Iron Sky

22. Mai 2020

Recht spontan habe ich mich kürzlich entschlossen Iron Sky, den ich schon länger auf meinem Festplattenreceiver aufgenommen hatte, anzusehen. Nazis auf dem Mond, kann das funktionieren?

Massiver Hype, wenig dahinter

Im Jahre 2018 ahnt auf der Erde niemand, dass nicht alle Nazis 1945 besiegt wurden, sondern dass einige Überlebende eine geheime Basis auf der dunklen Seite des Mondes errichtet haben, um von dort die Eroberung der Erde zu planen. Für gute Publicity schickt die US-Präsidentin (Stephanie Paul) fast 50 Jahre nach der ersten Mondlandung wieder ein Raumschiff zum Erdtrabanten, mit dem afroamerikanischen Model James Washington (Christopher Kirby) an Bord. Washington entdeckt die hakenkreuzförmige Basis und wird von den Nazis gefangen genommen. Führer Kortzfleisch (Udo Kier) schickt Oberst Klaus Adler (Götz Otto) auf die Erde, um die Situation auszukundschaften. Der vom verrückten Wissenschaftler Dr. Richter (Tilo Prückner) in einen Weißen verwandelte Washington soll Adler bei seiner Mission helfen. An Bord der Reichsflugscheibe schmuggelt sich auch Adlers Verlobte, die linientreu-idealistische Lehrerin und Erde-Expertin Renate (Julia Dietze). Adler, Renate und Washington landen in den USA und geraten an Vivian Wagner (Peta Sargent), die äußerst ambitionierte Wahlkampfmanagerin der Präsidentin…

Seit Längerem hatte ich von Iron Sky erfahren, vor durch den Hype, der bereits im Vorfeld durch eine geschickte Marketing-Kampagne geschürt wurde. Nazis, die sich auf der dunklen Seite des Mondes verstecken, klingt ja erstmal nach einer herrlich bescheuerten Prämisse. Nazisploitation kann auch funktionieren, siehe diverse Werke des jüdischen Parodie-Altmeister Mel Brooks oder Quentin Tarantinos turbulente Groteske Inglourious Basterds (2009). Auf imdb.com kann man nachlesen, dass Jarmo Puskala (als Drehbuchautor und Digital Artist maßgeblich an dem Star Trek-Parodie-Fanfilm Star Wreck: In the Pirkinning beteiligt) die Idee zum Film im Traum hatte und diese beim gemeinsamen Saunagang seinem guten Freund Timo Vuorensola (Regisseur von In the Pirkinning) erzählte. Das Konzept von Nazis auf dem Mond stammt allerdings aus den Roman Endstation: Mond (OT: Rocket Ship Gallileo, 1947) des amerikanischen Science-Fiction-Autors Robert A. Heinlein (1907-1988).

Leider verballerte Iron Sky sein Potenzial ziemlich. Von Anfang an waren Interner-User dazu aufgefordert worden, eigene Ideen einzubringen, die dann teils auch umgesetzt wurden. Das Ergebnis ähnelt einem überteuerten Mega-Blockbuster, der möglichst viele Fans und Zuschauer ansprechen soll: eine insgesamt eher lahme Veranstaltung, durchaus mit ein paar guten Einfälle, die aber keinen abendfüllenden Spielfilm, sondern bestenfalls einen halbstündigen Kurzfilm (siehe Kung Fury) zu tragen vermögen. Dabei funktioniert die finnisch-deutsch-australische Co-Produktion in technischer Hinsicht überraschend gut. Obwohl das Budget „nur“ 7,5 Millionen Euro betrug (ein Zehntel davon aus Crowdfunding finanziert), wirken die visuellen Effekte als kämen sie aus einem viel teureren Streifen. Die Szenen auf dem Mond wurden in ansprechender monochromatischer Optik gestaltet. Und das avantgardistische slowenische Musikprojekt Laibach liefert einen überaus epischen Score ab, der sich natürlich fleißig bei Richard Wagners bekannten Werken bedient.

Schauspielerisch bleibt die ganze Veranstaltung insgesamt recht durchwachsen. Götz Otto (James Bond: Der Morgen stirbt nie, Der Untergang) füllt genüsslich seine Rolle als plumper Offizier aus und Tilo Prückner (Die Fälscher, Rentnercops) scheint sein Part als zauseliger Einstein-Verschnitt auf den Leib geschrieben. Der gewöhnlich zwischen Charakter-Fach und B-Movies wechselnde Udo Kier bekommt als neuer Führer Kortzfleisch recht wenig Screentime. Christopher Kirby sieht als albinisierter Afroamerikaner James Washington im späteren Verlauf des Films wie ein menschgewordener Glücksdrache Fuchur (Die unendliche Geschichte) aus. Die von Stephanie Paul gespielte US-Präsidentin ist unschwer erkennbar als Sarah-Palin-Parodie angelegt. Peta Sargent pendelt in der Rolle der Wahlkampfmanagerin Vivian Wagner (nur echt mit Wonder-Woman-Logo) zwischen machtgeiler Marketingfrau und völlig überkandidelter Weltraum-Tyrannin. Am Ende ist die ganze Geschichte dann insgesamt zu brav und an manchen Stellen zu plump, wenngleich kein totaler Reinfall. Statt alle nicht deutschsprachigen Darsteller dann noch hölzern nachzusynchronisieren hätte man wie in der australischen Serie Danger 5 (2011-2015) einfach alle in ihrer Muttersprache parlieren lassen und entsprechend Untertitel einblenden können.

Iron Sky ist seit Oktober 2012 auf DVD und BluRay erhältlich sowie bei diversen Streaminganbietern abrufbar. Im November 2013 erschien zudem ein Director’s Cut der gut 15 Minuten länger dauert. 2019 kam die Fortsetzung Iron Sky – The Coming Race in die Kinos.

Iron Sky
Science-Fiction-Komödie Finnland, Deutschland, Australien 2012. 89 Minuten (PAL-DVD).
Mit: Julia Dietze, Götz Otto, Christopher Kirby, Udo Kier, Peta Sargent, Stephanie Paul, Tilo Prückner, Michael Cullen u.a. Drehbuch: Michael Kalesniko, Timo Vuorensola. Story: Johanna Sinisalo. Nach einer Idee von Jarmo Puskala. Regie: Timo Vuorensola.

Credits
Bilder (c) Splendid.


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