Besondere Animationsfilme: Im Käfig (2016) (Kurzfilm)

16. Januar 2022

Kurzfilme im Vorprogramm einer Kinovorstellung gehören zur Tradition des Programmkinos. Beim Kinobesuch von Spencer am Freitag kam ich nach langer Zeit wiedermal in den Genuss eines schönen Shorts: Im Käfig von Loïc Bruyère.

Jazz mit Vogel und Bär

Ein Bär lebt allein in einem Käfig. Auf dem Baum nebenan schlüpfen Vogeljunge. Eines der kleinen Vögelchen kann nicht fliegen. Und der Bär kann nicht singen. Die beiden unterschiedlichen Geschöpfe werden Freunde und überwinden ihre Schwierigkeiten.

Kleine putzige Kunstwerke wie Im Käfig (Originaltitel La Cage, international auch als In a Cage bekannt) bieten das i-Iüpfelchen auf einen rundum gelungenen Kinobesuch. Von meinen unzähligen Ausflügen in die wenigen Programmkinos in der Gegend (früher das Casablanca in Ochsenfurt, heute regelmäßig das Central im Bürgerbräu in Würzburg) enthielten manche einen Kurzfilm als kleine Zerstreuung vor dem Hauptfilm. Manchmal kommen dabei solche Perlen wie der schwedische Alltagspercussion-Geniestreich Musik für eine Wohnung und sechs Perkussionisten (2001) heraus. Musikalisch geht es auch in Im Käfig von Animationskünstler und Filmemacher Loïc Bruyère zu. Ein eingesperrter Bär und ein flügellahmer Vogel werden beste Freunde und überwinden ihre Unzulänglichkeiten mit der Hilfe von Musik von Komponist Romain Trouillet, der unter anderem die Netflix-Dokuserie Verhandlung 4 (2021) und das Biopic De Gaulle (2020) vertonte. Passend zu den liebevoll, putzigen und schrägen Zecihnungen Bruyères beginnen die beiden tierischen Freunde irgendwann Jazz zu spielen und der Bär entdeckt sein Talent für Scatsinging. Wegen des Verzichts auf Dialoge eignet sich der kleine Beitrag für ein universelles Publikum, etwa als mögliches Intermezzo, wie man es aus Die Sendung mit der Maus kennt.

Den kompletten Kurzfilm Im Käfig (La Cage) kann man kostenpflichtig bei Vimeo streamen.

 

Im Käfig (La Cage)
Animation/Kurzfilm Frankreich 2016. 6 Minuten.
Musik: Romain Trouillet. Drehbuch, Animation, Schnitt und Regie: Loïc Bruyère.

Credits
Bild (c) Folimage.

 

 


Besondere Animationsfilme: My Baby Left Me (Kurzfilm)

30. Dezember 2021

Im zwarten Alter von 66 Jahren veröffentlichte der slowenisch-ungarische Künstler Milorad Krstić 2018 mit Ruben Brandt, Collector seinen ersten abendfüllenden Animationsfilm. 1995 erschien sein Kurzfilm My Baby Left Me.


Träume voller Sehnsucht und Verlangen

Ein Mann wurde von seiner Geliebten verlassen. Ganz alleine erlebt er nachts immer wieder Träume voller Sehnsucht und Verlangen, welche immer absonderliche Formen annehmen. Da klingelt das Telefon…

Milorad Krstić, geboren 1952 in Slowenien und seit 1990 wohnhaft in Ungarn, hat bisher unter anderem als Maler, Multimediakünstler und Bühnendesigner gewirkt. 23 Jahre vor seinem oben erwähnten Spielfilmdebüt voller Referenzen an Kunst und Popkultur des 20. Jahrhunderts erschien My Baby Left Me 1995 im Wettbewerb der Berlinale und gewann den Silbernen Bären in der Kurzfilm-Sparte. Im 9-Minüter lässt Krstić der psychosexuellen Phantasie seines verlassenen Protagonisten freien Lauf. Herausgekommen ist dabei ein überaus experimenteller, irrwitziger, frivoler und surrealer Trip in das Unterbewusstsein eines Mannes mit gebrochenem Herzen. Der krakelige und nicht selten eher wenig anthromorphe Stil hat bisweilen etwas von den Cutout-Animationen, welche Terry Gilliam für die Fernsehshows und Filme der Monty Pythons schuf. Die ungefilterte Weirdness von Träumen in bewegten Bildern einzufangen dürfte sicherlich äußerst schwierig sein, aber Krstić kommt dem Ganzen hier schon sehr nah.

My Baby Left Me ist als Bonusmaterial auf der Limited Mediabook Edition von Ruben Brandt, Collector enthalten und hier bei Youtube ansehbar.

My Baby Left Me
Animation/Kurzfilm Ungarn 1995. 9 Minuten. Regie: Milorad Krstić.

 

Credits
Filmbilder (c) Varga Studio.

 

 


Rote Robin

4. Dezember 2021

Unaufhaltsam wie jedes Jahr erscheint die Vorweihnachtszeit. Auch wenn ich diesen Wochen aufgrund des endlosen Kommerz- und-Kitsch-Terrors von allen Seiten nicht mehr viel abgewinnen kann, will ich mich doch mal an dem ein oder anderen Weihnachtsfilm versuchen. Heute kommt ein ganz aktueller Kurzfilm der Knetanimationsschmiede Aardman.

Von Krümeln und Sternen

Kurz vor dem Schlüpfen fällt das kleine Rotkehlchen Robin (Originalstimme: Bronte Carmichael) aus dem Nest und wird von einer Mäusefamilie gefunden. Papa Maus (Adeel Akhtar) zieht den kleinen Vogel gemeinsam mit seinen eigenen Kindern groß. Zusammen versucht die Familie immer wieder kleine Leckereien aus den Häusern der Menschen zu stehlen. Doch als Robin im Gegensatz zu ihren Mäusegeschwistern beim Schleichen und Stehlen mehrfach versagt reißt sie aus. Mit einer einsamen Elster (Richard E. Grant) will Robin den leuchtenden Stern vom Weihnachtsbaum in einem Haus der Menschen stehlen. Doch Vorsicht! Eine Katze (Gillian Anderson) ist in der Nähe…

Aardman Animation ist das Synonym für hochwertige Stop-Motion-Animation mit Knetfiguren. Bekannt wurde das Studio aus Bristol vor allem für die abendfüllenden Spielfilme Chicken Run – Hennen rennen (2000), Wallace und Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen (2005), Die Piraten! – ein Haufen merkwürdiger Typen (2012) und Early Man – Steinzeit bereit (2018) sowie TV-Serien wie Shaun das Schaf und viele weitere Kurzfilmen bzw. Specials. Zum diesjährigen Weihnachtsfest gibt es bei Netflix den Kurzfilm Rote Robin von Daniel Ojari und Michael Please. Der 32-Minüter handelt von dem Rotkehlchen Robin, welches von Mäusen aufgezogen wurde und sich trotz seiner unleugbaren Identität als Vogel auch wie eine Maus zu verhalten versucht. Doch das Anschleichen und Stehlen fällt Robin schwerer als seinen befellten Geschwistern, weshalb der kleine Vogel auch mit seinem Schicksal hadert. Diese putzige und für Kinder fast jeden Alters verständliche kleine, lehrreiche Geschichte setzen Ojari, Please und ihr Team mit der von anderen Claymation-Werken gewohnten liebevollen detailverliebten Inszenierung um. Eine jahreszeitenübergreifende Montage, ein mit allerlei Leckereien und weihnachtlichem Schmuck gefülltes Haus der Whomans (wie die Menschen hier von den Tieren genannt werden) oder eine Höhle voller glitzerndem Plunder, all das und viel mehr gibt es hier zu bestaunen.

Man wähnt sich als Zuschauer fast in einem Disney-Film wenn die tierischen Charaktere immer wieder zu singen beginnen und etwa der Raubzug der Mäuse in einem Haus plötzlich zur putzigen Heist-Revue mutiert. Für den kleinen Kurzfilm konnten mit Kinderdarstellerin Bronte Carmichael (Nightflyers, Christopher Robin) als Robin, Adeel Akhtar (The Big Sick, Enola Holmes) als Mäusevater sowie Gillian Anderson (Akte X) als Katze und Richard E. Grant (Gosford Park) als Elster zumindest in der englischen Originalfassung ein namhafter Voicecast gewonnen werden. Vielleicht gibt es ja nächstes oder übernächstes Jahr ein weiteres Abenteuer des Rotkehlchens mit den Mäuseöhrchen.

Rote Robin ist seit dem 24. November 2021 bei Netflix abrufbar.

Rote Robin (Robin Robin)
Animation/Musical/Kurzfilm UK 2021. 32 Minuten.
Originalsprecher: Bronte Carmichael (Robin), Richard E. Grant (Elster), Adeel Akhtar (Papa Maus), Gillian Anderson (Katze) u.a. Drehbuch und Regie: Daniel Ojari und Michael Please.

 

Credits
Bilder (c) Netflix/Aardman Animation.

 


Tilda Swinton Festival: The Human Voice (2020)

19. November 2021

Im letzten Jahr stand Tilda Swinton das erste Mal für den spanischen Regisseur Pedro Almodóvar vor der Kamera. Das Ergebnis, der Kurzfilm The Human Voice, wurde am vergangenen Sonntag in den deutschen Kinos gezeigt.

Seit drei Tagen wartet eine Frau (Tilda Swinton) auf die Rückkehr ihres Geliebten. Die Beziehung steht vor dem Ende und seine Koffer stehen schon zur Abholung bereit. Auch der Hund des Mannes (Dash) sehnt sich nach seinem Herrchen. Mit der Zeit beginnt die Frau zu verzweifeln und zu drastischen Mitteln zu greifen. Da erhält sie einen Anruf…

Tilda Swinton (mittlerweile 61 Jahre jung) hat in ihrer seit gut 30 Jahre andauernden Karriere mit einigen großen und visionären Filmemachern zusammengearbeitet, etwa Sally Potter (Orlando), Derek Jarman (Caravaggio, Edward II), Christoph Schlingensief (Egomania – Insel ohne Hoffnung), David Fincher (Der seltsame Fall des Benjamin Button), Jim Jarmusch (Only Lovers Left Alive, The Dead Don’t Die), Luca Guadagnino (I Am Love, Suspiria [2018]), Bela Tarr (The Man from London), Bong Joon-ho (Snowpiercer), Wes Anderson (Grand Budapest Hotel, The French Dispatch) und kürzlich auch mit Aichatpong Weerasethakul (Memoria, 2021). Das erste Mal mit dem spanischen Regisseur Pedro Almodóvar, bekannt für seine Filme über starke Frauen, sollte allerdings erst inmitten der Corona-Pandemie im Sommer 2020 passieren. Frei nach dem Ein-Personen-Stück La Voix humaine von Jean Cocteau aus dem Jahre 1930 entstand der 30minütige Kurzfilm The Human Voice, in welchem Swinton eine verlassene Frau am Rande des Abgrunds spielt. Wie sich meine schottische Lieblingsschauspielerin in einer One-Woman-Show (mit Hund) geschlagen hat, lest ihr in meiner Filmkritik bei Vieraugen Kino.

Credits
Poster (c) Studiocanal.

 

 


Horroctober 2021, #3: What We Do in the Shadows (Kurzfilm)

12. Oktober 2021

Etwa ein Jahrzehnt vor dem Spielfilm 5 Zimmer Küche Sarg (What We Do in the Shadows) setzten Jemaine Clement und Taika Waititi ihre Idee einer Vampir-Mockumentary schon als Kurzfilm um.


Eternity Sucks?

Drei Vampire – Viago (Taika Waititi), Vulvus (Jemaine Clement) und Deacon (Jonathan Brugh) – sitzen zuhause in ihrem Haus und erzählen vor der Kamera über ihr Leben als Untote. Dabei werden unterschiedliche Themen angesprochen, Mythen über die gefürchteten Blutsauger erläutert sowie die WG-Situation analysiert. Zu später Stunde stürzen sich die drei Mitbewohner schließlich ins Nachtleben von Wellington…

Die Kurzfilm-Version mit dem Untertitel Interviews with Some Vampires (natürlich eine Anspielung auf einen berühmten Roman von Anne Rice und dessen Verfilmung von Neil Jordan) wurde inszenatorisch mit einfachsten Mitteln produziert und wirkt mit seinem reduzierten Look wie eine Mischung aus Fernsehreportage und Home Story. Viele Elemente und Szenen der Spielfilmversion werden vorweggenommen. Dennoch halte ich es für die bessere Idee, den Kurzfilm erst nach Sichtung der abendfüllenden Mockumentary zu sichten. Auffallend wie jugendlicher und daher anders vor allem Clement und Waititi hier noch aussehen. Insgesamt wirkt das alles wie ein überlanger Sketch in Selfmade-Ästhetik, aber bereits hier bewiesen die Macher ihr Gespür für Timing und so gefällt mir die Kurzversion fast genauso gut wie die Langfassung.

Der Kurzfilm What We Do in the Shadows: Interviews with Some Vampires ist im englischen Original mit deutschen Untertiteln als Bonusmaterial auf der DVD und BluRay von 5 Zimmer Küche Sarg enthalten.


What We Do in the Shadows: Interviews with Some Vampires
Kurzfilm Neuseeland 2005. 27 Minuten. Mit: Jemaine Clement, Taika Waititi, Jonathan Brugh u.a. Drehbuch und Regie: Jemaine Clement und Taika Waititi.


Credits
Filmposter (c) Weltkino/Defender Films.

 

 

 

 

 

 


Fire (PoZar) (Kurzfilm)

6. Juni 2020

Altmeister David Lynch hat schon wieder einen neuen Kurzfilm veröffentlicht: Fire (PoZar), kostenlos auf Youtube verfügbar.

Als das Feuer in die Welt kam

Auf den Tag genau vier Monate nachdem der kuriose „Mini-Krimi“ What Did Jack Do? am 20. Januar 2020 beim Streamingdienst Netflix auftauchte hat Kult-Regisseur David Lynch einen neuen Kurzfilm ins Internet gestellt. Doch worum geht es in Fire (PoZar), der bereits 2015 gedreht wurde? Das Feuer wird vom Menschen entdeckt, brennt aber ein Loch in die Welt, durch welches eine unfassbare Schreckensgestalt eindringt und alles in Brand setzt. Am Ende wird die Erde von elch-ähnlichen Kreaturen bevölkert.

Soweit der Versuch einer Inhaltsangabe. Obwohl sich meine Kenntnisse der Werke Lynchs (der ja nicht nur Filme und Serien macht, sondern auch als Maler, Fotograf, Möbeldesigner und Komponist tätig ist) bisher auf seine als misslungen geltende Film-Adaption von Frank Herberts Roman Der Wüstenplanet sowie das Twin Peaks-Universum (die Originalserie, den Kinofilm und die Serien-Fortsetzung von 2017) und den oben erwähnten Kurzfilm beschränkt, so habe ich schon kapiert, dass die Schöpfungen des 74jährigen Amerikaners rätselhaft und geheimnisvoll bleiben. Lynch weigert sich generell, irgendeines seiner Werke zu erklären. Diese sollen für sich selbst sprechen.

Die von Lynch persönlich gezeichneten und von der Japanerin Noriko Miyakawa (bei diversen Lynch-Produktionen für den Schnitt verantwortlich) animierten Bilder wirken auf mich wie eine Mischung aus Scherenschnittkunst und Schattentheater, als altmodische Attraktion auf einem Jahrmarkt. Der polnisch-amerikanische Musiker Marek Zebrowski, mit welchem Meister Lynch das Album Polish Night Music (2007) aufnahm, hat für Fire einen melancholisch-unheilschwangeren Score mit Streicherquartett komponiert. Hinsichtlich der Ästhetik hat mich die ganze Szenerie auch an die berüchtigte achte Folge der oben erwähnten Twin Peaks-Rückkehr erinnert, in welcher nicht nur eine Atombombenexplosion in Superzeitlupe sondern auch eine insektoide Kreatur, fliegende Gebilde und andere äußerst surreale Impressionen zu sehen sind. Meine Interpretation des Ganzen: die Menschheit zerstört durch den unaufhaltsamen Fortschritt ihren eigenen Lebensraum und löscht sich dadurch langfristig selbst aus, bis die Natur den Planeten wieder für sich allein hat.

Fire (PoZar) kann man sich seit dem 20. Mai 2020 auf Youtube ansehen.

Fire (PoZar)
Animation/Kurzfilm USA 2020. 11 Minuten. Animation: Noriko Miyakawa. Musik: Marek Zebrowski. Zeichnungen, Drehbuch und Regie: David Lynch.

Credits
Bild (c) David Lynch Theater.


Destino (Kurzfilm)

2. Mai 2020

Mitte der 1940er Jahre planten die befreundeten Künstler Salvador Dali und Walt Disney ein gemeinsames Projekt, welches Disney aber damals verwarf. Gut 50 Jahre später wurde Destino vollendet, ein siebenminütiger Trickfilm voller surrealer Bilder.

Tempus Fugit

Die Produktionsgeschichte von Destino (zu deutsch Schicksal) ist ähnlich bemerkenswert wie der animierte Kurzfilm selbst. 1945 als Zusammenarbeit von Salvador Dali (1904-1989), dem ikonischen Surrealisten, und Walt Disney (1901-1966), Trickfilmzeichner, Produzent und Urvater des heute wohl größten Unterhaltungskonzerns, begonnen, sollte es gut 50 Jahre dauern bis das Projekt wirklich realisiert und vollendet wurde. John Hench, einer der ersten Zeichner der Walt Disney Company, und Dali erarbeiteten damals zusammen die Story, die als Teil eines Kompilationsfilms im Stile von Fantasia (1940) geplant war. Nach acht Monaten Arbeit gab Disney die Produktion aber aus finanziellen Gründen auf. Walts Neffe und Erbe Roy E. Disney (1930-2009) wurde 1999 während der Produktion von Fantasia 2000 auf Destino aufmerksam. Die französische Außenstelle des Mäusekonzerns wurde beauftragt aus dem bisher lediglich 17 Sekunden Material einen kompletten Kurzfilm zu machen. Regie führte Dominique Monféry, der im Laufe seiner Karriere als Animator an Zeichentrickfilmen wie Der Glöckner von Notre Dame (1996), Hercules (1997), Tarzan (1999) und Ein Köngreich für ein Lama (2000) mitwirkte. 25 Animatoren schufen u.a. aus 100 Stift- und Tintezeichnungen sowie 15 Gemälden Dalis den vorliegenden Streifen, der seine Premiere im Juni 2003 auf dem Festival d’Animation Annecy feierte und 2004 auch für einen Oscar nominiert war.

Es gibt hier keine Dialoge, sondern „nur“ phantastische Bilderwelten und von Alvaro Dominguez bzw. Michael Starobin komponierte Musik mit Gesang von Dora Luz (Die drei Caballeros). Destino erzählt auch keine Geschichte im klassischen Sinn, sondern illustriert die unmögliche Liebe zwischen Dahlia, einer Sterblichen, und Chronos, der männlichen Personifizierung der Zeit. Der Zuschauer begleitet die Frau auf einer abstrakten Traumreise zwischen Disney-typischer Zeichentrick-Ästhetik und den surrealen Kreationen Dalis, die man aus den Werken des spanischen Surrealisten kennt. Ein einmaliger, kurzer Experimentalfilm, der aber lange nachhallt. Ich selbst bin auf Destino erst über Umwege aufmerksam geworden, nämlich in Form einer nicht minder faszinierenden Alternativversion auf Youtube, in welcher die Originalmusik durch die episch-düstere Komposition Persephone von meiner Lieblingsband Dead Can Dance ersetzt wurde.

Destino ist als Bonusmaterial auf der BluRay-Veröffentlichung von Fantasia 2000 enthalten und auch bei Disney+ abrufbar.

Destino
Animation/Kurzfilm Frankreich, USA 2003. 7 Minuten.
Musik: Alvaro Dominguez. Story: Salvador Dali und John Hench. Regie: Dominique Monféry.

Bilder (c) Disney.


What Did Jack Do? (Kurzfilm)

30. März 2020

David Lynch gilt als Meister des surrealistischen Films. Im November 2017 veröffentlichte der amerikanische Filmemacher den Kurzfilm What Did Jack Do? in einem Pariser Museum. Seit Januar 2020 kann man sich den kurzen Streifen bei Netflix ansehen.

Ein Affe, ein Huhn und ein Mord

In einem abgeriegelten Bahnhofsgebäude verhört ein Polizist (David Lynch) einen Verdächtigen in einem Mordfall, nämlich den kleinen Affen Jack (Jack Cruz). Jack gibt sich zu Beginn recht aalglatt, doch dem Polizisten gelingt es mit der Zeit den kleinen Kerl aus der Reserve zu locken…

Auch wenn mir David Lynch schon seit Langem ein Begriff ist, so habe ich von ihm bisher nur Twin Peaks (1990/91), die Orginalserie, den dazugehörigen Film Twin Peaks – Firewalk with me (1992) sowie die 2017er „Rückkehr“ und die gemeinhin als misslungen geltende Verfilmung von Dune – Der Wüstenplanet (1984) gesehen. Twin Peaks hat mich nachhaltig beeindruckt und vor allem hinsichtlich des genialen, absurden Humors sehr überrascht. Zumindest aus humoristischer Gesicht scheint What Did Jack Do? in eine ähnliche Kerbe zu schlagen. Lynch drehte den Kurzfilm bereits 2016, wobei er nicht nur Regie führte und das Drehbuch schrieb, sondern auch Schnitt und Sounddesign sowie die zweite Hauptrolle übernahm. Außerdem war Lynch am Kulissenbau beteiligt. Im November 2017 erfolgte die Weltpremiere im Fondation Cartier pour l’Art Contemporain in Paris, einem Museum für moderne Kunst. Genau zu Lynchs 74. Geburtstag am 20. Januar 2020 erschien das kuriose Filmchen auf Netflix.

Das reduzierte Setting (der ganze Film spielt sich im gleichen Raum ab) und die Schwarzweiß-Bilder verleihen dem 17-Minüter eine stimmungsvolle Film-Noir-Ästhetik. Diese wird durch das im Wechsel von Schuss-Gegenschuss inszenierte Verhör zwar unterstrichen aber durch den Titelhelden gleich wieder karikiert. Denn Jack ist ein kleiner Kapuzineraffe, der dank altmodischer, aber wirkungsvoller Tricktechnik mit einem menschlichem Mund spricht. Im Verlauf der Befragung werden nicht nur Details aus Jacks Leben, sondern auch um seine mögliche Verstrickung in einen Mordfall zu Tage geführt. Dabei werfen sich Affe un Ermittler gegenseitig Dialoge zu, die zum einen aus der Klischeemottenkiste für Kriminalfilme zu stammen scheinen, aber gleichzeitig auch herrlich blumig und schräg daherkommen. Für Fans des Lynchschen Humors sicherlich urkomisch. Da zwischenzeitlich von einer Kellnerin (kleine Rolle für Emily Stofle aka Mrs. Lynch) Kaffee serviert wird und der Polizist eine Zigarette raucht kann man What Did Jack Do? unter Umständen als inoffizieller Nachzügler von Jim Jarmuschs Genussmittel-Episodenfilm Coffee and Cigarettes (2003) sehen. Wenn ich aus meinen bisherigen Lynch-Sichtungen etwas gelernt habe: auf keinen Fall sollte man hier versuchen, alles von vorne bis hinten durch zu interpretieren. Einfach das Gesehene über sich ergehen lassen, egal wie durchgeknallt, albern-absurd, surreal und kurios es wirken mag. Denn dieser kurze Dialog-Krimi hat es wahrlich in sich. Lynch bleibt eben Lynch, auch beim Affentheater.

What Did Jack Do? ist seit dem 20. Januar 2020 bei Netflix abrufbar.

What Did Jack Do?
Kurzfilm/Krimi USA 2017. 17 Minuten. Mit: Jack Cruz, David Lynch u.a. Drehbuch und Regie: David Lynch.

 

Credits
Bilder (c) Netflix.

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Music for One X-Mas and Six Drummers (Kurzfilm)

23. Dezember 2016

Weihnachtsfilme müssen nicht kitschig sein. Oder lang. Den perfekten Pausenfüller zum Fest gibt es in Gestalt eines schwedischen Kurzfilms.

Zehn Jahre nach dem Kurzfilm Musik für eine Wohnung und sechs Perkussionisten (2001) und ein Jahr nach ihrem Langfilmdebüt Sound of Noise (2010) kehrte das schwedische Percussionguerilla-Sextett Six Drummers 2011 in kurzer, weihnachtlicher Mission zurück.

music-for-one-x-mas-and-six-drummers_drummersGetarnt als Weihnachtssänger schleichen sich die sechs Perkussionisten am Heiligabend in ein Altersheim. Während die Bewohner mit ihrer Betreuerin darauf warten, dass die Gäste endlich zum gemeinsamen Singen in den großen Saal kommen, schnappen sich die dreisten Sechs nebenan alles, was sie in die Finger bekommen und machen damit Musik. Ob diverse Bastelutensilien, eine Nähmaschine, ein Webstuhl, Punschgläschen oder gar der Christbaum selbst, alles eignet sich zur kuriosen Tonerzeugung.

Wie schon beim Vorgänger glänzt das schwedische Sextett mit grandiosen Einfallsreichtum bezüglich der Instrumentenwahl. Wer meint, hier wäre einfach alles nachträglich im Tonstudio abgemischt worden, der sollte sich das ein oder andere Live-Video der Band anschauen. Als jemand, der gerne auf Alltagsgegenständen herumtrommelt, muss ich nach diesem Kurzfilm jedenfalls aufpassen, dass ich mich an den Weihnachtstagen nicht durch Missbrauch von „Weihnachtssachen“ bei meinen Verwandten unbeliebt mache.

Den kompletten Kurzfilm kann man sich hier auf Youtube ansehen.


9-10Music for One X-Mas and Six Drummers
Kurzfilm Schweden 2011. 5 Minuten. Mit: Johannes Björk, Magnus Börjeson, Marcus Haraldson, Fredrik Myhr, Sanna Persson, Anders Vestergard u.a. Regie: Ola Simonsson, Johannes Stjärne Nilsson.


Der Kurzkritiken-Sommer #4: Kung Fury (Kurzfilm)

16. Juli 2016

Alter Schwede! Was der Musikvideo-Regisseur David Sandberg dank Crowdfunding mit Kung Fury für eine abgedrehte Hommage an pseudostylishe B-Movies der 1980er gedreht hat, das haut den stärksten Laser-Dino um!

Kurzkritiken-Sommer_Cloud

Seit ihn ein Blitz getroffen hat, ist er nicht mehr einfach nur ein Cop bei der Polizei von Miami, nein „Kung Fury“ (David Sanberg) ist der beste Kung-Fu-Kämpfer der Welt. Seine Kräfte nutzt er freilich im Einsatz gegen Kriminalität. Gerade hat er einen marodierenden Videospielautomaten besiegt, da kündigt sich schon ein wahrlich ebenbürtiger Gegner an: Adolf Hitler (Jorma Taccone) alias „Kung Führer“ ist aus der Nazi-Zeit in die Gegenwart des Jahres 1985 gereist und will die Welt versklaven. Mit der Hilfe des Super-Hackers Hackman (Leopold Nilsson) resit Kung Fury in die Vergangenheit, um Hitler in seiner Zeit zu besiegen. Doch der erste Trip geht schief und Fury landet im Zeitalter der Wikinger und Laser-Dinosaurier…

Kung Fury_PosterBisher fühlte sich Regisseur David Sandberg eher für Werbespots und Musikvideos zuständig. Doch um seinen Traum von einer Kurzfilm-Actionkomödie zu finanzieren startete der Schwede eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne, die 630 000 US-Dollar einbrachte. Was man diesem für Hollywood-Verhältnisse gerade zu mickrigen Budget (lediglich die drittklassigen Billig-Kopien aus dem Hause The Asylum kosten meist weniger) an vergleichsweise ordentlichen CGI-Effekten zustandebringt ist durchaus erstaunlich. Der Film zelebriert bis aufs Äußerste alle Klischees zweiklassiger Actionfilme, die Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Inszenator Sandberg so eingefallen sind: ein aus heutiger Sicht gruseliger Synthiepop-Score (inklusive Abspannsong von The Hoff, der auch einen Cameo hat), Bildästhetik der 1980er (inklusiver absichtlicher Abnutzungserscheinungen einer VHS-Kassette), überbordende Kampfszenen, aufreizende Wikingerbabes, schnelle Autos, Dinosaurier in all ihren Facetten (sei es als sprechender Dino-Cop oder Laser-Raptor) und vieles mehr. Bösewicht „Kung Führer“ wirkt mit seinen Moves allerdings eher wie ein John Travolta-Tanzepigone. Inhaltlich hangelt sich die Story dank absurder Gimmicks und ohne einen Hauch Logik von einer videospielhaften Metzelszene zur nächsten. Aber der Star hinter all diesem Spektakel ist natürlich Master Sandberg himself, optisch eine Mischung aus Bruce Lee und dem jungen Tom Cruise, immer einen trockenen Klischeespruch aus der amerikanischen Actionfilmdialogmottenkiste auf den Lippen. In punkto Spaßfaktor können die uninspirierten Schmalspurfilmer von The Asylum hier so Einiges lernen.

Kung Fury kann man sich kostenlos auf Youtube und anderen Videoportalen ansehen. Für 2018 ist eine Fortsetzung in Spielfilmlänge geplant.

7-10Kung Fury
Action/Science-Fiction/Trash-Kurzfilm Schweden 2015. 31 Minuten. Mit: David Sandberg, Jorma Taccone, Leopold Nilsson, Eleni Young, Helene Ahlson, Andreas Cahling, Erik Hornqvist, Frank Sanderson u.a. Drehbuch und Regie: David Sandberg.

Bild (c) Laser Unicorn.

Demnächst beim Kurzkritiken-Sommer:

El Superbeasto (2009)
Underwater Love (2011)


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