Game of Thrones: 8×05 – Recap

14. Mai 2019

Die Erstsichtung der 72. und vorletzten Episode von Game of Thrones liegt hinter mir. Wie es mir in den 75 intensiven Minuten ergangen ist…?

Das erfahrt ihr hier. Weiter geht es nach der Spoiler-Wall

Herzlich willkommen zu „King’s Landing – Flammendes Inferno“, dem Mega-Fantasy-Katastrophen-Kriegsfilm-Blockbuster aus der Feder des handlungsdynamischen Duos David Benioff und Daniel Brett „D.B.“ Weiss alias D&D sowie inszeniert von Schlachtenspezialist Miguel Sapochnik (Battle of the Bastards, The Long Night). Oder anders gesagt ein überraschend einseitiges Duell zweier „Mad Queens“.

Weil er mit Tyrion Lannister, Hand der Drachenkönigin, darüber gesprochen hat, dass Daenerys Targaryen vielleicht doch keine so tolle Herrscherin der Sieben Königslande ist und deren Neffe Aegon Targaryen alias Jon Snow (unter Fans daher auch bekannt als „AeJon“) der bessere Kandidat für den Posten auf dem Eisernen Thron wäre, hat Lord Varys, der als Geheimdienstchef („Master of Whisperers“) und Berater vier Monarchen diente (Aerys II., Robert, Joffrey und Daenerys), das Leben gekostet. Denn irgendjemand fiel es sicherlich auf, dass der glatzköpfige Eunuch Briefchen verschickt hat. Briefchen, die in der nächsten Folge wohlmöglich noch eine Rolle spielen werden. Das ganze „Subplöttchen“ wird derart lieblos abgefrühstückt. Diesen Absatz zu schreiben hat fast länger gedauert.

Weil auch Jon sie zwar lieben will aber irgendwie nicht mehr kann und natürlich aufgrund des Mordes an ihrer Vertrauten und Übersetzerin Missandei sowie dem Attentat auf ihr zweites Kind letzte Woche schaltet Dany in den „Mad Queen“-Modus um. Tyrion versucht noch ein letztes verzweifeltes Ass aus dem kurzen Ärmel zu schütteln. Dem Meisterschmuggler Ser Davos Seaworth, der vermutlich auch Nordkoreas Machthaber ins US-Pentagon einschleusen könnte, lässt er den abgefangenen Jaime Lannister irgendwie in die Hauptstadt schmuggeln, damit dieser einerseits die Glocken läutet und somit die Kapitulation des Volkes erklärt. Andererseits soll der Königsmörder gemeinsam mit der anderen verrückten Königin, seiner über alles geliebten Zwillingsschwester Cersei zu entkommen.

Der Kampf beginnt. Euron Greyjoy und seine eisernen Mannen in Habacht-Stellung. Doch welch wundersame Überraschung! Daenerys fliegt mit Drogon aus den Wolken (!) hernieder und gibt den Feuerbefehl. In der gefühlt gleichen Zeitspanne in welcher letzte Woche Rhaegal mal schnell draufging, werden Eurons Flotte und alle Skorpion-Geschütze auf der Stadtmauer neutralisiert. Aber wie konnte das passieren? Ganz einfach, Dany und Drogon tragen eine unsichtbare „plot armour“, die ihnen D&D auf den Leib schrieb! Unterdessen sind nicht nur Jaime, sondern auch Arya Stark und Sandor Clegane in die Metropole gelangt. Bereits in der vorherigen Staffel wurde die Goldene Kompanie als ruhmreiche Söldnertruppe angekündigt, in der Staffelpremiere die 20 000 Mann und ihr Captain Harry Strickland vorgestellt. In The Bells werden sie innerhalb von Sekunden entweder vom Feuer ausgelöscht oder von den gegnerischen Truppen überrannt. Was für eine Verschwendung! Ob das mit den Elefanten auch passiert wäre?

Jedenfalls brechen Jon, Greyworm, Davos und ihre überraschend zahlreichen Truppen (bestehend aus unsterblichen Dothraki, Unbefleckten sowie Männer mit Bärten aus Winterfell) durch die Lücken in der Mauer und greifen an. Die Lannister-Soldaten zögern erst noch, legen dann aber ihre Waffen nieder. Dann läuten auch die titelgebenden Glocken. Doch Dany sieht beim Anblick des Red Keep rot und beginnt mit ihrem Drachen ein über die ganze Stadt verteiltes loderndes Inferno anzurichten. Von ähnlichem Rachedurst getrieben greift Greyworm mit seinen Kameraden die Lannister-Soldaten an. Jon versucht, die eigenen Männer zurückzuhalten, die Schlacht entbrennt allerdings doch. Unterdessen völliges Chaos unter den Bewohnern von King’s Landing, die entweder schreiend dem Feuer zu entkommen versuchen, kreischend die verbrannten Leichen ihrer Lieben in den Armen halten oder von den marodierenden Truppen massakriert werden.

Im Roten Bergfried denkt Cersei scheinbar immer noch, dass sich das Blatt noch zu ihren Gunsten wenden kann, doch Qyburn rät zum Rückzug in Maegor’s Holdfast, einer eigenen Festung in der Festung. Auf dem Weg dorthin treffen die Cersei, Qyburn und Ser Gregor Clegane alias The (undead) Mountain allerdings auf den „kleinen“ Clegane-Bruder Sandor alias The Hound, der kurz zuvor Arya weggeschickt hatte, damit sich diese noch rettet.

Irgendwo in einer Grotte bei King’s Landing trifft Jaime bei einem Boot auf den gerade frisch angeschwemmten Euron Greyjoy. Und es kommt zum Showdown von Cerseis Liebhabern mit dem besseren Ende für den Königsmörder. Der nicht mehr ganz so goldene Löwe mit der goldenen Hand schreitet trotz mehrer Stichwunden eher nicht so schwer verletzt sodann zur Rettung seiner Liebsten. Die Stadt mit vielen Häusern ist am Zerbröckeln, da kommt es endlich zu CLEGANEBOWL!!! Immerhin diesen Fanservice haben die Autoren halbwegs hinbekommen. Bevor es allerdings losgeht killt Sandor mal schnell die paar Queensguard-Hansel und Gregor den dummerweise im Weg stehenden Qyburn. Vor dem Panorama des in sich zusammenfallenden Red Keep schenken sich die brutalen Brüder nichts. Bis Sandor klar wird, dass er das untote Ungetüm, das mal sein Bruder war, nicht totkriegen kann (Gregor ist schließlich schon irgendwie tot). Und so stürzen Bluthund und Berg in ihr feuriges Ende. Was für ein Abgang!

Immer mehr Tod und Zerstörung in der Haupstadt. Arya versucht sich und eine Mutter mit Kind aus der verheerenden Situation zu retten, doch gnadenlos dezimiert das Inferno die armen Leute. Durch den ganzen Staub und Ascheregen sieht die Stark-Tochter fast wie ein Lebkuchenmädchen aus. Jaime und Cersei finden ein letztes Mal zueinander, versuchen die Flucht durch die Drachengruft, doch alle Ausgänge sind verschüttet. Die unzertrennlichen Lannister-Zwillinge bald auch. Endgültig. Sie gehen aus dem Leben wie sie ins Leben gekommen sind. Gemeinsam. Man könnte fast sagen ein poetischer Abgang. Jon und Co haben mittlerweile den Rückzug angetreten, um den Einsturz der Häuser zu überleben. Während direkt um sie herum alle krepiert sind überlebt Arya sämtliche Einschläge und Einstürze. Sieh da: ein weißes Pferd! Auf diesem reitet die junge Frau davon. Allerdings wohl nicht in die ferne Weite jenseits der Serienhandlung, sondern in die nächste Folge. Denn wenn schon das Meucheln von Cersei nicht geklappt hat, dann wird Arya sehr wahrscheinlich die völlig durchgedrehte Daenerys zum Wohle des Reiches killen. Vielleicht mit dem gleichen Martial-Arts-Move wie den Night King. Night-King-Slayer und Queenslayer in Personalunion?

Jedenfalls hat Daenerys das Werk ihres Vaters, des verrückten Königs Aerys II., der King’s Landing seinerzeit abbrennen wollte, aber kurz zuvor gestoppt wurde, auf unfassbar groteske Weise vollendet. Dieser Wandel ihrer Figur scheint zwar nicht völlig aus der Luft gegriffen, aber wie lieblos und schnell das meiste hier abgehandelt wird jammerschade. So eine charakterliche 180-Grad-Wendung hätte man möglicherweise über 10 Folgen einigermaßen nachvollziehbar entwickeln können, aber nicht so. Wobei man zweifelsohne zugestehen muss: das ganze Inferno wurde wirklich mehr als eindringlich inszeniert. Fast wie eine Mischung aus dem Nazgul-Angriff auf Minas Tirith in Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs und Smaugs Feuerregen auf Seestadt in Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere.

Dass ich jetzt in der allerletzten Episode noch positiv überrascht werde halte ich mittlerweile für sehr unwahrscheinlich. Selbst in 70 bis 80 Minuten kann man nämlich keine durchwachsene Staffel mehr umbiegen. Böse Zungen mögen jetzt behaupten, dass David Benioff und D.B. Weiss nach dieser GoT-Season für die neuen Star Wars-Filme, die sie machen werden, perfekt geeignet sind.

George R.R. Martin, schreib bitte endlich die Romane fertig!!!

Credits:
Bild (c) HBO
Die Wordclouds wurden mit Tagul erstellt.


Game of Thrones: 8×03 – Recap

30. April 2019

Weniger als 48 Stunden nach dem gelungenen Avengers: Endgame stürzte ich mich in ein weiteres episches Highlight, die Schlacht zwischen Lebenden und Toten…

Es folgt die Spoiler-Warnungs-Mauer!

 

5 Wochen (d.h. 55 Tage) Drehzeit, 78 (bei PAL-Beschleunigung) spannende und dramatische Minuten. Mit The Long Night bietet Game of Thrones zum wiederholten Male eine überaus stark inszenierte Schlacht, die ihresgleichen sucht. Doch insgesamt bin ich nicht ganz zufrieden mit der Folge.

In meiner Rezension zur siebten Staffel aus dem Dezember 2017 sowie vor dem Start der achten Staffel äußerte ich den Verdacht, dass die Serie (zum Teil einfach aus Zeitgründen) auf banale Art zu Ende geführt wird. Der Verlauf von The Long Night bestätigt mich darin leider.

Dabei machen die Serienschöpfer, Showrunner und Drehbuchautoren David Benioff und D.B. Weiss aka David & Dan hier vieles richtig. Es war irgendwie ziemlich klar, dass Melisandre zurückkehren würde. Als jemand der grundsätzlich die Darsteller-Credits im Vorspann aufmerksam verfolgt blieb mir die Nennung von Carice van Houten natürlich nicht verborgen. Doch anstatt sie als effektheischende „Dea ex Machina“ zu verheizen (pun intended), fungiert die rote Priesterin hier eher als eine Art Mentorin, sorgt für feurige Schwerter bei den Dothraki und ermöglicht mit dem Entzünden der Befestigungsanlagen vielen die Flucht hinter die Mauern Winterfells. Der verängstigten Arya gibt Melisandre den entscheidenden „Hinweis“, aber dazu später mehr.

Die ganze Szenerie ist denkbar unübersichtlich, die titelgebende lange Nacht teilweise so düster, dass ich die Farbeinstellungen meines Fernsehers mehrfach korrigierte. Das mag zwar etwas unschön für den Zuschauer sein, macht die ganze Angelegenheit aber dafür authentischer. Schließlich bereiten die eisigen Winde und der fiese Nebel den Helden auch mehr als große Probleme. Vor allem durch den Wind wird es schwierig, Feuer am Laufen zu halten. Drachenfliegen wird auch nicht leichtgemacht. Über die gesamte Laufzeit der Episode wird eine beklemmende Spannung und teilweise auch schaurige Stille aufrecht erhalten. Die spärlichen Dialoge passen fast auf einen Bierdeckel. Während der Schlacht geht auch fast alles schief, was nur schiefgehen kann. Sämtliche Taktiken und Kniffe erweisen sich mit der Zeit als nutzlos, siehe die entflammten Begrenzungszäune. Da opfern sich ein paar Untote und schon wird das Hindernis durchbrochen. Und Drachenfeuer sorgt beim Night King nur für ein müdes Lächeln. Das ganze Kampfgetümmel mit starker Survival-Horror-Note wurde von Regisseur Miguel Sapochnik (der u.a. die Episoden Hardhome und Battle of the Bastards inszenierte) und der gigantischen, nimmermüden Crew wirklich hervorragend gestemmt.

Bei der inhaltlichem Umsetzung fehlt es meiner Ansicht nach aber an Konsequenz. Die Totenarmee überrennt die Truppen der Lebenden, halb Winterfell wird, unter anderem vom Eisdrachen Viserion, zerlegt und doch sterben vergleichsweise wenige Figuren. Ich bin alles andere als blutrünstig, aber würde man diesen Ausgang auf die Rote Hochzeit übertragen so hätten Robb Stark und seine Ehefrau Talisa überlebt. Außerdem wäre Catelyn Stark zwar draufgegangen, hätte aber noch Walder Frey und ein paar seiner Söhne mitgenommen. Das geht dann wieder alles etwas zu sehr in Richtung „Hollywood-Kitsch“.

Dramaturgisch hätte es mehr Sinn gemacht, die Handlung auf zwei Folgen aufzuteilen. Der Night King steht vor Bran, zückt seine Waffe. Dann erstmal Ende und ein gnadenloser Cliffhanger bis zur nächsten Episode. Dass am Ende ausgerechnet Arya den König der White Walker auslöscht habe ich ehrlich gesagt nicht kommen sehen. Fuck prophecy denken sich die Serienautoren wohl. Oder sollen wir jetzt ausgiebig darüber diskutieren wer Azor Ahai/the Prince(ss) that was promised und wer/was Lightbringer darstellt? Dafür gibt es die Romane (in denen es übrigens keinen Night King gibt), die Serie scheint nicht mehr für wirklich unerwartete, kreative Lösungen zuständig. Etwas enttäuschend empfand ich auch die ansonsten wirklich hervorragende Musik von Ramin Djawadi. Selbst in den anderen großen Schlachten der Show gelangen dem iranisch-deutschen Komponisten eine packende musikalische Untermalung. Aber davon war in The Long Night nicht mehr so viel übrig. Lediglich das mit sanften Streichern interpretierte „Lord of Light“-Thema bei Melisandres poetisch-eisigem Ableben ist mir positiv in Erinnerung geblieben.

Ich halte mich weiterhin von Spoilern fern und hoffe sehr, dass mich die letzten drei Folgen positiv überraschen, ähnlich wie es die ersten beiden Episoden der achten Staffel schafften.

The night is dark and full of terrors. Not anymore.


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