Wu Assassins (Kurzkritik)

6. September 2019

Nach dem Ende von Into the Badlands hatte ich wieder Lust auf eine Martial-Arts-Serie. Wu Assassins, mit Indonesiens Kampfsport-Star Iko Uwais in der Hauptrolle, verknüpft ein Triaden-Krimidrama mit leider etwas halbgaren Fantasy-Elementen.

Kai, der kämpfende Koch

Chinatown, San Francisco. Eigentlich führt der chinesisch-indonesische Koch Kai Jin (Iko uwais) ein einfaches Leben. Tagsüber arbeitet er als Angestellter eines Foodtrucks, abends hilft er im Restaurant seiner Freunde, den Geschwistern Jenny (Li Jun Li) und Tommy Wah (Lawrence Kao), aus. An einem dieser Abende kommt es zu einem Zwischenfall mit einer Gruppe Triadengangster, die Kai daraufhin verfolgen. Doch bevor er es mit den Schlägern aufnimmt, begegnet er in einer Vision der Kriegerin Ying Ying (Celia Au). Diese offenbart ihm, dass er als letzter der sogenannten Wu Assassins dazu ausersehen ist, die Welt vor den zerstörerischen Kräften der Wu Warlords zu bewahren, von denen jeder die Macht über eines der fünf Elemente besitzt. Kai muss die fünf Warlords ausschalten. Doch ausgerechnet sein Adoptivvater, der rücksichtsloser Triaden-Boss Uncle Six (Byron Mann), gehört zu dem mächtigen Personenkreis. Während Kai mit seinem Training bei Ying Ying beginnt, wird die Undercover-Polizistin Christina „CG“ Gavin (Katheryn Winnick) in die Autowerkstatt von Kais bestem Freund Lu Xin (Lewis Tan) eingeschleust, in welcher teure Schlitten nicht nur repariert und aufgemotzt werden…

Iko Uwais, ein indonesischer Schauspieler, Stuntman, Kampfszenen-Choreograph und Experte in Pencak Silat (den traditionellen Kampfkunstformen seiner Heimat) wurde durch seine Rolle in Gareth Evans‘ Actionfilm The Raid (2012), über eine tödliche Razzia in einem von Gangstern kontrollierten Hochhaus, international bekannt. Die Autoren/Produzenten John Wirth (Hell on Wheels, Hap and Leonard) und Tony Krantz (Mulholland Drive, Dracula) schrieben Uwais die zentrale Rolle ihrer Serie Wu Assassins auf den Leib. Fast völlig ohne Wirework glänzt die Netflix-Produktion durch brachiale-rasante, ansprechend inszenierte Prügelszenen. Dafür wurden weitere MA-erprobte Darsteller wie Byron Mann (Streetfighter, The Man with the Iron Fists), Lewis Tan (Into the Badlands, Deadpool 2), Mark Dacascos (Pakt der Wölfe, Born 2 Die) und Katherynn Winnick (bekannt aus der Historienserie Vikings) verpflichtet. Der Fantasyteil überzeugt am wenigsten, auch weil die Effekte teilweise etwas altbacken wirken. Trotz Logiklöcher so groß wie die Golden-Gate-Bridge (und die Skyline von San Francisco, die hier durchgehend ins Bild gerückt wird, obwohl in Vancouver gedreht wurde) bleibt die Spannung hoch, auch weil die Story durchaus ein paar Überraschungen bereithält. Immer dann wenn der Schwerpunkt eher auf der Dynamik zwischen den vier alten Freunden Kai, Lu Xin, Jenny und Tommy liegt wirkt die Serie am stärksten. Ein Gesellschaftsdrama über das Leben und die organisierte Kriminalität in Chinatown ohne übersinnlichen Hoku Pokus wäre aus meiner Sicht die bessere Wahl gewesen.

Die zehnteilige erste Staffel von Wu Assassins ist seit dem 8. August 2019 bei Netflix abrufbar.

Wu Assassins
Action/Fantasyserie USA 2019. 10 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: 450 Minuten. Mit: Iko Uwais, Byron Mann, Li Jun Li, Lawrence Kao, Lewis Tan, Katheryn Winnick, Celia Au, Tommy Flanagan, JuJu Chan, Tzi Ma u.v.a. Idee: John Wirth und Tony Krantz.

 

Credits
Bilder (c) Netflix.

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Unicorn Store (Kurzkritik)

21. April 2019

Bevor sie in Captain Marvel die erste Heldin mit eigenen Solo-Film im Marvel Cinematic Universe verkörperte, drehte die frischgebackene Oscar-Preisträgerin Brie Larson 2016 ihr Regie-Debüt. In Unicorn Store will sich eine junge Frau ihren langersehnten Kindheitstraum erfüllen und gleichzeitig erwachsen werden.

 

 

Viel Glitzer, wenig Kitsch

Eigentlich wollte die junge Kit (Brie Larson) Malerin werden, doch mit ihren kunterbunten Werken wird sie an der Kunsthochschule nicht angenommen. Aus Enttäuschung über ihr Scheitern verkriecht sich Kit im Keller ihres Elternhauses und verfolgt das stumpfsinnige TV-Programm. Schließlich beschließt Kit, ihr Leben in die Hand zu nehmen und ergattert einen Job als Zeitarbeitskraft in einer Werbeagentur. Kurz darauf erhält sie eine mysteriöse Einladung eines Ladens namens „The Store“. Dort trifft sie auf den schrill gekleideten „Salesman“ (Samuel L. Jackson), der ihr genau das verkaufen möchte, was sie sich seit ihrer Kindheit gewünscht hat: ein Einhorn. Zuvor muss Kit allerdings einige Aufgaben erfüllen: eine Unterkunft für das Tier bauen, Heu besorgen und die Beziehung zu ihren etwas übereifrigen Eltern (Joan Cusack, Bradley Whitford) verbessern. Einfacher gesagt als getan…

Kurz nach dem Gewinn ihres Oscars als beste Hauptdarstellerin für Raum (2015) erhielt Brie Larson die Gelegenheit, erstmalig Regie zu führen. Unicorn Store, in welchem Larson auch die Hauptrolle spielt, debütierte im September 2017 auf dem Internationalen Filmfestival von Toronto, erhielt aber erst durch den Streaminganbieter Netflix eine flächendeckende Veröffentlichung in diesem Jahr. Obwohl die Protagonistin weder mit Farbe noch mit Glitzer geizt und immer noch in ihrem kunterbunten Kinderzimmer lebt, so sorgt die unaufgeregte Inszenierung Larsons dafür, dass die Angelegenheit nicht im Kitsch versinkt. Wer schon ein paar Coming-of-Age-Filme gesehen hat, den wird dieser kleine Indie-Streifen sicherlich nicht vom Hocker reißen. Die authentischen zwischenmenschlichen Beziehungen, die starken Darsteller – nicht nur Brie Larson und der schrill gestylte Samuel L. Jackson, sondern etwa auch Hamish Linklater (Legion) als sozial unbeholfener Don-Draper-Verschnitt – sowie die kleinen Lektionen auf dem Weg zur möglichen Wunscherfüllung machen aus Unicorn Store eine wundersame kleine Filmperle, weder zu albern noch zu tragisch.

 

Unicorn Store ist seit dem 5. April 2019 bei Netflix abrufbar.

 

Unicorn Store
Komödie/Drama USA 2017. 91 Minuten. Mit: Brie Larson, Samuel L. Jackson, Joan Cusack, Bradley Whitford, Mamoudou Athie, Hamish Linklater, Martha MacIsaac, Karan Soni u.a. Drehbuch: Samantha McIntyre. Regie: Brie Larson.

Credits
Bilder (c) Netflix.


Derry Girls (Kurzkritik)

14. April 2019

Erwachsenwerden ist nicht einfach. Vor allem nicht, wenn man als Teenager in Derry zur Zeiten des Nordirland-Konfliktes lebt. Aus dieser Ausgangssituation hat Lisa McGee die Comedyserie Derry Girls erschaffen, die hierzulande bei Netflix zu sehen ist.

Teenage Troubles

Erin (Saoirse-Monica Jackson) ist 16 und lebt mit ihrer katholischen Familie, Mutter Mary (Tara Lynne O’Neill) und Vater Gerry (Tommy Tiernan) sowie Tante Sarah (Kathy Kiera Clarke) und Cousine Orla (Louisa Harland) – beide auf ihre eigene Art durchgeknallt – in der nordirischen Grenzstadt Derry. Die Sippe komplettieren der knorrige Großvater Joe (Ian McElhinney) und Baby Anna, Erins Schwester. Gemeinsam mit Orla sowie ihren Freundinnen Clare (Nicola Coughlan) und Michelle (Jamie-Lee O’Donnell) besucht Erin die katholische Mädchenschule „Our Lady Immaculate“, geleitet von der dauergenervten Ordensschwester Michael (Siobhan Sweeney). Zu aller Überraschung wird Michelles englischer Cousin James (Dylan Llewellyn) als erster männlicher Schüler aufgenommen. Weniger die Gefahren des Nordirland-Konfliktes bestimmen die Lebenswirklichkeit der Mädchen, sondern vielmehr ganz normale Teenager-Probleme…

Die fiktionale Verarbeitung des Nordirland-Konfliktes zwischen den unionistischen Protestanten und den irisch-nationalistischen Katholiken, der zwischen Ende der 1960er und Ende der 1990er für etwa 3 500 Todesopfer und über 47 000 Verletzte sorgte, erfolgte bisher (berechtigerweise) nur in ernster Form, in Kinofilmen wie Im Namen des Vaters (1993) und Hunger (2008). Die Bühnen- und Fernsehautorin Lisa McGee (Raw) schuf aus ihren Jugenderinnerungen zur Zeit der „Troubles“ (wie der Konflikt im englischen Sprachraum genannt wird) allerdings kein knallhartes (Teenie-)Drama, sondern eine schräge Comedyserie. Abgesehen vom Setting, dessen tragisch-gefährliche Situation meist nur Hintergrundrauschen darstellt, bietet Derry Girls die üblichen Themen und Problematiken, die Teenager eben bewegen, wie erste romantische/sexuelle Erfahrungen, das Mühsal der Schule, Streit mit den Eltern und die Hoffnung auf eine rosige Zukunft. McGee gestaltet dieses Minenfeld des Erwachsenwerdens als temporeichen Sechsteiler, der nicht nur von seinen eigensinnig bis urigen, gleichzeitig irgendwie authentischen Figuren und dem herrlichen Akzent (die Serie wurde dankenswerterweise nicht in andere Sprachen synchronisiert, sondern ist bei Netflix im Original mit deutschen oder englischen Untertitel verfügbar) lebt. Ohne den schwarzen Humor, einen stark vorherrschenden Katholizismus und die irrational-komisch agierenden Schauspieler (Nicola Coughlan, die Darstellerin der putzigen Clare war bei den Dreharbeiten zur ersten Staffel bereits 30 Jahre alt), darunter der aus Game of Thrones bekannte Ian McElhinney als Opa Joe, wäre Derry Girls nicht einmal halb so spaßig. Diverse Hits aus der Dekade (von Salt’n’Pepa über Ace of Base bis zu Whigfield) und andere Referenzen verankern das Geschehen fest in den 1990ern. Die Ambivalenz des nordirischen Lebens zwischen Normalität und Bombenterror unterstreicht die Schlussmontage auf sehr passende Weise. Im Vereinigten Königreich premierte die Serie im Januar 2018 bei Channel 4 und erreichte mit durchschnittlich 500 000 Zuschauern in Nordirland (ein Marktanteil von ca. 64 Prozent) die höchsten dort jemals gemessenen Einschaltquoten.

Die erste Staffel von Derry Girls ist seit dem 21. Dezember 2018 bei Netflix abrufbar. Vom 5. März bis 9. April 2019 lief Season 2 beim britischen Channel 4.

Derry Girls
Comedyserie UK 2018. 6 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 142 Minuten. Mit: Saoirse-Monica Jackson, Louisa Harland, Nicola Coughlan, Jamie-Lee O’Donnell, Dylan Llewellyn, Tara Lynne O’Neill, Kathy Kiera Clarke, Siobhan McSweeney, Tommy Tiernan, Ian McElhinney u.a. Idee & Drehbuch: Lisa McGee. Regie: Michael Lennox.

Credits
Bilder (c) Netflix/Channel 4.


Matrjoschka (Kurzkritik)

7. März 2019

Eine eigenbrötlerische New Yorkerin stirbt, nur um immer wieder die Nacht ihres 36. Geburtstags zu durchleben. Party ohne Ende? Sex and the City meets Und täglich grüßt das Murmeltier? Matrjoschka hat mehr zu bieten…

Live and Let Die

Nadia (Natasha Lyonne) ist eine erfolgreiche, aber zynische Computerspiel-Programmiererin. Zu ihrem 36. Geburtstag veranstaltet Nadias beste Freundin Maxine (Greta Lee) eine große Party, zu der auch Nadias Ex-Freund John (Yul Vasquez) eingeladen wurde. Als Nadia dem großen Trubel zu entfliehen versucht, stirbt sie plötzlich. Um völlig überraschend wieder dort „aufzuwachen“, wo der Abend begann, in Maxines Badezimmer. Nadia erkennt, dass sie in einer Art Schleife gefangen zu sein scheint. Denn immer wieder segnet sie auf unterschiedliche Arten das Zeitliche, um am Abend der Party neu anzufangen. Überaus irritiert versucht Nadia herauszufinden, was mit ihr passiert. Könnte möglicherweise ihr lockerer Umgang mit Drogen für ihren „Zustand“ verantwortlich sein…?

In Und täglich grüßt das Murmeltier erlebt der griesgrämige Wettermoderator Phil (Bill Murray) immer wieder den „Murmeltier-Tag“, bis er sich besinnt und ein „besserer“ Mensch wird. Ein überraschend unkitschiger, witziger und herzerwärmender Film. 26 Jahre später durchlebt Natasha Lyonne (American Pie) als launige New Yorkerin eine Zeitschleife und das in einer achtteiligen Serie. In Filmen wie Edge of Tomorrow und Source Code wird diese Prämisse im Science-Fiction-Gewand verarbeitet. Matrjoschka (Originaltitel: Russian Doll) beschreitet allerdings andere Wege. Die von Lyonne mit ihrer Schauspielkollegin Amy Poehler (Parks and Recreation) und Regisseurin Leslye Headland (Sleeping with Other People) erschaffene Show, die auf ein rein weibliches Drehbuch- und Regie-Team setzt, verweigert sich einer konkreten (um nicht zu sagen banalen) Lösung oder Erklärung. Außerdem verzichtet man bei der Geschichte auf einen effektheischenden Plottwist, der die ganze Sache auf den Kopf stellen würde. Geschickt werden hier und da kleine Hinweise fast wie Brotkrumen verstreut sowie verschiedene Motive eingebaut. Die diffuse, recht authentische Entwicklung der Handlung erlaubt es jedem Zuschauer, sich seinen eigenen Reim auf die Serie zu machen und die kuriose Situation auf Augenhöhe mit der Protagonistin zu erleben. Hauptdarstellerin Natasha Lyonne stolpert mit krächzend-rauchiger Stimme als dauerpaffende Nadia (mit ihrer mächtigen roten Haarpracht optisch eine Mischung aus Curly Sue und Pumuckl) durch eine Welt zwischen leicht überzeichneter Hipster-Blase und heterogenem Großstadtviertel.

Alle acht Episoden von Matrjoschka sind seit dem 1. Februar 2019 bei Netflix abrufbar.

Matrjoschka (Russian Doll)
Dramedy/Mysteryserie USA 2019. 8 Folgen. Gesamtlänge: ca. 212 Minuten.
Mit: Natasha Lyonne, Greta Lee, Charlie Barnett, Elizabeth Ashley, Yul Vasquez u.a. Idee: Natasha Lyonne, Leslye Headland, Amy Poehler.

 

Credits:
Bilder (c) Netflix.


Bright (Kurzkritik)

8. April 2018

Neben unzähligen „eigenen“ Serien hat sich der Streamingdienst Netflix in letzter Zeit auch der (Ko-)Produktion aufwändiger Spielfilme gewidmet, wie Bright von Regisseur David Ayer…

Dunkle Straßen, dunkle Elfen

In einer alternativen Gegenwart wird die Erde nicht nur von Menschen, sondern auch Elfen und Orks bevölkert. Spannungen zwischen den unterschiedlichen Rassen gibt es auch in der US-Metropole Los Angeles. Der menschliche Polizist Daryl Ward (Will Smith) kehrt nach einer schweren Schussverletzung wieder in den aktiven Dienst an der Seite seines umstrittenen Partners Nick Jacoby (Joel Edgerton), einem Ork, zurück. Als sie bei einer nächtlichen Patrouille ein denkwürdiges Artefakt entdecken, geraten die beiden Cops nicht nur ins Fadenkreuz diverser Banden und korrupter Kollegen. Auch die Besitzerin des magischen Gegenstands, die finstere Elfe Leila (Noomi Rapace), verfolgt mit ihren Schergen die beiden Gesetzeshüter mit unerbittlicher Härte…

Trotz einer großeren Vielfalt an Serien und Filmen machte sich Netflix zuletzt nicht nur Freunde, indem man sich die Exklusivrechte an eigentlich fürs Kino produzierten Filmen wie Okja (2017) von Bong Joon-Ho oder Auslöschung (März 2018) von Alex Garland sicherte. Der Fantasy-Actioner Bright von Regisseur David Ayer (Herz aus Stahl, Suicide Squad) wurde gar direkt für Netflix produziert. Doch bei diesem Streifen erscheint es keinesfalls bedauerlich, dass er nur dort zu sehen ist. Das Drehbuch von Max Landis (Dirk Gentlys holistische Detektei) bietet einen interessanten Ansatz, wenn es die Probleme einer Großstadt wie Rassendiskriminierung und Bandenkriminalität auf ein Urban-Fantasy-Setting überträgt. Doch leider macht Bright zu wenig aus dieser potenzialträchtigen Prämisse. Stattdessen setzt man hier auf eine unübersichtliche Hetzjagd zwischen Elfen, Orks und Menschen mit bemüht wirkenden Buddy-Movie-Elementen. Daher verkommt die 90-Millionen-Dollar-Produktion zu einer abgedroschenen Mischung aus Training Day (zu welchem David Ayer seinerzeit das Skript verfasste) und Underworld, mit bösen Dunkelelfen anstelle von Vampiren.

Bright ist seit dem 22. Dezember 2017 bei Netflix abrufbar.

Bright
Fantasy-Action USA 2017. 117 Minuten. Mit: Will Smith, Joel Edgerton, Lucy Fry, Noomi Rapace, Édgar Ramirez, Happy Anderson u.v.a. Regie: David Ayer. Drehbuch: Max Landis.

Credits:
Bild (c) Netflix.


Love: Staffel 3

25. März 2018

Mit der dritten Staffel endet die von Judd Apatow, Lesley Arfin und Hauptdarsteller Paul Rust kreierte Netflix-Serie Love, in welcher zwei unterschiedliche Charaktere zueinander gefunden haben. Doch das Ende ist bei weitem kein Grund zum Trauern…

Love: Staffel 3 (Love: Season 3)
Comedy-/Drama-Serie USA 2018. 12 Folgen. Gesamtlänge: ca. 372 Minuten.
Mit: Gillian Jacobs, Paul Rust, Claudia O’Doherty, Mike Mitchell, Chris Witaske u.v.a. Idee: Judd Apatow, Lesley Arfin und Paul Rust.

 

 

Ende gut, alles gut

Seit einigen Monaten sind Gus (Paul Rust), Privatlehrer für Nachwuchsschauspieler, und Radioproduzentin Mickey (Gillian Jacobs) ein Paar. Außerdem ist Mickey im Kampf gegen ihre Suchtprobleme einen großen Schritt weitergekommen, denn seit Wochen hat sie weder Alkohol noch Drogen angerührt. Und so bleiben Zigaretten ihr einziges Laster. Auch beruflich läuft es für die Produzentin bei einem kleinen Radiosender mehr als gut, wenngleich der narzisstische Therapeut Dr. Greg (Josh Gelman) immer wieder für Ärger sorgt. Am Set der erneuerten Genre-Serie Witchita unterrichtet Gus wieder seine frühere Schülerin, die mittlerweile 14jährige, sehr erfolgreiche Arya (Iris Apatow) sowie andere Jungakteure, und träumt von einer Karriere als Drehbuchautor. Mickeys Mitbewohnerin Bertie (Claudia O’Doherty) steckt weiterhin in einer Beziehung mit dem antriebs- und arbeitslosen Randy (Mike Mitchell) fest…

Nachdem ich der ersten und auch der zweiten Staffel von Love lediglich Kurzkritiken gewidmet habe, war es an der Zeit, der finalen Season eine ausführlichere Besprechung anzugedeihen. Denn die Dramedy-Serie erreicht mit den letzten 12 Episoden den Höhepunkt ihres Schaffens, was bei näherem Hinsehen nicht überraschend erscheint aber selbst bei guten Shows selten vorkommt.

Obwohl sich die Handlung im Allgemeinen und die Liebesgeschichte im Besonderen zwischen den beiden Protagonisten im Dunstkreis Hollywoods abspielt so überzeugte Love von Beginn an mit seinem erfrischend unglamourösen Personal und weitgehend klischeefreien Entwicklungen. Der ein oder andere „Nebenplot“, etwa um den überraschend zur weiteren Hauptfigur beförderten Chris (Chris Witaske), einem Freund von Gus, wirkt vielleicht nicht so zwingend, schmälert aber den positiven Gesamteindruck kaum.

Das Herzstück der ganzen Serie bildet natürlich die Beziehung von Mickey und Gus, die auch deswegen so authentisch wirkt, weil beide Charaktere im Verlauf der insgesamt 34 Episoden tiefgründig ausgelotet wurden. Co-Autorin/Produzentin Lesley Arfin verarbeitete in der Figur Mickey ihre eigenen Erfahrungen mit Alkoholsucht. Seit 2015 ist Arfin mit Paul Rust verheiratet, der hier ebenfalls als Co-Autor bzw. Executive Producer agierte und die männliche Hauptrolle spielte. Man könnte also behaupten, dass Love so etwas wie die Serien-Variante des gefeierten (und ebenfalls von Judd Apatow produzierten) Indie-Films The Big Sick (2017), in welchem die Comedians/Drehbuchautoren Kumail Nanjiani und Emily V. Gordon ihre eigene Liebesgeschichte erzählen, darstellt. Ähnlich wie Nanjiani scheint sich Rust hier auch selbst zu spielen. Die bemerkenswerte Leistung vollbringt aber Gillian Jacobs, die im wahren Leben Abstinenzlerin ist und als Mickey eine Alkoholikerin verkörpert.

Im Gegensatz zu den üblichen Romantik-Komödien presst Love seine Story nicht in eine künstliche Dramaturgie, sondern lässt sie sich organisch entwickeln. Und so erhalten die einzelnen Episoden genau die Laufzeit, welche sie benötigen, egal ob etwa 25 oder knapp 40 Minuten. Zwar kriselt es in der Partnerschaft von Mickey und Gus auch in den letzten 12 Folgen immer wieder etwas, die in RomComs übliche große Katastrophe kurz vor dem Schlussakkord bleibt dankenswerterweise aus.

Bei der Lektüre dieses Reviews kann man erahnen, dass mich die letzten gut sechs Stunden von Love prächtig unterhalten, amüsiert aber auch sehr bewegt haben. Gerne würde ich Mickey und Gus bei ihrem gemeinsamen Leben weiter zusehen, doch der runde Abschluss ihrer Geschichte tröstet über den Abschied sehr gut hinweg.

Die 12 Folgen der dritten Season von Love sind seit 9. März 2018 bei Netflix abrufbar.

Fazit: Love schafft mit der dritten und letzten Staffel, was kaum einer Serie vergönnt ist: am Höhepunkt aufzuhören und sich selbst bis zum Finale treu zu bleiben. 9 von 10 Punkten.

 

 

 

 

Credits:
Bilder (c) Netflix/Legendary Television.


iBoy (Kurzkritik)

31. März 2017

Was?! Diesen Monat nur einen einzigen Film gesehen? Das kann nicht so bleiben. Abhilfe schafft da der britische Netflix-Beitrag iBoy, der vor allem wegen seiner nicht unprominenten Besetzung interessant erschien.

Tom (Bill Milner) ist ein Teenager, der kurz vor seinen Abschlussprüfungen steht und nach dem frühen Drogentod seiner Mutter mit seiner Großmutter (Miranda Richardson) in einem Londoner Problemviertel lebt. Als er seine Schulfreundin Lucy (Maisie Williams) abends besuchen will, bekommt Tom mit, wie sie von maskierten Männern vergewaltigt wird. Beim Versuch die Polizei mit seinem Smartphone zu verständigen, wird Tom von einem der Angreifer in den Kopf geschossen. Tom überlebt ohne schwerwiegende Schäden, es bleiben jedoch Splitter des Handys in seinem Gehirn zurück. Dadurch entwickelt Tom eine besondere Sensitivität und kann alle Arten von Computern, Mobiltelefonen und Laptops manipulieren. Heimlich beginnt er seine Gabe zu nutzen, um die verschiedenen Gangs des Viertels aus dem Verkehr zu ziehen…

Wäre der auf dem gleichnamigen Roman von Kevin Brooks (Bunker Diary) basierende Film iBoy nicht vom Streaminganbieter Netflix mitproduziert worden, so hätte er außerhalb des (noch) Vereinigten Königreiches sicherlich kaum ein Publikum erreicht. Die prominente Besetzung, Bill Milner (X-Men: First Class, Son Of Rambow), Maisie Williams (Game Of Thrones), Miranda Richardson (Merlin, The Hours) sowie Rory Kinnear (Skyfall, Penny Dreadful), gereicht dem kleinen Thriller kaum zum Nachteil. Der Streifen von Regisseur Adam Randall (Level Up) glänzt durch seine schnörkellose, unaufgeregte Inszenierung ohne großes Effektgewitter. Der pulsierende Elektronikscore von Max Aruj und Steffen Thrum unterstreicht die bedrohliche Atmosphäre der von Gangs bevölkerten Häuserschluchten, in denen Tom und Lucy wohnen. Inhaltlich bleibt allerdings ziemlich viel auf der Strecke. Auch wenn man in 90 Minuten doch eine gute Geschichte erzählen kann und sich der Film nicht mit Nebensächlichkeiten aufhält, versagt Iboy gerade in dieser Hinsicht. Die Auswirkungen von Toms Fähigkeit auf seine Gesundheit wird kaum thematisiert. Es fehlt den Figuren auch an nötigem Hintergrund. Zwar erwartet man keinen zweiten Kick-Ass aber etwas Humor hätte dem ganzen Werk sicherlich gut zu Gesicht gestanden, auch wenn natürlich der grimmige, düstere Ansatz nicht unpassend wirkt. Insgesamt scheint die britische Produktion einiges mit der deutschen Krimiserie Tatort gemein zu haben. Ansprechende Aufmachung, aber inhaltlich wäre mehr drin gewesen.

iBoy kann man sich seit dem 27. Januar 2017 bei Netflix ansehen.

iBoy
Science-Fiction-Thriller UK 2017. 90 Minuten. Mit: Bill Milner, Maisie Williams, Miranda Richardson, Jordan Bolger, Charley Palmer Rothwell, Rory Kinnear u.a. Regie: Adam Randall. Drehbuch: Joe Barton, Mark Denton, Jonny Stockwood. Nach dem Roman von Kevin Brooks.

Bild (c) Netflix.


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