Sean Connery vs. James Bond

6. November 2022

Als erster Darsteller des von Autor Ian Fleming erfundenen Geheimagenten James Bond im Kino wurde Sir Sean Connery (1930-2020) zum Weltstar. Die Fernsehdoku Sean Connery vs. James Bond von Gregory Monro beleuchtet den schauspielerischen Werdegang des schottischen Schauspielers und vor allem wie er gegen sein Image als Agent 007 angekämpft hat.


James Bond als Segen und Fluch

Vor zwei Jahren, am 31. Oktober 2020, verstarb Sir Sean Connery im Alter von 90 Jahren. In seiner für den französisch-deutschen Kulturkanal Arte produzierten Dokumentation befasst sich Regisseur Gregory Monro (Louis de Funes – Alles tanzt nach seiner Pfeife, Jerry Lewis – Ein Tollpatsch gewinnt die Herzen, Kubrick erzählt Kubrick) mit der Karriere des schottischen Weltstars.

Thomas Sean Connery wird am 25. August 1930 in Edinburgh geboren und wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Schon in jungen Jahren trägt er als Milchmann und Bademeister zum Einkommen der Familie bei. Nach seiner Zeit in der Royal Navy arbeitet Connery unter anderem als Möbel- und Sargpolierer, widmet sich dem Bodybuilding und nimmt an mehreren Wettbewerben zum „Mister Universum“ teil. Anfang der 1950er kommt er eher zufällig zum Theater. Nachdem sich Connery vom Statisten zum Darsteller hochgearbeitet hat folgen ab Mitte der 1950er erste Fernsehengagements.

Der Durchbruch gelingt als Titelheld in den auf Romanen von Ian Fleming basierenden James-Bond-Filmen, von welchen der erste 007-Streifen, James Bond jagt Dr. No, kürzlich sein 60. Kinojubiläum feierte. Nach fünf Filmen beendet der Schotte seine Ära als weltberühmter Geheimagent 007 1967, nur um vier Jahre später in die Rolle zurückzukehren, nachdem sein Nachfolger als Bond, George Lazenby, weniger gut ankommt. Ein siebtes Mal schlüpft Connery schließlich für das inoffizielle Feuerball-Remake Sag niemals nie (1983) in seine Paraderolle. Schon während seiner Zeit als 007 in den 1960ern versucht Connery gegen sein Bond-Image anzuspielen, der große Erfolg außerhalb der Bond-Filme bleibt allerdings lange aus. Erst in den 1980ern kann sich Sean Connery von dem Part, welcher ihn weltbekannt gemacht hat, emanzipieren. Für die Verkörperung eines irischen Polizisten in Brian de Palmas Kriminalfilm The Untouchables – Die Unbestechlichen (1987) gewinnt er den Oscar als bester Nebendarsteller.

Monro montiert in seiner Featurette Filmszenen, alte Fotographien und Archivmaterial diverser Interviews mit Connery. Als aktuelle Interviewpartner kommen die Schauspielkollegen Andy Garcia ( The Untouchables – Die Unbestechlichen) und Rob Brown (Forrester – Gefunden!) sowie Regisseur John Boorman, mit welchem Connery den Science-Fiction-Film Zardoz (1974) drehte, zu Wort, außerdem Connerys Biograf Michael Feeney Callan, sein Freund, der Filmemacher Murray Grigor und weitere. Neben dem Schwerpunkt auf der Karriere des schottischen Schauspielers und seinem Kampf mit James Bond werden auch der Sexismus der Agentenfilmreihe und Connerys Entwicklung zum Mentor jüngerer Darsteller behandelt. Fast ein wenig zu viel Stoff für 54 Minuten Laufzeit, doch in jedem Falle recht aufschlussreich.

Die Doku Sean Connery vs. James Bond ist seit dem 23. Oktober und noch bis 28. Dezember 2022 kostenlos in der Arte Mediathek abrufbar.

Sean Connery vs. James Bond
TV-Dokumentation Frankreich 2022. 54 Minuten. Regie: Gregory Monro.


Credits
Bild © Arte.

 

 

 


Horroctober 2022, #3: Der Ökothriller Soylent Green

20. Oktober 2022

Beim dritten Beitrag zum diesjährigen Horroctober gibt es heute mal Horror der etwas anderen Sorte, nämlich in Form der Arte-Doku Der Ökothriller Soylent Green, über den Science-Fiction-Film Soylent Green, welcher im Jahr 2022 spielt.

Dystopie und Realität

Der Science-Fiction-Film Soylent Green aus dem Jahr 1973 von Regisseur Richard Fleischer und mit Charlton Heston sowie Edward G. Robinson in den wichtigsten Rollen spielt im Jahr 2022 in New York. 1974 erschien das Werk unter dem Titel …Jahr 2022… die überleben wollen… in den deutschen Kinos. Die Natur ist zerstört, es herrschen Überbevölkerung und dauernde Hitze. Die meisten Menschen hausen teilweise wie die Tiere während sich die reiche Elite teure, abgeschottete Luxusappartments mit ausreichend Essen, Strom, fließendem Wasser und Inventar (Prostituierten) leisten kann. Der Konzern Soylent Corporation stellt synthetische Nahrung aus Plankton her (Soylent Red, Soylent Yellow, Soylent Green), welche streng rationiert an die hungerne Bevölkerung verteilt wird. Polizist Thorne soll den Mord an einem hochrangigen Mitglied der Soylent Corporation aufklären und stößt dabei auf ein erschütterndes Geheimnis. Soylent Green wird eben nicht aus Meeresplankton hergestellt!

Filmemacher Jean-Christophe Klotz, der bereits diverse TV-Dokus wie John Ford – Der Mann, der Amerika erfand (2019) und Nürnberg und seine Lehre: Ein Film gegen das Vergessen (2021) in seiner Vita stehen hat, befasst sich in seinem neuesten Werk mit der filmischen Ökodystopie von 1973 und vergleicht das im Film gezeigte 2022 mit der tatsächlichen Gegenwart. Dabei wird klar, dass sich die prognostizierte Zukunft von der heutigen Realität gar nicht so sehr unterscheidet.

Klotz verbindet nicht nur geschickt die Entstehungsgeschichte des Films mit der heutigen Situation sondern stellt auch Einstellungen der hungernden Bevölkerung im überfüllten New York mit aktuellen Bildern von Zeltcamps Obdachloser, die sich keine Wohnung mehr leisten können, nebeneinander. Einige Statisten in Soylent Green tragen übrigens Atemschutzmasken, wie wir sie durch die Corona-Pandemie nur zu gut kennen. Doch dies bleiben nicht die einzigen Parallelen zwischen fiktionaler Handlung und der heutigen Realität.

Regisseur Richard Fleischer (20 000 Meilen unter dem Meer, Die phantastische Reise) drehte seine Dystopie von September bis November 1972. Im März des gleichen Jahres hatte der Club of Rome die Studie Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit vorgestellt. Der Bericht von Ökonom Dennis Meadows und anderen Wissenschaftlern prognostizierte bereits vor 50 Jahren die massiven Auswirkungen einer ständig wachsenden Weltwirtschaft auf die Umwelt und die daraus resultierenden Lebensbedingungen. Die Story des Films erscheint daher wie eine treffende fiktionale Aufarbeitung dieser Problematiken. Nicht nur Filmschaffende (wie Leigh Taylor-Young, die Darstellerin der Shirl oder Filmemacher Joe Dante) sowie Filmkritiker und Autoren kommen in der knapp einstündigen Doku zu Wort, sondern auch zwei Klimatologen, welche erläutern wie ernst die Sache mit dem Klimawandel wirklich ist.

Längere Hitzewellen, extreme Trockenheit, eine fortschreitende Zerströung der Natur und Artenvielfalt, die (durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine präsenter gewordene) Energiekrise, die immer größere Inflation, welche sich vor allem in einer starken Erhöhung der Preise für Nahrungsmitteln niederschlägt sowie die immer drastischer auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich, all das ist keine Dystopie mehr, wie sie im Film gezeigt wird, sondern bittere Realität. Ein gigantischer, alles verschlingender Kapitalismus, in welchem die meisten Menschen immer weniger Geld zur Verfügung haben und die gravierenden Folgen des Klimawandels ausbaden dürfen während eine trotz diverser Krisen weiterhin unangetastete Minderheit immer reicher wird. Die in der TV-Dokumentation erwähnte Tatsache, dass es synthetische (vegane!) Nahrung wie in Soylent Green schon lange gibt, erscheint da wirklich noch am wenigsten gruselig.

Die Dokumentation Der Ökothriller Soylent Green – Alarmstufe rot aus Hollywood ist seit 28.09.2022 und noch bis 27.03.2023 kostenlos in der Arte-Mediathek verfügbar.


Der Ökothriller Soylent Green – Alarmstufe rot aus Hollywood
(Soleil Verte et Alerte Rouge, quand Hollywood sonnait l’alarme)
TV-Dokumentation Frankreich 2022. 56 Minuten. Buch: Jean-Christophe Klotz und Francois Bringer. Regie: Jean-Christophe Klotz.


Credits
Filmbilder (c) Arte/Warner.

 

 

 


Tilda Swinton Festival: The Invisible Frame

30. August 2022

21 Jahre nach Cycling the Frame und 20 Jahre nach dem Mauerfall radelt Tilda Swinton in The Invisible Frame die nun nicht mehr existente Grenze zwischen West- und Ost-Berlin nach.

21 Jahre später

Als großer Fan von Tilda Swinton kann ich der schottischen Schauspielerin ehrlich gesagt bei fast jeder erdenklichen Aktivität zuschauen. Im Falle von Cycling the Frame, einem knapp halbstündigen TV-Beitrag von 1988, eben dabei, wie sie die Berliner Mauer auf einem Fahrrad entlangfuhr. 21 Jahre später und 20 Jahre nach dem Fall eben jener Mauer, welche Ost- und West-Berlin 28 Jahre trennte, kehrten Swinton und Filmemacherin Cynthia Beatt für The Invisible Frame an den Ort des Geschehens zurück.

Juni 2009. Viel hat sich geändert. Tilda Swinton ist nun keine 27jährige, eher unbekannte Schauspielerin mehr, sondern eine 48jährige, international gefragte Mimin, die für ihre Performance in Michael Clayton gut ein Jahr zuvor den Oscar als beste Nebendarstellerin gewinnen konnte. Statt lange rote Haare trägt Swinton ihre Haarpracht mittlerweile kurz und blond. Und auch der Schauplatz dieser Radtour hat sich unweigerlich verändert, nicht nur weil über zwei Jahrzehnte vergangen sind und – richtig – die Mauer weg ist! Und so kann die Protagonistin die „unsichtbare Grenze“ von beiden Seiten nachfahren, passenderweise in der doppelten Spielzeit. Wie viel (abgesehen vom Fall der Mauer) sich das Stadtbild Berlins und die Örtlichkeiten gewandelt haben lässt sich am besten in einem Video erkennen, in welchem die entsprechenden Szenen aus beiden Filmen gegenübergestellt wurden. Es befindet sich als Bonusmaterial auf der DVD und hier bei Youtube. Tildas Tour führt auch zum gleichen Fischteich wie damals zurück und zum See, der einst in der Mitte geteilt war.

Wohl aufgrund der besseren Produktionsbedingungen hat mir die Fortsetzung etwas besser gefallen. Die Kamera ist näher am Geschehen, welches dadurch plastischer wirkt. Mit den von Simon Fisher Turner, der bereits in der Vergangenheit mit Tilda Swinton zusammengearbeitet hatte, aus Originaltönen komponierten „Soundscapes“ besitzt The Invisible Frame eine wesentlich präsentere Tonkulisse als der Vorgänger. Die von der Protagonistin eingesprochenen Off-Kommentare und Textzitate gestalten sich weniger albern-spielerisch, dafür umso poetischer und tiefgründiger. Zwischenzeitlich äußert Swinton das paradoxe Gefühl, die verschwundene Grenze sei für sie erfahrbarer als zur Zeit als diese noch physisch existierte.

The Invisible Frame ist auf DVD erhältlich sowie als Stream bei Amazon, Apple TV, MUBI, Realeyz und Chili abrufbar.


The Invisible Frame
TV-Dokumentation Deutschland 2009. 59 Minuten.
Mit: Tilda Swinton. Regie: Cynthia Beatt.

Credits
Bilder (c) Filmgalerie 451/ZDF/3sat.

 

 

 


Tilda Swinton Festival: Cycling the Frame

28. August 2022

Und weiter im Frühwerk von Tilda Swinton. 1988 radelte die schottische Schauspielerin für den TV-Beitrag Cycling the Frame die Berliner Mauer entlang.


Idylle an der Grenze

Zwischen 1961 und 1989 war West-Berlin quasi eine Insel in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik, getrennt vom Osten der Stadt durch die Mauer. Unter Regie der britischen Filmemacherin Cynthia Beatt und begleitet von einem Kamerateam fuhr die 27jährige Tilda Swinton (lange bevor sie wirklich bekannt wurde) auf ihrem Fahrrad die ca. 160 km lange Grenze entlang.

Cynthia Beatt, die in Jamaika sowie auf den Fidschi-Inseln aufwuchs und seit Langem in Berlin lebt, liefert hier allerdings keine analytische und strukturierte Dokumentation, sondern reiht Impressionen von unterschiedlichsten Örtlichkeiten recht intuitiv aneinander. Die Radtour beginnt und endet am Brandenburger Tor, führt vorbei an Brücken, Gewässern und diversen Gegenden, die fast beiläufig von der Grenze gezeichnet werden. Swinton kommentiert ihre Reise mit mal albernen, mal tiefsinnigen Gedanken, füttert Fische, besucht ihre Landsleute vom schottischen Bataillon und bestaunt die Spuren, welche die Mauer hinterlassen hat respektive auf ihr hinterlassen wurden. Immer wieder besteigt sie eine der Aussichtsplattformen, um in den Osten hinüberzuschauen, wobei sie freilich von den Grenzsoldaten beobachtet wird. Dass ihr Wunsch die Mauer möge verschwinden gut ein Jahr später Wirklichkeit werden würde hätte Tilda Swinton damals wohl kaum zu träumen gewagt.

Diese aus heutiger Sicht surreal-idyllische Reise in das geteilte Deutschland entstand damals für den Sender Freies Berlin (SFB), Vorläufer der heutigen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Radio Berlin-Brandenburg (RBB), wo der knapp halbstündige Beitrag am 30. August 1988, also vor genau 34 Jahren, ausgestrahlt wurde. Cynthia Beatt und Tilda Swinton sollten 21 Jahre später erneut zusammenkommen, um die Fortsetzung The Invisible Frame (2009) zu drehen. Darin umfährt die Schauspielerin die nicht mehr existente Grenze sowohl von westlicher als auch östlicher Seite.

Cycling the Frame ist Teil des Angebots von Arthouse-Streaminganbieter MUBI (welcher derzeit einige, teils frühe Werke von Tilda Swinton zeigt) und als Bonusmaterial auf der DVD zur Fortsetzung The Invisible Frame enthalten.

Cycling the Frame
TV-Doku/Kurzfilm Deutschland 1988. 27 Minuten.
Mit: Tilda Swinton. Regie: Cynthia Beatt.


Credits
Bilder (c) RBB/Filmgalerie 451.

 

 

 


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