Penny Dreadful: City of Angels, Folge 10

18. August 2020

Und schon sind wir auch beim großen Finale der ersten Staffel von Penny Dreadful: City of Angels. Am Tag der Toten nehmen folgenschwere Ereignisse ihren Lauf.


Stadt der Mauern

Ähnlich wie das „Penny Dreadful“ im Serientitel entpuppt sich auch der Episodentitel des Staffelfinales als Mogelpackung. Denn der mexikanische „Tag der Toten “ (Dia de los Muertos) spielt hier nur am Rande eine Rolle, ähnlich wie die übersinnliche Ebene in der ganzen Show.

Die Nachricht vom Tode Diegos durch die Lynchjustiz rassistischer Polizisten dringt noch am selben Abend zu den Besuchern des Crimson Cat vor. Lewis Michener (Nathan Lane) gelingt es, Molly (Kerry Bishe), Mama Maria Vega (Adriana Barraza), Josefina (Jessica Garza) und Raúl (Adam Rodriguez) in Sicherheit zu bringen. Der von Pachuco-Anführer Fly Rico (Sebastian Chacon) initiierte, friedliche Gedenkmarsch der mexikanischen Bevölkerung mutiert jedoch durch Magdas (Natalie Dormer) Zutun zum blutigen Straßenkampf, zwischen dessen Fronten auch Tiago (Daniel Zovatto) gerät. Die Beziehung von Molly und Tiago steht aufgrund der jüngsten Ereignisse unter keinem guten Stern. Die beiden bilden die „Star-crossed Lovers“ in dieser Geschichte sozialer Spaltung.

Dr. Peter Craft (Rory Kinnear) versucht seinen während der Unruhen verletzten Sohn Trevor (Hudson West) zu trösten und erklärt ihm die verheerenden Folgen von Hass. Elsa (Natalie Dormer), die Frau an Peters Seite, fordert von ihm, sein familiäres Erbe anzunehmen und seiner Bestimmung als Nazi zu folgen. Nachdem die Behörden das Kriegsrecht verhängt haben und Checkpoints mit Soldaten eingerichtet wurden zeigt sich Stadtratsmitglied Charlton Townsend (Michael Gladis) überaus begeistert mit fließendem Übergang zum Größenwahn. Denn die neue Situation hat seine Pläne für die Autobahn wieder salonfähig gemacht. Und so marschieren die Bagger und Abrissbirnen unaufhaltsam in Belvedere Heights, dem Viertel der mexikanisch-amerikanischen Community ein und beginnen ihr zerstörerisches Werk. Der „Krieg der Völker“ hat nun endgültig begonnen. Traurigerweise mit aktueller Brisanz.

In dieser Folge kann und will Schöpfer/Chefautor John Logan gar nicht alle Handlungsstränge zu einem Ende bringen. Day of the Dead bereitet stattdessen eine zweite Staffel vor, die demnach kommen muss, wenngleich diese (wohl auch aufgrund der unsicheren Situation mit Covid-19) zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht bestätigt wurde. Die Quoten von City of Angels bei Showtime bewegten sich mit etwa 600 000 bis 700 000 Zuschauern pro Folge minimal unter denen des „Originals“. Diese mögliche zweite Runde werden allerdings nicht alle Figuren erleben. Gleichsam wie die ganze Season wirkte auch das Finale erzählerisch ein wenig unrund. Und die ganzheitliche Umsetzung von Penny Dreadful geht dem nominellen Spin-Off ohnehin ab.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×10: Day of the Dead
USA 2020. 60 Minuten. Idee & Drehbuch. John Logan. Regie: Richard J. Lewis.


Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.

 

 


Penny Dreadful: City of Angels, Folge 9

17. August 2020

Los Angeles im Jahre 1938. Eine Stadt, die niemals schläft, kaum zur Ruhe kommt. Daher gleich weiter mit der neunten Episode von Penny Dreadful: City of Angels.

Dance, Dance, Dance oder Familientreffen im Crimson Cat

Sing, Sing, Sing – so der Titel von Folge 9, welcher eigentlich „Dance, Dance, Dance“ lauten müsste – gehört für mich zu den besseren Episoden, ganz einfach weil der übersinnliche „Schmu“ hier keine Rolle spielt. So kann die Serie ihres Stärken besser ausspielen. Zu diesen gehört die Familie Vega, welche neben Peter Craft (Rory Kinnear), der seine Lieben ins Kino ausführt, das Herz der Show bilden.

Nach und nach treffen die Mitglieder der mexikanisch-amerikanischen Sippe im von lateinamerikanischer Lebensfreude nur so strotzenden Club namens Crimson Cat ein. Erst Raúl (Adam Rodriguez), der sich immer noch von seiner schweren Schussverletzung aus der ersten Folge erholt, und Mama Maria (Adrian Barraza), welche von Elsa schikaniert wird, gefolgt von Mateo (Johnathan Nieves) mit seinen Pachuco-Freunden Rio (Natalie Dormer) und Fly Rico (Sebastian Chacon) sowie Vega-Tochter Josefina (Jessica Garza) mit neuer Haarfarbe. Als letztes stoßen Tiago (Daniel Zovatto) und Sister Molly (Kerry Bishé) hinzu. Unterschiedliche Konflikte brechen aus, über Mateos neues Leben als Pachuco, Josefinas Bestimmung bei den „Joyful Voices“ und Tiagos Beziehung zu einer „Gringa“. Doch vor allem dank der Vermittlung Raúls und einem Machtwort Tiagos kommt es zur Versöhnung. Und anschließend wird getanzt, bis die Sohlen glühen. Selten habe ich so toll choreographierte, immersive Tanz-Sequenzen gesehen.

In seiner Verzweiflung über das drohende Scheitern seiner Pläne für die Autobahn wendet sich Stadtratsmitglied Charlton Townsend (Michael Gladis) an seinen Vater, den überaus einflussreichen Verkehrsmogul Jerome Townsend (Brian Dennehy), bittet diesen um Unterstützung. Doch Papa lehnt ab, schließlich stellt doch vielmehr die Luftfahrt die Zukunft dar. Für Darsteller Brian Dennehy (u.a. Rambo, William Shakespeares Romeo + Julia) seine letzte Rolle. Er starb am 15. April 2020 im Alter von 81 Jahren an einem Herzinfarkt. Die vorliegende Folge wurde ihm gewidmet.

Ein unerkannter Schütze hatte am Ende von Episode 8 das Feuer auf Lewis Michener (Nathan Lane) und Tiago eröffnet, dabei aber glücklicherweise nur das schöne Auto zerschossen. Lewis hat aber eindeutig die Faxen dicke und stellt Nazi-Architekt Richard Goss (Thomas Kretschmann) zur Rede. Goss zeigt sich aber unbeeindruckt, auch von Micheners „Bitte“ ihn jetzt gleich zu töten. Stattdessen erfahren wir vom Architekten ein paar dem Zuschauer bisher unbekannte Details aus dem Privatleben des jüdischen Cops. Lewis‘ Kontakten zur jüdischen Mafia ist es zu verdanken, dass der von Dottie Minter (Lin Shaye) versteckte Student Brian (Kyles McArthur), dessen Fachgebiet Berechnungen für Raketen ist, wieder in die Hände der Nazis fällt. Kein Happy End gibt es dagegen für Diego (Adan Rocha), der den ultimativen Preis bezahlen muss. Für Verbrechen, die er nicht begangen hat.

Serienschöpfer John Logan hat bei Sing, Sing, Sing nach vier Folgen aus der Feder anderer Autoren wieder das Drehbuch verfasst. Ein schönes Zitat hat die Episode auch noch zu bieten. Als Goss‘ Tischnachbarn gerade am Gehen sind, empfiehlt ihnen Michener, im Geschenkeladen noch eine Ausgabe von Mein Kampf mitzunehmen. Eine herrliche Anspielung auf Nathan Lanes Rolle als geldgeiler Broadway-Produzent in der Bühnenfassung und dem Filmremake von Mel Brooks Musical-Satire The Producers – Frühling für Hitler.

Das große Finale steht bevor.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×09: Sing, Sing, Sing
USA 2020. 51 Minuten. Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Dan Attias.

 

Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.


Penny Dreadful: City of Angels, Folge 8

16. August 2020

Seit ein paar Tagen ist auch die deutsche Erstausstrahlung der ersten Staffel von Penny Dreadful: City of Angels bei Sky vollendet während ich noch ein wenig im Rückstand bin. Heute geht es weiter mit Folge 8.

American Horror Story oder The Good German

Trevor Craft (Hudson West) beerdigt seinen Hamster und vertraut Haushälterin Maria Vega (Adriana Barraza) an, dass „Stiefbruder“ Frank Branson (Santino Barnard) ihn getötet hat. Doch dies ist nur der Auftakt zu den schaurigen Taten des kleinen Satansbratens. Als nächstes plant Franks „Mutter“ Elsa (Natalie Dormer) nämlich die mexikanische Angestellte loszuwerden, weswegen der Junge einen gehörigen Spuk veranstaltet. Willkommen in John Logans eigener Version von American Horror Story!

Papa Peter Craft (Rory Kinnear) hat es derzeit auch nicht leicht. Seine Ehefrau Linda (Piper Perabo), die er in die Klapse eingewiesen hat, droht ihn zu vernichten. Und bei der Versammlung des German-American Bunds sieht sich Peter einer Mehrheit von Mitgliedern gegenüber, die mit aller Macht gegen die Juden vorgehen wollen. Doch Craft, dessen wahre Herkunft enthüllt wird, sieht sich zwar als stolzer Deutscher, aber auch als Pazifist, was seiner neuen Flamme Elsa so gar nicht schmeckt.

Die Polizisten Tiago Vega (Daniel Zovatto) und Lewis Michener (Nathan Lane) versuchen heraus zu finden, wie weit die „Stützen der Gesellschaft“ mit den Nazis zusammenarbeiten. Michener prallt bei Stadtratsmitglied Townsend (Michael Gladis) ab, erhält jedoch Unterstützung von anderer Seite. Unterdessen besucht Tiago den „Joyful Voices“-Tempel und bekommt von Adelaide Finnister (Amy Madigan), der Mutter seiner heimlichen Geliebten Molly (Kerry Bishé), einen Einblick in die Arbeit der Organisation. Hierbei wird Tiago Zeuge wie seine Schwester Josefina (Jessica Garza) getauft wird.

Townsend und sein Lover/Aufpasser Kurt (Dominic Sherwood) gehen in einen geheimen Club wo Männer mit Männern und Frauen mit Frauen tanzen. Die Clubsängerin spielt niemand Anderes als Patti LuPone, die in Penny Dreadful als Hexe Joan Clayton (Staffel 2, Folge 3) sowie auch in der Rolle der Psychotherapeutin Dr. Seward (Staffel 3) zu sehen war. Unnachahmlich wie die erfahrene Broadway-Aktrice den insgesamt nicht einfachen Jazzsong Stardust (1927) von Hoagy Carmichael intoniert. Gerne mehr davon.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×08: Hide and Seek
USA 2020. 53 Minuten. Drehbuch: Tatiana Suarez-Pico. Regie: Sheree Folkson.

 

 

Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.

 


Penny Dreadful Revisited VII: Possession

13. August 2020

Und wieder habe ich die „schaurige Penny“ zu sehr vernachlässigt. Vielleicht war es auch einfach ein wenig Respekt vor der siebten Folge, die ihren Titel nicht umsonst trägt.



„An animal scratching to get out.“

Die erotische Begegnung mit Dorian Gray hat in Vanessa Ives (Eva Green) etwas ausgelöst, einen Schalter umgelegt. Denn seitdem ist sie im wahrsten Sinne des Wortes vom Teufel bessessen. Nicht das erste Mal, aber bei dieser Gelegenheit besonders schlimm. Sir Malcolm (Timothy Dalton), Sembene (Danny Sapani), Ethan Chandler (Josh Hartnett) und Dr. Victor Frankenstein (Harry Treadaway) versuchen alles, um Vanessa irgendwie zu helfen.

Eva Green zeigt in dieser Folge zum dritten Mal nach Séance und Closer than Sisters eine unglaubliche schauspielerische Leistung, bei welcher ihr wirklich viel abverlangt wird. Es schmerzt wahrlich Vanessa bei ihrem qualvollen Konflikt mit dem Dämon in sich zuzusehen. Wie sie in einer Szene unruhig vor ihrem Bett kauert (siehe Bild unten) erinnert mich an den geschundenen Gollum aus Herr der Ringe. Dabei darf man natürlich nicht vergessen, dass Miss Green mit ihrem äußerst präzisen und nuancenreichen Spiel auch in den „ruhigen“ Szenen mehr als überzeugt.

Doch Possession verkommt nie zur One-Woman-Show. Der Fokus rückt auch immer wieder auf Vanessas „Mitstreiter“, welche ihr im Kampf mit dem Bösen beistehen oder zumindest beizustehen versuchen. Denn mit der Zeit (sind es Tage oder gar Wochen?) hinterlässt die eigene Machtlosigkeit Spuren bei Malcolm, Ethan und Victor, etabliert gleichzeitig aber eine Art Zusammenhalt unter den so unterschiedlichen Männern. Spätestens jetzt wird klar, dass Vanessa Ives, deren unausweichliches Ende hier bereits „vorweggenommen“ wird, das emotionale Zentrum bzw erzählerische Herz der Serie bildet und die meisten der anderen Hauptfiguren um sich versammelt. Heutzutage würde man bei Miss Ives vermutlich eine dissoziative Identitätsstörung diagnostizieren.

Penny Dreadful, 1×07: Possession
Irland, UK, USA 2014. FSK 16. 57 Minuten (PAL-DVD). Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: James Hawes.

 

Credits
Szenenfotos (c) Showtime.

 

 


Penny Dreadful: City of Angels, Folgen 6 und 7

29. Juli 2020

Nach einiger Zeit zieht es mich wieder zurück in la ciudad de los angeles, heute sogar im Doppelpack.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×06: How It Is With Brothers
USA 2020. 54 Minuten. Drehbuch: Vinnie Wilhelm. Regie: Roxann Dawson.

Im Mittelpunkt der 6. Folge (zum zweiten Mal nach Children of the Royal Sun führte Star Trek-Alumna Roxann Dawson Regie) steht ein auf mehrere Szenen verteiltes Verhör, in welchem die Detectives Tiago Vega (Daniel Zovatto) und Lewis Michener (Nathan Lane) den jungen Diego (Adan Rocha) verhören, der einzige Verdächtige im Mordfall an ihrem sadistischen, verhassten Kollegen Reilly, welcher nicht entkommen konnte. Als Diego durchscheinen lässt, dass er die Identittät des wahren Mörders von Reilly kennt, droht Tiago durchzudrehen und Lewis kapiert, dass Tiagos Bruder Mateo (Johnathan Nieves) der Täter ist. Am Ende des Tages bringt Lewis Diego dazu, sowohl den Mord an Riley als auch die Tötung der Hazlett-Familie zu gestehen. Die beiden Cops werden hinterher von den weißen Kollegen und Captain Vanderbilt (Brent Spiner), der ja mehrmals den Abschluss der Ermittlungen gefordert hatte, gefeiert. Wie zynisch.

 


Mateo ist unterdessen mit seiner Pachuco-Familie auf der Flucht. Dennoch gelingt es seiner Mutter Maria (Adriana Barraza) das Versteck der Flüchtigen ausfindig zu machen. Vermutlich hat sie einfach die Mama von Fly Rico (Sebastian Chacon) gefragt oder die geheimen Aufenthaltsorte der Pachucos sind in der Chicano-Community allgemein bekannt. Rio (Natalie Dormer) bleibt in dieser Episode gnädigerweise die einzige Erscheinungsform der bösen Dämonin Magda. Sister Mollys (Kerry Bishé) Mutter (Amy Madigan), die dank den Observierungen ihres Schlägerassistenten von der Affäre ihrer Tochter mit Tiago weiß, redet dieser ins Gewissen und erklärt, dass es keinen Platz für einen Mann im Leben einer „Priesterin“ gibt. Außerdem gönnen sich Stadtratsmitglied Townsend (Michael Gladis) und Chaffeur Kurt (Dominic Sherwood) einen kleinen Plausch am Strand. Dr. Peter Craft (Rory Kinnear) erklärt seiner depressiven Ehefrau Linda (Piper Perabo), dass er sich von ihr trennen und sie in ein Sanatorium einweisen wird.

Ohne große Umschweife geht es gleich weiter mit der nächsten Folge.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×07: Maria and the Beast
USA 2020. 51 Minuten. Drehbuch: Colin S. Liddle. Regie: Sheree Folkson.

Die Polizei wird für die Festnahme des vermeintlichen Mörders der Hazlett-Familie und des Cops Riley gefeiert. Doch Tiago ist sogar nicht nach Feiern zumute, immerhin trifft er auf Molly. Peter Crafts (Rory Kinnear) Söhne Tom (Julian Hilliard) und Trevor (Hudson West) sind nicht so begeistert als die „Neue“ ihres Vaters, Elsa (Natalia Dormer), mitsamt ihrem gruseligen „Sohn“ Frank (Santino Barnard) bei ihnen einzieht. Und Tom darf sich mit dem neuen „Bruder“ auch noch das Zimmer teilen. Allein die überaus schaurigen „Anwandlungen“ Franks würden für eine eigene Horrorserie reichen. Maria, die als geschätztes Hausmädchen der Crafts arbeitet, hat es in ihrer eigenen Familie ebenfalls nicht leicht. Tochter Josefina (Jessica Garza) hat sich der Kirche von Sister Molly angeschlossen und der invalide Raul (Adam Rodriguez) sitzt scheinbar nur zuhause rum. Santa Muerte (Lorenza Izzo) kann da auch nichts machen. Ihre fiese Schwester Magda (Natalie Dormer) schon eher, doch die ist im Schrein Marias nicht willkommen.

Als Gegenleistung für seine Hilfe im „Aufklären“ der Morde schließt sich Tiago Lewis bei der Observierung der Nazis an und lernt Dottie (Lin Shaye) kennen. Im schicken Restaurant, von Lewis und Tiago gut beobachtbar, ergänzt sich die übliche „Nazi-Runde“ (Goss, Kurt, Stadtratsmitglied Townsend, dessen Assistentin Alex) um niemand geringeres als Mollys Mutter Adelaide Finnister.

Die Rivalität zwischen Santa Muerte und ihrer bösen Schwester Magda sowie generell das übersinnliche Element spielt in den meisten der bisherigen Folgen kaum eine Rolle. Auch wirkt hier diese recht bemüht. Die Stärke von Penny Dreadful, dem Original, war die ständige, fühlbare Anwesenheit dunkler Mächte, auch im Verborgenen. Bei City of Angels dagegen fungiert diese Ebene fast nur als Hintergrundrauschen. Das mit gelungener Konsequenz inszenierte Sozialdrama in einer Metropole voller Konflikte benötigt keine übersinnliche Motivation, keine bösartige Strippenzieherin, welche die einzelnen Parteien gegeneinander aufhetzt. Das schaffen die Menschen schon von ganz allein.

Interessant bleibt die Serie aber dennoch, es gibt schließlich noch ein paar offene Fragen. Wer steckt wirklich hinter den Hazlett-Morden? Welche Rolle spielt Drachenmama Adelaide in den Nazi-Machenschaften? Und wann sehen wir Dr. Craft endlich wieder bei seinem „Ehrenamt“? Das und vermutlich mehr demnächst auf diesem Groschenroman-verseuchten Blog.


Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.

 


Penny Dreadful Revisited VI: What Death Can Join Together

25. Juli 2020

Leider hab ich in den letzten Wochen meinen Rewatch von Penny Dreadful etwas schleifen lassen. Der wahrscheinliche Grund: denn die Blogger schreiben langsam. 😉



„Denn die Toten reiten schnell.“

Nachdem sich Closer than Sisters komplett einem Rückblick auf einschneidende Erlebnisse in Vanessa Ives‘ widmete kehren wir in der sechsten Folge wieder zur Haupthandlung zurück. Logan schafft es in 48 Minuten jeden der diversen Story Arcs voranzubringen.

Um den gesundheitlichen Zustand von Brona Croft (Billie Piper) ist es schlecht bestellt. Immerhin hat sie sich mit ihrem Geliebten Ethan Chandler (Josh Hartnett) versöhnt, der sich um sie kümmert und ihre Bedenken wegen der Ansteckungsgefahr beschwichtigt. Victor Frankenstein (Harry Treadaway) lässt sich unterdessen vom erfahrenen Professor Van Helsing (David Warner) einen Ctashkurs in Sachen Vampirismus geben. Hierbei gibt es gleich zwei schöne Meta-Momente. Zum einen zitiert Frankenstein das Gedicht Adonais (1821) von Percy Bysshe Shelley (dem Ehemann seiner Schöpferin Mary Wollstonecraft Shelley), aus welchem wiederum der Titel der vorliegenden Folge entnommen wurde. Außerdem empfiehlt Van Helsing die „penny dreadfuls“ als aufschlussreiches Recherchematerials hinsichtlich der Blutsauger. Leider wird der Professor urplötzlich von Caliban (Rory Kinnear) fast wortwörtlich um die Ecke gebracht, aus Ungeduld darüber, dass Frankenstein bisher noch keine Braut für seinen „Erstgeborenen“ erschaffen hat. Caliban ist zudem unglücklich in Maud (Hannah Tointon), eine hübsche junge Schauspielerin aus dem Grand Guignol, verliebt.

Vanessa Ives (Eva Green), geschockt von dem Chaos, welches der geheimnisvolle Vampir (Robert Nairne) und sein Minion Fenton (Olly Alexander) zwei Episoden zuvor in ihrem Zimmer angerichtet haben, nimmt sich eine Auszeit von der Monsterjagd und trifft sich mit Dorian Gray (Reeve Carney) zu einem Portrait-Fotoshooting in dessen Villa. Hinterher ermutigt Sir Malcolm (Timothy Dalton) sie, doch auch den Abend mit Mr. Gray zu verbringen. Denn Malcolm plant mit Sembene (Danny Sapani) und Ethan eine gefährliche „Expedition“. In einem wegen Typhus-Verdacht unter Quarantäne stehenden Schiff entdeckt das Trio das Nest des Vampirs und seiner weißhaarigen, rotäugigen, weiblichen Anhänger. Nach einem Kampf der Vampir-Ladies mit unseren drei Helden bricht ein Feuer aus und der oberste Blutsauger kann mit Mina (Olivia Llewellyn) im Schlepptau fliehen. Malcolm ist konsterniert und will Vanessa von den Ereignissen des Abends berichten. Doch die ist wieder von bösen Mächten so gar nicht wunderbar geborgen, weil das erotische Abenteuer mit Dorian einen Schalter umgelegt hat. Die nächste Folge heißt nicht umsonst Possession.

Zum ersten Mal in der Serie darf hier Sembene mal das Wort ergreifen und Sir Malcolm seine Zweifel darüber mitteilen ob Mina wirklich noch gerettet werden kann. Das Anbandeln von Miss Ives und Mr. Gray wird wundervoll nuanciert zelebriert, vor allem dank ausgezeichneter Dialoge wie hier:

Vanessa Ives: I think Mr Gray, there are tremors around us, like the vibrations of a note of music – hidden music. Some may be more attuned to them than others, what do those people do? Those who have been chosen.
Dorian Gray: They endure uniqueness.
Vanessa Ives: To be alien, to be disenfranchised from those around you, is that not a dreadful curse?
Dorian Gray: To be different, to be powerful, is that not a divine gift?
Vanessa Ives: To be alone?
Dorian Gray: To be seeking.
Vanessa Ives: What?
Dorian Gray: Another.
Vanessa Ives: Like you?
Dorian Gray: Who shares your rarity.
Vanessa Ives: Then you are no longer unique.
Dorian Gray: Nor are you alone.

Penny Dreadful, 1×06: What Death Can Join Together
Irland, UK, USA 2014. FSK 16. 48 Minuten (PAL-DVD). Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Coky Giedroyc.

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Szenenfotos (c) Showtime.

 

 


Penny Dreadful: City of Angels, Folge 5

11. Juli 2020

So langsam spitzt sich das Geschehen in City of Angels immer mehr zu. In der fünften Folge muss Tiago erkennen, dass sein Bruder in einen Mordfall verwickelt ist.

„We are the sons and daughters of Tenochtitlan“

Nachdem er blutige Rache an Polizist Reilly genommen hat wird Mateo Vega (Johnathan Nieves) nun endgültig von Rio (Natalie Dormer) und Fly Rico (Sebastian Chacon) in die Pachuco-Familie aufgenommen. Ausgerechnet Mateos Bruder Detective Tiago Vega (Daniel Zovatto) und dessen Partner Lewis Michener (Nathan Lane) ermitteln im Mordfall ihres verhassten Kollegen. So kommt es zwangsläufig zur niederschmetternden Konfrontation der Vega-Brüder. Elsa Branson (Natalie Dormer) hat einen Mann im Tanzlokal aufgegabelt, den sie tötet und gegenüber ihrem Geliebten Peter Craft (Rory Kinnear) als den (nicht existenten) gewalttätigen Ehemann ausgibt. Peter ist geschockt, hilft aber die Leiche des vermeintlichen Mr. Branson zu beseitigen. Crafts Ehefrau Linda (Piper Perabo) zeigt sich not amused dass ihr Gatte Hals über Kopf wegen eines Notfalls das Haus verlässt.

Josefina Vega (Jessica Garza) vertraut sich nach dem sexuellen Missbrauch durch Reilly der Radioevangelistin Molly (Kerry Bishé) an, die ebenfalls sexuelle Gewalt erfahren musste. Molly erkennt, dass Josefina Tiagos Schwester ist. Obwohl Molly eine potenzielle Verdächtige im Mordfall Hazlett ist haben die Predigerin und der Cop ihre Beziehung intensiviert, sehr zum Missfallen von Mollys gestrenger Mutter (Amy Madigan). Stadtratsmitglied Townsend zeigt sich sehr angetan von seiner neuen „Zusammenarbeit“ mit Kurt (Dominic Sherwood), dem Chauffeur des Nazi-Architekten Goss (Thomas Kretschmann). Im Hauptberuf bleibt Kurt allerdings weiterhin Spion und Auftragskiller.

Die Hälfte der Staffel ist vorbei und City of Angels gefällt immer noch als spannendes, reichhaltiges, gelungen inszeniertes Großstadt- und Gesellschaftsdrama. Die große Frage, was diese Serie mit dem viktorianischen Original Penny Dreadful – außer dem Titel, dem Schöpfer (John Logan) und einem Hauptdarsteller (Rory Kinnear) – gemeinsam haben soll, bleibt aber weiterhin. Denn das die beiden Showtime-Produktionen möglicherweise verbindene übersinnliche Element rückt bisher ziemlich in den Hintergrund und besteht nur darin, dass Santa Muerte ab und zu mal auftaucht sowie Natalie Dormer als Teufel, der in unterschiedlicher Menschengestalt die Leute in LA gegeneinander aufhetzt. Warum wurde nicht Tatiana Maslany, die Erfahrung in der Darstellung unterschiedlichster Personen in einer einzigen Serie (Orphan Black) hat, als Magda gecastet? Erstmals hat hier nicht Logan himself, sondern der Puertoricaner José Rivera (Oscar-Nominierung für das Skript zu Die Reisen des jungen Che [2004]) das Drehbuch geschrieben. Inszeniert hat die Episode die überaus erfahrene TV-Regisseurin Roxann Dawson, wesentlich bekannter als Schauspielerin durch ihre Hauptrolle als Halbklingonin B’Elanna Torres in Star Trek: Raumschiff Voyager (1995-2001).

Penny Dreadful: City of Angels, 1×05: Children of the Royal Sun
USA 2020. 51 Minuten. Drehbuch: José Rivera. Regie: Roxann Dawson.

Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.

 


Penny Dreadful Revisited V: Closer than Sisters

10. Juli 2020

Die fünfte Folge von Penny Dreadful wirft einen Blick in die Vergangenheit von Vanessa Ives und erforscht die Entwicklung der Figur.

„Something whispered. I listened. “

Wie alles begann. Mit diesen drei Worten lässt sich Closer than Sisters am besten überschreiben. Wir erleben hier nämlich die Origin Story von Vanessa Ives und die Hintergründe für die Ausgangssituation der Serienhandlung werden beleuchtet. In der Rahmenhandlung verfasst Vanessa einen Brief an ihre verlorene Freundin Mina und rekapituliert dabei die Ereignisse der Vergangenheit.

Es waren einmal zwei junge Mädchen, durch Freundschaft und die direkte Nachbarschaft ihrer Familien unzertrennlich. Doch nachdem Vanessa (Lili Davies) ihre Mutter (Anna Chancellor) und Malcolm (Timothy Dalton), den Vater ihrer besten Freundin Mina (Fern Deacon), beim heimlichen Liebesspiel beobachtet hat ist nichts mehr wie zuvor. Von diesem Tag an sollte sich Vanessa verändern.

Einige Jahre später. Vanessa (Eva Green) und Mina (Oliva Llewellyn) sind erwachsen geworden. Während Minas Bruder Peter (Graham Butler) seinen Vater auf dessen nächstes Abenteuer in Afrika begleiten soll hat sich Mina mit dem schneidigen Offizier Captain Branson (Joseph Millson) verlobt und plant, mit ihm nach Indien auswandern. Mit der Aussicht darauf, dass sie ihre beiden „Lieblingsmenschen“ zu verlieren droht, trifft Vanessa eine folgenschwere Entscheidung, die ihr eigenes und das Leben der beiden untrennbar miteinander verbundenen Familien für immer überschatten soll.

Was danach folgt wünscht man niemandem. Vanessa wird psychisch schwer krank und offenbart zwischenzeitlich Anzeichen für Besessenheit was ihr eine Höllenfahrt durch die Foltermethoden der damaligen „Psychotherapie“ beschert. Diese überaus dunklen Zeiten überlebt Miss Ives nur weil sie auf eine noch dunklere Stimme in ihrem Kopf hört, welche ihr in vertrauter Gestalt erscheint. Und auch Mina findet sich schließlich im Bann finsterer Mächte wieder, aus welchem sie Malcolm und Vanessa schließlich zu befreien versuchen, womit wir wieder beim Beginn der Serie wären.

Mit Eva Green, Timothy Dalton und Danny Sapani als Sembene (in einer kurzen Szene) sind in dieser Episode nur drei der acht Hauptdarsteller aus Staffel 1 vertreten. Die französische Schauspielerin, welche kürzlich ihren 40. Geburtstag feierte, liefert hier zum zweiten Mal nach Séance eine vor allem körperlich unfassbare intensive Performance ab. Für Miss Green sicherlich die Rolle ihres Lebens. Und auch Timothy Dalton hinterlässt einen starken Eindruck, vor allem in einer Szene (siehe Bild unten). Die kürzlich in einer PD-Facebook-Gruppe aufgekommene Theorie, dass Vanessas leiblicher Vater nicht Mr. Ives (Michael James Ford ist) sondern Sir Malcolm ist, halte ich nach der erneuten Sichtung dieser Folge für ziemlich unwahrscheinlich.

Closer than Sisters sollte nicht die einzige Folge der Serie bleiben, die sich mit Vanessa Ives‘ Vergangenheit auseinandersetzt. Auch The Nightcomers (Staffel 2, Folge 3) sowie die absolut verstörende und gleichzeitig großartige Episode A Blade of Grass (3×04) widmen sich fast ausschließlich der zentralen Figur.


Penny Dreadful, 1×05: Closer than Sisters
Irland, UK, USA 2014. FSK 16. 53 Minuten (PAL-DVD). Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Coky Giedroyc.

Credits
Szenenfotos (c) Showtime.

 


Penny Dreadful: City of Angels, Folge 4

5. Juli 2020

Parallel zum Rewatch des unerreichten Originals setze ich meine Erstsichtung der brandneuen Spinoff-Serie City of Angels fort. Die vierte Episode hat es wahrlich in sich.


Lambs and Devils

Um den Mörder der Hazlett-Familie zu finden hat die Polizei von Los Angeles die halbe Chicano-Community einkassiert. Detective Tiago Vega (Daniel Zovatto) geht dazwischen als der sadistisch-rassistische Polizist Reilly (Rod McLachlan) den jungen Diego (Adan Rocha) „verhört“. Captain Vanderbuilt (Brent Spiner) verlangt von Tiago, dass er Fortschritte im Hazlett-Mordfall erwartet, auch wenn dessen jüdischer Partner Lewis Michener (Nathan Lane) gerade ein paar Tage frei hat. Am Grab seiner ermordeten Freunde trifft Lewis sich mit Benny Berman (Brad Garrett), einem jüdischen Gangsterboss. Der Cop bittet den Mobster um Hilfe im Kampf gegen die Nazis, vor allem weil diese an einer neuen Langstreckenrakete arbeiten.

Ob und wie der vom deutschen Arzt Dr. Peter Craft (Rory Kinnear) angeführte German-American Bund in diese Machenschaften verwickelt ist, bleibt noch unklar. Auf der riesigen Geburtstagsfeier von Crafts älterem Sohn (typisch amerikanisch ein großes gesellschaftliches Ereignis) taucht auch Magda alias Elsa Branson (Natalia Dormer) mit ihrem gruseligen Sohn Frank (Santino Bernard) auf. Während Elsa mit ihren „Landsleuten“, darunter auch Bund-Mitglied Hermann Ackermann (Ethan Peck), ein altes deutsches Trinklied trällert sieht Crafts Gattin Linda (Piper Perabo) diesem Treiben misstrauisch zu. Nach einer kurzen Begegnung der beiden Frauen fallen Elsa und Peter im Badezimmer schließlich wie die Hunde übereinander her. Dem Kindergeburtstag folgt eine Pyjama-Party der Craft-Söhne, bei welcher auch Frank anwesend ist, der den anderen Jungen mal auf besonders schauerliche Weise zeigt, wie man eine RICHTIGE Horrorgeschichte erzählt.

Tiago untersucht das Strandhaus, welches dem ermordeten James Hazlett und Sister Molly (Kerry Bishé) als Liebesnest gedient hat. Dort trifft er auf die Radioevangelistin, die jegliche Beteiligung am Mord abstreitet, die Affäre mit dem verheirateten Familienvater aber zugibt. Tiagos Geschwister, der Neu-Pachuco Mateo (Johnathan Nieves) und die junge Josefina (Jessica Garza), werden ohne Grund von Officer Reilly und seinen Kollegen drangsaliert. Reilly vergewaltigt Josefina während ihr Bruder hilflos dabei zusehen muss. Josefina beschwört ihrem Bruder niemanden davon zu erzählen. Im Haus der Familie Vega kommt es zum Eklat als Mateos Pachuco-Tattoo entdeckt wird. Mama Maria (Adriana Barraza) ist außer Sicht. Mateo flüchtet sich zu Fly Rico (Sebastian Chacon) und Rio (Natalie Dormer), die gemeinsam mit dem verprügelten Diego die Rache an Reilly in die Wege leiten. Josefina sucht Zuflucht bei der Joyful-Voices-Glaubensgemeinschaft, wo sie Zeugin einer mitreißenden Predigt der sichtlicht veränderten und mitgenommenen Sister Molly wird.

Fast schon ein wenig zur Nebensache gerät die Story um Stadtratsmitglied Townsend, der in der Sitzung des Bauausschusses miterleben muss wie seine Konkurrentin Beck (Christine Eastabrook) einen Alternativplan für die neue Autobahn vorlegt, die dann nicht mehr quer durch das Wohngebiet der mexikanisch-amerikanischen Gemeinde verlaufen soll, sondern durch ein bisher nicht bewohntes Gebiet. Nach einer erneuten Nummer mit einer männlichen Prostituierten wird Townsend schließlich von Kurt (Dominic Sherwood), dem deutschen Chauffeur von Nazi-Architekt Goss (Thomas Kretschmann), ent- und verführt. Goss und Townsends Assistentin Alex (Natalie Dormer) halten diese zärtliche Begegnung allerdings heimlich mit einer Kamera fest.

In den knapp 55 Minuten von Josefina and the Holy Spirit passiert nicht nur sehr viel, die Folge erweist sich auch als ungemein intensiv, und das nicht nur weil man hier sowohl den Anteil der Gewaltspitzen erhöht und außerdem in seiner Szene die Horrorschraube fast bis zum Anschlag dreht. Merkwürdig auch die gemeinsame Gesangsperformance (Ein Heller und ein Batzen) von Rory Kinnear, Natalie Dormer, Ethan Peck (Spock aus Star Trek: Discovery) und anderen. Allmählich erhalten auch die bisher eher „vernachlässigten“ Figuren etwas mehr Raum.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×04: Josefina and the Holy Spirit
USA 2020. 54 Minuten. Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Sergio Mimica-Gezzan.

Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.

 


Penny Dreadful Revisited IV: Demimonde

4. Juli 2020

In der vierten Folge von Penny Dreadful öffnen sich weitere Türen zu den Abgründen der Halbwelt.

You’re the daughter I deserve.“

Erstaunlich was alles in die 57 Minuten von Demimonde gepackt wurde. Und wohl deshalb ist die Episode so überaus gelungen. Im Zentrum der Handlung stehen dieses Mal besonders Dorian Gray (der nicht nur unter chronischer Unsterblichkeit leider, sondern in Staffel 1 auch dazu verflucht ist, nur in den Episoden mit gerader Zahl aufzutreten) und Ethan Chandler.

Dorian (Reeve Carney) ist jemand, der schon so gut wie alles im Leben durchgemacht und erlebt hat. Daher langweilen ihn wohl auch die gechillten Sex-Parties mit hübschen jungen Frauen und Männern. Vanessa Ives (Eva Green), die er bei der furchteinflößenden Séance kennen gelernt hat, fasziniert ihn. Und so verfolgt er ihre Schritte. So interpretiere ich zumindest sein „zufälliges“ Auftauchen in der Nähe der Kirche. Mit Fachwissen über exotische und giftige Blumen von besonderer Schönheit zieht Mr. Gray Miss Ives (Eva Green) in seinen Bann. Später treffen sich die beiden im Grand Guignol wieder.

Ich möchte auch einmal im Leben so eine herrliche, splattrige Bühnenshow wie im Grand Guignol erleben. Am nächsten kam dem eine Inszenierung von Macbeth in einem kleinen Theater in Aschaffenburg vor einigen Jahren. Bei der Rollenvergabe wurden die Geschlechter vertauscht (beide Frauenrollen spielte ein Mann, die männlichen Parts entsprechen Frauen) und während der Performance schmierten die Darsteller sich und die Wände auf der Bühne ständig mit roter Farbe ein. Hinterher mussten die Akteure übrigens selbst wieder alles saubermachen! Doch zurück zur PD-Folge. Der zuvor mehrfach erwähnte Hämatologe, den Sir Malcolm (Timothy Dalton) und Victor Frankenstein (Harry Treadaway) zu Rate ziehen, ist niemand Anderes als ein gewisser Professor Van Helsing (David Warner), der sich mit den mysteriösen Blutsaugern auszukennen scheint. Außerdem werden später die wahren Absichten des Meistervampirs (Robert Nairne) und seines „Minions“ Fenton (Olly Alexander) enthüllt.

Eigentlich wollte Ethan Chandler (Josh Hartnett) mit seiner todkranken Geliebten Brona Croft (Billie Piper) einen unterhaltsamen Abend im erwähnten Theater verbringen. Doch als die beiden während der Pause Dorian und Vanessa begegnen reagiert Brona eifersüchtig. Schließlich beendet sie ihre Beziehung mit Ethan und lässt diesen allein zurück. Dorian gabelt den völlig aufgelösten Ethan auf. Der Abend ist schließlich noch jung. Ehrlich gesagt konnte ich mich gar nicht mehr erinnern, wie deutlich hier bereits auf das dunkle Geheimnis des amerikanischen Revolverhelden angespielt wird ohne es definitiv zu enthüllen. Ethans ganzer Frust und seine Verzweiflung entladen sich schließlich in einer Schlussszene voller Erinnerungsfetzen mit ungewöhnlichem Ausgang. Und wie üblich ist das alles herausragend geschrieben, gespielt und inszeniert. Zum zweiten Mal führte hier Dearbhla Walsh Regie. Eine erkenntnisreiche, teils witzige und vor allem dramatische Folge.

Penny Dreadful, 1×04: Demimonde
Irland, UK, USA 2014. FSK 16. 57 Minuten (PAL-DVD). Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Dearbhla Walsh.

Credits
Szenenfotos (c) Showtime

 


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