The Guardians of Justice

23. April 2022

Ziemlich unter dem Radar läuft bei Netflix die Mixed-Media-Serie The Guardians of Justice, eine kuriose Superhelden-Pastiche von Autor, Produzent und Regisseur Adi Shankar (u.a. Dredd, Castlevania).


„For the greater good“ oder Adi Shankar’s Justice League

1947 landete der außerirdische Superheld Superman Marvelous Man (Will Yun Lee) auf der Erde, beendete den Dritten Weltkrieg und brachte der Welt Frieden. Gemeinsam mit dem kostümierten Vigilanten Batman Night Hawk (Diamond Dallas Page) gründete und führte Marvelous Man in der Folge das Superhelden-Team „Guardians of Justice“. Vierzig Jahre später begeht Marvelous Man während einer Fernsehansprache an seinem Ehrentag Selbstmord vor laufenden Kameras. Die Weltöffentlichkeit ist geschockt und der fragile Frieden bedroht. Night Hawk übernimmt sogleich die „Ermittlungen“ im Todesfall seines besten Freundes und Weggefährten. War es möglicherweise kein Suizid, sondern doch Mord? Sind die weiteren Guardians The Flash Speed (Sharni Vinson), Awesome Man (Derek Mears), Banshee Blue Scream (Jackson Rathbone), Black Canary Black Bow (Tiffany Hines), Aquaman King Tsunami (Kellan Lutz) und Wonder Woman Golden Goddess (Preeti Desai) vielleicht sogar in den Tod Marvelous Mans verwickelt?

Aditya „Adi“ Shankar wurde 1985 im indischen Kalkutta geboren und kam in jungen Jahren in die USA. Der Comic- und Videospiel-Enthusiast agierte als ausführender Produzent bei actionlastigen Filmen wie Machine Gun Preacher, The Grey (beide von 2011), der Comicverfilmung Dredd (2012) und A Walk Among the Tombstones (2014). Zwischen 2017 und 2021 fungierte Shankar als Showrunner der animierten Dark-Fantasy-Serie Castlevania, die auf dem gleichnamigen Videogame basiert. Für Aufsehen sorgte er allerdings mit seinem „Bootleg- Universe“, das als Youtube-Reihe mit unautorisierten, kurzen Fanfilmen (wie Punisher: Dirty Laundry, Venom: Truth in Journalism oder James Bond: In Service of Nothing) begann und mittlerweile seine offizielle Produktionsfirma bildet. The Guardians of Justice war ursprünglich unter dem Titel „Adi Shankar’s Gods and Secrets“ beim hochwertigen US-Bezahlsender HBO geplant, landete aber schließlich bei Netflix. Shankar liefert als Serienschöpfer, Co-Autor, Produzent und Co-Regisseur mit der siebenteiligen Serie nicht nur eine Mischform von real gedrehten Szenen und unterschiedlichsten Animationsstilen ab, sondern auch einen kuriosen Hybrid aus Rip-Off, Parodie, Satire des und Hommage ans Comichelden-Genre. Wie man unschwer (auch am Titel) erkennen kann stand vor allem das Superheldenteam namens Justice League (von Zack Snyder und Joss Whedon kürzlich verfilmt) Pate. Aber das Comic-Universum von DC war beileibe nicht der einzige Einfluss.

Hinsichtlich der Struktur, Figurenkonstellation und des Settings in einem alternativen 1987 bedient sich TGOJ auch sehr bei Watchmen, jener ikonischen Graphic Novel mit welcher Autor Alan Moore und Zeichner Dave Gibbons 1986/87 das Thema Superhelden in Comics nachhaltig prägten und die 2009 als Filmversion umgesetzt wurde sowie zehn Jahre später eine Fortsetzung als Limited Series erfuhr. Die Ausgangssituation ist im Grunde die gleiche. Ein prominenter Superheld stirbt, einer seiner Mitstreiter untersucht den Todesfall und stößt dabei auf ungeahnte Geheimnisse. Zudem werden in der Story auch noch Elemente von Marvel, dem anderen amerikanischen Comicgiganten, sowie weitere Versatzstücke verarbeitet. Dass für die Serie kein wirklich großes Budget zur Verfügung stand merkt man zwar an manchen Stellen etwas, doch Shankar und sein Team umgehen diese Problematik in dem sie nur einen Teil der Handlung als mit Schauspielern gedrehte Szenen umsetzen und ansonsten diverse Animationstechniken anwenden. Die Mischung aus Live-Action sowie diversen Animationsstilen und -techniken (klassischer Zeichentrick, Rotoskopie, CGI- und Knet-Animation) machen The Guardians of Justice zu einer besonderen Mixed-Media-Erfahrung. Hinzu kommen auch noch Sequenzen als 8-Bit-Videospielgrafik. Generell werden die meisten Kampfszenen wie bekannte Beat-Em-Up-Games aus den 1980ern oder 1990ern aufgemacht. Die gelungene Eighties-Ästhetik wird zudem durch den stilechten Synthie-Score des schwedischen Elektronikmusikers Oscillian musikalisch perfekt untermalt.

Rein audiovisuell bietet TGOJ einen atemloses, überbordendes, beeindruckendes und immer wieder überaus brutales (seit Langem hat mich Netflix wieder nach dem Jugendschutzcode gefragt) Feuerwerk, das Comicfans, Gamer und Achtziger-Fetischisten gleichermaßen abholt. Doch Shankar begnügt sich nicht mit diesen überaus ästhetischen Oberflächenreizen, sondern nutzt das Format auch aus, um das amerikanische Superheldentum und vor allem seine reaktionären, kulturimperialisten Tendenzen zu karikieren und zu dekonstruieren. Dabei erreicht er zwar nie die Qualität von Watchmen, doch erweist sich seine Art, die Thematik umzusetzen aus meiner Sicht als die am besten geeignete. Wie ich finde sollten klassische Comichelden-Stories am besten wie hier verfilmt werden und nicht als meist austauschbare Mega-Blockbuster, welche um die 200 Millionen Dollar (oder mehr) kosten.

Alle 7 Folgen von The Guardians of Justice sind seit dem 1. März 2022 im Angebot von Netflix.

The Guardians of Justice
Superhelden-Action-Serie USA 2022. 7 Folgen. Gesamtlänge: ca. 206 Minuten. Mit: Diamond Dallas Page, Sharni Vinson, Derek Mears, Will Yun Lee, Jane Seymour u.v.a. Idee: Adi Shankar.

 

Credits
Bilder (c) Bootleg Universe/Netflix.

 

 


Miss Fisher und die Gruft der Tränen

13. November 2021

Nachdem ich in den letzten Wochen fast ausschleßlich nicht direkt für dieses kleine Blog geschrieben hatte wurde es wiedermal Zeit für ein nur hier veröffentlichtes Review. Mit Miss Fisher und die Gruft der Tränen gibt es heute einen langersehnten Film aus Down Under, welcher der Krimiserie um die patente Detektivin in den 1920ern nachfolgt.


Der Fluch des alten Grabmals

1929. Politische Spannungen zwischen den britischen Besatzern und der einheimischen Bevölkerung von Pälastina haben die Situation im Land deutlich verschlechtert. Die junge Shirin Abbas (Izabella Yena), letzte Überlebende eines ermordeten Beduinenstammes und Nichte des mit den Briten kooperierenden Scheichs Khalil (Kal Naga), landet im Gefängis. Von dort wird sie allerdings von Privatdetektivin Phryne Fisher (Essie Davis) befreit. Gemeinsam mit ihrem Onkel reist Shirin nach London, weil dieser mit den Briten über die Errichtung eines britisch-palästinensischen Eisenbahnnetzwerkes verhandelt. Nachdem sie fälschlicherweise für tot gehalten wurde überrascht Phryne die von ihrem alten Freund Lord Lofthouse (Daniel Lapaine) und seiner Gattin (Jacqueline McKenzie) abgehaltenen Begräbnisfeier, zu denen auch Phrynes Tante Prudence (Miriam Margolyes) und Detective Inspector Jack Robinson (Nathan Page) extra aus Australien angereist sind. Trotz ihrer Differenzen beginnen Phryne und Jack schon bald mit ihren Ermittlungen, in deren Mittelpunkt die sogenannte Gruft der Tränen und die Ereignisse des Massakers an Shirins Stamm vor zehn Jahren stehen…

Nach drei Staffeln und insgesamt 34 Episoden endete die auf den Kriminalromanen von Schriftstellerin und Juristin Kerry Greenwood basierende TV-Serie Miss Fishers mysteriöse Mordfälle (Miss Fisher’s Murder Mysteries). Meldungen über einen möglichen Kinofilm machten im Anschluss bald die Runde, doch bevor dieser im Herbst 2018 gedreht wurde, dauerte es noch etwas. Teile des Budgets kamen durch eine Crowdfunding-Kampagne zusammen. 2019 feierte erst einmal die Spin-Off-Serie Miss Fishers neue mysteriöse Mordfälle (Ms. Fisher’s Modern Murder Mysteries), mittlerweile in ihrer zweiten Staffel, ihre Premiere. Das von Fans lang herbeigesehnte Leinwandabenteuer Miss Fisher und die Gruft der Tränen startete Ende Februar 2020 in den australischen Kinos und hat mittlerweile auch seine deutsche Heimkino-Auswertung gefunden. Hat sich die „Beförderung“ der unverwüstlichen Melbourne-Marple auf ein größeres Medium gelohnt? Die Antwort darauf erscheint aus meiner Sicht nicht so einfach.

Schon in meiner Rezension zur zweiten und dritten Staffel der Serie bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass Folgen in Spielfilmlänge gut wären, um die meist recht konstruierten und schematischen Plots besser ausarbeiten zu können. „Gruft der Tränen“ besitzt nun genau diese zeitlichen Möglichkeiten, nur um sie leider ziemlich zu verschwenden. Die Handlung besteht aus einer recht wahllosen Ansammlung von Versatzstücken der Fälle von Agatha Christies bekannten Schnüfflern Miss Marple und Hercule Poirot mit einer Prise Indiana Jones-Feeling, quasi eine Mischung aus Whodunit und Abenteuerfilm. Nur werden die Elemente zu beliebig abgehandelt, um ein wirklich stringentes Narrativ zu erzeugen. Die titelgebende Gruft und dazugehörige „mystische“ Artefakte dienen eigentlich nur als halbgare Macguffins, um ein schreckliches Geheimnis in der Wüste aufzuklären.

Gab es für die unabhängig-freigeistige Detektivin und den wachsamen Inspektor im Serienfinale ein Happy End so hat die Beziehung der beiden Protagonisten in der Zwischenzeit massiv gelitten. Weite Teile der Laufzeit beschäftigen sich mit den „Streitereien“ Phrynes und Jacks untereinander, was leider zu Lasten der Hauptstory geht, obgleich der Zwist durchaus für Kurzweil sorgt. Dank eines Budgets von 8 Millionen Australischen Dollar (ca. 5,2 Millionen Euro) konnte man nicht nur zuhause in Australien drehen, sondern auch im marrokanischen Quarzazate, was für recht eindrucksvolle Wüstenpanoramen sorgt. Insgesamt wirkt die Produktion bisweilen doch eher wenig kinotauglich und eher wie ein halbwegs aufwändiger Fernsehfilm. Dass hierzulande Miss Fisher und die Gruft der Tränen nicht im Kino lief, ist daher kein wirklicher Verlust.

Das liest sich jetzt vermutlich alles sehr ernüchternd, doch vermag Miss Fishers Film-Abenteuer durchaus zu unterhalten, vor allem aufgrund der charakteristischen Heldin. Zuschauer und Fans der Serie bekommen hier das gleiche Rezept geboten, nur eben mit etwas mehr internationalem Flair. Die Crew der TV-Show kehrte für den Kinofilm weitgehend zurück, darunter Tony Tilse (Regisseur mehrerer Episoden), Deb Cox (Drehbuch/Produktion) und Fiona Eagger (Produktion) – welche auch die Serie ins Leben gerufen hatten – sowie Komponist Greg J. Walker (der seinem typischen Roaring-Twenties-Score ein paar orientalische Noten hinzufügt) und Kameramann Roger Lanser. Prominente Neuzugänge im Cast gibt es in Person von Rupert Penry-Jones (Whitechapel [Serie]) als Jonathon Lofthouse, Daniel Lapaine (Poirot: Tod auf dem Nil, Zero Dark Thirty) als Lord Lofthouse und Jacqueline McKenzie (bekannt aus der kanadischen Science-Fiction-Serie 4400 – Die Rückkehrer) als dessen Gattin. Ohne groß zu spoilern sei gesagt, dass die weiteren Serien-Hauptfiguren Constable Hugh Collins (Hugo Johnstone-Burt), dessen frisch angetraute Ehefrau Dot, gleichzeitig Miss Fishers Hausmädchen (Ashleigh Cummings), sowie Bert (Travis McMahon) und Cec (Anthony Sharpe), Phrynes Gehilfen aus der Arbeiterklasse, nur einen Kurzauftritt absolvieren. Kaum mehr Screentime hat Miriam Margolyes als Phrynes Tante Prudence. Miss Fishers Butler Mr. Butler (Richard Bligh) und ihre gute Freundin, die Ärztin Dr. Macmillan (Tammy McIntosh), kommen gar nicht vor. Gibt es nach der „Gruft der Tränen“ nun bald ein MFCU („Miss Fisher Cinematic Universe“)? Der Grundstein dafür wird mit einer Midcreditszene zumindest gelegt.

Der Kinofilm Miss Fisher und die Gruft der Tränen ist seit dem 24. September 2021 auf BluRay und DVD erhältlich sowie bei Amazon, Apple TV, Google Play, Magenta TV und Youtube als kostenpflichtiger Stream abrufbar. Die DVD erhält als Bonus eine 19minütige Behind-the-Scenes-Featurette.

Miss Fisher und die Gruft der Tränen (Miss Fisher and the Crypt of Tears)
Krimi Australien 2020. FSK 12. 97 Minuten (PAL-DVD). Mit: Essie Davis, Nathan Page, Izabella Yena, Rupert Penry-Jones, Daniel Lapaine, Jacqueline McKenzie, Kal Naga, Ian Bliss, John Stanton, John Waters, William Zappa u.a. Nach der Buchreihe The Phryne Fisher Mysteries von Kerry Greenwood und der Fernsehserie Miss Fishers mysteriöse Mordfälle von Deb Cox und Fiona Eagger. Drehbuch: Deb Cox. Regie: Tony Tilse.

 

 

Credits
Bilder (c) Polyband.

 

 


The Umbrella Academy

20. April 2020

Nach dem Tod ihres Ziehvaters trifft eine Gruppe ehemaliger junger Superhelden wieder zusammen. Trotz unterschiedlicher Differenzen wollen sie die Ursache für sein Ableben herausfinden…

The Dysfunctional Seven

Am 1. Oktober 1989 bringen 43 Frauen auf der ganzen Welt plötzlich Kinder zur Welt ohne dass eine von ihnen vorher schwanger war. Sieben dieser Kinder werden vom exzentrischen Millardär Sir Reginald Hargreaves (Colm Feore) adoptiert und gemeinsam mit seinem Schimpansen-Butler Pogo (Adam Godley) und Androidin Grace (Jordan Claire Robbins) aufgezogen. Alle, bis auf Vanya, entwickeln besondere Kräfte. Luther alias Number One ist übermenschlich stark während Diego/Number Two jedes Messer genau ins Ziel werfen kann. Alison alias Number Three kann andere Menschen dank der Macht gewisser Worte manipulieren, Klaus/Number Four dagegen mit Toten kommunizieren. Number Five hat die Gabe, durch Raum und Zeit zu springen. Der Tod von Ben/Number Six hat die Gruppe auseinander gebracht. Erst als auch Sir Reginald überraschend stirbt kommt die unter dem Namen „Umbrella Academy“ bekannte Truppe als Erwachsene wieder zusammen. Luther (Tom Hopper) hat mehrere Jahre auf dem Mond verbracht während Alison (Emily Raver-Lampman) zur berühmten Schauspielerin avancierte. Diego (David Castenada) bewegt sich als Verbrecher jagender Vigilant am Rande der Legalität während Klaus (Robert Sheehan) durch seine düstere Gabe in die Drogensucht getrieben wurde. Vanya (Ellen Page) stand zwar ohne Fähigkeiten immer im Schatten ihrer Geschwister, hat sich jedoch mit ihrer enthüllenden Biographie einen Namen gemacht und verbringt ein zurückgezogenes Leben als Violinistin. Number Five (Adam Gallagher) gilt als verschollen, taucht nach einer Zeitreise-Odyssee wieder auf, im Körper seines 13jährigen Ichs. Unterdessen wird die Academy von den beiden Auftragskillern Hazel (Cameron Britton) und Cha-Cha (Mary J. Blidge) ins Visier genommen…

Eigentlich stand die Netflix-Adaption der gleichnamigen Comicserie schon 2019 auf meinem Zettel, wanderte aber in meiner Watchlist immer etwas nach hinten, bis ich endlich zur Sichtung kam. So völlig von den Socken gehauen hat mich die auf Comics von Musiker/Autor Gerard Way, dem Leadsänger von My Chemical Romance, und Zeichner Gabriel Bá (Daytripper) basierende Netflix-Produktion her nicht. Aber kurzweilige und teils spannende Unterhaltung wird dennoch geboten.

Eine ruhmreiche Vergangenheit mit viel Merchandising wie bei Watchmen, schrille Figuren à la Eine Reihe betrüblicher Ereignisse, eine „Familienkonstellation“ ähnlich den X-Men plus ein wenig Pushing Daisies-Feeling und Zeitreisen. Die von Steve Blackman (Private Practice) und Jeremy Slater (Fantastic Four [2015]) ins Leben gerufene Serienadaption macht aus diesen und weiteren Versatzstücken eine durchaus interessante Mischung. Glücklicherweise verzichtet man hier weitgehend auf unsägliche Hochglanzgesichter und Young-Adult-Schmonzetten. Über die zehn Folgen hinweg werden sowohl die unterschiedlichen Handlungsstränge als auch die Figuren solide entwickelt und am Ende geschickt zusammengeführt. Eher enttäuschend gestaltet sich aus meiner Sicht das große Finale, eben vor allem weil zuvor recht konsequent darauf hingearbeitet wurde. Aber insgesamt macht The Umbrella Academy in der Premierenseason so Einiges richtig und liefert ein paar herrlich überzeichnete Szenen, vor allem mit Hazel und Cha-Cha.

Staffel 1 von The Umbrella Academy ist seit dem 15. Februar 2019 bei Netflix abrufbar. 2020 soll eine zweite Season mit weiteren 10 Folgen erscheinen, die zwischen Juli und November 2019 gedreht wurden.

The Umbrella Academy
Science-Fiction-Serie/Comic-Adaption USA 2019. 10 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 550 Minuten.
Mit: Ellen Page, Tom Hopper, David Castaneda, Emmy Raver-Lampman, Robert Sheehan, Aidan Gallagher, Mary J. Blidge, Cameron Britton, John Magaro, Adam Godley, Colm Feore u.a. Nach der Comicreihe von Gerard Way und Gabriel Bá. Adaption: Steve Blackman, Jeremy Slater.

 


Credits
Bilder (c) Netflix.


Miss Fishers mysteriöse Mordfälle: Staffel 2 & 3 (Kurzkritik)

7. März 2017

Nach der unterhaltsamen ersten Staffel bgann ich mit viel Vorfreude die weiteren Episoden der australischen „Sleuth Show“ im Free-TV zu verfolgen, in deren Verlauf wir u.a. mehr über Miss Fisher Familie erfahren…

Am Ende der ersten Season konnte Phryne Fisher (Essie Davis) endlich den Mörder ihrer Schwester Jane seiner gerechten Strafe zuführen. In ihrem nächsten Fall muss die lebenslustige Detektivin die Unschuld des stellvertretenden Polizeipräsidenten – gleichzeitig Inspektor Jack Robinsons (Nathan Page) Ex-Schwiegervater – beweisen, der neben einer ermordeten Prostituierten erwacht. Auch die unzähligen Wohltätigkeitsaktivitäten von Tante Prudence (Miriam Margoyles) sind Ausgangspunkt für diverse Ermittlungen. Phrynes Hausmädchen, die zurückhaltende und sehr katholische Dorothy „Dot“ Williams (Ashleigh Cummings), und der junge Constable Hugh Collins (Hugo Johnstone-Burt) kommen sich langsam näher. Doch auch zwischen der patenten Detektivin und dem coolen Inspektor knistert es immer wieder…

Mit der 34. Episode, in welcher Phryne Fisher ihrem spielsüchtigen und unzuverlässigen Vater (Pip Miller) vor einem mehrfachen Mörder zu beschützen versucht, endete die australische Sleuth Show nach drei Staffeln. Zwar gibt es immer wieder Gerüchte über einen oder mehrere geplante Kinofilme, doch diese scheitern bisher daran, dass Hauptdarstellerin Essie Davis (mit 3-Folgen-Auftritt in Season 6 von Game Of Thrones ) mit ihrem Ehemann, dem Regisseur Justin Kurzel (Macbeth von 2015, Assassins Creed) und den gemeinsamen Kindern, derzeit in England lebt. Dabei wäre aus dramaturgischer Sicht ein Spielfilm genau das richtige für die junge Melbourne-Marple. Denn leider sind die meisten Folgen (mit einer Laufzeit von ca. 55 Minuten) inhaltlich oft wenig berauschend und nicht selten ziemlich konstruiert, was die Identität und Beweggründe des Mörders betreffem. Die unerschrockene Protagonistin, die als Lebedame bereits in den späten 1920er für die Rechte der Frauen kämpft (auch in Männerdomänen wie dem Rennsport), und ihre modernen Ansichten, sowie das liebenswerrte Ensemble der weiteren Hauptfiguren in Miss Fishers Entourage entschädigen aber weitgehend für die allzu schematischen Plots. Das oben erwähnte Serienfinale wirkt allerdings recht enttäuschend, vor allem weil zu viel Handlung hineingepresst wird und lang erwartete Szenen daher überhastet abgehandelt werden. Dennoch ist Miss Fisher’s Murder Mysteries über weite Strecken unterhaltsamer als so manche 40-Minuten-Procedural-Krimiserie aus den USA.

Alle drei Staffeln von Miss Fishers mysteriöse Mordfälle sind mittlerweile auf BluRay und DVD erhältlich. Die erste Season kann man auch auf Netflix streamen.

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle (Miss Fisher’s Murder Mysteries)
Krimiserie Australien 2013, 2015. FSK 12. 13 Folgen (Staffel 2, 734 Min.) bzw. 8 Folgen (Staffel 3, 432 Min.). Mit: Essie Davis, Ashleigh Cummings, Nathan Page, Hugo Johnstone-Burt, Richard Bligh, Travis McMahon, Anthony Sharpe, Tammy MacIntosh, Miriam Margoyles u.a. Nach
The Phryne Fisher Mysteries von Kerry Greenwood. Adaption: Deb Cox und Fiona Eagger.

Bilder (c) ABC/Polyband.


Miss Fishers mysteriöse Mordfälle (Kurzkritik)

7. März 2016

Genau wie das Vereinigte Königreich hat auch dessen ehemalige Kolonie Australien seine fiktionale Meisterdetektivin: Romanfigur Phryne Fisher. Am 15. März feiert die erste Staffel der Serienadaption von Miss Fishers Fällen ihre Premiere im deutschen Fernsehen.

Hätten Agatha Christies Meisterdetektive Miss Marple und Hercule Poirot ein gemeinsames Kind in die Welt gesetzt und es aus Gründen, die wir hier nicht näher ausführen werden, zur Adoption nach Australien gegeben, dann hieße dieser Nachwuchs sicher Miss Phryne Fisher und wäre selbst eine patente Detektivin.

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle_S 1 DVDEnde der 1920er Jahre kehrt die selbstbewusste Miss Phryne Fisher (Essie Davis) von einem langen Aufenthalt in Europa nach Australien zurück und bezieht ein geräumiges Haus in Melbourne. Sehr zum anfänglichen Unmut von Police-Inspector John „Jack“ Robinson (Nathan Page) und seinem Assistenten, Constable Collins (Hugo Johnstone-Burt), ermittelt sie immer wieder in kniffligen Mordfällen. Mit Hilfe ihrer bunt gemischten Entourage um das junge, katholische Hausmädchen Dot (Ashley Cummings), Butler (!) Mr. Butler (Richard Bligh) sowie zwei Freunden aus der Arbeiterklasse, Bert (Travis McMahon) und Cec (Anthony Sharpe), stürzt sich Phryne in so manche waghalsige Abenteuer und gefährliche Liebschaften.

Auf Basis der seit 1989 veröffentlichen Romanreihe der australischen Juristin und Schriftstellerin Kerry Greenwood (geboren 1954) produzierte Australiens öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ABC eine aufwändige TV-Serie mit Essie Davis (Australia, Der Babadook) in der Rolle der Glamour-Schnüfflerin Miss Fisher, die bei allem Charme doch eine Mary Sue, wie man sie sich vor knapp 100 Jahren erträumte, verkörpert. Phryne, die durch ihre Familie über ein ordentliches Vermögen verfügt, ist reich und sexy, aber auch multipolyglott und verfügt nicht nur über die Fähigkeit, Auto zu fahren, sondern hat Erfahrungen als Pilotin und in zig weiteren Disziplinen. In den stylischsten Klamotten der Roaring Twenties und bewaffnet mit ihrem vergoldeten Revolver stolziert der selbsternannte „Lady Detective“ durch für das „Whodunit“-Genre vergleichsweise gut geschriebene Stories mit einer Episodenlänge von etwa 55 Minuten. Aufgrund des üppigen Budgets von 1 Million australischer Dollar (ca. 650 000 €) pro Folge ist Miss Fishers mysteriöse Mordfälle dem britischen Vorläufer Poirot (1989-2013) im Bereich Ausstattung und Kostüme überlegen. Streckenweise ist die erste Staffel so unterhaltsam, dass man sich eine „Sleuth Convention“ mit Miss Marple und Monsieur Poirot wünscht.

Die erste Staffel der Serie ist seit 24. April 2015 auf DVD erhältlich und auch über Netflix verfügbar. Eins Festival zeigt die 13 Folgen ab dem 15. März 2016 als Free-TV-Premiere immer dienstags. Am 27. Mai 2016 erscheint die zweite Season (ebenfalls 13 Episoden) fürs Heimkino. 2015 sendete ABC eine dritte Staffel mit lediglich acht Folgen.

7-10Miss Fishers mysteriöse Mordfälle (Miss Fisher’s Murder Mysteries)
Krimiserie Australien 2012. FSK 12. 13 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 728 Minuten.
Mit: Essie Davis, Ashley Cummings, Nathan Page, Hugo Johnstone-Burt, Richard Bligh, Travis McMahon, Anthony Sharpe u.v.a. Nach The Phryne Fisher Mysteries von Kerry Greenwood. Adaption: Deb Cox und Fiona Eagger.

 

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle_Quartett

 

Bilder (c) ABC/Polyband.


Peacock

3. April 2015

Es ist immer wieder erstaunlich welche Filme ein Dasein als Geheimtipp auf dem DVD-Markt fristen. Dazu gehört auch der nicht unprominent besetzte Streifen Peacock, mit Cillian Murphy in einer Doppelrolle.

8-10Peacock
Psychodrama USA 2010. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 87 Minuten (PAL-DVD). Mit: Cillian Murphy, Ellen Page, Susan Sarandon, Josh Lucas, Keith Carradine, Bill Pullman u.a. Regie: Michael Lander.
Drehbuch: Michael Lander & Ryan Roy.

Peacock_DVD

Die amerikanische Kleinstadt Peacock in den 1950er oder 1960er Jahren. Als Kind wurde John Skillpa (Cillian Murphy) von seiner Mutter schwer misshandelt. Ein Jahr nach ihrem Tod verarbeitet der scheue Bankangestellte seinen „Verlust“ durch die Bildung einer zweiten Persönlichkeit, Emma. Sein weibliches Alter Ego bereitet ihm täglich Frühstück und Abendessen zu. Die geheime Routine wird jäh unterbrochen als ein entgleister Güterwaggon im Vorgarten des Hauses landet und Emma sich zufällig draußen aufhält. Nun wird die Nachbarschaft auf die bisher Unbekannte aufmerksam. John erklärt, dass Emma seine Frau sei und sie kurz nach dem Dahinscheiden seiner Mutter geheiratet hätten. Von den Mitbürgern wird Emma in der Gemeinde begrüßt. Bürgermeistergattin Fanny Crill (Susan Sarandon) ermutigt Emma, sich für Frauen in Not zu engagieren. Dabei trifft Emma auf die in ärmlichen Verhältnissen lebende, alleinerziehende junge Mutter Maggie (Ellen Page), die John seit Kindheit kennt. John ist allerdings mit dem immer zeitaufwändigeren Engagement seiner „Frau“ so gar nicht einverstanden…

Peacock_EmmaIm Grunde ist die Figur des John Skillpa dem berüchtigten Norman Bates aus Alfred Hitchcocks Klassiker Psycho nicht unähnlich. Beide haben eine dissoziative Persönlichkeitsstörung und eine ähnliche Vorgeschichte. Doch im Gegensatz zu Norman ist John kein Serienmörder. Regisseur Michael Lander geht es bei seinem Langfilmdebüt auch nicht einen möglichst reißerischen Thriller mit Nerven zerreißener Spannung zu erschaffen. Die Psyche seines Protagonisten wird zudem eher wenig erforscht. Der Schwerpunkt liegt hier eindeutig auf der Entdeckung von Johns zweiter Persönlichkeit und wie sich diese in die Gemeinschaft der Kleinstadt Peacock integriert. Das hat natürlich zur Folge, dass das Gleichgewicht zwischen John und Emma zu ungunsten des ersteren verschoben wird. Nach seiner Mutter gibt es quasi eine neue dominante Person in seinem Leben.

Da man auch als Zuschauer zwischenzeitlich vergisst, dass es sich bei John und Emma nicht um zwei verschiedene Menschen handelt, erscheint es auch durchaus nachvollziehbar, dass die Einwohner Peacocks Emma als eigene Person wahrnehmen. Allein dieser Umstand verdeutlich wie nuanciert das Spiel von Hauptdarsteller Cillian Murphy in einer besonders heterogenen Doppelrolle ist. Ein großes Lob muss man auch den Maskenbildern aussprechen, die es geschafft habe, aus ein und demselben Gesicht zwei verschiedene Personen zu zaubern.

Fazit: Peacock funktioniert als leiser Film über eine gravierende psychosoziale Störung und die Auswirkungen auf das Umfeld einer Kleinstadt vor allem durch das grandiose Spiel von Hauptdarsteller Cillian Murphy. 8 von 10 Punkten.

 


Bilder (c) Studiocanal.


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