Derry Girls (Kurzkritik)

14. April 2019

Erwachsenwerden ist nicht einfach. Vor allem nicht, wenn man als Teenager in Derry zur Zeiten des Nordirland-Konfliktes lebt. Aus dieser Ausgangssituation hat Lisa McGee die Comedyserie Derry Girls erschaffen, die hierzulande bei Netflix zu sehen ist.

Teenage Troubles

Erin (Saoirse-Monica Jackson) ist 16 und lebt mit ihrer katholischen Familie, Mutter Mary (Tara Lynne O’Neill) und Vater Gerry (Tommy Tiernan) sowie Tante Sarah (Kathy Kiera Clarke) und Cousine Orla (Louisa Harland) – beide auf ihre eigene Art durchgeknallt – in der nordirischen Grenzstadt Derry. Die Sippe komplettieren der knorrige Großvater Joe (Ian McElhinney) und Baby Anna, Erins Schwester. Gemeinsam mit Orla sowie ihren Freundinnen Clare (Nicola Coughlan) und Michelle (Jamie-Lee O’Donnell) besucht Erin die katholische Mädchenschule „Our Lady Immaculate“, geleitet von der dauergenervten Ordensschwester Michael (Siobhan Sweeney). Zu aller Überraschung wird Michelles englischer Cousin James (Dylan Llewellyn) als erster männlicher Schüler aufgenommen. Weniger die Gefahren des Nordirland-Konfliktes bestimmen die Lebenswirklichkeit der Mädchen, sondern vielmehr ganz normale Teenager-Probleme…

Die fiktionale Verarbeitung des Nordirland-Konfliktes zwischen den unionistischen Protestanten und den irisch-nationalistischen Katholiken, der zwischen Ende der 1960er und Ende der 1990er für etwa 3 500 Todesopfer und über 47 000 Verletzte sorgte, erfolgte bisher (berechtigerweise) nur in ernster Form, in Kinofilmen wie Im Namen des Vaters (1993) und Hunger (2008). Die Bühnen- und Fernsehautorin Lisa McGee (Raw) schuf aus ihren Jugenderinnerungen zur Zeit der „Troubles“ (wie der Konflikt im englischen Sprachraum genannt wird) allerdings kein knallhartes (Teenie-)Drama, sondern eine schräge Comedyserie. Abgesehen vom Setting, dessen tragisch-gefährliche Situation meist nur Hintergrundrauschen darstellt, bietet Derry Girls die üblichen Themen und Problematiken, die Teenager eben bewegen, wie erste romantische/sexuelle Erfahrungen, das Mühsal der Schule, Streit mit den Eltern und die Hoffnung auf eine rosige Zukunft. McGee gestaltet dieses Minenfeld des Erwachsenwerdens als temporeichen Sechsteiler, der nicht nur von seinen eigensinnig bis urigen, gleichzeitig irgendwie authentischen Figuren und dem herrlichen Akzent (die Serie wurde dankenswerterweise nicht in andere Sprachen synchronisiert, sondern ist bei Netflix im Original mit deutschen oder englischen Untertitel verfügbar) lebt. Ohne den schwarzen Humor, einen stark vorherrschenden Katholizismus und die irrational-komisch agierenden Schauspieler (Nicola Coughlan, die Darstellerin der putzigen Clare war bei den Dreharbeiten zur ersten Staffel bereits 30 Jahre alt), darunter der aus Game of Thrones bekannte Ian McElhinney als Opa Joe, wäre Derry Girls nicht einmal halb so spaßig. Diverse Hits aus der Dekade (von Salt’n’Pepa über Ace of Base bis zu Whigfield) und andere Referenzen verankern das Geschehen fest in den 1990ern. Die Ambivalenz des nordirischen Lebens zwischen Normalität und Bombenterror unterstreicht die Schlussmontage auf sehr passende Weise. Im Vereinigten Königreich premierte die Serie im Januar 2018 bei Channel 4 und erreichte mit durchschnittlich 500 000 Zuschauern in Nordirland (ein Marktanteil von ca. 64 Prozent) die höchsten dort jemals gemessenen Einschaltquoten.

Die erste Staffel von Derry Girls ist seit dem 21. Dezember 2018 bei Netflix abrufbar. Vom 5. März bis 9. April 2019 lief Season 2 beim britischen Channel 4.

Derry Girls
Comedyserie UK 2018. 6 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 142 Minuten. Mit: Saoirse-Monica Jackson, Louisa Harland, Nicola Coughlan, Jamie-Lee O’Donnell, Dylan Llewellyn, Tara Lynne O’Neill, Kathy Kiera Clarke, Siobhan McSweeney, Tommy Tiernan, Ian McElhinney u.a. Idee & Drehbuch: Lisa McGee. Regie: Michael Lennox.

Credits
Bilder (c) Netflix/Channel 4.

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Tatort: Murot und das Murmeltier (Kurzkritik)

23. März 2019

Und es gibt sie doch ab und zu: Episoden aus der seit knapp 50 Jahren laufenden ARD-Krimireihe Tatort, die das gängige Schema des Formats (Am Anfang passiert ein Mord, der am Ende aufgeklärt ist) über Bord werfen und etwas Erfrischendes wagen. In Murot und das Murmeltier steckt der titelgebende Kommissar in einer Zeitschleife fest…

Ein Tag wie jeder andere

Wiesbaden. Eines Morgens wird Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) von einem Anruf seiner Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) geweckt. Zwei Bankräuber halten mehrere Geiseln in einer Bankfiliale fest. Am Ort des Geschehens macht sich

Murot ein Bild von der Situation und betritt die Bank. Dort versucht er die beiden Täter (Christian Ehrich, Nadia Dubois) zur Aufgabe zu überreden. Die Geiselnahme scheint beendet, da wird Murot plötzlich erschossen. Er erwacht jedoch in seinem Bett und wird von Frau Wächter zu einer Geiselnahme in einer Bank gerufen…

Das Format der Zeitschleife in Filmen oder Serienfolgen mag nicht mehr besonders neu sein. Als Glanzstunde dieser Erzählvariante gilt natürlich Harold Ramis‘ Komödie Und täglich grüßt das Murmeltier (1993) mit Billy Murray als griesgrämigen Wettermoderator. Die kürzlich veröffentliche Netflix-Produktion Matrjoschka lässt eine krawallige New Yorkerin den Tag und die Nacht ihrer Geburtstagsparty immer wieder durchleben. In Murot und das Murmeltier (sic!) vom Hessischen Rundfunk, der siebten Tatort-Folge mit dem von Ulrich Tukur verkörpertem LKA-Beamten, müht sich der Titelheld, eine Geiselnahme ohne Blutvergießen zu beenden. Regisseur und Drehbuchautor Dietrich Brüggemann (Kreuzweg, Heil), der auch die vom HR-Sinfonieorchester eingespielte Musik komponiert hat, liefert aber bei weitem keinen müden Abklatsch, sondern variiert das Szenario, bevor sich die wiederholten Elemente abnutzen. Schräger Humor, so manch aberwitzige Wendung und die gut aufgelegten Darsteller um Ulrich Tukur, Barbara Philipp und Christian Ehrich, sorgen für einen im besten Sinne ungewöhnlichen Tatort, welcher die treue Fangemeinde der Dauer-Krimi-Serie sicherlich gespalten hat. Murot und das Murmeltier wurde nach seiner Premiere auf dem Festival des Films am 30. August 2018 in Ludwigshafen mit dem Filmkunstpreis ausgezeichnet. Zurecht möchte man meinen, denn einerseits wird hier die Last des Alltagstrotts thematisiert und dem schalen Einheitsbrei der deutschen Fernsehkrimi-Landschaft gekonnt der Spiegel vorgehalten.

Nach der TV-Premiere am 17.02.2019 im Ersten istTatort: Murot und das Murmeltier noch bis einschließlich 17. Mai 2019 in der ARD-Mediathek abrufbar.

Tatort: Murot und das Murmeltier
TV-Krimi Deutschland 2018. 89 Minuten. Mit: Ulrich Tukur, Barbara Philipp, Christian Ehrich, Nadia Dubois, Tom Lass, Jörg Bundschuh, Felix Schönfuss, Monika Wojtyllo, Sascha Nathan, Anna Brüggemann, Jakob Stöve, Katharina Schlothauer u.a. Drehbuch und Regie: Dietrich Brüggemann.


Credits:
Bilder (c) ARD/HR.


Mysterious Mermaids (Kurzkritik)

17. März 2019

In Siren, in Deutschland unter dem Titel Mysterious Mermaids bei Pro Sieben ausgestrahlt, erhält eine amerikanische Küstenstadt unerwarteten „Besuch“ von Meerjungfrauen.

Von Meerjungfrauen und Menschen

Die Bewohner des Küstenstädtchens Bristol Cove im US-Bundestaat Washington leben überwiegend vom Fischfang. Der junge Ben Pownall (Alex Roe) arbeitet allerdings nicht bei seiner Familie im großen Fischereiunternehmen der Stadt, sondern kümmert sich gemeinsam mit seiner Freundin Maddie (Fola Evans-Akingbola) als Meeresbiologe um gestrandete Meerestiere. Eines Tages gabelt Ben eine merkwürdige, zierliche Frau (Eline Powell) auf. Kurz zuvor ist ein Fischer verschwunden, der von einer geheimnisvollen Meereskreatur angegriffen wurde…

Zugegebenermaßen war meine Erwartungshaltung bei Mysterious Mermaids eher gering. Schließlich befürchtete ich nach Sichtung des ersten Trailers Teenie-Kitsch mit Hochglanz-Gesichtern, auch weil junge Erwachsene die Zielgruppe des produzierenden US-Senders Freeform sind. Und doch vermag einen die Serie in so mancher Hinsicht positiv zu überraschen. Das liegt nicht nur daran, dass die meisten Schauspieler recht normal aussehen und lediglich Hauptdarstellerin Eline Powell (die bereits im Fantasy-Blockbuster King Arthur: Legend of the Sword eine der drei „Sirenen“ spielte) mit ihrer anderweltlichen Erscheinung hervorragt. Die Inszenierung mag zwar vor allem zu Beginn etwas altmodisch wirken, umschifft aber gekonnt allzu reißerische Schockmomente und vermeidet eine plump übersexualisierte Darstellung der Meerjungfrauen. Inhaltlich bietet Mysterious Mermaids eine solide Story zwischen Meeresmenschen-Mythologie, Öko-Drama und Verschwörungskrimi à la Akte X. Die Meerjungfrauen kommen deshalb dem Land immer näher, weil sie durch die Überfischung ihrer Nahrungsquellen beraubt werden. Da hier mit Sirenen und Meerjungfrauen zwei an sich unterschiedliche Fabelwesen vermischt werden erscheint der englischsprachige deutsche Titel etwas weniger unsinnig als man meinen könnte.

Nach der deutschen Free-TV-Premiere am 27. Februar, 6. März und 13. März 2019 ist die erste Staffel von Mysterious Mermaids aktuell noch in der Mediathek von Pro Sieben oder kostenpflichtig über Amazon Video abrufbar.

Mysterious Mermaids (Siren)
Mysteryserie USA 2018. 10 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 400 Minuten.
Mit: Alex Roe, Eline Powell, Fola Evans-Akingbola, Ian Verdun, Sibongile Mlambo, Rena Owen, Ron Yuan u.a. Idee: Eric Wald & Dean White.

 

Credits:
Bilder (c) Freeform/Pro Sieben.


Matrjoschka (Kurzkritik)

7. März 2019

Eine eigenbrötlerische New Yorkerin stirbt, nur um immer wieder die Nacht ihres 36. Geburtstags zu durchleben. Party ohne Ende? Sex and the City meets Und täglich grüßt das Murmeltier? Matrjoschka hat mehr zu bieten…

Live and Let Die

Nadia (Natasha Lyonne) ist eine erfolgreiche, aber zynische Computerspiel-Programmiererin. Zu ihrem 36. Geburtstag veranstaltet Nadias beste Freundin Maxine (Greta Lee) eine große Party, zu der auch Nadias Ex-Freund John (Yul Vasquez) eingeladen wurde. Als Nadia dem großen Trubel zu entfliehen versucht, stirbt sie plötzlich. Um völlig überraschend wieder dort „aufzuwachen“, wo der Abend begann, in Maxines Badezimmer. Nadia erkennt, dass sie in einer Art Schleife gefangen zu sein scheint. Denn immer wieder segnet sie auf unterschiedliche Arten das Zeitliche, um am Abend der Party neu anzufangen. Überaus irritiert versucht Nadia herauszufinden, was mit ihr passiert. Könnte möglicherweise ihr lockerer Umgang mit Drogen für ihren „Zustand“ verantwortlich sein…?

In Und täglich grüßt das Murmeltier erlebt der griesgrämige Wettermoderator Phil (Bill Murray) immer wieder den „Murmeltier-Tag“, bis er sich besinnt und ein „besserer“ Mensch wird. Ein überraschend unkitschiger, witziger und herzerwärmender Film. 26 Jahre später durchlebt Natasha Lyonne (American Pie) als launige New Yorkerin eine Zeitschleife und das in einer achtteiligen Serie. In Filmen wie Edge of Tomorrow und Source Code wird diese Prämisse im Science-Fiction-Gewand verarbeitet. Matrjoschka (Originaltitel: Russian Doll) beschreitet allerdings andere Wege. Die von Lyonne mit ihrer Schauspielkollegin Amy Poehler (Parks and Recreation) und Regisseurin Leslye Headland (Sleeping with Other People) erschaffene Show, die auf ein rein weibliches Drehbuch- und Regie-Team setzt, verweigert sich einer konkreten (um nicht zu sagen banalen) Lösung oder Erklärung. Außerdem verzichtet man bei der Geschichte auf einen effektheischenden Plottwist, der die ganze Sache auf den Kopf stellen würde. Geschickt werden hier und da kleine Hinweise fast wie Brotkrumen verstreut sowie verschiedene Motive eingebaut. Die diffuse, recht authentische Entwicklung der Handlung erlaubt es jedem Zuschauer, sich seinen eigenen Reim auf die Serie zu machen und die kuriose Situation auf Augenhöhe mit der Protagonistin zu erleben. Hauptdarstellerin Natasha Lyonne stolpert mit krächzend-rauchiger Stimme als dauerpaffende Nadia (mit ihrer mächtigen roten Haarpracht optisch eine Mischung aus Curly Sue und Pumuckl) durch eine Welt zwischen leicht überzeichneter Hipster-Blase und heterogenem Großstadtviertel.

Alle acht Episoden von Matrjoschka sind seit dem 1. Februar 2019 bei Netflix abrufbar.

Matrjoschka (Russian Doll)
Dramedy/Mysteryserie USA 2019. 8 Folgen. Gesamtlänge: ca. 212 Minuten.
Mit: Natasha Lyonne, Greta Lee, Charlie Barnett, Elizabeth Ashley, Yul Vasquez u.a. Idee: Natasha Lyonne, Leslye Headland, Amy Poehler.

 

Credits:
Bilder (c) Netflix.


Castle: Staffel 5 (Kurzkritik)

10. Februar 2019

2018 hatte ich (mit Ausnahme von einzelnen Wiederholungen im linearen Fernsehen) bei Castle pausiert. Ende Januar 2019 wurde meine Sichtung der Krimiserie mit der fünften Staffel fortgesetzt.

Nachdem sie während der Nachforschungen im Fall ihrer ermordeten Mutter fast getötet wird flüchtet sich Detective Kate Beckett (Stana Katic) in die Arme ihres Ermittlungspartners Richard Castle (Nathan Fillion). Die Polizistin und der Krimiautor werden ein Paar, doch müssen sie ihre neue Beziehung vor den NYPD-Kollegen Ryan (Seamus Dever) und Esposito (Jon Huertas) sowie ihrer Vorgesetzten Captain Gates (Penny Johnson Jerald) geheim halten. Keine einfache Sache für das ungleiche Duo. Castle hat unterdessen etwas darunter zu leiden, dass Tochter Alexis (Molly C. Quinn) auszieht und aufs College geht…

Auch in Season 5 gelingt es der Show von Andrew W. Marlohe viel zu selten, sich von der formelhaften Dramaturgie sowie mäßig konstruierten Skripts zu lösen. Einfach mal darauf achten: der Täter ist fast immer jemand, der am Anfang der Ermittlungen befragt wird. Da hilft es nach meiner Meinung auch eher wenig, dass der Bestseller-Autor auf den Spuren von Liam Neeson aus Taken – 96 Hours wandelt, als seine Tochter entführt wird, oder in einer andere Episode eine „tödliche“ DVD à la The Ring im Zentrum des Falles steht. Etwas überzeugender wirkt da schon die Hommage an Alfred Hitchcocks Das Fenster zum Hof. Immerhin gibt es mit Folge 6 (The Final Frontier; deutscher Titel: Mord im Weltall), inszeniert von Jonathan „Commander Riker“ Frakes (Star Trek: The Next Generation), ein echtes Highlight. Beckett und Castle untersuchen dabei den Mord an einem Fan auf einer Science-Fiction-Convention und natürlich wird bei diesem Anlass munter-humorvoll auf die kurzlebige Scifi-Serie Firefly (von Joss Whedon, mit Nathan Fillion in der Hauptrolle) und andere Genre-Werke angespielt. Castle bleibt auch im fünften Jahr solide, überraschungsarme Procedural-Kost, die gerne nebenher konsumiert wird. Am besten hält allerdings die geänderte Beziehung der beiden Protagonisten das Publikum bei der Stange.

Castle: Staffel 5
(Castle: Season 5)
Krimiserie USA 2012/13. FSK 16. 24 Folgen. Gesamtlänge: ca. 988 Minuten.
Mit: Nathan Fillion, Stana Katic, Seamus Dever, Jon Huertas, Penny Johnson Jerald, Tamala Jones, Molly C. Quinn, Susan Sullivan u.a. Idee: Andrew W. Marlowe.

Credits:
Bilder (c) ABC.


Justice League Dark (Kurzkritik)

3. Februar 2019

Wenn dunkle Magie, Dämonen und ähnliche übersinnliche Mächte die Menscheit bedrohen, müssen die gängigen Recken der Gerechtigkeitsliga wie Superman oder Wonder Woman passen. Dann sind Helden wie Constantine, Deadman oder Zatanna gefragt. Gemeinsam mit Batman und anderen bekämpfen sie in Justice League Dark die finsteren Pläne eines Magiers…

League of Extraordinary Magicians

Schaurige Verbrechen erschüttern Gotham City, Metropolis und Washington D.C. zugleich. Einzelne Bewohner der Großstädte greifen ihre Mitmenschen an, weil sie diese plötzlich für Dämonen halten. Superman (Jerry O’Connell), Wonder Woman (Rosario Dawson) und die anderen Mitglieder der „Justice League“ sind ratlos. Nachdem er einen entscheidenden Hinweis erhalten hat, macht sich Batman (Jason O’Mara) auf die Suche nach dem Okkultisten und Magier John Constantine (Matt Ryan). Constantine, Batman sowie die Illusionistin Zatanna (Camilla Luddington), der untote Artist Boston Brand alias Deadman (Nicholas Turturro) und der unsterbliche Jason Blood (Ray Chase) gehen den mysteriösen Vorfällen gemeinsam auf den Grund. Ein mächtiger Zauberer hat scheinbar finstere Mächte entfesselt…

Nach dem enttäuschenden Batman v Superman (2016) beschloss ich, mir die weiteren Kinofilme des DC Extended Universe (DCEU) wie Wonder Woman, Justice League (beide 2017) und Aquaman (2018) zu sparen. Zu meinem Geburtstag im Januar bekam ich die BluRay zu Justice League Dark von einer Freundin geschenkt. Nach Batman: Gotham Knight (2008), Batman: Year One (2011) und dem Kurzfilm Watchmen: Tales of the Black Freighter (2009) mein vierter Animationsfilm nach einem DC-Comic. Visuell knüpfen Regisseur Jay Oliva (u.a. Batman: The Dark Knight Returns) und sein Team an die gängige Zeichentrick-Ästhetik diverser DC-Animationsfilme und -serien an, wobei der Einsatz von Magie hier effektvoll und optisch ansprechend dargestellt wird. Leider sehen die Dämonen aus, als entstammten sie einer Cartoonserie der 1990ern. Ansonsten erweist sich „JLD“ als solider Streifen, der in inhaltlicher Hinsicht zwar viele Elemente und Versatzstücke anreißt, insgesamt aber dennoch nicht zu überladen wirkt. Neben den Serien-Stars Camilla Luddington (Grey’s Anatomy) als Zatanna und Jason O’Mara (Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.) gehört auch Matt Ryan zum Voicecast in der Originalfassung, der seine Rolle aus der kurzlebigen Live-Action-Serie Constantine (2014/15) wieder aufnimmt, wobei er diese auch im Arrowverse verkörpert. Mit der animierten Webserie Constantine: City of Demons erhielt der Okkultismus-Detektiv/Magier außerdem ein Spin-Off. Interessant für mich als jemand, der sowohl die Comics von DC oder Marvel kaum (eigentlich nur aus den Filmen) kennt, dass einige Figuren ihr jeweiliges Gegenstück im anderen Universum besitzen, etwa Constantine – Doctor Strange, Zatanna – Scarlet Witch oder Jason Blood – Hulk (als Versionen von Dr. Jekyll/Mr. Hyde).

Justice League Dark ist seit dem 23. März 2017 auf DVD und BluRay erhältlich. Seit Oktober 2018 gibt es die bisherigen fünf Episoden von Constantine: City of Demons als Schnittfassung in Spielfilmlänge ebenfalls fürs Heimkino.

Justice League Dark
Animationsfilm USA 2017. FSK 12. 76 Minuten. Originalsprecher: Matt Ryan (Constantine), Camilla Luddington (Zatanna), Jason O’Mara (Batman), Nicholas Turturro (Boston Brand/Deadman), Ray Chase (Jason Blood/Etrigan), Jeremy Davies (Ritchie Simpson), Roger Cross (Swamp Thing), Colleen Villard (Orchid), Alfred Molina (Destiny) u.a. Regie: Jay Oliva. Drehbuch: Ernie Altbacker.

Credits:
Bilder (c) Warner Animation/DC.


Watership Down – Unten am Fluss (2018) (Kurzkritik)

18. Januar 2019

Für Kaninchenfans bot 2018 gleich zwei Buchverfilmungen. Nachdem Peter Hase um Ostern in einem Animations-Realfilm-Mix auf der großen Leinwand hoppelte, veröffentlichten die BBC und Netflix kurz vor Weihnachten noch die Neuadaption von Richard Adams‘ Roman Watership Down – Unten am Fluss als vierteilige Miniserie…

Von Kaninchen und mäßigen Animationen

In Südengland. Der junge Fiver (Originalstimme: Nicholas Hoult) bewohnt mit vielen anderen Kaninchen einen großen Bau. Nachdem er eine Vision von der Zerstörung ihrer Heimstätte erlebt, beschließt sein älterer Bruder Hazel (James McAvoy) vor dem bevorstehenden Unheil zu fliehen. Bei Anführer Threahrah (Tom Wilkinson) stoßen die beiden allerdings auf taube Ohren, können aber andere Kaninchen für die Suche nach einer neuen Heimat überzeugen, darunter Bigwig (John Boyega), Bluebell (Daniel Kaluuya) und Dandelion (Daniel Rigby), allerdings keine Weibchen. Und so macht sich die kleine Gruppe auf eine abenteuerliche Reise voller Gefahren, zu denen nicht nur die üblichen Feinde zählen, sondern auch ein vom tyrannischen General Woundwort (Ben Kingsley) geführter Kaninchenstaat…

Der britische Autor Richard Adams (1920-2016) verlieh den Kaninchen in seinem Roman Watership Down (1972) zwar kein anthromorphes Aussehen, dafür aber eine eigene Sprache, Kultur, Mythologie und Gesellschaftsstruktur. 1978 gab es eine erste Adaption, als abendfüllender Zeichentrickfilm von Regisseur Martin Rosen. 40 Jahre später erschien kurz vor Weihnachten die bereits seit ein paar Jahren angekündigte Neuauflage in Form einer animierten Miniserie. Regie führte der Israeli Noam Murro (300: Rise of an Empire), nach einem Drehbuch von Tom Bidwell. Mit einer Laufzeit von insgesamt etwa 200 Minuten besitzt der Vierteiler inhaltlich natürlich die besseren Möglichkeiten, den Stoff adäquat umzusetzen, was hier auch gut genutzt wird. Allerdings hat die 2018er Version ein gravierendes Problem: die Computeranimationen sehen aus als entstammten sie einem Videospiel aus Zeiten der Jahrtausendwende. Irgendwie schien die lange Produktionszeit (angekündigt wurde das Projekt erstmals 2014) nicht ausgereicht zu haben, denn die Animationen und teilweise auch Hintergründe wirken unfertig, trotz der flüssigen Bewegungen der Kaninchen. Insgesamt geriet die Optik recht farblos, das erschwert vor allem die Unterscheidung der einzelnen Charaktere untereinander sehr. „Watership Down 2018“ besticht eher durch die abwechlungsreiche, bewegende Geschichte über den mit gesellschaftkritischen Themen unterfütterten Überlebenskampf besonders gefährdeter Tiere. Die harten Szenen wurden im Gegensatz zum Zeichentrickfilm leider etwas entschärft. Ein Großteil des Budgets von 20 Millionen Pfund dürfte vielleicht für die Gagen des überaus prominenten Voicecasts angefallen sein. Mit den X-Men-Stars James McAvoy und Nicholas Hoult als Hazel bzw. Fiver sowie John Boyega (Star Wars), Peter Capaldi (Doctor Who), Daniel Kaluuya (Black Panther), Gemma Arterton (James Bond – Ein Quantum Trost), Oliva Colman (The Favourite) und Oscar-Preisträger Ben Kingsley liest sich die Besetzungsliste fast wie ein Who-is-Who der aktuellen britischen Schauspielszene. Ich persönlich hätte mich an Ostern 2019 mehr über den Vierteiler gefreut. Dann wären noch ein paar Monate Zeit geblieben, um die Animationen fertig zu rendern.

Die komplette Miniserie ist seit dem 23. Dezember 2018 bei Netflix abrufbar.


Watership Down – Unten am Fluss
(Watership Down)
Animation/Miniserie UK 2018. 4 Folgen. Gesamtlänge: ca. 204 Minuten. Nach dem Roman von Richard Adams. Drehbuch: Tom Bidwell. Regie: Noam Murro.

Credits:
Bilder (c) Netflix/BBC.


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