Binge Reloaded

28. Dezember 2020

Switchen, ein anderes Wort für Zappen, ist in Zeiten von Mediatheken und Streamingdiensten out. Daher gibt es nach den bei Pro 7 gesendeten Comedy-Shows Switch und Switch Reloaded nun die aktuelle Fortführung Binge Reloaded bei Amazon.

Neue Oberfläche, bekannte Muster

Nach Vorbild der australischen Serie Fast Forward (1989-1992) parodierten Annette Frier, Bernhard Hoëcker, Michael Kessler, Bettina Lamprecht, Michael Müller, Petra Nadolny, Peter Nottmeier, Susanne Pätzold und Mona Sharma in der Pro 7-Sketchreihe Switch – TV gnadenlos parodiert (1997-2000) diverse Fernsehsendungen. Dabei wurde immer wieder zwischen einzelnen Sketchen und Szenen hin- und hergeschaltet, wie beim Zappen durch die unterschiedlichen Fernsehkanäle. Zwischen 2007 und 2012 sendete Pro 7 die Fortsetzung Switch Reloaded, ohne Annette Frier und Bettina Lamprecht, dafür aber mit den Neuzugängen Max Giermann, Martina Hill und Martin Klempnow. „Reloaded“ gewann unter anderem sechsmal den Deutschen Comedypreis und 2008 den Deutschen Fernsehpreis. Im Zeitalter unzähliger Streamingdienste und Sender-Mediatheken ist „zielloses“ Umschalten nicht mehr so gefragt. Daher kommt mit Binge Reloaded nun ein Nachfolge-Format, passenderweise nicht im linearen TV sondern bei Amazon Prime.

Im Grunde bietet die Neuauflage des Formats die üblichen Zutaten. Da werden übleste Reality-TV-Machwerke genauso durch den Kakao gezogen wie seriöse Sendungen und die ein oder andere internationale TV-Serie. Nur erfolgt kein Umschalten mehr sondern es wechselt munter zwischen den einzelnen Szenen hin und her, wie bei einem Videoportal, bei welchem die Clips auf Zufallswiedergabe abgespielt werden. Und genau wie bei den beiden Vorgänger-Shows schwankt die Qualität der einzelnen Parodien. Die Version von Kitchen Impossible empfinde ich als zu niveaulos und auch die Veralberung der ZDF-Nachrichten-Satire Heute Show (mit einem perfekt „verkleideten“ Martin Klempnow als Oliver Welke) beschränkt sich leider darauf, immer nur den gleichen Gag totzureiten. Wer allerdings schon immer mal die 4 Blocks auf Schwäbisch sehen wollte oder für weitere Abenteuer des Titelhelden aus The Witcher nicht auf die zweite Staffel warten möchte, dem ist Binge Reloaded sehr zu empfehlen.

Vom „Original-Switch“ ist nur noch Michael Kessler mit dabei, der hier nicht nur in seiner Paraderolle als Florian Silbereisen (mittlerweile ja Kapitän beim Traumschiff) glänzt, sondern unter anderem auch Kai Pflaume und Rea Garvey darstellt. Der bereits erwähnte Martin Klempnow, auch schon Teil des Casts von Switch Reloaded, zeigt als Toni Hamady, Robert Geiss, Tom Kaulitz und nicht zu vergessen als „Schlagerstar“ Wendler, welcher in der Realität auf den gleichen dummen Hund wie Xavier Naidoo und Attila Hildman gekommen ist und hier den Bachelor gibt, seine Wandelbarkeit. Von den übrigen neuen Akteuren haben mich vor allem Tahnee Schaffarczyk als Ruth Moschner, Helene Fischer und Stefan Raabs fiktive Schwester sowie Antonia von Romatowski als Angela Merkel (die mit ihrem Gatten im Sommerhaus der Stars einzieht), Dunja Hayali aus dem ZDF-Morgenmagazin, Judith Williams und Ursula von der Leyen umgehauen. Außerdem in einer kleinen Rolle als Teil der Two and a Half Men-Variante Two and Half Memmen mit den Kaulitz-Brüdern zu sehen: Ilka Bessin, ehemals bekannt als Kunstfigur Cindy aus Marzahn.

Hoffentlich gibt es eine zweite Staffel. Denn nicht nur ich möchte herausfinden, ob Ragnar Lothbrok in Vikings den Rat seiner Frau befolgen wird, wen die nebenberuflich als Superheldin arbeitende Domina Batwoman als nächstes verprügelt, ob Luke Mockridge in seine neue Moderatorenrolle bei Aktenzeichen XY…Ungelöst hineinwachsen wird, oder wem Carsten Maschmeyer mit seinem festgemarterten Gesicht in Die Höhle der Löwen den Zuschlag gibt. Ganz wichtig dürfte auch die Frage sein, ob das Traumschiff durch die Auftritte von DJ Ötzi, den Amigos und Mireille Mathieu dem Untergang geweiht ist oder seine Fahrt durch allzu seichte Gewässer fortsetzen kann. Wenn ihr mich jetzt entschuldigt, der nächste Stream wartet schon.

Alle acht Folgen von Binge Reloaded sind seit dem 4. Dezember 2020 bei Amazon Prime abrufbar.


Binge Reloaded
Sketch-Comedy Deutschland 2020. 8 Folgen. Gesamtlänge: ca. 230 Minuten. Mit: Joyce Ilg, Michael Kessler, Martin Klempnow, Tahnee Schaffarczyk, Christian Schiffer, Paul Sedlmeir, Jan van Weyde, Antonia von Romatowski, Ilka Bessing u.a. Nach Switch – TV gnadenlos parodiert und Switch Reloaded.

Credits
Bilder (c) Amazon Prime/RedSeven Entertainment

 

 


The Mandalorian: Kapitel 1

23. März 2020

Fans haben eine Live-Action-Serie im großen Sternensaga-Universum schon lange herbei gesehnt. Mich als begeistertem Zuschauer der unerreichten Originaltrilogie lässt der ganze Hype eher kalt. Und doch habe ich dank der exklusiven Free-TV-Ausstrahlung bei Pro Sieben am gestrigen Sonntag einen Blick in die erste Folge von The Mandalorian riskiert.

Der Kopfgeldjäger, der zu wenig wusste

Fünf Jahre nach dem Fall des Imperiums. Eine namenloser Kopfgeldjäger (Pedro Pascal) schlägt sich mehr schlecht als recht durch. Von seinem Auftraggeber Greef Karga (Carl Weathers) erhält der sogenannte Mandalorianer eine neue lukrative Mission. Ein geheimnisvoller Kunde (Werner Herzog), der von Sturmtrupplern bewacht wird, verspricht dem Kopfgeldjäger eine hohe Belohnung wenn er eine nicht näher bezeichnete Zielperson lebend fängt oder nachweisbar deren Tod herbeiführt. Kein ganz einfacher Auftrag, wie der Mandalorianer bald feststellen muss…

Es war einmal, auf einem alles andere als weit entfernten Kapitalismus-Planeten, ein großes Imperium namens Disney, das sich nicht mit der Übernahme von Marvel Studios, der durch ihr eigenes Kinouniversum erfolgreichen Produktionsfirma des Comic-Giganten, begnügt, sondern auch noch das bekannte Hollywood-Studio namens Fox schluckte. Die hohen Zuschauerzahlen der Streaminggiganten Netflix und Amazon Prime weckten Begehrlichkeiten bei der ersten Vorstands-Ordnung und so wurde Disney+ ins Leben gerufen, seit November 2019 bereits in den USA sowie anderen Ländern zu empfangen und ab dem morgigen 24. März 2020 auch in Deutschland. Als eines der Hauptverkaufsobjekte für den neuen Anbeiter wurde unter Federführung von Jon Favreau (u.a. Regisseur von Iron Man und Iron Man 2) die erste Live-Action-Serie im Star Wars-Universum ins Leben gerufen.The Mandalorian dreht sich um die Abenteuer des titelgebenden Kopfgeldjägers, der dank seiner Rüstung große Ähnlichkeit mit Jango und Boba Fett aus den Filmen hat. In der Rüstung steckt Schauspieler Pedro Pascal (genial als Oberyn Martell in Game of Thrones) oder, wenn er gerade keine Zeit hat, jemand anderes. Ist ja auch egal. Zumindest in der Pilotfolge nimmt der Protagonist seinen Helm ohnehin nie ab. Als Gaststar überrascht hier Werner Herzog. Die deutsche Arthouse-Legende (Aguirre, der Zorn Gottes; Fitzcarraldo; Nosferatu: Phantom der Nacht) hat anscheinend gerade Geld für die Finanzierung eines neuen Filmes gebraucht.

Bei all den gruseligen CGI-Verbrechen aus Star Wars: The Clone Wars erscheint es optisch wie eine Wohltat, dass Favreau und Co hier, ähnlich wie bei der Sequel-Trilogie, verstärkt auf echte Sets, Kostüme, Prosthetics sowie Animatronics setzen und nicht einfach alles am Rechner lieblos zusammenschnippeln lassen. Auch wenn sich die „Story“ darauf beschränkt, den Helden von A über B nach C zu schicken, so geriet das erste Kapitel aus meiner Sicht recht kurzweilig. Zur 40-Minuten-Obergrenze, die man von Network-Serien kennt, hat es bei der Laufzeit nicht ganz gereicht. Aber für eine Serienpremiere, die mich als Film- und Serien-Afficionado davon überzeugen soll, mir noch einen weiteren Streamingdienst mit überwiegend Kinderkram zuzulegen, wirkt das alles zu brav und einfallslos. Vielleicht liegt der Hund aber auch in meinem fehlenden Interesse, mich über die Hauptreihe hinaus mit weiteren Star Wars-Medien zu beschäftigen, begraben. Oder möglicherweise eher daran, dass The Mandalorian dann eben doch nur einen gut halbstündigen Werbespot für unzählige Merchandisingprodukte im Allgemeinen und Baby-Yoda-Puppen im Besonderen darstellt. Denn eine Kopfgeldjäger-Show kann sich noch so kantig und mürrisch geben, wenn ein kleines grünes Knuddelalien im Zentrum der Handlung steht. Erwachsene als Zielgruppe. Pah. Wer eine wirklich gelungene Mischung aus Weltraumabenteuer und Westernsetting sehen will, dem empfehle ich Joss Whedons viel zu früh beendete Serie Firefly plus dazugehörigem Kinofilm Serenity.

Kurze Frage zum Schluss: gehört Spaceballs (für mich der viertbeste Star Wars-Film) auch zum Angebot von Disney Plus? Egal, ich zieh mir jetzt noch ne Wiederholung von Star Trek: The Next Generation rein…

Die erste Staffel (acht Folgen) von The Mandalorian startet am 24. März 2020 bei Disney+.

The Mandalorian: Kapitel 1 (The Mandalorian: Chapter 1)
Science-Fiction/Western USA 2019. 39 Minuten. Mit: Pedro Pascal, Carl Weathers, Werner Herzog u.a. Regie: Dave Filoni. Idee & Drehbuch: Jon Favreau. Nach Charakteren von George Lucas.

Credits
Bilder (c) Disney/Lucasfilm

 


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