Penny Dreadful: City of Angels, Folge 3

26. Juni 2020

Los Angeles im Jahr 1938. An diesem Ort tummeln sich allerlei gegensätzliche Kräfte Und Natalie Dormer in mehreren Rollen, auch in der dritten Episode von Penny Dreadful: City of Angels.


Let’s Face the Music and Dance

Tiagos älterer Bruder Raul (Adam Rodriguez) ist nach seiner schweren Schussverletzung aus dem Koma erwacht und kann sich an nichts erinnern. Nur, dass der jüngste Vega-Bruder Mateo (Johnathan Nieves) gleichmal mit der Wahrheit über den Schützen rausrückt. Tiago (Daniel Zovatto) trifft an seinem unverhofften freien Tag auf die Radioevangelistin Molly Finnister (Kerry Bishé), die ihren Verpflichtungen und der strengen Mutter entflieht. Die beiden kommen sich beim gemeinsan Besuch des Santa Monica Piers näher. Charlton Townsend (Michael Gladis) muss sich mit Widerstand gegen seinen Autobahnbau in Person von Beverly Beck, einem anderen Stadtratsmitglied, auseinandersetzen. Seine unbeherrschte Art torpediert ein Treffen mit Nazi-Architekt Goss (Thomas Kretschmann). Danach gibt sich Townsend seinen sexuellen Neigungen hin, obwohl ihn Assistentin Alex (Natalie Dormer) eindringlich davor gewarnt hat, um negative Schlagzeilen zu vermeiden.

Unterdessen trauert Tiagos Detective-Partner Lewis Michener (Nathan Lane) um seine beiden jüdischen Freunde Sam und Anton, die in Folge 2 bei ihrer Verfolgung des Wagens von Goss von dessen Chauffeur (Dominic Sherwood) erschossen wurden. Um ihren Tod aufzuklären „befragt“ Lewis einen Studenten (Kyle McArthur) der CalTech, der mit den Nazis Kontakt hatte. Kinderarzt Dr. Peter Craft (Rory Kinnear) macht sich Sorgen um seine „Landsfrau“ Elsa Branson (Natalie Dormer), die von ihrem noch nie in Erscheinung getretenen Ehemann misshandelt wird. Peter versorgt ihre Wunden und lädt sie in seinen speziellen Freundeskreis (German-American Bund) ein. Mateo, der von dem schneidigen Fly Rico (Sebastian Chacon) in der letzten Folge vor den gewaltbereiten Cops um Reilly (Rod MacLachlan) gerettet wurde, nimmt dessen Einladung ins „The Crimson Cat“ an und trifft dort auf die androgyne Rio (Natalie Dormer, wer sonst?). Der Tanzabend im Club wird allerdings durch die Polizei unterbrochen, die eine willkürliche und Latino-feindliche Sperrstunde durchsetzen will. Danach entbrennt eine hitzige Diskussion zwischen Mateo, Fly Rico und Rio, bevor ersterer offiziell bei den Pachucos aufgenommen wird. Nach seinem romantischen Tag mit Molly erfährt Tiago von Lewis, dass diese ein Verhältnis mit James Hazlet, der gemeinsam mit seiner Familie in der Pilotfolge ermordet aufgefunden wurde, hatte.

John Logans „Stadt der Engel“ (nicht zu verwechseln mit dem Hollywood-Kitsch-Remake von Wim Wenders‘ poetischem Der Himmel über Berlin) bleibt ein überaus sonniger Ort der Abgründe, wo Unterdrückung und Leid neben Erfolg und Glück wohnen. Mit der Pachuca Rio lernen wir in dieser Folge die vierte (und hoffentlich letzte) Rolle kennen, in welcher die dämonische Magda auftritt. Nichts gegen Natalie Dormer. In Die Tudors und Game of Thrones hat sie durchaus ihre schauspielerischen Qualitäten bewiesen, aber so langsam hat man sich an ihr satt gesehen. Man stelle sich vor, Dracula und Lucifer hätten sich im Original-PD für den Zuschauer deutlich sichtbar unter die Leute gemischt, um einen Krieg anzuzetteln.

Das übersinnliche Element fehlt in der dritten Episode fast völlig. Dafür ist Einiges an Musik drin. Die Tanzsequenz in der purpurnen Katze (quasi das Moka Efti von City of Angels) einfach herrlich mitreißend. Und Kerry Bishé darf in der Schlussmontage den alten Irving-Berlin-Gassenhauer Let’s Face the Music and Dance von 1936 zum Besten geben. Wohin die Reise beim PD-Spinoff gehen soll erscheint schon recht klar, nur nicht welche Strecke genommen wird.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×03 Wicked Old World
USA 2020. 54 Minuten. Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Sergio Mimica-Gezzan.

Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.


Penny Dreadful Revisited III: Resurrection

24. Juni 2020

Zurück in die Halbwelt von John Logan, wo das grausame Schicksal einer Kreatur enthüllt wird und die Spur von Mina ins Reich der Tiere führt.



„We are the Janus mask. Inseparable. “

Dem kleine Victor Frankenstein (Gus Barry) kommen nach dem Ableben seines Hundes Zweifel daran, ob der Tod wirklich so „serene“ sein kann, wie ihn die romantischen Dichter beschreiben. Bei dieser Gelegenheit wird bereits das Gedicht Ode: Intimations of Immortality (1807) von William Wordsworth zitiert, welches die Serie 24 Episoden später beschließen soll. Wenig später verliert der kleine Victor auch seine Mutter sowie mit ihr den Glauben an einen poetischen Tod. Fortan stehen überwiegend Bücher zu Medizin und Biologie auf dem Leseplan. Frankensteins Obsession mit der Überwindung des Todes beginnt.

Zurück in der Gegenwart. Victors (Harry Treadaway) erste Schöpfung (Rory Kinnear) hat soeben seine zweite (Proteus) auf brutale Weise aus dem Leben gerissen. Das unverhoffte Wiedersehen nimmt Caliban (so der Name der Kreatur) zum Anlass, seinem „Vater“ die traurige Geschichte seiner Geburt und seines „Aufwachsens“ in Einsamkeit zu erzählen. Caliban arbeitet mittlerweile als Bühnenhelfer im Grand Guignol, einem für blutige Performances bekannten Theater, welches von dem exaltierten Altmimen Vincent Brand (Alun Armstrong) geleitet wird, der sich Frankensteins „Erstgeborenem“ angenommen hat.

Unterdessen begreift Ethan Chandler (Josh Hartnett), dass seine Geliebte Brona Croft (Billie Piper) an Tuberkulose erkrankt ist. Um an Geld für die nötige Behandlung zu gelangen lässt sich der Revolverheld wieder von Sir Malcolm Murray (Timothy Dalton) und Vanessa Ives (Eva Green) engagieren. Die Suche nach Mina führt das Trio gemeinsam mit Malcolms Diener Sembene (Danny Sapani), der bisher kaum mehr als drei Sätze sagen durfte, nachts in den Londoner Zoo. Nach der Begegnung mit einem Rudel Wölfe, die dank Ethans Aura harmlos ausgeht entdeckt das Quartett einen „kleinen Vampir“: Fenton (Olly Alexander). Im Keller des Murray-Anwesens angekettet wird der Blutsauger-Boy verhört, mit wenig Erfolg, denn er faselt nur was davon, dass sein Meister allgegenwärtig sei. Es wird immer deutlicher, wer das eigentliche Ziel des namenlosen Finsterlings darstellt.

In dieser Folge sehen wir neben Fentons Angriffssprung die Szene zu einem weiteren Element des genialen Vorspann. Vanessa hat eine Erscheinung von Mina (Olivia Llewellyn) und lässt dabei in Zeitlupe ihre Tasse fallen. Das Spin-Off City of Angels hat leider kein virtuoses Opening, sondern nur ein paar Texteinblendungen. Das gibt Abzuge in der B-Note.

Keinerlei Beanstandungen gibt es bei der eindringlihen Darbietung von Rory Kinnear als Caliban/The Creature. Obwohl seine im Besten Sinne eigenwillige Physiogonomie hinter weißer Schminke verborgen scheint spielt der ebenfalls als „Sidekick“ Bill Tanner in den James-Bond-Filmen mit Daniel Craig bekannte Brite mit großer Feinfühligkeit. Autor Logan legt ihm wundervoll poetische und bildhafte Dialoge in den Mund. Das Ergebnis, wenn die einzige Gesellschaft Lyrik-Bände romantischer Dichter oder manche von Shakespeares Werken sind. Kinnear spielte übrigens bereits Caliban in Der Sturm auf der Bühne.

Als nächstes werde ich mich mit der dritten Folge von Penny Dreadful: City of Angels befassen.

Penny Dreadful, 1×03: Resurrection
Irland, UK, USA 2014. FSK 16. 46 Minuten (PAL-DVD). Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Dearbhla Walsh.

Credits
Szenenfotos (c) Showtime

 

 

 

 

 

 


Penny Dreadful: City of Angels, Folge 2

18. Juni 2020

Direkt an das dramatische Finale der Premierenepisode knüpft die zweite Folge an. Die Stimmung in der Stadt der Engel kocht.

All Lives Matter

Am Ende von Santa Muerte kam es zur Konfrontation der Polizei mit den mexikanischen Bewohnern des Viertels, durch welches die neue Autobahn gebaut werden soll. Todesgöttin Magda (Natalie Dormer) hatte dafür gesorgt, dass es blutig ausgeht. Um seinen verletzten Partner Lewis Michener (Nathan Lane) zu retten sah sich der junge Neu-Detective Tiago Vega (Daniel Zovatto) gezwungen, auf seinen eigenen Bruder Raul (Adam Rodriguez) zu schießen.

Raul liegt nun mit schwersten Kopfverletzungen im Krankenhaus und die Prognose ist denkbar schlecht. Ohne künstliche Beatmung wird er innerhalb von wenigen Tagen sterben. Mama Maria (Adriana Barrazza) kniet die ganze Zeit vor seinem Krankenbett und betet. Die gut ein Dutzend ums Leben gekommenen Mexikaner sind der öffentlichen Meinung egal und werden mit keiner Silbe erwähnt. Aber vier (weiße) Polizisten sind tot und das ist ganz ganz schlimm. Bevor der leicht verletzte Michener im Krankenhaus überhaupt behandelt werden kann verlangt Captain Vanderbilt (Brent Spiner) den Mordfall an der weißen Familie aus der ersten Folge umgehend mit der Festnahme eines Mexikaners abzuschließen. Der für den Autobahnbau verantwortliche Stadtrat Townsend (Michael Gladis) wird von seiner burschikosen Assistentin Alex (eine „Verkleidung“ Magdas) dazu angespornt, den Tod der Cops für seine Zwecke auszuschlachten, was dieser auch bereitwillig tut.

Magdas zweite Rolle ist die der geplagten deutschen Ehefrau/Mutter Elsa, die mit tränenreichen (falschen) Geschichten von ihrer schlimmen Ehe sowie aus dem Berlin der Nachkriegszeit den sich in den Staaten fremd fühlenden deutschen Kinderarzt Dr. Peter Craft (Rory Kinnear) manipuliert. Peter ist unglücklich mit der abwesend wirkenden, kränklichen Linda (Piper Perabo) verheiratet und stellt sich beim Vollzug der ehelichen Pflichten mittlerweile seine Landsfrau vor. Während mir die Performances von Natalie Dormer in bisher drei Rollen schon nach zwei Folgen etwas zu dick aufgetragen erscheinen empfinde ich Rory Kinnear (der im Original-PD noch das tragische Monster Frankensteins verkörperte) als den viel wirkungsvolleren Akteur.

Tiago und Lewis nehmen die Kirche unter die Lupe, welcher die ermordete Familie Hazlett angehörte: Joyful Voices Ministry. Während Tiago einer Vorführung der charismatischen und hübschen Radio-Evangelistin Sister Molly (Kerry Bishé), dem medialen Aushängeschild der Glaubensgemeinschaft, beiwohnt, die ihre Gläubigen mit einem Jazzsong unterhält, beißt sein erfahrener Partner bei der Geschäftsführerin Adelaide Finnister (herrlich zerknittert: Amy Madigan), Mollys Mutter, ziemlich auf Granit. Beim gemeinsamen Spülen und Abtrocken in einer Einrichtung der Joyful Voices befragt Tiago Molly nicht nur zu den Mordopfern, sie erzählt auch von ihrem Werdegang und einschneidenden Erlebnissen. Da bahnt sich etwas an. Wie in einer Woody-Allen-Klamotte observieren Detective Michener und seine Kollegen vom „jüdischen Amateur-Detektiv-Club“ zu später Stunde den Nazi-Architekten Richard Goss (Thomas Kretschmann). Die Spur führt zum California Institute of Technology und endet tödlich.

Die Szenerie von City of Angels bleibt ein Pulverfass, welches sicherlich mehrfach explodieren wird. Und die aktuelle Nachrichtenlage beweist, dass Rassismus und Polizeigewalt leider keine Probleme von damals (1938) sind.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×02: Dead People Lie Down
USA 2020. 54 Minuten. Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Paco Cabezas.

Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.

 


Penny Dreadful Revisited II: Séance

15. Juni 2020

Weiter geht es beim Rewatch von Penny Dreadful. In der zweiten Folge wird unter anderem das Hauptfigurenensemble komplettiert. Und eine der denkwürdigsten Serien-Momente spielt sich ab…

 

„You do not belong here. Even less than I. „

Während die erste Episode „nur“ einen blutigen ersten Blick in die Abgründe der „Demimonde“ warf und sich geschickt in Vorahnung und Geheimniskrämerei hüllt so werden in Folge 2 die Tarotkarten schon ziemlich auf den Tisch gelegt. Séance ist unfassbar großartig. Doch wo soll ich anfangen?

Ethan Chandler (Josh Hartnett) und der Zuschauer lernen die todkranke irische Prostituierte Brona Croft (Billie Piper) kennen. Die beiden plaudern beim gemeinsamen „Whiskey-Frühstück“ über Gott und die Welt. Mit Bronas nächstem Job wird auch Dorian Gray (Reeve Carney) vorgestellt. Wahrlich creepy wie sich der unsterbliche Hedonist beim „Porno-Shooting“ (bewegte Bilder gab es 1891 noch nicht wirklich) an Bronas allmählich dahinsiechener Lebenskraft aufgeilt. Dazu spielt das Grammophon die Aria Mon cœur s’ouvre à ta voix aus der Oper Samson & Delilah von Camille Saint-Saëns (genial auch in der Interpretation von Klaus Nomi) und Teile von Richard Wagners Tristan und Isolde. Mr. Gray will see you now.

Den Großteil der Handlung verbringen wir allerdings mit Dr. Victor Frankenstein (Harry Treadaway) und seiner Schöpfung Proteus (Alex Price), einem wieder zum Leben erweckten Seemann. Der „Neugeborene“ lernt von seinem Schöpfer Sprechen und mehr, entdeckt die Welt in Frankensteins Labor-Dachboden und dann die draußen vor der Tür. Proteus-Darsteller Alex Price spielt diese (fast) völlig unschuldige Kindlichkeit mit herzerweichender Intensität. Umso schlimmer als am Ende Proteus‘ Leben im wahrsten Sinne des Wortes auseinandergerissen wird und Victors „Erstgeborener“ (Rory Kinnear) erstmals in Erscheinung tritt.

Die zentrale Szene, die mich mit dieser Serie entgültig „angefixt“ hat, spielt sich auf der illustren Okkult-Party von Ägyptologe Ferdinand Lyle ab, genüsslich tuckig und mit kuriosem Akzent (ein gesprochenes Rachen-R bei Briten hab ich noch nie gehört) von Theater-Ikone Simon Russell Beale verkörpert, hier in seinem zweiten und letzten Auftritt der Staffel. Dorian Gray ist auch zugegen und baggert gleich mal überaus wortgewandt Vanessa Ives (Eva Green) an, die ihm gekonnt Paroli bietet. Mr. Lyle hat eine gewisse Madame Kali (Helen McCrory; 2010 übrigens an der Seite von Alex Price in der Doctor Who-Folge The Vampires of Venice zu sehen) eingeladen, die mit ausgewählten Gästen, darunter Sir Malcolm Murray (Timothy Dalton), Dorian und Vanessa, eine Beschwörung der Geister durchführt. Doch zu aller Entsetzen wird nicht Madame Kali, sondern Vanessa von finsteren Mächten in Besitz genommen. Sie windet und verrenkt sich, schnauft, faucht, wimmert, krächzt und spricht zu Sir Malcolm mit der Stimme seines verstorbenen Sohnes Peter und auch der von Mina. In Anbetracht der furiosen Performance von Eva Green an dieser Stelle hatte ich seit der letzten Sichtung dieser Episode fast vergessen, dass ja auch Timothy Dalton hier brilliert, wenn man in seinem tränenüberströmten Gesicht den tiefen Schmerz Sir Malcolms mitfühlen kann.

Serienschöpfer/Drehbuchautor John Logan, Regisseur J.A. Bayone (der nach dieser Folge leider keine weiteren von PD mehr inszenieren sollte), die Darsteller (vor allem Eva Green, Timothy Dalton und Alex Price) sowie die ganze Crew von Ausstattung, Kostüme, Kamera, Schnitt und Musik haben hier unfassbar Großes geschaffen. Sehr wahrscheinlich eine der drei besten PD-Episoden und nach meiner bescheidenen Meinung auch mit die besten 53 Minuten der letzten Fernseh-Dekade.

Demnächst in diesem von Logan’schem TV-Horror vereinnahmten Blog: der Text zum Rewatch von Folge 3 von Penny Dreadful und meine Gedanken zur zweiten Episode des Spin-Offs City of Angels.

 


Penny Dreadful, 1×02: Séance
Irland, UK, USA 2014. FSK 16. 53 Minuten (PAL-DVD). Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: J.A. Bayona.

Credits
Szenenfotos (c) Showtime.


Penny Dreadful: City of Angels, Folge 1

8. Juni 2020

Vor fast vier Jahren ging mit Penny Dreadful eine einmalige Horror-Serie überraschend mit der dritten Staffel zu Ende. Schöpfer John Logan hat sich mittlerweile einem Spin-Off zugewandt, das seit dem 8. Juni 2020 auch in Deutschland über Sky verfügbar ist. Hier meine Eindrücke zur ersten Folge von Penny Dreadful: City of Angels.

Babylon L.A.

Wie bereits in meinem kürzlichen Beitrag zum bevorstehenden Ende der Verfügbarkeit von Penny Dreadful auf Netflix und auch anderweitig angedeutet, war vermutlich das einzig wirkliche Problem mit der von John Logan erfundenen Horror-Serie, dass diese überraschend mit der dritten Staffel aufhörte und das Finale daher überhastet wirkt. Manche Fans (ich nicht) hassen Logan dafür, dass er „PD“ so „lieblos“ beendet hat und sich wenige Jahre später einer Spin-Off-Show widmet, die zwar „Penny Dreadful“ im Titel trägt, aber mit viktorianischer Phantastik inhaltlich wenig bis nichts zu tun hat. Aber warum sollte man City of Angels nicht eine Chance geben?

Los Angeles, 1938. Santiago „Tiago“ Vega (Daniel Zovatto) ist der erste mexikanisch-amerikanische Detective beim Los Angeles Police Department. Gleich am ersten Arbeitstag werden Tiago und sein erfahrener Partner, der jüdischen Cop Lewis Michener (Nathan Lane) zum Schauplatz eines grausamen Ritualmordes gerufen, der allem Anschein nach von einem mexikanisch-stämmigen Täter begangen wurde. Mitten durch das Wohngebiet der mexikanischen Community in Belvedere Hights will Stadtrat Townsend (Michael Gladis) mit aller Macht eine Autobahn bauen und stößt dabei auf Widerstand der Bewohner, angeführt von Tiagos Bruder Raul (Adam Rodriguez). Als die Polizei anrückt, um das Gebiet zu räumen, so dass die Bauarbeiten beginnen können, kommt es zum gewaltsamen Zusammenstoß mit den Bewohnern. Tiago gerät zwischen die Fronten. Der aus Essen stammende Kinderarzt Dr. Peter Craft (Rory Kinnear) ist zwar mit einer Amerikanerin verheiratet und glücklicher Vater zweier Kinder, fühlt sich aber immer noch als Außenseiter und widmet sich daher in seiner Freizeit dem German-American Bund, einer Nazi-Organisation in den USA.

Das klingt jetzt erst einmal nicht nach Horror, Mystery oder irgendeiner Form von Phantastik, sondern eher nach einem Gesellschaftsdrama. Das Setting hat mich frappierend an Babylon Berlin erinnert. Eine Metropole, die von gegensätzlichen und extremen politischen Kräften allmählich auseinandergerissen wird. Nur eben nicht Berlin im Jahr 1929, sondern Los Angeles im Jahre 1938. Sind die Konflikte und Strömungen in der deutschen Prestige-Serie alle von Menschen gemacht, so haben bei City of Angels eindeutig höhere Mächte ihre Finger im Spiel. Gleich in der Eröffnungsszene deutet ein Gespräch zwischen Santa Muerte (Lorena Izzo), einer Art Schutzheilige der Toten in lateinamerikanischer Folklore, und Magda (Natalie Dormer als das personifizierte Böse in Frauengestalt) das kommende Unheil wenig dezent und für meinen Geschmack etwas zu effektheischend an. Tiagos Mutter, gespielt von Adriana Barraza (Babel), glaubt an Santa Muerte und gilt in ihrer Gemeinde als eine Art Hexe. In mehreren Rollen mischt sich Magda unter die Menschen, um den prophezeiten Krieg zu entfachen oder schleicht in ihrer „wahren“ Gestalt wie eine Todesgöttin durch die Reihen der Konfliktparteien, um für den ersten Schuss zu sorgen.

Auch wenn man in der ersten Folge noch nicht alle der wichtigen Figuren zu Gesicht bekommt oder manche noch keine große Rolle spielen, so zeigt sich bereits die prominente Besetzung. In PD glänzte er noch als vom Schicksal gebeutelte Kreatur Frankensteins, in CoA spielt Rory Kinnear den unglücklichen deutschen Kinderarzt, der sein Heil (pun intended) in einer Nazi-Organisation sucht. Seine Ehefrau wird von Piper Perabo (Looper) gespielt. Brent Spiner (Star Trek: The Next Generation) gibt den Polizeichef. Michael Gladis (Mad Men) verkörpert den ambitionierten Stadtrat Townsend, der von einem dubiosen deutschen Architekten (Thomas Kretschmann) ein Angebot erhält.

John Logan und Regisseur Paco Cabezas (der bereits Episoden der Mutterserie inszenierte) machen mit dieser Pilotfolge vieles richtig. Die Ausgangssituation wird etabliert und die wichtigsten Figuren eingeführt. Ob Penny Dreadful: City of Angels aber den ersten Teil seines Namens auch wirklich verdient und gleichzeitig in ausreichendem Maße eine eigene Identität entwickeln kann muss sich in den verbleibenden neun Folgen der ersten Staffel noch zeigen. Wie das viktorianische PD fühlt sich das Spin-Off bisher nicht an.

Die Folgen von Penny Dreadful: City of Angels gibt es montags bei Sky

Penny Dreadful: City of Angels, 1×01: Santa Muerte
USA 2020. 65 Minuten. Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Paco Cabezas.

Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.


Penny Dreadful: bald NICHT mehr bei Netflix

2. Juni 2020

Einer der besten Serien des gerade vergangenen Jahrzehntes gibt es bald nicht mehr bei Netflix: Penny Dreadful. Warum mir diese Meldung eine eigenen Beitrag wert ist? Lest selbst…

Penny Dreadful, die in jeglicher Hinsicht reichhaltliche Horror-Pastiche von John Logan, war damals (Oktober 2014) der Grund, warum ich mich bei Netflix überhaupt angemeldet habe. Leider wird die Produktion des US-Bezahlsenders Showtime ab 19. Juni 2020 (Quelle: filmstarts.de) aus dem Angebot des roten N verschwinden. Vermutlich gibt es bei einem neuen Streaminganbieter von Showtime oder seinem Mutterkonzern bald eine neue virtuelle Heimat Für mich Anlass genug, mir endlich einmal die Komplettbox mit allen drei Staffeln auf DVD oder BluRay zu besorgen.

Amerikanisches Pay-TV und Streaming allgemein haben meinen Serienkonsum massiv geprägt und umgekrempelt. Und kaum eine Show hat wie „PD“ ihre Spuren bei mir hinterlassen. 27 Folgen habe ich mit den psychologisch sehr gut ausgearbeiteten Charakteren mitgelitten, wurde von dem Nebeneinander von Horror in unterschiedlichen Formen, Menschlichkeit und Poesie völlig fasziniert. Deswegen kann ich die Serie nur wärmstens empfehlen.

Die Handlung spielt überwiegend im viktorianischen London um 1890, welches einerseits von bekannten Figuren aus der viktorianischen Phantastik wie Dorian Grey, Frankenstein und seiner Kreatur sowie Dr. Jekyll bevölkert wird, andererseits aber auch unfassbar starke Original-Charaktere zu bieten hat. Es tummeln sich hier auch Unsterbliche, Vampire, Werwölfe und Hexen. Doch die richtigen Monster sind nicht selten die vermeintlich normalen Menschen.

Im Grunde stimmt hier fast alles: aufwändige Kulissen und Kostüme, Dialogie voller Poesie und Anspielungsreichtum, ein grandios-altmodischer Score von Abel Korzeniowski, überbordende, dennoch passende Effekte (Make-Up, CGI), vor allem aber mitreißende und herzerweichende Schauspieler-Leistungen. Dass Eva Green in der zentralen Rolle der von allerlei Dämonen geplagten Vanessa Ives und Rory Kinnear als Frankensteins Monster bei den großen Awards völligst übergangen wurden (Green erhielt „immerhin“ eine kümmerliche Golden-Globe-Nominierung) ist schon ein ziemlicher Skandal. Mit Ex-Bond Timothy Dalton als Sir Malcom Murray und Josh Hartnett als Revolverheld Ethan Chandler sind zwei sehr bekannte Darsteller im äußerst illustren Ensemble vertreten. Wenn „PD“ einen Makel hat, dann das leider etwas überhastete Ende in Staffel 3.

Am Montag (8. Juni 2020) startet in Deutschland das unter Fans umstrittene Spin-Off Penny Dreadful: City of Angels, ebenfalls aus der Feder von John Logan, bei Sky. Die neue Serie spielt im Los Angeles der 1930er zwischen sozialen Spannungen und mexikanisch-amerikanischer Folklore.

Ich schließe meine ausdrückliche Empfehlung mit den Schlussworten der Serie:

Where is it now, the glory and the dream?“

(aus Ode: Intimations of Immortality von William Wordsworth, 1807)

Linktipps:
Review zu Staffel 1
Review zu Staffel 2
Review zu Staffel 3

 

Penny Dreadful

PrintHorrorserie USA/UK/Irland 2014-2016. 27 Folgen in 3 Staffeln. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren.
In den Hauptrollen: Timothy Dalton, Eva Green, Josh Hartnett, Reeve Carney, Rory Kinnear, Billie Piper, Harry Treadaway, Danny Sapani, Simon Russell Beale, Helen McCrory, Patti LuPone, Wes Studi.
In weiteren Rollen:
Douglas Hodge, Sarah Green, Olivia Llewellyn, Shazad Latif, Christian Camargo, Noni Stapleton, Samuel Barnett, Stephen Lord, Jessica Barden, David Haig, Jonny Beauchamp u.a.
Idee:
John Logan. Drehbuch: John Logan, Andrew Hinderaker, Krysty Wilson-Cairns.
Regie: Damon Thomas, James Hawes, Brian Kirk, Pace Cabezas, J.A. Bayona, Coky Giedroyc, Dearbhla Walsh u.a. Kamera: John Conroy, Owen McPolin, Nigel Willoughby, P.J. Dillon, Xavi Giménez. Schnitt: Michele Conroy, Christopher Donaldson, Geoff Ashenhurst, Aaron Marshall, Jaume Martí, Bernat Vilaplana, Gareth C. Scales. Szenenbild: Jonathan McKinstry. Kostüme: Gabriella Pescucci. Musik: Abel Korzeniowski.

 

Credits
Bilder (c) Showtime.


iBoy (Kurzkritik)

31. März 2017

Was?! Diesen Monat nur einen einzigen Film gesehen? Das kann nicht so bleiben. Abhilfe schafft da der britische Netflix-Beitrag iBoy, der vor allem wegen seiner nicht unprominenten Besetzung interessant erschien.

Tom (Bill Milner) ist ein Teenager, der kurz vor seinen Abschlussprüfungen steht und nach dem frühen Drogentod seiner Mutter mit seiner Großmutter (Miranda Richardson) in einem Londoner Problemviertel lebt. Als er seine Schulfreundin Lucy (Maisie Williams) abends besuchen will, bekommt Tom mit, wie sie von maskierten Männern vergewaltigt wird. Beim Versuch die Polizei mit seinem Smartphone zu verständigen, wird Tom von einem der Angreifer in den Kopf geschossen. Tom überlebt ohne schwerwiegende Schäden, es bleiben jedoch Splitter des Handys in seinem Gehirn zurück. Dadurch entwickelt Tom eine besondere Sensitivität und kann alle Arten von Computern, Mobiltelefonen und Laptops manipulieren. Heimlich beginnt er seine Gabe zu nutzen, um die verschiedenen Gangs des Viertels aus dem Verkehr zu ziehen…

Wäre der auf dem gleichnamigen Roman von Kevin Brooks (Bunker Diary) basierende Film iBoy nicht vom Streaminganbieter Netflix mitproduziert worden, so hätte er außerhalb des (noch) Vereinigten Königreiches sicherlich kaum ein Publikum erreicht. Die prominente Besetzung, Bill Milner (X-Men: First Class, Son Of Rambow), Maisie Williams (Game Of Thrones), Miranda Richardson (Merlin, The Hours) sowie Rory Kinnear (Skyfall, Penny Dreadful), gereicht dem kleinen Thriller kaum zum Nachteil. Der Streifen von Regisseur Adam Randall (Level Up) glänzt durch seine schnörkellose, unaufgeregte Inszenierung ohne großes Effektgewitter. Der pulsierende Elektronikscore von Max Aruj und Steffen Thrum unterstreicht die bedrohliche Atmosphäre der von Gangs bevölkerten Häuserschluchten, in denen Tom und Lucy wohnen. Inhaltlich bleibt allerdings ziemlich viel auf der Strecke. Auch wenn man in 90 Minuten doch eine gute Geschichte erzählen kann und sich der Film nicht mit Nebensächlichkeiten aufhält, versagt Iboy gerade in dieser Hinsicht. Die Auswirkungen von Toms Fähigkeit auf seine Gesundheit wird kaum thematisiert. Es fehlt den Figuren auch an nötigem Hintergrund. Zwar erwartet man keinen zweiten Kick-Ass aber etwas Humor hätte dem ganzen Werk sicherlich gut zu Gesicht gestanden, auch wenn natürlich der grimmige, düstere Ansatz nicht unpassend wirkt. Insgesamt scheint die britische Produktion einiges mit der deutschen Krimiserie Tatort gemein zu haben. Ansprechende Aufmachung, aber inhaltlich wäre mehr drin gewesen.

iBoy kann man sich seit dem 27. Januar 2017 bei Netflix ansehen.

iBoy
Science-Fiction-Thriller UK 2017. 90 Minuten. Mit: Bill Milner, Maisie Williams, Miranda Richardson, Jordan Bolger, Charley Palmer Rothwell, Rory Kinnear u.a. Regie: Adam Randall. Drehbuch: Joe Barton, Mark Denton, Jonny Stockwood. Nach dem Roman von Kevin Brooks.

Bild (c) Netflix.


Mein Fernsehjahr 2016

31. Dezember 2016

Ähnlich wie im Kino war für mich auf dem kleineren Schirm 2016 ein äußerst spannendes und abwechslungsreiches Jahr. So bleibt mir nur noch, erneut Bilanz zu ziehen und den ebenfalls ungemein wichtigen „mwj TV Award“ 2016 zu vergeben.

tv-2016_cloud

the-returned_staffel-2_dvd-coverNachdem es einige andere Blogger bereits thematisiert haben, möchte auch ich festhalten: Was Weltgeschehen und Politik betrifft war 2016 wahrlich kein gutes Jahr. Erschwerend kommt hinzu, dass in diesem Jahr viele (mehr oder minder) wichtige Persönlichkeiten verstorben sind (allein im Januar David Bowie und Alan Rickman). Dennoch habe ich 2016 in medialer Hinsicht (abzüglich Nachrichten versteht sich) sehr genossen. Auch wenn die Durchschnittswertung der gesehenen, aktuellen penny-dreadful-3_us-coverSerien und Fernsehfilme mit 6,61 von 10 Punkten (im Vorjahr 6,88/10) da vielleicht etwas anderes aussagt. Es waren halt auch dieses Jahr ein paar „Fehlsichtungen“ dabei (manche davon beginnen mit „sh“). insgesamt gab es 2016 mit The Crown, Game Of Thrones, Penny Dreadful, The Returned (franz. Original!) und Wölfe fünf absolute Top-Serien sowie einige weitere starke Shows. Aus Zeitgründen muss ich die Reviews zur ersten Staffel von The Crown und zur kompletten Serie The Returned früher oder später nachreichen. Ansonsten sind meine Besprechungen immer verlinkt.

Weiter unten im Beitrag stehen dann auch die Gewinner der mwj-Fernsehpreise.

Alles Gute für 2017 (sowohl medial als auch insgesamt)! 🙂

the-crown_posterSTATISTIK

10 Punkte
Fehlanzeige

9 Punkte
The Crown – Staffel 1
Game Of Thrones – Staffel 6
Penny Dreadful – Staffel 3
The Returned (Les Revenants) – Staffel 2
Wölfe (Miniserie)

game-of-thrones-6_poster8 Punkte
The Frankenstein Chronicles – Staffel 1
The Muppets. – Folgen 1 & 2
Orphan Black – Staffel 4
Sherlock: Die Braut des Grauens
(Special)

7 Punkte
Akte X – Staffel 10
Angie Tribeca – Staffel 1 & 2
Love (Netflix) – Staffel 1
Marcella – Staffel 1

woelfe_miniserie_dvd6 Punkte
22.11.63 (Miniserie) – Folgen 1 bis 4
The Big Bang Theory – Staffel 9
Heroes Reborn – Folgen 8 bis 13
Sense8: A Christmas Special
Die Simpsons – Staffel 27, Folgen 1 bis 12

5 Punkte
Die Stadt und die Macht (Miniserie)

4 Punkte
Marvel’s Agents Of S.H.I.E.L.D. – Staffel 2, Folgen 1 bis 3

3 Punkte
The Shannara Chronicles – Staffel 1
Tatort: Das Recht sich zu sorgen

2 Punkte
Shadowhunters – Folgen 1 & 2

1 Punkt
Fehlanzeige

PREISTRÄGER

Beste Serie
The Crown
Game Of Thrones
Penny Dreadful
The Returned (Les Revenants)
Wölfe

Beste Darstellerin
Claire Foy als Königin Elisabeth II. in The Crown
Eva Green als Vanessa Ives in Penny Dreadful
Tatiana Maslany als Sarah Manning und andere in Orphan Black

Bester Darsteller
Rory Kinnear als John Clare in Penny Dreadful
Mark Rylance als Thomas Cromwell in Wölfe
Pip Torrens als Tommy Lascelles in The Crown

Beste Episode
Game Of Thrones: „The Battle Of The Bastards“ (6×09)
Penny Dreadful: „A Blade Of Grass“ (3×04)

Die Bilder sind Eigentum des jeweiligen TV-Senders/Streaminganbieters/Verleihs.


Penny Dreadful – Das Serienfinale

6. Juli 2016

Eigentlich wollte ich die neuen Folgen von Penny Dreadful beim vorletzten Serien-Montag besprechen. Doch technische Probleme beim Streaminganbieter sorgten dafür, dass ich die beiden Episoden (die, wie ich zwischenzeitlich erfahren musste, das Serienfinale darstellen) erst später sehen konnte…

Warnung: Spoiler zu den letzten beiden Episoden!!!

Penny Dreadful_Cloud

Mit den letzten beiden Folgen der dritten Staffel (3×08/3×09) endet die in vielerlei Hinsicht geniale Horrorserie aus der Feder von Drehbuchautor John Logan (der zum Beispiel an den Scripts der letzten beiden James Bond-Filme beteiligt war). Da ich den Schock über den Verlust einer der, meiner geringen Ansicht nach, besten Serien seit langem erst einmal verdauen musste, hat es zwei Wochen bis zur Fertigstellung der Besprechung des Finales gedauert. Kommen wir nun zu den letzten 100 Minuten eigenwilliger und intensiver viktorianischer Phantastik aus dem Pay-TV.

3×08 „Perpetual Night“ / 3×09 „The Blessed Dark“

44 Minuten (3×08), 56 Minuten (3×09). Drehbuch: Krysty Wilson-Cairns (8), John Logan (9).
Regie: Damon Thomas (8), Paco Cabezas (9).

„And then all light will end and the world will live in darkness.The very air will be pestilence to mankind. And our brethren, the Night Creatures, will emerge and feed. Such is our power, such is our kingdom, such is my kiss.“ Vanessa Ives (Eva Green)
Penny Dreadful_3x09_Titel


Eigentlich hatte ich angefangen, jede einzelne Szene, oder zumindest jede wichtige, der beiden letzten Episoden aufzudröseln. Aber die Sache wurde mir nach einigen Tagen zu aufwändig. Daher werde ich mich auf die Analyse einzelner, besonderer Stellen beschränken.

Obigen Monolog (in fett und kursiv), der von Vanessa Ives zu Beginn der achten Folge gesprochen wird, ist neben der Abspielung einer Tonbandaufzeichnung das Einzige, was wir von der Figur erst einmal mitbekommen. Zu sehen gibt es die frischgebackene Dracula-Braut erst wieder in der allerletzten Episode.

Nachdem sich Frankensteins Kreatur (dessen richtigen Namen wir nie erfahren) wieder an sein Leben vor dem Tod erinnern konnte und die Wiedervereinigung mit seiner Familie, Ehefrau Marjorie und Sohn Jack, erfolgte, erliegt Jack wenig später seiner schweren Krankheit (da er öfter Blut hustete vermutlich Tuberkulose). Diese Szenen werden ruhig und pietätvoll gestaltet. Leider hat die Kreatur Marjorie von seiner Wiedererweckung durch Doktor Frankenstein erzählt und genau dieses Wunder erwartet die Gattin für den gerade verstorbenen Sohn. John Clare versucht ihr zu erklären, was diese Prozedur für entsetzliche Folgen haben kann, doch sie will nichts davon hören und verlangt von ihrem Mann den Sohn wieder lebendig machen zu lassen oder gar nicht zurück zu kommen. Und wieder bleibt der armen Kreatur von Frankensteins Gnaden ein Happy End verwehrt. In Rory Kinnears grandiosem Spiel manifestiert sich diese eindringliche Traurigkeit.

Penny Dreadful_3x08_LigaWas die Endzeitstimmung angeht, werden alle Register gezogen. Nebel und Dunkelheit umgeben London. Ratten bevölkern die Straßen, Kröten kriechen aus den Kanälen durch die Leitungen. Eine endlose Nacht wie es scheint. Malcolm, Ethan und Gaetana ziehen gemeinsam mit den Dres. Frankenstein und Seward sowie der ebenfalls kampferprobten Thanatologin Catriona Hartdegen in den Kampf gegen die Vampire und ihren Fürsten.

Zuvor entschließt Victor Frankenstein sich, Lily doch nicht durch das neue Wundermittel in eine „ordentliche Frau“ zu verwandeln. In einer intensiven Performance von Schauspielerin Billie Piper gelingt es der Unsterblichen ihrem Schöpfer klar zu machen, dass ihre Identität nicht nur aus der ursprünglich naiven, unschuldigen Lily besteht, sondern auch aus dem von allen Schattenseiten, die man sich vorstellen kann, geprägten Leben von Brona, die sich als Straßendirne verdingte und deren Tochter im Säuglingsalter gestorben ist. Victor lässt Brona/Lily schließlich ziehen („It’s too easy being monsters. Let us be humans then.“). Da kehrt Dr. Henry Jekyll von seinem Rundgang im Bedlam-Krankenhaus zurück und verkündet, dass sein verhasster Vater endlich Löffel und Adelstitel abgegeben hat. Victor gratuliert seinem Kollegen und nennt ihn bei seinem neuen Titel: Lord Hyde. Bei dem Foreshadowing zu Beginn der Staffel ist das natürlich eine eher enttäuschende Auflösung von Dr. Jekyll und Mr. Hyde, aber näher betrachtet haben wir mit Brona Croft/Lily Frankenstein schon eine entsprechende Figur. Von daher ist es kein totaler Reinfall.

Penny Dreadful_3x08_DorianDorian Gray verbannt die Prostituierten, die im Ballsaal seiner großen Villa als Mitglieder von Lilys Slasher-Suffragetten-Bewegung zusammengefunden hatten, aus seinem Haus, und zwar dorthin zurück, wo sie hergekommen sind. Justine, die Chefacolytin, kann nicht zurück, schließlich wurde sie vor dem sicheren Tod in einem gruseligen Folterkeller gerettet. Dorian sieht das ein und nach einem letzten Kuss gibt er dem jungen Mädchen den Gnadengenickbruch. Subtil wird hier die letzte Szene zweier anderer Figuren angedeutet. Als Lily aus ihrer Gefangenschaft zurückkehrt, steht Dorian teilnahmslos im großen Saal, Justines Leichnam immer noch am Boden, als ob sie lediglich schliefe. Kurz vor dem Endkampf noch der Abschied von den beiden „Beloved Immortals“. Dorian Gray bekommt die Gelegenheit, seine letzten Szene in der Serie denkwürdig zu gestalten, mit einem ungemein poetischen Monolog:

„Do you not yet comprehend the wicked secret of the immortal? All age and die, save you. All rot and fall to dust, save you. Any child you bear becomes a crone and perishes before your eyes. Any lover withers and shrinks into incontinence and bent, toothless senility. While you, only you, never age. Never tire. Never fade. Alone. But after a time, you’ll lose the desire for passion entirely, for connection with anyone. Like a muscle that atrophies from lack of use. And one day you’ll realize you’ve become like them. Beautiful and dead. You have become a perfect, unchanging portrait of yourself.“ Dorian Gray (Reeve Carney)

Penny Dreadful_3x09_Dorian und die GemaeldeTolles Schlusswort für einen Unsterblichen, der anschließend fast verloren in seiner Halle steht, deren Wände von unzähligen Gemälden bedeckt sind. Wenn das kein Bewerbungsvideo für einen „Production Design Emmy“ ist! Und das Grammophon spielt Casta Diva aus der Oper Norma von Bellini.

Auch wenn das Finale von Penny Dreadful insgesamt recht antiklimatisch aufgezogen wird, so muss ein heftiger Showdown von Malcolm, Ethan, Kaetenay, Victor, Catriona und Dr. Seward gegen die Vampir-Schergen von Dracula schon sein, nach einer kurzen Begegnung mit Dracula himself, der seinen Schlachthausbesuchern freies Geleit und langes Leben anbietet. Doch das heterogene Sextett stürzt sich todesmutig ins Kampfgetümmel und gewinnt die Oberhand. Zwar können es unsere Helden mit der übermenschlichen Kraft Draculas nicht aufnehmen, aber Ethan gelingt es, fast unbemerkt zu entkommen und er macht sich auf die Suche nach Vanessa. Die ist auch nicht schwer zu finden. Denn der Weg in ihr „Refugium“ ist mit unzähligen Kerzen ausgelegt.

Penny Dreadful_3x09_VanessaIn einem Raum mit noch viel mehr Kerzen, der dem Mittelpunkt einer Kirche ähnelt findet er sie. Sie trägt ein graues, gewickeltes Kleid. Ihr Gesicht ist totenbleich, die Augen rot unterlaufen. Ethan bittet sie, mit ihm zu kommen, doch Vanessa weigert sich. Sie kann nicht weiter davonlaufen, nicht von sich selbst. Ethan erklärt ihr, dass auch er am Rande des Abgrunds stand, aber seinen Tiefpunkt überwunden hat. Vanessa hält dagegen. Ihr ewiger Kampf muss endlich enden. Schließlich erinnert Vanessa Ethan an ihr gemeinsames Schicksal: er muss ihr helfen, die Mächte der Finsternis zu besiegen, um dadurch das Ende aller Tage zu verhindern. Ethan weigert sich, das zu tun, was Vanessa gleich von ihm verlangen wird. Unter Tränen nimmt sie seinen Revolver und legt die Waffe in seine rechte Hand („With a kiss. With love.“). Dem letzten Kuss folgt das bewegendste „Vater Unser“ der ganzen Film- und Fernsehgeschichte. Dann drückt Ethan ab und hält die sterbende Vanessa im Arm, die mit ihrem letzten Atemzug Frieden findet.

Im Schlachthof sind Ethans Mitstreiter alle am Boden. Dracula droht gerade Malcolm zu erwürgen. Doch er wendet sich ab, weil er gewahr wird wie Ethan mit Vanessas Leichnam auf den Armen hervortritt. Voller Trauer sind die Blicke von Malcolm, Victor und den anderen, während die Sonne durch ein riesiges Loch im Dach herunterscheint. Das erste Mal seit Wochen. Der Nebel legt sich. London erwacht wieder zum Leben.

Malcolm und Ethan sinnieren über die Zukunft. Beide haben ihre Familien verloren, Malcolm spätestens mit seiner „Tochter“ Vanessa. Caliban/John Clare übergibt den toten Körper seines Sohnes nicht etwa an Victor Frankenstein sondern dem Fluss. WährendVanessas Sarg transportiert wird, Malcolm, Victor, Ethan, Catriona, Kaetenay und Dr. Seward an ihrem Grab stehen und Caliban aus der Ferne mittrauert, rezitiert er das Gedicht Ode: Intimations of Immortality (1804) des englischen romantischen Dichters William Wordsworth (1770-1850). Als die anderen Trauernden gegangen sind, kniet Caliban an Vanessas Grab.

THE END

Natürlich ist es nachvollziehbar, dass diese so tolle Serie mit dem Tod der zentralen Figur endet. Aber dennoch macht sich bei mir als großem Fan (und sicherlich auch bei anderen) Wehmut breit, ob des noch vorhandenen Potenzials der von Logan auf Basis der viktorianischen Phantastik adaptierten und erschaffenen Figuren. Auch wenn das Mysterium um Dorian Gray den Hauptreiz der Figur ausmacht, so hätten wir gerne mehr über den unsterblichen Dandy erfahren, z.B. wie lange er wirklich schon auf Erden weilt.

Wie würde eigentlich eine Begegnung von Ethan mit Brona/Lily aussehen? Und was spricht eigentlich für eine Spinoff-Serie mit dem Titel „The Immortals“, mit Dorian Gray, Brona Croft/Lily Frankenstein, Caliban/John Clare und Dracula in den Hauptrollen? Denn der von Christian Camargo (The Hurt Locker, House Of Cards) charismatisch verkörperte Vampirfürst verliert zwar durch den Tod seiner Geliebten unmittelbar seine Macht, stirbt aber nicht. Im Grunde genommen weiß man als Zuschauer gar nicht, was nach dem Finale mit ihm passiert. Eine von mehreren offenen Fragen am Ende.

Als Kandidaten für ein Nachfolgeprojekt würden sich theoretisch auch Sir Malcolm, Ethan und Catriona Hartdegen empfehlen, die gemeinsam ihren Kampf gegen die lauernden, dunklen Mächte mit der Lösung mysteriöser Fälle in London fortsetzen. Ägyptologe Ferdinand Lyle (den wir im PD-Finale schmerzlich vermisst haben) und Kaetenay könnten als Berater fungieren. Auch die Zukunft des noch jungen Victor Frankenstein birgt Potenzial für weitere Stories aus John Logans viktorianischer Feder. Doch ob und was für eine Fortführung es von Penny Dreadful überhaupt geben wird, das weiß nur Master Logan allein.

Der Schock über das für alle Fans plötzliche Serienende sitzt noch tief. Es heißt zwar im Volksmund: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Aber im Falle von Penny Dreadful hätten wir gerne noch mehr Schrecken im Sinne von ausgeklügeltem Horror erlebt. Um es mit einem Episodentitel aus der 2. Staffel zu sagen: Glorious Horrors.

9-10Penny Dreadful

PrintHorrorserie USA/UK/Irland 2014-2016. 27 Folgen in 3 Staffeln. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren.
In den Hauptrollen:
Timothy Dalton, Eva Green, Josh Hartnett, Reeve Carney, Rory Kinnear, Billie Piper, Harry Treadaway, Danny Sapani, Simon Russell Beale, Helen McCrory, Patti LuPone, Wes Studi.
In weiteren Rollen:
Douglas Hodge, Sarah Green, Olivia Llewellyn, Shazad Latif, Christian Camargo, Noni Stapleton, Samuel Barnett, Stephen Lord, Jessica Barden, David Haig, Jonny Beauchamp u.a.
Idee:
John Logan. Drehbuch: John Logan, Andrew Hinderaker, Krysty Wilson-Cairns.
Regie: Damon Thomas, James Hawes, Brian Kirk, Pace Cabezas, J.A. Bayona, Coky Giedroyc, Dearbhla Walsh u.a. Kamera: John Conroy, Owen McPolin, Nigel Willoughby, P.J. Dillon, Xavi Giménez. Schnitt: Michele Conroy, Christopher Donaldson, Geoff Ashenhurst, Aaron Marshall, Jaume Martí, Bernat Vilaplana, Gareth C, Scales. Szenenbild: Jonathan McKinstry. Kostüme: Gabriella Pescucci. Musik: Abel Korzeniowski.

Bilder und Dialogzitate (c) Showtime/John Logan.


Mein Fernsehjahr 2015

6. April 2016

Häh, werdet ihr jetzt vielleicht denken. Ein Rückblick auf 2015, aber erst im März April 2016? Das kommt davon, wenn der kleine mwj einer der größten Prokrastinatoren aller Zeiten ist. Und sich daher die Nachbereitung des vergangenen Jahres ewig hingezogen hat.

Genau deshalb werde ich auch ohne Umschweife zur Verleihung des mwj-Fernsehpreises für das Jahr 2015 kommen. Die Awards in den drei Kategorien (beste TV-Serie, beste Darstellerin, bester Darsteller) teilen sich dieses Jahr je zwei Gewinner.

Beginnen wir mit der kürzesten Preisverleihung der Welt:

Beste Darstellerinnen sind…

…Trommelwirbel…

Penny Dreadful 2_Vanessa

Orphan Black 4_Quartett

Und weiter geht’s mit den besten Darstellern….

…Trommelwirbel…

Jon Hamm as Don Draper - Mad Men _ Season 7, Episode 14 - Photo Credit: Courtesy of AMC

Penny Dreadful 2_Caliban

Einen besonderen Applaus für die beiden Top-Serien 2015…

…Applaus! Applaus! Applaus!…

Lerchenberg_Staffel 2_DVD

Penny Dreadful 2_DVD

Und hier die Übersicht mit allen in 2015 gesichteten neuen Serien(-Staffeln):

(vorhandene Kritiken sind verlinkt)

Beste Serie
Lerchenberg
Penny Dreadful

Beste Darstellerin
Eva Green, Penny Dreadful
Tatiana Maslany, Orphan Black

Bester Darsteller
Jon Hamm, Mad Men
Rory Kinnear, Penny Dreadful

TV-Statistik 2015

10 Punkte
Fehlanzeige

9 Punkte
Lerchenberg – Staffel 2
Penny Dreadful – Staffel 2

8 Punkte
The Fall – Staffel 1+2
Game Of Thrones – Staffel 5
Mad Men – Staffel 7, Teil 2
Orphan Black – Staffel 3
Sense8 – Staffel 1
Weinberg (Miniserie)
A Young Doctor’s Notebook – Staffel 2

7 Punkte
The Big Bang Theory – Staffel 8
Deutschland 83 (Miniserie)

6 Punkte
Kommissar Wallander – Staffel 4 (Miniserie)
Marvel’s Agents Of S.H.I.E.L.D. – Staffel 1

5 Punkte
Heroes Reborn – Folgen 1 bis 7

4 Punkte
Fehlanzeige

3 Punkte
Marvel’s Agent Carter – Staffel 1

2 Punkte
Atlantis – Folgen 1+2


Duchschnittswertung: 6,88/10 (im Vorjahr: 6,56/10).

HIER geht’s zum Kino-Rückblick 2015.

Bilder (c) Filmverleihe/TV-Sender.


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Schaut vor der Apokalypse keine schlechten Filme!

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