Undone: Staffel 2

31. Mai 2022

Über zweieinhalb Jahre nach der herausragenden ersten Staffel wurde die Animationsserie Undone endlich fortgesetzt. Almas Reise in die Geschichte ihrer Familie geht weiter.


Das perfekte Leben?

Nach einem Autounfall erschien Alma (Rosa Salazar) plötzlich ihr seit 20 Jahren verstorbener Vater Jacob (Bob Odenkirk). Außerdem stellte die junge Frau fest, dass sie in der Zeit hin- und herspringen kann. Gemeinsam mit Jacob gelang es ihr, die Umstände seines Todes aufzuklären. In der Hoffnung, ihren Vater wirklich wiederzusehen betritt Alma eine Höhle in Mexiko. Als sie diese wieder verlässt landet Alma in einem anderen Leben in welchem Jacob noch lebt, ihre Schwester Becca (Angelique Cabral) ihren reichen Verlobten Reed (Kevin Bigley) geheiratet hat und in welcher ihre Mutter Camila (Constance Marie) etwas vor der Familie verbirgt. Gemeinsam mit Becca versucht Alma diesem Geheimnis auf den Grund zu gehen…

Bei der Sichtung im Dezember 2019 hat mich die erste Staffel von Undone, welche am 13. September 2019 ihre Premiere bei Amazon Prime feierte, absolut umgehauen, weswegen die Serie auch in meiner Bestenliste des Jahres ganz oben landete. Eine Frau am Scheideweg, deren Leben plötzlich eine völlig unerwartete Wendung nahm, und die ständige Frage ob sie psychisch krank oder übersinnlich begabt, schizophren oder schamanisch veranlagt ist oder alles zur gleichen Zeit. Diese Prämisse nahmen Raphael Bob-Waksberg, Erfinder/Showrunner der Netflix-Animationsserie BoJack Horseman (2014-2020), und seine „BJH“-Kollegin Kate Purdy als Basis für eine visuell atemberaubend schöne und inhaltlich besondere Serie. Die Szenen wurden in spärlichen Kulissen mit realen Schauspielern gedreht und hinterher vom niederländischen Animationskünstler/Regisseur Hisko Hulsing (der etwa die Animationssequenzen der Doku Kurt Cobain: Montage of Heck verantwortete) und seinem Team per Rotoscoping in bewegte Zeichentrickbilder verwandelt. Diese Technik kam unter anderem auch bei Richard Linklaters A Scanner Darkly (2006), einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Science-Fiction-Legende Philip K. Dick, zum Einsatz.

Der Aha-Effekt mag nicht mehr so groß sein wie bei den ersten Folgen, aber auch Season 2 liefert phantastische Bilder in einem visuellen Still zwischen Traum und Hyperrealität. Erstaunlich finde ich vor allem wie es die Zeichner hinbekommen haben, dass sowohl die Figuren als auch die Orte gleichzeitig realistisch und ästhetisch bzw. surreal wirken. Zudem verstehen es Bob-Waksberg, Purdy und ihre Co-Autoren die Charaktere sowie die Story weiter zu entwickeln. Vor allem die Dynamik innerhalb der Familie profitiert davon. Vor allem wird deutlich, dass (zumindest in dem gezeigten anderen Leben) Alma nicht mehr die einzige mit besonderen Fähigkeiten ist. Wie die beiden Schwestern immer weiter in den dunklen Kapiteln ihrer Familiengeschichte zurückgehen hat inszenatorisch durchaus etwas von Christopher Nolans Inception (2010) oder Noah Hawleys genial-eigenwilligen Marvel-Serie Legion (2017-2019), doch steht hier ganz klar nicht ein lukrativer Heist oder die Rettung der Welt im Mittelpunkt, sondern die Familie als kleinstmögliche soziale Einheit.

Während bei anderen Animationswerken die Schauspieler meist auf bloße Sprechrollen reduziert sind so können die real gefilmten Darsteller hier die volle Bandbreite abrufen. Rosa Salazar (Alita: Battle Angle), die auf mich erneut wie ein Doppelgänger von Aubrey Plaza wirkte, kann als Alma an ihre intensive Leistung aus dem ersten Jahr anknüpfen während Angelique Cabral als deren Schwester Becca mehr in den Vordergrund rückt. Auch Constance Marie als Mutter Camila und Bob Odenkirk (Breaking Bad, Better Call Saul) als besonnen wirkender Vater Jacob liefern starke Performances. Ankreiden könnte man Staffel 2 höchstens, dass sie mit erneut nur acht Episoden und einer Gesamtlaufzeit etwa gut drei Stunden etwas zu kurz geriet. Außerdem scheinen manche Charaktere über die Jahrzehnte kaum zu altern. Das sind jetzt aber eher zu vernachlässigende, kleine Makel. Das Ende der Season könnte auch das Serienende bedeuten, was aus meiner Sicht jammerschade, aber verständlich wäre. Denn Undone hat sich als einmaliger philosophisch-spiritueller Trip von surrealer Schönheit einen Platz in meinem Serienherzen erobert.

Die zweite Staffel von Undone ist seit dem 29. April 2022 Teil des Angebots von Amazon Prime.


Undone: Staffel 2
(Undone: Season 2)
Animation/Mysteryserie USA 2022. 8 Folgen. Gesamtlänge: ca. 195 Minuten.
Mit: Rosa Salazar, Angelique Cabral, Bob Odenkirk, Constance Marie, Holley Fain u.a. Idee: Raphael Bob-Waksberg und Kate Purdy. Regie: Hisko Hulsing.

 


Credits
Bilder (c) Amazon.

 

 

 

 


Undone

27. Dezember 2019

Nach einem schweren Autounfall beginnt eine junge Frau merkwürdige Zeitsprünge zu erleben. Außerdem erscheint immer wieder ihr toter Vater…

Schamanismus oder Schizophrenie?

Alma (Rosa Salazar), eine Frau Ende 20, ist mit ihrem bisherigen Leben unzufrieden, scheut sich aber auch davor, sesshaft zu werden. Die Verlobung ihrer Schwester Becca (Angelique Cabral) mit dem reichen Reed (Kevin Bigley) nimmt sie zum Anlass, ihre Lebensentscheidungen in Frage zu stellen und die Beziehung mit Lebensgefährte Sam (Siddharth Dhananjay) zu beenden. Völlig aufgelöst baut Alma nach einem Streit mit ihrer Schwester einen schweren Autounfall. Im Krankenhaus aus dem Koma erwacht erscheint Alma plötzlich ihr Vater Jacob (Bob Odenkirk), der vor 17 Jahren ums Leben kam. Jacob möchte seiner Tochter nun beibringen wie man die Grenzen von Raum und Zeit überwinden kann um dadurch die genauen Umstände seines Todes aufzuklären. Von den ständigen Wechseln zwischen realer Welt und plötzlichen Zeitsprüngen fühlt sich Alma überfordert und versucht daher eine gesunde Balance zu finden. Da sich ihr unberechenbares Verhalten auch auf ihren Job in einer Kindestagesstätte auswirkt rät Almas Chef Tunde (Daveed Diggs) zu einer Auszeit während Mutter Camila (Constance Marie) ihrer Tochter die Einnahme von Psychopharmaka nahelegt…

Spätestens seit Legion (einer überaus genialen Serie, die dieses Jahr leider zu Ende ging) bin ich für außergewöhnliche „Tripps“ gerne zu haben. Dass es sich bei Undone nicht einfach nur eine Show über eine Frau zwischen „Traum und Realität“ handelt, sondern die ganze Geschichte in animierter Form präsentiert wird, weckte bereits kurz vor der Veröffentlichung im September 2019 mein Interesse. Undone stammt aus der Feder von Raphael Bob-Waksberg, dem Schöpfer der preisgekrönten Netflix-Animationsserie BoJack Horseman (2014-2020), und Kate Purdy, die ebenfalls als Autorin/Produzentin bei „BJH“ arbeitet. Ursprünglich als reine Live-Action-Produktion geplant erkannten Bob-Waksberg und Purdy aber bald, dass Animation sich besser für die Darstellung der verzerrten Realität eignet. Gedreht wurden alle Szenen in einem schwarzen, ca. 13 m² kleinem Raum mit minimaler Ausstattung und die Bilder hinterher durch das Rotoskopie-Verfahren n den Minnow Mountain Studios in Texas sowie den Submarine Studios in Amsterdam animiert. Regie führte der Niederländer Hisko Hulsing.

Nach Sichtung der acht Episoden kann ich mir keine bessere Machart für die Serie vorstellen. Vor allem weil Undone eben nicht den Verlockungen von „Style over Substance“ verfällt. Im Gegenteil. Eigentlich müsste die Show völlig überladen wirken, wenn man bedenkt welche unterschiedliche Themen/Motive Bob-Waksberg, Purdy und ihre Co-Autoren in acht Folgen à 22 bis 23 Minuten Laufzeit packen. Ähnlich wie im Fall von David „Legion“ Haller stellt sich auch bei Protagonistin Alma die Frage ob sie besondere Fähigkeiten besitzt oder einfach aufgrund einer erblichen bedingten Schizophrenie (an welcher Jacobs Mutter litt) den Sinn für Realität verliert. Diese Dualität bildet den Kernpunkt der Handlung. Undone befasst sich zudem mit dem spirituellen Erbe indigener Völker. Zu Lebzeiten hat Almas jüdischstämmiger Vater die Lebensweise der Vorfahren seiner aus Mexiko stammenden Ehefrau studiert. Liegt darin der Schlüssel zum tieferen Verständnis der Natur? In Undone geht es allerdings um viel mehr: familiärer Zusammenhalt in schwierigen Zeiten, prägende Kindheitserinnerungen, schmerzlicher Verlust usw.

Neben dem einzigartigen Look und ihrem spirituell-wissenschaftlichem Unterbau punktet die Serie vor allem mit gut ausgearbeiteten Figuren. Im Zentrum steht natürlich Rosa Salazar (Alita: Battle Angel) als Alma, deren widersprüchlicher Charakter und Aussehen sie auf mich wie eine Art Hybrid aus der von Aubrey Plaza gespielten Lenny aus Legion und Tiabeanie, der Heldin aus Disenchantment, wirken lassen. Diese Hauptfigur passt perfekt in eine wundervoll stimmige, bewegende und teilweise auch humorvolle Geschichte.

Die erste Staffel von Undone ist seit dem 13. September 2019 bei Amazon Prime abrufbar. Eine zweite Season wurde im November 2019 bestellt.

Undone
Animationsserie/Fantasy/Science-Fiction-Drama USA 2019. 8 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: 180 Minuten. Mit: Rosa Salazar, Bob Odenkirk, Angelique Cabral, Constance Marie, Siddharth Dhananjay, Daveed Diggs u.a. Idee: Raphael Bob-Waksberg und Kate Purdy. Regie: Hisko Hulsing.

 

Credits
Bilder (c) Amazon.


Star Raiders: Die Abenteuer des Saber Raine (Kurzkritik)

18. August 2017

Der Weltraumabenteurer Saber Raine soll gemeinsam mit drei Offizieren die entführten Thronerben des Planeten Ares aus der Gewalt des finsteren Sinjin befreien. Eine gefährliche Mission…



Auf die lahme Tour

Weil er eine feindliche Saurianerin (Holly Westwood) vor den eigenen Truppen rettete, geriet Captain Saber Raine (Casper Van Dien) vor Jahren in Ungnade und verlor seine Position bei den Erdstreitkräften. Seitdem verdingt er sich als Weltraumsöldner. Als Prinz Tyr (Tyler Weaver Jr.) und Prinzessin Caliope (Sara N. Salazar), die Thronfolger des Planeten Ares, entführt werden, lässt sich Saber an der Seite von Fade (Brit Laree) und könglichen Truppen für eine Rettungsmission engagieren. Unterdessen setzt der dunkle Sinjin (James Lew) alles daran, seine finsteren Pläne umzusetzen…

Und wieder führt mich der diesjährige Kurzkritiken-Sommer in das Billigfilm-Universum, wider Erwarten allerdings nicht in das Schwarze Loch namens The Asylum. Der Filmemacher, Stuntman, Martial-Arts-Experte und Schauspieler Mark Steven Grove hat bei seiner siebten Regie-Arbeit ein kleines Weltraumfilmchen zusammengebastelt und sich selbst natürlich auch eine kleine Rolle auf den Leib geschrieben. Das Machwerk mit dem monströsen Titel Star Raiders: Die Abenteuer des Saber Raine steht zwar in der Tradition von Italo-Trashperlen wie Star Crash und präsentiert einen recht belanglosen, größtenteils generischen Plot, ist aber im Gegensatz zu den „offiziellen“ Mockbustern kein totaler Reinfall. Die Computereffekte erscheinen zwar auf dem Stand 15 Jahre alter Videospiele und wirkliche Spannung kommt kaum auf, aber immerhin hat sich die Filmcrew bei Make Up und Kostümen richtig austoben können. Vermutlich wurde auch einfach ein Laden für Cosplay-Bedarf leergeräumt. Den Titelheld gibt natürlich niemand geringeres als Casper Van Dien (Avengers Grimm), der Tom Cruise aus der B- und C-Moviewelt. Man kann ihn eigentlich nicht mehr sehen, dennoch kurbelt der sonnige Dauer-Starship-Trooper einen lahmen Part nach dem nächsten runter. Daneben laufen hier unter anderem eine Platinblondine sowie eine verirrte Wonder Woman durch die Wälder von Colorado und schießen sich den Weg durch Zombiehorden und Skelett-Kapuzen frei. Das offene Ende zeigt ziemlich deutlich, dass Star Raiders als Pilotfilm für eine Serie geplant war. Kein Verlust, dass diese voraussichtlich nicht zustande kommt, aber völlig misslungen geriet Saber Riders Raines vermutlich einziges Abenteuer nicht.

Star Raiders: Die Abenteuer des Saber Raine ist am 3. August 2017 auf BluRay und DVD erschienen.

Star Raiders: Die Abenteuer des Saber Raine (Star Raiders: The Adventures Of Saber Raine)
Science-Fiction-Abenteuer USA 2017. FSK 12. 80 Minuten. Mit: Casper Van Dien, Brit Laree, James Lew, Sara N. Salazar, Holly Westwood, Tyler Weaver Jr., Mark Steven Grove, Andy Hankins u.a. Drehbuch und Regie: Mark Steven Grove.


Skeletors Klone?

Bilder (c) Tiberius Film.


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