Drinnen – Im Internet sind alle gleich

Der zweite, deutschlandweite Lockdown in der COVID-19-Pandemie hat begonnen. Mit den Auswirkungen des ersten vom Frühjahr befasst sich die komplett im „Home Office“ entstandene Web-Comedy-Serie Drinnen – Im Internet sind alle gleich.


Lockdown – Die Serie

Charlotte Thielemann (Lavinia Wilson) ist Mitte 30, verheiratet, Mutter zweier Kinder und arbeitet für eine Werbeagentur. In ihrer Ehe mit dem eher erfolglosen Musiker Markus (Barnaby Metschurat) unglücklich geht Charlotte heimlich fremd. Als die Corona-Pandemie über Deutschland hereinbricht ist sie plötzlich allein zuhause, weil Markus und die Kinder noch im Urlaub in Brandenburg weilen. Nun muss Charlotte Tausend Dinge vom Home Office aus regeln: in Abwesenheit der erkrankten Chefin Frau Winkler (Johanna Gastdorf) einen wichtigen Kunden klarmachen, eine Kollegin (Julika Jenkins) feuern, ihre Eltern (Victoria Trauttmansdorff und Wolf-Dietrich Sprenger) vom Ernst der Lage überzeugen und den Kontakt zu ihrer Schwester Constanze (Jana Pallaske), die sich nach Thailand zurückgezogen hat, aufrechterhalten. Und dann wäre da noch die Sache mit der Scheidung…

Im Frühjahr 2020 breitete sich die COVID-19-Pandemie auch massiv in Deutschland aus. Ein großer Lockdown war die Folge. Millionen Menschen mussten/durften plötzlich von zuhause aus arbeiten und hielten sich weitgehend nur noch in den eigenen vier Wänden auf. Viele Kulturschaffende standen und stehen aktuell wieder ohne Beschäftigung da, weil Kinos, Theater und andere Betriebe schließen mussten. Unzählige Veranstaltungen wurden abgesagt oder verschoeben. So traf es natürlich auch die Schauspieler, die von einem Tag auf den nächsten nicht mehr wie bisher drehen und nicht mehr auf der Bühne vor Publikum stehen durften. Aus dieser Not wurde die kleine Webserie Drinnen – Im Internet sind alle gleich geboren, nach einer Idee von Philipp Käßbohrer, Co-Autor der Netflix-Serie How To Sell Drugs Online (Fast). Die 15 Folgen mit einer Laufzeit zwischen acht und zwölf Minuten wurden ab dem 3. April 2020 jeweils werktags online veröffentlicht.

„Kein menschliches Wesen musste für diese Serie sein Haus verlassen“ steht als Disclaimer am Ende jeder Folge. Alle Beteiligten arbeiteten von zuhause aus. Regisseur Lutz Heineking junior (Andere Eltern) inszenierte per Videokonferenz während Hauptdarstellerin Lavinia Wilson (Hey Bunny, Deutschland 86, Deutschland 89 ) auch für Maske, Kostüm, Requisite, Beleuchtung und Kamera verantwortlich war. Die Handlung spielt sich überwiegend auf Bildschirmen ab und die Kameraeinstellung gestaltet sich statisch. Als zentrale Figur fungiert Charlotte, aus deren Perspektive die ganze Serie erzählt wird und die ununterbrochen auch zu sehen ist. Dabei wechselt die Handlung zwischen regelmäßigen Off-Kommentaren, den textlastigen „Geschehnissen“ auf dem Bildschirmen und allerlei Videochats, egal ob mit den Eltern, dem auf Distanz gehaltenen Ehemann, der am anderen Ende der Welt weilenden Schwester oder der besten Freundin (Nadja Becker), die als Ärztin die Auswirkungen der Pandemie am meisten zu spüren bekommt. Charlotte ist eigentlich gut organisiert und kann dank der modernsten IT auch fast alles von Zuhause aus tun, doch irgendwann scheint auch sie vor der Flut an Aufgaben und den unendlichen Ablenkungsmöglichkeiten der sozialen Netzwerke zu kapitulieren. Oder anders gesagt: man/frau sitzt alleine in den eigenen vier Wänden, hat eigentlich Zeit, kommt aber doch nicht wirklich dazu, wichtige Dinge zu erledigen. Mehr oder minder gekonnt stellt Drinnen sowohl die Isolation der Hauptfigur als auch die Tücken von Videocalls, Chats, Sprachnachrichten usw. in den Mittelpunkt. Die ganze Geschichte gestaltet sich über weite Strecken lustig, macht in ihrer überspitzten Realitätsnähe aber auch nicht vor ersten Themen halt, wobei ich einige Wendungen im letzten Drittel als zu holprig und forciert empfand.

Eine Frage stellt sich aus aktuellem Anlass: wird es eine zweite Staffel geben, die im gerade gestarteten zweiten Lockdown spielt? Vielleicht sogar eine über Weihnachten in Zeiten von Corona? Und wenn nicht, genug Serienmaterial zum Bingen gibt es ja auch so.

Drinnen – Im Internet sind alle gleich ist noch bis 14.10.2021 kostenlos in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Drinnen – Im Internet sind alle gleich
Comedyserie Deutschland 2020. 15 Folgen. Gesamtlänge: ca. 140 Minuten. Mit: Lavinia Wilson, Barnaby Metschurat, Jana Pallaske, Victoria Trauttmansdorff, Wolf-Dietrich Sprenger, Nadja Becker, Julika Jenkins u.a. Idee: Philipp Käßbohrer. Drehbuch: Max Bierhals, Tarkan Bagci, Giulia Becker, Patrick Stenzel. Regie: Lutz Heineking junior.

 


Credits
Bilder (c) ZDF Neo.

 

 

 

3 Responses to Drinnen – Im Internet sind alle gleich

  1. […] der Woche Drinnen – Im Internet sind alle gleich Tatort: Die Nacht gehört […]

  2. […] Binge Reloaded Deutschland 89 Drinnen – Im Internet sind alle gleich Die Schauspielschüler: Staffel 1 Tatort: Die Nacht gehört […]

  3. […] Punkte Babylon Berlin – Staffel 3 Binge Reloaded Dracula (Miniserie) Drinnen – Im Internet sind alle gleich Penny Dreadful: City of Angels She-Ra und die Rebellenprinzessinnen – Staffel 5 Star Trek: Picard […]

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