Miss Fisher und die Gruft der Tränen

13. November 2021

Nachdem ich in den letzten Wochen fast ausschleßlich nicht direkt für dieses kleine Blog geschrieben hatte wurde es wiedermal Zeit für ein nur hier veröffentlichtes Review. Mit Miss Fisher und die Gruft der Tränen gibt es heute einen langersehnten Film aus Down Under, welcher der Krimiserie um die patente Detektivin in den 1920ern nachfolgt.


Der Fluch des alten Grabmals

1929. Politische Spannungen zwischen den britischen Besatzern und der einheimischen Bevölkerung von Pälastina haben die Situation im Land deutlich verschlechtert. Die junge Shirin Abbas (Izabella Yena), letzte Überlebende eines ermordeten Beduinenstammes und Nichte des mit den Briten kooperierenden Scheichs Khalil (Kal Naga), landet im Gefängis. Von dort wird sie allerdings von Privatdetektivin Phryne Fisher (Essie Davis) befreit. Gemeinsam mit ihrem Onkel reist Shirin nach London, weil dieser mit den Briten über die Errichtung eines britisch-palästinensischen Eisenbahnnetzwerkes verhandelt. Nachdem sie fälschlicherweise für tot gehalten wurde überrascht Phryne die von ihrem alten Freund Lord Lofthouse (Daniel Lapaine) und seiner Gattin (Jacqueline McKenzie) abgehaltenen Begräbnisfeier, zu denen auch Phrynes Tante Prudence (Miriam Margolyes) und Detective Inspector Jack Robinson (Nathan Page) extra aus Australien angereist sind. Trotz ihrer Differenzen beginnen Phryne und Jack schon bald mit ihren Ermittlungen, in deren Mittelpunkt die sogenannte Gruft der Tränen und die Ereignisse des Massakers an Shirins Stamm vor zehn Jahren stehen…

Nach drei Staffeln und insgesamt 34 Episoden endete die auf den Kriminalromanen von Schriftstellerin und Juristin Kerry Greenwood basierende TV-Serie Miss Fishers mysteriöse Mordfälle (Miss Fisher’s Murder Mysteries). Meldungen über einen möglichen Kinofilm machten im Anschluss bald die Runde, doch bevor dieser im Herbst 2018 gedreht wurde, dauerte es noch etwas. Teile des Budgets kamen durch eine Crowdfunding-Kampagne zusammen. 2019 feierte erst einmal die Spin-Off-Serie Miss Fishers neue mysteriöse Mordfälle (Ms. Fisher’s Modern Murder Mysteries), mittlerweile in ihrer zweiten Staffel, ihre Premiere. Das von Fans lang herbeigesehnte Leinwandabenteuer Miss Fisher und die Gruft der Tränen startete Ende Februar 2020 in den australischen Kinos und hat mittlerweile auch seine deutsche Heimkino-Auswertung gefunden. Hat sich die „Beförderung“ der unverwüstlichen Melbourne-Marple auf ein größeres Medium gelohnt? Die Antwort darauf erscheint aus meiner Sicht nicht so einfach.

Schon in meiner Rezension zur zweiten und dritten Staffel der Serie bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass Folgen in Spielfilmlänge gut wären, um die meist recht konstruierten und schematischen Plots besser ausarbeiten zu können. „Gruft der Tränen“ besitzt nun genau diese zeitlichen Möglichkeiten, nur um sie leider ziemlich zu verschwenden. Die Handlung besteht aus einer recht wahllosen Ansammlung von Versatzstücken der Fälle von Agatha Christies bekannten Schnüfflern Miss Marple und Hercule Poirot mit einer Prise Indiana Jones-Feeling, quasi eine Mischung aus Whodunit und Abenteuerfilm. Nur werden die Elemente zu beliebig abgehandelt, um ein wirklich stringentes Narrativ zu erzeugen. Die titelgebende Gruft und dazugehörige „mystische“ Artefakte dienen eigentlich nur als halbgare Macguffins, um ein schreckliches Geheimnis in der Wüste aufzuklären.

Gab es für die unabhängig-freigeistige Detektivin und den wachsamen Inspektor im Serienfinale ein Happy End so hat die Beziehung der beiden Protagonisten in der Zwischenzeit massiv gelitten. Weite Teile der Laufzeit beschäftigen sich mit den „Streitereien“ Phrynes und Jacks untereinander, was leider zu Lasten der Hauptstory geht, obgleich der Zwist durchaus für Kurzweil sorgt. Dank eines Budgets von 8 Millionen Australischen Dollar (ca. 5,2 Millionen Euro) konnte man nicht nur zuhause in Australien drehen, sondern auch im marrokanischen Quarzazate, was für recht eindrucksvolle Wüstenpanoramen sorgt. Insgesamt wirkt die Produktion bisweilen doch eher wenig kinotauglich und eher wie ein halbwegs aufwändiger Fernsehfilm. Dass hierzulande Miss Fisher und die Gruft der Tränen nicht im Kino lief, ist daher kein wirklicher Verlust.

Das liest sich jetzt vermutlich alles sehr ernüchternd, doch vermag Miss Fishers Film-Abenteuer durchaus zu unterhalten, vor allem aufgrund der charakteristischen Heldin. Zuschauer und Fans der Serie bekommen hier das gleiche Rezept geboten, nur eben mit etwas mehr internationalem Flair. Die Crew der TV-Show kehrte für den Kinofilm weitgehend zurück, darunter Tony Tilse (Regisseur mehrerer Episoden), Deb Cox (Drehbuch/Produktion) und Fiona Eagger (Produktion) – welche auch die Serie ins Leben gerufen hatten – sowie Komponist Greg J. Walker (der seinem typischen Roaring-Twenties-Score ein paar orientalische Noten hinzufügt) und Kameramann Roger Lanser. Prominente Neuzugänge im Cast gibt es in Person von Rupert Penry-Jones (Whitechapel [Serie]) als Jonathon Lofthouse, Daniel Lapaine (Poirot: Tod auf dem Nil, Zero Dark Thirty) als Lord Lofthouse und Jacqueline McKenzie (bekannt aus der kanadischen Science-Fiction-Serie 4400 – Die Rückkehrer) als dessen Gattin. Ohne groß zu spoilern sei gesagt, dass die weiteren Serien-Hauptfiguren Constable Hugh Collins (Hugo Johnstone-Burt), dessen frisch angetraute Ehefrau Dot, gleichzeitig Miss Fishers Hausmädchen (Ashleigh Cummings), sowie Bert (Travis McMahon) und Cec (Anthony Sharpe), Phrynes Gehilfen aus der Arbeiterklasse, nur einen Kurzauftritt absolvieren. Kaum mehr Screentime hat Miriam Margolyes als Phrynes Tante Prudence. Miss Fishers Butler Mr. Butler (Richard Bligh) und ihre gute Freundin, die Ärztin Dr. Macmillan (Tammy McIntosh), kommen gar nicht vor. Gibt es nach der „Gruft der Tränen“ nun bald ein MFCU („Miss Fisher Cinematic Universe“)? Der Grundstein dafür wird mit einer Midcreditszene zumindest gelegt.

Der Kinofilm Miss Fisher und die Gruft der Tränen ist seit dem 24. September 2021 auf BluRay und DVD erhältlich sowie bei Amazon, Apple TV, Google Play, Magenta TV und Youtube als kostenpflichtiger Stream abrufbar. Die DVD erhält als Bonus eine 19minütige Behind-the-Scenes-Featurette.

Miss Fisher und die Gruft der Tränen (Miss Fisher and the Crypt of Tears)
Krimi Australien 2020. FSK 12. 97 Minuten (PAL-DVD). Mit: Essie Davis, Nathan Page, Izabella Yena, Rupert Penry-Jones, Daniel Lapaine, Jacqueline McKenzie, Kal Naga, Ian Bliss, John Stanton, John Waters, William Zappa u.a. Nach der Buchreihe The Phryne Fisher Mysteries von Kerry Greenwood und der Fernsehserie Miss Fishers mysteriöse Mordfälle von Deb Cox und Fiona Eagger. Drehbuch: Deb Cox. Regie: Tony Tilse.

 

 

Credits
Bilder (c) Polyband.

 

 


Die Taschendiebin (Kurzkritik)

23. Juli 2017

Letztes Wochenende war ich nach zwei Jahren endlich wieder einmal im Open Air Kino und sah mir Die Taschendiebin von Park Chan-wook an. Ein falsches Dienstmädchen, ein falscher Adeliger und eine einsame Erbin stehen im Zentrum eines Betrugskomplottes…

Dekadenz und Dialektik

in den 1930er Jahren ist Korea von den Japanern besetzt. Die junge Sook-hee (Kim Tae-ri) wuchs als Waise in einem Haushalt von Kleinkriminellen auf und wurde von Kindesbeinen an zur Taschendiebin geschult. Ein Hochstapler (Ha Jung-woo), der sich als japanischer Graf Fujiwara ausgibt, plant, die reiche, einsame Erbin Izumi Hideko (Kim Min-hee) zu heiraten, um an ihr Vermögen zu gelangen. Getarnt als Dienstmädchen soll Sook-hee ihre junge Herrin Hideko, die mit ihrem Onkel (Cho Jin-woong), einem Büchersammler, in einem riesigen Anwesen lebt, für die Avancen des falschen Grafen empfänglich machen. Doch mit der Zeit kommen sich Taschendiebin und einsame Erbin näher…

Vor allem mit seiner Vengeance-Trilogie (Sympathy for Mr. Vengeance, Oldboy und Lady Vengeance) hat sich der Südkoreaner Park Chan-woo einen Namen gemacht. Auf Basis des Romans Solange du lügst (OT: Fingersmith) von Sarah Waters drehte er zuletzt Die Taschendiebin (internationaler Titel: The Handmaiden), ein opulent ausgestattetes und sinnliches Drama, welches mit auffallender Dialektik die Erwartungshaltung der Zuschauer mehrfach durchbricht. Der Wechsel der Erzählperspektive sorgt für Spannung und Irritation zugleich. Zwar sind die Sexszenen sehr freizügig inszeniert, doch führt die lesbische Liebesgeschichte zur Emanzipation der weiblichen Hauptfiguren. Die Männer im Film interessieren sich für Sex nur als Mittel zum Zweck oder wollen lediglich ihre Altherrenphantasien anhand von Porno- und SM-Literatur befriedigen. Obwohl Die Taschendiebin im Gewand eines Sittengemäldes gekleidet wurde, so funtioniert das Werk eher als abgründige Mischung aus Intrigenspiel und Entwicklungsroman.

Nach dem Kinostart im Januar ist Die Taschendiebin seit 8. Juni 2017 auf BluRay und DVD erhältlich.

Die Taschendiebin (Agassi)
Erotikdrama Südkorea 2016. FSK 16. 144 Minuten.
Mit: Kim Min-hee, Kim Tae-ri, Ha Jung-woo, Cho Jin-woong u.a. Regie: Park Chan-wook. Drehbuch: Chung Seo-kyung und Park Chan-wook. Nach dem Roman Solange du lügst von Sarah Waters.

Bild (c) Koch Media.


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