Battle Star Wars

27. August 2021

Nach dem Märchenzicken-als-Möchtegernheldinnen-Sequel-Totalstausfall Avengers Grimm 2: Time Wars letzte Woche habe ich mir die Tage einen weiteren Mockbuster der Billigstfilmschmiede The Asylum angesehen. In Battle Star Wars kämpfen Rebellen gegen die böse Koalition und eine weitgehend sinnlose Handlung.


Sinnfrei im Weltall

Jahrtausende in der Zukunft. Die Galaxis wird von der übermächtigen Koalition unter Lord Malaster (Justin Berti) beherrscht. Eine Gruppe Rebellen möchte sich dem Zugriff des bösen Lords und seiner Macht entziehen und hat eine Zuflucht auf dem Planeten Haven erschaffen. Die Lage von Haven ist nur wenigen Eingeweihten bekannt. Rebellenanführer Corbryn (Luke Fattorusso) wird jedoch von Weltraumpiratin Ajax (Aimee Solte) an die Koalition verraten. Die letzte Hoffnung für Haven lastet nun auf dem aus einem langen Kälteschlaf erwachten Paladin Denz (Benedikt Sebastian) sowie ausgerechnet Lord Malasters Tochter Astera (Alyson Gorske), die sich nach dem Tod ihrer Mutter von der Koalition abgewendet hat…

The Asylum, in der Filmwelt berühmt-berüchtigt für seine albernen Monster-Streifen à la Sharknado und primär für seine an Titel bzw. Thema aktueller Blockbuster angelehnten Machwerke, wollte natürlich auch ein Stück vom gigantischen Star Wars-Kuchen abhaben. Dafür wurde mal schnell ein Billigfilmchen in Lagerhallen und der kalifornischen Pampa abgedreht. Gleichzeitig mit Star Wars – Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers (Kinostart: 18. Dezember 2019) auf den Markt zu kommen dazu hat es nicht gereicht. Denn Battle Star Wars, so der Titel des Sternenkrieg-Klons erschien in den USA im Januar 2020 und in Deutschland im März des gleichen Jahres fürs Heimkino. In der Vita von Regisseur James Thomas stehen so verheißungsvolle Titel wie der Lara-Croft-Rip-Off Tomb Invader und der Creature-Horror Megalodon. Jeremy M. Inman, der hier das verzapft hat, was bei anderen Filmen Drehbuch genannt wird, kennt der geplagte, masochistische veranlagte Asylum-Konsument schon von seiner Beteiligung an beiden Avengers Grimm-Teilen (Buch bei beiden, Regie beim ersten Streich).

Bekanntlich hatten die beiden Dauerproduzenten David Michael Latt und David Rimawi (die künftig am besten unter dem gemeinsamen Pseudonym „Bill Igheimer“ auftreten sollten) auch hier wieder fast kein Geld zur Verfügung. Für ein paar halbwegs ordentliche (wenngleich menschenleere) Hintergrundkulissen hat es trotzdem gereicht. Vermutlich stand der Kram einfach so in einer der Lagerhallen rum und wäre sonst auf dem Müll gelandet. Auch die wenigen Minuten Weltraumaction erscheinen durchaus ordentlich, wenn man mal davon absieht, dass die Raumschiffe wie aus einem etwa zehn Jahre alten Videospiel aussehen. Statisten oder Komparsen waren im mickrigen Budget leider nicht drin. Daher hat der böse Lord Malaster (Kennzeichen: Morgenmantel und Grimassieren) keine Soldatenhorden, sondern nur zwei Handlanger zur Verfügung. Außerdem besteht das gesamte Ensemble aus kaum mehr als einem halben Dutzend Akteure. Die hat man unter ein paar Models bzw. Cosplayern zusammengecastet. Die Damen, wie Astera und Weltraumpiratin Ajax, sind natürlich eher knapp bekleidet. Das Kostüm des Paladins (in einer anderen Sternensaga hieß so jemand noch Jedi) wirkt gar nicht mal so billig. Als Allzweckwaffen gibt es mehrere identisch aussehende, als „Helper“ bezeichnete Androidinnen, die für mich wie Judith Rakers aussehen.

Die wenigen annehmbaren Ansätze können aber kaum kaschieren, dass die Story einerseits absolut generisch daherkommt und außerdem wenig bis keinen Sinn ergibt. Wer hier wen oder was retten, befreien, gefangen nehmen, beherrschen, stehlen oder töten möchte, keine Ahnung! Die Zusammenhänge (falls es sie gibt) haben sich mir nicht erschlossen, zu beliebig und lustlos verpuffen die Wendungen. Regisseur James Thomas und sein Team inszenieren die ganze Chose aber auch unfassbar leblos und uninspiriert. Dagegen erweisen sich sogar die unsägliche Prequel-Trilogie oder alte Star Wars-Klone wie Star Crash und Sador – Herrscher im Weltraum als Hochkaräter. Das offene Ende schreit förmlich nach einem Sequel. Bitte nicht!

Battle Star Wars ist seit März 2020 auf DVD und BluRay erschienen. Vom Kauf wird abgeraten! Aber das Machwerk wird sicherlich bald wiedermal auf Tele 5 wiederholt.

Battle Star Wars – Die Sternenkrieger
(Battle Star Wars)
Science-Fiction-Trash USA 2020. FSK 12. 83 Minuten (PAL-DVD).
Mit: Alyson Gorske, Aimee Stolte, Justin Berti, Benedikt Sebastian, Luke Fattorusso, Canyon Prince, Alissa Filoramo, Ross Forte u.a. „Drehbuch“: Jeremy M. Inman. Regie: James Thomas.

Credits
Bilder (c) Whie Pearl Movies

 

 


America: Der Film

1. Juli 2021

Auch wenn die Kinos nun wieder geöffnet haben (und ich meinem zweiten sowie dritten Kinobesuch dieses Jahr entgegenfiebere) so gibt es weiterhin einige Film-Neuerscheinungen, welche ausschließlich bei einem Streaminganbieter laufen. Und das ist im Falle von America: Der Film, einem knalligem Animationsstreifen für Erwachsene über die „alternative“ Gründungsgeschichte der USA, nicht einmal besonders schlimm.


Mit Bier, Silber und Wissenschaft gegen die Tee-Invasion

Eigentlich wollten George Washington (Stimme im Original: Channing Tatum), Abraham Lincoln (Will Forte) und Co die dreizehn Kolonien der Neuen Welt für unabhängig vom britischen Empire erklären, doch wird das Unterfangen von Georges altem Vertrauten Benedict Arnold (Andy Samberg) verraten, der zudem Abe Lincoln auf bestialische Weise ermordet. Washington ist verzweifelt über den Verlust seines besten Freundes. Angestachelt von seiner Ehefrau Martha (Judy Greer) stellt George ein Team zusammen, welches sich der britischen Übermacht entgegenstellt. Diese Gruppe besteht aus Bier- und Sprengstoff-Experte Sam Adams (Jason Mantzoukas), dem sozial unbeholfenen, aber sehr fähigen Pferdesportler Paul Revere (Bobby Moynihan), Fährtenleser Geronimo (Raoul Trujillo) und Erfinderin Thomas Edison (Olivia Munn). Gemeinsam wollen sie Ben Arnold und den übermächtigen britischen König James (Simon Pegg) davon abhalten, die Bevölkerung des jungen Kontinents zu willenlosen Anhängern des Empires zu machen…

Schon lange sind Trickfilme nicht mehr reiner Kinderkram, sondern immer öfter auch Stoff für erwachsene Zuschauer. Überhaupt erscheint es eine westliche Unart, gezeichnete Bewegtbilder herabzuwürdigen, während dies in Japan schon immer differenziert betrachtet wird. Als wenig differenziert entpuppt sich der aktuell bei Netflix veröffentlichte Adult-Animated-Film America: Der Film (OT: America: The Motion Picture), der zwar durchaus spaßige Ideen mitbringt, diese aber nicht umzusetzen weiß.

Auf dem Papier liest sich das Filmdebüt von Matt Thompson (bisher Autor, Produzent und Regisseur der ebenfalls bei Netflix laufenden Agenten-Trickserie Archer) wie eine Mischung aus den Avengers, Team America sowie einer sehr freien Neuinterpretation der Biographien der amerikanischen Gründerväter im Stile von Sketchshows wie Saturday Night Live und College Humor. Das erfolgreiche Duo Phil Lord und Christopher Miller (The Lego Movie) sind außerdem als Produzenten mit an Bord. Drehbuchautor Dave Callaham (Zombieland: Doppelt hält besser, Wonder Woman 1984, Mortal Kombat [2021]) verarbeitet hier unterschiedlichste Elemente und Motive amerikanischer Geschichte und Popkultur auf anachronistische Weise. Da sind etwa George Washington (1732-1799) und Abraham Lincoln (1809-1865) plötzlich Zeitgenossen im Jahre 1776 und der (in Wahrheit ebenfalls später lebende) berühmte Erfinder Thomas Edison (1847-1931) entpuppt sich als Frau asiatischer Abstammung.

Die üblichen Alltagsgegenstände und Fortbewegungsmittel sind mit technologischen Errungenschaften und moderner Musik aufgepeppt, die es erst viele Jahr(hundert)e später geben sollte. Von der Sprache mal ganz zu schweigen. Grundsätzlich besitzt die 1000-unterschiedliche-Dinge-in-einen-Topf-zu-schmeißen-Methode durchaus Potenzial, doch wird das hier fast gar nicht genutzt. Denn abgesehen von einem groben Gerüst scheint hier das Interesse an einer halbwegs ausgearbeiten Story kaum vorhanden. Über weite Strecken wird ein in manchen Momenten witziges, aber doch im Grunde einfallsloses Programm abgespult. Vor allem im Vergleich zur derben, aber ungemein treffenden Hurra-Patriotismus-Puppentrick-Parodie Team America erweist sich America: Der Film als ziemlich lahme Angelegenheit. Wobei mir die durchaus kurzweiligen 98 Minuten eher wie 75 bis 80 Minuten vorkamen. Das mag auch am gelungenen Voicecast liegen. So gibt Channing „Magic Mike“ Tatum den George Washington während Andy Samberg als böser Brite Benedict Arnold glänzt und Simon Pegg (Star Trek-Neuauflage) als König James wie Baron Harkonnen aus Dune – Der Wüstenplanet wirkt. Wer bereits ein Abo beim roten N hat, kann sich den Streifen ruhig mal ansehen, aber wirklich brauchen tut ihn niemand. Und glücklicherweise blockiert das Werk keine Kinosäle.

America: Der Film ist seit dem 30. Juni 2021 Teil des Angebots von Netflix.

America: Der Film
(America: The Motion Picture)
Animationsfilm USA 2021. FSK 16. 98 Minuten. Originalsprecher: Channing Tatum (George Washington), Jason Mantzoukas (Sam Adams), Olivia Munn (Thomas Edison), Bobby Moynihan (Paul Revere), Raoul Trujillo (Geronimo), Judy Greer (Martha Washington), Andy Samberg (Benedict Arnold), Simon Pegg (King James), Killer Mike (John Henry), Will Forte (Abraham Lincoln) u.a. Drehbuch: Dave Callaham. Regie: Matt Thompson.

 

 

Credits
Bilder (c) Netflix.

 

 

 


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