Tilda Swinton Festival: Caprice (1986)

20. August 2022

Es wird höchste Zeit, meine Rezensionsreihe zur unnachahmlichen Tilda Swinton wieder aufzunehmen. Nicht nur weil der letzte Beitrag schon neun Monate zurückliegt. Sondern auch weil der Arthouse-Streamingdienst MUBI aktuell frühe Werke der schottischen Ikone zeigt, wie den 36 Jahre alten Kurzfilm Caprice.

Lucky im Mode-Wunderland

Im gleichen Jahr wie ihre ersten beiden Spielfilme, das Maler-Biopic Caravaggio von Derek Jarman und Christoph Schlingensief schräger Experimentalfilm Egomania – Insel ohne Hoffnung, war die junge Tilda Swinton auch in Caprice, einem Kurzfilm von Filmemacherin Joanna Hogg, zu sehen.

Lucky (Tilda Swinton) liebt Mode und ihr größter Lebensinhalt ist das wöchentliche erscheinende Modemagazin „Caprice“, welchem sie immer wieder aufs Neue entgegenfiebert. Doch zu ihrer völligen Überraschung gelingt es ihr, das Magazin auf magische Weise zu betreten und die einzelnen Seiten zu erkunden. Dabei macht Lucky faszinierende und zugleich beängstigende Entdeckungen…

Das vorliegende Werk ist der Abschlussfilm von Joanna Hogg (geboren 1960) an der National Film and Television School in England. Ich kenne zwar ansonsten noch keinen Film der britischen Filmemacherin, allerdings liest sich ihre Vita interessant. Nach dem Abschluss inszenierte Hogg bis in die frühen 2000er ausschließlich TV-Produktionen (darunter Episoden der Dauerbrenner Casualty und EastEnders) bevor sie erst 20 Jahre nach Caprice ihr Langfilmdebüt als Regisseurin, Unrelated (2007), veröffentlichte. Es folgten die Filme Archipelago (2010) und Exhibition (2013).The Souvenir (2019), welcher auf Hoggs eigenen Erlebnissen als junge Frau basiert, brachte Hogg und Swinton wieder zusammen. Die Hauptrolle spielte allerdings Tildas Tochter Honor Swinton Byrne (geboren 1997). Seit Jahren warte ich sehnlichst darauf, dass dieses Werk endlich in Deutschland veröffentlicht wird, bisher vergebens. 2021 erschien mit The Souvenir: Part II bereits eine Fortsetzung.

Doch zurück zu Caprice. Die von der ca. 25jährigen Tilda Swinton verkörperte Protagonistin kommt ähnlich wie der Zuschauer aus dem Staunen nicht mehr heraus, als sie im Stile von Alice im Wunderland (nach Lewis Carroll) und Der Zauberer von Oz (nach L. Frank Baum) durch die einzelnen Stationen der phantastischen Mode-Wunderwelt spaziert. Hogg und ihr Team machten das Beste aus einem sicherlich nicht besonders großen Budget, erschaffen dabei eine ganze Reihe von kuriosen surrealen Szenerien und Bilderwelten. Ästhetisch bleibt das Ganze fest in den 1980ern verortet, wenngleich Expressionimus und bunte Technicolor-Filme Pate standen. Anfangs noch mit kindlicher Naivität und Verspieltheit durchstreift die Heldin Lucky die einzelnen Teilbereiche der schönen Modewelt inklusive verführerischer Werbe-Fantasien, nur um im Verlauf der 28 Minuten auch die ein oder andere Schattenseite kennen zu lernen. Zwischenzeitlich wähnt man sich hier auch in einem langen Musikvideo aus den Achtzigern wenn ein Billy Idol-Klon (Robert Parnell, schrieb auch die Songs zum Kurzfilm) seinen neuesten Hit performt. Eine kurioser Ausflug in eine auf Oberflächlichkeiten fixierte Blase. Durch den ständigen Wechsel von Kulissen, Kostümen und Make Up wird hier bereits die später zu ihrem Markenzeichen gewordene Wandelbarkeit von Tilda Swinton quasi vorweggenommen. An ihrer Seite spielte damals mit Bruce Payne (u.a. Dungeons & Dragons [2000]) ein heute ebenfalls nicht ganz unbekannter Akteur. Die Kamera führte damals David Tattersall, später bekannt für seine Arbeit in gleicher Funktion bei The Green Mile (1999) oder Star Wars: Episode III (2005).

Caprice ist aktuell Teil des Angebots von MUBI, neben weiteren Werken mit der schottischen Schauspielerin, wie etwa The Human Voice.


Caprice
Fantasy/Kurzfilm UK 1986. 28 Minuten.
Mit: Tilda Swinton, Bruce Payne, Rachel Byrd, Marty Cruikshank, Anthony Higgins, Helen Cooper, Robert Parnell, Darlene Johnson u.a. Drehbuch: David Gale und Joanna Hogg. Regie: Joanna Hogg.


Credits
Bilder (c) NFTS/MUBI.

 

 

 


Dungeons & Dragons: Die Macht der Elemente

17. Dezember 2019

Nach der spontanen Sichtung des Fantasy-Flops Dungeons & Dragons (2000) habe ich mir aus einer Laune heraus gleich noch die kostengünstigere Fortsetzung Dungeons & Dragons: Die Macht der Elemente gegönnt. Allein um herauszufinden, ob Bruce Payne in seiner Rolle als Damodar erneut mit todschickem blauen Lippenstift aufläuft (Spoiler: tut er nicht!).

Damodar Returns

Hundert Jahre nach dem Sieg über Profion. Neues Ungemach droht dem Königreich Izmir. Der zu einem Dasein als Untoter verfluchte Damodar (Bruce Payne) findet den schwarzen Orb, mit welchem der die Macht des unter der Erde eingesperrten Drachengottes Faluzure entfesseln will, umso Feuer und Zerstörung über das Land zu bringen. Während der erfahrene Ritter Sir Berek (Mark Dymond) sich mit vier weiteren Kriegern – Barbarin Lux (Ellie Chidzey), Meisterdieb Nim (Tim Stern), Elfenmagierin Ormaline (Lucy Gaskell) und Kleriker Dorian (Steven Elder) – auf die gefährliche Reise zum Versteck Damodars macht, versuchen die Magier Izmirs um ihren Anführer Oberon (Roy Marsden) und Bereks Ehefrau Melora (Clemency Burton-Hill) in einem uralten Zauberbuch ein wirksames Mittel gegen das bevorstehende Unheil zu finden. Die Zeit drängt, denn schon beim nächsten Neumond wird Faluzure erwachen…

Dungeons & Dragons, die Kino-Adaption des bekannten Pen-&-Paper-Rollenspiels, floppte zu Beginn des Jahrtausends und nach meiner Erstsichtung des Films muss ich sagen: zurecht. Regisseur Gerry Liveley (Darkness Falls: Mörderisches Geheimnis) drehte wenige Jahre später in Litauen eine billigere Fortsetzung, wobei sich Courtney Solomon, der den Vorgänger inszenierte, dieses Mal auf die Rolle des ausführenden Produzenten beschränkte. Nach der Premiere von Dungeons & Dragons: Die Macht der Elemente im US-Fernsehen im Oktober 2005 fand der Streifen in der Folge auch seinen weltweiten Weg in die DVD-Regale. Auch wenn beim Standalone-Sequel nur knapp ein Drittel des Budgets von Teil eins zur Verfügung stand, der CGI-Drachen wirklich mies animiert (oder einfach nicht fertig gerendert) ist und man sich beim Skript auch kein Bein ausgerissen hat so würde ich nicht sagen, dass Die Macht der Elemente wirklich missratener daherkommt. Im Rahmen der fast schon typischen Direct-to-DVD-Machart machen Lively und sein Team nicht alles falsch. Die (bis auf Bruce Payne) durchgehend unbekannten Schauspieler agieren solide und die Story wird nicht unnötig in die Länge gezogen. Zwischen den fünf Helden entwickelt sich sogar so etwas wie Gruppendynamik. Die Anspielungen und das Namedropping wenden sich deutlich an Fans des Rollenspiels, weswegen Außenstehende die ganzen Zitate wohl recht beliebig finden. Die Bilder hätte etwas mehr Farbe vertragen können. Mich hat der Film teilweise an die thematisch ähnliche Videospielverfilmung Schwerter des Königs: Dungeon Siege vom berüchtigen Uwe Boll erinnert, nur ohne die Stars und nicht so dreist so zusammengeklaut, aber dafür auch nicht so billig wie die Fortsetzung.

Dungeons & Dragons: Die Macht der Elemente ist auf DVD erhältlich sowie bei diversen Streaminganbietern abrufbar. 2012 erschien Dungeons & Dragons 3: Das Buch der dunklen Schatten, ebenfalls von Gerry Lively inszeniert.

Dungeons & Dragons: Die Macht der Elemente
(Dungeons & Dragons: Wrath of the Dragon God)
Fantasyfilm USA, UK, Litauen, Deutschland 2005. FSK 12. 101 Minuten (PAL-DVD). Mit: Mark Dymond, Bruce Payne, Clemency Burton-Hill, Ellie Chidzey, Tim Stern, Lucy Gaskell, Steven Elder, Roy Marsden u.a. Regie: Gerry Lively. Drehbuch: Robert Kimmel, Brian Rudnick, Gerry Lively. Nach dem Rollenspiel von Gary Gygax und Dave Arneson.

Credits:
Bilder (c) Universum Film.


Dungeons & Dragons

15. Dezember 2019

Ein mäßiger Fantasy-Streifen mit Drachen und Jeremy Irons? Die Rede ist aber nicht von Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter, einer uninspirierten Adaption des generischen Romans von Christopher Paolini, sondern von der sechs Jahre zuvor veröffentlichten Rollenspiel-Verfilmung Dungeons & Dragons.

Grimassen & Drachen

Im Reich Izmir droht ein Bürgerkrieg zwischen „gewöhnlichen“ Menschen und den Magiern. Kaiserin Savina (Thora Birch) möchte, dass alle ihre Untertanen gleichgestellt werden. Profion (Jeremy Irons), der machtgierige Vorsitzende des Hohen Rates der Magier, plant diese revolutionären Ansichten gegen die Monarchin zu verwenden. Mit der Hilfe eines magischen Stabes will Profion die Macht über die roten Drachen erlangen, um die Macht über Izmir zu erlangen. Die Magierschülerin Marina (Zoe McLellan) kann gerade noch verhindern, dass Profions Handlanger Damodar (Bruce Payne) und dessen Schergen in den Besitz einer Karte gelangen, die einen Weg zum Stab weist. Die beiden Diebe Ridley (Justin Whalin) und Snails (Marlon Wayans) sowie der Zwerg Elwood (Lee Arenberg) stolpern mehr oder minder freiwillig mit Marina in die gefährliche Queste auf der Suche nach dem Stab. Doch Savinas Fährtenleserin, die Elfe Morda (Kristen Wilson), und Damodar sind dem ungleichen Quartett bereits auf der Spur…

Meine Berührungspunkte mit der Welt der Pen-&-Paper-Rollenspiele beschränkt sich auf ein paar DSA-Abenteuer mit meinen Cousins in den gemeinsamen Urlauben während meiner Jugend. Von Dungeons & Dragons hatte ich zwar auch gehört und erinnere mich dunkel an die Sichtung der Zeichentrickserie Im Land der phantastischen Drachen (1983-1985) in meiner Kindheit. An einem trägen Sonntagvormittag kam der Entschluss, die berüchtigte Kino-Version des Stoffes zu sichten. Das Echo von Kritikern und Fans auf den Streifen von Courtney Solomon (der die Verfilmungsrechte des Spiels erworben hatte und sich gedrängt sah, neben der Rolle des Produzenten auch die des Regisseurs zu übernehmen) war und ist auch heute noch ziemlich verheerend. Auch ohne Kenntnis des Rollenspiels kann ich diese negative Resonanz nachvollziehen. Dennoch erscheint mir Dungeons & Dragons: The Movie nicht völlig misslungen.

Zugegebenermaßen liegt hier einiges im Argen. Die Schauspielleistungen sind schwach bis mäßig (ein Skandal, dass Jeremy Irons für sein hemmungsloses Dauergrimassieren und kindisches Herumgefuchtel keine Goldene Himbeere erhielt), die Dialoge generisch bis dämlich. Außerdem müssen die CGI-Effekte vor 19 Jahren schon altbacken gewirkt haben während sich die Qualität der Kostüme irgendwo zwischen Opulenz, Kitsch und niedrigem LARP-Niveau befindet. Aber immerhin sind die Kulissen ordentlich geraten und das Drehbuch hält sich nicht lange mit Erklärungen auf, sondern kommt gleich zum Punkt. Dadurch gestalten sich die gut 90 Minuten Nettolaufzeit immerhin kurzweilig und ein paar fast schon gelungene Szenen gibt es auch. Aus heutiger Sicht wirkt das alles wie eine krude Mischung aus klassischen Fantasy-Tropen, Die unendliche Geschichte (1984) und einer misslungenen Leinwandversion von J.R.R. Tolkiens Der Herr der Ringe, unter anderem mit der verschenkten Thora Birch (American Beauty) in der Rolle der „kindlichen Kaiserin“ sowie Justin Whalin (Jimmy Olsen aus Superman: Die Abenteuer von Lois & Clark) als heldenhaftem Teeniestar-Hobbit plus ein paar austauschbare Sidekicks. Relativ gut aus der Affäre zieht sich dagegen Bruce Payne (Highlander: Endgame) mit seiner Performance als Damodar, Handlanger des Oberschurken Profion. Herrlich auch der Kurzauftritt von Richard O’Brien (bekannt als Autor und Darsteller von The Rocky Horror Picture Show).

Dungeons & Dragons ist seit Oktober 2001 auf DVD und seit März 2011 auf BluRay erhältlich sowie bei diversen Streaminganbietern abrufbar. Mit Dungeons & Dragons: Die Macht der Elemente (2005) und Dungeons & Dragons: Das Buch der dunklen Schatten (2012) erschienen zwei Fortsetzungen (beide inszeniert von Regisseur Gerry Lively) direkt auf DVD.

Dungeons & Dragons
Fantasyfilm USA/Tschechien 2000. FSK 12. 104 Minuten (PAL-DVD). Mit: Justin Whalin, Marlon Wayans, Zoe McLellan, Bruce Payne, Jeremy Irons, Lee Arenberg, Thora Birch, Kristen Wilson u.a. Regie: Courtney Solomon. Drehbuch: Topper Lilien und Caroll Cartwright. Nach dem gleichnamigen Rollenspiel von Gary Gygax und Dave Arneson.

 

Credits:
Bilder (c) Ascot Elite/EuroVideo.


TryFilm

Das kleine Wunder hat einen Namen: Tryfilm

DoomKittys Dark (Book-)Tower

There are other worlds than these ...

Aequitas et Veritas

Zwischendurchgedanken

Meine Welt der Bücher 📚

Rezensionen und mehr

Neue Filmkritik

braucht das Land

Apokalypse Film

Schaut vor der Apokalypse keine schlechten Filme!

Klappe!

Das Filmmagazin

Bette Davis left the bookshop

Bücher, Filme und viel mehr

VERfilmt&ZERlesen

Wo Kafka und Kubrick sich treffen

Schreiben als Hobby, kreativ sein - Poetik für Anfänger

Aus den Aufzeichnungen der Skáldkonur: Wo Worte sich zu Texten fügen, ist es Zeit für den Barden seine Geschichten zu erzählen.

11ersFilmkritiken

Ich heiße euch herzlich auf meinem Blog willkommen.

Weltending.

Buch. Musik. Film. Serie. Spiel. Ding.

Adoring Audience

Kritiken zu Filmen, Serien und Theater

Blaupause7

die Pause zur blauen Stunde

The Home of Horn

What i like, what i don't. Short Reviews, Top-Lists, Interests.

Sneakfilm - Kino mal anders

Kino…DVD…Blu-ray…und mehr!

trallafitti.blog

books. gaming. study.

Filmexe

Filme und Serien werden bei uns besprochen, in Form von Kritiken und auch einem Podcast. Jede Woche gibt es zwei Filmkritiken zu Filmen die gerade im Kino laufen oder auch schon länger draußen sind, der Filmpodcast heißt Filmexe Podcast.

Miss Booleana

says "Hello World!"

Marcel Michaelsen

Selbsternannter Schriftsteller

Trivial

Vendetta Vorm - fast eklig polygam

flightattendantlovesmovies

Die Flugbegleiterin, die gerne gute Filme und Serien guckt und darüber schreibt.

ergothek

Der Blog mit dem DeLorean

Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Singende Lehrerin

Tagebuch einer singenden, film-, serien- und theaterverrückten Lehrerin

Osnabrix - Xanders Blog

Ein Blog über Klemmbausteine, Filme, Fernsehen, Games, Bücher, Comics und sowas.

moviescape.blog

Texte über Filme, Serien, Popkultur, Laufen und das Vatersein.