Dracula (2020)

17. Januar 2020

Nach der schwachen vierten Staffel von Sherlock widmeten Steven Moffatt und Mark Gatiss einer anderen Fgur der viktorianischen Phantastik einen Dreiteiler, der seit dem ersten Januar-Wochenende bei Netflix zu sehen ist. In Dracula spielt der Däne Claes Bang den legendären Vampirfürsten aus der Feder von Bram Stoker…

Frisches Blut

1897. In einem Kloster in Budapest erzählt der gesundheitlich schwer angeschlagene englische Anwalt Jonathan Harker (John Heffernan) der Ordenschwester Agatha (Dolly Wells) von seinen schrecklichen Erlebnissen mit Graf Dracula (Claes Bang) in dessen labyrinthischem Schloss. Doch der untote Vampirfürst will seinen „Diener“ nicht so einfach ziehen lassen…

Der legendäre Blutsauger und Titelheld von Bram Stokers Roman aus dem Jahre 1897 war bereits unzählige Male in Film und Fernsehen zu sehen. Dabei wurde er unter anderem von Max Schreck, Bela Lugosi, Lon Chaney Jr., John Carradine, Christopher Lee, Jack Palance, David Niven, Louis Jordan, Klaus Kinski, George Hamilton, Frank Langella, Gary Oldman, Leslie Nielsen, Gerard Butler, Patrick Bergin, Richard Roxburgh, Marc Warren, Thomas Kretschman, Jonathan Rhys-Meyers, Luke Evans und Christian Camargo verkörpert. In diese langen Fußstapfen tritt nun der dänische Schauspieler Claes Bang (The Square, The Affair: Staffel 5). Aus meiner Sicht war die lieblos hinkonstruierte und teilweise haarsträubend unlogische vierte Staffel von Sherlock, der BBC-Erfolgsserie aus der Feder von Steven Moffatt (Coupling, Doctor Who) und Mark Gatiss, (der auch die Rolle von Mycroft Holmes spielt) schon irgendwie gruselig. Von daher erscheint es nicht unbedingt überraschend , dass sich die beiden Autoren danach mit einem richtigen Horror-Projekt befassen. Zu Beginn bietet „Dracula 2020“ noch einige gewohnte Elemente der Vorlage auf, macht aus dem Stoff aber schon bald etwas Eigenes und spart dabei keineswegs mit Blut.

Gekonnt wechselt die erste Folge zwischen Harkers Erlebnissen in Draculas Schloss und den Ereignissen im Kloster. Die beiden weiteren Episoden spielen allerdings an gänzlich anderen Schauplätzen. Gatiss und Moffatt adaptieren zwar einige gängige Elemente und bekannte Charaktere aus der Vorlage, ihre Version vernachlässigt aber den romantischen Aspekt ziemlich. Stattdessen wird die Existenz des Vampirfürsten immer wieder vor allem in den Dialogen wissenschaftlich-analytisch erforscht oder gewisse Eigenheiten erklärt wenngleich diese Herangehensweise die legendäre Figur der Horrorliteratur keinesfalls entzaubert. „Dracula 2020“ gelingt es der Geschichte und seinem Protagonisten eine humorvolle Note zu verleihen ohne allerdings das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Außerdem profitiert die Miniserie davon, dass der charismatisch-präsente Hauptdarsteller Claes Bang in Person von Dolly Wells (Stolz und Vorurteil und Zombies, Can You Ever Forgive Me?) als Agatha einen starken Gegenpart besitzt. Zudem erinnert die technisch überaus gelungene Inszenierung an die Stärken von Sherlock.

Bestanden alle bisherigen Staffeln von Sherlock aus je drei 90-Minütern, so macht dies auch bei Dracula auf den ersten Blick Sinn. Nur gibt es aus meiner Sicht einen großen Qualitätsabfall in der dritten Folge. Die Story des letzten Drittels hätte mehr Zeit zur Ausarbeitung benötigt und auch die hier neu eingeführten Figuren kommen eindeutig zu kurz. Im Grunde wäre eine Episode mehr notwendig gewesen. Dann würde das Finale nicht so überstürzt wirken.

Die komplette Miniserie ist seit dem 4. Januar 2020 bei Netflix abrufbar.

Dracula
3teilige Horror-Miniserie UK 2020. Gesamtlänge: ca. 270 Minuten. Mit: Claes Bang, Dolly Wells, Jonathan Aris, Morfydd Clark, John Heffernan, Lydia West u.v.a. Idee & Drehbuch: Steven Moffatt und Mark Gatiss. Regie: Jonny Campbell, Damon Thomas, Paul McGuigan.

Credits
Bilder (c) BBC/Netflix.


Sador – Herrscher im Weltraum (Kurzkritik)

19. Juni 2019

Um seinen friedlichen Heimatplaneten vor einem Weltraumtyrannen zu retten macht sich ein junger Held auf die Suche nach tapferen Kämpfern. Willkommen bei Sador – Herrscher im Weltraum oder anders gesagt: „Die sieben glorreichen Sternenkrieger“!

Roger Cormans Star Wars

Tyrann Sador (John Saxon) von den Malmori befindet sich mit seiner Armee von Mutanten auf einem gnadenlosen Eroberungsfeldzug durch die Galaxis. Auch vor dem friedlichen Planeten Ak’ir macht der finstere Despot nicht halt und gibt den Bewohnern sieben Tage Bedenkzeit. Die Alternativen lauten Unterwerfung oder totale Vernichtung durch eine zerstörerische Superwaffe. Einige Bewohner Ak’irs wollen das drohende Schicksal aber nicht hinnehmen und schicken den jungen Shad (Richard Thomas) mit dem intelligenten Raumschiff Nell los, um Söldner im Kampf gegen Sadors Streitkräfte anzuheuern. Shad findet diese in Gestalt der jungen Ingenieurin Nanelia (Darlanne Fluegel), des lässigen Weltraumcowboys (George Peppard), der kampfeslustigen St. Exmin (Sybil Danning) von den Valkyrie, des Echsenmenschen Cayman (Morgan Woodward) aus der Lambda Zone sowie von Nestor (Earl Boen), einem auf mehrere Körper verteilten Bewusstsein, und Gelt (Robert Vaughn), einem desillusionierten Killer.

Nachdem George Lucas 1977 Star Wars – Krieg der Sterne äußerst erfolgreich auf die Leinwand gebracht hatte war die Space Opera als Genre das ultraheiße Ding im Filmbusiness. Doch nicht nur der in Italien gedrehte Kult-Trash-Film Star Crash (1978) von Luigi Cozzi bediente sich ungeniert bei Lucas, auch B-Movie-Legende Roger Corman produzierte seine Version des Stoffes. Unter Regie von Jimmy T. Murakami (Wenn der Wind weht) verknüpft Battle Beyond the Stars (so der Originaltitel) Motive aus der Sternensaga mit der Story des Westerns Die glorreichen Sieben (1960, Regie: John Sturges), welche natürlich wiederum auf Akira Kurosawas Die sieben Samurai (1954) basiert. Robert Vaughn spielt hier praktischerweise die gleiche Rolle wie 20 Jahre zuvor. Mit Richard Thomas (John-Boy von den Waltons; inklusive der passenden Synchronstimme von Luke Skywalker) und George Peppard (Frühstück bei Tiffany, A-Team) ist der Streifen auch sonst prominent besetzt. Die einfach strukturierte, allzu episodische Story mag einen nicht wirklich vom Hocker hauen, die mit nur wenig Geld vom jungen James Cameron (Terminator, Titanic, Avatar) erschaffenen Kulissen und Raumschiffmodelle fand ich dagegen durchaus gelungen. Außerdem hatte die Produktion mehr als drei Soundeffekte zur Verfügung, damals keine Selbstverständlichkeit. Dazu noch ein paar spaßige Einfälle (wie der Whiskey-Spender im Gürtel; Aliens ohne Ohren, die per Wärme kommunizieren; ein Bösewicht, der bisweilen „Arm dran“ ist) und knallige Weltraumgefechte. Aus meiner Sicht ein kurzweiliges, augenzwinkerndes Scifi-Abenteuer, welches aus seinen geringen Mitteln in technischer Hinsicht viel herausholt. Der wichtigste Spezialeffekte dürfte aber dahingehend funktioniert haben, dass die knappen Kostüme von Sybil Danning nicht geplatzt sind (siehe auch Hercules von Luigi Cozzi). Ich kann mich dunkel erinnern, dass Sador – Herrscher im Weltraum in meiner Kindheit öfter im Privatfernsehen wiederholt wurde. Heutzutage läuft der Film wohl nur noch im Pay TV, und leider auch noch im falschen Bildformat.

Sador – Herrscher im Weltraum (Battle Beyond the Stars)
Science-Fiction-Film USA 1980. FSK 12. 98 Minuten. Mit: Richard Thomas, Darlanne Fluegel, John Saxon, George Peppard, Robert Vaughn, Sybil Danning, Morgan Woodward, Earl Boen u.v.a. Regie: Jimmy T. Murakami. Drehbuch: John Sayles.

Credits:
Bilder (c) Warner.


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