The Mermaid (2016) (Kurzkritik)

4. Mai 2019

Ein schwerreicher Mega-Mogul will ein Naturschutzgebiet in ein teures Immobilienparadies verwandeln. Die dort gestrandeten Meermenschen versuchen ihren Lebensraum zu verteidigen und schicken eine hübsche Meerjungfrau, um den Geschäftsmann zu töten…

Geld oder Liebe

Für Milliarden erwirbt der Business-Tycoon und Playboy Liu Xuan (Chao Deng) eine Bucht, die als Lebensraum für Delfine unter Naturschutz steht. Wie man herausfindet leben aufgrund eines eingesetzten Sonargerätes dort seit langem keine Delfine mehr. Liu Xuan plant daher ein milliardenschweres Immobilienprojekt zu realisieren und hat daher eine Partnerschaft mit der ebenfalls erfolgreichen Geschäftsfrau Liu Ruolan (Kitty Zhang Yuqi) begonnen. Doch in der Bucht lebt eine Gruppe von Meermenschen, die durch das Sonar im Inneren eines Schiffswrackes gestrandet sind. Um ihre bedrohte Existenz zu retten, soll die hübsche Meerjungfrau Shan (Yun Lin) Liu Xuans Gunst gewinnen und ihn dann töten. Doch es verläuft nicht alles wie geplant. Shan verliebt sich dummerweise in den launischen Frauenschwarm, der gar nicht glauben kann, dass sich eine Frau so überhaupt nicht für sein Geld interessiert…

Mit Shaolin Kickers (2001) und Kung Fu Hustle (2004) konnte der aus Hong Kong stammende Schauspieler, Martial-Arts-Experte und Regisseur Stephen Chow auch außerhalb Chinas Erfolge feiern. Mit The Mermaid verknüpft Chow Märchenmotive und spätkapitalistische Dekadenz zu einem etwas kruden Mix aus moderner Öko-Fabel und Romantikkomödie. Meinen Geschmack hat der Humor zwischen albernem Slapstick, munterem Grimassieren und dem Nebeneinanderstellen gegensätzlicher Elemente eher nicht getroffen, wenngleich ich ein paar Szenen durchaus lustig fand (etwa die diversen Fehlversuche das Phantombild einer Meerjungfrau zu zeichnen). Aber insgesamt wirkt die grellbunte, leichte Komödie kurzweilig und vermag mit ihrem schrägen Charme zu unterhalten. Auch dank großer Geheimhaltung während der Produktion und sogenanntem „Hunger Marketing“ avancierte The Mermaid in China zum großen Kassenschlager, spielte bei einem Budget von umgerechnet ca. 60 Millionen Dollar über 500 Millionen ein.

The Mermaid ist seit 17. November 2017 auf DVD und BluRay erhältlich sowie mittlerweile auch bei diversen Streaminganbietern abrufbar.

The Mermaid (Mei ren yu)
Fantasykomödie China 2016. FSK 16. 90 Minuten (PAL-DVD). Mit: Chao Deng, Yun Lin, Kitty Zhang Yuqi, Show Lo u.v.a. Regie: Stephen Chow.

Credits
Bilder (c) Capelight.

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Unicorn Store (Kurzkritik)

21. April 2019

Bevor sie in Captain Marvel die erste Heldin mit eigenen Solo-Film im Marvel Cinematic Universe verkörperte, drehte die frischgebackene Oscar-Preisträgerin Brie Larson 2016 ihr Regie-Debüt. In Unicorn Store will sich eine junge Frau ihren langersehnten Kindheitstraum erfüllen und gleichzeitig erwachsen werden.

 

 

Viel Glitzer, wenig Kitsch

Eigentlich wollte die junge Kit (Brie Larson) Malerin werden, doch mit ihren kunterbunten Werken wird sie an der Kunsthochschule nicht angenommen. Aus Enttäuschung über ihr Scheitern verkriecht sich Kit im Keller ihres Elternhauses und verfolgt das stumpfsinnige TV-Programm. Schließlich beschließt Kit, ihr Leben in die Hand zu nehmen und ergattert einen Job als Zeitarbeitskraft in einer Werbeagentur. Kurz darauf erhält sie eine mysteriöse Einladung eines Ladens namens „The Store“. Dort trifft sie auf den schrill gekleideten „Salesman“ (Samuel L. Jackson), der ihr genau das verkaufen möchte, was sie sich seit ihrer Kindheit gewünscht hat: ein Einhorn. Zuvor muss Kit allerdings einige Aufgaben erfüllen: eine Unterkunft für das Tier bauen, Heu besorgen und die Beziehung zu ihren etwas übereifrigen Eltern (Joan Cusack, Bradley Whitford) verbessern. Einfacher gesagt als getan…

Kurz nach dem Gewinn ihres Oscars als beste Hauptdarstellerin für Raum (2015) erhielt Brie Larson die Gelegenheit, erstmalig Regie zu führen. Unicorn Store, in welchem Larson auch die Hauptrolle spielt, debütierte im September 2017 auf dem Internationalen Filmfestival von Toronto, erhielt aber erst durch den Streaminganbieter Netflix eine flächendeckende Veröffentlichung in diesem Jahr. Obwohl die Protagonistin weder mit Farbe noch mit Glitzer geizt und immer noch in ihrem kunterbunten Kinderzimmer lebt, so sorgt die unaufgeregte Inszenierung Larsons dafür, dass die Angelegenheit nicht im Kitsch versinkt. Wer schon ein paar Coming-of-Age-Filme gesehen hat, den wird dieser kleine Indie-Streifen sicherlich nicht vom Hocker reißen. Die authentischen zwischenmenschlichen Beziehungen, die starken Darsteller – nicht nur Brie Larson und der schrill gestylte Samuel L. Jackson, sondern etwa auch Hamish Linklater (Legion) als sozial unbeholfener Don-Draper-Verschnitt – sowie die kleinen Lektionen auf dem Weg zur möglichen Wunscherfüllung machen aus Unicorn Store eine wundersame kleine Filmperle, weder zu albern noch zu tragisch.

 

Unicorn Store ist seit dem 5. April 2019 bei Netflix abrufbar.

 

Unicorn Store
Komödie/Drama USA 2017. 91 Minuten. Mit: Brie Larson, Samuel L. Jackson, Joan Cusack, Bradley Whitford, Mamoudou Athie, Hamish Linklater, Martha MacIsaac, Karan Soni u.a. Drehbuch: Samantha McIntyre. Regie: Brie Larson.

Credits
Bilder (c) Netflix.


Derry Girls (Kurzkritik)

14. April 2019

Erwachsenwerden ist nicht einfach. Vor allem nicht, wenn man als Teenager in Derry zur Zeiten des Nordirland-Konfliktes lebt. Aus dieser Ausgangssituation hat Lisa McGee die Comedyserie Derry Girls erschaffen, die hierzulande bei Netflix zu sehen ist.

Teenage Troubles

Erin (Saoirse-Monica Jackson) ist 16 und lebt mit ihrer katholischen Familie, Mutter Mary (Tara Lynne O’Neill) und Vater Gerry (Tommy Tiernan) sowie Tante Sarah (Kathy Kiera Clarke) und Cousine Orla (Louisa Harland) – beide auf ihre eigene Art durchgeknallt – in der nordirischen Grenzstadt Derry. Die Sippe komplettieren der knorrige Großvater Joe (Ian McElhinney) und Baby Anna, Erins Schwester. Gemeinsam mit Orla sowie ihren Freundinnen Clare (Nicola Coughlan) und Michelle (Jamie-Lee O’Donnell) besucht Erin die katholische Mädchenschule „Our Lady Immaculate“, geleitet von der dauergenervten Ordensschwester Michael (Siobhan Sweeney). Zu aller Überraschung wird Michelles englischer Cousin James (Dylan Llewellyn) als erster männlicher Schüler aufgenommen. Weniger die Gefahren des Nordirland-Konfliktes bestimmen die Lebenswirklichkeit der Mädchen, sondern vielmehr ganz normale Teenager-Probleme…

Die fiktionale Verarbeitung des Nordirland-Konfliktes zwischen den unionistischen Protestanten und den irisch-nationalistischen Katholiken, der zwischen Ende der 1960er und Ende der 1990er für etwa 3 500 Todesopfer und über 47 000 Verletzte sorgte, erfolgte bisher (berechtigerweise) nur in ernster Form, in Kinofilmen wie Im Namen des Vaters (1993) und Hunger (2008). Die Bühnen- und Fernsehautorin Lisa McGee (Raw) schuf aus ihren Jugenderinnerungen zur Zeit der „Troubles“ (wie der Konflikt im englischen Sprachraum genannt wird) allerdings kein knallhartes (Teenie-)Drama, sondern eine schräge Comedyserie. Abgesehen vom Setting, dessen tragisch-gefährliche Situation meist nur Hintergrundrauschen darstellt, bietet Derry Girls die üblichen Themen und Problematiken, die Teenager eben bewegen, wie erste romantische/sexuelle Erfahrungen, das Mühsal der Schule, Streit mit den Eltern und die Hoffnung auf eine rosige Zukunft. McGee gestaltet dieses Minenfeld des Erwachsenwerdens als temporeichen Sechsteiler, der nicht nur von seinen eigensinnig bis urigen, gleichzeitig irgendwie authentischen Figuren und dem herrlichen Akzent (die Serie wurde dankenswerterweise nicht in andere Sprachen synchronisiert, sondern ist bei Netflix im Original mit deutschen oder englischen Untertitel verfügbar) lebt. Ohne den schwarzen Humor, einen stark vorherrschenden Katholizismus und die irrational-komisch agierenden Schauspieler (Nicola Coughlan, die Darstellerin der putzigen Clare war bei den Dreharbeiten zur ersten Staffel bereits 30 Jahre alt), darunter der aus Game of Thrones bekannte Ian McElhinney als Opa Joe, wäre Derry Girls nicht einmal halb so spaßig. Diverse Hits aus der Dekade (von Salt’n’Pepa über Ace of Base bis zu Whigfield) und andere Referenzen verankern das Geschehen fest in den 1990ern. Die Ambivalenz des nordirischen Lebens zwischen Normalität und Bombenterror unterstreicht die Schlussmontage auf sehr passende Weise. Im Vereinigten Königreich premierte die Serie im Januar 2018 bei Channel 4 und erreichte mit durchschnittlich 500 000 Zuschauern in Nordirland (ein Marktanteil von ca. 64 Prozent) die höchsten dort jemals gemessenen Einschaltquoten.

Die erste Staffel von Derry Girls ist seit dem 21. Dezember 2018 bei Netflix abrufbar. Vom 5. März bis 9. April 2019 lief Season 2 beim britischen Channel 4.

Derry Girls
Comedyserie UK 2018. 6 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 142 Minuten. Mit: Saoirse-Monica Jackson, Louisa Harland, Nicola Coughlan, Jamie-Lee O’Donnell, Dylan Llewellyn, Tara Lynne O’Neill, Kathy Kiera Clarke, Siobhan McSweeney, Tommy Tiernan, Ian McElhinney u.a. Idee & Drehbuch: Lisa McGee. Regie: Michael Lennox.

Credits
Bilder (c) Netflix/Channel 4.


Tatort: Murot und das Murmeltier (Kurzkritik)

23. März 2019

Und es gibt sie doch ab und zu: Episoden aus der seit knapp 50 Jahren laufenden ARD-Krimireihe Tatort, die das gängige Schema des Formats (Am Anfang passiert ein Mord, der am Ende aufgeklärt ist) über Bord werfen und etwas Erfrischendes wagen. In Murot und das Murmeltier steckt der titelgebende Kommissar in einer Zeitschleife fest…

Ein Tag wie jeder andere

Wiesbaden. Eines Morgens wird Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) von einem Anruf seiner Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) geweckt. Zwei Bankräuber halten mehrere Geiseln in einer Bankfiliale fest. Am Ort des Geschehens macht sich

Murot ein Bild von der Situation und betritt die Bank. Dort versucht er die beiden Täter (Christian Ehrich, Nadia Dubois) zur Aufgabe zu überreden. Die Geiselnahme scheint beendet, da wird Murot plötzlich erschossen. Er erwacht jedoch in seinem Bett und wird von Frau Wächter zu einer Geiselnahme in einer Bank gerufen…

Das Format der Zeitschleife in Filmen oder Serienfolgen mag nicht mehr besonders neu sein. Als Glanzstunde dieser Erzählvariante gilt natürlich Harold Ramis‘ Komödie Und täglich grüßt das Murmeltier (1993) mit Billy Murray als griesgrämigen Wettermoderator. Die kürzlich veröffentliche Netflix-Produktion Matrjoschka lässt eine krawallige New Yorkerin den Tag und die Nacht ihrer Geburtstagsparty immer wieder durchleben. In Murot und das Murmeltier (sic!) vom Hessischen Rundfunk, der siebten Tatort-Folge mit dem von Ulrich Tukur verkörpertem LKA-Beamten, müht sich der Titelheld, eine Geiselnahme ohne Blutvergießen zu beenden. Regisseur und Drehbuchautor Dietrich Brüggemann (Kreuzweg, Heil), der auch die vom HR-Sinfonieorchester eingespielte Musik komponiert hat, liefert aber bei weitem keinen müden Abklatsch, sondern variiert das Szenario, bevor sich die wiederholten Elemente abnutzen. Schräger Humor, so manch aberwitzige Wendung und die gut aufgelegten Darsteller um Ulrich Tukur, Barbara Philipp und Christian Ehrich, sorgen für einen im besten Sinne ungewöhnlichen Tatort, welcher die treue Fangemeinde der Dauer-Krimi-Serie sicherlich gespalten hat. Murot und das Murmeltier wurde nach seiner Premiere auf dem Festival des Films am 30. August 2018 in Ludwigshafen mit dem Filmkunstpreis ausgezeichnet. Zurecht möchte man meinen, denn einerseits wird hier die Last des Alltagstrotts thematisiert und dem schalen Einheitsbrei der deutschen Fernsehkrimi-Landschaft gekonnt der Spiegel vorgehalten.

Nach der TV-Premiere am 17.02.2019 im Ersten istTatort: Murot und das Murmeltier noch bis einschließlich 17. Mai 2019 in der ARD-Mediathek abrufbar.

Tatort: Murot und das Murmeltier
TV-Krimi Deutschland 2018. 89 Minuten. Mit: Ulrich Tukur, Barbara Philipp, Christian Ehrich, Nadia Dubois, Tom Lass, Jörg Bundschuh, Felix Schönfuss, Monika Wojtyllo, Sascha Nathan, Anna Brüggemann, Jakob Stöve, Katharina Schlothauer u.a. Drehbuch und Regie: Dietrich Brüggemann.


Credits:
Bilder (c) ARD/HR.


Mysterious Mermaids (Kurzkritik)

17. März 2019

In Siren, in Deutschland unter dem Titel Mysterious Mermaids bei Pro Sieben ausgestrahlt, erhält eine amerikanische Küstenstadt unerwarteten „Besuch“ von Meerjungfrauen.

Von Meerjungfrauen und Menschen

Die Bewohner des Küstenstädtchens Bristol Cove im US-Bundestaat Washington leben überwiegend vom Fischfang. Der junge Ben Pownall (Alex Roe) arbeitet allerdings nicht bei seiner Familie im großen Fischereiunternehmen der Stadt, sondern kümmert sich gemeinsam mit seiner Freundin Maddie (Fola Evans-Akingbola) als Meeresbiologe um gestrandete Meerestiere. Eines Tages gabelt Ben eine merkwürdige, zierliche Frau (Eline Powell) auf. Kurz zuvor ist ein Fischer verschwunden, der von einer geheimnisvollen Meereskreatur angegriffen wurde…

Zugegebenermaßen war meine Erwartungshaltung bei Mysterious Mermaids eher gering. Schließlich befürchtete ich nach Sichtung des ersten Trailers Teenie-Kitsch mit Hochglanz-Gesichtern, auch weil junge Erwachsene die Zielgruppe des produzierenden US-Senders Freeform sind. Und doch vermag einen die Serie in so mancher Hinsicht positiv zu überraschen. Das liegt nicht nur daran, dass die meisten Schauspieler recht normal aussehen und lediglich Hauptdarstellerin Eline Powell (die bereits im Fantasy-Blockbuster King Arthur: Legend of the Sword eine der drei „Sirenen“ spielte) mit ihrer anderweltlichen Erscheinung hervorragt. Die Inszenierung mag zwar vor allem zu Beginn etwas altmodisch wirken, umschifft aber gekonnt allzu reißerische Schockmomente und vermeidet eine plump übersexualisierte Darstellung der Meerjungfrauen. Inhaltlich bietet Mysterious Mermaids eine solide Story zwischen Meeresmenschen-Mythologie, Öko-Drama und Verschwörungskrimi à la Akte X. Die Meerjungfrauen kommen deshalb dem Land immer näher, weil sie durch die Überfischung ihrer Nahrungsquellen beraubt werden. Da hier mit Sirenen und Meerjungfrauen zwei an sich unterschiedliche Fabelwesen vermischt werden erscheint der englischsprachige deutsche Titel etwas weniger unsinnig als man meinen könnte.

Nach der deutschen Free-TV-Premiere am 27. Februar, 6. März und 13. März 2019 ist die erste Staffel von Mysterious Mermaids aktuell noch in der Mediathek von Pro Sieben oder kostenpflichtig über Amazon Video abrufbar.

Mysterious Mermaids (Siren)
Mysteryserie USA 2018. 10 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 400 Minuten.
Mit: Alex Roe, Eline Powell, Fola Evans-Akingbola, Ian Verdun, Sibongile Mlambo, Rena Owen, Ron Yuan u.a. Idee: Eric Wald & Dean White.

 

Credits:
Bilder (c) Freeform/Pro Sieben.


Matrjoschka (Kurzkritik)

7. März 2019

Eine eigenbrötlerische New Yorkerin stirbt, nur um immer wieder die Nacht ihres 36. Geburtstags zu durchleben. Party ohne Ende? Sex and the City meets Und täglich grüßt das Murmeltier? Matrjoschka hat mehr zu bieten…

Live and Let Die

Nadia (Natasha Lyonne) ist eine erfolgreiche, aber zynische Computerspiel-Programmiererin. Zu ihrem 36. Geburtstag veranstaltet Nadias beste Freundin Maxine (Greta Lee) eine große Party, zu der auch Nadias Ex-Freund John (Yul Vasquez) eingeladen wurde. Als Nadia dem großen Trubel zu entfliehen versucht, stirbt sie plötzlich. Um völlig überraschend wieder dort „aufzuwachen“, wo der Abend begann, in Maxines Badezimmer. Nadia erkennt, dass sie in einer Art Schleife gefangen zu sein scheint. Denn immer wieder segnet sie auf unterschiedliche Arten das Zeitliche, um am Abend der Party neu anzufangen. Überaus irritiert versucht Nadia herauszufinden, was mit ihr passiert. Könnte möglicherweise ihr lockerer Umgang mit Drogen für ihren „Zustand“ verantwortlich sein…?

In Und täglich grüßt das Murmeltier erlebt der griesgrämige Wettermoderator Phil (Bill Murray) immer wieder den „Murmeltier-Tag“, bis er sich besinnt und ein „besserer“ Mensch wird. Ein überraschend unkitschiger, witziger und herzerwärmender Film. 26 Jahre später durchlebt Natasha Lyonne (American Pie) als launige New Yorkerin eine Zeitschleife und das in einer achtteiligen Serie. In Filmen wie Edge of Tomorrow und Source Code wird diese Prämisse im Science-Fiction-Gewand verarbeitet. Matrjoschka (Originaltitel: Russian Doll) beschreitet allerdings andere Wege. Die von Lyonne mit ihrer Schauspielkollegin Amy Poehler (Parks and Recreation) und Regisseurin Leslye Headland (Sleeping with Other People) erschaffene Show, die auf ein rein weibliches Drehbuch- und Regie-Team setzt, verweigert sich einer konkreten (um nicht zu sagen banalen) Lösung oder Erklärung. Außerdem verzichtet man bei der Geschichte auf einen effektheischenden Plottwist, der die ganze Sache auf den Kopf stellen würde. Geschickt werden hier und da kleine Hinweise fast wie Brotkrumen verstreut sowie verschiedene Motive eingebaut. Die diffuse, recht authentische Entwicklung der Handlung erlaubt es jedem Zuschauer, sich seinen eigenen Reim auf die Serie zu machen und die kuriose Situation auf Augenhöhe mit der Protagonistin zu erleben. Hauptdarstellerin Natasha Lyonne stolpert mit krächzend-rauchiger Stimme als dauerpaffende Nadia (mit ihrer mächtigen roten Haarpracht optisch eine Mischung aus Curly Sue und Pumuckl) durch eine Welt zwischen leicht überzeichneter Hipster-Blase und heterogenem Großstadtviertel.

Alle acht Episoden von Matrjoschka sind seit dem 1. Februar 2019 bei Netflix abrufbar.

Matrjoschka (Russian Doll)
Dramedy/Mysteryserie USA 2019. 8 Folgen. Gesamtlänge: ca. 212 Minuten.
Mit: Natasha Lyonne, Greta Lee, Charlie Barnett, Elizabeth Ashley, Yul Vasquez u.a. Idee: Natasha Lyonne, Leslye Headland, Amy Poehler.

 

Credits:
Bilder (c) Netflix.


Castle: Staffel 5 (Kurzkritik)

10. Februar 2019

2018 hatte ich (mit Ausnahme von einzelnen Wiederholungen im linearen Fernsehen) bei Castle pausiert. Ende Januar 2019 wurde meine Sichtung der Krimiserie mit der fünften Staffel fortgesetzt.

Nachdem sie während der Nachforschungen im Fall ihrer ermordeten Mutter fast getötet wird flüchtet sich Detective Kate Beckett (Stana Katic) in die Arme ihres Ermittlungspartners Richard Castle (Nathan Fillion). Die Polizistin und der Krimiautor werden ein Paar, doch müssen sie ihre neue Beziehung vor den NYPD-Kollegen Ryan (Seamus Dever) und Esposito (Jon Huertas) sowie ihrer Vorgesetzten Captain Gates (Penny Johnson Jerald) geheim halten. Keine einfache Sache für das ungleiche Duo. Castle hat unterdessen etwas darunter zu leiden, dass Tochter Alexis (Molly C. Quinn) auszieht und aufs College geht…

Auch in Season 5 gelingt es der Show von Andrew W. Marlohe viel zu selten, sich von der formelhaften Dramaturgie sowie mäßig konstruierten Skripts zu lösen. Einfach mal darauf achten: der Täter ist fast immer jemand, der am Anfang der Ermittlungen befragt wird. Da hilft es nach meiner Meinung auch eher wenig, dass der Bestseller-Autor auf den Spuren von Liam Neeson aus Taken – 96 Hours wandelt, als seine Tochter entführt wird, oder in einer andere Episode eine „tödliche“ DVD à la The Ring im Zentrum des Falles steht. Etwas überzeugender wirkt da schon die Hommage an Alfred Hitchcocks Das Fenster zum Hof. Immerhin gibt es mit Folge 6 (The Final Frontier; deutscher Titel: Mord im Weltall), inszeniert von Jonathan „Commander Riker“ Frakes (Star Trek: The Next Generation), ein echtes Highlight. Beckett und Castle untersuchen dabei den Mord an einem Fan auf einer Science-Fiction-Convention und natürlich wird bei diesem Anlass munter-humorvoll auf die kurzlebige Scifi-Serie Firefly (von Joss Whedon, mit Nathan Fillion in der Hauptrolle) und andere Genre-Werke angespielt. Castle bleibt auch im fünften Jahr solide, überraschungsarme Procedural-Kost, die gerne nebenher konsumiert wird. Am besten hält allerdings die geänderte Beziehung der beiden Protagonisten das Publikum bei der Stange.

Castle: Staffel 5
(Castle: Season 5)
Krimiserie USA 2012/13. FSK 16. 24 Folgen. Gesamtlänge: ca. 988 Minuten.
Mit: Nathan Fillion, Stana Katic, Seamus Dever, Jon Huertas, Penny Johnson Jerald, Tamala Jones, Molly C. Quinn, Susan Sullivan u.a. Idee: Andrew W. Marlowe.

Credits:
Bilder (c) ABC.


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