Penny Dreadful – Das Serienfinale

6. Juli 2016

Eigentlich wollte ich die neuen Folgen von Penny Dreadful beim vorletzten Serien-Montag besprechen. Doch technische Probleme beim Streaminganbieter sorgten dafür, dass ich die beiden Episoden (die, wie ich zwischenzeitlich erfahren musste, das Serienfinale darstellen) erst später sehen konnte…

Warnung: Spoiler zu den letzten beiden Episoden!!!

Penny Dreadful_Cloud

Mit den letzten beiden Folgen der dritten Staffel (3×08/3×09) endet die in vielerlei Hinsicht geniale Horrorserie aus der Feder von Drehbuchautor John Logan (der zum Beispiel an den Scripts der letzten beiden James Bond-Filme beteiligt war). Da ich den Schock über den Verlust einer der, meiner geringen Ansicht nach, besten Serien seit langem erst einmal verdauen musste, hat es zwei Wochen bis zur Fertigstellung der Besprechung des Finales gedauert. Kommen wir nun zu den letzten 100 Minuten eigenwilliger und intensiver viktorianischer Phantastik aus dem Pay-TV.

3×08 „Perpetual Night“ / 3×09 „The Blessed Dark“

44 Minuten (3×08), 56 Minuten (3×09). Drehbuch: Krysty Wilson-Cairns (8), John Logan (9).
Regie: Damon Thomas (8), Paco Cabezas (9).

„And then all light will end and the world will live in darkness.The very air will be pestilence to mankind. And our brethren, the Night Creatures, will emerge and feed. Such is our power, such is our kingdom, such is my kiss.“ Vanessa Ives (Eva Green)
Penny Dreadful_3x09_Titel


Eigentlich hatte ich angefangen, jede einzelne Szene, oder zumindest jede wichtige, der beiden letzten Episoden aufzudröseln. Aber die Sache wurde mir nach einigen Tagen zu aufwändig. Daher werde ich mich auf die Analyse einzelner, besonderer Stellen beschränken.

Obigen Monolog (in fett und kursiv), der von Vanessa Ives zu Beginn der achten Folge gesprochen wird, ist neben der Abspielung einer Tonbandaufzeichnung das Einzige, was wir von der Figur erst einmal mitbekommen. Zu sehen gibt es die frischgebackene Dracula-Braut erst wieder in der allerletzten Episode.

Nachdem sich Frankensteins Kreatur (dessen richtigen Namen wir nie erfahren) wieder an sein Leben vor dem Tod erinnern konnte und die Wiedervereinigung mit seiner Familie, Ehefrau Marjorie und Sohn Jack, erfolgte, erliegt Jack wenig später seiner schweren Krankheit (da er öfter Blut hustete vermutlich Tuberkulose). Diese Szenen werden ruhig und pietätvoll gestaltet. Leider hat die Kreatur Marjorie von seiner Wiedererweckung durch Doktor Frankenstein erzählt und genau dieses Wunder erwartet die Gattin für den gerade verstorbenen Sohn. John Clare versucht ihr zu erklären, was diese Prozedur für entsetzliche Folgen haben kann, doch sie will nichts davon hören und verlangt von ihrem Mann den Sohn wieder lebendig machen zu lassen oder gar nicht zurück zu kommen. Und wieder bleibt der armen Kreatur von Frankensteins Gnaden ein Happy End verwehrt. In Rory Kinnears grandiosem Spiel manifestiert sich diese eindringliche Traurigkeit.

Penny Dreadful_3x08_LigaWas die Endzeitstimmung angeht, werden alle Register gezogen. Nebel und Dunkelheit umgeben London. Ratten bevölkern die Straßen, Kröten kriechen aus den Kanälen durch die Leitungen. Eine endlose Nacht wie es scheint. Malcolm, Ethan und Gaetana ziehen gemeinsam mit den Dres. Frankenstein und Seward sowie der ebenfalls kampferprobten Thanatologin Catriona Hartdegen in den Kampf gegen die Vampire und ihren Fürsten.

Zuvor entschließt Victor Frankenstein sich, Lily doch nicht durch das neue Wundermittel in eine „ordentliche Frau“ zu verwandeln. In einer intensiven Performance von Schauspielerin Billie Piper gelingt es der Unsterblichen ihrem Schöpfer klar zu machen, dass ihre Identität nicht nur aus der ursprünglich naiven, unschuldigen Lily besteht, sondern auch aus dem von allen Schattenseiten, die man sich vorstellen kann, geprägten Leben von Brona, die sich als Straßendirne verdingte und deren Tochter im Säuglingsalter gestorben ist. Victor lässt Brona/Lily schließlich ziehen („It’s too easy being monsters. Let us be humans then.“). Da kehrt Dr. Henry Jekyll von seinem Rundgang im Bedlam-Krankenhaus zurück und verkündet, dass sein verhasster Vater endlich Löffel und Adelstitel abgegeben hat. Victor gratuliert seinem Kollegen und nennt ihn bei seinem neuen Titel: Lord Hyde. Bei dem Foreshadowing zu Beginn der Staffel ist das natürlich eine eher enttäuschende Auflösung von Dr. Jekyll und Mr. Hyde, aber näher betrachtet haben wir mit Brona Croft/Lily Frankenstein schon eine entsprechende Figur. Von daher ist es kein totaler Reinfall.

Penny Dreadful_3x08_DorianDorian Gray verbannt die Prostituierten, die im Ballsaal seiner großen Villa als Mitglieder von Lilys Slasher-Suffragetten-Bewegung zusammengefunden hatten, aus seinem Haus, und zwar dorthin zurück, wo sie hergekommen sind. Justine, die Chefacolytin, kann nicht zurück, schließlich wurde sie vor dem sicheren Tod in einem gruseligen Folterkeller gerettet. Dorian sieht das ein und nach einem letzten Kuss gibt er dem jungen Mädchen den Gnadengenickbruch. Subtil wird hier die letzte Szene zweier anderer Figuren angedeutet. Als Lily aus ihrer Gefangenschaft zurückkehrt, steht Dorian teilnahmslos im großen Saal, Justines Leichnam immer noch am Boden, als ob sie lediglich schliefe. Kurz vor dem Endkampf noch der Abschied von den beiden „Beloved Immortals“. Dorian Gray bekommt die Gelegenheit, seine letzten Szene in der Serie denkwürdig zu gestalten, mit einem ungemein poetischen Monolog:

„Do you not yet comprehend the wicked secret of the immortal? All age and die, save you. All rot and fall to dust, save you. Any child you bear becomes a crone and perishes before your eyes. Any lover withers and shrinks into incontinence and bent, toothless senility. While you, only you, never age. Never tire. Never fade. Alone. But after a time, you’ll lose the desire for passion entirely, for connection with anyone. Like a muscle that atrophies from lack of use. And one day you’ll realize you’ve become like them. Beautiful and dead. You have become a perfect, unchanging portrait of yourself.“ Dorian Gray (Reeve Carney)

Penny Dreadful_3x09_Dorian und die GemaeldeTolles Schlusswort für einen Unsterblichen, der anschließend fast verloren in seiner Halle steht, deren Wände von unzähligen Gemälden bedeckt sind. Wenn das kein Bewerbungsvideo für einen „Production Design Emmy“ ist! Und das Grammophon spielt Casta Diva aus der Oper Norma von Bellini.

Auch wenn das Finale von Penny Dreadful insgesamt recht antiklimatisch aufgezogen wird, so muss ein heftiger Showdown von Malcolm, Ethan, Kaetenay, Victor, Catriona und Dr. Seward gegen die Vampir-Schergen von Dracula schon sein, nach einer kurzen Begegnung mit Dracula himself, der seinen Schlachthausbesuchern freies Geleit und langes Leben anbietet. Doch das heterogene Sextett stürzt sich todesmutig ins Kampfgetümmel und gewinnt die Oberhand. Zwar können es unsere Helden mit der übermenschlichen Kraft Draculas nicht aufnehmen, aber Ethan gelingt es, fast unbemerkt zu entkommen und er macht sich auf die Suche nach Vanessa. Die ist auch nicht schwer zu finden. Denn der Weg in ihr „Refugium“ ist mit unzähligen Kerzen ausgelegt.

Penny Dreadful_3x09_VanessaIn einem Raum mit noch viel mehr Kerzen, der dem Mittelpunkt einer Kirche ähnelt findet er sie. Sie trägt ein graues, gewickeltes Kleid. Ihr Gesicht ist totenbleich, die Augen rot unterlaufen. Ethan bittet sie, mit ihm zu kommen, doch Vanessa weigert sich. Sie kann nicht weiter davonlaufen, nicht von sich selbst. Ethan erklärt ihr, dass auch er am Rande des Abgrunds stand, aber seinen Tiefpunkt überwunden hat. Vanessa hält dagegen. Ihr ewiger Kampf muss endlich enden. Schließlich erinnert Vanessa Ethan an ihr gemeinsames Schicksal: er muss ihr helfen, die Mächte der Finsternis zu besiegen, um dadurch das Ende aller Tage zu verhindern. Ethan weigert sich, das zu tun, was Vanessa gleich von ihm verlangen wird. Unter Tränen nimmt sie seinen Revolver und legt die Waffe in seine rechte Hand („With a kiss. With love.“). Dem letzten Kuss folgt das bewegendste „Vater Unser“ der ganzen Film- und Fernsehgeschichte. Dann drückt Ethan ab und hält die sterbende Vanessa im Arm, die mit ihrem letzten Atemzug Frieden findet.

Im Schlachthof sind Ethans Mitstreiter alle am Boden. Dracula droht gerade Malcolm zu erwürgen. Doch er wendet sich ab, weil er gewahr wird wie Ethan mit Vanessas Leichnam auf den Armen hervortritt. Voller Trauer sind die Blicke von Malcolm, Victor und den anderen, während die Sonne durch ein riesiges Loch im Dach herunterscheint. Das erste Mal seit Wochen. Der Nebel legt sich. London erwacht wieder zum Leben.

Malcolm und Ethan sinnieren über die Zukunft. Beide haben ihre Familien verloren, Malcolm spätestens mit seiner „Tochter“ Vanessa. Caliban/John Clare übergibt den toten Körper seines Sohnes nicht etwa an Victor Frankenstein sondern dem Fluss. WährendVanessas Sarg transportiert wird, Malcolm, Victor, Ethan, Catriona, Kaetenay und Dr. Seward an ihrem Grab stehen und Caliban aus der Ferne mittrauert, rezitiert er das Gedicht Ode: Intimations of Immortality (1804) des englischen romantischen Dichters William Wordsworth (1770-1850). Als die anderen Trauernden gegangen sind, kniet Caliban an Vanessas Grab.

THE END

Natürlich ist es nachvollziehbar, dass diese so tolle Serie mit dem Tod der zentralen Figur endet. Aber dennoch macht sich bei mir als großem Fan (und sicherlich auch bei anderen) Wehmut breit, ob des noch vorhandenen Potenzials der von Logan auf Basis der viktorianischen Phantastik adaptierten und erschaffenen Figuren. Auch wenn das Mysterium um Dorian Gray den Hauptreiz der Figur ausmacht, so hätten wir gerne mehr über den unsterblichen Dandy erfahren, z.B. wie lange er wirklich schon auf Erden weilt.

Wie würde eigentlich eine Begegnung von Ethan mit Brona/Lily aussehen? Und was spricht eigentlich für eine Spinoff-Serie mit dem Titel „The Immortals“, mit Dorian Gray, Brona Croft/Lily Frankenstein, Caliban/John Clare und Dracula in den Hauptrollen? Denn der von Christian Camargo (The Hurt Locker, House Of Cards) charismatisch verkörperte Vampirfürst verliert zwar durch den Tod seiner Geliebten unmittelbar seine Macht, stirbt aber nicht. Im Grunde genommen weiß man als Zuschauer gar nicht, was nach dem Finale mit ihm passiert. Eine von mehreren offenen Fragen am Ende.

Als Kandidaten für ein Nachfolgeprojekt würden sich theoretisch auch Sir Malcolm, Ethan und Catriona Hartdegen empfehlen, die gemeinsam ihren Kampf gegen die lauernden, dunklen Mächte mit der Lösung mysteriöser Fälle in London fortsetzen. Ägyptologe Ferdinand Lyle (den wir im PD-Finale schmerzlich vermisst haben) und Kaetenay könnten als Berater fungieren. Auch die Zukunft des noch jungen Victor Frankenstein birgt Potenzial für weitere Stories aus John Logans viktorianischer Feder. Doch ob und was für eine Fortführung es von Penny Dreadful überhaupt geben wird, das weiß nur Master Logan allein.

Der Schock über das für alle Fans plötzliche Serienende sitzt noch tief. Es heißt zwar im Volksmund: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Aber im Falle von Penny Dreadful hätten wir gerne noch mehr Schrecken im Sinne von ausgeklügeltem Horror erlebt. Um es mit einem Episodentitel aus der 2. Staffel zu sagen: Glorious Horrors.

9-10Penny Dreadful

PrintHorrorserie USA/UK/Irland 2014-2016. 27 Folgen in 3 Staffeln. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren.
In den Hauptrollen:
Timothy Dalton, Eva Green, Josh Hartnett, Reeve Carney, Rory Kinnear, Billie Piper, Harry Treadaway, Danny Sapani, Simon Russell Beale, Helen McCrory, Patti LuPone, Wes Studi.
In weiteren Rollen:
Douglas Hodge, Sarah Green, Olivia Llewellyn, Shazad Latif, Christian Camargo, Noni Stapleton, Samuel Barnett, Stephen Lord, Jessica Barden, David Haig, Jonny Beauchamp u.a.
Idee:
John Logan. Drehbuch: John Logan, Andrew Hinderaker, Krysty Wilson-Cairns.
Regie: Damon Thomas, James Hawes, Brian Kirk, Pace Cabezas, J.A. Bayona, Coky Giedroyc, Dearbhla Walsh u.a. Kamera: John Conroy, Owen McPolin, Nigel Willoughby, P.J. Dillon, Xavi Giménez. Schnitt: Michele Conroy, Christopher Donaldson, Geoff Ashenhurst, Aaron Marshall, Jaume Martí, Bernat Vilaplana, Gareth C, Scales. Szenenbild: Jonathan McKinstry. Kostüme: Gabriella Pescucci. Musik: Abel Korzeniowski.

Bilder und Dialogzitate (c) Showtime/John Logan.


Der geniale Serien-Montag (8)

20. Juni 2016

Der heutige geniale Serien-Montag hätte das Mega-Event werden können. Wurde er aber nicht, nicht ganz…

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Vorsicht, Spoiler zur Folge 6×09 von Game Of Thrones!!!

 

Game Of Thrones: 6×09 „Battle Of the Bastards“

Drehbuch: David Benioff & D.B. Weiss. Regie: Miguel Sapochnik.

Zu den Eigenheiten (man könnte auch sagen Alleinstellungsmerkmalen) von Game Of Thrones gehört, dass nicht jedes Staffelfinale den Höhepunkt bildet, sondern das Highlight der Season, sei es ein schockierendes Ereignis (wie der Tod von Ned Stark, die Rote Hochzeit, die im Nachhinein betrachtet sinnlose Opferung eines Kindes) oder eine Schlacht als produktionstechnischer Kraftakt (wie die Episoden „Blackwater“ oder „The Watchers On The Wall“). Seit Staffel 4 häufen sich die schockierenden Entwicklungen aber derart, dass diese auch in den jeweiligen 10. Folgen vorkommen. Vor allem die aktuelle 6. Season war nicht arm mit Höhepunkten jeglicher Art. Doch mit „Battle Of The Bastards“ liegt endlich wieder eine klassische „Folge 9“ vor, die sich gemäß dem Titel mit der Schlacht der zwei Bastarde Jon Snow und Ramsay Bolton (ehemals Snow) befasst. Doch nicht nur.

Game Of Thrones_6x09_PaktBevor es im Norden heiß her geht, beginnen wir in Mereen. Die Pyramidenstadt wird gerade von der Schiffsarmada der anderen Sklavenstädte (Astapor, Yunkai) angegriffen. Daenerys berät sich mit Tyrion über das weitere Vorgehen. Der Lannister-Gnom erklärt ihr, dass sie auf „gutem“ Weg ist in die Fußstapfen ihres wahnsinnigen Vaters zu treten und was dieser mit der Bevölkerung von King’s Landing vorhatte, bevor ihn Jaime tötete. Dany, Tyrion, Missandei und Grey Worm treffen sich zu Verhandlungen mit dem Sklavenmeister-Triumvirat. Die Drachenkönigin pokert wiedermal hoch, schließlich hat sie nicht nur ein, sondern gleich drei Asse im Ärmel. Dany (auf Drogon) und ihre Drachen erheben sich in die Lüfte, flambieren die angreifenden Schiffe während Daario Naharis mit den Dothraki-Horden die Gegner auf dem Landweg angreift.

Zwischenzeitlich sind die Greyjoy-Geschwister in Mereen eingetroffen und bei der Königin vorstellig geworden. Nachdem Tyrion seinen alten „Bekannten“ Theon abgecheckt hatten, entdecken Dany und Yara/Asha ihre Gemeinsamkeiten (schrecklicher Vater, Vorreiterrolle als Herrscherinnen). Die beiden Leading Ladies schließen einen Pakt, um gemeinsam Westeros zu erobern. Schließlich befehligt Yara etwa 100 Schiffe und von der Sklavenmeister-Armada ist ja auch noch ein wenig übrig, auch wenn das sicherlich nicht für den Transport der gesamten Streitmacht (Eunuchenkrieger, Dothraki-Heer und Söldnertruppe) reicht. Mal sehen, ob Yara & Co ihr Wort halten und nie wieder Wikinger-Seeräuber spielen.

Game Of Thrones_6x09_SchildeDoch nun zum Kampf um Winterfell. Jon, Sansa, Davos und Tormund treffen sich vor der Schlacht mit der Gegenseite in Person von Ramsay, Lord Karstark und Lord Umber. Jon bietet Ramsay an, dass ein Zweikampf zwischen ihnen beiden die Entscheidung bringen soll. Ramsay lehnt ab, vor allem weil er weiß, dass sein Heer von ca. 6.000 Mann den Starks und ihren Verbündeten mehr als 2:1 überlegen ist. Beim anschließenden Strategiegespräch weist Sansa ihren Halbbruder nachdrücklich daraufhin, dass er Ramsay nicht kenne und drohe auf dessen perfide Spielchen herein zu fallen. Das passiert dann auch.

Als sich die beiden Heere vor Winterfell gegenüber stehen, zieht der Bolton-Lord seine nächste „Demoralisierungs-Karte“. Er schleppt den jüngsten Stark-Sprössling Rickon an die Front, lässt ihn frei und zwingt ihn, zu Jon zu rennen. Jon reitet seinem Bruder entgegen, bevor er ihn aber erreichen kann, trifft Rickon ein tödlicher Pfeil von Ramsay. Wutentbrannt prescht Jon auf das Bolton-Heer zu, doch ein Pfeilhagel streckt sein Pferd nieder. Es sieht nicht gut für den Ex-Lord Commander aus, die Reiterei der Boltons rast unaufhaltsam auf ihn zu. Doch bevor Jon niedergetrampelt wird, rauscht rechtzeitig die Stark-Kavallerei heran und die Schlacht beginnt. Im Gemetzel Verluste auf beiden Seiten.

Die Stark-Truppen suchen Schutz hinter dem aufgetürmten Berg von Leichen, doch die Bolton-Soldaten kesseln sie von den anderen drei Seiten mit Schilden und Lanzen ein, ziehen den Todeskreis immer enger und drohen die Feinde zu zerquetschen. Der Riese Wun Wun und Tormund versuchen ihr bestes, die gegnerischen Schildreihen zu durchbrechen, aber es sieht düster aus. Als Smalljon Umber seine Truppen über den Leichenberg in den Todeskreis führt, geraten die Wildlinge in Panik und zertrampeln Jon fast. Gerade als er sich wieder aufrappeln kann, ertönt es aus der Ferne. Die Truppen aus dem Grünen Tal (mit Littlefinger) sind da. Das Blatt ist zugunsten der Starks gewendet. Im Angesicht seiner Niederlage zieht sich Ramsay nach Winterfell zurück, doch Jon, Tormund und Wun Wun sind ihm auf den Fersen. Von Pfeilen durchlöchert durchbricht Wun Wun die Tore der Burg, überlebende Wildlinge strömen ein. Zwar gelingt es Ramsay mit seinem letzten Pfeil den Riesen zu töten, doch steht er nun allein da. Ramsay feuert weitere Pfeile ab, Jon pariert diese per Schild. Anschließend schlägt Jon Ramsay fast zu Brei, bis es ihm in den Sinn kommt, wem es gebührt, den sadistischen Lord Bolton zu erledigen. Sansa ist es, die ihrem blutverschmierten, verhassten Ehemann Ramsay als letzte begegnet, bevor er im Zwinger, an einen Stuhl gefesselt, von seinen eigenen Hunden (die er sieben Tage nicht füttern lies) zerfleischt wird. Ein würdiges Ende für einen, selbst für GoT-Verhältnisse, extrem widerlichen Mann.

In der nächsten Folge, mit vsl. 69 Minuten die längste bisher, ist dann aber sicherlich nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Denn in seinem nächtlichen Spaziergang vor der Schlacht hat Davos die Feuerstelle gefunden, auf der Stannis auf Geheiß von Melisandre seine Tochter Shireen opfern ließ. Der Zwiebelritter hat also noch ein Hühnchen mit der Roten Frau zu rupfen.

Am Ende noch ein paar Zahlen zu dieser eindrucksvollen, authentischen Schlacht: 25 Drehtage, 500 Statisten, 600 Crewmitglieder und 80 Pferde. Und obwohl der eigentliche Kampf nur etwa 15-20 Minuten dauert, wirkt er physisch, psychisch und optisch so mitreißend, wie es eine mittelalterliche oder anderweitig historische Schlacht in Film und Fernsehen bisher kaum war. „The Watchers On The Wall“, „Hardhome“ und „Battle Of The Bastards“ sind definitiv die drei Serienfolgen mit den besten Kampfszenen der Fernsehgeschichte. Bei den letzten beiden führte Miguel Sapochnik Regie, der auch das kommende Staffelfinale „The Winds Of Winter“ inszenierte. Vermutlich ist dieser Titel auch ein Wink mit dem zerbrochenen Winterfell-Tor in Richtung George R.R. Martin, endlich einmal den sechsten Band von A Song Of Ice And Fire namens The Winds Of Winter fertig zu kriegen.

Penny Dreadful, 3×08 „Perpetual Night“ / 3×09 „The Blessed Dark“

PrintEigentlich wollte ich an dieser Stelle auch von einer oder zwei neuen Folgen von Penny Dreadful berichten. In den USA ging letzte Nacht die dritte Staffel (und wie ich gerade lesen musste leider auch die Serie an sich) mit beiden noch verliebenen Episoden (3×08/3×09) zu Ende. Ich habe daher damit gerechnet, dass schlimmstenfalls nur eine am heutigen Montag auf Netflix verfügbar sein wird (und die andere dann nächste Woche) oder dass im Idealfall beide Folgen heute beim Streamingdienst online gehen.

Doch anscheinend will Netflix mir (und allen anderen Kunden, die Fans von Logans Serie sind) einen Streich spielen, denn die neuen Folgen (oder nur eine der beiden) sind bis jetzt (Montag, 20.06.2016, 23:00 Uhr) nicht verfügbar. Woran mag es liegen? Kommt das Synchronstudio nicht mit dem Synchronisieren nach? Gibt es ein technisches Problem bei Netflix? Wollen die Mächte der Finsternis verhindern, dass die Folgen außerhalb Nordamerikas gezeigt werden? Stell dir vor, Penny Dreadful zelebriert mit einem doppelten Finale seinen Abschluss und kein Netflix-Abonnement kann es sehen.

Sobald Netflix die beiden ausstehenden Episoden nachreicht, werde ich sie sehen und dann natürlich wenig später mit einer würdigen Besprechung zelebrieren. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

To be continued…

Bilder: HBO/Showtime.


Der geniale Serien-Montag (7)

15. Juni 2016

Aus aktuellem Anlass (nennt sich Fußball-EM) gibt’s die Recaps zu den neuen Folgen von Game Of Thrones und Penny Dreadful diese Woche einen Tag später.

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Vorsicht, Spoiler zur Folge 6×08 von Game Of Thrones sowie 3×07 von Penny Dreadful!!!

 

Game Of Thrones, 6×08 „No One“

Drehbuch: David Benioff & D.B. Weiss. Regie: Mark Mylod.

Game Of Thrones_6x08_WaifDie heutige Folge wirkt allgemein um einiges schwächer als die letzten paar. Höchstwahrscheinlich hat sie aber nur das große Problem, dass die vorkommenden Handlungsstränge weitgehend antiklimatisch verlaufen. In Braavos findet Cersei-Darstellerin Lady Crane die verwundete Arya in ihrer Umkleide, nimmt sie mit nach Hause in ihre Wohnung (ich dachte die Schauspieler schlafen alle hinter der Bühne) und verbindet ihre Wunden. Nach einer Nacht Mohnblumensaft-induziertem Schlaf erwacht Arya, um die hilfsbereite Starschauspielerin tot aufzufinden, ermordet von The Waif. Arya und die finstere Frau (die wie ein Terminator rennt) liefern sich eine Parcours-Verfolgungsjagd durch die Straßen der Stadt. Obwohl wir diese Staffel schon gefühlte 1.000 Szenen mit den beiden Kämpferinnen, die sich gegenseitig auf die Mütze hauen, gesehen habe, ist es etwas schade, dass Arya ihre Gegnerin im Off tötet. Arya ist jetzt endgültig nicht mehr Niemand, sondern wieder sie selbst. Das Rückfahrticket ist schon gebucht. An dieser Stelle muss ich auch ein wenig meiner Enttäuschung Ausdruck verleihen, dass die im Netz kursierten Theorien zu Aryas merkwürdigem Verhalten in der letzten Folge (plötzlich war sie Rechtshänderin, außerdem marschierte sie trotz der bekannten Bedrohung durch The Waif sorglos durch die Gegend) hier überhaupt nicht zutreffen. Gerade die Vermutung, dass die Arya in Episode 6×07 gar nicht Arya war, erschien mir sehr plausibel. Aber was soll’s.

Sandor Clegane alias der Bluthund hat die Übeltäter, die seine neuen friedlichen Freunde massakriert haben, gleich gefunden und spaltet ihre Schädel, Unterleiber usw. mit seiner Axt. Dann trifft er auf die Bruderschaft ohne Banner und es gibt ein Wiedersehen mit Robin Hood Beric Dondarrion (immer noch/wieder am Leben) und Bruder Tuck Thoros von Myr, die ihm erlauben bei der Hinrichtung der Abtrünnigen mitzuhelfen. Somit eröffnet sich für Sandor eine neue Karriereoption (statt einfach nur sich den Weg frei zu metzeln): Kampf mit der Bruderschaft gegen die eisige Bedrohung von jenseits der Mauer.

Ebenfalls in den Flusslanden geht die Belagerung von Riverrun durch das Lannister-Heer unter Ser Jaime weiter. Da taucht Brienne auf und verhandelt erst mit Jaime und dann mit dem Blackfish. Allerdings gelingt es der Ritterin nicht, den Blackfish davon zu überzeugen, mit Riverrun seine Heimat aufzugeben, um für seine Großnichte Sansa gegen die Boltons zu kämpfen. Mit manipulativer Überzeugungsarbeit und einer List gelingt es Jaime, die Burg friedlich einzunehmen. Der Blackfish zieht es vor, in einem letzten Kampf zu sterben anstatt mit Brienne per Boot zu fliehen.

In King’s Landing darf der andere (und viel größere) Clegane-Bruder einem „Kampfspatzen“ den Kopf abreißen, eine Machtdemonstration von Cersei gegenüber ihrem Cousin Lancel und seinen Glaubensbrüdern, die bewaffnet im Red Keep auftauchen, um die Königsmutter zum Hohen Spatzen zu zitieren. Doch Cerseis Freude währt nicht lange, denn ihr Sohn, König Tommen, der vom militanten Glauben manipuliert wurde, hat dem Hofe Neuigkeiten zu verkünden. Das Datum für die Verhandlung von Cersei und Loras Tyrell wird festgelegt. Und das Urteil per Zweikampf für illegal erklärt. Also nichts mit Frankenmountain als unüberwindbare Rechtsschutzversicherung.

In Mereen erleben wir leider den x-ten Versucht von Tyrion aus den Spaßbremsen Grey Worm (sein Name in Valyrisch klingt immer noch wie „puerco nudo“, was auf Spanisch soviel wie „nacktes Schwein“ bedeutet) und Missandei lustige Gesellen zu machen. Immerhin Missandeis Dolmetscher-Witz ist ganz ordentlich. Rechtzeitig bevor völlige Peinlichkeit und Langeweile eintritt, greift die Flotte der Sklavenmeister an, mit denen Tyrion eigentlich ja eine Art Frieden geschlossen hat. Es war auch in den letzten Folgen verdächtig ruhig. Die Pyramiden werden bombadiert. Da landet etwas auf dem Dach. Es ist Daenerys, die auf Drogon mal schnell hergeflogen ist.

Die nächste (und vorletzte Episode der 6. Staffel) wird sich getreu dem Titel „Battle Of The Bastards“ fast ausschließlich mit dem Kampf der Starks gegen die Boltons um Winterfell befassen. Aber es gibt ja auch noch eine Schlacht um Mereen. Let the battles begin!

Penny Dreadful, 3×07 “Ebb Tide”

Drehbuch: John Logan. Regie: Paco Cabeza.

Die Kameraeinstellung von oben auf die schlafende Vanessa ähnelt frappierend einer Szene mit Arwen aus Peter Jacksons Herr der Ringe-Trilogie (siehe Bildvergleich unten). Dr. Sweet/Dracula gibt sich nach der ersten gemeinsamen Nacht mit Miss Ives aber noch nicht zu erkennen. Das Museum bietet eine grandiose Kulisse, mit seinen unzähligen ausgestopften Tieren.

Die Eingangsszene gehört allerdings der Revolutionärin Lily, die an einem Kinderfriedhof einer hinterbliebenen Mutter Trost spendet, bevor sie zum Grab ihrer eigenen, im Säuglingsalter verstorbenen, Tochter geht. In Dorians Anwesen haben Lily und Justine die Frauen ihrer Bewegung an einer großen Tafel versammelt. Lily ruft ihre Schwestern dazu auf, den bösen Männern eine Hand abzuhacken. Hausherr Dorian sitzt eher teilnahmlos daneben. Man denkt, dass ihm diese ganze blutrünstige Suffrageten-Slasher-Sache nicht geheuer ist. Doch beim Spaziergang enthüllt er Lily, dass ihn diese Frauen-Revolution wie alle Revolutionen in den letzten Jahrhunderten, die der Unsterbliche ja persönlich erlebt hat, langweilt. Schließlich „übergibt“ Dorian seine unsterbliche Hälfte an ihren Schöpfer Dr. Frankenstein, der jetzt endlich mit dem neuen Wunderserum die „alte“, friedliche, liebliche Lily zurückholen kann. Wunderbare Dialektik beim Drehbuch von Meister John Logan. Lily predigt vor ihren Mitstreiterinnen gegen die Unterdrückung und Erniedrigung von Frauen, um selbiges Schicksal dann selbst zu erleiden. Ob die Medizin wirkt, erfahren wir erst nächste Woche.

Ein unverwartetes Happy End erlebt Frankensteins Kreatur/John Clare. Er besucht Vanessa und sie rät ihm, sich seiner Familie zu erkennen zu geben. Das macht John auch und am Ende hält er seinen kranken Sohn in den Armen. Der Vater ist wieder mit Ehefrau und Kind vereint. Eine bewegende Szene mit gewohnt eindringlicher musikalischer Untermalung von Abel Korzeniowski. Warum gibt es eigentlich bisher nur eine Soundtrack-CD zu ersten Staffel?

Als Kaetenay mal wieder einen Pfeiffen-Trip einschmeißt, erkennt er, dass Vanessa in Gefahr ist und das Ende aller Tage bevorsteht. Daher beeilen sich Malcolm und Ethan mit ihrer Rückreise nach London. Nachdem Vanessa sich erneut mit der Thanatologin Dr. Hartdegen (wie könnte eine passionierte Fechterin sonst heißen?) trifft und diese alle ihre zuverlässigen Informationen über Dracula ausbreitet, wird es der vom Teufel und Vampiren Verfolgten klar, wer der „Drache“ ist. Natürlich werden die gängigen Vampirmythen hier als Aberglauben und Fiktion entlarvt.

Bewaffnet mit einem Revolver kehrt Vanessa ins Museum zurück, um Draculas sterbliches Sein in Person von Dr. Alexander Sweet zu töten. Doch mit einem ehrlich wirkenden Liebesbekenntnis kann der süße Obervampir Vanessa betören und erstmals ihren Hals mit seinen Zähnen durchbohren. Morbide Romantik.

Kommt jetzt, wo Vanessa zur dunklen Seite der Macht übergegangen ist, das vielbeschworene Ende der Welt? Die Herrschaft der Kreaturen der Nacht?

…for the night is dark and full of terrors.“

 

Arwen liegend

Penny Dreadful_3x07_Vanessa liegend

To be continued…

Bilder: HBO/Showtime/Warner Bros.


Der geniale Serien-Montag (6)

7. Juni 2016

Nach der heutigen sechsten Ausgabe des genialen Serien-Montags folgt leider die Erkenntnis, dass dise Rubrik vergänglich ist. Denn die neuen Staffeln von Game Of Thrones und Penny Dreadful beinhalten nur noch je drei Folgen. Aber erst einmal meine Recaps zu „The Broken Man“ und „No Beast So Fierce“…

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Vorsicht, Spoiler zur Folge 6×07 von Game Of Thrones sowie 3×06 von Penny Dreadful!!!

Game Of Thrones: 6×07 „The Broken Man“

Drehbuch: Bryan Cogman. Regie: Mark Mylod.

Einer der beiden titelgebenden Männer ist DER Rückkehrer dieser Staffel: Sandor Clegane. Nachdem ihn Brienne vor 17 Folgen fast totgeschlagen hat, lebt er nun als Holzfäller beim gutmütigen Ex-Soldaten und Amateur-Septon Ray (Ian McShane in einer einmaligen Gastrolle) und dessen Gemeinschaft friedlicher, einfacher Leute, die sich zwecks Überleben zusammengetan haben und schon fleißig an einer kleinen Kapelle zimmern. Doch während Sandor im Wald frisches Holz besorgt, wird seine neue Familie leider dahingemetzelt. Westeros ist kein gutes Pflaster für Pazifisten. The Hound is back.

Nachdem der militante Glaube/Orden Tommen eingelullt und Margaery scheinbar bekehrt hat, ist die Oma (Oleanna Tyrell) der Königin zerknirscht und verheimtlich dies Cersei gegenüber auch nicht. Wie immer sind die Szenen mit den beiden, jede auf ihrer Weise, starken Frauen ein Genuss an Dialogwitz und Mienenspiel. Wenigsten hat Enkelin Margaery vorher durchscheinen lassen, dass sie nicht wirklich ganz religiös ist und der Großmutter zur Heimreise nach Highgarden geraten. Guter Rat, denn Oberguru High Sparrow hat es auf das rüstige Tyrell-Familienoberhaupt abgesehen.

Ser Jaime marschiert mit einer großen Lannister-Armee bei Riverrun (in der fragwürdigen Neuübersetzung der Romane leider nicht mit „Flussrennen“ übersetzt) auf, wo die anwesenden Freys grad irgendwie so gar nicht weiterkommen und daher immer wiedermal eine kleine oder große Scheinhinrichtung von Edmure Tully (der Bräutigam bei der Roten Hochzeit) inszenieren. Ja, die Freys sind schon eine Bande inzüchtiger Mützenträger. Einen König, seine halbe Familie und seine Truppen bei einer Vermählungsfeier in der eigenen Halle zerschnetzeln kriegen sie ohne große Verluste hin. Aber so Belagerungstechnisch sind sie nicht so die großen Problemlöser. Doch jetzt ist Jamie da, übernimmt das Kommando und hat den für scharfsinnige Ideen oder coole Sprüchen zuständigen Ex-Söldner Bronn dabei, der seine Staffeloremiere feiern darf. Beim Plaudern auf der Hängebrücke treffen sich zwei Legenden: Brynden „Blackfish“ Tully und Jaime „Kingslayer“ Lannister. Brynden ist für Jaimes gutes Angebot nicht empfänglich und auch der mögliche Tod seines Neffen, seit Jahren Gefangener der Mützenträger, taugt nicht als Drohung. Blackfish möchte die Belagerung aussitzen und lässt sich nicht ins Bockshorn jagen. Der nächste Rückkehrer, dessen einmalige Präsenz vermisst wurde.

Im Norden tun sich Jon, Sansa und Davos schwer, Verbündete gegen die Boltons zu finden. Zwar gelingt es dank Davos, die etwa 10jährige Lady Lyanna Mormont (Nichte des ermordeten Ex-Lord Commander Jeor Momont und Cousine des exilierten Ser Jorah Mormont) zu überreden, ihre 62 (!) Mann zur Verfügung zu stellen, aber bei den wichtigen Glovers (die ihre eigene Burg Deepwood Motte vor nicht allzu langer Zeit von den Ironborn zurückerobert haben) blitzt das Trio ab. Die Aussichten sind düster, daher schickt Sansa einen Raben los und wir können uns gut vorstellen an wen.

Der andere gebrochene Mann ist Theon Greyjoy, der sich mit seiner Schwester Yara/Asha grade in Volantis befindet, ein Zwischenstopp auf dem Weg zur Drachenkönigin. Yara outet sich als „Mannweib“ und gönnt sich die Begegnung mit einer Prostituierten. Währenddessen bucht sich Arya (aka No More No One) dank ihrer Ersparnisse eine Schiffsreise nach Westeros. Doch bevor die losgeht, wird sie erst einmal von The Waif niedergestochen, die sich kurz als alte Frau „verkleidet“ hat. Arya springt in den Fluss und taumelt hinterher durch die Straßen. Böser Cliffhanger.

Die Staffel ist fast schon wieder vorbei. Nur noch drei Folgen. Danach wird es insgesamt wohl nur noch 13 Episoden (sieben in Staffel 7, sechs in Staffel 8), wenn man der Aussage von Jack Bender (Regisseur 6×05 und 6×06) Glauben schenken darf. Kein Wunder, dass viele Dinge so schnell vorangetrieben werden.

Game Of Thrones_6x07_BelagerungBelagerung durch Mützenträger

 

Prnny Dreadful: 3×06 „No Beast So Fierce“

Drehbuch: Andrew Hinderaker & Krysty Wilson-Cairns. Regie: Paco Cabezas.

Penny Dreadful_3x06_MuseumNachtrag zur Vorwoche: Zum ersten Mal in der Seriengeschichte von Penny Dreadful stammte das Skript zur letzten Episode, die fast nur im gruseligen Westen spielte, nicht ausdrücklich von Creator und Showrunner John Logan. Staff Writer Andrew Hinderaker durfte ran. Diese Woche mischt Writing-Staff-Kollegin Krysty Wilson-Cairns auch mit.

Da die Dres Frankenstein und Jekyll beim Entwickeln eines Serums, welches wahnsinnige Löwen in sanfte Lämmer verwandelt, Erfolg hatten, will Victor jenes gleich bei seiner Schöpfung Lily einsetzen. Doch auch wenn er genial darin ist, Totes wieder zum Leben zu erwecken, beim Thema Einbruch ist er so erfolgreich wie die Freys in GoT bei einer Belagerung. Victor wird eingefangen und vor Dorian, Lily und ihre neuen Jüngerinnen gebracht, die gerade tödliche Selbstverteidigung gegen Männer mit Dorian als Testobjekt üben. Ober-Akolythin Justine, die den Respekt gegenüber ihren Rettern verloren hat, will unbedingt Frankenstein mal so richtig zur Halsschlagader lassen, aber Dorian möchte den patenten Mediziner nicht killen, schließlich könnte er doch noch zu etwas nutze sein. Mit dem Hinweis, dass er in ihrer Schuld stehe, entlassen Dorian und Lily ihn zurück in die Freiheit. Dorian ist jedenfalls die kleine, (aus nachvollziehbaren Gründen) Männer hassende Justine nicht mehr wirklich geheuer.

Penny Dreadful_3x06_SelbstverteidigungVanessa Ives verabschiedet sich von unserem exzentrischen Lieblingsägyptologen Ferdinand Lyle, der nach Kairo reisen und dort längere Zeit bleiben wird. Während seine Expertise im Kampf gegen die Hexen in Staffel zwei noch zum „Hauptdarsteller“-Status reichte, so dient er in der neuen Season dazu, Vanessa an sehr kompetente Frauen weiter zu vermitteln. Dieses Mal ist die Expertin Dr. Catriona Hartdegen, ihres Zeichen Thanatologin, die Vanessa rät, sich vor Dracula dadurch zu schützen, indem sie sich mit liebenden Menschen umgibt. Da die ersten Kandidaten sich gerade durch die Prärie ballern, geht Vanessa ausgerechnet zu Doctor Alexander Sweet, der dummerweise Dracula ist. Die beiden gestehen sich ihre Liebe und treiben es wild mittem im Museum neben alle den ausgestopften Tieren in allen Größen.

Der blutige Vater-Sohn-Konflikt im Wilden Westen und manche seiner Nebenkriegsschauplätze finden ihr bleihaltiges Ende. Nach der kollektiven Verhaftung aller auf der Talbot-Ranch Anwesenden durch Inspector Rusk gibt’s für viele das letzte Abendmahl. In nicht allzu langen, aber intensiven Szenen bekommen wir hier ein Szenario geboten, wie man es sich für Tarantinos The Hateful 8 gewünscht hätte. Kurz vor Schluss sind der Marshall, Inspector Rusk, Hexe Hecate und fast alle anderen tot. Apache Kaetenay dagegen trotz tödlichen Schlangenbisses in der vorherigen Folge quicklebendig und rechzeitig zur Hilfe eilend, um Sir Malcolm zu retten. Der finale Showdown in der Familienkapelle. Ethan, Malcom und Kaetenay durchlöchern alle Handlanger von Talbot Senior, der trotz seines Hasses vom Sohnemann verschont wird. Allerdings hat Sir Malcolm wohl vor allem genug davon, dass Jared Talbot noch ein viel schlechterer und gruseliger Vater als er selbst ist und erschießt den unverbesserlichen Patriarchen.

Die Weisheit des Tages zum Dauer-Thema der Serie (alle können Monster sein) ist die Erkenntnis von verschiedenen Figuren, dass Frauen bereits als Monster gelten, wenn sie sich nur zur Wehr setzen.

To be continued…

Bilder (C) HBO/Showtime.


Der geniale Serien-Montag (5)

31. Mai 2016

Die nächste Runde in meinem persönlichen Nonplusultra des seriellen Fernseh-Erzählens mit der spoilerhaltigen Besprechung der jeweils neuen Folge von Game Of Thtrones und Penny Dreadful folgt wie gewohnt wieder am Dienstagabend. Während sich in Westeros sich wieder so Einiges tut, öffnet Showtimes Schauerstunde weitere Abgründe unerwartenen Ausmaßes…

 Serien-Montag_Cloud

Vorsicht, Spoiler zur Folge 6×06 von Game Of Thrones sowie 3×05 von Penny Dreadful!!!

Game Of Thrones: 6×06 „Blood Of My Blood“

Nach dem Schock der Vorwoche tut es gut, dass die sechste Folge der Staffel etwas ruhiger ist als die fünfte. Wir springen gleich medias in res. Meera zieht den auf der vollbepackten Trage liegenden Bran so gut durch den Schnee wie es ihre verbliebenen Kräfte erlauben. Doch die Untoten kommen immer näher. Bran erlebt währenddessen fragmentarische Flashbacks, mit der Betonung auf Flash! Denn rasend schnell hintereinander sieht man zum Teil Altbekanntes (Der Tod von Papa, Mama und Robb Stark, die „Vermehrung“ der Whitewalker), aber auch neue Schnipsel, wie der erste Blick auf den „Mad King“ Aerys Targaryen (Daddy von Daenerys), sein berüchtigtes „Burn them all!“ und natürlich seine Ermordung durch Kingslayer Jaime. Sehr hevorgehoben wird in dieser Vision das gefährliche Wildfire, mit dem Aerys ja King’s Landing abfackeln wollte und das seine Dienste in der Schlacht am Blackwater tat. Rechtzeitig zur Rettung von Meera und Bran eilt eine vermummte Gestalt zu Ross, die auf die angreifenden Zombies Feuerkügelchen schleudert. Der Retter in der eisigen Not ist niemand Geringeres als…Trommelwirbel… Benjen Stark, Brans seit Äonen verschollener Ranger-Onkel von der Nachtwache, zuletzt lebend gesehen in Staffel 1, Folge 3 (also vor 52 Episoden!), der die letzten Jahre nördlich der Mauer trotz White-Walker-Attacke dank der Children Of The Forest überlebt hat und nun in der Serie quasi als Coldhands fungiert (obwohl GRRM in einem seiner Manuskripte eindeutig betonte, dass Benjen und Coldhands in den Büchern nicht ein und diesselbe Person sind).

Während Castle Black und Mereen pausieren, geht es in King’s Landing voran. Gerade als Jaime Lannister, Pappnase Lord Tyrell und die versammelte Tyrell-Armee Königin Margaery und ihren Bruder mit Gewalt aus den Fängen des Faith Militant befreien wollen, macht ihnen Bubi-König Tommen einen Strich durch die Rechnung. Die Zeichen stehen also auf Versöhnung. Da sind die königlichen Eltern aber not amused, vor allem Jamie, der sein Amt als Lord Commander der Königsgarde nun los ist. Cersei hat aber gleicht eine neue Aufgabe: die Lannister-Armee gegen Riverrun, das von Brynden „Blackfish“ Tully wieder eingenommen wurde, anzuführen. Das haben übrigens Lothar Frey und Walder Rivers verbockt, weshalb es bei einem kleinen Abstecher zu den Twins gleich eine saftige Moralpredigt von ihrem Vater, Lord Walder Frey aka August der Starke, gibt. Mehr von den Flusslanden in der nächsten Folge.

Samwell Tarly und Wildlingsmädchen Gilly treffen in Horn Hill ein, dem Sitz der Familie Tarly. Sams Mutter und Tochter freuen sich über die Rückkehr des verlorenen Sohnes samt neuen Anhang. Beim Dinner mit dem erwartet grimmigen und unversöhnlichen Lord Randyll Tarly (gespielt von James Faulkner) hängt der Haussegen aber gleich gehörig schief. Aus Rache für die Äußerungen seines Vaters klaut Sam das Schwert des Hauses Tarly (praktischerweise aus valyrischem Stahl) und entschließt sich kurzerhand Gilly und „seinen“ Sohn Little Sam doch mit nach Oldtown zu nehmen.

In Braavos sieht sich Arya, verkleidet als Mercy, den restlichen Teil des Theaterstücks an, das frivol und respektlos die Ereignisse aus dem Westeros’schen Königshaus Baratheon/Lannister Revue passieren lässt. Eigentlich müsste sich Arya über den Mordauftrag an der „Cersei“-Darstellerin Lady Crane freuen, schließlich ist das schonmal eine gute Vorbereitung für den lange herbei gewünschten „Ernstfall“. Doch das Schauspieltalent der blondperückten Mimin und die wahren Hintergründe der zu erledigenden Tat bringen das Stark-Mädchen dazu, ihren Plan nicht in die Tat umzusetzen. Somit ist es besiegelt: Arya wird wieder sie selbst, mit allen Konsequenzen.

Als durchaus nicht uneindrucksvollen Schlusspunkt gibt es eine flammende (no pun intended) Rede von Daenerys, die mal schnell Drogon gefunden hat, an ihre Dothraki, mit dem Tenor „möglichst schnell genug Schiffe irgendwie zusammenkriegen und die Sieben Königslande von Westeros erobern“. Zu dumm, dass die Flotte in Mereen zu Beginn der Staffel abgefackelt wurde.

Game Of Thrones_6x06_TheaterPurple Wedding light

Penny Dreadful: 3×05 „This World Is Our Hell“

Nach ihrer erkenntnisreichen Zeitreise zurück in die Gummizelle darf Vanessa Ives in Episode fünf der dritten Staffel pausieren. Bis auf die elektrisch verstärkten Experimente von Dres Frankenstein und Jekyll spielt sich heute alles im Wilden Gruseligen Westen ab.

Ethan und Hexe Hecate (gespielt von Sarah Greene, die immer mehr wie Marion Cotillard aussieht) in der Wüste auf dem Weg zur Ranch von Ethans Vater. Verfolgt werden sie von Inspektor Rusk (Douglas Hodge), dem Marshall (Sean Gilder) und seinen Mannen. Die dritte Partei im Rennen durch die Wüste bilden Sir Malcolm und Apache Kaetenay, der Ethan vor der Finsternis, die durch Hecate droht, bewahren möchte.

Penny Dreadful_3x05_HoehleNach heillosem Gemetzel, Hecate hat mehrere Klapperschlangen beschworen, die des Marshals Truppen gewaltig dezimieren, aber auch Kaetenay einen voraussichtlich tödlichen Biss zufügen, der gerade dabei war, die Verfolger im Schlaf abzumurksen. Nachdem sie fast in der Wüste krepieren, werden Ethan und Hecate von Sir Malcolm geretten. Da tauchen auch schon die Männer von Ethans Vater auf, nehmen den verlorenen Sohn, die Hexe und den Abenteurer mit und lassen den verhassten Apachen zum Sterben in der heißen Wüstensonne liegen.

Alle drei Gäste des Hauses Talbot erholen sich von den Strapazen. Doch jetzt geht es erst richtig an Eingemachte. Wir wissen, warum Ethan seit Jahren sein Heimatland und speziell die heimische Ranch wie Polanski meidet. Nach einer Begegnung von Sir Malcolm und Vater Talbot (Brian Cox mit wirkungsvollster Präsenz) erfahren wir die gruseligen Erläuterungen der Aussage „This is a bloodthirsty land!“. Ethans Familie wurde bis auf den Vater von den Apachen unter Kaetenay aufs widerlichste niedergemetzelt, als Ethan sich mit den wenigen Überlebenden des Stammes verbündet hatte, um Buße zu tun für sein eigenes Massaker an den Ureinwohnern als Soldat. „This world is our hell.“ Passender könnte ein Episodentitel kaum sein. Homo Homini Lupus. Und mit Lupus ist in diesem Fall nicht ein Werwolf im speziellen gemeint. Penny Dreadful beweist hier eindrucksvoll, dass selbst in einer Welt mit Vampiren und Hexen die Menschen dennoch die schlimmsten Monster sein können.

To be continued…

Bilder (C) HBO/Showtime.


Der geniale Serien-Montag (4)

25. Mai 2016

Aus aktuellem Anlass (in Form des neuen Frangn-Dadords) kommt meine Aufarbeitung der neuen Episoden von Game Of Thrones und Penny Dreadful einen Tag später als gewohnt. Die zusätzliche Zeit konnte ich auch gut zur Verarbeitung ebenjener gebrauchen…

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Vorsicht, Spoiler zur Folge 6×05 von Game Of Thrones sowie 3×04 von Penny Dreadful!!!

 

Game Of Thrones: 6×05 „The Door“

Meine Fresse! Was für eine dramatisches und herzzerreißendes Ende! Aber vorher zu allem anderen, was in Westeros, Essos und Umgebung so passiert.

Im Norden trifft sich Sansa (begleitet von Brienne) mit Littlefinger (der entweder ein Jetpack, Auto oder einen Beam-Transporter besitzt; anders lässt sich nicht erklären, wie es der Intrigant schafft, in kürzester Zeit riesige Entferungen zurückzulegen) in Mole’s Town (ehemals der inoffizielle Puff der Nachtwache) und stellt ihn zur Rede. Schließlich hat Lord Baelish die arme Sansa zwar aus den Fängen der Lannisters befreit, sie aber sogleich dem psychopathischen Ramsay als Ehefrau übergeben. Endlich mal eine Situation, aus der sich Littlefinger nicht so einfach herausreden kann. Sansa beweist einmal mehr Stärke, lehnt die Truppenunterstützung aus dem Grünen Tal ab. Nach fünf Staffeln hat sie es auch einfach satt, ständig Spielball der Mächtigen zu sein. Eine wichtige Geheiminformation hat Baelish aber noch für seinen ehemaligen „Schützling“ zum Abschied. In Castle Black besprechen Jon, Sansa, Ser Davos, Melisandre, Brienne und Tormund das weitere Vorgehen. Um gegen die Bolton-Armee bestehen zu könne, müssen unbedingt noch die bisher „unentschlossenen“ Häuser des Nordens für die Sache der Starks gewonnen werden. Wahrscheinlich folgt in den nächsten Folgen nordisches Klinkenputzen, bis es dann in der wohl wieder berüchtigten Folge 9 zum großen Kampf kommt. Beim Ausritt aus Castle Black bekommen die Brienne-und-Tormund-Shipper ein eindeutiges Grinsen des Wildlingsrotbartes spendiert. Yeah, baby, yeah!

Auf dem östlichen Kontinent, genauer in der Dothraki-„Stadt“ Vaes Dothrak erklärt Ser Jorah Mormont erneut seine grenzenlose Loyalität und erstmals auch ausdrücklich seine Liebe zu Daenerys, die gleichsam wie der Zuschauer von diesem Geständnis sichtlich bewegt ist. Sie erlaubt dem treuen Ritter zu gehen, befiehlt ihm aber dirngend nach einer Heilung für seine Greyscale-Schuppenflechte zu suchen. Schöne Szene, aber wie soll das funktionieren? Jorah klappert demnächst wohl alle Möglichkeiten ab, die Zitadelle der Maester in Oldtown, diverse Wunderheiler und Quacksalber, rote Priester(innen), bis er am Ende doch bei Dr. Oyburnstein landet, der ihn zwar nicht vor dem Tod retten kann, aber dank dubioser Experimente Jorah als den untoten „Ser Friendzone“ auferstehen lässt.

Tyrion und Varys, Danys „Truchsesse“, treffen sich in Mereen miz der roten Priesterin Kinvara und bitten sie um religiöse Propaganda-Unterstützung für die Drachenkönigin und ihre Politik, damit der junge, zerbrechliche Friede in der Stadt erstmal so bleibt. Kinvara trägt die gleiche Arbeitskleidung wie ihre in Westeros wirkende Kollegin und stimmt dem Plan zu, schafft es Varys mit pikanten Details einzuschüchtern.

Nachdem sie sich zum 5000.Mal mit „The Waif“ Stockfights geliefert hat, bekommt Arya/A Girl/No One ihren nächsten Auftragsmordauftrag. Sie soll die Schauspielerin Lady Crane (gespielt von Essie „Miss Fisher“ Davis) töten. Lady Crane ist Mitglied in einem fahrenden Theater-Ensemble, das in Braavos eine „satirisches“ Stück über die Vorgänge um König Roberts Ableben und die Nachwehen in King’s Landing aufführt. Das geschieht im Stile der Satyrspiele, wie sie in der HBO-Historienserie Rome gezeigt wurden. Im Gegensatz zum Braavosier Publikum findet Arya das Stück gar nicht lustig.

Auf den Iron Islands verläuft der Konigsthing für Yara/Asha und ihren supporting brother Theon solange gut, bis der böse Onkel Euron auftaucht und seinen genialen Masterplan verkündet. Natürlich wird dann Euron nach Ertrinkungszeremonie vom anderen Onkel, dem Priester Aeron, zum König des Inselvölkchens gekrönt. Nichte und Neffe nehmen Reißaus und gleichmal möglichst viele Schiffe mit.

Doch nun zum Haupthandlungsstrang von „The Door“! Bran erfährt durch eine Vision, wer die White Walker erschaffen hat. Erster Plottwist. Wow. Dann fasst Bran dummerweise den falschen Stecker Ast an und teleportiert sich vor die Höhle des dreiäugigen Rabens, wo der Night King mit seinen drei White Walker-Musketieren und vielen Untoten wartet. Weil der Night King Bran seinen magischen Handabdruck verpasst, ist die Höhle von nun an kein sicherer Zufluchtsort mehr. Schnell will der alte Rabe seinem Schüler noch eine letzte Vision zeigen, da geht es Schlag auf Schlag. Die „Walking Dead“ und ihre eisigen Anführer dringen in die Höhle ein. Meera und die anwesenden Children Of The Forest kämpfen so gut sie können. Mit dem nur halb anwesenden Bran schaffen es Meera und Hodor hinaus, der dreiäugige Rabe, Schattenwolf Summer und die Children haben sich quasi geopfert. Es folgt eine der dramatischsten und herzzerreißendsten Wendungen der Fernsehgeschichte. Während Bran zwischen Gegenwart und der Vergangenheit zu Zeiten als sein Vater und dessen Geschwister sowie Hodor/Wyllis noch Kinder waren wandelt, wargt er in Hodor und zwar in beide! Und jetzt erfahren wir auch, wie Hodor, der sich in der Gegenwart opfert, das titelgebende Tor so lange hält, bis ihn die Untoten zerfleischen, zu Hodor wurde. Das „magische Echo“ dieser selbstlosen Tat überträgt sich auf den bis grade noch normalen dicken Stallburschen in der Vergangenheit, der in einem intensiven Anfall zusammenbricht, x-fach Meeras Befehl „Hold The Door“ wiederholt, bis daraus nur noch ein Stammeln wird: „Hodor.“

Meine Güte, was habe ich geflennt. Wenn ich mir die Folge bald erneut ansehe, werde ich es vielleicht wieder tun. Dieser TV-Moment 2016 ist wohl kaum zu toppen.

 

Game Of Thrones_6x05_Hold The Door
Hold The Door!

 

 

Penny Dreadful: 3×04 „A Blade Of Grass“

Die Hammer-Folge von GoT noch nicht verdaut, gönne ich mich noch am selben Abend die neue Episode von „Penny“, in welcher zum dritten Mal in der Serie sich eine komplette Folge nur um die Vergangenheit von Vanessa Ives dreht. Doch im Gegensatz zu Closer Than Sisters (1×05) und The Night Comers (2×03) gibt es hier keine Nebenfiguren. Ein 57minütiges 3-Personen-Stück, das bis auf die Rahmengeschichte am Anfang und Ende sich ausschließlich in einer Gummizelle abspielt.

Penny Dreadful_3x04_ZelleUnter Hypnose von Dr. Seward erinnert sich Vanessa an die Zeit in der Psychiatrie, an die man sich (nimmt man die entsprechenden Szenen aus Season 1) eigentlich nicht erinnern möchte. Meist völlig katatonisch sitzt die verwahrloste Vanessa in ihrer Gummizelle, wenn sie nicht gerade ausflippt oder mit den Fingernägeln am Stoff der Wände scharrt (gruseliges Geräusch, da schüttelt es mich!). Wie wir seit der Schlussszene der vorherigen Episode wissen, ist der zuständige Krankenpfleger niemand anderes als Frankensteins Monster/The Creature alias Caliban alias John Clare vor dem Tod und der Wiederauferstehung. Seine primären Aufgaben scheinen zu sein, der isolierten Patientin Essen zu bringen und ihren Nachttopf auszuwechseln. Doch er meint es trotz der menschenunwürdigen Umstände gut mit Vanessa und gibt ihr zu verstehen, dass es ihr unbedingt bald besser gehen muss, ansonsten wartet die Folterabteilung der Psychiatrie mit ihren „schönen“ Apparaturen und Methoden. Patientin und Pfleger bauen eine Art „freundschaftliche“ Beziehung auf, auch wenn Vanessas bisweilen wildes Benehmen umgehend sanktioniert wird (Zwangsjacke, Maulsperre). Zwischenzeitlich erscheint Dr. Seward und mahnt Vanessa, wieder in die Gegenwart zurückzukehren.

Als man sich an den Ton des Geschehens gewöhnt hat, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Alptraum. Der Pfleger bekommt plötzlich rote Augen und begrüßt als Lucifer in Menschengestalt seine geliebte Vanessa. Später taucht in gleicher Gestalt noch Dracula auf. Beides verkörpert von Rory Kinnear. Falls jemand seit Penny Dreadful überhaupt Zweifel an den schauspielerischen Fähigkeiten von Eva Green hätte, so dürften sie spätestens nach dieser Folge weggefegt sein. Green pendelt mit gewohnt übermenschlichem Körpereinsatz zwischen hilfloser, gebrochener Seele und wildem, in die Enge getriebenem Tier, wirft ihrem Gegenüber und den Zuschauer Blicke zu, dass es einem ganz anders werden kann. Wann wird diese grandiose Leistung endlich mit einem großen Award gewürdigt?

Jedenfalls war dieser Montag, der 23. Mai 2016, für mich en denkwürdiger Serien-Tag.

To be continued…

Bilder (C) HBO/Showtime.

 


Der geniale Serien-Montag (3)

17. Mai 2016

Diese Woche ging der geniale Serien-Montag mit Game Of Penny und Dreadful Thrones Game Of Thrones und Penny Dreadful in die dritte Runde. Mit der Besprechung der neuen Folgen beider Serien versuche ich mich dieses Mal noch kürzer zu fassen, nachdem ich zuletzt die Textmenge von 2 auf 1,5 Seiten reduzieren konnte.

Vorsicht, Spoiler zur Folge 6×04 von Game Of Thrones sowie 3×03 von Penny Dreadful!!!

 

Das heutige Double-Feature steht unter dem Motto „Fire And Blood“ und zwar genau in dieser Reihenfolge…

Game Of Thrones: 6×04 „Book Of The Stranger“

Endlich! Das Wiedersehen zweier Stark-Geschwister! Sansa & Co treffen rechtzeitig in Castle Black ein, bevor Ex-Lord Commander Jon Snow das Weite sucht. Diese lang ersehnte Reunion hat mir doch tatsächlich Tränen in die Augen getrieben. Sansa möchte natürlich mit Jon gegen Ramsay kämpfen, auch wenn Tormund nur 2.000 kampfbereite Wildlinge zur Verfügung hat. Doch Jon ist des Kämpfens müde, verständlicherweise. Als jedoch der berüchtigte „Pink Letter“ von Ramsay himself eintrifft und dieser u.a. detailliert in Aussicht stellt, was mit dem jüngsten Stark-Sprössling Rickon passieren wird, sollte Jon nicht Sansa ausliefern, wird Jon klar, dass er vor diesem Konflikt nicht so einfach davonlaufen kann. Unter den Fans gibt es übrigens ein neues Traumpaar: Brienne und Tormund, die beide derzeit an der Mauer sind. Während die hünenhafte Ritterin in The Bear And The Maiden Fair (3×07, benannt nach dem Westeros’schen Gassenhauer) quasi ein Tänzchen mit einem Bären gewagt hat, so prahlte der rotbärtige Wildlingsanführer in Season 4, dass er mal einer pelzernen Dame „beiwohnte“.

Ramsay sorgt in Winterfell unterdessen dafür, dass die Liste der Toten länger wird. Sein heutiges Opfer ist Osha, die den Versuch Ramsay zu verführen und umzubringen mit ihrem Leben bezahlt. Als Gefangene des sadistischen Bolton-Lords hätte sie es aber auch schlimmer treffen können. Jedenfalls möchte sicherlich niemand mit dem armen Rickon tauschen. Immerhin ist noch eine zweite Armee gegen Ramsay unterwegs, denn der nach sechs Episoden abwesende Littlefinger konnte seinen verzogenen Ziehsohn Robin Arryn, Lord der Eyrie, auch dank eines neuen Haustieres davon überzeugen, Truppen gegen Winterfell zu schicken, um Robins Cousine Sansa zu helfen.

In King’s Landing „verbünden“ sich Königsmutter Cersei und Königin-Oma Oleanna gegen den High Sparrow und planen die gewaltsame Befreiung von Königin Margaery und ihrem Bruder Loras. Zurück in seiner eisern-inseligen Heimat versucht Theon sich gegenüber seiner verständlicherweise verstimmten Schwester Yara/Asha zu erklären.

In Vaes Dothrak brennt im wahrsten Sinne des Wortes die Hütte! Nachdem Daenerys eigentlich bei den Dosh Kaleen, den Witwen der gefallenen Khals, bis an ihr Lebensende bleiben sollte und der Befreiungsversuch von Ser Jorah „Die Schuppenflechte breitet sich aus“ Mormont sowie Söldner Daario Naharis nicht so erfolgsversprechend verlief, fackelt die Drachenmutter/Ex-Khaleesi/Sturmgeborene etc. nicht lange und einfach die Bude mit den ganzen Dothraki-Anführern ab. Dabei ist es natürlich ungemein praktisch, dass ihr Feuer nichts anhaben. Wobei sich diese „Bad-Ass'“-Momente bei ihr so langsam etwas abnutzen. Das Problem mit den White Walkers und ihrem untoten Anhängern ließe sich so vielleicht auch lösen. Bisschen rumlabern, sich von den wandelnden Eiszapfen beleidigen lassen und dann einfach die ganze Bande vom Feuer ihrer Drachen verschlingen lassen.

Wenn man dem Teaser zur nächsten Folge glauben darf, so wird es auch in dieser (noch) keine mögliche Lösung der Gleichung R+L=J geben…

Game Of Thrones_6x04_Fire
„Burning down the house!“

 

Penny Dreadful: 3×03 „Good And Evil Braided Be“

Ethan Talbot-Chandler macht sich mit der blutrünstigen Hexe Hecate Poole auf den Heimweg, verfolgt von Inspektor Rusk und einem Marshal sowie seinem Apache-Vater Kaetenay und Sir Malcolm. In Londons Irrenhaus kommt Dr. Frankenstein auf die geniale Idee, die chemische Methode von Dr. Jekyll mit seiner eigenen, elektrischen zu kombinieren, um die Drittschöpfung Lily zu zähmen. Frankensteins Erstschöpfung alias John Clare hatte auf der Reise zum Nordpol völlig unerwartet Erinnerungen an sein Leben vor dem Tod. Zurück in England macht er sich auf die Suche nach seiner Familie (Ehefrau und Sohn), die den Verlust des Vaters und Ernährers nicht gut verkraftet hat.

Auch wenn Vanessa die Therapie mit Dr. Seward trotz ihrer Meinungsverschiedenheit mit der Therapeutin weiterbringt und sie nicht ahnt, dass ihre neue Bekanntschaft Dr. Sweet niemand anderes als der Vampirfürst schlechthin ist, so bringt eine gruselige Begegnung im Spiegelkabinett (ein Grund dort niemals hineinzugehen) sie wieder aus der Fassung. Mittels Hypnose durch Dr. Seward erhofft sich Vanessa ihre Erinnerung an die sicherlich nicht so erinnerungswürdige Zeit vor ein paar Jahren in der Psychiatrie (die in der fünften Folge der 1. Staffel auch thematisiert wurde) zurück zu gewinnen, in welcher sie möglicherweise finsteren Kreaturen (pun intended!) begegnete. Das unerwartete Schlussbild ist sicherlich der Auftakt zu einer ausgedehnten Rückblende, die in der Serie ja gerne mal ganze Episoden (1×05, 2×02) ausfüllen.

Penny Dreadful_3x03_Blut-Dreier
Blood of our blood

Nun zum versprochenen Blut! Nachdem das unsterbliche Duo Dorian/Lily in der letzten Folge die junge Justine aus einem Folterkeller befreit haben, erhält das Mädchen sogleich die Möglichkeit (im Rahmen ihres Initiationsritus als erste von vielen Anhängern) sich auf blutigste Weise an ihrem Peiniger zu rächen. Beim anshcließenden blut getränkten flotten Dreier schmiedet das Trio sogleich Pläne, die Weltherrschaft zu erringen, wobei Justine hier eine entscheidende Rolle spielen soll. Diese gelegentliche Over-The-Top-Inszenierung ist eines der Dinge, welche ich an Penny Dreadful mag. Eigentlich völlig überzogen, aber irgendwie stark. Vergesst True Blood.

To be continued…

Bilder (C) HBO/Showtime.


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