Drinnen – Im Internet sind alle gleich

17. Dezember 2020

Der zweite, deutschlandweite Lockdown in der COVID-19-Pandemie hat begonnen. Mit den Auswirkungen des ersten vom Frühjahr befasst sich die komplett im „Home Office“ entstandene Web-Comedy-Serie Drinnen – Im Internet sind alle gleich.


Lockdown – Die Serie

Charlotte Thielemann (Lavinia Wilson) ist Mitte 30, verheiratet, Mutter zweier Kinder und arbeitet für eine Werbeagentur. In ihrer Ehe mit dem eher erfolglosen Musiker Markus (Barnaby Metschurat) unglücklich geht Charlotte heimlich fremd. Als die Corona-Pandemie über Deutschland hereinbricht ist sie plötzlich allein zuhause, weil Markus und die Kinder noch im Urlaub in Brandenburg weilen. Nun muss Charlotte Tausend Dinge vom Home Office aus regeln: in Abwesenheit der erkrankten Chefin Frau Winkler (Johanna Gastdorf) einen wichtigen Kunden klarmachen, eine Kollegin (Julika Jenkins) feuern, ihre Eltern (Victoria Trauttmansdorff und Wolf-Dietrich Sprenger) vom Ernst der Lage überzeugen und den Kontakt zu ihrer Schwester Constanze (Jana Pallaske), die sich nach Thailand zurückgezogen hat, aufrechterhalten. Und dann wäre da noch die Sache mit der Scheidung…

Im Frühjahr 2020 breitete sich die COVID-19-Pandemie auch massiv in Deutschland aus. Ein großer Lockdown war die Folge. Millionen Menschen mussten/durften plötzlich von zuhause aus arbeiten und hielten sich weitgehend nur noch in den eigenen vier Wänden auf. Viele Kulturschaffende standen und stehen aktuell wieder ohne Beschäftigung da, weil Kinos, Theater und andere Betriebe schließen mussten. Unzählige Veranstaltungen wurden abgesagt oder verschoeben. So traf es natürlich auch die Schauspieler, die von einem Tag auf den nächsten nicht mehr wie bisher drehen und nicht mehr auf der Bühne vor Publikum stehen durften. Aus dieser Not wurde die kleine Webserie Drinnen – Im Internet sind alle gleich geboren, nach einer Idee von Philipp Käßbohrer, Co-Autor der Netflix-Serie How To Sell Drugs Online (Fast). Die 15 Folgen mit einer Laufzeit zwischen acht und zwölf Minuten wurden ab dem 3. April 2020 jeweils werktags online veröffentlicht.

„Kein menschliches Wesen musste für diese Serie sein Haus verlassen“ steht als Disclaimer am Ende jeder Folge. Alle Beteiligten arbeiteten von zuhause aus. Regisseur Lutz Heineking junior (Andere Eltern) inszenierte per Videokonferenz während Hauptdarstellerin Lavinia Wilson (Hey Bunny, Deutschland 86, Deutschland 89 ) auch für Maske, Kostüm, Requisite, Beleuchtung und Kamera verantwortlich war. Die Handlung spielt sich überwiegend auf Bildschirmen ab und die Kameraeinstellung gestaltet sich statisch. Als zentrale Figur fungiert Charlotte, aus deren Perspektive die ganze Serie erzählt wird und die ununterbrochen auch zu sehen ist. Dabei wechselt die Handlung zwischen regelmäßigen Off-Kommentaren, den textlastigen „Geschehnissen“ auf dem Bildschirmen und allerlei Videochats, egal ob mit den Eltern, dem auf Distanz gehaltenen Ehemann, der am anderen Ende der Welt weilenden Schwester oder der besten Freundin (Nadja Becker), die als Ärztin die Auswirkungen der Pandemie am meisten zu spüren bekommt. Charlotte ist eigentlich gut organisiert und kann dank der modernsten IT auch fast alles von Zuhause aus tun, doch irgendwann scheint auch sie vor der Flut an Aufgaben und den unendlichen Ablenkungsmöglichkeiten der sozialen Netzwerke zu kapitulieren. Oder anders gesagt: man/frau sitzt alleine in den eigenen vier Wänden, hat eigentlich Zeit, kommt aber doch nicht wirklich dazu, wichtige Dinge zu erledigen. Mehr oder minder gekonnt stellt Drinnen sowohl die Isolation der Hauptfigur als auch die Tücken von Videocalls, Chats, Sprachnachrichten usw. in den Mittelpunkt. Die ganze Geschichte gestaltet sich über weite Strecken lustig, macht in ihrer überspitzten Realitätsnähe aber auch nicht vor ersten Themen halt, wobei ich einige Wendungen im letzten Drittel als zu holprig und forciert empfand.

Eine Frage stellt sich aus aktuellem Anlass: wird es eine zweite Staffel geben, die im gerade gestarteten zweiten Lockdown spielt? Vielleicht sogar eine über Weihnachten in Zeiten von Corona? Und wenn nicht, genug Serienmaterial zum Bingen gibt es ja auch so.

Drinnen – Im Internet sind alle gleich ist noch bis 14.10.2021 kostenlos in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Drinnen – Im Internet sind alle gleich
Comedyserie Deutschland 2020. 15 Folgen. Gesamtlänge: ca. 140 Minuten. Mit: Lavinia Wilson, Barnaby Metschurat, Jana Pallaske, Victoria Trauttmansdorff, Wolf-Dietrich Sprenger, Nadja Becker, Julika Jenkins u.a. Idee: Philipp Käßbohrer. Drehbuch: Max Bierhals, Tarkan Bagci, Giulia Becker, Patrick Stenzel. Regie: Lutz Heineking junior.

 


Credits
Bilder (c) ZDF Neo.

 

 

 


The Broken

19. Februar 2015

Seit letztem Jahr interessiert mich besonders das auf vielfache Weise auftretende „Doppelgänger“-Motiv in Filmen, aber auch TV-Serien. Unabhängig davon stand der Thriller The Broken, mit Lena Headey in der Hauptrolle, schon länger auf meiner Watchlist.

7-10The Broken
Psychothriller UK/Frankreich 2008. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 84 Minuten (PAL-DVD).
Mit: Lena Headey, Richard Jenkins, Melvil Popaud, Asier Newman, Ulrich Thomsen, Michelle Duncan u.a.
Drehbuch und Regie: Sean Ellis.

The Broken_DVD

The Mirror Crack’d

Gina (Lena Headey) arbeitet als Radiologin an einer Londoner Klinik. Zuletzt hat sie ungewöhnlich viele Fälle von Dextrokardie festgestellt. Eines Tages sieht sie in einem vorbeifahrenden Auto eine Frau, die aussieht wie sie. Gina folgt dieser mysteriösen Frau zu deren Wohnung. Voller Wut stiehlt Gina das Auto ihrer Doppelgängerin. Durch einen Moment der Unachtsamkeit verursacht sie einen Verkehrsunfall und wird schwer verletzt. Gina erwacht im Krankenhaus, kann sich jedoch an den Unfallhergang nicht erinnern. Zudem verhält sich ihr Freund Stephan (Melvil Poupaud) merkwürdig. Gegenüber Psychiater Dr. Zachman (Ulrich Thomsen) äußert Gina den Verdacht, dass der Mann mit dem sie zusammen ist nicht Stephan ist…

The Broken_GinaDie diversen Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe, dem Vater der modernen Schauererzählung, dienten schon oft als Vorlage für Filme. Auch der britische Regisseur und Drehbuchautor Sean Ellis (Cashback) interpretiert mit seinem zweiten Spielfilm ein Werk Poes, nämlich die Story mit dem Titel William Wilson, welche frei interpretiert und in die Gegenwart versetzt wurde.

London fungiert hier als perfekter Ort für beklemmende Stimmung. Die Großstadt ist grau und kalt, die Charaktere einsam und emotional verkümmert. Die unheilschwangere Atmosphäre wird gekonnt durch leise Musik und unterschwelliges Sounddesign erzeugt und aufrecht erhalten. Richtige Schockeffekte gibt es so gut wie gar nicht. Das „Grauen“ manifestiert sich hier nicht durch Monster oder Serienkiller, sondern im plötzlich auftauchenden Fremden in vertrauter Umgebung.

Inhaltlich ist The Broken dann aber ein wenig enttäuschend. Der Plottwist am Ende ist nicht mehr ganz neu, vor allem für Kenner von William Wilson oder z.B. der Kurzgeschichte Impostor von Philip K.Dick. Immerhin hüllt sich die Story konsequent darüber in Schweigen, was es wirklich mit den Doppelgängern auf sich hat. Eine Erklärung wird nicht geliefert, was aber wunderbar zum Gesamtpaket des Films passt. Denn nicht das „was“ ist hier entscheidend, sonder das „wie“, die Präsentation. Und die ist zweifelsohne gelungen. Jedenfalls wollte ich nach einer heftigen Szene in der Dusche mich am gleichen Abend nicht mehr unter selbige stellen.

Es ist übrigens hochinteressant dass 2009 eine weitere lose Adaption einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe folgte, Das Schwarze Herz. Erneut spielt Lena Headey eine Ärztin (wenn auch nicht die Hauptfigur) und Ulrich Thomsen hat ebenfalls eine kleine Rolle. Zufälle gibt’s!

Fazit: The Broken ist ein subtil inszenierter, stimmungsvoller Psychothriller, der formal und inhaltlich nicht vollkommen überzeugt. 7 von 10 Punkten.


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