Planet of the Tapes

7. Juli 2022

Wie war das eigentlich damals als die Videokassette Anfang der 1980er nach Deutschland kam? Oliver Kalkofe, Jörg Buttgereit und andere erinnern sich, in Laurent Ohmansieks Doku Planet of the Tapes.


Die Geburt des Heimkinos in Deutschland

Lange bevor DVD, BluRay und Streamingdienste den Markt übernahmen war die Videokassette mit dem System VHS (Video Home System) quasi alternativlos wenn es ums Heimkino ging. 1976 in Japan erfunden kam die VHS-Kassette Anfang der 1980er nach Deutschland und wurde nach der Durchsetzung gegen die konkurrierenden Systeme Betamax und Video 2000 zu dem Heimkinomediumk schlechthin. Erstmals konnte man sich Filme nicht nur im Kino, sondern zeitnah (meist Jahre vor der Fernsehausstrahlung) zuhause per Videorekorder ansehen. In Laurent Ohmansieks Interview-Doku Planet of the Tapes – Flashback ins Zeitalter der Videotheken erinnern sich unterschiedliche Leute abwechselnd an ihre ersten Erfahrungen mit dem Medium. Der Comedian/Moderator Oliver Kalkofe (Kalkofes Mattscheibe, SchleFaZ), die Filmemacher Jörg Buttgereit (Captain Berlin), Thilo Gosejohann (Captain Cosmotic) und Timo Rose (Game Over), Kai Krick (u.a. Autor mehrere Bücher zu Akte X), Filmwissenschaftler Dr. Marcus Stiglegger sowie die Comedians Hennes Bender und Torsten Sträter und weitere berichten von ihren Videokassetten-Erlebnissen als Kinder bzw. Jugendliche. Auch Videothekenbesitzer kommen zu Wort.

Während sie vor ihrer eigenen Filmsammlung (oder in der eigenen Videothek) sitzen erzählen die Mitwirkenden von ihren ersten Besuchen in Videotheken, dem damals neuen Ereignis einen Film gemeinsam mit Freunden zuhause zu erleben, technischen Problemen, falschen Bildformaten, verstümmelten Schnittfassungen, der Diskrepanz zwischen grellbunt-reißerischen Covern und dem Inhalt der Filme, und dem Kick immer die angesagtesten, teils „verbotenen“ Werke anzusehen, zur Not auch über Umwege. In den ersten Jahren meideten die großen Studios das neue Medium, aus Angst davor, dadurch an der Kinokasse weniger Umsatz zu machen. Und so erschienen damals vor allem B-Movies aus den Genres Horror, Action, Science-Fiction und auch Porno-Produktionen auf Video, von denen einige Streifen auch Kultstatus erreichten. Einzelne Filme wie Das Söldnerkommando (1982), Drei Engel auf der Todesinsel (1985) und Jäger der verschollenen Galaxie (1987) wurden von Kalkofe gemeinsam mit Peter Rütten in ihrer Reihe Die schlechtesten Filme aller Zeiten (kurz SchleFaZ) präsentiert und ironisch zerlegt.

Insgesamt fand ich die gut eine Stunde laufende Doku interessant und sehr kurzweilig, aber dadurch dass lediglich Interviewpassagen zusammengeschnitten wurden fehlt es aus meiner Sicht etwas an Hintergrundinformationen zum Thema, welche den ganzen Film sicherlich noch ergänzt und abgerundet hätten. Meine eigene „VHS-Geschichte“ begann im Grunde erst Ende der 1980er bzw. Anfang der 1990er mit Kassetten zu den Disney-Filmen Susi und Strolch (1955) und Arielle, die Meerjungfrau (1989), letzterer im Dezember 1990 mein allererster Kinofilm und damals mein absoluter Lieblingsfilm. 1993 folgte dann mein zweiter Lieblingsfilm Bodyguard (1992). Filme aus der Videothek ausgeliehen habe ich äußerst selten.

Planet of the Tapes ist Teil des Bonusmaterial der BluRay-Editionen des Films Das Söldnerkommando (1982) und als Stream bei Amazon erhältlich.

Planet of the Tapes – Flashback ins Zeitalter der Videotheken
Dokumentation Deutschland 2019. FSK 16. 69 Minuten.
Mit: Oliver Kalkofe, Jörg Buttgereit, Thilo Gosejohann, Marcus Stiglegger, Dennis Kortmann, Kai Krick, Timo Rose, Hennes Bender, Torsten Sträter u.a. Regie: Laurent Ohmansiek.


Credits
Bilder (c) Turbine.

 

 

 


TV-Tipp: KulFaz – Ab 10. Juni bei Tele 5

3. Juni 2022

Schleche Filme ansehen und kommentieren, das machen Oliver Kalkofe und Peter Rütten seit Jahren bei SchleFaZ. Ab 10. Juni wenden sich die beiden besonders kultigen Streifen zu, in der neuen Reihe KulFaZ.


Seit fast neun Jahren (die erste Ausgabe lief am 26. Juli 2013) schauen die nimmermüden Cineasten Oliver „Olli“ Kalkofe und Peter „Päter“ Rütten die schlechtesten Filme aller Zeiten in der treffend titulierten Tele 5-Show SchleFaZ. Nach 140 Machwerken in 10 Staffeln hat sich das verbal bestens aufgelegte und immer top kostümierte Duo Infernale so manchen grenzdebilen oder einfach langweiligen Schundstreifen reingezogen. Manche dieser zweifelhaften Filmchen sind ohne Kalkrüttens Resümee, die witzigen Texteinblendungen sowie natürlich den jeweils individuell gestalteten Cocktail kaum zu ertragen. Wobei ich zugeben muss, dass auch einige durchaus spaßige Filme wie Star Crash und die beiden Herkules-Filme von Luigi Cozzi oder Ed Woods Billig-Kracher Plan 9 From Outer Space dabei waren.

In der neuen Reihe Die kultigsten Filme aller Zeiten, kurz KulFaZ, widmen sich die beiden Kinokonnoisseure nun kultigen Filmen, die sich eher am anderen Ende der Qualitätsskala befinden. Die Reihe startet am 10. Juni 2022 zur Primetime um 20:15 mit dem herrlich bunten Camp-Weltraumabenteuer Flash Gordon (1980) von Regisseur Mike Hodges. Aus meiner Sicht ist diese Auswahl für den Beginn fast eine Verschwendung, wenngleich der Film natürlich perfekt in das neue Format passt. Außerdem sind die französische Teenager-Komödie La Boum – Die Fete (auch von 1980 und mit einer blutjungen Sophie Marceau in der Hauptrolle), Top Secret (1984; eine Parodie auf Kalter-Krieg-Spionagefilme und Elvis-Musikfilme vom ZAZ-Trio) und der Musik-Kultfilm Blues Brothers (1980) zu sehen.

Hier alle Termine im Überblick:
Freitag, 10. Juni 2022, 2015: Flash Gordon
Freitag, 17. Juni 2022, 20:15
La Boum – Die Fete
Freitag, 24. Juni 2022, 2015:
Top Secret!
Freitag, 1. Juli 2022, 20:15:
Blues Brothers

(Nach der Fernseh-Ausstrahlung werden die Folgen in der Tele 5-Mediathek abrufbar sein)

Viel Spaß beim kultige Filme-Schauen! 😉



Credits
Bilder (c) Tele 5.

 

 

 


Auf der Suche nach dem Ultra-Sex (Kurzkritik)

21. Juli 2019

Es gibt Filme, deren Inhalt bzw. Beschreibung kann man kaum für möglich halten. Die französischen Komiker Nicolas und Bruno haben für ihre Scifi-Sexklamotte Auf der Suche nach dem Ultra-Sex einfach diverse Pornofilme zusammengeschnitten und mit neuen Dialogen ausgestattet. Den Spaß diese versaute Collage zu synchronisieren hat sich schließlich passenderweise das SchleFaZ-Duo Olli und Pätter gegönnt.

And now for something completely different…

Alarm im Weltall! Denn auf der Erde grassiert gigantische Geilheit. Die öffentliche Ordnung kommt zum Erliegen, denn die Menschen geben sich nur noch sexuellen Vergnügungen hin. Die Ursache für diese globale Katastrophe: jemand hat den Ultra-Sex gestohlen, eine geheimen Matrix, welche die menschliche Lust in gesunden Bahnen hält. Raumschiff-Captain Jean-Marc Schwanz und seine Crew müssen dringend den Ultra-Sex finden, bevor die Situation auf der Erde eskaliert…

Zu den bisherigen Werken des Comedy-Duos Nicolas Charlet und Bruno Lavaine, in ihrem Heimatland unter ihren Vornamen bekannt, zählen untern anderem die französische Variante der britischen Büro-Sitcom The Office und die Werbetexter-Satire 39,90 (2007), wobei die beiden meist als Drehbuchautoren, Regisseure und Schauspieler agieren. Indem sie diverse Erotikfilme, Porno-Parodien und Sexklamotten mit Science-Fiction Elementen montierten und die Dialoge komplett neu aufnahmen kreierten Nicolas und Bruno die krude Crossover-Collage Auf der Suche nach dem Ultra-Sex. Die oben beschriebene „Story“ dient freilich nur dazu, unzählige Sexszenen aus diversen Filmchen der 1970er, 1980er und teilweise auch 1990er aneinander zu reihen. Die Rahmenhandlung mit einer Raumschiff-Besatzung entstammt dem italienischen Beitrag Die Bestie aus dem Weltall (1980). Dazu gesellen sich Ausschnitte aus erotischen Parodien von Star Trek, Miami Vice und Power Rangers mit diversen weiteren Clips aus Softcore-Streifen unterschiedlichster Art und dem berüchtigen Actionfilm Samurai Cop (1991). In der deutschen Fassung haben Oliver Kalkofe (Kalkofes Mattscheibe) und Peter Rütten (Rüttens Bullshit-Universum), Moderatoren der beliebten Tele 5-Reihe SchleFaZ, sämtliche Rollen synchronisiert, was den Spaßfaktor der ganzen kuriosen Angelegenheit erhöht. Das Gesamtergebnis wirkt natürlich völlig behämmert, vor allem einige der zahllosen billigen Kopulier-Episödchen mit „Vintage-Charme“, die albernen Scifi-Elemente und die Sing-und-Tanz-Einlage eines Roboters. Was die Art der Zusammenstellung betrifft so erinnert die Filmcollage sehr an die anarchische Kult-Sketchsendung Monty Python’s Flying Circus (1969-1974). Und irgendwie verspüre ich nach der Sichtung den Wunsch, mir eine Collage aus Scifi-B-Movies der 1970er und 1980er reinzuziehen.

Auf der Suche nach dem Ultra-Sex ist seit dem 29. März 2018 auf DVD erhältlich sowie online bei Tele5.de, Google Play, Amazon, Youtube und anderen Anbietern abrufbar.


Auf der Suche nach dem Ultra-Sex (Message à caractère pornographique: A la recherche de l’Ultra-Sex)
Science-Fiction/Erotikkomödie Frankreich 2015. FSK 16. 60 Minuten. Deutsche Stimmen: Oliver Kalkofe und Peter Rütten. Regie: Nicolas Charlet und Bruno Lavaine.

Credits:
Bilder (c) Pierrot le Fou/AL!VE.


Der Kurzkritiken-Sommer #5: El Superbeasto

17. Juli 2016

Metal-Fans kennen Rob Zombie als Sänger der Band White Zombie. Doch seit zehn Jahren wirkt der 51jährige hauptsächlich als Filmemacher. Mit El Superbeasto verfilmte Zombie seine eigene Graphic Novel.

Kurzkritiken-Sommer_Cloud

Zusätzlich zu seinem Starruhm als Regisseur/Darsteller von Pornofilmen „anspruchsvollen“ Kunstfilmen und seiner Karriere als Sänger hat es sich der Ex-Wrestler Superbeasto zur Aufgabe gemacht gemeinsam mit seiner vollbusigen Schwester Suzy X gegen die Mächte des Bösen zu kämpfen. Der finstere Dr. Satan heckt unterdessen einen perfiden Plan aus. Der Teufel in mickriger Menschengestalt will die barbusige Stripperin Velvet von Black zu seiner unheiligen Braut machen und so seine Kräfte ins Unermessliche verstärken. Doch Dr. Satan hat die Rechnung ohne Superbeasto, Suzy und natürlich Velvet gemacht…

El Superbeasto_DVDEin Superheld und Ex-Wrestler, der seine Lucha-Libre-Maske stets trägt, seine Sexbombe von Schwester (mit aufreizenden Outfits und Augenklappe), ein notgeiler Roboter als multifunktionaler Sidekick, der Teufel als Witzfigur, Nazi-Zombies, Frankensteins Monster als King-Kong-Variante, dazu visuelle Cameos von Michael Myers (Halloween), Jason (aus Freitag der 13.) sowie Jack (The Shining). Das alles und noch viel mehr (vor allem Brüste!) steckt in der kuriosen Cartoonsploitation-Revue El Superbeasto. Während im Original Komiker Tom Papa (als Titelfigur), Zombies Ehefrau Sheri Moon, Rosario Dawson, Danny Trejo und Paul Giamatti die Liste der illustren Sprecher anführen, so hat die gelungene deutsche Synchronisation u.a. TV-Kritiker Oliver Kalkofe und Comedienne-Allzweckwaffe Martina Hill (Heute Show) zu bieten. Die dünne Story, die als Aufhänger für derbe, überstilisierte Gewalt, niveaulose Nacktheit und flotte Sprüche dient, nimmt sich glücklicherweise zu keiner Zeit ernst. Superbeasto durchbricht regelmäßig die vierte Wand und wendet sich an die Filmcrew, etwa wenn er seinen Titelsong einfordert. Alle Songs stammen aus der Feder des Parodisten-Duos Hard’nPhirm und verleihen der Szenerie fast Musicalcharakter.

Wer sich auf diesen irrsinnigen Cartoon-Cocktail einlässt, der erlebt gut 70 Minuten durchgeknallte und politisch völlig inkorrekte Zeichentrickunterhaltung für Erwachsene.

6-10El Superbeasto (The Haunted World Of El Superbeasto)
Exploitation-Animationsfilm USA 2009. FSK 16. 74 Minuten. Deutsche Sprecher: Oliver Kalkofe (El Superbeasto), Martina Hill (Suzy X), Michael Pan (Dr. Satan), Claudia Kleiber (Velvet von Black), Christian Gaul (Murray der Roboter), Klaus Lochthove (Otto), Engelbert von Nordhausen (Captain Spaulding), Michael Bauer (Kommandant Hess) u.a. Regie: Rob Zombie. Drehbuch: Tom Papa und Rob Zombie.

Bild (c) Sunfilm/Tiberius.


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