Penny Dreadful: City of Angels, Folgen 6 und 7

29. Juli 2020

Nach einiger Zeit zieht es mich wieder zurück in la ciudad de los angeles, heute sogar im Doppelpack.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×06: How It Is With Brothers
USA 2020. 54 Minuten. Drehbuch: Vinnie Wilhelm. Regie: Roxann Dawson.

Im Mittelpunkt der 6. Folge (zum zweiten Mal nach Children of the Royal Sun führte Star Trek-Alumna Roxann Dawson Regie) steht ein auf mehrere Szenen verteiltes Verhör, in welchem die Detectives Tiago Vega (Daniel Zovatto) und Lewis Michener (Nathan Lane) den jungen Diego (Adan Rocha) verhören, der einzige Verdächtige im Mordfall an ihrem sadistischen, verhassten Kollegen Reilly, welcher nicht entkommen konnte. Als Diego durchscheinen lässt, dass er die Identittät des wahren Mörders von Reilly kennt, droht Tiago durchzudrehen und Lewis kapiert, dass Tiagos Bruder Mateo (Johnathan Nieves) der Täter ist. Am Ende des Tages bringt Lewis Diego dazu, sowohl den Mord an Riley als auch die Tötung der Hazlett-Familie zu gestehen. Die beiden Cops werden hinterher von den weißen Kollegen und Captain Vanderbilt (Brent Spiner), der ja mehrmals den Abschluss der Ermittlungen gefordert hatte, gefeiert. Wie zynisch.

 


Mateo ist unterdessen mit seiner Pachuco-Familie auf der Flucht. Dennoch gelingt es seiner Mutter Maria (Adriana Barraza) das Versteck der Flüchtigen ausfindig zu machen. Vermutlich hat sie einfach die Mama von Fly Rico (Sebastian Chacon) gefragt oder die geheimen Aufenthaltsorte der Pachucos sind in der Chicano-Community allgemein bekannt. Rio (Natalie Dormer) bleibt in dieser Episode gnädigerweise die einzige Erscheinungsform der bösen Dämonin Magda. Sister Mollys (Kerry Bishé) Mutter (Amy Madigan), die dank den Observierungen ihres Schlägerassistenten von der Affäre ihrer Tochter mit Tiago weiß, redet dieser ins Gewissen und erklärt, dass es keinen Platz für einen Mann im Leben einer „Priesterin“ gibt. Außerdem gönnen sich Stadtratsmitglied Townsend (Michael Gladis) und Chaffeur Kurt (Dominic Sherwood) einen kleinen Plausch am Strand. Dr. Peter Craft (Rory Kinnear) erklärt seiner depressiven Ehefrau Linda (Piper Perabo), dass er sich von ihr trennen und sie in ein Sanatorium einweisen wird.

Ohne große Umschweife geht es gleich weiter mit der nächsten Folge.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×07: Maria and the Beast
USA 2020. 51 Minuten. Drehbuch: Colin S. Liddle. Regie: Sheree Folkson.

Die Polizei wird für die Festnahme des vermeintlichen Mörders der Hazlett-Familie und des Cops Riley gefeiert. Doch Tiago ist sogar nicht nach Feiern zumute, immerhin trifft er auf Molly. Peter Crafts (Rory Kinnear) Söhne Tom (Julian Hilliard) und Trevor (Hudson West) sind nicht so begeistert als die „Neue“ ihres Vaters, Elsa (Natalia Dormer), mitsamt ihrem gruseligen „Sohn“ Frank (Santino Barnard) bei ihnen einzieht. Und Tom darf sich mit dem neuen „Bruder“ auch noch das Zimmer teilen. Allein die überaus schaurigen „Anwandlungen“ Franks würden für eine eigene Horrorserie reichen. Maria, die als geschätztes Hausmädchen der Crafts arbeitet, hat es in ihrer eigenen Familie ebenfalls nicht leicht. Tochter Josefina (Jessica Garza) hat sich der Kirche von Sister Molly angeschlossen und der invalide Raul (Adam Rodriguez) sitzt scheinbar nur zuhause rum. Santa Muerte (Lorenza Izzo) kann da auch nichts machen. Ihre fiese Schwester Magda (Natalie Dormer) schon eher, doch die ist im Schrein Marias nicht willkommen.

Als Gegenleistung für seine Hilfe im „Aufklären“ der Morde schließt sich Tiago Lewis bei der Observierung der Nazis an und lernt Dottie (Lin Shaye) kennen. Im schicken Restaurant, von Lewis und Tiago gut beobachtbar, ergänzt sich die übliche „Nazi-Runde“ (Goss, Kurt, Stadtratsmitglied Townsend, dessen Assistentin Alex) um niemand geringeres als Mollys Mutter Adelaide Finnister.

Die Rivalität zwischen Santa Muerte und ihrer bösen Schwester Magda sowie generell das übersinnliche Element spielt in den meisten der bisherigen Folgen kaum eine Rolle. Auch wirkt hier diese recht bemüht. Die Stärke von Penny Dreadful, dem Original, war die ständige, fühlbare Anwesenheit dunkler Mächte, auch im Verborgenen. Bei City of Angels dagegen fungiert diese Ebene fast nur als Hintergrundrauschen. Das mit gelungener Konsequenz inszenierte Sozialdrama in einer Metropole voller Konflikte benötigt keine übersinnliche Motivation, keine bösartige Strippenzieherin, welche die einzelnen Parteien gegeneinander aufhetzt. Das schaffen die Menschen schon von ganz allein.

Interessant bleibt die Serie aber dennoch, es gibt schließlich noch ein paar offene Fragen. Wer steckt wirklich hinter den Hazlett-Morden? Welche Rolle spielt Drachenmama Adelaide in den Nazi-Machenschaften? Und wann sehen wir Dr. Craft endlich wieder bei seinem „Ehrenamt“? Das und vermutlich mehr demnächst auf diesem Groschenroman-verseuchten Blog.


Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.

 


Penny Dreadful: City of Angels, Folge 5

11. Juli 2020

So langsam spitzt sich das Geschehen in City of Angels immer mehr zu. In der fünften Folge muss Tiago erkennen, dass sein Bruder in einen Mordfall verwickelt ist.

„We are the sons and daughters of Tenochtitlan“

Nachdem er blutige Rache an Polizist Reilly genommen hat wird Mateo Vega (Johnathan Nieves) nun endgültig von Rio (Natalie Dormer) und Fly Rico (Sebastian Chacon) in die Pachuco-Familie aufgenommen. Ausgerechnet Mateos Bruder Detective Tiago Vega (Daniel Zovatto) und dessen Partner Lewis Michener (Nathan Lane) ermitteln im Mordfall ihres verhassten Kollegen. So kommt es zwangsläufig zur niederschmetternden Konfrontation der Vega-Brüder. Elsa Branson (Natalie Dormer) hat einen Mann im Tanzlokal aufgegabelt, den sie tötet und gegenüber ihrem Geliebten Peter Craft (Rory Kinnear) als den (nicht existenten) gewalttätigen Ehemann ausgibt. Peter ist geschockt, hilft aber die Leiche des vermeintlichen Mr. Branson zu beseitigen. Crafts Ehefrau Linda (Piper Perabo) zeigt sich not amused dass ihr Gatte Hals über Kopf wegen eines Notfalls das Haus verlässt.

Josefina Vega (Jessica Garza) vertraut sich nach dem sexuellen Missbrauch durch Reilly der Radioevangelistin Molly (Kerry Bishé) an, die ebenfalls sexuelle Gewalt erfahren musste. Molly erkennt, dass Josefina Tiagos Schwester ist. Obwohl Molly eine potenzielle Verdächtige im Mordfall Hazlett ist haben die Predigerin und der Cop ihre Beziehung intensiviert, sehr zum Missfallen von Mollys gestrenger Mutter (Amy Madigan). Stadtratsmitglied Townsend zeigt sich sehr angetan von seiner neuen „Zusammenarbeit“ mit Kurt (Dominic Sherwood), dem Chauffeur des Nazi-Architekten Goss (Thomas Kretschmann). Im Hauptberuf bleibt Kurt allerdings weiterhin Spion und Auftragskiller.

Die Hälfte der Staffel ist vorbei und City of Angels gefällt immer noch als spannendes, reichhaltiges, gelungen inszeniertes Großstadt- und Gesellschaftsdrama. Die große Frage, was diese Serie mit dem viktorianischen Original Penny Dreadful – außer dem Titel, dem Schöpfer (John Logan) und einem Hauptdarsteller (Rory Kinnear) – gemeinsam haben soll, bleibt aber weiterhin. Denn das die beiden Showtime-Produktionen möglicherweise verbindene übersinnliche Element rückt bisher ziemlich in den Hintergrund und besteht nur darin, dass Santa Muerte ab und zu mal auftaucht sowie Natalie Dormer als Teufel, der in unterschiedlicher Menschengestalt die Leute in LA gegeneinander aufhetzt. Warum wurde nicht Tatiana Maslany, die Erfahrung in der Darstellung unterschiedlichster Personen in einer einzigen Serie (Orphan Black) hat, als Magda gecastet? Erstmals hat hier nicht Logan himself, sondern der Puertoricaner José Rivera (Oscar-Nominierung für das Skript zu Die Reisen des jungen Che [2004]) das Drehbuch geschrieben. Inszeniert hat die Episode die überaus erfahrene TV-Regisseurin Roxann Dawson, wesentlich bekannter als Schauspielerin durch ihre Hauptrolle als Halbklingonin B’Elanna Torres in Star Trek: Raumschiff Voyager (1995-2001).

Penny Dreadful: City of Angels, 1×05: Children of the Royal Sun
USA 2020. 51 Minuten. Drehbuch: José Rivera. Regie: Roxann Dawson.

Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.

 


Penny Dreadful: City of Angels, Folge 3

26. Juni 2020

Los Angeles im Jahr 1938. An diesem Ort tummeln sich allerlei gegensätzliche Kräfte Und Natalie Dormer in mehreren Rollen, auch in der dritten Episode von Penny Dreadful: City of Angels.


Let’s Face the Music and Dance

Tiagos älterer Bruder Raul (Adam Rodriguez) ist nach seiner schweren Schussverletzung aus dem Koma erwacht und kann sich an nichts erinnern. Nur, dass der jüngste Vega-Bruder Mateo (Johnathan Nieves) gleichmal mit der Wahrheit über den Schützen rausrückt. Tiago (Daniel Zovatto) trifft an seinem unverhofften freien Tag auf die Radioevangelistin Molly Finnister (Kerry Bishé), die ihren Verpflichtungen und der strengen Mutter entflieht. Die beiden kommen sich beim gemeinsan Besuch des Santa Monica Piers näher. Charlton Townsend (Michael Gladis) muss sich mit Widerstand gegen seinen Autobahnbau in Person von Beverly Beck, einem anderen Stadtratsmitglied, auseinandersetzen. Seine unbeherrschte Art torpediert ein Treffen mit Nazi-Architekt Goss (Thomas Kretschmann). Danach gibt sich Townsend seinen sexuellen Neigungen hin, obwohl ihn Assistentin Alex (Natalie Dormer) eindringlich davor gewarnt hat, um negative Schlagzeilen zu vermeiden.

Unterdessen trauert Tiagos Detective-Partner Lewis Michener (Nathan Lane) um seine beiden jüdischen Freunde Sam und Anton, die in Folge 2 bei ihrer Verfolgung des Wagens von Goss von dessen Chauffeur (Dominic Sherwood) erschossen wurden. Um ihren Tod aufzuklären „befragt“ Lewis einen Studenten (Kyle McArthur) der CalTech, der mit den Nazis Kontakt hatte. Kinderarzt Dr. Peter Craft (Rory Kinnear) macht sich Sorgen um seine „Landsfrau“ Elsa Branson (Natalie Dormer), die von ihrem noch nie in Erscheinung getretenen Ehemann misshandelt wird. Peter versorgt ihre Wunden und lädt sie in seinen speziellen Freundeskreis (German-American Bund) ein. Mateo, der von dem schneidigen Fly Rico (Sebastian Chacon) in der letzten Folge vor den gewaltbereiten Cops um Reilly (Rod MacLachlan) gerettet wurde, nimmt dessen Einladung ins „The Crimson Cat“ an und trifft dort auf die androgyne Rio (Natalie Dormer, wer sonst?). Der Tanzabend im Club wird allerdings durch die Polizei unterbrochen, die eine willkürliche und Latino-feindliche Sperrstunde durchsetzen will. Danach entbrennt eine hitzige Diskussion zwischen Mateo, Fly Rico und Rio, bevor ersterer offiziell bei den Pachucos aufgenommen wird. Nach seinem romantischen Tag mit Molly erfährt Tiago von Lewis, dass diese ein Verhältnis mit James Hazlet, der gemeinsam mit seiner Familie in der Pilotfolge ermordet aufgefunden wurde, hatte.

John Logans „Stadt der Engel“ (nicht zu verwechseln mit dem Hollywood-Kitsch-Remake von Wim Wenders‘ poetischem Der Himmel über Berlin) bleibt ein überaus sonniger Ort der Abgründe, wo Unterdrückung und Leid neben Erfolg und Glück wohnen. Mit der Pachuca Rio lernen wir in dieser Folge die vierte (und hoffentlich letzte) Rolle kennen, in welcher die dämonische Magda auftritt. Nichts gegen Natalie Dormer. In Die Tudors und Game of Thrones hat sie durchaus ihre schauspielerischen Qualitäten bewiesen, aber so langsam hat man sich an ihr satt gesehen. Man stelle sich vor, Dracula und Lucifer hätten sich im Original-PD für den Zuschauer deutlich sichtbar unter die Leute gemischt, um einen Krieg anzuzetteln.

Das übersinnliche Element fehlt in der dritten Episode fast völlig. Dafür ist Einiges an Musik drin. Die Tanzsequenz in der purpurnen Katze (quasi das Moka Efti von City of Angels) einfach herrlich mitreißend. Und Kerry Bishé darf in der Schlussmontage den alten Irving-Berlin-Gassenhauer Let’s Face the Music and Dance von 1936 zum Besten geben. Wohin die Reise beim PD-Spinoff gehen soll erscheint schon recht klar, nur nicht welche Strecke genommen wird.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×03 Wicked Old World
USA 2020. 54 Minuten. Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Sergio Mimica-Gezzan.

Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.


Penny Dreadful: City of Angels, Folge 2

18. Juni 2020

Direkt an das dramatische Finale der Premierenepisode knüpft die zweite Folge an. Die Stimmung in der Stadt der Engel kocht.

All Lives Matter

Am Ende von Santa Muerte kam es zur Konfrontation der Polizei mit den mexikanischen Bewohnern des Viertels, durch welches die neue Autobahn gebaut werden soll. Todesgöttin Magda (Natalie Dormer) hatte dafür gesorgt, dass es blutig ausgeht. Um seinen verletzten Partner Lewis Michener (Nathan Lane) zu retten sah sich der junge Neu-Detective Tiago Vega (Daniel Zovatto) gezwungen, auf seinen eigenen Bruder Raul (Adam Rodriguez) zu schießen.

Raul liegt nun mit schwersten Kopfverletzungen im Krankenhaus und die Prognose ist denkbar schlecht. Ohne künstliche Beatmung wird er innerhalb von wenigen Tagen sterben. Mama Maria (Adriana Barrazza) kniet die ganze Zeit vor seinem Krankenbett und betet. Die gut ein Dutzend ums Leben gekommenen Mexikaner sind der öffentlichen Meinung egal und werden mit keiner Silbe erwähnt. Aber vier (weiße) Polizisten sind tot und das ist ganz ganz schlimm. Bevor der leicht verletzte Michener im Krankenhaus überhaupt behandelt werden kann verlangt Captain Vanderbilt (Brent Spiner) den Mordfall an der weißen Familie aus der ersten Folge umgehend mit der Festnahme eines Mexikaners abzuschließen. Der für den Autobahnbau verantwortliche Stadtrat Townsend (Michael Gladis) wird von seiner burschikosen Assistentin Alex (eine „Verkleidung“ Magdas) dazu angespornt, den Tod der Cops für seine Zwecke auszuschlachten, was dieser auch bereitwillig tut.

Magdas zweite Rolle ist die der geplagten deutschen Ehefrau/Mutter Elsa, die mit tränenreichen (falschen) Geschichten von ihrer schlimmen Ehe sowie aus dem Berlin der Nachkriegszeit den sich in den Staaten fremd fühlenden deutschen Kinderarzt Dr. Peter Craft (Rory Kinnear) manipuliert. Peter ist unglücklich mit der abwesend wirkenden, kränklichen Linda (Piper Perabo) verheiratet und stellt sich beim Vollzug der ehelichen Pflichten mittlerweile seine Landsfrau vor. Während mir die Performances von Natalie Dormer in bisher drei Rollen schon nach zwei Folgen etwas zu dick aufgetragen erscheinen empfinde ich Rory Kinnear (der im Original-PD noch das tragische Monster Frankensteins verkörperte) als den viel wirkungsvolleren Akteur.

Tiago und Lewis nehmen die Kirche unter die Lupe, welcher die ermordete Familie Hazlett angehörte: Joyful Voices Ministry. Während Tiago einer Vorführung der charismatischen und hübschen Radio-Evangelistin Sister Molly (Kerry Bishé), dem medialen Aushängeschild der Glaubensgemeinschaft, beiwohnt, die ihre Gläubigen mit einem Jazzsong unterhält, beißt sein erfahrener Partner bei der Geschäftsführerin Adelaide Finnister (herrlich zerknittert: Amy Madigan), Mollys Mutter, ziemlich auf Granit. Beim gemeinsamen Spülen und Abtrocken in einer Einrichtung der Joyful Voices befragt Tiago Molly nicht nur zu den Mordopfern, sie erzählt auch von ihrem Werdegang und einschneidenden Erlebnissen. Da bahnt sich etwas an. Wie in einer Woody-Allen-Klamotte observieren Detective Michener und seine Kollegen vom „jüdischen Amateur-Detektiv-Club“ zu später Stunde den Nazi-Architekten Richard Goss (Thomas Kretschmann). Die Spur führt zum California Institute of Technology und endet tödlich.

Die Szenerie von City of Angels bleibt ein Pulverfass, welches sicherlich mehrfach explodieren wird. Und die aktuelle Nachrichtenlage beweist, dass Rassismus und Polizeigewalt leider keine Probleme von damals (1938) sind.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×02: Dead People Lie Down
USA 2020. 54 Minuten. Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Paco Cabezas.

Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.

 


Penny Dreadful: City of Angels, Folge 1

8. Juni 2020

Vor fast vier Jahren ging mit Penny Dreadful eine einmalige Horror-Serie überraschend mit der dritten Staffel zu Ende. Schöpfer John Logan hat sich mittlerweile einem Spin-Off zugewandt, das seit dem 8. Juni 2020 auch in Deutschland über Sky verfügbar ist. Hier meine Eindrücke zur ersten Folge von Penny Dreadful: City of Angels.

Babylon L.A.

Wie bereits in meinem kürzlichen Beitrag zum bevorstehenden Ende der Verfügbarkeit von Penny Dreadful auf Netflix und auch anderweitig angedeutet, war vermutlich das einzig wirkliche Problem mit der von John Logan erfundenen Horror-Serie, dass diese überraschend mit der dritten Staffel aufhörte und das Finale daher überhastet wirkt. Manche Fans (ich nicht) hassen Logan dafür, dass er „PD“ so „lieblos“ beendet hat und sich wenige Jahre später einer Spin-Off-Show widmet, die zwar „Penny Dreadful“ im Titel trägt, aber mit viktorianischer Phantastik inhaltlich wenig bis nichts zu tun hat. Aber warum sollte man City of Angels nicht eine Chance geben?

Los Angeles, 1938. Santiago „Tiago“ Vega (Daniel Zovatto) ist der erste mexikanisch-amerikanische Detective beim Los Angeles Police Department. Gleich am ersten Arbeitstag werden Tiago und sein erfahrener Partner, der jüdischen Cop Lewis Michener (Nathan Lane) zum Schauplatz eines grausamen Ritualmordes gerufen, der allem Anschein nach von einem mexikanisch-stämmigen Täter begangen wurde. Mitten durch das Wohngebiet der mexikanischen Community in Belvedere Hights will Stadtrat Townsend (Michael Gladis) mit aller Macht eine Autobahn bauen und stößt dabei auf Widerstand der Bewohner, angeführt von Tiagos Bruder Raul (Adam Rodriguez). Als die Polizei anrückt, um das Gebiet zu räumen, so dass die Bauarbeiten beginnen können, kommt es zum gewaltsamen Zusammenstoß mit den Bewohnern. Tiago gerät zwischen die Fronten. Der aus Essen stammende Kinderarzt Dr. Peter Craft (Rory Kinnear) ist zwar mit einer Amerikanerin verheiratet und glücklicher Vater zweier Kinder, fühlt sich aber immer noch als Außenseiter und widmet sich daher in seiner Freizeit dem German-American Bund, einer Nazi-Organisation in den USA.

Das klingt jetzt erst einmal nicht nach Horror, Mystery oder irgendeiner Form von Phantastik, sondern eher nach einem Gesellschaftsdrama. Das Setting hat mich frappierend an Babylon Berlin erinnert. Eine Metropole, die von gegensätzlichen und extremen politischen Kräften allmählich auseinandergerissen wird. Nur eben nicht Berlin im Jahr 1929, sondern Los Angeles im Jahre 1938. Sind die Konflikte und Strömungen in der deutschen Prestige-Serie alle von Menschen gemacht, so haben bei City of Angels eindeutig höhere Mächte ihre Finger im Spiel. Gleich in der Eröffnungsszene deutet ein Gespräch zwischen Santa Muerte (Lorena Izzo), einer Art Schutzheilige der Toten in lateinamerikanischer Folklore, und Magda (Natalie Dormer als das personifizierte Böse in Frauengestalt) das kommende Unheil wenig dezent und für meinen Geschmack etwas zu effektheischend an. Tiagos Mutter, gespielt von Adriana Barraza (Babel), glaubt an Santa Muerte und gilt in ihrer Gemeinde als eine Art Hexe. In mehreren Rollen mischt sich Magda unter die Menschen, um den prophezeiten Krieg zu entfachen oder schleicht in ihrer „wahren“ Gestalt wie eine Todesgöttin durch die Reihen der Konfliktparteien, um für den ersten Schuss zu sorgen.

Auch wenn man in der ersten Folge noch nicht alle der wichtigen Figuren zu Gesicht bekommt oder manche noch keine große Rolle spielen, so zeigt sich bereits die prominente Besetzung. In PD glänzte er noch als vom Schicksal gebeutelte Kreatur Frankensteins, in CoA spielt Rory Kinnear den unglücklichen deutschen Kinderarzt, der sein Heil (pun intended) in einer Nazi-Organisation sucht. Seine Ehefrau wird von Piper Perabo (Looper) gespielt. Brent Spiner (Star Trek: The Next Generation) gibt den Polizeichef. Michael Gladis (Mad Men) verkörpert den ambitionierten Stadtrat Townsend, der von einem dubiosen deutschen Architekten (Thomas Kretschmann) ein Angebot erhält.

John Logan und Regisseur Paco Cabezas (der bereits Episoden der Mutterserie inszenierte) machen mit dieser Pilotfolge vieles richtig. Die Ausgangssituation wird etabliert und die wichtigsten Figuren eingeführt. Ob Penny Dreadful: City of Angels aber den ersten Teil seines Namens auch wirklich verdient und gleichzeitig in ausreichendem Maße eine eigene Identität entwickeln kann muss sich in den verbleibenden neun Folgen der ersten Staffel noch zeigen. Wie das viktorianische PD fühlt sich das Spin-Off bisher nicht an.

Die Folgen von Penny Dreadful: City of Angels gibt es montags bei Sky

Penny Dreadful: City of Angels, 1×01: Santa Muerte
USA 2020. 65 Minuten. Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Paco Cabezas.

Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.


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