Klassentreffen (2019)

18. Juli 2021

In Einstimmung auf mein eigenes Klassentreffen am gestrigen Samstag habe ich mir Jan Georg Schüttes gleichnamigen Film von 2019 angesehen, der nicht nur mit einer großen deutschen Starbesetzung aufwartet, sondern zudem fast komplett improvisiert wurde.


„Dieses Leben hatte ich nicht bestellt.“

Köln-Hürth im Jahre 2017. 25 Jahre nach dem Abitur haben Gesa (Annette Frier) und Thorsten (Oliver Wnuk), seitdem ein Paar und seit 17 Jahren verheiratet, ihre alten Klassenkameraden zum Treffen in eben jene Kneipe eingeladen, in welcher damals die Abi-Feier stattfand. Gesas langjährige Freundin Katha (Nina Kunzendorf), mittlerweile Sozialpädagogin, kommt ebenso wie die hochschwangere Scheidungsanwältin Sandra (Elena Uhlig), die immer noch frivole Astrid (Anna Schudt), die mit einem viel älteren Mann verheiratete Stefanie (Anja Kling) und der eher mittlelmäßig erfolgreiche Musiker Hergen (Marek Harloff), genauso wie Kristian (Charly Hübner), der als Schuhfabrikant mit seiner Familie traditionell auf einem Bauernhof lebt, Immobilienmakler Harald (Christian Kahrmann), Tierchirurg Ali (Kida Khodr Ramadan) und Pfleger Andi (Aurel Manthei). Zu aller Überraschung tauchen auch zwei nicht eingeladene Mitschüler von damals auf: die exzentrische Marion (Jeanette Hain), in die damals angeblich jeder der Jungs verliebt gewesen war, und der extra aus den USA angereiste, sehr vermögende Sven (Fabian Hinrichs)…

Wie es der Zufall so wollte wiederholte das Erste am vergangenen Mittwoch den vorliegenden Film, so dass ich einen Tag vor meinem eigenen Klassentreffen (20 Jahre Abitur) die Gelegenheit zur Sichtung erhielt. Regisseur Jan Georg Schütte (Für immer Sommer 90), der auch als Schauspieler arbeitet, ließ die Darsteller wie schon in seinen Werken Altersglühen – Speed-Dating für Senioren (2014) und Wellness für Paare (2016) fast völlig improvisieren. Die Schauspieler agierten lediglich auf der Basis grober Rollenprofile. Gedreht wurde an nur zwei Tagen (25. und 26. November 2017) in einem leerstehenden Gasthof in Hürth, mit insgesamt 30 Kameras und an bis zu fünf Schauplätzen gleichzeitig. Die kurze, aber intensive Drehzeit sorgt aus meiner Sicht für große Authentizität. Denn so erhält das Publikum wirklich den Eindruck, die Veranstaltung fast in Echtzeit zu beobachten. Durch das reduzierte Setting wirkt Klassentreffen (nicht zu verwechseln mit einem Film von und mit Til Schweiger aus dem Vorjahr) fast wie eine dynamische, filmisch festgehaltene Theateraufführung.

Schütte vereint hier ein illustres Ensemble überwiegend namhafter Schauspieler, wobei für mich besonders Jeanette Hain (Therapie für einen Vampir, Babylon Berlin) als „verstrahlte“ Marion und der immer wieder starke Charly Hübner, bekannt vor allem als Kommissar Alexander Bukow aus dem Rostocker Polizeiruf 110 (2010-2021), als konservativer und „heimatbewusster“ Kristian herausragen. Dynamik und Chemie unter den einzelnen Akteuren stimmen. Obgleich immer wieder alte Geschichten, Liebeleien und Animositäten zu Tage kommen, ist man hinterher nicht sehr viel schlauer, was denn da alles vor 25 Jahren (oder später) alles so vorgefallen ist. Das liegt aber definitiv an der nicht sehr langen Laufzeit von 90 Minuten. Kameramann Oliver Schwabe (Being David Hasselhoff) und sein Team filmten insgesamt etwa 130 Stunden Material, was Cutter Benjamin Ikes (Stromberg – Der Film) dann zu einem Spielfilm zusammenschnitt. Eine zweite Fassung, als Miniserie mit sechs Folgen à 30 Minuten (also doppelt so lang), wurde auf ARD One ausgestrahlt. Möglicherweise wirkt diese inhaltlich etwas runder.

Klassentreffen von Jan Georg Schütte ist am 8. März 2019 auf BluRay und DVD erschienen sowie bei diversen Streaminganbietern verfügbar.


Klassentreffen
TV-Komödie/Drama Deutschland 2019. FSK 0. 90 Minuten:
Mit: Annette Frier, Oliver Wnuk, Charly Hübner, Anja Kling, Jeanette Hain, Nina Kunzendorf, Kida Khodr Ramadan, Fabian Hinrichs, Anna Schudt, Marek Harloff, Aurel Manthei, Elena Uhlig, Christian Kahrmann, Guido Renner, Burghard Klaußner u.a. Drehbuch und Regie: Jan Georg Schütte.

Credits
Bilder (c) ARD/WDR.

 

 

 

 

 

 


Mel Brooks – Make A Noise

26. Juni 2021

Aus unerfindlichen Gründen habe ich in letzter Zeit einige Dokus angesehen. Zuletzt entdeckte ich mit Make A Noise einen tollen Beitrag über den amerikanischen Filmparodisten und Komiker Mel Brooks, der am 28. Juni 2021 (übermorgen) seinen 95. (!) Geburtstag feiert.

Ein Kultkomiker blickt zurück

Vielleicht ist es die einfache Verfügbarkeit, aber Dokumentationen bildeten in den letzten Wochen den Schwerpunkt meines Filmkonsums. Nach einem Beitrag über Fall und Aufstieg von Marvel Comics, einer brandneuen Featurette zum Scifi-Kultfilm Blade Runner und der Fußball-Doku Schwarze Adler folgt nun ein Beitrag über einen meiner Lieblingsregisseure, nämlich Mel Brooks. Make A Noise, der in den USA schon 2013 veröffentlicht wurde, liefert in 52 Minuten einen kurzen Abriss von Leben und Werk des bald 95jährigen Filmemachers und Kultparodisten.

Mel Brooks (bürgerlich Melvin Kaminsky), geboren am 28. Juni 1926 als Sohn einer russisch-jüdischen Mutter und eines aus Danzig stammenden jüdischen Vaters in Brooklyn, New York, geboren, wuchs mit drei älteren Brüdern auf. Sein Vater starb als Mel erst zwei Jahre alt war, die Mutter musste alleine die Kinder versorgen und Geld verdienen. Nach seinem Wehrdienst im Zweiten Weltkrieg wurde Brooks als Gagschreiber und Darsteller für diverse Sketchshows an der Seite von Sid Caesar (1922-2014) engagiert. Mit Buck Henry schuf er die Agenten-Comedyserie Mini-Max (Get Smart, 1965-1970). Der Erfolg ermöglichte Brooks die Inszenierung seines Regiedebüts, der Broadway-Satire Frühling für Hitler (1968), für welche er einen Drehbuch-Oscar gewann. In der Folge machte sich Brooks einen Namen als großartiger Parodist unterschiedlichster Genres wie Western (Blazing Saddles: Der Wilde, wilde Westen), Horror (Frankenstein Junior, Dracula – Tot, aber glücklich), Historienfilm (Die verrückte Geschichte der Welt), Space Opera (Spaceballs), Stummfilm (Silent Movie – Mel Brooks‘ letzte Verrücktheit) und Mantel-und-Degen-Abenteuer (Robi Robi Robin Hood, Robin Hood: Helden in Strumpfhosen). Außerdem produzierte er weitere Werke wie David Lynchs Der Elefantenmensch (1980) und David Cronenbergs Neuverfilmung von Die Fliege aus dem Jahr 1986. Nicht selten spielte er auch eine der Hauptrollen in seinen Filmen.

Die vorliegende Featurette von Robert Trachtenberg wurde für die seit 1985 laufende Doku-Fernsehreihe American Masters gedreht und debütierte bereits im Mai 2013 (als dritte Folge der 27. Staffel) im US-Fernsehen. Erst acht Jahre später sollte es zur deutschen TV-Premiere am 16. Juni 2021 im NDR-Fernsehen kommen. Herzstück des Films sind die Interviewpassagen mit Meister Mel himself. Sie bilden die Basis für eingestreutes Archivmaterial sowie Film- und Fernsehausschnitte. Aber Make A Noise verkommt allerdings zu keiner Zeit zum reinen Monolog. Denn auch Brooks‘ diverse Weggefährten rekapitulieren Anekdoten und Erlebnisse von ihrer Arbeit mit dem sympathisch-witzigen Energiebündel, etwa Regisseur/Autor Carl Reiner (1922-2020), dessen Sohn Carl Reiner, Filmemacher Barry Levinson, Theater-Regisseurin Susan Stroman sowie Schauspieler wie Nathan Lane und Cloris Leachman (1926-2021).

Regisseur Trachtenberg, der auch das Skript schrieb und am Schnitt beteiligt war, schlägt in den 52 Minuten einen Bogen von Brooks‘ Anfängen bis zu seinem Revival durch den Erfolg der Bühnenmusicalfassung der Nazi-Satire Frühling für Hitler am Broadway um 2001, welche mit dem von Susan Stroman inszenierten The Producers (2005) wiederum den Weg zurück auf die große Leinwand fand. Mit viel Humor und Altersweisheit blickt der betagte, aber rüstige Mel auf Höhepunkt und Schicksalsschläge, wie den Tod seiner Ehefrau, der Schauspielerin Anne Bancroft 2005, zurück. Natürlich muss man diesem großen Komikkünstler eigentlich eine abendfüllende Doku widmen. Und für die deutsche Fassung hätte ich mir an manchen Stellen wesentlich besser Voice-Over-Sprecher gegönnt. Dennoch insgesamt ein kurzweilig-spaßiger und erkenntnisreicher Beitrag. Inklusive einer Midcredit-Szene mit Ernährungstipps.

Danke, Mel Brooks! Möge dir der Saft niemals ausgehen! 😉

Die deutsche Fassung von Mel Brooks: Make A Noise ist noch bis 16. Juli 2021 in der ARD-Mediathek abrufbar.

Mel Brooks: Make A Noise
TV-Dokumentation USA 2013. 52 Minuten.
Buch und Regie: Robert Trachtenberg.

Credits
Bilder (c ) PBS/NDR.


Das Phänomen Blade Runner

19. Juni 2021

Nach den experimentellen Kurzfilm-Tipps gestern folgt heute mein Review zu einer aktuellen Doku-Featurette, die nur noch wenige Tage in der Arte-Mediatek verfügbar ist: Das Phänomen Blade Runner, über den visionären Science-Fiction-Noir-Film von Ridley Scott.


2019 – Zwischen Vision und Realität

Basierend auf dem Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen (1968) von Philip K. Dick (1928-1982) drehte der britische Regisseur Ridley Scott (Alien) den aufwändigen und in vielerlei Hinsicht visionären Science-Fiction-Film Blade Runner. Nach der Premiere 1982 konnte der Film weder Kritiker überzeugen noch ein großes Publikum für sich gewinnen. Erst mit den Jahren erwarb sich der Scifi-Noir-Streifen seinen hochverdienten Kultstatus. 2017 erschien die von Denis Villeneuve inszenierte Fortsetzung Blade Runner 2049. Dr. Boris Hars-Tschachotin, unter anderem Filmemacher, Installationskünstler, Autor, Produzent, Kurator, promovierter Kunsthistoriker und Gastprofessor an der Filmuniversität Babelsberg, widmet sich in einer für ZDF und Arte produzierten Dokumentation den Produktionshintergründen und Motiven von Blade Runner.

Schauplatz des Films von Scott ist Los Angeles im Jahre 2019, ein düsteres, verschmutztes, verregnetes und von einer großen Kluft zwischen sozialem Brennpunkt und superreichen Großkonzernen geprägtes Moloch. Auch wenn das heutige LA verständlicherweise nicht genau wie vor 39 Jahren prognostiziert aussieht, so erwies sich die Vision einer Metropole voller Gegensätze aus heutiger Sicht als erschreckend realistisch. Auch in der heutigen, realen Stadt der Engel gibt es ein krasses Gefälle zwischen Arm und Reich. Manche können sich trotz mehrerer Jobs keine Wohnung leisten und hausen in Zelten. Auch das Szenario mit dem vertikalen Nebeneinander (ode Übereinander) der hart arbeitenden Klasse und den reichen Mega-Konzernen erwies sich als treffend. Auch wenn es Stand heute noch keine fliegenden Autos gibt, so ist man gemäß der Aussage eines der Beteiligten nur noch etwa fünf Jahre davon entfernt.

Hars-Tschachotin lässt nicht nur Regisseur Ridley Scott und Hauptdarsteller Harrison Ford zu Wort kommen, sondern auch Kristina Jaspers (Kuratorin der Deutschen Kinemathek), Produktionsleiterin Katherine Haber, Gaff-Darsteller Edward James Olmos, Joanna „Zhora“ Cassidy sowie Visual Effects Supervisor Douglas Trumbull und Designer Syd Mead (1933-2019). Vor allem letztere waren für den besonderen Look zwischen Film-Noir und postapokalyptisch-futuristischen Cyberpunk-Look maßgebend verantwortlich. Es werden unterschiedliche Aspekte der Produktion gleichermaßen angesprochen wie Thematiken, Figuren und die Einflüsse wie Fritz Langs filmischer Meilenstein Metropolis (1927) oder den Film Noir aus den 1940er und 1950ern. Rutger Hauer, Darsteller des um sein Leben kämpfenden Replikanten Roy Batty, wurde leider nicht interviewt, was daran liegen könnte dass er bei Beginn der Dreharbeiten im September 2019 schon verstorben war. Um das Science-Fiction-Meisterwerk komplett erfassen zu können ist freilich eine ungleich längere Doku (wie der dreieinhalb Stunden lange Beitrag Dangerous Days: Making Blade Runner von Charles des Lauzirka von 2007) notwendig, doch die vorliegende Featurette macht das Beste aus ihren zeitlichen Möglichkeiten.

Das Phänomen Blade Runner ist nur noch bis 26. Juni 2021 kostenlos in der Arte-Mediatek abrufbar.

Das Phänomen Blade Runner
TV-Dokumentation Deutschland 2021. 53 Minuten.
Buch und Regie: Boris Hars-Tschachotin.


Credits
Bilder (c) Medea Film/ZDF/Arte.

 

 

 


Firmen am Abgrund: Marvel – Imperium der Superhelden

5. Juni 2021

Heute gibt es zur Abwechslung mal einen Doku-Tipp. Der Beitrag Marvel – Imperium der Superhelden aus der Reihe Firmen am Abgrund befasst sich mit dem Niedergang und der Wiederauferstehung des großen US-Comickonzerns.


Vom kriselnden Unternehmen zum Mediengiganten

Die für den Nachrichtenkanal Channel NewsAsia produzierte singapurisch-britische Doku-Reihe Firmen am Abgrund (Originaltitel: Inside the Storm) befasst sich mit Aufstieg und Fall diverser großer Weltunternehmen aus den Branchen Technologie, Investment, Tourismus und Unterhaltung. Zwischen 2016 und 2018 erschienen in Singapur vier Staffeln mit insgesamt 17 Episoden. Einige der Folgen wurden auf deutsch synchronisiert und ab 2017 bei ZDF Info gesendet. So auch die vorliegende erste Folge der dritten Staffel, welche nach ihrer deutschen Erstausstrahlung am 10. November 2019 aktuell wieder in der Mediathek verfügbar ist. Meine bisherige Kenntnis der Geschichte von Marvel Comics ging bisher so ziemlich gegen Null. Und so war es durchaus interessant etwas über das Auf und Ab des Comicgiganten zu erfahren.

Neben einem kurzen Abriss über die frühe Histories Marvels widmet sich Produzentin und Regisseurin Indra Nienhaus vor allem dem Niedergang des Comicunternehmens in den 1990ern. Der schwerreiche Investor Ronald Perelman hatte den Verlag 1989 gekauft und für eine Erhöhung der Produktion gesorgt, die zu Lasten der Qualität der Comics ging. Damit vergraulte Perelman nicht nur einige Kreative, sondern auch viele Leser. Durch eine erfolgreiche Unternehmenssanierung unter Peter Cuneo ab Ende der 1990er gelang jedoch der Wendepunkt, welcher schließlich mit der Gründung der eigenen Filmproduktionsfirma Marvel Studios und dem durchgehenden Erfolg des Marvel Cinematic Universe (23 Blockbuster zwischen 2008 und 2019, mit weiteren bereits in den Startlöchern) gipfelte. Mittlerweile gehört Marvel bekanntlich Disney. Für eine umfassende Doku über den Comicgiganten mag das hier natürlich zu wenig sein, aber als Einblick in dessen schwierige Jahre funktioniert die Featurette. Allerdings stelle ich mir nach der Sichtung die Frage, ob Marvel mit seiner schier endlosen Veröffentlichung neuer Filme und Serien (letztere mittlerweile nur noch über Disney+) nicht irgendwann bei Fans und Zuschauern für Übersättigung sorgen wird.

Firmen am Abgrund: Marvel – Imperium der Superhelden ist noch bis 31.05.2022 kostenlos in der Mediathek von ZDF Info abrufbar.

Firmen am Abgrund: Marvel – Imperium der Superhelden
(Inside the Storm: Marvel)
TV-Dokumentation Singapur, UK 2017. 43 Minuten. Regie: Indra Nienhaus.


Credits
Bild (c) Channel NewsAsia / ZDF Info.

 

 


Doku-Tipps: Wikipedia / Bolero

20. Januar 2021

Aus aktuellem Anlass gibt es heute von meiner Seite zwei empfehlenswerte Doku-Tipps, die kostenfrei in der Arte-Mediathek verfügbar sind.


Das Wikipedia-Versprechen

Am 15. Januar 2021 feierte Wikipedia 20. Geburtstag. Jascha Hannover und Lorenza Castelle haben das Jubiläum zum Anlass genommen, um in ihrer Doku Das Wikipedia-Versprechen: 20 Jahre Wissen für Alle? nicht nur die Geschichte der von Jimmy Wales gegründeten Internet-Enzyklopädie kurz zu beleuchten sondern auch ihre Stärken und Schwächen zu thematisieren. Das hehre Ziel der Gründer: Wissen für alle frei verfügbar zu machen. Jeder kann an zu dieser mittlerweile gigantischen Datenbank etwas beisteuern. Das bringt natürlich auch Probleme mit sich. Trotz der Überprüfung der Inhalte durch Admins schaffen es immer wieder falsche Informationen auf Wikipedia. Außerdem bilden Relevanz und die Belegbarkeit von Inhalten komplexe Streitpunkte. Eigentlich ein Thema für einen abendfüllenden Dokumentarfilm.

Das Wikipedia-Versprechen ist noch bis 4. April 2021 in der Arte-Mediathek und bis 11. Januar 2022 in der ARD-Mediathek abrufbar.

Das Wikipedia-Versprechen: 20 Jahre Wissen für Alle?
Deutschland 2021. 52 Minuten. Regie: Jascha Hannover und Lorenza Castella.

Bolero – Ein Refrain für die Welt

Anne-Solen Dougouet und Damien Cabrespinas widmen sich in ihrem bereits Ende 2019 veröffentlichten Film Bolero – Ein Refrain für die Welt dem vom französischen Komponisten Maurice Ravel (1875-1937) geschaffenen Werk. Zwar wird auch auf die Entstehung des bekannten Orchesterstückes eingegangen, der Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf den massiven Nachhall von Ravels bekanntem Opus. Zur Wort kommen nicht nur Musiker wie Angelique Kidjo, Rufus Wainwright und Lalo Schifrin, sondern auch Dirigenten, Choreographen, Tänzer und Filmemacher, die alle durch den Bolero beeinflusst wurden und ihre eigenen Inszenierungen bzw. Interpretationen schufen. Anhand dieser höchst unterschiedlichen Personen und diversen Performances werden die Charakteristika des Stückes behandelt und erforscht. Abzüge in der B-Note bekommt die Doku von mir allerdings schon. Es wird nämlich mit keiner Silbe auf den genialen „Fauxlero“ aus der siebten Folge der ersten Staffel von Legion eingegangen.

Bolero – Ein Refrain für die Welt ist noch bis 17.03.2021 in der Arte-Mediathek abrufbar.

Bolero – Ein Refrain für die Welt (Boléro, le refrain du monde)
Frankreich 2019. 52 Minuten. Regie: Anne-Solen Dougouet und Damien Cabrespinas.

Credits
Das Wikipedia Versprechen (c) WDR/Arte.
Bolero – Ein Refrain für die Welt (c) Arte.

 

 

 


Stonehenge Apocalypse

7. April 2020

Alle guten Dinge sind drei, alle schlechten auch. Von daher war es nach dem Schmu mit Fu Manchu logisch, dass ich mir kurz danach einen weiteren Gurkenfilm reinziehe. Die Wahl fiel auf die kanadische TV-Produktion Stonehenge Apocalypse, in welcher die berühmte Steinkonstellation in England die Welt zu vernichten droht…

Steine, Pyramiden und der Weltuntergang

Nachdem ein Team von Ärchaologen unter Joseph Leshem (Hill Harper) im US-Bundesstaat Maine eine uralte, unterirdische Pyramide entdeckt, entwickelt das bekannte Monument Stonehenge in England ein gefährliches Eigenleben. Eine hohe Entladung mit elektromagnetischer Energie löscht dort eine Gruppe von Touristen aus. Das Gebiet um Stonehenge wird daraufhin vom Militär abgesperrt. Eine Wissenschaftler-Team unter Führung von Dr. John Trousdale (Peter Wingfield) und Dr. Kaycee Leeds (Torri Higginson) versucht die Ursache der hohen elektromagnetischen Energiewerte zu ergründen. Als der als Spinner und Verschwörungstheoretiker in Verruf geratene Physiker Dr. Jacob Galser (Misha Collins), ein alter Freund Leshems, von den Vorgängen in England erfährt, hat er einen schrecklichen Verdacht. Alle zehn Stunden gibt es neue Energieentladungen in Stonehenge, gefolgt von Vulkanausbrüchen in Mexiko und Indonesien. Jacob weiß, dass die Menschheit vor der Vernichtung steht. Doch niemand scheint ihm zu glauben…

„Syfy Original Movie“ ist beileibe kein Qualitätssiegel, sondern die Reihe in welcher der gleichnamige Sender billig produzierte oder noch billiger eingekaufte Genre-Fernsehfilmchen ausstrahlt, darunter auch viele der unsäglichen Produktionen der Megabilligfilmschmiede The Asylum (u.a. Sharknado-Reihe). Besetzungstechnisch zeichnen sich diese Machwerke oft dadurch aus, dass der ein oder andere halbwegs bekannte Schauspieler (weil er/sie wohl dringend Geld brauchte) mitwirkt. Stonehenge Apocalypse hat derer sogar gleich vier zu bieten. Es treten an zum apokalyptischen Scifi-Schmarrn: die Serienstars Misha Collins (Castiel aus Supernatural), Torri Higginson (Dr. Weir aus Stargate Atlantis), Peter Wingfield (Methos aus Highlander) und Hill Harper (Dr. Hawkes aus CSI:NY). Regie führte der für viele ähnlich „hochwertige“ Werke berüchtigte Paul Ziller, dessen Karrierehöhepunkte die Inszenierung je einer Folge von (ihr ahnt es!) Highlander und Stargate Atlantis bilden. Ehrlich gesagt war meine Erwartungshaltung vor der Sichtung entsprechend gering. Ein völlig albern zusammenphantasiertes und total unlogisches Skript, schlechtes CGI, hölzerne Schauspieler und uninspiriert aneinandergereihte Szenen. Das alles und im Grunde nicht wesentlich mehr bietet dieser von parawissenschaftlichem Humbug unterfütterte Katastrophen-Streifen aus Kanada. Gedreht wurde freilich kein Milimeter an Orginalschauplätzen (ist ja auch viel zu teuer, verdammt nochmal!), sondern ausschließlich in und um Vancouver.

Für Prä-Astronautik-Fans mag das hier Dargebotene vielleicht Sinn ergeben, aber ich empfand die kruden Theorien und das depperte Gefasel (in anderen Filmen nennt man das gemeinhin Dialoge) weitgehend unfreiwilig komisch. Die Schauspieler mögen hier nicht ihre Glanzleistung abrufen, aber immerhin haben sie es geschafft, den völligen Quark irgendwie ohne bleibende Schäden und ohne vor Lachen zusammenzubrechen in die Kamera zu sprechen. Teilweise amüsant sind dann auch die Effekte, welche einem Videospiel der 1990er zu entstammen scheinen. Aber wer schon ein paar Produktionen von The Asylum gesehen hat, der weiß: es geht auch schlechter. Obgleich Stonehenge Apocalypse von einem guten Streifen mindest so weit entfernt ist wie die Drehorte von der echten titelgebenden Steinkonstellation, so gestalten sich die gut 80 Minuten keineswegs völlig langweilig. Dass neben dem Film auch eine Tüte Chips konsumiert wurde hat geholfen.

Stonehenge Apocalypse ist seit Oktober 2010 auf DVD erhältlich sowie als Stream bei Amazon abrufbar.

Stonehenge Apocalypse
TV-Science-Fiction-Film Kanada 2010. FSK 12. 87 Minuten (PAL-DVD). Mit: Misha Colins, Torri Higginson, Peter Wingfield, Hill Harper, David Lewis, Tina Milo Milivojevic, Michael Kopsa, Brent Stait u.a. Drehbuch: Paul Ziller und Brad Abraham. Regie: Paul Ziller.

Credits
Bilder (c) Sunfilm


Das letzte Problem (2019)

9. Februar 2020

Personal und Gäste eines abgelegenen Hotels in Vorarlberg sitzen wegen starken Schneefalls fest. Da passiert ein Mord. Wie gut, dass ein Wiener Kommissar mit seinem Assistenten zur Stelle ist…

Die Arbeiten des Kommissars Horak

Durch starken und andauernden Schneefall ist das Hotel Edelweiss in den Bergen Voralbergs von der Außenwelt abgeschnitten. Ungehaltene Gäste, die einen Teil der Übernachtungskosten zurückerstattet haben wollen, sind allerdings bald das geringste Problem für Hoteldirektorin Beate Riegler (Maria Fliri) und ihren Bruder Franz (Max Moor). Denn das Zimmermädchen (Vidina Popov) findet den einsamen Meeresbiologen Hefenstein (Haymon Maria Buttinger) ermordet vor. Wie gut, dass der erfahrene Kommissar Jonas Horak (Karl Markovics) zu den Gästen zählt und sich mit seinem Assistenten Freitag (Stefan Pohl) sogleich an die Ermittlungen macht. Denn mit der hiesigen Polizei ist aufgrund der Witterungsverhältnisse vorerst nicht zu rechnen…

Seit 2012 produziert der ORF die Anthologie-Reihe Landkrimi. Die einzelnen Episoden sind in den unterschiedlichen Regionen Österreichs sowie auch in Südtirol angesiedelt. Das letzte Problem (nicht zu verwechseln mit dem unsäglichen Finale der vierten Staffel von Sherlock) spielt im westlichsten Bundesland unseres Nachbarlandes, in Vorarlberg. Nach einem Drehbuch des renommierten Schriftstellers Daniel Kehlmann (Die Vermessung der Welt, Tyll) wurde die Episode von Schauspieler Karl Markovics (Die Fälscher, Babylon Berlin) inszeniert, der auch die Hauptrolle übernahm.

Sehr zufällig und spontan entschloss ich mich zur Sichtung des TV-Krimis. Die Grundkonstellation erinnert natürlich an bekannte Whodunit-Klassiker, etwa nach Romanen von Agatha Christie, im Allgemeinen und an Die Arbeiten des Hercule, einer der letzten Episoden der langjährigen britischen Serie Poirot, im Besonderen. Eine mehr oder minder illustre Gesellschaft, von der Außenwelt abgeschnitten, hat einen Mörder in ihrer Mitte, den es zu entlarven gilt. Glücklicherweise gehört zu den Gästen auch ein erfahrener Kriminaler. Das letzte Problem liefert vordergründig genau diese Zutaten, um dann vor allem im letzten Drittel einen ganz anderen Weg einzuschlagen, vom scheinbar herkömmlichen Kriminalfall zum zwischen Tragik und Ironie pendelnden Drama, welches das ganze Szenario gehörig auf den Kopf stellt. Markovics scheint der Part des „routinierten“ Ermittlers Jonas Horak wie auf den Leib geschrieben. Daneben sind auch die hierzulande nicht ganz unbekannten Marc Hosemann (Parfum [TV-Serie], Der Goldene Handschuh), Sunnyi Melles (Der Große Rudolph) und der sonst eher als TV-Moderator agierende Max Moor (ttt – titel, thesen, temperamente) zu sehen.

Das letzte Problem gibt es seit dem 13. Dezember 2019 auf DVD. Nach der deutschen Erstausstrahlung ist der TV-Krimi noch bis einschließlich 29. Februar 2020 in der Arte-Mediathek abrufbar.

Landkrimi: Das letzte Problem
TV-Krimi Österreich, Deutschland 2019. 88 Minuten. Mit: Karl Markovics, Stefan Pohl, Maria Fliri, Max Moor, Laura Bilgeri, Julia Koch, Sunnyi Melles, Marc Hosemann, Kristina Bangert, Dominik Warta, Julia Heinze, Vidina Popov u.v.a. Drehbuch: Daniel Kehlmann. Regie: Karl Markovics.

 

Credits
Bilder (c) Superfilm/ORF/Arte.


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