Boss Level

9. Juli 2021

Immer größerer Beliebtheit erfreut sich die Zeitschleifenthematik. So auch in Boss Level von Regisseur Joe Carnahan, in welchem ein Ex-Elitesoldat von einem Killerkommando gejagt und zur Strecke gebracht wird, nur um immer wieder am gleichen Morgen aufzuwachen und von Neuem beginnen zu müssen.


Leben und Sterben und Leben und Sterben und…

Roy Pulver (Frank Grillo), ehemaliger Elitesoldat, findet sich in einer Zeitschleife wieder. Schon beim Aufstehen trachtet ihm der erste einer ganzen Horde unterschiedlicher Auftragskiller nach dem Leben. Jedes Mal wenn Roy stirbt erwacht er am gleichen Tag wieder in seinem Bett und das Spiel geht von vorne los. Nach und nach lernt er durch die ständigen Wiederholungen, dass sein Schicksal mit der Arbeit von Dr. Jemma Wells (Naomi Watts), seiner Ex-Freundin und der Mutter des gemeinsamen Sohnes Joe (Rio Grillo), bei Dynow Industries zusammenhängt. Doch die von Colonel Ventor (Mel Gibson) geleitete Firma ist überaus gut gesichert…

Das Gefangensein in einer Zeitschleife, in welcher die Hauptfigur immer wieder den gleichen Tag durchleben muss, fand vor knapp 30 Jahren mit Und täglich grüßt das Murmeltier (1993, OT: Groundhog Day) von Harold Ramis, mit Bill Murray in der Hauptrolle, ihren prägenden Höhepunkt. Es folgten die unterschiedlichsten Varianten, meist als Science-Fiction-Film wie bei Source Code (2011) und Edge of Tomorrow (2014) oder in Form von Happy Deathday (2017) als Horrorstreifen. Mit der Netflixproduktion Matrjoschka (2019) von Natasha Lyonne (auch Hauptrolle), Leslye Headland und Amy Poehler wurde die Prämisse auch schon als Serie umgesetzt. Regisseur Joe Carnahan, von welchem ich bisher nur seine schwache Filmversion der Achtziger-Kultserie The A-Team aus dem Jahre 2010 kenne, schickt in Boss Level seinen Antihelden in einen bleihaltigen und explosiven Dauerkampf mit einem Killerkommando, welches ihm aus unerfindlichen Gründen nach dem Leben trachtet und ihn früher oder später auf diverse Art um die Ecke bringt. Meine Erwartungshaltung an den knalligen Actionkracher war eher gering. Vielleicht hat mich Boss Level deswegen positiv überrascht, auch wenn man das Szenario hier und da etwas besser hätte ausarbeiten können.

Mit Frank Grillo, den ich bisher nur als Antagonisten aus Captain America: The Winter Soldier (2014) und Captain America: Civil War (2016) kannte, hat man genau den richtigen Hauptdarsteller gefunden. Dem mittlerweile 56jährigen Grillo (auch einer der Produzenten) nimmt man die Rolle des gebeutelten, verhauten und bindungsunfähigen Elitekämpfers komplett ab. In ironisch-lässiger Manier darf sein Roy Pulver den Verlauf der unzähligen Versuche, den mörderischen Gegenspielern Einhalt zu gebieten, aus dem Off kommentieren. Doch die Sache gestaltet sich nicht einfach, wenn man abwechselnd erstochen, erschossen, in die Luft gejagt, gepfählt oder geköpft wird. Immerhin kann Roy aus seinen zahlreichen Fehlversuchen sukzessive etwas lernen. Wie schon der Titel verrät geht es hier quasi wie einem Videospiel zu, inklusive entsprechender Texteinblendung in passender Retro-Schriftart und einer Hommage an alte Game-Klassiker. Carnahan bietet eine illustre Runde an tödlichen Knallchargen wie den kleinwüchsigen Bombenexperten, die rothaarige Killerin mit Nazi-Memorabilien-Pistole und die selbstverliebte, chinesische Schwertkämpferin, auf, die komplett auf ihre Fähigkeiten bzw. Kennzeichen beschränkt bleiben. Das macht aber wirklich nichts. Neben Naomi Watts (King Kong [2005]) in einer Schlüsselrolle als Roys Ex Jemma und Michelle Yeoh (Tiger & Dragon) in einem kleinen, aber ebenfalls wichtigen Part, kommt Mel Gibson als Bösewicht Colonel Ventor leider ein wenig zu kurz. Selbst im durchwachsenen Machete Kills hatte der umstrittene, frühere Mad Max-Akteur mehr zu tun. Joe, der Sohn von Roy, wird übrigens von Frank Grillos eigenem Filius Rio gespielt.

Ob man Boss Level genießen kann hängt sehr davon ab, wie sehr man sich auf den krawalligen Spaß mit wenig entwickelter Story einlassen kann und ob die Wendungen im letzten Drittel für einen funktionieren. Ich selbst fühlte mich von dem kurzweiligen Zeitschleifen-Actioner durchaus prächtig unterhalten. Ach übrigens: ich bin mwj! Und mwj hat dies geschrieben! 😉

Boss Level ist seit dem 23. April 2021 auf DVD und BluRay erhältlich sowie bei diversen Streaminganbietern verfügbar.

Boss Level
Science-Fiction/Actionfilm USA 2021. FSK 16. 101 Minuten.
Mit: Frank Grillo, Mel Gibson, Naomi Watts, Will Sasso, Rio Grillo, Selina Lo, Michelle Yeoh, Ken Jeong u.v.a. Drehbuch: Chris Borey, Eddie Borey und Joe Carnahan. Regie: Joe Carnahan.

Credits
Bilder (c) LEONINE.

 

 


Tatort: Murot und das Murmeltier (Kurzkritik)

23. März 2019

Und es gibt sie doch ab und zu: Episoden aus der seit knapp 50 Jahren laufenden ARD-Krimireihe Tatort, die das gängige Schema des Formats (Am Anfang passiert ein Mord, der am Ende aufgeklärt ist) über Bord werfen und etwas Erfrischendes wagen. In Murot und das Murmeltier steckt der titelgebende Kommissar in einer Zeitschleife fest…

Ein Tag wie jeder andere

Wiesbaden. Eines Morgens wird Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) von einem Anruf seiner Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) geweckt. Zwei Bankräuber halten mehrere Geiseln in einer Bankfiliale fest. Am Ort des Geschehens macht sich

Murot ein Bild von der Situation und betritt die Bank. Dort versucht er die beiden Täter (Christian Ehrich, Nadia Dubois) zur Aufgabe zu überreden. Die Geiselnahme scheint beendet, da wird Murot plötzlich erschossen. Er erwacht jedoch in seinem Bett und wird von Frau Wächter zu einer Geiselnahme in einer Bank gerufen…

Das Format der Zeitschleife in Filmen oder Serienfolgen mag nicht mehr besonders neu sein. Als Glanzstunde dieser Erzählvariante gilt natürlich Harold Ramis‘ Komödie Und täglich grüßt das Murmeltier (1993) mit Billy Murray als griesgrämigen Wettermoderator. Die kürzlich veröffentliche Netflix-Produktion Matrjoschka lässt eine krawallige New Yorkerin den Tag und die Nacht ihrer Geburtstagsparty immer wieder durchleben. In Murot und das Murmeltier (sic!) vom Hessischen Rundfunk, der siebten Tatort-Folge mit dem von Ulrich Tukur verkörpertem LKA-Beamten, müht sich der Titelheld, eine Geiselnahme ohne Blutvergießen zu beenden. Regisseur und Drehbuchautor Dietrich Brüggemann (Kreuzweg, Heil), der auch die vom HR-Sinfonieorchester eingespielte Musik komponiert hat, liefert aber bei weitem keinen müden Abklatsch, sondern variiert das Szenario, bevor sich die wiederholten Elemente abnutzen. Schräger Humor, so manch aberwitzige Wendung und die gut aufgelegten Darsteller um Ulrich Tukur, Barbara Philipp und Christian Ehrich, sorgen für einen im besten Sinne ungewöhnlichen Tatort, welcher die treue Fangemeinde der Dauer-Krimi-Serie sicherlich gespalten hat. Murot und das Murmeltier wurde nach seiner Premiere auf dem Festival des Films am 30. August 2018 in Ludwigshafen mit dem Filmkunstpreis ausgezeichnet. Zurecht möchte man meinen, denn einerseits wird hier die Last des Alltagstrotts thematisiert und dem schalen Einheitsbrei der deutschen Fernsehkrimi-Landschaft gekonnt der Spiegel vorgehalten.

Nach der TV-Premiere am 17.02.2019 im Ersten istTatort: Murot und das Murmeltier noch bis einschließlich 17. Mai 2019 in der ARD-Mediathek abrufbar.

Tatort: Murot und das Murmeltier
TV-Krimi Deutschland 2018. 89 Minuten. Mit: Ulrich Tukur, Barbara Philipp, Christian Ehrich, Nadia Dubois, Tom Lass, Jörg Bundschuh, Felix Schönfuss, Monika Wojtyllo, Sascha Nathan, Anna Brüggemann, Jakob Stöve, Katharina Schlothauer u.a. Drehbuch und Regie: Dietrich Brüggemann.


Credits:
Bilder (c) ARD/HR.


Matrjoschka (Kurzkritik)

7. März 2019

Eine eigenbrötlerische New Yorkerin stirbt, nur um immer wieder die Nacht ihres 36. Geburtstags zu durchleben. Party ohne Ende? Sex and the City meets Und täglich grüßt das Murmeltier? Matrjoschka hat mehr zu bieten…

Live and Let Die

Nadia (Natasha Lyonne) ist eine erfolgreiche, aber zynische Computerspiel-Programmiererin. Zu ihrem 36. Geburtstag veranstaltet Nadias beste Freundin Maxine (Greta Lee) eine große Party, zu der auch Nadias Ex-Freund John (Yul Vasquez) eingeladen wurde. Als Nadia dem großen Trubel zu entfliehen versucht, stirbt sie plötzlich. Um völlig überraschend wieder dort „aufzuwachen“, wo der Abend begann, in Maxines Badezimmer. Nadia erkennt, dass sie in einer Art Schleife gefangen zu sein scheint. Denn immer wieder segnet sie auf unterschiedliche Arten das Zeitliche, um am Abend der Party neu anzufangen. Überaus irritiert versucht Nadia herauszufinden, was mit ihr passiert. Könnte möglicherweise ihr lockerer Umgang mit Drogen für ihren „Zustand“ verantwortlich sein…?

In Und täglich grüßt das Murmeltier erlebt der griesgrämige Wettermoderator Phil (Bill Murray) immer wieder den „Murmeltier-Tag“, bis er sich besinnt und ein „besserer“ Mensch wird. Ein überraschend unkitschiger, witziger und herzerwärmender Film. 26 Jahre später durchlebt Natasha Lyonne (American Pie) als launige New Yorkerin eine Zeitschleife und das in einer achtteiligen Serie. In Filmen wie Edge of Tomorrow und Source Code wird diese Prämisse im Science-Fiction-Gewand verarbeitet. Matrjoschka (Originaltitel: Russian Doll) beschreitet allerdings andere Wege. Die von Lyonne mit ihrer Schauspielkollegin Amy Poehler (Parks and Recreation) und Regisseurin Leslye Headland (Sleeping with Other People) erschaffene Show, die auf ein rein weibliches Drehbuch- und Regie-Team setzt, verweigert sich einer konkreten (um nicht zu sagen banalen) Lösung oder Erklärung. Außerdem verzichtet man bei der Geschichte auf einen effektheischenden Plottwist, der die ganze Sache auf den Kopf stellen würde. Geschickt werden hier und da kleine Hinweise fast wie Brotkrumen verstreut sowie verschiedene Motive eingebaut. Die diffuse, recht authentische Entwicklung der Handlung erlaubt es jedem Zuschauer, sich seinen eigenen Reim auf die Serie zu machen und die kuriose Situation auf Augenhöhe mit der Protagonistin zu erleben. Hauptdarstellerin Natasha Lyonne stolpert mit krächzend-rauchiger Stimme als dauerpaffende Nadia (mit ihrer mächtigen roten Haarpracht optisch eine Mischung aus Curly Sue und Pumuckl) durch eine Welt zwischen leicht überzeichneter Hipster-Blase und heterogenem Großstadtviertel.

Alle acht Episoden von Matrjoschka sind seit dem 1. Februar 2019 bei Netflix abrufbar.

Matrjoschka (Russian Doll)
Dramedy/Mysteryserie USA 2019. 8 Folgen. Gesamtlänge: ca. 212 Minuten.
Mit: Natasha Lyonne, Greta Lee, Charlie Barnett, Elizabeth Ashley, Yul Vasquez u.a. Idee: Natasha Lyonne, Leslye Headland, Amy Poehler.

 

Credits:
Bilder (c) Netflix.


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