Sador – Herrscher im Weltraum (Kurzkritik)

19. Juni 2019

Um seinen friedlichen Heimatplaneten vor einem Weltraumtyrannen zu retten macht sich ein junger Held auf die Suche nach tapferen Kämpfern. Willkommen bei Sador – Herrscher im Weltraum oder anders gesagt: „Die sieben glorreichen Sternenkrieger“!

Roger Cormans Star Wars

Tyrann Sador (John Saxon) von den Malmori befindet sich mit seiner Armee von Mutanten auf einem gnadenlosen Eroberungsfeldzug durch die Galaxis. Auch vor dem friedlichen Planeten Ak’ir macht der finstere Despot nicht halt und gibt den Bewohnern sieben Tage Bedenkzeit. Die Alternativen lauten Unterwerfung oder totale Vernichtung durch eine zerstörerische Superwaffe. Einige Bewohner Ak’irs wollen das drohende Schicksal aber nicht hinnehmen und schicken den jungen Shad (Richard Thomas) mit dem intelligenten Raumschiff Nell los, um Söldner im Kampf gegen Sadors Streitkräfte anzuheuern. Shad findet diese in Gestalt der jungen Ingenieurin Nanelia (Darlanne Fluegel), des lässigen Weltraumcowboys (George Peppard), der kampfeslustigen St. Exmin (Sybil Danning) von den Valkyrie, des Echsenmenschen Cayman (Morgan Woodward) aus der Lambda Zone sowie von Nestor (Earl Boen), einem auf mehrere Körper verteilten Bewusstsein, und Gelt (Robert Vaughn), einem desillusionierten Killer.

Nachdem George Lucas 1977 Star Wars – Krieg der Sterne äußerst erfolgreich auf die Leinwand gebracht hatte war die Space Opera als Genre das ultraheiße Ding im Filmbusiness. Doch nicht nur der in Italien gedrehte Kult-Trash-Film Star Crash (1978) von Luigi Cozzi bediente sich ungeniert bei Lucas, auch B-Movie-Legende Roger Corman produzierte seine Version des Stoffes. Unter Regie von Jimmy T. Murakami (Wenn der Wind weht) verknüpft Battle Beyond the Stars (so der Originaltitel) Motive aus der Sternensaga mit der Story des Westerns Die glorreichen Sieben (1960, Regie: John Sturges), welche natürlich wiederum auf Akira Kurosawas Die sieben Samurai (1954) basiert. Robert Vaughn spielt hier praktischerweise die gleiche Rolle wie 20 Jahre zuvor. Mit Richard Thomas (John-Boy von den Waltons; inklusive der passenden Synchronstimme von Luke Skywalker) und George Peppard (Frühstück bei Tiffany, A-Team) ist der Streifen auch sonst prominent besetzt. Die einfach strukturierte, allzu episodische Story mag einen nicht wirklich vom Hocker hauen, die mit nur wenig Geld vom jungen James Cameron (Terminator, Titanic, Avatar) erschaffenen Kulissen und Raumschiffmodelle fand ich dagegen durchaus gelungen. Außerdem hatte die Produktion mehr als drei Soundeffekte zur Verfügung, damals keine Selbstverständlichkeit. Dazu noch ein paar spaßige Einfälle (wie der Whiskey-Spender im Gürtel; Aliens ohne Ohren, die per Wärme kommunizieren; ein Bösewicht, der bisweilen „Arm dran“ ist) und knallige Weltraumgefechte. Aus meiner Sicht ein kurzweiliges, augenzwinkerndes Scifi-Abenteuer, welches aus seinen geringen Mitteln in technischer Hinsicht viel herausholt. Der wichtigste Spezialeffekte dürfte aber dahingehend funktioniert haben, dass die knappen Kostüme von Sybil Danning nicht geplatzt sind (siehe auch Hercules von Luigi Cozzi). Ich kann mich dunkel erinnern, dass Sador – Herrscher im Weltraum in meiner Kindheit öfter im Privatfernsehen wiederholt wurde. Heutzutage läuft der Film wohl nur noch im Pay TV, und leider auch noch im falschen Bildformat.

Sador – Herrscher im Weltraum (Battle Beyond the Stars)
Science-Fiction-Film USA 1980. FSK 12. 98 Minuten. Mit: Richard Thomas, Darlanne Fluegel, John Saxon, George Peppard, Robert Vaughn, Sybil Danning, Morgan Woodward, Earl Boen u.v.a. Regie: Jimmy T. Murakami. Drehbuch: John Sayles.

Credits:
Bilder (c) Warner.

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Die Rote Dame (Kurzkritik)

15. Juni 2019

Eine junge Modefotografin scheint von einem alten Familienfluch heimgesucht zu werden als eine Mordserie die Handschrift ihrer toten Schwester trägt…

Als der Giallo nach Würzburg kam

Die Schwestern Kitty und Evelyn wuchsen bei ihrem Großvater Tobias von Wildenbruck (Rudolf Schündler) in dessem alten Schloss auf, der den beiden Mädchen von einem alten Familienfluch erzählte. Vor Jahrhunderten tötete die schwarze Dame die rote Dame, ihre eigene Schwester. Letztere kehrte aber von den Toten zurück und nahm Rache, indem sie sieben Menschen, als letztes die überlebende Schwester, meuchelte. Bei einem Streit zwischen den erwachsenen Kitty (Barbara Bouchet) und Evelyn kommt es zu einem schweren Unfall, in dessen Folge Evelyn stirbt. Mit der Hilfe der anderen Schwester Franziska (Marina Malfatti) gelingt es den Todesfall zu verheimlichen. Einige Jahre später, Großvater Tobias ist gerade verstorben, beginnt eine schaurige Mordserie im Umfeld von Kitty, mittlerweile eine erfolgreiche Modefotografin. Ist Evelyn etwa als rote Dame wiederauferstanden, um Vergeltung zu üben? Kitty beginnt an ihrem Verstand zu zweifeln…

Auch wenn mich Suspiria (1977) von Dario Argento in ästhetischer Hinsicht sehr beeindruckt hat, so packte mich das „Giallo-Fieber“ in der Folge überhaupt nicht. Dennoch wagte ich bei einem hinsichtlich seiner Entstehung und Verbreitung kuriosen Film einen Blick: Die Rote Dame (1972) von Regisseur Emilio Miraglia wurde nämlich nicht nur in italienischen Studios gedreht. Die Außenaufnahmen entstanden (freilich eine Dekade bevor ich geboren wurde) in meiner Wahlheimat Würzburg sowie in der tauberfränkischen Kleinstadt Weikersheim. Für mich persönlich daher sehr interessant, einige bekannte Schauplätze in ihrer „Vergangenheitsform“ im Film zu erleben. Auch dank des Settings zwischen hipper Modewelt, stylisher Architektur und unheimlicher Schlosskulisse wirkt Die Rote Dame ordentlich inszeniert. Die Handlung wird aber gleichzeitig wirr und umständlich erzählt. Ich habe bei den zahlreichen Frauen (wie viele Schwestern waren es nochmal???) im Film, von denen die meisten wohl nur auftreten um gekillt zu werden (die rote Dame tötet schließlich sieben Mal!), irgendwann auch den Überblick verloren. Die große Auflösung ist dann völlig an den Haaren herbeigezogen. Mit Rudolf Schündler (der nicht nur den verknöcherten Pauker Dr. Knörz in den Lümmel von der ersten Bank-Filmen spielte, sondern etwa auch Rollen in Suspiria und Der Exorzist hatte) als siechem Opa und der späteren B-Movie-Walküre Sybil Danning (Sador – Herrscher im Weltraum, Hercules [1983]) als intrigantem Model waren mir zwei der Darsteller nicht ganz unbekannt. Trotz deutscher Produktionsbeteiligung kam der Film hierzulande gar nicht in die Kinos und wurde nach über einer Dekade (im Giftschrank?) 1984 als Horror House in einer verstümmelten Fassung (ca. 20 Minuten fehlen) auf Video veröffentlicht. Auf DVD gibt es diesen italienischen Reißer unter dem englischen Titel The Red Queen Kills 7 Times mittlerweile ungekürzt.

Die Rote Dame
(La dama rossa uccide sette volte)
Thriller Italien, Deutschland 1972. FSK 18. 99 Minuten. Mit: Barbara Bouchet, Udo Pagliai, Marina Malfatti, Marino Masé, Sybil Danning u.a. Regie: Emilio Miraglia. Drehbuch: Fabio Pittorru und Emilio Miraglia.

 

Credits
Bilder (c) Eyecatcher Movies


She-Ra und die Rebellenprinzessinnen: Staffel 2 (Kurzkritik)

6. Juni 2019

Der Kampf um Etheria geht weiter. Mit neuer Technologie versucht die finstere Horde den Planeten zu unterjochen. Doch Heldin She-Ra und ihre Freundinnen leisten nimmermüden Widerstand…

„For the Honor of Grey Whales!“

Zwar gelang es Adora, der neuen Inkarnation der magischen Heldin She-Ra, sowie ihren Freunden Glimmer und Bow die Prinzessinnen Etherias zu vereinen und den Angriff der Horde auf Brightmoon zurückzuschlagen, doch der Krieg ist noch lange nicht vorbei. Mithilfe der genial-verrückten Wissenschaftlerin Entrapta arbeitet der finstere Lord Hordak an neuen Technologien, um den Planeten in seine Gewalt zu bringen. Adoras ehemals beste Freundin Catra hat die dunkle Magierin Shadow Weaver als Hordaks rechte Hand abgelöst, kämpft jedoch mit ihrer neuen Rolle…

Der jungen preisgekrönte Comic-Autorin und Zeichnerin Noelle Stevenson (Nimona) und Dreamworks Animation gelang es mit der ersten Staffel von She-Ra und die Rebellenprinzessinnen ein äußerst ausgewogenes Update des 1980er Cartoons zu erschaffen. Weg von den rein nach Schema F abgefrühstückten Plots und auf ihre Funktionalität reduzierten, nicht selten sexualisiert dargestellten „Figuren“, die den Hauptzweck, nämlich den Verkauf von Spielzeug, erfüllten. Stattdessen menschelnde Charaktere mit Stärken und Schwächen in neutraler oder gar genderqueerer Optik und ein durchgehender Handlungsbogen. Die als Season 2 veröffentlichen sieben Folgen bilden freilich nur eine Zwischenspiel zu weiteren (insgesamt hat Netflix vier „Story Arcs“, also Staffeln, bestellt) und so wirkt diese Halbstaffel etwas unfertig. Dennoch gelingt es in der kurzen Zeit, die Dynamik der Charaktere untereinander zu vertiefen und die zentrale Geschichte voranzutreiben. Die konsequente „whimsicalness“ vieler Figuren mag für manchen Zuschauer etwas anstrengend sein, ich finde dagegen, dass diese selbstironische Brechnung den Charme der Serie ausmacht. In Folge vier („Roll With it“) wird im Rahmen einer überkandidelten Planungsrunde die Originalshow auf herrlich amüsante Weise zitiert/parodiert.

Die zweite Staffel von She-Ra und die Rebellenprinzessinnen ist seit dem 26. April 2019 bei Netflix abrufbar. Eine dritte Season wird am 2. August 2019 erscheinen.

She-Ra und die Rebellenprinzessinnen: Staffel 2
(She-Ra and the Princesses of Power: Season 2)
Zeichentrick/Fantasy-Serie USA 2019. 7 Folgen. Gesamtlänge: 168 Minuten. Nach der Originalserie von Larry DiTillo und J. Michael Straczynski. Adaption: Noelle Stevenson.

Credits:
Bilder (c) Netlix/Dreamworks.


The Mermaid (2016) (Kurzkritik)

4. Mai 2019

Ein schwerreicher Mega-Mogul will ein Naturschutzgebiet in ein teures Immobilienparadies verwandeln. Die dort gestrandeten Meermenschen versuchen ihren Lebensraum zu verteidigen und schicken eine hübsche Meerjungfrau, um den Geschäftsmann zu töten…

Geld oder Liebe

Für Milliarden erwirbt der Business-Tycoon und Playboy Liu Xuan (Chao Deng) eine Bucht, die als Lebensraum für Delfine unter Naturschutz steht. Wie man herausfindet leben aufgrund eines eingesetzten Sonargerätes dort seit langem keine Delfine mehr. Liu Xuan plant daher ein milliardenschweres Immobilienprojekt zu realisieren und hat daher eine Partnerschaft mit der ebenfalls erfolgreichen Geschäftsfrau Liu Ruolan (Kitty Zhang Yuqi) begonnen. Doch in der Bucht lebt eine Gruppe von Meermenschen, die durch das Sonar im Inneren eines Schiffswrackes gestrandet sind. Um ihre bedrohte Existenz zu retten, soll die hübsche Meerjungfrau Shan (Yun Lin) Liu Xuans Gunst gewinnen und ihn dann töten. Doch es verläuft nicht alles wie geplant. Shan verliebt sich dummerweise in den launischen Frauenschwarm, der gar nicht glauben kann, dass sich eine Frau so überhaupt nicht für sein Geld interessiert…

Mit Shaolin Kickers (2001) und Kung Fu Hustle (2004) konnte der aus Hong Kong stammende Schauspieler, Martial-Arts-Experte und Regisseur Stephen Chow auch außerhalb Chinas Erfolge feiern. Mit The Mermaid verknüpft Chow Märchenmotive und spätkapitalistische Dekadenz zu einem etwas kruden Mix aus moderner Öko-Fabel und Romantikkomödie. Meinen Geschmack hat der Humor zwischen albernem Slapstick, munterem Grimassieren und dem Nebeneinanderstellen gegensätzlicher Elemente eher nicht getroffen, wenngleich ich ein paar Szenen durchaus lustig fand (etwa die diversen Fehlversuche das Phantombild einer Meerjungfrau zu zeichnen). Aber insgesamt wirkt die grellbunte, leichte Komödie kurzweilig und vermag mit ihrem schrägen Charme zu unterhalten. Auch dank großer Geheimhaltung während der Produktion und sogenanntem „Hunger Marketing“ avancierte The Mermaid in China zum großen Kassenschlager, spielte bei einem Budget von umgerechnet ca. 60 Millionen Dollar über 500 Millionen ein.

The Mermaid ist seit 17. November 2017 auf DVD und BluRay erhältlich sowie mittlerweile auch bei diversen Streaminganbietern abrufbar.

The Mermaid (Mei ren yu)
Fantasykomödie China 2016. FSK 16. 90 Minuten (PAL-DVD). Mit: Chao Deng, Yun Lin, Kitty Zhang Yuqi, Show Lo u.v.a. Regie: Stephen Chow.

Credits
Bilder (c) Capelight.


Unicorn Store (Kurzkritik)

21. April 2019

Bevor sie in Captain Marvel die erste Heldin mit eigenen Solo-Film im Marvel Cinematic Universe verkörperte, drehte die frischgebackene Oscar-Preisträgerin Brie Larson 2016 ihr Regie-Debüt. In Unicorn Store will sich eine junge Frau ihren langersehnten Kindheitstraum erfüllen und gleichzeitig erwachsen werden.

 

 

Viel Glitzer, wenig Kitsch

Eigentlich wollte die junge Kit (Brie Larson) Malerin werden, doch mit ihren kunterbunten Werken wird sie an der Kunsthochschule nicht angenommen. Aus Enttäuschung über ihr Scheitern verkriecht sich Kit im Keller ihres Elternhauses und verfolgt das stumpfsinnige TV-Programm. Schließlich beschließt Kit, ihr Leben in die Hand zu nehmen und ergattert einen Job als Zeitarbeitskraft in einer Werbeagentur. Kurz darauf erhält sie eine mysteriöse Einladung eines Ladens namens „The Store“. Dort trifft sie auf den schrill gekleideten „Salesman“ (Samuel L. Jackson), der ihr genau das verkaufen möchte, was sie sich seit ihrer Kindheit gewünscht hat: ein Einhorn. Zuvor muss Kit allerdings einige Aufgaben erfüllen: eine Unterkunft für das Tier bauen, Heu besorgen und die Beziehung zu ihren etwas übereifrigen Eltern (Joan Cusack, Bradley Whitford) verbessern. Einfacher gesagt als getan…

Kurz nach dem Gewinn ihres Oscars als beste Hauptdarstellerin für Raum (2015) erhielt Brie Larson die Gelegenheit, erstmalig Regie zu führen. Unicorn Store, in welchem Larson auch die Hauptrolle spielt, debütierte im September 2017 auf dem Internationalen Filmfestival von Toronto, erhielt aber erst durch den Streaminganbieter Netflix eine flächendeckende Veröffentlichung in diesem Jahr. Obwohl die Protagonistin weder mit Farbe noch mit Glitzer geizt und immer noch in ihrem kunterbunten Kinderzimmer lebt, so sorgt die unaufgeregte Inszenierung Larsons dafür, dass die Angelegenheit nicht im Kitsch versinkt. Wer schon ein paar Coming-of-Age-Filme gesehen hat, den wird dieser kleine Indie-Streifen sicherlich nicht vom Hocker reißen. Die authentischen zwischenmenschlichen Beziehungen, die starken Darsteller – nicht nur Brie Larson und der schrill gestylte Samuel L. Jackson, sondern etwa auch Hamish Linklater (Legion) als sozial unbeholfener Don-Draper-Verschnitt – sowie die kleinen Lektionen auf dem Weg zur möglichen Wunscherfüllung machen aus Unicorn Store eine wundersame kleine Filmperle, weder zu albern noch zu tragisch.

 

Unicorn Store ist seit dem 5. April 2019 bei Netflix abrufbar.

 

Unicorn Store
Komödie/Drama USA 2017. 91 Minuten. Mit: Brie Larson, Samuel L. Jackson, Joan Cusack, Bradley Whitford, Mamoudou Athie, Hamish Linklater, Martha MacIsaac, Karan Soni u.a. Drehbuch: Samantha McIntyre. Regie: Brie Larson.

Credits
Bilder (c) Netflix.


Derry Girls (Kurzkritik)

14. April 2019

Erwachsenwerden ist nicht einfach. Vor allem nicht, wenn man als Teenager in Derry zur Zeiten des Nordirland-Konfliktes lebt. Aus dieser Ausgangssituation hat Lisa McGee die Comedyserie Derry Girls erschaffen, die hierzulande bei Netflix zu sehen ist.

Teenage Troubles

Erin (Saoirse-Monica Jackson) ist 16 und lebt mit ihrer katholischen Familie, Mutter Mary (Tara Lynne O’Neill) und Vater Gerry (Tommy Tiernan) sowie Tante Sarah (Kathy Kiera Clarke) und Cousine Orla (Louisa Harland) – beide auf ihre eigene Art durchgeknallt – in der nordirischen Grenzstadt Derry. Die Sippe komplettieren der knorrige Großvater Joe (Ian McElhinney) und Baby Anna, Erins Schwester. Gemeinsam mit Orla sowie ihren Freundinnen Clare (Nicola Coughlan) und Michelle (Jamie-Lee O’Donnell) besucht Erin die katholische Mädchenschule „Our Lady Immaculate“, geleitet von der dauergenervten Ordensschwester Michael (Siobhan Sweeney). Zu aller Überraschung wird Michelles englischer Cousin James (Dylan Llewellyn) als erster männlicher Schüler aufgenommen. Weniger die Gefahren des Nordirland-Konfliktes bestimmen die Lebenswirklichkeit der Mädchen, sondern vielmehr ganz normale Teenager-Probleme…

Die fiktionale Verarbeitung des Nordirland-Konfliktes zwischen den unionistischen Protestanten und den irisch-nationalistischen Katholiken, der zwischen Ende der 1960er und Ende der 1990er für etwa 3 500 Todesopfer und über 47 000 Verletzte sorgte, erfolgte bisher (berechtigerweise) nur in ernster Form, in Kinofilmen wie Im Namen des Vaters (1993) und Hunger (2008). Die Bühnen- und Fernsehautorin Lisa McGee (Raw) schuf aus ihren Jugenderinnerungen zur Zeit der „Troubles“ (wie der Konflikt im englischen Sprachraum genannt wird) allerdings kein knallhartes (Teenie-)Drama, sondern eine schräge Comedyserie. Abgesehen vom Setting, dessen tragisch-gefährliche Situation meist nur Hintergrundrauschen darstellt, bietet Derry Girls die üblichen Themen und Problematiken, die Teenager eben bewegen, wie erste romantische/sexuelle Erfahrungen, das Mühsal der Schule, Streit mit den Eltern und die Hoffnung auf eine rosige Zukunft. McGee gestaltet dieses Minenfeld des Erwachsenwerdens als temporeichen Sechsteiler, der nicht nur von seinen eigensinnig bis urigen, gleichzeitig irgendwie authentischen Figuren und dem herrlichen Akzent (die Serie wurde dankenswerterweise nicht in andere Sprachen synchronisiert, sondern ist bei Netflix im Original mit deutschen oder englischen Untertitel verfügbar) lebt. Ohne den schwarzen Humor, einen stark vorherrschenden Katholizismus und die irrational-komisch agierenden Schauspieler (Nicola Coughlan, die Darstellerin der putzigen Clare war bei den Dreharbeiten zur ersten Staffel bereits 30 Jahre alt), darunter der aus Game of Thrones bekannte Ian McElhinney als Opa Joe, wäre Derry Girls nicht einmal halb so spaßig. Diverse Hits aus der Dekade (von Salt’n’Pepa über Ace of Base bis zu Whigfield) und andere Referenzen verankern das Geschehen fest in den 1990ern. Die Ambivalenz des nordirischen Lebens zwischen Normalität und Bombenterror unterstreicht die Schlussmontage auf sehr passende Weise. Im Vereinigten Königreich premierte die Serie im Januar 2018 bei Channel 4 und erreichte mit durchschnittlich 500 000 Zuschauern in Nordirland (ein Marktanteil von ca. 64 Prozent) die höchsten dort jemals gemessenen Einschaltquoten.

Die erste Staffel von Derry Girls ist seit dem 21. Dezember 2018 bei Netflix abrufbar. Vom 5. März bis 9. April 2019 lief Season 2 beim britischen Channel 4.

Derry Girls
Comedyserie UK 2018. 6 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 142 Minuten. Mit: Saoirse-Monica Jackson, Louisa Harland, Nicola Coughlan, Jamie-Lee O’Donnell, Dylan Llewellyn, Tara Lynne O’Neill, Kathy Kiera Clarke, Siobhan McSweeney, Tommy Tiernan, Ian McElhinney u.a. Idee & Drehbuch: Lisa McGee. Regie: Michael Lennox.

Credits
Bilder (c) Netflix/Channel 4.


Tatort: Murot und das Murmeltier (Kurzkritik)

23. März 2019

Und es gibt sie doch ab und zu: Episoden aus der seit knapp 50 Jahren laufenden ARD-Krimireihe Tatort, die das gängige Schema des Formats (Am Anfang passiert ein Mord, der am Ende aufgeklärt ist) über Bord werfen und etwas Erfrischendes wagen. In Murot und das Murmeltier steckt der titelgebende Kommissar in einer Zeitschleife fest…

Ein Tag wie jeder andere

Wiesbaden. Eines Morgens wird Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) von einem Anruf seiner Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) geweckt. Zwei Bankräuber halten mehrere Geiseln in einer Bankfiliale fest. Am Ort des Geschehens macht sich

Murot ein Bild von der Situation und betritt die Bank. Dort versucht er die beiden Täter (Christian Ehrich, Nadia Dubois) zur Aufgabe zu überreden. Die Geiselnahme scheint beendet, da wird Murot plötzlich erschossen. Er erwacht jedoch in seinem Bett und wird von Frau Wächter zu einer Geiselnahme in einer Bank gerufen…

Das Format der Zeitschleife in Filmen oder Serienfolgen mag nicht mehr besonders neu sein. Als Glanzstunde dieser Erzählvariante gilt natürlich Harold Ramis‘ Komödie Und täglich grüßt das Murmeltier (1993) mit Billy Murray als griesgrämigen Wettermoderator. Die kürzlich veröffentliche Netflix-Produktion Matrjoschka lässt eine krawallige New Yorkerin den Tag und die Nacht ihrer Geburtstagsparty immer wieder durchleben. In Murot und das Murmeltier (sic!) vom Hessischen Rundfunk, der siebten Tatort-Folge mit dem von Ulrich Tukur verkörpertem LKA-Beamten, müht sich der Titelheld, eine Geiselnahme ohne Blutvergießen zu beenden. Regisseur und Drehbuchautor Dietrich Brüggemann (Kreuzweg, Heil), der auch die vom HR-Sinfonieorchester eingespielte Musik komponiert hat, liefert aber bei weitem keinen müden Abklatsch, sondern variiert das Szenario, bevor sich die wiederholten Elemente abnutzen. Schräger Humor, so manch aberwitzige Wendung und die gut aufgelegten Darsteller um Ulrich Tukur, Barbara Philipp und Christian Ehrich, sorgen für einen im besten Sinne ungewöhnlichen Tatort, welcher die treue Fangemeinde der Dauer-Krimi-Serie sicherlich gespalten hat. Murot und das Murmeltier wurde nach seiner Premiere auf dem Festival des Films am 30. August 2018 in Ludwigshafen mit dem Filmkunstpreis ausgezeichnet. Zurecht möchte man meinen, denn einerseits wird hier die Last des Alltagstrotts thematisiert und dem schalen Einheitsbrei der deutschen Fernsehkrimi-Landschaft gekonnt der Spiegel vorgehalten.

Nach der TV-Premiere am 17.02.2019 im Ersten istTatort: Murot und das Murmeltier noch bis einschließlich 17. Mai 2019 in der ARD-Mediathek abrufbar.

Tatort: Murot und das Murmeltier
TV-Krimi Deutschland 2018. 89 Minuten. Mit: Ulrich Tukur, Barbara Philipp, Christian Ehrich, Nadia Dubois, Tom Lass, Jörg Bundschuh, Felix Schönfuss, Monika Wojtyllo, Sascha Nathan, Anna Brüggemann, Jakob Stöve, Katharina Schlothauer u.a. Drehbuch und Regie: Dietrich Brüggemann.


Credits:
Bilder (c) ARD/HR.


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