Blood of Zeus

21. November 2020

Die Sagenwelt des antiken Griechenlands dient immer wieder als Inspirationsquelle für TV- und Kino-Produktionen. Die Animationsserie Blood of Zeus von den Gebrüdern Parlapanides zeigt, dass es dabei nicht immer ein teurer Live-Action-Blockbuster sein muss.

Of Gods and Men and Splatter

Im antiken Griechenland. Der junge Heron lebt mit seiner Mutter Elektra nahe einer kleinen Stadt. Weil er als Bastard ohne Vater aufwuchs werden Heron und Elektra von den Bewohnern der Stadt mit Verachtung gestraft. Nur der alte Elias steht den beiden immer wieder bei. Eines Tages greift eine Gruppe von Dämonen an. Der Offizierin Alexia und ihren Truppen gelingt es dank der Hilfe Herons, die finsteren Kreaturen zur Strecke zu bringen. Doch neues Unheilt naht in Person des mächtigen Dämonen-Anführers Seraphim. Indes erfährt Heron die Wahrheit über seine Herkunft und gerät mitten in einen verheerenden Konflikt unter den Göttern des Olymps…

Viele Jahre lang habe ich fast ausnahmslos keine Animationsserien angesehen. In letzter Zeit entwickelte sich auch dank der Streaminganbieter ein größeres Angebot interessanter Show aus diesem Bereich, etwa Disenchantment  und Undone. Nicht direkt in diese Kategorie passt Blood of Zeus, eine achtteilige Trickserie aus der Feder der griechisch-amerikanischen Brüder Charley Parlapanides (geb. 1977) und Vlas Parlapanides (geb. 1971). Aber unter vielen meist mäßigen Adaptionen griechischer Sagen macht die Netflix-Produktion eine ganz gute Figur.

Die Parlapanides-Brüder haben sich bisher vor allem mit ihrem Skript zu Tarsem Singhs Krieg der Götter (2011) einen Namen gemacht, der ebenfalls durch die antike Sagenwelt inspiriert wurde. Der aufwändige Blockbuster geriet zwar in visueller Hinsicht durchaus beeindruckend, inhaltlich blieb die ganze Geschichte aber ziemlich mau. Eine (Mini-)Serie bietet freilich mehr Zeit, Figuren und Setting zu entwickeln. Leider wird das bei Blood of Zeus nur bedingt genutzt. Zwar werden die Origin-Stories des Protagonisten Heron und seines mächtigen Gegenspielers Seraphim (der wie ein nachtblauer Dunkelelf aussieht) innerhalb der ersten Episoden enthüllt, doch erfährt man über die nicht weniger kampfestüchtige Soldatin/Amazone Alexia (die dritte Hauptfigur) nichts. Auch weitere Nebenfiguren bleiben auf ihre nackte Funktionalität reduziert, vor allem in der zweiten Hälfte, als der Plot unaufhaltsam auf den großen Endkampf zusteuert. Wie die Schöpfer in einem Interview mit Collider verrieten, war die Serie ursprünglich als Zehnteiler geplant.

Doch im Gegensatz zu vielen anderen Verfilmungen plündert Blood of Zeus nicht einfach die Sagenstoffe wie ein Schnäppchenjäger die Sonderangebote sondern bedient sich diverser Elemente, die geschickt verwoben werden. Für die Biographie des neu erfundenen Helden Heron standen Herakles, Perseus, Bellerophontes und andere Pate. Dazu liefert die Serie quasi das Sequel zur Gigantomachie, dem Kampf der olympischen Götter gegen die von Erdmutter Gaia geschickten Giganten. Außerdem dient eine massive Ehekrise zwischen dem chronisch untreuen Göttervater Zeus und seiner eifersüchtigen Gattin Hera als weiterer Aufhänger für ein episches Spektakel. Die Charaktere sind im üblichen Comic-Kitsch-Stil gezeichnet doch insgesamt macht die Animationsproduktion in ästhetischer Hinsicht durchaus etwas her.

Das für Serien wie Castlevania und Die Abenteuer von Kid Danger bekannte Studio Powerhouse Animation und der ebenfalls animationserfahrene Regisseur Shaunt Nigoghossian inszenieren hier einen überaus effektvollen Kracher, der eindrucksvoll zeigt, dass Realfilme nicht zwangsläufig die richtige Verfilmungsart für die Larger-than-Life-Tales aus dem klassischen Altertum sein müssen. Mit überbordendem Bombast und einem im besten Sinne altmodischen Monumentalscore von Paul Edward-Francis (Hogfather – Schaurige Weihnachten) präsentiert sich Blood of Zeus als knallige Mixtur aus Kampf der Titanen, dem bereits erwähnten Krieg der Götter und 300. Die Altersfreigabe (FSK 16) ist bei dem überaus blutigen Gemetzel keinesfalls zu hoch angesetzt. Dazu hat man hier einen weitgehend namhaften und soliden Voicecast versammelt, darunter Jason O’Mara, der seit 2015 Batman in diversen DC-Animationsfilmen (z.B. Justice League Dark) spricht, als Zeus, Claudia Christian (Babylon 5) als Hera, Jessica Henwick (Game of Thrones, Marvel’s Iron Fist) als Alexia und Mamie Gummer (The Good Wife) als Elektra. Mit Elias Toufexis und Chris Diamantopoulos sind auch zwei griechischstämmige Sprecher dabei.

Blood of Zeus ist seit dem 27. Oktober 2020 bei Netflix abrufbar.


Blood of Zeus
Fantasy-Abenteuer/Animationsserie USA 2020. FSK 16. 8 Folgen. Gesamtlänge: ca. 248 Minuten. Originalsprecher: Derek Phillips (Heron), Jessica Henwick (Alexia), Elias Toufexis (Seraphim), Jason O’Mara (Zeus), Claudia Christian (Hera), Chris Diamantopoulos (Evios/Poseidon), Matthew Mercer (Hermes), Mamie Gummer (Elektra) u.a. Idee & Drehbuch: Charley Parlapanides und Vlas Parlapanides. Regie: Shaunt Nigoghossian.

Credits
Bilder (c) Netflix/Powerhouse Animation.

 


Von Mythen, Sagen und Legenden (Kurzkritik)

13. Oktober 2019

Wie lief das bei den Göttern der alten Griechen? Welcher nordische Gott schwang den Hammer? Wer war gleich nochmal Beowulf? Und wie passt ein gewisser Jesus in die ganze Sache? Antworten auf diese und andere Fragen liefert Von Mythen, Sagen und Legenden, eine zehnteilige Doku-Serie des History Channel.

Göttern, Helden, Monster und Jesus

Götter (Zeus, Hades), Heroen (Herakles, Odysseus) und Monster (Medusa, Minotaurus) der griechischen Mythologe, Helden der nordischen Sagenwelt (Beowulf, Thor) sowie ein kleiner Ausflug ins Legendarium von Mittelerde-Schöpfer J.R.R. Tolkien (1892-1973). All diese Themen bekommt der interessierte Zuschauer im vom History Channel produzierten Zehnteiler Von Mythen, Sagen und Legenden präsentiert, in einer für US-Verhältnisse gar nicht mal so extrem reißerisch aufgemachten Mischung aus Expertenmeinungen von überwiegend amerikanischen Akademikern/Fachliteratur-Autoren, stimmungsvollen Reenactment-Szenen und ordentlichen Animationen. Die Miniserie ist vor allem für Einsteiger in die Materie gut geeignet. Für mich als jemand der sich seit gut einem Vierteljahrhundert mit der griechischen Mythologie beschäftigt boten die ersten sieben Folgen (Liste siehe unten) wenig Neues, wenngleich mich teilweise überrascht hat, welchen historischen/realen Hintergrund einzelne Sagen wohlmöglich besitzen. Was allerdings in einigen der Episoden eher peinlich wirkt: die fast schon zwanghafte Verknüpfung der Stoffe mit dem Christentum. So wird Odysseus‘ Abstieg in die Unterwelt mit Jesus‘ Tod am Kreuz und seiner Auferstehung gleichgesetzt. Diese Herangehensweise mag vermutlich an einer konservativ-christlichen Ausrichtung des ausstrahlenden Senders liegen. Ansonsten aber eine solide, nur selten ein wenig öde Miniserie. Das Erscheinungsjahr und der Originaltitel legen den Verdacht nahe, dass die Macher auf der Erfolgswelle des mäßigen Mythologie-Blockbuster-Remakes Kampf der Titanen (2010) mitreiten wollten.

Von Mythen, Sagen und Legenden ist seit dem 11. August 2011 auf BluRay und DVD erhältlich.

Vielen Dank an Gnislew von Sneakfilm.de für die zur Verfügung gestellten BluRays!

Von Mythen, Sagen und Legenden (Clash of the Gods)
TV-Dokureihe USA 2009. FSK 12. 10 Folgen. Gesamtlänge: ca. 450 Minuten. Regie: Christopher Cassel und Jessica Conway.

 


Episodenliste
(US-Reihenfolge in Klammern)

1 Odysseus – Der Zorn des Poseidon (6)
2 Odysseus – Irrfahrt nach Ithaka (7)
3 Zeus (1)
4 Hades – Gott der Unterwelt (3)
5 Herkules (2)
6 Medusa (5)
7 Minotaurus (4)
8 Beowulf (8)
9 Thor (10)
10 Tolkiens Fabelwesen (9)

Credits
Bilder (c) Sunfilm/Tiberius/History Channel


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