Der Krieger und die Hexe

5. Dezember 2021

Frisch aus der SchleFaZ-Mottenkiste (und Roger Cormans argentinischem Achtziger-Ramschladen) kommt Der Krieger und die Hexe, billiger Fantasymurks mit David „Kung Fu“ Carradine in der Hauptrolle.


Die Echse, der Krötenmensch und das Tentakelmonster

Auf dem Wüstenplaneten Ura. Im Dorf Yamatar kämpfen seit Jahren zwei grausame Kriegsherren, Zeg (Luke Askew) und Bal Caz (Guillermo Marin), um die Vorherrschaft über den einzigen Brunnen. Das einfache Volk hat unter den beiden Tyrannen und ihren Schergen sehr zu leiden. Schließlich taucht ein namenloser, dunkler Krieger (David Carradine) auf, der früher zwar einem heiligen Orden angehörte, mittlerweile aber nur noch für Geld kämpft. Der alte Prälat Bludge (Harry Townes) klärt den Krieger über die Verhältnisse in Yamatar auf. Fortan beginnt der Krieger die beiden Parteien gegeneinander auszuspielen und versucht die Zauberin Naja (Maria Socas) zu befreien…

In den 1980ern produzierte B-Movie-Legende Roger Corman (mittlerweile stolze 95 Jahre alt) zehn Filme in Argentinien, angefangen mit dem Barbarenfilm Deathstalker – Der Todesjäger (1983). Ein Jahr später (und wiederum ein Jahr vor der Vollkatastrophe namens Wizards of the Lost Kingdom) erschien Der Krieger und die Hexe von Regisseur John C. Broderick. In dem Fantasy-Remake von Akira Kurosawas Samurai-Epos Yojimbo – Der Leibwächter (1961) und Sergio Leones Italowestern-Version Für eine Handvoll Dollar (1964) trifft ein von David Carradine (Kung Fu, Kill Bill) gespielter Krieger in einem vom Konflikt zweier Warlords gebeuteltem Wüstendorf ein und versucht die Streithähne zu überlisten. Außerdem gibt es da noch eine magiekundige Frau zu retten. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher weder die genannten Vorbilder von Kurosawa und Leone gesehen habe. Aber ob das bei der Sichtung von Der Krieger und die Hexe ein Nachteil sein kann, wage ich zu bezweifeln. Denn egal wie viel Co-Autor und Regisseur John C. Broderick (1942-2001), der ansonsten nur vier weitere Regiearbeiten in seiner Vita stehen hat und ansonsten als Schauspieler, Produzent sowie Production-Manager tätig war, abgekupfert, die „Story“ des vorliegenden Films erscheint mir kaum existent. Keine Ahnung warum, aber das Machwerk hat sich seit einem Erscheinen vor 37 Jahren einen (für mich unerklärlichen) Kultstatus erworben. Trotz der gewohnt bissigen Kommentierung von Oliver „Olli“ Kalkofe und Peter „Päter“ Rütten in ihrer Schundfilm-Reihe SchleFaZ am 3. Dezember 2021 langweilte ich mich schnell.

Auf dem Papier gibt es hier einige interessante Elemente, wie die Grundkonstellation und das karge, lebensfeindliche Wüstensetting. Dazu tummeln sich hier auch Krötenmenschen, wie der böse Sklavenhändler Burgo (Armando Capo), und eine intelligente Echse, die zwar nur Fauch- und Zischlaute von sich gibt, dem bösen Tyrannen Bal Caz (eine Mischung aus Jabba the Hutt und Baron Harkonnen für Arme) aber als kompetentem Berater dient. Die titelgebende (nur barbusig auftretende) Hexe wird wiederum von dem anderen Kriegsherrn Zeg gefangen gehalten, weil sie ihm ein magisches Schwert schmieden lassen soll. Das klingt auf den ersten Blick alles halbwegs spannend, wird aber auf denkbar leb- und zusammenhanglose Art runtergekurbelt. Leading Man David Carradine, der sich vor den Dreharbeiten bei einem Streit mit seiner damaligen Freundin die rechte Hand brach und daher seine Kampfszenen ganz ordentlich mit links absolviert, war nicht mehr ganz jung (47) und brauchte wohl das bisschen Geld, denn seine zweite große Fernsehrolle als böser Justin LaMotte in Fackeln im Sturm, einer Miniserie über den amerikanischen Sezessionkrieg, sollte erst ein Jahr später folgen. Und so stolpert er über weite Strecken recht lustlos durch die Styropor-Kulissen. Während andere Akteure sich etwas grimmassierfreudiger zeigen verzieht der schweigsame Held selten eine Miene. Das passt aber zum fast völligen Fehlen von für einen funktionierenden Film unerlässlichen Zutaten wie Dramaturgie und Spannung. Selbst das Auftauchen eines Tentakelmonsters (!) sorgt bestenfalls für kurzzeitiges Kopfschütteln. Keiner der Beteiligten hatte hier scheinbar auf irgendetwas Bock und das merkt man dem fertigen Endprodukt total an. Bezeichnend, dass Oli und Päter bei ihrer Präsentation schon nach der ersten Kostümrunde die Lust am Verkleiden vergangen ist. Selbst unfreiwillige Komik hält sich hier fast komplett in Grenzen. Bal Cazs Echsenfreund hat sich irgendwann freiwillig aus dem Film verabschiedet. Wer will es ihm verübeln? Der Krieger und die Hexe war dennoch „gut genug“ um in Ein Königreich vor unserer Zeit 2 (1989), der Fortsetzung zum bereits erwähnten Wizards of the Lost Kingdom, teilweise recycelt zu werden.

Der Krieger und die Hexe ist aktuell nach der TV-Ausstrahlung am 3. Dezember 2021 in der SchleFaZ-Fassung in der Tele 5-Mediathek sowie als Stream bei weiteren Anbietern abrufbar und außerdem auf DVD erhältlich.


Der Krieger und die Hexe (The Warrior and the Sorceress)
Fantasyfilm Argentinien, USA 1984. FSK 18. 78 Minuten.
Mit: David Carradine, Maria Socas, Luke Askew, Anthony De Longis, Harry Townes, Guillermo Marin, Armando Capo u.a. „Drehbuch“ und Regie: John C. Broderick.

Credits
Bilder (c) M-Square Classics.

 

 

 


Desperado (1995)

2. Mai 2021

Drei Jahre nach seinem Ultra-Low-Budget-Debüt El Mariachi drehte Robert Rodriguez die Fortsetzung Desperado, in welcher es der dieses Mal von Antonio Banderas verkörperte Titelheld erneut mit einem Gangsterboss und dessen Schergen aufnimmt.


Kämpfen und Klampfen

Mexiko, August 1994. Vor Jahren rächte sich der Mariachi an Gangsterboss Moco für die Ermordung seiner Geliebten und die Verstümmelung der linken Hand. Nun setzt der Musiker (Antonio Banderas) mit seinem Gitarrenkoffer voller Waffen den Rachefeldzug fort. Bucho (Joaquim de Almeida), einer der Bosse von Moco, ist das nächste Ziel. Bucho weiß jedoch, dass es ein unbekannter Mann in Schwarz auf ihn abgesehen hat, denn der geheimnisvolle Buscemi (Steve Buscemi) hat bereits in der ganzen Gegend Geschichten über den dunklen Rächer erzählt. Beim Angriff eines der Handlanger von Bucho wird der Mariachi schwer verletzt. Die zufällig anwesende Carolina (Salma Hayek) kümmert sich um seine Verletzung und versteckt ihn in ihrer Buchhandlung. In der Folge dezimiert der Mariachi Buchos Männer beträchtlich. Bis die beiden Kontrahenten erstmals aufeinander treffen…

Für absolut lächerliche 7.000 Dollar drehte Robert Rodriguez sein Erstlingswerk El Mariachi. Columbia Pictures wurde auf den kleinen Film aufmerksam, erwarb die Verleihrechte und investierte 200.000 Dollar für Nachbearbeitung und Vermarktung. Für die drei Jahre später veröffentlichte, englischsprachige Fortsetzung Desperado stand Rodriguez das 1000fache an Geld zur Verfügung. Für einen knalligen (Hollywood-)Actionfilm ist das freilich immer noch eher wenig Geld. Dennoch gelang dem auch für Kamera, Schnitt und Drehbuch verantwortlichen Regisseur ein solide inszenierter Streifen, der allerdings inhaltlich sehr zu wünschen übrig lässt.

Natürlich darf man bei einem solchen, auf Action und schickes Neo-Western-Ambiente ausgelegten Film, eine besonders ausgefeilte Story nicht unbedingt erwarten. Auch der Vorgänger war inhaltlich recht einfach gestrickt, aber dennoch hat die Handlung ganz ordentlich funktioniert. Bei Desperado ergibt der Plot aus meiner Sicht aber wenig bis gar keinen Sinn. Der Mariachi hat sich nämlich bereits am Verantwortlichen für den Mord an seiner Geliebten gerächt. Warum er also im zweiten Teil seine blutige Vendetta fortsetzt wird nicht wirklich schlüssig erklärt. Ein paar Motive werden übernommen, wie etwa die hübsche Frau, welche in die miesen Geschäfte der Gangster verwickelt ist, sich aber in den Helden verliebt. Diesen eher undankbaren Part spielt die mexikanisch-amerikanische Schauspielerin Salma Hayek (From Dusk till Dawn, Das Märchen der Märchen). Die Hauptrolle übernahm Spaniens Starakteur Antonio Banderas (Spy Kids, Leid und Herrlichkeit) aus dem ersten Teil von Carlos Gallardo, der hier wiederum eine kleine Nebenrolle ergatten konnte. Weitere „übliche Verdächtige“ aus Robert Rodriguez‘ Filmographie sind ebenfalls mit von der Partie, wie Cheech Marin (der mit Tommy Chong das Duo „Cheech & Chong“ bildete), Tito Larriva von der Band Tito & Tarantula und natürlich Danny Trejo (Machete) als Messer werfender, namen- und dialogloser Killer. Neun weitere gemeinsame Filme der entfernten Cousins Rodriguez und Trejo sollten folgen. Ein damals ähnlich aufstrebender Regisseur namens Quentin Tarantino durfte sich ebenso als Darsteller versuchen.

Insgesamt gelang mit Desperado aber vor allem aufgrund der flott und mit einer gehörigen Portion Selbstironie inszenierten blutigen Shootouts ein kurzweiliger Actionkracher, der zwar nicht ganz die gigantischen Geschütze auffährt, aber durch seinen eben nicht komplett unkaputtbaren Protagonisten und teils aberwitzige Situationen durchaus etwas für sich hat. 2003 wurde die „Mexico-Trilogy“ von Rodriguez mit dem noch prominenter besetzten Irgendwann in Mexiko vollendet.

Desperado ist auf DVD und BluRay erhältlich sowie bei diversen Streaminganbietern abrufbar.

Desperado
Actionfilm/Neo-Western USA 1995. FSK 18. 100 Minuten (PAL-DVD). Mit: Antonio Banderas, Joaquim de Almeida, Steve Buscemi, Salma Hayek, Cheech Marin, Quentin Tarantino, Danny Trejo, Carlos Gomez, Tito Larriva, Abraham Verduzco u.a. Drehbuch und Regie: Robert Rodriguez.

Credits
Bilder (c) Columbia/Sony.

 

 


Aequitas et Veritas

Zwischendurchgedanken

Meine Welt der Bücher 📚

Rezensionen und mehr (02012482970)

Neue Filmkritik

braucht das Land

Apokalypse Film

Schaut vor der Apokalypse keine schlechten Filme!

Klappe!

Das Filmmagazin

Bette Davis left the bookshop

Bücher, Filme und viel mehr

VERfilmt&ZERlesen

Wo Kafka und Kubrick sich treffen

Schreiben als Hobby, kreativ sein - Poetik für Anfänger

Aus den Aufzeichnungen der Skáldkonur: Wo Worte sich zu Texten fügen, ist es Zeit für den Barden seine Geschichten zu erzählen.

11ersfilmkritiken.wordpress.com/

Ich heiße euch herzlich auf meinem Blog willkommen.

Weltending.

Buch. Musik. Film. Serie. Spiel. Ding.

Adoring Audience

Kritiken zu Filmen, Serien und Theater

Blaupause7

die Pause zur blauen Stunde

The Home of Horn

What i like, what i don't. Short Reviews, Top-Lists, Interests.

Sneakfilm - Kino mal anders

Kino…DVD…Blu-ray…und mehr!

Filmexe - Blog über Filme und Serien

Filme und Serien werden bei uns besprochen, in Form von Kritiken und auch einem Podcast. Jede Woche gibt es zwei Filmkritiken zu Filmen die gerade im Kino laufen oder auch schon länger draußen sind, der Filmpodcast heißt Filmexe Podcast.

Miss Booleana

says "Hello World!"

Marcel Michaelsen

Selbsternannter Schriftsteller

Trivial

Vendetta Vorm - fast eklig polygam

flightattendantlovesmovies

Die Flugbegleiterin, die gerne gute Filme und Serien guckt und darüber schreibt.

28 Books Later

Schundliteratur und anderer Unfug

neuesvomschreibtisch

Serien, Filme, Leben

ergothek

Der Blog mit dem DeLorean

Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Singende Lehrerin

Tagebuch einer singenden, film-, serien- und theaterverrückten Lehrerin

Osnabrix - Xanders Blog

Ein Blog über Klemmbausteine, Filme, Fernsehen, Games, Bücher, Comics und sowas.

moviescape.blog

Texte über Filme, Serien, Popkultur, Laufen und das Vatersein.