Anthony Zimmer – Fluchtpunkt Nizza (Kurzkritik)

12. September 2017

Nach der schlappen Hollywood-Fälschung musste ich schließlich auch das Original dieses französischen Thrillers ansehen. Aber funktioniert dieser überhaupt noch, wenn man die Schlusswendung bereits kennt?



Zimmer, das Phantom

Wer ist Anthony Zimmer? Nicht der Bruder des Filmkomponisten Hans, sondern ein international gesuchter Verbrecher, der dank Geldwäsche sehr reich wurde. Nicht nur die französischen Behörden in Person von Akermann (Sami Frey) fahnden nach Zimmer, sondern auch die russische Mafia jagt den Betrüger. Weil er sein Aussehen durch plastische Chirurgie verändern ließ, kann Anthony Zimmer von niemandem identifiziert werden. Auf der Suche nach ihm reist die attraktive Chiara (Sophie Marceau) im TGV nach Nizza, wo sie sich zu dem unscheinbaren François Taillandier (Yvan Attal) setzt und ihm schöne Augen macht. In Nizza angekommen nimmt Chiara François mit in ihre Luxussuite und küsst ihn. Am nächsten Morgen wird François beinahe erschossen, kann jedoch aus dem Hotel fliehen. Nachdem er seine Geschichte der Polizei erzählt, wird Taillandier zur Behandlung seiner Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Doch auch dort ist er nicht sicher, weil man ihn nun für Anthony Zimmer hält…

Trotz Starbesetzung (Depp, Jolie), einem Oscar-Gewinner (Florian Henckel von Donnersmarck) auf dem Regie-Stuhl und Venedig als Kulisse war The Tourist aus meiner Sicht ein überaus langweiliges Unterfangen. 100 Millionen Dollar hat man ihn diesen Rohrkrepierer investiert, wobei der Großteil des Geldes sicherlich an die verschenkten Stars ging oder für Bestechungsgelder an die HFPA (Golden Globes) verschleudert wurde. Das Original zu diesem überaus schwachen Hollywood-Remake drehte Jerôme Salle (Largo Winch) in seinem Regiedebüt für „läppische“ 11 Millionen Euro. Auch wenn Anthony Zimmer (deutscher Titel: Fluchtpunkt Nizza) inhaltlich recht dünn gestrickt ist, so gelingt hier dank ansprechender Inszenierung mit ästhetisch komponierten Szenen ein solider Streifen, der seine kurze Laufzeit effektiv nutzt und auf reißerische Action verzichtet. Der Schlusstwist erscheint aber auch hier mehr als unlogisch, was das Gesamtbild leider etwas negativ beeinflusst. Bei meiner nächsten langen Zugfahrt treffe ich hoffentlich auch auf eine attraktive Frau, der ich mit ihrem Reißverschluss behilflich sein kann.

Fluchtpunkt Nizza (Anthony Zimmer)
Krimi Frankreich 2005. FSK 16. 85 Minuten. Mit: Yvan Attal, Sophie Marceau, Sami Frey, Gilles Lelouche, Daniel Olbrychski, Samir Guesmi u.a. Drehbuch und Regie: Jérôme Salle.

Bild (c) Studiocanal.


Der Kurzkritiken-Sommer #9: Barbarella

15. August 2016

Zu den Kultfilmen der wilden, späten 1960er gehört auch Roger Vadims Comicverfilmung Barbarella, mit seiner damaligen Ehefrau Jane Fonda in der Hauptrolle. Doch hält der Film auch in der Gegenwart noch was sein Status verspricht?

Kurzkritiken-Sommer_Cloud

In ferner Zukunft. Auf der Erde herrscht Frieden und Liebe. Kriege gibt es nicht mehr. Der Präsident der planetaren Regierung (Claude Dauphin) beauftragt Barbarella (Jane Fonda), die beste Astro-Navigatorin überhaupt, mit der Suche nach dem jungen Wissenschaftler Durand Durand, der eine tödliche Waffe entwickelt hat. Auf dem Planeten Tau Ceti gerät die Weltraumamazone sogleich in tödliche Gefahren, wird aber von einem Kinderfänger (Ugo Tognazzi) sowie später von einem blinden Engel (John Phillip Law) gerettet. In der dunklen Stadt Sogo, die von einem finsteren Tyrannen (Anita Pallenberg) beherrscht wird, soll sich Durand Durand befinden…

Barbarella_DVDSo geht spaßiger und unterhaltsamer Trash möchte man den Machern uninspirierter Billigkopien (The Asylum), italienischen Schmalspur-Epigonen (Luigi Cozzi) sowie allen anderen B- bis Z-Movie-Produzenten zurufen und sie zwingen, sich Barbarella anzusehen. Denn das bonbonbunte Weltraum-Abenteuer von Regisseur Roger Vadim (…und immer lockt das Weib) zelebriert mit grenzenlos-kreativem Setdesign und extravagantem Kostümbild eine naive, aber selbstironische Zukunftsvision von damals, als quasi Typen wie Austin Powers noch als Sexsymbole und nicht als Nerds galten. Auf der Erde gibt es den „herkömmlichen“ Sex nicht mehr, stattdessen verpasst man sich erotisches Vergnügen durch psychedelische Wunderpillen. Das hält unsere erotische Heldin aber nicht davon ab, als „Belohnung“ für erfolgreiche Rettungsaktionen ihren Körper anzubieten. Der blinde und flügellahme Engel Pygar gewinnt seine Fähigkeit zu Fliegen dadurch zurück, dass er mit Barbarella… Auch ansonsten ist die einfach gestrickte Story nur Gerüst, um das titelgebende Space Babe (und den Zuschauer) von einer kuriosen Situation in die nächste zu bringen. Eine dunkle Königin, die auf Frauen steht, ihr verrückter Concierge, der Barbarella mit seinem großen Musikinstrument zu Tode „orgeln“ will, dazu der vertrottelte Rebellenführer, Starpantomime Marcel Marceau als Orchideen fressender Professor Ping und Frauen, welche durch eine Wasserpfeiffe den „Extrakt des Mannes“ rauchen. Das alles und noch viel mehr ergibt diesen Lavalampen-getränkten Camp-Cocktail, der durch die teilweise behämmerten Dialoge und die flotte Musik prächtig unterhält.

7-10Barbarella
Science-Fiction-Film Frankreich/Italien 1968. FSK 16. 94 Minuten. Mit: Jane Fonda, John Phillip Law, Milo O’Shea, Anita Pallenberg, David Hemmings, Marcel Marceau u.a. Regie: Roger Vadim. Nach den Comics von Jean-Claude Forest.

Bild (c) Paramount.


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