laura Paredes) sind genervt. Gerade noch sollte ein in Kanada spielender Fantasyfilm mit Mounties und Indianern gedreht werden. Da holt Llinás eine weitere Produzentin an Bord und geht mit kleiner Filmcrew auf Reisen, um Bäume zu filmen, die ihn plötzlich zu faszinieren scheinen. Die Grenzen zwischen Film-im-Film und Realität verschwimmen. Als sich ein mysteriöser, übersinnlicher Vorfall ereignet reist ein Wissenschaftler, Professor Gatto (Pablo Siejo), aus der Ferne an, um die Sache zu untersuchen. Vier Männer sind durch ein traumatisches Erlebnis verrückt geworden, ein fünfter bleibt verschwunden. Dessen Spur verfolgt Gatto.

Ähnlich wie Episode III zuvor stellt IV eine eigenwillige, filmische Form eines Mosaikromans dar. Ein Spiel mit den Meta-Ebenen. Die Odyssee des Filmemachers in der Sinnkrise wird zum schweren Fall für einen Wissenschaftler, der seine Erkenntnisse und Erlebnisse in E-Mails an seinen besten Freund in den USA festhält, womit wir beim modernen Briefroman wären. Das eigentlich im Zentrum von La Flor stehende Schauspielerinnen-Quartett spielt hier nur eine Nebenrolle und bleibt doch irgendwie das Herzstück, vor allem in einer liebevollen Schlussmontage. Was hier allerdings im Verlauf alles an Elementen aufgetischt wird (u.a. Hexen, Bäume mit potenziellem Eigenleben, die Insassen einer Psychiatrie und ihre Geschichten sowie ein „verschollenes“ Fragment über Casanova) ist bisweilen an minimalistischer Abstrusität/Kuriosität kaum zu überbieten und sorgt dadurch auch für absurde Komik. Hab ich erwähnt, dass diese Episode 3 Stunden und 8 Minuten (inklusive einer dreiminütigen Pause) dauert?

Episode V

Nach einer etwa vierminütigen Pause und einem kleinen Intermezzo mit Regisseur Mariano Llinás, der sich für das bisherige Zuschauen bedankt, folgt die fünfte Episode. Es handelt sich um ein Remake des 1936 gedrehten und erst 1946 veröffentlichten französischen Films Eine Landpartie (OT: Partie de campagne) von Jean Renoir, nach einer Novelle von Guy de Maupassant von 1881. Eine alleinerziehende, irgendwie enthemmte Mutter und ihre Tochter, ein junges Mädchen, treffen an einem schönen Nachmittag in der Natur einen alleinerziehenden Vater und seinen heranwachsenden Sohn. Aber auch zwei Gauchos kreuzen ihren Weg. Gedreht im Stile alter Stummfilme und in Schwarzweiß. Nur zwischendurch unterbricht eine Flugschau mit Dialogen (wohlmöglich aus dem Originalfilm?) die Stille. Mit läppischen 42 Minuten hat „Ein Tag in der Pampa“ nur einen geringen Anteil (5 Prozent) am Gesamtepos. Und bildet vielleicht deswegen eine nicht unwillkommene Abwechslung. Die vier Hauptdarstellerinnen tauchen hier gar nicht auf. Nummer V ist außerdem die einzige Episode mit einem Anfang und einem Ende.

Episode VI

La grande final! Nur ist es gar nicht groß. Ganz im Gegenteil. Die letzte Episode ist mit 21 Minuten auch die kürzeste, sogar nur halb so lang wie Nummer V. Es wird lediglich das Ende einer Geschichte gezeigt. Im Amerika des 19. Jahrhundert konnten die englische Lehrerin Sarah Evans (Elisa Carricajo) und drei weitere Frauen – eine Kreolin (Pilar Gamboa) sowie eine Mestizin (Laura Paredes) und ihre Tochter (Valeria Correa) – nach zehn Jahren aus ihrer Gefangenschaft bei den „Wilden“ fliehen und sind kurz davor, in die Zivilisation zurückzukehren, in diesem farbigen Stummfilm mit Zwischentiteln, der durch seine unscharfen Bilder wirkt, als hätte man einen Streifen aus der Frühzeit der bewegten Bilder auf eine Leinwand geworfen. Man kann bei zwei so kurzen Episoden am Ende natürlich jetzt mutmaßen, dass den Beteiligten dieses so gigantischen Filmprojekts am Ende ziemlich die Luft ausgegangen ist. Aber man stelle sich mal vor, die letzten beiden Geschichten wären auch in Spielfilm- oder gar Überlänge! Dann wäre La Flor vermutlich 17 oder gar 20 Stunden lang! Bei näherer Betrachtung erweist sich dieser Schluss auch als absolut passend. Die letzten Kilometer bis zur Rückkehr in die Zivilisation sind für die vier Hauptdarstellerinnen das Ende einer langen, mühevollen Reise, nämlich der sich über 10 Jahre erstreckenden Produktion dieses 14-Stunden-Films. Zwei von ihnen sind schwanger. Man geht fortan getrennte Wege. Den Ausklang bildet der 38minütige (!) Abspann. Am letzten Drehtag fällt die letzte Klappe, Cast und Crew liegen sich in den Armen, bevor das Equipment eingepackt wird und alle die malerische Steppen-Location verlassen, bis nur noch ein Mann im Liegestuhl und ein Hund übrig sind.

Und nach 840 Minuten ist der vermutlich längste Episoden- bzw. Anthologie-film und der längste jemals in Argentinien produzierte Kinofilm zu Ende. Dass ich La Flor nicht beim sehr limitierten deutschen Kinostart Ende Juli 2019 auf der großen Leinwand erleben konnte ist zwar schade, aber durch die Sichtung der drei Teile an drei aufeinanderfolgenden Tagen (wie es von den Machern gewollt ist) kam es mir vor, als wäre ich auf einem Filmfestival, das wegen Corona nur online stattfindet (siehe die diesjährige Internationale Filmwoche Würzburg). Auf jeden Fall Hut ab vor Elisa Carricajo, Valeria Correa, Pilar Gamboa, Laura Paredes, den weiteren Darstellern sowie Autor/Regisseur Mariano Llinás und seiner über die Jahre hinweg personell zahlreichen Filmcrew! ¡Chapo!

Auch wenn ich sehr wahrscheinlich das Mammutwerk nie wieder komplett ansehen werde und es zwischenzeitlich immer wieder mal Längen gab so war es doch eine einmalige Erfahrung, 14 Stunden in eine mannigfaltige Zelluloidwelt einzutauchen, die nicht nur Horror/Mystery, Musik-Drama mit Gangsterfilm-Anleihen, Agentenfilm, Stummfilm sondern auch eine Meta-Satire übers Filmemachen aufgeboten hat, einzutauchen, dort zu verbringen. Was bleibt nach dem Sichtungsmarathon, außer großer Freude, dass man bis zum Schluss durchgehalten hat? Die Erinnerung an unfassbare lange Szenen ohne Schnitt, äußerst ruhige Kameraeinstellungen, schräge Figuren, eine über weite Strecken übertheatralische Musik und das ausdrucksstarke Gesicht von Elisa Carricajo, mit ihren königsblauen Augen.

Jetzt aber wieder schnell zurück ins richtige Leben, bevor mich die Hexen verfolgen! 😉

Einzelbewertungen

Episode I – 7/10
Episode II – 8/10
Episode III – 9/10
Episode IV – 8/10
Episode V – 7/10
Episode VI – 8/10

Aufgeteilt auf drei Videos ist der komplette Film La Flor noch bis 30.09.2021 in der Arte-Mediathek abrufbar sowie seit Januar 2020 auf DVD und BluRay erhältlich.


La Flor
Anthologie-Epos Argentinien 2018. FSK o.A. 808 Minuten. OmdU. Mit: Elisa Carricajo, Valeria Correa, Pilar Gamboa, Laura Paredes u.v.a. Drehbuch und Regie: Mariano Llinás.

Credits
Bilder (c) absolut MEDIEN

 

 


La Flor – mwj schaut den Mammutfilm (2)

13. Mai 2021

Vor knapp zwei Jahren hörte ich zum ersten Mal von La Flor, einem argentinischen Film mit einer stolzen Länge von 14 (!) Stunden. Aktuell ist das komplette, cineastische Mammutwerk in der Arte-Mediathek kostenlos verfügbar. Und ich habe mich daher an das gigantische Unterfangen der Sichtung herangewagt. Nun folgt die zweite Etappe des kuriosen Binge-Watching-Erlebnisses dieses besonderen Filmepos.


Einen Tag nach der Sichtung des ersten von insgesamt drei Teilen (so die Aufteilung in der Arte-Mediathek), welcher die Episoden I und II von insgesamt 6 Episoden von La Flor beinhaltet und mit einer stattlichen Laufzeit von 3 Stunden 34 Minuten bezüglich der Zeit in einer ähnlichen Liga wie die „Extended Edition von Der Herr der Ringe: Die Gefährten oder der „Ultimate Cut“ von Watchmen spielt, ging es mit dem zweiten Teil weiter. Im ersten Beitrag vergaß ich zu erwähnen, dass von den sechs Geschichten/Episoden, die zusammen den 14stündigen Gesamtfilm ergeben, die ersten vier quasi kein Ende haben. Fast endlos schien Episode III, die sich über den gesamten zweiten Teil erstreckt.

¡Ándale!

Episode III

Um die Dimensionen dieser Episode gleichmal direkt abzustecken: es handelt sich hierbei um einen 5 Stunden (!) und 27 Minuten langen Agentenfilm (aufgeteilt auf drei Akte und 10 Kapitel inklusive zwei Pausen von 10 bzw. 3 Minuten), in welchem gefühlt fast nichts passiert. Vier Agentinnen – Agente 50 (Elisa Carricajo), La 301 (Laura Paredes), La niña (Valeria Correa) und die stumme Theresa (Pilar Gamboa) – sollen den entführten Wissenschaftler Dreyfuss (Horacio Marassi) befreien. Der Plan geht allerdings nicht ganz auf. Zudem hat ihr Auftraggeber Casterman (Marcelo Pozzi) den vier Frauen ein Quartett von Killerinnen auf den Hals gesetzt, welche die unliebsamen Spioninnen ausschalten sollen. So weit, so gut. Ein bisschen wenig Stoff für über mehr als fünf Stunden, oder? Daher „verliert“ sich die ganze Geschichte auch immer wieder in Rückblenden. Zu Anfangs geht es bei diesen noch um die Hintergründe der als „Operation Hercules“ bezeichneten, in den 1980ern spielenden Mission. Doch ein Großteil widmet sich den Origin Stories der vier Agentinnen. Der längste Agentenfilm aller Zeiten vereint mehrere Aspekte des Themas in einem: Spionage im Kalten Krieg, die kalte Geheimdienstbürokratie der Sowjetunion, die unausgesprochene Liebe zweier eingespielter Auftragskiller und die schaurige Lebensgeschichte einer ehemaligen Guerillakämpferin (siehe Black Lagoon: Roberta’s Blood Trail). Als ob Regisseur Mariano Llinás und sein Team fast alle mögliche Facetten internationaler Spionage in einer Geschichte abhandeln und philosophisch hinterfragen wollten, nur um das Genre irgendwie zu dekonstruieren. So ähnlich stelle ich mir einen Spionagefilm von Béla Tarr, dem ungarischen Altmeister des langsamen Films (sein Werk Satanstango geht siebeneinhalb Stunden) vor.

Actionszenen gibt es in dieser überaus antiklimaktischen Angelegenheit im Grunde keine, nur sehr kurze Schusswechsel und ein paar absichtlich albern-lustlose „Prügelszenen“. Bei den ausgedehnten Rückblenden kommen mehrere Off-Sprecher zum Einsatz. Diese Mischung aus postmodernem Roman und ruhig erzähltem Kino erinnert mich sehr an Migues Gomes‘ in drei Teilen veröffentlichte, halbdokumentarische Meta-Geschichtensammlung 1001 Nacht (2015) aus Portugal. Dem internationalen Setting geschuldet sind hier fast alle Dialoge nachsynchronisiert, was bisweilen irritierend wirkend kann. Denn waren die Episoden I ud II noch fast komplett auf Spanisch, so kommen in Nummer III Dialoge in Französisch (die gemeinsame Sprache der vier Agentinnen), Englisch, Deutsch, Schwedisch und Russisch hinzu. Freilich ist das alles komplett deutsch untertitelt.

Nach diesem zugegebenermaßen sehr langem, aber auf eigenwillige Art auch beeindruckenden Mittelteil bin ich erleichtert, dass der die Episoden IV bis VI enthaltende dritte und letzte Teil „nur“ knapp fünf Stunden (299 Minuten) dauern wird. Etwa zwei Drittel der 14 Stunden sind also geschafft. 😉

Continuará (Fortsetzung folgt)…

Aufgeteilt auf drei Videos ist der komplette Film La Flor noch bis 30.09.2021 in der Arte-Mediathek abrufbar sowie seit Januar 2020 auf DVD und BluRay erhältlich.

La Flor
Anthologie-Epos Argentinien 2018. FSK o.A. 808 Minuten. OmdU. Mit: Elisa Carricajo, Valeria Correa, Pilar Gamboa, Laura Paredes u.v.a. Drehbuch und Regie: Mariano Llinás.

Credits
Bild (c) absolut MEDIEN

 


La Flor – mwj schaut den Mammutfilm (1)

12. Mai 2021

Vor knapp zwei Jahren hörte ich zum ersten Mal von La Flor, einem argentinischen Film mit einer stolzen Länge von 14 (!) Stunden. Aktuell ist das komplette, cineastische Mammutwerk in der Arte-Mediathek kostenlos verfügbar. Und ich habe mich daher an das gigantische Unterfangen der Sichtung herangewagt.


Mit einer Laufzeit von 13 Stunden und 28 Minuten (ohne die vorgesehenen Pausen) ist La Flor (zu deutsch „die Blüte“ oder „die Blume“) laut Wikipedia der drittlängste Kinofilm aller Zeiten. Aufgeteilt ist das Mammutwerk in sechs Episoden und acht Akte. Jeder der Episoden erzählt eine eigene Geschichte und bedient ein anderes Genre. Die Dreharbeiten zum kompletten Film unter Regie und nach Drehbuch von Mariano Llinás zogen sich über einen Zeitraum von zehn Jahren hin. Cast und Crew arbeiteten in diesem Zeitraum auch an anderen Projekten. Im Prolog erklärt Llinás, dass im Zentrum von La Flor die vier Darstellerinnen Elisa Carricajo, Valeria Correa, Pilar Gamboa und Laura Paredes stehen, die in jeder Episode jeweils eine andere Rolle übernehmen. Nach der Premiere auf dem Internationalen Filmfestival des Independent-Films in Buenos Aires im April 2018 lief das Epos an Ende Juli 2019 in ausgewählten deutschen Kinos. Im Januar 2020 kam es hierzulande zur Heimkinoauswertung auf DVD und BluRay.

Da ich derzeit ein paar Tage Urlaub habe und das gigantische Werk kostenlos in der Arte-Mediathek verfügbar ist, habe ich nun meine Sichtung gestartet, die natürlich in mehreren Etappen vonstatten geht. ¡Ándale!

Episode I

Die Mitarbeiter einer abgelegegenen Ausgrabungsstätte bereiten sich auf die Osterfeiertage vor. Weil aber pltötzlich noch eine Ladung mit einer Mumie eintrifft müssen die Leiterin Dr. Lucia Conti (Laura Paredes) und ihre Kollegin, die zurückhaltende Marcela (Elisa Carricajo), die eigentlich freien Tage allein im Institut verbringen. Plötzlich zeigt die dort lebende Katze extrem aggressives Verhalten und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Der zur Hilfe gerufene Tierarzt Claudio (Federico Buso) kann sich die Symptome auch nicht erklären. Da beginnt sich auch die junge Mitarbeiterin Yanina (Valeria Correa) merkwürdig zu benehmen.
Wie der Regisseur im Prolog erklärt handelt es sich bei der ersten Episode um ein B-Movie der Art, wie man sie früher in den USA produzierte. In äußerst langen Einstellungen bleibt die Kamera immer ganz nah bei den Schauspielern. Die Szenen der Aggression und Verwüstung werden nie wirklich gezeigt, sondern sind meist nur aus dem Off zu hören. Die Inszenierung wirkt insgesamt sehr zurückgenommen, bis auf die teils überzeichnet treibende, unheilsschwangere Musik. Eine Episode zwischen Horror und Mystery, die auch als Folge von Akte X oder einer Anthologie-Serie wie Twilight Zone oder The Outer Limits funktionieren könnte.

 

Episode II

In der zweiten Episode werden eigentlich zwei Geschichten erzählt, die an sich wenig miteinander zu tun haben, aber eine der Figuren bildet das Bindeglied zwischen beiden Handlungssträngen. Lange Jahre waren Ricky (Héctor Diaz) und Victoria (Pilar Gamboa) sowohl musikalisch als auch privat das absolute Traumpaar. Doch nun ist ihre Beziehung in die Brüche gegangen und getrennt voneinander sollen sie einen letzten Song aufnehmen, was sich aus unterschiedlichen Gründen jedoch als schwierig gestaltet. Parallel geht es um eine mysteriöse Gruppe, die von der dominanten Anführerin Isabella (Elisa Carricajo) und dem Wissenschaftler Garcia (Marcelo Mariño) geleitet wird und die Auswirkungen des Giftes einer seltenen Skorpion-Gattung erforscht. Während ich die erste Episode als ganz solide empfand gefiel mir die zweite etwas besser. Da wäre zum das Beziehungsdrama um die beiden Musiker, das mit seinen überaus vieldeutigen Songs und gleichzeitig dem Entzaubern des Starrummels besticht. Die Story mit dem Skorpion-Geheimbund wirkte auf mich dagegen recht schräg und etwas surreal, auch durch die übertheatralische Musik, die einen Gegenpol zu den eher einfach gestrickten, aber schönen Songs darstellt. Wie zuvor liegt der inszenatorische Schwerpunkt auf äußerst langen Kameraeinstellungen und intensiven Dialog-Szenen bzw. Monologen. In der Bildgestaltung arbeiten Regisseur Llinás und sein Team fast durchgehend mit absichtlichen Unschärfen.

Für die Veröffentlichung in seiner Mediathek hat der deutsch-französische Kultursender Arte die sechs Episoden auf drei Videos aufgeteilt (Teil 1, Teil 2 und Teil 3). Zusammengerechnet ergeben diese drei Teile allerdings eine Laufzeit von ca. 840 Minuten, also genau 14 Stunden. Diese längere Fassung beinhaltet die Pausen, die bei der Vorführung im Kino geschaltet wurden. Teil 1, der die Episoden 1 und 2 beinhaltet, ist 214 Minuten (3 Stunden 34 Minuten) lang. Nach etwa zweieinhalb Stunden folgt eine ca. dreiminütige Pause und die letzten siebeneinhalb Minuten zeigt der Bildschirm nur „Continuará“ (spanisch für „Fortsetzung folgt“) an während ein Song aus der vorherigen Geschichte läuft. Die richtigen Mammutfolgen habe ich allerdings noch vor mir. Das Video zu Teil 2 ist 327 Minuten (5 Stunden 27 Minuten) lang, Teil 3 geht knapp 5 Stunden (299 Minuten). Bis jetzt hielten sich die Längen für mich auch noch in Grenzen. Es ist allerdings zu vermuten, dass mich die vier Darstellerinnen bald in meinen Träumen heimsuchen werden. 😉

Continuará (Fortsetzung folgt)…

Aufgeteilt auf drei Videos ist der komplette Film La Flor noch bis 30.09.2021 in der Arte-Mediathek abrufbar sowie seit Januar 2020 auf DVD und BluRay erhältlich.


La Flor
Anthologie-Epos Argentinien 2018. FSK o.A. 808 Minuten. OmdU. Mit: Elisa Carricajo, Valeria Correa, Pilar Gamboa, Laura Paredes u.v.a. Drehbuch und Regie: Mariano Llinás.


Credits
Bilder (c) absolut MEDIEN

 

 

 

 

 


C.S. Lewis & der Traum von Narnia

11. Mai 2021

Im Bonusmaterial zur „Royal Edition“ von Die Chroniken von Narnia – Der König von Narnia stieß ich auf die Doku C.S. Lewis & der Traum von Narnia, welche sich mit dem Leben des Autors und seiner Inspiration für die Welt von Narnia befasst.

Von der Kraft der Fantasie

Clive Staples „C.S.“ Lewis (198-1963) ist allgemein vor allem für seine mit phantastischen Elementen und christlichen Motiven angefüllte Kinderbuchreihe Die Chroniken von Narnia, deren sieben Bände in den Jahren 1950 bis 1956 erschienen. Der in Belfast geborene Lewis konnte aber auch eine beeindruckende Karriere als Literaturwissenschaftler und Theologie an den renommierten Universitäten in Oxford und Cambridge vorweisen. Regisseur M. David Melvin, der unter anderem auch als Kameramann und Produzent an Featurettes zu den Filmen Pitch Black (2000) und Star Trek (2009) gearbeitet hat, fasst in seiner Dokumentation nicht nur das Leben von Lewis zusammen, sondern erarbeitet dabei auch die Hintergründe und Themen der „Narnia“-Bücher. Als Bindeglied der einzelnen Bestandteile fungiert quasi Lewis selbst, der als Erzähler durch den Film führt, indem er in einem Brief an junge Fans von seinem Leben und seinen Erfahrungen berichtet. Zu Wort kommen außerdem Literaturwissenschaftler, Historiker, Theologen sowie ein Taxifahrer aus Oxford, der seinen Fahrgästen „Lewis-Touren“ durch die Universitätsstadt anbietet. Als prominente Mitwirkende sind außerdem Science-Fiction-Autor Ray Bradbury, Schauspieler Ben Kingsley und Lewis‘ Stiefsohn Douglas Gresham, einer der Produzenten der drei Kino-Adaptionen Der König von Narnia (2005), Prinz Kaspian von Narnia (2008) und Die Reise auf der Morgenröte (2010), vertreten. Melvin versteht es gekonnt, die einzelnen Teile – nämlich den Off-Kommentar, die Interview-Schnipsel, die animierten Narnia-Illustrationen von Pauline Baynes, Archivbilder und aktuelle Filmaufnahmen – zu einem gelungenen Ganzen zu kombinieren. Die Aufmachung bleibt dabei im Gegensatz zu vielen gängigen amerikanischen Dokumentationen die komplette Laufzeit über völlig unreißerisch, wenngleich es hier und da ein wenig rührselig zugeht.

C.S. Lewis & der Traum von Narnia ist als Bonusmaterial in der „Royal Edition“-DVD-Box von Die Chroniken von Narnia – Der König von Narnia enthalten.

C.S. Lewis & der Traum von Narnia (C.S. Lewis: Dreamer of Narnia)
Dokumentation USA 2006. 77 Minuten. Buch und Regie: M. David Melvin.

Credits
Bilder (c) Disney.

 


Media Monday #515

10. Mai 2021

Mit dem heutigen Media Monday steigt die Vorfreude. Denn ab morgen habe ich ein paar Tage Urlaub.

Beitrag der Woche
Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia (Royal Edition)


Fragen der Woche

1. In all der Zeit habe ich es irgendwie nie geschafft den ein oder anderen als Klassiker geltenden Film zu sehen, z.B. Casablanca oder Pulp Fiction. Von ersterem liegt hier schon seit Jahren die DVD ungesehen rum.

2. Gefühlt werden manche Serien mittlerweile regelrecht als Fließbandware produziert und das führt dann zur Überschwemmung des Marktes mit schwachen oder mittelmäßigen Produkten. Aber die Erkenntnis, dass Qualität besser als Quanität ist, gerät oft in Vergessenheit.

3. Ungeachtet meiner Vorbehalte gegen Religion und Kirche als Institution muss ich sagen, dass Lambs of God, eine Miniserie über drei abgeschieden lebende Ordensschwestern, sehr gelungen ist.

4. Wenn das Wetter einen jetzt langsam wieder öfter auch nach draußen treibt dann hoffe ich auf eine mögliche Öffnung der Außengastronomie.

5. Schlafen ist ja auch immer wieder eine schöne Freizeitbeschäftigung, schließlich kommt man auf der Arbeit viel zu selten dazu.

6. Und wenn ich zu sonst nix Lust hätte, ich würde quasi jederzeit eine Folge von Danger 5 schauen, weil ich diese Serie einfach liebe und sie nach mindestens einem halben Dutzend Sichtungen immer noch Spaß macht. Seit zwei Wochen bin ich übrigens im Besitz der BluRay.

7. Zuletzt habe ich die erste Staffel der Mysteryserie Falling Water vollendet und das war teils etwas verwirrend, weil sich die Handlung im Staffelfinale doch einigermaßen verschachtelt gestaltet. Außerdem gab es beim Parkbesuch die Lektüre der Graphic Novel Snow, Glass, Apples von Neil Gaiman und Colleen Doran (nach einer Kurzgeschichte Gaimans), welche eine schaurige Alternativversion des Märchens Schneewittchen erzählt.

 

 


Tilda Swinton Festival: Der König von Narnia (Royal Edition)

8. Mai 2021

Vor einem halben Jahr startete ich zum Anlass des 60. Geburtstag der einmaligen Schaupsielerin Tilda Swinton eine Werkschau ihrer Filme. Nur leider habe ich bisher aus unerfindlichen Gründen nur zwei geschafft. Als dritten Beitrag gibt es nun den (erweiteren) Rewatch eines großen Fantasyblockbusters.

In Die Chroniken von Narnia – Der König von Narnia von Regisseur Andrew Adamson, nach dem gleichnamigen Kinderbuch von C.S. Lewis, spielt Tilda Swinton die im wahrsten Sinne des Wortes eiskalte weiße Hexe, welche das magische Land mit ihrer Schreckensherrschaft und ewigem Winter überzieht. Ihr stellen sich die aus unserer Welt nach Narnia gelangten Pevensie-Geschwister entgegen, die gemeinsam mit treuen Anhängern von Aslan, dem wahren König Narnias, gegen die böse Hexe in den Kampf ziehen.

Gut 15 Jahre nach dem Kinostart nahm ich die seit Jahren bei mir ungesehen herumliegende DVD-Box zum Anlass, mir die im Vergleich zur Kinofassung um sieben Minuten erweiterte „Royal Edition“ endlich anzusehen. Konnte Narnia nach so langer Zeit die gleiche Faszination auf mich ausüben wie damals? Wie habe ich Tilda Swintons Performance mit heutigen Augen wahrgenommen? All das und mehr gibt es in der vollständigen Kritik bei Vieraugen Kino

 

 


Media Monday #514

3. Mai 2021

Willkommen beim ersten diesjährigen Mai-Media-Monday! Zum Start in die Woche gibt es wieder sieben Fragen und Antworten…

Beiträge der Woche
Desperado (1995)
Lambs of God (Miniserie)

Fragen der Woche

1. Um mich neugierig zu machen, braucht es etwas Interessantes.

2. Schön und gut, dass dank Internet immer und überall gefühlt alles verfügbar ist, aber das führt auch zu einer chronischen „Zuvielitis“ wegen des Überangebots. Außerdem werden durch die Konzentration auf Streaming einige Filme und Serien oft gar nicht mehr auf DVD/BluRay veröffentlicht, was für eifrige Sammler und generell sehr bedauerlich ist.

3. Wenn ich mal so überlege, was meine Hobbys eigentlich so kosten, dann dürften die Kosten für Kinokarten, Streaminggebühren, DVDs/BluRays sowie die Fernsehgebühren sicherlich die größten Posten bilden.

4. Eine virtuelle Watchparty (siehe auch Frage 7) ist tatsächlich eine schöne Alternative, wenn es wie aktuell wegen Corona nicht anders geht und die Beteiligten über mehrere Länder verstreut sind.

5. Soziales Miteinander ist im Moment ja wirklich nur schwer zu realisieren, aber hoffentlich bald wieder in einem Umfang wie früher möglich.

6. Dass ich nun wieder persönlich im Comicbuchladen meines Vertrauens vorbeischauen kann hätte ich Anfang der letzten Woche nicht unbedingt vermutet, aber die Corona-Bestimmungen änderten sich kurzfristig und so habe ich am Donnerstag die Gelegenheit beim Schopfe gepackt.

7. Zuletzt habe ich bei einer virtuellen Watchparty mit Freunden nochmal die russische Herr der Ringe-Verfilmung angesehen, einen Film mit Tilda Swinton gesichtet und mein Review zu Desperado (siehe oben) vollendet und das war sehr schön, saulustig (ersteres) und abwechslungsreich, weil diese drei Werke relativ unterschiedlich sind.

 


Desperado (1995)

2. Mai 2021

Drei Jahre nach seinem Ultra-Low-Budget-Debüt El Mariachi drehte Robert Rodriguez die Fortsetzung Desperado, in welcher es der dieses Mal von Antonio Banderas verkörperte Titelheld erneut mit einem Gangsterboss und dessen Schergen aufnimmt.


Kämpfen und Klampfen

Mexiko, August 1994. Vor Jahren rächte sich der Mariachi an Gangsterboss Moco für die Ermordung seiner Geliebten und die Verstümmelung der linken Hand. Nun setzt der Musiker (Antonio Banderas) mit seinem Gitarrenkoffer voller Waffen den Rachefeldzug fort. Bucho (Joaquim de Almeida), einer der Bosse von Moco, ist das nächste Ziel. Bucho weiß jedoch, dass es ein unbekannter Mann in Schwarz auf ihn abgesehen hat, denn der geheimnisvolle Buscemi (Steve Buscemi) hat bereits in der ganzen Gegend Geschichten über den dunklen Rächer erzählt. Beim Angriff eines der Handlanger von Bucho wird der Mariachi schwer verletzt. Die zufällig anwesende Carolina (Salma Hayek) kümmert sich um seine Verletzung und versteckt ihn in ihrer Buchhandlung. In der Folge dezimiert der Mariachi Buchos Männer beträchtlich. Bis die beiden Kontrahenten erstmals aufeinander treffen…

Für absolut lächerliche 7.000 Dollar drehte Robert Rodriguez sein Erstlingswerk El Mariachi. Columbia Pictures wurde auf den kleinen Film aufmerksam, erwarb die Verleihrechte und investierte 200.000 Dollar für Nachbearbeitung und Vermarktung. Für die drei Jahre später veröffentlichte, englischsprachige Fortsetzung Desperado stand Rodriguez das 1000fache an Geld zur Verfügung. Für einen knalligen (Hollywood-)Actionfilm ist das freilich immer noch eher wenig Geld. Dennoch gelang dem auch für Kamera, Schnitt und Drehbuch verantwortlichen Regisseur ein solide inszenierter Streifen, der allerdings inhaltlich sehr zu wünschen übrig lässt.

Natürlich darf man bei einem solchen, auf Action und schickes Neo-Western-Ambiente ausgelegten Film, eine besonders ausgefeilte Story nicht unbedingt erwarten. Auch der Vorgänger war inhaltlich recht einfach gestrickt, aber dennoch hat die Handlung ganz ordentlich funktioniert. Bei Desperado ergibt der Plot aus meiner Sicht aber wenig bis gar keinen Sinn. Der Mariachi hat sich nämlich bereits am Verantwortlichen für den Mord an seiner Geliebten gerächt. Warum er also im zweiten Teil seine blutige Vendetta fortsetzt wird nicht wirklich schlüssig erklärt. Ein paar Motive werden übernommen, wie etwa die hübsche Frau, welche in die miesen Geschäfte der Gangster verwickelt ist, sich aber in den Helden verliebt. Diesen eher undankbaren Part spielt die mexikanisch-amerikanische Schauspielerin Salma Hayek (From Dusk till Dawn, Das Märchen der Märchen). Die Hauptrolle übernahm Spaniens Starakteur Antonio Banderas (Spy Kids, Leid und Herrlichkeit) aus dem ersten Teil von Carlos Gallardo, der hier wiederum eine kleine Nebenrolle ergatten konnte. Weitere „übliche Verdächtige“ aus Robert Rodriguez‘ Filmographie sind ebenfalls mit von der Partie, wie Cheech Marin (der mit Tommy Chong das Duo „Cheech & Chong“ bildete), Tito Larriva von der Band Tito & Tarantula und natürlich Danny Trejo (Machete) als Messer werfender, namen- und dialogloser Killer. Neun weitere gemeinsame Filme der entfernten Cousins Rodriguez und Trejo sollten folgen. Ein damals ähnlich aufstrebender Regisseur namens Quentin Tarantino durfte sich ebenso als Darsteller versuchen.

Insgesamt gelang mit Desperado aber vor allem aufgrund der flott und mit einer gehörigen Portion Selbstironie inszenierten blutigen Shootouts ein kurzweiliger Actionkracher, der zwar nicht ganz die gigantischen Geschütze auffährt, aber durch seinen eben nicht komplett unkaputtbaren Protagonisten und teils aberwitzige Situationen durchaus etwas für sich hat. 2003 wurde die „Mexico-Trilogy“ von Rodriguez mit dem noch prominenter besetzten Irgendwann in Mexiko vollendet.

Desperado ist auf DVD und BluRay erhältlich sowie bei diversen Streaminganbietern abrufbar.

Desperado
Actionfilm/Neo-Western USA 1995. FSK 18. 100 Minuten (PAL-DVD). Mit: Antonio Banderas, Joaquim de Almeida, Steve Buscemi, Salma Hayek, Cheech Marin, Quentin Tarantino, Danny Trejo, Carlos Gomez, Tito Larriva, Abraham Verduzco u.a. Drehbuch und Regie: Robert Rodriguez.

Credits
Bilder (c) Columbia/Sony.

 

 


Review(s) April 2021

2. Mai 2021

Im Rückblick auf den Monat März hoffte ich auf einen frühlingshaften April und eine bessere Review-Ausbeute. Ob das funktioniert hat?

Der April ist zwar nach eher kaltem Start nun doch recht frühlingshaft geworden, aber einen positiven Effekt auf meine Produktivität hatte das nicht. Es gab einige Jubiläen, wobei ich zweien einen eigenen Artikel widmete. Was wird der Mai bringen? Vielleicht öffnen die Kinos nach einer Ewigkeit mal wieder? Man wird ja noch träumen dürfen. 😉


Filme
Mord im Orientexpress (2017) (Rewatch)
Rezensionsleichen von 2002 (Moulin Rouge und A Beautiful Mind)

Serien
10 Jahre Game of Thrones
The Great: Staffel 1
Khraniteli (Miniserie)
Lambs of God
(Miniserie)

Sonstiges
Zum 60. Geburtstag von Lisa Gerrard


Außerdem gesehen und (noch) nicht besprochen

Desperado (1995)
Der Illusionist (2010)
Monty Python: Die Ritter der Kokusnuss (RW)

Behind Her Eyes – Sie weiß von dir (Miniserie)
Danger 5 – Staffel 1, Folge 0 und Staffel 2, Folge 1 (RW)
Falling Water – Staffel 1, Folgen 1 bis 3
Fleabag – Staffel 1, Folgen 1 bis 3
Hartwig Seeler – Ein neues Leben (TV-Film)
Pushing Daisies – Staffel 1, Folge 9 und Staffel 2, Folge 1 (RW)
Star Trek: Lower Decks – Staffel 1, Folgen 5 bis 10

 

 

 

 


Lambs of God

28. April 2021

Drei Nonnen führen ein völlig zürückgezogenes Leben in ihrem Kloster auf einer verlassenen Insel. Da taucht plötzlich ein junger Priester auf. Seine Anwesenheit droht die Idylle des Trios zu zerstören, in der australischen Miniserie Lambs of God.

Von Lämmern, Märchen und Nonnen

Auf einer schwer erreichbaren, etwas abgelegenen Insel in der irischen See wurde einst das Kloster der Heiligen Agnes gegründet. Viele Jahre später sind nur noch drei Nonnen des klausulierten Ordens übrig: die ältere Schwester Margarita (Ann Dowd), Ordensvorsteherin Schwester Iphigenia (Essie Davis) und die junge Schwester Carla (Jessica Barden). Die drei Frauen führen ein gottesfürchtiges Leben im Einklang mit der Natur, leben dabei von eigener Landwirtschaft und der Zucht von Schafen. Diese Idylle droht zu enden als Pater Ignatius (Sam Reid) auf der Insel auftaucht. Denn der junge Priester hat vom Bischoff den Auftrag zu erhalten, die Insel für ein lukratives Bauprojekt auszukundschaften. Die Nonnen sehen ihre friedliche Existenz gefährdet und halten Ignatius fest. Als für Ignatius mehrere Tage verschwunden bleibt, beginnt sich seine Schwester, die alleinerziehende Frankie (Kate Mulvany), Sorgen zu machen. Seargent Barnaby (Daniel Henshall) von der örtlichen Polizei beginnt mit Nachforschungen…

Von der australischen Miniserie Lambs of God, basierend auf dem gleichnamigen Roman der irischen Schriftstellerin Marele Day (in Deutschland unter dem Titel Die Bräute des Himmels erschienen), hatte ich schon länger gehört, wusste aber bis vor wenigen Woche nicht, dass diese bereits am 1. November 2019 beim Streaminganbieter TV NOW ihre deutsche Premiere erhalten hatte. Erst durch die Erstausstrahlung im deutschen Free-TV am 30. März und 6. April 2021 bei ARD One wurde ich wieder auf den Vierteiler aufmerksam. Zugebenermaßen hat anfangs weniger die Thematik als zwei der Hauptdarstellerinnen mein Interesse an Lambs of God geweckt, nämlich Essie Davis (Miss Fishers mysteriöse Mordfälle, Milla meets Moses) und Jessica Barden (The End of the F***ing World, Penny Dreadful). Obwohl ich alles anderes als gläubig bin vermochte mich die Geschichte vor allem hinsichtlich des Lebens der drei Nonnen wirklich zu fesseln. Die von Jeffrey Walker (u.a. Modern Family, H2O – Plötzlich Meerjungfrau) inszenierte und von Sarah Lambert (Love Child) adaptierte Miniserie präsentiert auf wirkungsvolle Weise zwei völlig gegensätzlichen Ausprägung von Religion.

Auf der einen Seite eine auf Machterhalt und Geldvermehrung fixierte autokratische, patriarchalische Institution, auf der anderen die völlig ohne Fortschritt und Luxus, im Einklang mit der Natur lebenden Ordensschwestern/Frauen. Vor allem die unterschiedlichen Aspekte und die teils weniger christlichen als vielmehr paganistisch anmutenden Rituale des Hauptfiguren-Trios (an bestimmten Tagen wird eines der Lämmer geschlachtet und anschließend dessen Blut getrunken) werden gut vermittelt. Margarita, Iphigenia und Carla glauben übrigens auch daran, dass die Lämmer und Schafe die Wiedergeburten ihrer verstorbenen Ordensschwestern sind. Durch ihre etwas absonderlichen Eigenheiten wirken die drei Nonnen auf den „klassisch ausgebildeten“ Pater Ignatius umso befremdlicher, was auch für den ein oder anderen humorvollen Moment sorgt. Die Szenen auf der Insel und im Kloster bilden mit ihrem dezenten Gothic-Horror-Ambiente und der wankelmütigen Figurendynamik die Stärken der nie zu dick auftragenden Miniserie. Gekonnt werden zudem die teils traumatischen Lebensgeschichten des Ordensschwestern-Trios immer dann in die Story eingewoben, wenn die drei düstere Varianten eines bekannter Märchen nacherzählen. Die Handlung auf dem Festland um Ignatius‘ Schwester Frankie und den freundlichen, aber wenig erfolgreichen Polizisten Barnaby kann damit leider nicht ganz mithalten.

Der Roman und auch die TV-Adaption spielen zwar in Irland, gedreht wurde allerdings in Australien, nämlich in den Blue Mountains in New South Wales und auf dem Inselstaat Tasmanien (der Heimat von Essie Davis). Für Kameramann Donald McAlpine (u.a. Predator, Die Stunde der Patrioten und Moulin Rouge) war es in seiner über fünfzig Jahre andauernden Karriere die erste Arbeit an einer Fernsehserie. Dem 1934 geborenen Australier gelangen vor allem auf der Tasmaninsel, auf welcher die Außenaufnahmen für das Kloster entstanden, eindrucksvolle Bilder von wild-berauschender Schönheit. Und ich könnte mir ehrlich gesagt keine besseren Schauspielerinnen für die drei Leading Parts verstellen. Der jungen britischen Akteurin Jessica Barden wirkt die Rolle der zwar erwachsenen, aber kindlichen, fernab der Zivilisation aufgewachsenen und daher neugierig-unschuldigen Carla wie auf den Leib geschrieben. Essie Davis erkennt man als besonnene Iphigenia mit ihrem verhärmten Gesicht und zwei verschiebenfarbigen Augen kaum wieder. Die dritte im Schwesternbunde gibt die US-Amerikanerin Ann Dowd (The Leftovers, The Handmaid’s Tale) als von einer Missbrauchserfahrung in ihrer Jugend gezeichnete Margarita. Alle drei Schwestern bilden als junges Mädchen, Frau mittleren Alters und ältere Dame quasi ein Tochter-Mutter-Großmutter-Dreigestirn. Neben Sam Reid in der vierten Hauptrolle als junger Priester hat Damon Herriman (der in Once Upon a Time in Hollywood als Charles Manson zu sehen war) in den letzten beiden Folgen einen Part als zwielichtiger Pater Bob, der mich etwas an Johnny Depp erinnert hat.

Die komplette Miniserie Lambs of God ist (leider nur) beim Streamingdienst TV NOW abrufbar.

Lambs of God
Drama/Miniserie Australien 2019. 4 Folgen. Gesamtlänge: ca. 220 Minuten. Mit: Essie Davis, Jessica Barden, Ann Dowd, Sam Reid, Kate Mulvany, Daniel Henshall u.a. Nach dem Roman
Die Bräute des Himmels von Marele Day. Drehbuch: Sarah Lambert. Regie: Jeffrey Walker.


Credits
Bilder (c) TV NOW/Foxtel.

 

 


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