Tribes of Europa

5. September 2021

2074. Europa ist nach einem apokalyptischen Blackout ein Ödland mit sich bekämpfenden Kleinststaaten und Stämmen. Nachdem einem Angriff auf ihren naturverbundenen Stamm kämpfen drei Geschwister in einer gnadenlosen Welt ums Überleben, in der deutschen Netflix-Serie Tribes of Europa.


Jäger des verlorenen Cubes

Im Dezember 2029 legte ein europaweiter Blackout sämtliche Technologie lahm. Der ganze Kontinent versank darauhin in Anarchie. Diverse Zwergstaaten und Tribes bildeten sich in der Folge heraus. 45 Jahre später: die Geschwister Liv (Henriette Confurius), Kiano (Emilio Sakraya) und Elja (David Ali Rashed) gehören zu den Origines, einem kleinen von ihrem Vater Jakob (Benjamin Sadler) geleiteten Stamm, welcher ohne jeglichen technischen Fortschritt im Einklang mit der Natur im Wald lebt. Eines Tages erleben die drei Geschwister den Absturz eines mysteriösen Flugkörpers in der Gegend. Sie treffen auf den schwerverletzten Piloten (Michaël Erpelding), welcher gegen den Widerstand der anderen Stammesmitglieder mit in die Siedlung genommen wird. Der Pilot gehört zu den Atlantiern, einem sagenumwobenen Tribe, der den Blackout angeblich unbeschadet überstanden haben soll. Er übergibt Elja einen geheimnisvollen Cube und bittet ihn, diesen zu den Atlantiern in deren Arche zu bringen. Kurze darauf werden die Origines von den gnadenlosen Crows, die auf der Suche nach dem Würfel sind, angegriffen. Nach großen Verlusten werden Jakob und Kiano in die Crow-Hauptstadt Brahtok verschleppt, während Elja die Flucht gelingt. Er trifft auf den Schrottsammler Moses (Oliver Masucci), der den Cube gewinnbringend verkaufen und den Profit mit Elja teilen möchte. Liv überlebt unterdessen trotz einer schweren Verletzung. Sie trifft auf Soldaten der Crimson Republic, einem Militärstaat, unter Commander Voss (Robert Finster). Die Crimsons verteidigen die einzelnen Stämme gegen die Crows und wollen Ordnung bzw. Frieden in Europa widerherstellen. Nach schwerer Arbeit in einer Wolk-Fabrik erregt Kiano die Aufmerksamkeit von Lord Varvara (Melika Foroutan), einer ranghohen Offizierin der Crows. Sie nimmt ihn ihren kleinen Harem von männlichen Sklaven auf. Liv versucht bei den Crimsons einen Weg zu finden, ihre Familie aus Brahtok zu befreien. Kann die Crow-Gefangene Grieta (Ana Ularu) ihr dabei helfen?

Endzeit-Serien sind derzeit durchaus ein beliebtes Serien, egal was genau der Grund für die katastrophalen Verhältnisse sind. Neben dem Zombie-Apokalypse-Franchise The Walking Dead (seit 2010) fallen mir spontan die Teenie-Fantasyserie The Shannara Chronicles (2016-2017), nach den Büchern von Terry Brooks, und Into the Badlands (2015-2019), eine temporeiche Mischung aus Science-Fiction, Fantasy, Western und vor allem Martial-Arts-Abenteuer, ein. Auch die von Netflix produzierte und veröffentlichte epische, deutsche Zeitreise-Serie Dark (2017-2020) behandelte das Thema Endzeit. Der Streaminggigant mit dem roten N ist ja immer bestrebt, seinen Abonnenten ein breites Spektrum an Eigenproduktionen und eingekauftem Content zu liefern. Nicht selten kommen dabei in letzter Zeit auch durchwachsene oder mäßige Serien heraus. Tribes of Europa gehört leider in diese Kategorie. Da sich die oben genannten Produktionen ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent abspielen, macht es absolut Sinn, die Auswirkungen einer Apokalypse auf Europa zum Thema einer Serie zu machen. Das dachte sich wohl Drehbuchautor und Regisseur Philip Koch (Unfriend, Play und diverse Tatort-Episoden) und schuf Tribes of Europa, wobei er nicht nur als Showrunner/Executive Producer fungierte und mit Jana Burbach (Bad Banks) und Benjamin Seiler (8 Tage), sondern neben Florian Baxmeyer (Die drei ???) auch die Regie übernahm. Laut Koch wurde die Prämisse übrigens vom Brexit inspiriert. Die Dreharbeiten fanden vom 9. September bis 22. Dezember 2019 in Deutschland, Kroatien, Tschechien und Südafrika statt. Neben überwiegend deutschen Schauspielern setzte man auch auf internationale Darsteller.

Zu Anfangs erschien mir das Setting von „Tribes“ durchaus interessant. Die Geschichte wird fast ausschließlich aus der Sicht der drei Origine-Geschwister erzählt, die von der Welt bisher nur ihre Heimat im Wald kannten, und nun in unterschiedliche Richtungen verstreut sind. Der Zuschauer vermag also das endzeitliche Europa mit ihren Augen zu entdecken. Auch wenn der Fokus in den meisten Szenen eher klein gehalten wird, so empfand ich Kulissen, Setdesign und auch die visuellen Effekte als durchaus gelungen. Für eine Basis der Crimsons drehte man übrigens in und um das Denkmal von Petrova Gora, einer Gedenkstätte für die Opfer des Jugoslawienkrieges in Kroatien. Details über die Ursache des „Schwarzen Dezembers“, die Identität der Atlantier oder andere wichtige „Geheimnisse“ sind sehr rat gesät, dienen aber sicherlich als Brotkrumen für weitere Staffeln, falls es dazu kommen sollte. Die potenzialträchtige Prämisse und die ordentlichen Production Values können aber mit der Zeit immer weniger darüber hinwegtäuschen, dass Tribes of Europa inhaltlich schlampig und recht oberflächlich daherkommt. Es fehlt hier vor allem an Zeit. Die Laufzeit der sechs Folgen pendelt zwischen 44 und 49 Minuten. Doch jede Episode hat einen sieben (!) Minuten langen Abspann! Ich vermute, um Zeit zu schinden und dem geneigten Credit-Aficionado zu zeigen, wie riesig und (personell) aufwändig die Produktion war. Beim Überspringen des Abspanns ist die Serie also quasi eine Folge kürzer. Die kurze Nettolaufzeit von lediglich vier Stunden rächt sich am Ende massiv beim Worldbuilding und in erzählerischer Hinsicht.

Es wirkt als hätten Koch und seine Co-Autoren ursprünglich viel mehr Material in die erste Staffel packen wollen, doch die fehlende Zeit bei der Produktion zwang sie die Handlung zurecht zu kürzen. Immer wieder gibt es spannende Plotelemente und Nebenfiguren, deren Potenzial aber dadurch völlig verschwendet wird, dass diese durch eine meist beliebige Wendung plötzlich „weggeworfen“ werden. Da spricht eine Person vom guten alten Europa und dem hehren Ziel, dieses wieder aufzubauen, nur um zwei Szenen später ins Gras zu beißen. Entfernungen spielen überhaupt keine Rolle. Die Handlung scheint sich in einem Umkreis von etwa 60 km abzuspielen. Tribes of Europa bietet auf den ersten Blich ein reichhaltiges (Endzeit-)Menü, nur um sich dann am Ende als Fastfood in aufgeblasener Verpackung zu präsentieren. Den Vogel schießen die Macher aber mit die Gesellschaft der Crows ab. Dieser auf Stärke, Hass, Gewalt und ein degeneriertes Ehrgefühl aufbauende Tribe wird als völlig plumpe Fetisch-Kostümparty inszeniert. Da zwingt die in abartigen High-Heels herumstaksende (gelernte SM-Domina) Varvara ihren neuen Lieblingssklaven mit dem Messer an der Kehle zum Beischlaf. Dass die Crows sadistische Killer sind wird dem Publikum mit dem Holzhammer völlig eingebläut. Natürlich werden in Brahtok aka Berlin auch blutige Gladiatorenkämpfe veranstaltet. Schließlich möchte „Tribes“ auch so cool wie Die Tribute von Panem sein, wobei sich die Fights eher auf dem Niveau der Sex-und-Splatter-Orgie Spartacus: Blood and Sand abspielen, nur halt mit weniger Blut. Das Schauspiel gestaltet sich teilweise auch durchwachsen. Oliver Masucci (Dark) bringt als windiger Schrottsammler Moses wenigstens Humor in die Veranstaltung, aber sein Gegenüber Davd Ali Rashed kann die Anforderungen an die eigene Rolle kaum erfüllen. Auf der Overacting-Skala weit oben agiert Sebastian Blomberg (Anatomie) als durchgeknallter Crow-Overlord Ivar. Sein monströser Pelzmantel illustriert gekonnt die plumpe Oberflächlichkeit der Show. Sollte „Tribes“ fortgesetzt werden (Koch plant sage und schreibe neun Staffeln), so muss man sich eindeutig mehr Zeit für die Charakter- und Storyentwicklung nehmen.

Alle sechs Folgen von Tribes of Europa sind seit 19. Februar 2021 bei Netflix abrufbar.


Tribes of Europa
Endzeitdrama Deutschland 2021. 6 Folgen. Gesamtlänge: ca. 285 Minuten. Mit: Henriette Confurius, Emilio Sakraya, David Ali Rashed, Oliver Masucci, Melika Foroutan, Robert Finster, Anna Ularu, Benjamin Sadler u.a. Idee: Philip Koch. Drehbuch: Philip Koch, Jana Burbach und Benjamin Seiler. Regie: Philip Koch und Florian Baxmeyer.

 

Credits
Bilder (c) Netflix/W&B Television.

 

 

 

 

 


Masters of the Universe: Revelation – Teil 1

31. Juli 2021

Am 23. Juli sind die ersten fünf Folgen der neuen Masters of the Universe-Zeichentrickserie von Kultfilmemacher Kevin Smith (Clerks, Dogma, Jay and Silent Bob) bei Netflix erschienen. Relevation knüpft an die Original-Mattel-Serie aus den 1980ern an, gewinnt dem Stoff aber neue Facetten ab.


Eternia’s Endgame?

Auf dem Planeten Eternia. Während Teela (Originalstimme: Sarah Michelle Gellar) am Hofe von König Randor (Diedrich Bader) und Königin Marlena (Alicia Silverstone) mit einer feierlichen Zeremonie zum obersten Waffenmeister ernannt wird und damit in die Fußstapfen ihres Vaters Duncan alias Man-At-Arms (Liam Cunningham) tritt startet Skeletor (Mark Hamill) einen weiteren Versuch, Schloss Grayskull und die darin beheimatete Magie an sich zu bringen. He-Man (Chris Wood), das mächtige Alter Ego des schmächtigen Prinzen Adam,, Teela und ihre Freunde eilen der Sorceress (Susan Eisenberg), welche das magische Schloss hütet, sogleich zu Hilfe. Durch den folgenden Kampf wird die Magie Eternias vollständig zerstört und Anarchie breitet sich aus. Es liegt nun an Teela und ihrer Freundin Andra (Tiffany Smith) das Schwert der Macht zu erneuern und nicht nur die Magie, sondern auch den kompletten Planeten zu retten. Ausgerechnet an der Seite der bösen Hexe Evil-Lyn (Lena Headey) starten Teela und Andra ihre Mission…

Wie viele meiner Altersgenossen kam auch ich in den späten 1980ern und frühen 1990ern durch den Cartoonblock am Nachmittag bei der damaligen Version des Privatsenders Tele 5 in den Genuss von He-Man and the Masters of the Universe (1983/84), aber auch anderer actionreicher Zeichentrickserien wie Adventures of the Galaxy Rangers (1986) oder Saber Rider and the Star Sheriffs (1987/88), vorausgesetzt mir wurde der Konsum dieser Sendungen damals nicht von elterlicher Seite verboten. Als Grundschüler fand man vor allem He-Man & Co damals ja supercool. Als ich die Cartoon-Show um 2002 dann wieder ansah funktionierte sie frielich nur noch als unfreiwillig komischer Partyspaß. 2010 veranstalteten ein paar Freunde einen „Zeichentrick-Trash-Abend“ und da waren natürlich auch ein paar MOTU-Folgen fällig. Doch vor dem Cartoon gab es ja bekanntlich die Actionfiguren. Einer Legende zu Folge entwickelte man diese ja ursprünglich als Merchandising für John Milius‘ Fantasyfilm Conan, der Barbar (1982), nach den Stories von Robert E. Howard, mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle. Da der Film aber eine Altersfreigabe nur für Erwachsene erhielt konnten die hergestellten Figuren nicht wirklich an Kinder verkauft werden und wurden daher umgestaltet. Daraus soll dann die Masters of the Universe-Toyline entstanden sein. Egal ob diese Tall Story stimmt oder nicht, die Zeichentrickserie wurde damals (wie heute so ziemlich alles Neue von Star Wars) gemacht, um Spielzeug zu verkaufen, quasi als überlanger Werbespot.

Nach der Spielfilm-Adaption von 1987 folgten weitere Figurenreihen und dazugehörige Serien (The New Adventures of He-Man [1990] bzw. He-Man and the Masters of the Universe [2002-2004]). Bereits 1985 startete mit She-Ra – Princess of Power eine Spinoff-Serie über Adams/He-Mans Schwester, die auf einem anderen Planeten lebt und dort gegen Skeletors Meister Hordak und dessen Truppen kämpft. Über die Jahre bildete sich eine treue Fangemeinde, deren Mitglieder auch als Erwachsene ihre Begeisterung für MOTU nicht verloren. Wie etwa eine Gruppe Anhänger aus Texas um Filmemacher John F. Carroll, die zwischen 2011 und 2015 die drei Fanfilme The Wizard of Stone Mountain, The Fountain of Life und The Trials of Darksmoke veröffentlichten. Außerdem erschienen bei Netfliy zwischen 2018 und 2020 fünf Staffeln von She-Ra and the Princesses of Power, einer von Comicautorin/Zeichnerin Noelle Stevenson erschaffenen/betreuten, sehr bunten und diversen Neuauflage von „She-Ra“. Im August 2019 kündigte Kevin Smith Revelation als Fortsetzung der Originalserie für ein eher erwachsenes Publikum an.

Mit einer schönen Eingangssequenz, die optisch im Stil der alten Show, Comics und Figuren gehalten wurde, holt die Netflix-Produktion die alten Fans gut ab und bietet neuen Zuschauern einen kurzen Abriss der bisherigen Mythologie. Anschließend spinnen Showrunner/Executive Producer Smith und seine Co-Autoren die ganze Geschichte auf eher unerwartete Weise weiter. Einige Kreaturen werden gleich in der ersten Folge ziemlich vom Antlitz Eternias getilgt und liegt es nun bei Teela gemeinsam mit einer eher dysfunktionalen Gruppe das Schwert der Macht wieder zu vereinen und somit das Universum zu retten. Mit seiner Kompromisslosigkeit was das Ableben einiger Personen betrifft fühlte ich mich etwas an Avengers: Infinty War erinnert. Revelation erweist sich bisher nicht gerade als große Offenbarung, jedoch im Vergleich zur infantilen, simpelst gestrickten und albern-trashigen Serie aus den 1980ern erzählerisch massiv weiterentwickelt. Im Gegensatz zu früher haben die Wendungen dauerhafte Konsequenzen für die Figuren. Dennoch bleibt das Ganze am Ende aber auch nicht mehr und nicht weniger als eine mit gängigen, überwiegend generischen Motiven und Versatzstücken arbeitende Fantasyserie mit Scifi-Anleihen, die inhaltlich keine Bäume ausreißt. In ästhetischer Hinsicht entpuppt sich die Optik als Mischung der Ur-Show und der 2002er Inkarnation, entspricht dabei dem gängigen, stilisierten Zeichentrick-Standard, den man vom Animationsstudio Powerhouse (siehe auch Blood of Zeus) gewohnt ist. Allerdings empfinde ich es als recht armselig, dass fast zwei Jahre nach der Ankündigung lediglich mickrige fünf Folgen veröffentlicht werden. Wobei ich schon hier und da gelesen habe, dass Teil 2 möglicherweise noch Ende 2021 oder Anfang 2022 erscheinen soll.

Die Neuauflage von MOTU punktet vor allem mit einem famosen Voicecast voller prominenter Namen. Sarah Michelle Gellar, als Titelheldin in Joss Whedons Teenie-Horror-Serie Buffy the Vampire Slayer (1997-2003) zum Idol avanciert, leiht der im Zentrum stehenden Heldin Teela ihre Stimme. Für ihren Widerpart Evil-Lyn konnte man die unnachahmliche Lena Headey (Cersei Lannister aus Game of Thrones). Mit Liam Cunningham als Man-At-Arms ist ein zweiter GoT-Star mit von der Partie, dieses Mal leider ohne seinen charakteristischen irischen Akzent. Außerdem dabei: der nicht nur als Luke Skywalker bekannte, sondern auch als Sprecher des Jokers in unzähligen animierten Batman-Produktionen geschätzte Mark Hamill als Skeletor. Voice-Actor-Legende und Original-Skeletor Alan Oppenheimer (mittlerweile 91!) hat eine kleine Rolle als Moss Man.

Leider stören sich die rassistischen, sexistischen N*z*-Puristen unter den Anhängern massiv an der inhaltlich eher progressiven Ausrichtung des neuesten MOTU-Cartoons. Teela und nicht He-Man als Hauptfigur? Möglicher queerer Subtext? Das und anderes geht in den trüben Augen dieser unverbesserlichen, ewiggestrigen „Fans“ natürlich überhaupt nicht. Dahe erdreisteten sich diese Dumpfbacken die Serie am Erscheinungstag bei imdb.com und Rotten Tomatoes mit unrechtmäßig schlechten Bewertungen abzustrafen. Dabei wird doch niemand gezwungen, sich Relevation anzusehen! Es bleibt ja weiterhin die Möglichkeit den infantilen Originalcartoon bis zu Verblödung zu bingen oder im stillen Kämmerlein auch im Midlife-Crisis-Alter wieder/noch mit den alten Actionfiguren zu spielen. Ja, ich oute mich hiermit als „aufgeweckter“ Blogger, der gleichzeitig auch im Alter von 40 Jahren mit einer prominent besetzen, anspruchslosen Animationsserie seinen Spaß haben kann.

Die ersten fünf Folgen von Masters of the Universe: Revelation sind seit dem 23. Juli 2021 bei Netflix abrufbar. Als kleinen Bonus gibt es das 25minütige Special Revelations: The Masters of the Universe Aftershow, in welchem Showrunner Kevin Smith, Mattel-Produzent Rob David und Andra-Sprecherin Tiffany Smith mit den prominenten Stimmen über die Serie labern.

Masters of the Universe: Revelation – Teil 1
(Masters of the Universe: Revelation – Part 1)
Fantasy/Science-Fiction/Zeichentrickserie USA 2021. 5 Folgen. Gesamtlänge: ca. 130 Minuten. Originalsprecher: Sarah Michelle Gellar (Teela), Lena Headey (Evil-Lyn), Liam Cunningham (Duncan/Man-At-Arms), Tiffany Smith (Andra), Griffin Newman (Orko), Justin Long (Roboto), Chris Wood (Adam/He-Man), Mark Hamill (Skeletor), Diedrich Bader (Randor/Trap-Jaw), Henry Rollins (Tri-Klops), Kevin Michael Richardson (Beast Man), Susan Eisenberg (Sorceress) u.a. Nach der Originalserie Masters of the Universe von Lou Scheimer. Idee: Kevin Smith. Drehbuch: Kevin Smith, Diya Mishra, Marc Bernardin, Tim Sheridan, Eric Carrasco. Regie: Adam Conarroe und Patrick Stannard.

Credits:
Bilder (c) Netflix/Mattel/Powerhouse Animation.

 

 


America: Der Film

1. Juli 2021

Auch wenn die Kinos nun wieder geöffnet haben (und ich meinem zweiten sowie dritten Kinobesuch dieses Jahr entgegenfiebere) so gibt es weiterhin einige Film-Neuerscheinungen, welche ausschließlich bei einem Streaminganbieter laufen. Und das ist im Falle von America: Der Film, einem knalligem Animationsstreifen für Erwachsene über die „alternative“ Gründungsgeschichte der USA, nicht einmal besonders schlimm.


Mit Bier, Silber und Wissenschaft gegen die Tee-Invasion

Eigentlich wollten George Washington (Stimme im Original: Channing Tatum), Abraham Lincoln (Will Forte) und Co die dreizehn Kolonien der Neuen Welt für unabhängig vom britischen Empire erklären, doch wird das Unterfangen von Georges altem Vertrauten Benedict Arnold (Andy Samberg) verraten, der zudem Abe Lincoln auf bestialische Weise ermordet. Washington ist verzweifelt über den Verlust seines besten Freundes. Angestachelt von seiner Ehefrau Martha (Judy Greer) stellt George ein Team zusammen, welches sich der britischen Übermacht entgegenstellt. Diese Gruppe besteht aus Bier- und Sprengstoff-Experte Sam Adams (Jason Mantzoukas), dem sozial unbeholfenen, aber sehr fähigen Pferdesportler Paul Revere (Bobby Moynihan), Fährtenleser Geronimo (Raoul Trujillo) und Erfinderin Thomas Edison (Olivia Munn). Gemeinsam wollen sie Ben Arnold und den übermächtigen britischen König James (Simon Pegg) davon abhalten, die Bevölkerung des jungen Kontinents zu willenlosen Anhängern des Empires zu machen…

Schon lange sind Trickfilme nicht mehr reiner Kinderkram, sondern immer öfter auch Stoff für erwachsene Zuschauer. Überhaupt erscheint es eine westliche Unart, gezeichnete Bewegtbilder herabzuwürdigen, während dies in Japan schon immer differenziert betrachtet wird. Als wenig differenziert entpuppt sich der aktuell bei Netflix veröffentlichte Adult-Animated-Film America: Der Film (OT: America: The Motion Picture), der zwar durchaus spaßige Ideen mitbringt, diese aber nicht umzusetzen weiß.

Auf dem Papier liest sich das Filmdebüt von Matt Thompson (bisher Autor, Produzent und Regisseur der ebenfalls bei Netflix laufenden Agenten-Trickserie Archer) wie eine Mischung aus den Avengers, Team America sowie einer sehr freien Neuinterpretation der Biographien der amerikanischen Gründerväter im Stile von Sketchshows wie Saturday Night Live und College Humor. Das erfolgreiche Duo Phil Lord und Christopher Miller (The Lego Movie) sind außerdem als Produzenten mit an Bord. Drehbuchautor Dave Callaham (Zombieland: Doppelt hält besser, Wonder Woman 1984, Mortal Kombat [2021]) verarbeitet hier unterschiedlichste Elemente und Motive amerikanischer Geschichte und Popkultur auf anachronistische Weise. Da sind etwa George Washington (1732-1799) und Abraham Lincoln (1809-1865) plötzlich Zeitgenossen im Jahre 1776 und der (in Wahrheit ebenfalls später lebende) berühmte Erfinder Thomas Edison (1847-1931) entpuppt sich als Frau asiatischer Abstammung.

Die üblichen Alltagsgegenstände und Fortbewegungsmittel sind mit technologischen Errungenschaften und moderner Musik aufgepeppt, die es erst viele Jahr(hundert)e später geben sollte. Von der Sprache mal ganz zu schweigen. Grundsätzlich besitzt die 1000-unterschiedliche-Dinge-in-einen-Topf-zu-schmeißen-Methode durchaus Potenzial, doch wird das hier fast gar nicht genutzt. Denn abgesehen von einem groben Gerüst scheint hier das Interesse an einer halbwegs ausgearbeiten Story kaum vorhanden. Über weite Strecken wird ein in manchen Momenten witziges, aber doch im Grunde einfallsloses Programm abgespult. Vor allem im Vergleich zur derben, aber ungemein treffenden Hurra-Patriotismus-Puppentrick-Parodie Team America erweist sich America: Der Film als ziemlich lahme Angelegenheit. Wobei mir die durchaus kurzweiligen 98 Minuten eher wie 75 bis 80 Minuten vorkamen. Das mag auch am gelungenen Voicecast liegen. So gibt Channing „Magic Mike“ Tatum den George Washington während Andy Samberg als böser Brite Benedict Arnold glänzt und Simon Pegg (Star Trek-Neuauflage) als König James wie Baron Harkonnen aus Dune – Der Wüstenplanet wirkt. Wer bereits ein Abo beim roten N hat, kann sich den Streifen ruhig mal ansehen, aber wirklich brauchen tut ihn niemand. Und glücklicherweise blockiert das Werk keine Kinosäle.

America: Der Film ist seit dem 30. Juni 2021 Teil des Angebots von Netflix.

America: Der Film
(America: The Motion Picture)
Animationsfilm USA 2021. FSK 16. 98 Minuten. Originalsprecher: Channing Tatum (George Washington), Jason Mantzoukas (Sam Adams), Olivia Munn (Thomas Edison), Bobby Moynihan (Paul Revere), Raoul Trujillo (Geronimo), Judy Greer (Martha Washington), Andy Samberg (Benedict Arnold), Simon Pegg (King James), Killer Mike (John Henry), Will Forte (Abraham Lincoln) u.a. Drehbuch: Dave Callaham. Regie: Matt Thompson.

 

 

Credits
Bilder (c) Netflix.

 

 

 


Blood of Zeus

21. November 2020

Die Sagenwelt des antiken Griechenlands dient immer wieder als Inspirationsquelle für TV- und Kino-Produktionen. Die Animationsserie Blood of Zeus von den Gebrüdern Parlapanides zeigt, dass es dabei nicht immer ein teurer Live-Action-Blockbuster sein muss.

Of Gods and Men and Splatter

Im antiken Griechenland. Der junge Heron lebt mit seiner Mutter Elektra nahe einer kleinen Stadt. Weil er als Bastard ohne Vater aufwuchs werden Heron und Elektra von den Bewohnern der Stadt mit Verachtung gestraft. Nur der alte Elias steht den beiden immer wieder bei. Eines Tages greift eine Gruppe von Dämonen an. Der Offizierin Alexia und ihren Truppen gelingt es dank der Hilfe Herons, die finsteren Kreaturen zur Strecke zu bringen. Doch neues Unheilt naht in Person des mächtigen Dämonen-Anführers Seraphim. Indes erfährt Heron die Wahrheit über seine Herkunft und gerät mitten in einen verheerenden Konflikt unter den Göttern des Olymps…

Viele Jahre lang habe ich fast ausnahmslos keine Animationsserien angesehen. In letzter Zeit entwickelte sich auch dank der Streaminganbieter ein größeres Angebot interessanter Show aus diesem Bereich, etwa Disenchantment  und Undone. Nicht direkt in diese Kategorie passt Blood of Zeus, eine achtteilige Trickserie aus der Feder der griechisch-amerikanischen Brüder Charley Parlapanides (geb. 1977) und Vlas Parlapanides (geb. 1971). Aber unter vielen meist mäßigen Adaptionen griechischer Sagen macht die Netflix-Produktion eine ganz gute Figur.

Die Parlapanides-Brüder haben sich bisher vor allem mit ihrem Skript zu Tarsem Singhs Krieg der Götter (2011) einen Namen gemacht, der ebenfalls durch die antike Sagenwelt inspiriert wurde. Der aufwändige Blockbuster geriet zwar in visueller Hinsicht durchaus beeindruckend, inhaltlich blieb die ganze Geschichte aber ziemlich mau. Eine (Mini-)Serie bietet freilich mehr Zeit, Figuren und Setting zu entwickeln. Leider wird das bei Blood of Zeus nur bedingt genutzt. Zwar werden die Origin-Stories des Protagonisten Heron und seines mächtigen Gegenspielers Seraphim (der wie ein nachtblauer Dunkelelf aussieht) innerhalb der ersten Episoden enthüllt, doch erfährt man über die nicht weniger kampfestüchtige Soldatin/Amazone Alexia (die dritte Hauptfigur) nichts. Auch weitere Nebenfiguren bleiben auf ihre nackte Funktionalität reduziert, vor allem in der zweiten Hälfte, als der Plot unaufhaltsam auf den großen Endkampf zusteuert. Wie die Schöpfer in einem Interview mit Collider verrieten, war die Serie ursprünglich als Zehnteiler geplant.

Doch im Gegensatz zu vielen anderen Verfilmungen plündert Blood of Zeus nicht einfach die Sagenstoffe wie ein Schnäppchenjäger die Sonderangebote sondern bedient sich diverser Elemente, die geschickt verwoben werden. Für die Biographie des neu erfundenen Helden Heron standen Herakles, Perseus, Bellerophontes und andere Pate. Dazu liefert die Serie quasi das Sequel zur Gigantomachie, dem Kampf der olympischen Götter gegen die von Erdmutter Gaia geschickten Giganten. Außerdem dient eine massive Ehekrise zwischen dem chronisch untreuen Göttervater Zeus und seiner eifersüchtigen Gattin Hera als weiterer Aufhänger für ein episches Spektakel. Die Charaktere sind im üblichen Comic-Kitsch-Stil gezeichnet doch insgesamt macht die Animationsproduktion in ästhetischer Hinsicht durchaus etwas her.

Das für Serien wie Castlevania und Die Abenteuer von Kid Danger bekannte Studio Powerhouse Animation und der ebenfalls animationserfahrene Regisseur Shaunt Nigoghossian inszenieren hier einen überaus effektvollen Kracher, der eindrucksvoll zeigt, dass Realfilme nicht zwangsläufig die richtige Verfilmungsart für die Larger-than-Life-Tales aus dem klassischen Altertum sein müssen. Mit überbordendem Bombast und einem im besten Sinne altmodischen Monumentalscore von Paul Edward-Francis (Hogfather – Schaurige Weihnachten) präsentiert sich Blood of Zeus als knallige Mixtur aus Kampf der Titanen, dem bereits erwähnten Krieg der Götter und 300. Die Altersfreigabe (FSK 16) ist bei dem überaus blutigen Gemetzel keinesfalls zu hoch angesetzt. Dazu hat man hier einen weitgehend namhaften und soliden Voicecast versammelt, darunter Jason O’Mara, der seit 2015 Batman in diversen DC-Animationsfilmen (z.B. Justice League Dark) spricht, als Zeus, Claudia Christian (Babylon 5) als Hera, Jessica Henwick (Game of Thrones, Marvel’s Iron Fist) als Alexia und Mamie Gummer (The Good Wife) als Elektra. Mit Elias Toufexis und Chris Diamantopoulos sind auch zwei griechischstämmige Sprecher dabei.

Blood of Zeus ist seit dem 27. Oktober 2020 bei Netflix abrufbar.


Blood of Zeus
Fantasy-Abenteuer/Animationsserie USA 2020. FSK 16. 8 Folgen. Gesamtlänge: ca. 248 Minuten. Originalsprecher: Derek Phillips (Heron), Jessica Henwick (Alexia), Elias Toufexis (Seraphim), Jason O’Mara (Zeus), Claudia Christian (Hera), Chris Diamantopoulos (Evios/Poseidon), Matthew Mercer (Hermes), Mamie Gummer (Elektra) u.a. Idee & Drehbuch: Charley Parlapanides und Vlas Parlapanides. Regie: Shaunt Nigoghossian.

Credits
Bilder (c) Netflix/Powerhouse Animation.

 


Penny Dreadful: bald NICHT mehr bei Netflix

2. Juni 2020

Einer der besten Serien des gerade vergangenen Jahrzehntes gibt es bald nicht mehr bei Netflix: Penny Dreadful. Warum mir diese Meldung eine eigenen Beitrag wert ist? Lest selbst…

Penny Dreadful, die in jeglicher Hinsicht reichhaltliche Horror-Pastiche von John Logan, war damals (Oktober 2014) der Grund, warum ich mich bei Netflix überhaupt angemeldet habe. Leider wird die Produktion des US-Bezahlsenders Showtime ab 19. Juni 2020 (Quelle: filmstarts.de) aus dem Angebot des roten N verschwinden. Vermutlich gibt es bei einem neuen Streaminganbieter von Showtime oder seinem Mutterkonzern bald eine neue virtuelle Heimat Für mich Anlass genug, mir endlich einmal die Komplettbox mit allen drei Staffeln auf DVD oder BluRay zu besorgen.

Amerikanisches Pay-TV und Streaming allgemein haben meinen Serienkonsum massiv geprägt und umgekrempelt. Und kaum eine Show hat wie „PD“ ihre Spuren bei mir hinterlassen. 27 Folgen habe ich mit den psychologisch sehr gut ausgearbeiteten Charakteren mitgelitten, wurde von dem Nebeneinander von Horror in unterschiedlichen Formen, Menschlichkeit und Poesie völlig fasziniert. Deswegen kann ich die Serie nur wärmstens empfehlen.

Die Handlung spielt überwiegend im viktorianischen London um 1890, welches einerseits von bekannten Figuren aus der viktorianischen Phantastik wie Dorian Grey, Frankenstein und seiner Kreatur sowie Dr. Jekyll bevölkert wird, andererseits aber auch unfassbar starke Original-Charaktere zu bieten hat. Es tummeln sich hier auch Unsterbliche, Vampire, Werwölfe und Hexen. Doch die richtigen Monster sind nicht selten die vermeintlich normalen Menschen.

Im Grunde stimmt hier fast alles: aufwändige Kulissen und Kostüme, Dialogie voller Poesie und Anspielungsreichtum, ein grandios-altmodischer Score von Abel Korzeniowski, überbordende, dennoch passende Effekte (Make-Up, CGI), vor allem aber mitreißende und herzerweichende Schauspieler-Leistungen. Dass Eva Green in der zentralen Rolle der von allerlei Dämonen geplagten Vanessa Ives und Rory Kinnear als Frankensteins Monster bei den großen Awards völligst übergangen wurden (Green erhielt „immerhin“ eine kümmerliche Golden-Globe-Nominierung) ist schon ein ziemlicher Skandal. Mit Ex-Bond Timothy Dalton als Sir Malcom Murray und Josh Hartnett als Revolverheld Ethan Chandler sind zwei sehr bekannte Darsteller im äußerst illustren Ensemble vertreten. Wenn „PD“ einen Makel hat, dann das leider etwas überhastete Ende in Staffel 3.

Am Montag (8. Juni 2020) startet in Deutschland das unter Fans umstrittene Spin-Off Penny Dreadful: City of Angels, ebenfalls aus der Feder von John Logan, bei Sky. Die neue Serie spielt im Los Angeles der 1930er zwischen sozialen Spannungen und mexikanisch-amerikanischer Folklore.

Ich schließe meine ausdrückliche Empfehlung mit den Schlussworten der Serie:

Where is it now, the glory and the dream?“

(aus Ode: Intimations of Immortality von William Wordsworth, 1807)

Linktipps:
Review zu Staffel 1
Review zu Staffel 2
Review zu Staffel 3

 

Penny Dreadful

PrintHorrorserie USA/UK/Irland 2014-2016. 27 Folgen in 3 Staffeln. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren.
In den Hauptrollen: Timothy Dalton, Eva Green, Josh Hartnett, Reeve Carney, Rory Kinnear, Billie Piper, Harry Treadaway, Danny Sapani, Simon Russell Beale, Helen McCrory, Patti LuPone, Wes Studi.
In weiteren Rollen:
Douglas Hodge, Sarah Green, Olivia Llewellyn, Shazad Latif, Christian Camargo, Noni Stapleton, Samuel Barnett, Stephen Lord, Jessica Barden, David Haig, Jonny Beauchamp u.a.
Idee:
John Logan. Drehbuch: John Logan, Andrew Hinderaker, Krysty Wilson-Cairns.
Regie: Damon Thomas, James Hawes, Brian Kirk, Pace Cabezas, J.A. Bayona, Coky Giedroyc, Dearbhla Walsh u.a. Kamera: John Conroy, Owen McPolin, Nigel Willoughby, P.J. Dillon, Xavi Giménez. Schnitt: Michele Conroy, Christopher Donaldson, Geoff Ashenhurst, Aaron Marshall, Jaume Martí, Bernat Vilaplana, Gareth C. Scales. Szenenbild: Jonathan McKinstry. Kostüme: Gabriella Pescucci. Musik: Abel Korzeniowski.

 

Credits
Bilder (c) Showtime.


The Umbrella Academy

20. April 2020

Nach dem Tod ihres Ziehvaters trifft eine Gruppe ehemaliger junger Superhelden wieder zusammen. Trotz unterschiedlicher Differenzen wollen sie die Ursache für sein Ableben herausfinden…

The Dysfunctional Seven

Am 1. Oktober 1989 bringen 43 Frauen auf der ganzen Welt plötzlich Kinder zur Welt ohne dass eine von ihnen vorher schwanger war. Sieben dieser Kinder werden vom exzentrischen Millardär Sir Reginald Hargreaves (Colm Feore) adoptiert und gemeinsam mit seinem Schimpansen-Butler Pogo (Adam Godley) und Androidin Grace (Jordan Claire Robbins) aufgezogen. Alle, bis auf Vanya, entwickeln besondere Kräfte. Luther alias Number One ist übermenschlich stark während Diego/Number Two jedes Messer genau ins Ziel werfen kann. Alison alias Number Three kann andere Menschen dank der Macht gewisser Worte manipulieren, Klaus/Number Four dagegen mit Toten kommunizieren. Number Five hat die Gabe, durch Raum und Zeit zu springen. Der Tod von Ben/Number Six hat die Gruppe auseinander gebracht. Erst als auch Sir Reginald überraschend stirbt kommt die unter dem Namen „Umbrella Academy“ bekannte Truppe als Erwachsene wieder zusammen. Luther (Tom Hopper) hat mehrere Jahre auf dem Mond verbracht während Alison (Emily Raver-Lampman) zur berühmten Schauspielerin avancierte. Diego (David Castenada) bewegt sich als Verbrecher jagender Vigilant am Rande der Legalität während Klaus (Robert Sheehan) durch seine düstere Gabe in die Drogensucht getrieben wurde. Vanya (Ellen Page) stand zwar ohne Fähigkeiten immer im Schatten ihrer Geschwister, hat sich jedoch mit ihrer enthüllenden Biographie einen Namen gemacht und verbringt ein zurückgezogenes Leben als Violinistin. Number Five (Adam Gallagher) gilt als verschollen, taucht nach einer Zeitreise-Odyssee wieder auf, im Körper seines 13jährigen Ichs. Unterdessen wird die Academy von den beiden Auftragskillern Hazel (Cameron Britton) und Cha-Cha (Mary J. Blidge) ins Visier genommen…

Eigentlich stand die Netflix-Adaption der gleichnamigen Comicserie schon 2019 auf meinem Zettel, wanderte aber in meiner Watchlist immer etwas nach hinten, bis ich endlich zur Sichtung kam. So völlig von den Socken gehauen hat mich die auf Comics von Musiker/Autor Gerard Way, dem Leadsänger von My Chemical Romance, und Zeichner Gabriel Bá (Daytripper) basierende Netflix-Produktion her nicht. Aber kurzweilige und teils spannende Unterhaltung wird dennoch geboten.

Eine ruhmreiche Vergangenheit mit viel Merchandising wie bei Watchmen, schrille Figuren à la Eine Reihe betrüblicher Ereignisse, eine „Familienkonstellation“ ähnlich den X-Men plus ein wenig Pushing Daisies-Feeling und Zeitreisen. Die von Steve Blackman (Private Practice) und Jeremy Slater (Fantastic Four [2015]) ins Leben gerufene Serienadaption macht aus diesen und weiteren Versatzstücken eine durchaus interessante Mischung. Glücklicherweise verzichtet man hier weitgehend auf unsägliche Hochglanzgesichter und Young-Adult-Schmonzetten. Über die zehn Folgen hinweg werden sowohl die unterschiedlichen Handlungsstränge als auch die Figuren solide entwickelt und am Ende geschickt zusammengeführt. Eher enttäuschend gestaltet sich aus meiner Sicht das große Finale, eben vor allem weil zuvor recht konsequent darauf hingearbeitet wurde. Aber insgesamt macht The Umbrella Academy in der Premierenseason so Einiges richtig und liefert ein paar herrlich überzeichnete Szenen, vor allem mit Hazel und Cha-Cha.

Staffel 1 von The Umbrella Academy ist seit dem 15. Februar 2019 bei Netflix abrufbar. 2020 soll eine zweite Season mit weiteren 10 Folgen erscheinen, die zwischen Juli und November 2019 gedreht wurden.

The Umbrella Academy
Science-Fiction-Serie/Comic-Adaption USA 2019. 10 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 550 Minuten.
Mit: Ellen Page, Tom Hopper, David Castaneda, Emmy Raver-Lampman, Robert Sheehan, Aidan Gallagher, Mary J. Blidge, Cameron Britton, John Magaro, Adam Godley, Colm Feore u.a. Nach der Comicreihe von Gerard Way und Gabriel Bá. Adaption: Steve Blackman, Jeremy Slater.

 


Credits
Bilder (c) Netflix.


What Did Jack Do? (Kurzfilm)

30. März 2020

David Lynch gilt als Meister des surrealistischen Films. Im November 2017 veröffentlichte der amerikanische Filmemacher den Kurzfilm What Did Jack Do? in einem Pariser Museum. Seit Januar 2020 kann man sich den kurzen Streifen bei Netflix ansehen.

Ein Affe, ein Huhn und ein Mord

In einem abgeriegelten Bahnhofsgebäude verhört ein Polizist (David Lynch) einen Verdächtigen in einem Mordfall, nämlich den kleinen Affen Jack (Jack Cruz). Jack gibt sich zu Beginn recht aalglatt, doch dem Polizisten gelingt es mit der Zeit den kleinen Kerl aus der Reserve zu locken…

Auch wenn mir David Lynch schon seit Langem ein Begriff ist, so habe ich von ihm bisher nur Twin Peaks (1990/91), die Orginalserie, den dazugehörigen Film Twin Peaks – Firewalk with me (1992) sowie die 2017er „Rückkehr“ und die gemeinhin als misslungen geltende Verfilmung von Dune – Der Wüstenplanet (1984) gesehen. Twin Peaks hat mich nachhaltig beeindruckt und vor allem hinsichtlich des genialen, absurden Humors sehr überrascht. Zumindest aus humoristischer Gesicht scheint What Did Jack Do? in eine ähnliche Kerbe zu schlagen. Lynch drehte den Kurzfilm bereits 2016, wobei er nicht nur Regie führte und das Drehbuch schrieb, sondern auch Schnitt und Sounddesign sowie die zweite Hauptrolle übernahm. Außerdem war Lynch am Kulissenbau beteiligt. Im November 2017 erfolgte die Weltpremiere im Fondation Cartier pour l’Art Contemporain in Paris, einem Museum für moderne Kunst. Genau zu Lynchs 74. Geburtstag am 20. Januar 2020 erschien das kuriose Filmchen auf Netflix.

Das reduzierte Setting (der ganze Film spielt sich im gleichen Raum ab) und die Schwarzweiß-Bilder verleihen dem 17-Minüter eine stimmungsvolle Film-Noir-Ästhetik. Diese wird durch das im Wechsel von Schuss-Gegenschuss inszenierte Verhör zwar unterstrichen aber durch den Titelhelden gleich wieder karikiert. Denn Jack ist ein kleiner Kapuzineraffe, der dank altmodischer, aber wirkungsvoller Tricktechnik mit einem menschlichem Mund spricht. Im Verlauf der Befragung werden nicht nur Details aus Jacks Leben, sondern auch um seine mögliche Verstrickung in einen Mordfall zu Tage geführt. Dabei werfen sich Affe un Ermittler gegenseitig Dialoge zu, die zum einen aus der Klischeemottenkiste für Kriminalfilme zu stammen scheinen, aber gleichzeitig auch herrlich blumig und schräg daherkommen. Für Fans des Lynchschen Humors sicherlich urkomisch. Da zwischenzeitlich von einer Kellnerin (kleine Rolle für Emily Stofle aka Mrs. Lynch) Kaffee serviert wird und der Polizist eine Zigarette raucht kann man What Did Jack Do? unter Umständen als inoffizieller Nachzügler von Jim Jarmuschs Genussmittel-Episodenfilm Coffee and Cigarettes (2003) sehen. Wenn ich aus meinen bisherigen Lynch-Sichtungen etwas gelernt habe: auf keinen Fall sollte man hier versuchen, alles von vorne bis hinten durch zu interpretieren. Einfach das Gesehene über sich ergehen lassen, egal wie durchgeknallt, albern-absurd, surreal und kurios es wirken mag. Denn dieser kurze Dialog-Krimi hat es wahrlich in sich. Lynch bleibt eben Lynch, auch beim Affentheater.

What Did Jack Do? ist seit dem 20. Januar 2020 bei Netflix abrufbar.

What Did Jack Do?
Kurzfilm/Krimi USA 2017. 17 Minuten. Mit: Jack Cruz, David Lynch u.a. Drehbuch und Regie: David Lynch.

 

Credits
Bilder (c) Netflix.

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Sex Education: Staffel 2

17. März 2020

Ziemlich genau ein Jahr nach der ersten erschien im Januar 2020 die zweite Staffel der beliebten, britischen Netflix-Comedy Sex Education, die aus dem interessanten und nicht selten turbulenten Szenario noch weit mehr herausholt.

Liebe, Sex und andere Schwierigkeiten

Mehrere bekannte Fälle von Chlamydien unter den Schülern der Moordale Secondary School führen einerseits dazu, dass Otis Milburn (Asa Butterfield) und seine Mitschülerin Maeve Wiley (Emma Mackey) ihre „Sex clinic“ wieder eröffnen. Außerdem bricht unter Schülern und Eltern Panik aus. Auf Geheiß der Schulaufsichtsbehörde und sehr zum Widerwillen von Schuldirektor Groff (Alstair Petrie) soll Sextherapeutin Dr. Jean Milburn (Gillian Anderson), Otis‘ Mutter, den Lehrplan für Sexualkunde überprüfen. Zudem bietet Jean eine Art kostenlose Sprechstunde an, die nicht nur von Schülern genutzt wird. Potenzielle Komkurrenz für ihren Sohn und seine kostenpflichtigen Beratungen. Otis und seine Freundin Ola (Patricia Allison), deren Vater Jakob (Mikael Persbrandt) aktuell mit Jean zusammen ist, kommen sich langsam näher. Maeve muss nicht nur um ihre Wiederaufnahme an der Schule kämpfen, sondern auch mit dem erneuten Auftauchen ihrer drogensüchtigen Mutter Erin (Anne-Marie Duff) zurechtkommen. Nach diversen Verfehlungen wurde Direktor-Sohn Adam Groff (Connor Swindells) von seinem Vater auf eine Militärakademie „strafversetzt“. Die Karriere von Leistungsschwimmer Jackson (Kedar Williams-Stirling) gerät durch eine Verletzung ins Stocken, eröffnet dem Athleten aber neue Möglichkeiten. Der französische Austauschschüler Rahim (Sami Outalbali) scheint sich weniger für Mädchen als vielmehr für Eric (Ncuti Gatwa) zu interessieren…

Auch wenn ich mich lange nicht an die Serie rangewagt hatte, so empfand ich die erste Runde der von Laurie Nunn erschaffenen Netflix-Show über Sex, seine „Begleiterscheinungen“ und andere Themen von jungen Erwachsenen als sehr erfrischend. Die späte Sichtung Ende Dezember erlaubte es mir, fast nahtlos mit der zweiten Staffel anzuknüpfen, in dessen Verlauf ich mich in die Serie geradezu verliebt habe. Nunn und ihrem überwiegend weiblichen Autorenteam gelingt es nicht nur, interessante neue Figuren einzubauen, sondern die Storylines des bestehende Ensembles sehr gut weiter zu entwickeln.

Sex Education behandelt nicht nur die Höhen und Tiefen erster sexueller Erfahrungen sondern deckt ein breites Spektrum romantischer und/oder körperlicher Beziehungen ab. Dieses reicht von „klassischer“ Heterosexualität über Homosexualität und Pansexualität bis hin zu Asexualität. Im Mittelpunkt der diversen Handlungsstränge stehen zum Teil auch die Eltern der Moordale-Schüler. Denn nicht nur die Teenager haben mit entsprechenden Problemen zu kämpfen. Inhaltlich gestaltet sich die ganze Sache zwar immer wieder schräg, turbulent und witzig, aber vor allem sehr offen und lebensbejahend. Zwar werden die einzelnen Themen (wie auch schon im Vorjahr) immer wieder humoristisch aufbereitet oder ironisch gebrochen, die Figuren und Situationen aber nie völlig der Lächerlichkeit preisgegeben. Sex Education behandelt mit dem nötigen Ernst auch den Fall einer weiblichen Hauptfigur, die während einer Busfahrt sexuell belästigt wird und dieses Erlebnis zu verarbeiten hat, was auf wundervolle Weise mit der Hilfe anderer erfolgt. In diesen und anderen Szenen propagiert die Serie voller Überzeugung eine positive Einstellung zu Sexualität.

Einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum besonderen Charme der britischen Netflix-Show leisten natürlich die hervorragenden Schauspieler. Asa Butterfield (Hugo Cabret, Ender’s Game, Die Insel der besonderen Kinder) und Gillian Anderson (Akte X, The Fall: Tod in Belfast, American Gods) erhalten zwar die meiste Screentime, ich muss aber ehrlicherweise zugeben, dass ich eher an einigen der Akteure aus der „zweiten Reihe“ einen Narren gefressen habe. Vor allem Tanya Reynolds (Emma [2020]) als herrlich nerdige Lily, die nicht nur mit ihrem kurios-bunten Kleidungsstil auffällt, sondern in ihrer Freizeit erotische Comics mit Aliens kreiert. Auch dank Lily mutiert die Moordale-Aufführung von Romeo und Julia zur vermutlich frivolsten Bühnenperformance, die je auf Film gebannt wurde. Zum Schreien! 🙂

Die zweite Staffel von Sex Education ist seit dem 17. Januar 2020 bei Netflix abrufbar. Eine dritte Season wurde bereits angekündigt und wird voraussichtlich im nächsten Jahr erscheinen.

Sex Education: Staffel 2 (Sex Education: Season 2)
Comedyserie UK 2020. 8 Folgen. Gesamtlänge: ca. 420 Minuten. Mit: Asa Butterfield, Gillian Anderson, Emma Mackey, Ncuti Gatwa, Connor Swindells, Kedar Williams-Stirling, Alistair Petrie, Aimee Lou Wood, Tanya Reynolds, Patricia Allison, Mikael Persbrandt, Anne-Marie Duff, Sami Outalbali, Chineye Ezeudu u.v.a. Idee: Laurie Nunn. Regie: Sophie Goodheart, Alice Seabright, Ben Taylor.

 

Credits
Bilder (c) Netflix

 

 

 

 

 

 


Polar

1. März 2020

Ein renommierter Auftragskiller wollte sich eigentlich zur Ruhe setzen. Nicht ohne seinen Arbeitgeber, der alles dafür tut, den Top-Mann zu liquidieren bevor dieser seine fette Abfindung kassiert.

Netflix kann auch schlecht

Lange Jahre hat Auftragskiller Duncan Vizla (Mads Mikkelsen) alias „Black Kaiser“ für die Firma Damocles gearbeitet und im Laufe seiner Zeit Menschen in 99 Ländern liquidiert. Sein bevorstehender 50. Geburtstag bedeutet laut Arbeitsvertrag den Eintritt in den Ruhestand, der dank Vizlas Erfolgsquote zudem mit einer Abfindung von gut acht Millionen Dollar versüßt wird. Doch der sadistische Mr. Blut (Matt Lucas), Chef von Damocles, will die lästigen Altlasten (Pensionsansprüche) loswerden und schickt das sogenannte „A-Team“, bestehend aus Alexej (Josh Cruddas), Sindy (Ruby O. Fee), Facundo (Anthony Grant) und Hilde (Fei Ren) los, um die Killer-Rentner in spe auszuschalten. Schon bald ist die Truppe auch Duncan auf den Fersen. Dabei wollte der schweigsame Zeitgenosse doch seinen Lebensabend im beschaulichen Montana genießen und die schüchterne Nachbarin (Vanessa Hudgens) näher kennen lernen…

Da meine Eltern seit wenigen Monaten dem überwiegend uninteressanten linearen Fernsehen zumindest teilweise entsagt haben und Netflix nutzen sichtete ich kürzlich nach langer Zeit wieder einen Actionfilm gemeinsam mit meinem Vater. Früher (etwa bei Beverly Hills Cop) war das ein fast regelmäßiges Ritual. Meine Wahl fiel leider auf Polar, der ohnehin schon seit Veröffentlichung auf meiner „erweiterten“ Watchlist stand. Zugegebenermaßen habe ich beim roten N bisher fast nur Serien und nur wenige Film-Eigenproduktionen oder exklusiv eingekaufte Streifen gesehen. Der vorliegende Film von Regisseur Jonas Åkerlund (Lords of Chaos) dürfte dagegen sicherlich nicht nur zum Schlechtesten zählen was Netflix insgesamt so im Programm hat sondern entpuppte sich auch als das Mieseste was ich in letzter Zeit vor die Augen bekam. Die Geschichte basiert auf der Neo-Noir-Webcomicserie Polar: Came from the Cold (2012-2019) des spanischen Comiczeichners und -autors Victor Santos.

Zwar versteht es Åkerlund, der bisher vor allem Musikvideos für Madonna, Roxette oder Metallica inszenierte, hier ein paar schöne Bilder einzufangen und Mads Mikkelsen (James Bond: Casino Royale) macht das Beste aus seiner minimalistisch-schweigsamen Hauptrolle, aber der Rest taugt so überhaupt nichts. Ja, es gibt eine grobe Story, aber grenzt schon an extremem Unvermögen diese so dämlich herunterzuspulen. Im Grunde reiht man hier nur eine überaus blutige Szene an die nächste. Wenn mal nicht geballert oder gemetzelt wird dann befinden wir uns entweder im verschneiten, ruhigen Montana oder der überzeichnete Bösewicht schmiedet neue Mordpläne. Die hier auftretenden Menschen (Figurenensemble wäre zu hoch gegriffen) bedienen nur irgendwelche (Hipster)-Klischees oder fungieren im Falle der meisten Frauen als unfassbar plump sexualisierte Kampfmiezen, darunter ein Lisbeth-Salander-Klon. Vermutlich soll man(n) sich als Zuschauer an ihnen oder der teils überbordenden Gewalt aufgeilen. Irgendwie wirkt das Ganze wie eine ganz grottige Mischung aus RED – Älter, härter, besser und León der Profi. An namhaften Schauspielern tummeln sich hier noch Vanessa Hudgens (Highschool Musical, Machete Kills) als blasse, uninteressante Nachbarin, Katheryn Winnick (Vikings, Wu Assassins) als Vivian (deren Rollenbeschreibung in jeder Szene ein neues Outfit sowie genervte Telefonate vorsieht), Matt Lucas (Alice im Wunderland [2010], Little Britain) als Schurke Mr. Blut (eine Art Baron Harkonnen für Arme; Mr. Blöd hätte auch gepasst) und Ruby O. Fee (Womb, Tatort: Happy Birthday, Sarah) als Bikini-Babe-Lockvogel Sindy. Bitte die Macher dieses Filmverbrechens irgendwo in den Polar-Regionen aussetzen.

Polar ist seit dem 25. Januar 2019 bei Netflix abrufbar.

 

Polar
Actionthriller USA, Deutschland 2019. 119 Minuten. Mit: Mads Mikkelson, Vanessa Hudgens, Katheryn Winnick, Matt Lucas, Josh Cruddas, Ruby O. Fee, Anthony Grant, Fei Ren u.a. Regie: Jonas Åkerlund. Drehbuch: Jayson Rothwell. Nach dem Comic von Victor Santos.

 

Credits:
Bilder (c) Netflix/Constantin Film

 


Dracula (2020)

17. Januar 2020

Nach der schwachen vierten Staffel von Sherlock widmeten Steven Moffatt und Mark Gatiss einer anderen Fgur der viktorianischen Phantastik einen Dreiteiler, der seit dem ersten Januar-Wochenende bei Netflix zu sehen ist. In Dracula spielt der Däne Claes Bang den legendären Vampirfürsten aus der Feder von Bram Stoker…

Frisches Blut

1897. In einem Kloster in Budapest erzählt der gesundheitlich schwer angeschlagene englische Anwalt Jonathan Harker (John Heffernan) der Ordenschwester Agatha (Dolly Wells) von seinen schrecklichen Erlebnissen mit Graf Dracula (Claes Bang) in dessen labyrinthischem Schloss. Doch der untote Vampirfürst will seinen „Diener“ nicht so einfach ziehen lassen…

Der legendäre Blutsauger und Titelheld von Bram Stokers Roman aus dem Jahre 1897 war bereits unzählige Male in Film und Fernsehen zu sehen. Dabei wurde er unter anderem von Max Schreck, Bela Lugosi, Lon Chaney Jr., John Carradine, Christopher Lee, Jack Palance, David Niven, Louis Jordan, Klaus Kinski, George Hamilton, Frank Langella, Gary Oldman, Leslie Nielsen, Gerard Butler, Patrick Bergin, Richard Roxburgh, Marc Warren, Thomas Kretschman, Jonathan Rhys-Meyers, Luke Evans und Christian Camargo verkörpert. In diese langen Fußstapfen tritt nun der dänische Schauspieler Claes Bang (The Square, The Affair: Staffel 5). Aus meiner Sicht war die lieblos hinkonstruierte und teilweise haarsträubend unlogische vierte Staffel von Sherlock, der BBC-Erfolgsserie aus der Feder von Steven Moffatt (Coupling, Doctor Who) und Mark Gatiss, (der auch die Rolle von Mycroft Holmes spielt) schon irgendwie gruselig. Von daher erscheint es nicht unbedingt überraschend , dass sich die beiden Autoren danach mit einem richtigen Horror-Projekt befassen. Zu Beginn bietet „Dracula 2020“ noch einige gewohnte Elemente der Vorlage auf, macht aus dem Stoff aber schon bald etwas Eigenes und spart dabei keineswegs mit Blut.

Gekonnt wechselt die erste Folge zwischen Harkers Erlebnissen in Draculas Schloss und den Ereignissen im Kloster. Die beiden weiteren Episoden spielen allerdings an gänzlich anderen Schauplätzen. Gatiss und Moffatt adaptieren zwar einige gängige Elemente und bekannte Charaktere aus der Vorlage, ihre Version vernachlässigt aber den romantischen Aspekt ziemlich. Stattdessen wird die Existenz des Vampirfürsten immer wieder vor allem in den Dialogen wissenschaftlich-analytisch erforscht oder gewisse Eigenheiten erklärt wenngleich diese Herangehensweise die legendäre Figur der Horrorliteratur keinesfalls entzaubert. „Dracula 2020“ gelingt es der Geschichte und seinem Protagonisten eine humorvolle Note zu verleihen ohne allerdings das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Außerdem profitiert die Miniserie davon, dass der charismatisch-präsente Hauptdarsteller Claes Bang in Person von Dolly Wells (Stolz und Vorurteil und Zombies, Can You Ever Forgive Me?) als Agatha einen starken Gegenpart besitzt. Zudem erinnert die technisch überaus gelungene Inszenierung an die Stärken von Sherlock.

Bestanden alle bisherigen Staffeln von Sherlock aus je drei 90-Minütern, so macht dies auch bei Dracula auf den ersten Blick Sinn. Nur gibt es aus meiner Sicht einen großen Qualitätsabfall in der dritten Folge. Die Story des letzten Drittels hätte mehr Zeit zur Ausarbeitung benötigt und auch die hier neu eingeführten Figuren kommen eindeutig zu kurz. Im Grunde wäre eine Episode mehr notwendig gewesen. Dann würde das Finale nicht so überstürzt wirken.

Die komplette Miniserie ist seit dem 4. Januar 2020 bei Netflix abrufbar.

Dracula
3teilige Horror-Miniserie UK 2020. Gesamtlänge: ca. 270 Minuten. Mit: Claes Bang, Dolly Wells, Jonathan Aris, Morfydd Clark, John Heffernan, Lydia West u.v.a. Idee & Drehbuch: Steven Moffatt und Mark Gatiss. Regie: Jonny Campbell, Damon Thomas, Paul McGuigan.

Credits
Bilder (c) BBC/Netflix.


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