Destino (Kurzfilm)

2. Mai 2020

Mitte der 1940er Jahre planten die befreundeten Künstler Salvador Dali und Walt Disney ein gemeinsames Projekt, welches Disney aber damals verwarf. Gut 50 Jahre später wurde Destino vollendet, ein siebenminütiger Trickfilm voller surrealer Bilder.

Tempus Fugit

Die Produktionsgeschichte von Destino (zu deutsch Schicksal) ist ähnlich bemerkenswert wie der animierte Kurzfilm selbst. 1945 als Zusammenarbeit von Salvador Dali (1904-1989), dem ikonischen Surrealisten, und Walt Disney (1901-1966), Trickfilmzeichner, Produzent und Urvater des heute wohl größten Unterhaltungskonzerns, begonnen, sollte es gut 50 Jahre dauern bis das Projekt wirklich realisiert und vollendet wurde. John Hench, einer der ersten Zeichner der Walt Disney Company, und Dali erarbeiteten damals zusammen die Story, die als Teil eines Kompilationsfilms im Stile von Fantasia (1940) geplant war. Nach acht Monaten Arbeit gab Disney die Produktion aber aus finanziellen Gründen auf. Walts Neffe und Erbe Roy E. Disney (1930-2009) wurde 1999 während der Produktion von Fantasia 2000 auf Destino aufmerksam. Die französische Außenstelle des Mäusekonzerns wurde beauftragt aus dem bisher lediglich 17 Sekunden Material einen kompletten Kurzfilm zu machen. Regie führte Dominique Monféry, der im Laufe seiner Karriere als Animator an Zeichentrickfilmen wie Der Glöckner von Notre Dame (1996), Hercules (1997), Tarzan (1999) und Ein Köngreich für ein Lama (2000) mitwirkte. 25 Animatoren schufen u.a. aus 100 Stift- und Tintezeichnungen sowie 15 Gemälden Dalis den vorliegenden Streifen, der seine Premiere im Juni 2003 auf dem Festival d’Animation Annecy feierte und 2004 auch für einen Oscar nominiert war.

Es gibt hier keine Dialoge, sondern „nur“ phantastische Bilderwelten und von Alvaro Dominguez bzw. Michael Starobin komponierte Musik mit Gesang von Dora Luz (Die drei Caballeros). Destino erzählt auch keine Geschichte im klassischen Sinn, sondern illustriert die unmögliche Liebe zwischen Dahlia, einer Sterblichen, und Chronos, der männlichen Personifizierung der Zeit. Der Zuschauer begleitet die Frau auf einer abstrakten Traumreise zwischen Disney-typischer Zeichentrick-Ästhetik und den surrealen Kreationen Dalis, die man aus den Werken des spanischen Surrealisten kennt. Ein einmaliger, kurzer Experimentalfilm, der aber lange nachhallt. Ich selbst bin auf Destino erst über Umwege aufmerksam geworden, nämlich in Form einer nicht minder faszinierenden Alternativversion auf Youtube, in welcher die Originalmusik durch die episch-düstere Komposition Persephone von meiner Lieblingsband Dead Can Dance ersetzt wurde.

Destino ist als Bonusmaterial auf der BluRay-Veröffentlichung von Fantasia 2000 enthalten und auch bei Disney+ abrufbar.

Destino
Animation/Kurzfilm Frankreich, USA 2003. 7 Minuten.
Musik: Alvaro Dominguez. Story: Salvador Dali und John Hench. Regie: Dominique Monféry.

Bilder (c) Disney.


The Mandalorian: Kapitel 1

23. März 2020

Fans haben eine Live-Action-Serie im großen Sternensaga-Universum schon lange herbei gesehnt. Mich als begeistertem Zuschauer der unerreichten Originaltrilogie lässt der ganze Hype eher kalt. Und doch habe ich dank der exklusiven Free-TV-Ausstrahlung bei Pro Sieben am gestrigen Sonntag einen Blick in die erste Folge von The Mandalorian riskiert.

Der Kopfgeldjäger, der zu wenig wusste

Fünf Jahre nach dem Fall des Imperiums. Eine namenloser Kopfgeldjäger (Pedro Pascal) schlägt sich mehr schlecht als recht durch. Von seinem Auftraggeber Greef Karga (Carl Weathers) erhält der sogenannte Mandalorianer eine neue lukrative Mission. Ein geheimnisvoller Kunde (Werner Herzog), der von Sturmtrupplern bewacht wird, verspricht dem Kopfgeldjäger eine hohe Belohnung wenn er eine nicht näher bezeichnete Zielperson lebend fängt oder nachweisbar deren Tod herbeiführt. Kein ganz einfacher Auftrag, wie der Mandalorianer bald feststellen muss…

Es war einmal, auf einem alles andere als weit entfernten Kapitalismus-Planeten, ein großes Imperium namens Disney, das sich nicht mit der Übernahme von Marvel Studios, der durch ihr eigenes Kinouniversum erfolgreichen Produktionsfirma des Comic-Giganten, begnügt, sondern auch noch das bekannte Hollywood-Studio namens Fox schluckte. Die hohen Zuschauerzahlen der Streaminggiganten Netflix und Amazon Prime weckten Begehrlichkeiten bei der ersten Vorstands-Ordnung und so wurde Disney+ ins Leben gerufen, seit November 2019 bereits in den USA sowie anderen Ländern zu empfangen und ab dem morgigen 24. März 2020 auch in Deutschland. Als eines der Hauptverkaufsobjekte für den neuen Anbeiter wurde unter Federführung von Jon Favreau (u.a. Regisseur von Iron Man und Iron Man 2) die erste Live-Action-Serie im Star Wars-Universum ins Leben gerufen.The Mandalorian dreht sich um die Abenteuer des titelgebenden Kopfgeldjägers, der dank seiner Rüstung große Ähnlichkeit mit Jango und Boba Fett aus den Filmen hat. In der Rüstung steckt Schauspieler Pedro Pascal (genial als Oberyn Martell in Game of Thrones) oder, wenn er gerade keine Zeit hat, jemand anderes. Ist ja auch egal. Zumindest in der Pilotfolge nimmt der Protagonist seinen Helm ohnehin nie ab. Als Gaststar überrascht hier Werner Herzog. Die deutsche Arthouse-Legende (Aguirre, der Zorn Gottes; Fitzcarraldo; Nosferatu: Phantom der Nacht) hat anscheinend gerade Geld für die Finanzierung eines neuen Filmes gebraucht.

Bei all den gruseligen CGI-Verbrechen aus Star Wars: The Clone Wars erscheint es optisch wie eine Wohltat, dass Favreau und Co hier, ähnlich wie bei der Sequel-Trilogie, verstärkt auf echte Sets, Kostüme, Prosthetics sowie Animatronics setzen und nicht einfach alles am Rechner lieblos zusammenschnippeln lassen. Auch wenn sich die „Story“ darauf beschränkt, den Helden von A über B nach C zu schicken, so geriet das erste Kapitel aus meiner Sicht recht kurzweilig. Zur 40-Minuten-Obergrenze, die man von Network-Serien kennt, hat es bei der Laufzeit nicht ganz gereicht. Aber für eine Serienpremiere, die mich als Film- und Serien-Afficionado davon überzeugen soll, mir noch einen weiteren Streamingdienst mit überwiegend Kinderkram zuzulegen, wirkt das alles zu brav und einfallslos. Vielleicht liegt der Hund aber auch in meinem fehlenden Interesse, mich über die Hauptreihe hinaus mit weiteren Star Wars-Medien zu beschäftigen, begraben. Oder möglicherweise eher daran, dass The Mandalorian dann eben doch nur einen gut halbstündigen Werbespot für unzählige Merchandisingprodukte im Allgemeinen und Baby-Yoda-Puppen im Besonderen darstellt. Denn eine Kopfgeldjäger-Show kann sich noch so kantig und mürrisch geben, wenn ein kleines grünes Knuddelalien im Zentrum der Handlung steht. Erwachsene als Zielgruppe. Pah. Wer eine wirklich gelungene Mischung aus Weltraumabenteuer und Westernsetting sehen will, dem empfehle ich Joss Whedons viel zu früh beendete Serie Firefly plus dazugehörigem Kinofilm Serenity.

Kurze Frage zum Schluss: gehört Spaceballs (für mich der viertbeste Star Wars-Film) auch zum Angebot von Disney Plus? Egal, ich zieh mir jetzt noch ne Wiederholung von Star Trek: The Next Generation rein…

Die erste Staffel (acht Folgen) von The Mandalorian startet am 24. März 2020 bei Disney+.

The Mandalorian: Kapitel 1 (The Mandalorian: Chapter 1)
Science-Fiction/Western USA 2019. 39 Minuten. Mit: Pedro Pascal, Carl Weathers, Werner Herzog u.a. Regie: Dave Filoni. Idee & Drehbuch: Jon Favreau. Nach Charakteren von George Lucas.

Credits
Bilder (c) Disney/Lucasfilm

 


Maleficent: Die dunkle Fee (Kurzkritik)

19. April 2017

Zu Ostern noch schnell die Free-TV-Premiere eines Blockbuster mitnehmen? Deshalb sah ich Disneys eigene Dornröschen-Variante Maleficent, mit Medienikone Angelina Jolie in ihrem Nebenberuf.

Das Königreich der Menschen und die benachbarten More, wo Feen und unzählige andere Fabelwesen leben, sind verfeindet. Fernab der Feindseligkeiten lernen sich das geflügelte Feenmädchen Maleficent und der Waisenjunge Stefan kennen und werden Freunde. Dank seines grenzenloses Ehrgeizes steigt Stefan als Erwachsener (Sharlto Copley) schnell bei Hofe auf. Als er Maleficent (Angelina Jolie) verrät und ihr die Flügel abtrennt wird Stefan König. Die verstümmelte Fee schwört Rache und verflucht Stefans Tochter Aurora in der Wiege. An ihrem 16. Geburtstag wird die Prinzessin (Elle Fanning) sich an einer Spindel stechen und in einen todesähnlichen Schlaf fallen, so der Fluch…

Während es bei der dieses Jahr veröffentlichten Version von Die Schöne und das Biest bis auf die Umwandlung von Zeichentrick- zu Realfilm keinerlei kreative Gründe für einen Neuaufguss gab, so erscheint dies bei Disneys Maleficent auf den ersten Blick anders. Im Vergleich zu Dornröschen von 1959 wird hier nämlich die Perspektive geändert und die Geschichte aus der Sicht der titelgebenden „bösen“ Fee erzählt. Doch leider macht der Film viel zu wenig aus dieser Prämisse. Dramaturgisch äußerst ungelenk und holprig werden die bekannten Märchen-Motive inklusive dem üblichen Disney-Kitsch zu einer oberflächlichen Alternativversion verändert. Darüberhinaus liefert Oscar-Preisträger und Regiedebütant Robert Stromberg (Effektspezialist u.a. für Avatar und Alice im Wunderland von 2010) ein überbordendes, künstlich-seelenloses Effekte-Spektakel. Neben der halbgaren Story sind die Macher von Maleficent auch bei der technischen Umsetzung inkonsequent. Denn wozu Schauspieler in ausdruckslosen Rollen verschwenden, wenn man das ganze gleich als hundertprozentigen CGI-Animationsfilm realisieren kann? Doch beim großen Mickey-Maus-Konzern wird man in den nächsten Jahren die kreative Einfallosigkeit bis zur Verblödung treiben und 18 (!) weitere Zeichentrickfilme aus eigener Produktion als Live-Action-Versionen umsetzen. Da hilft beim besten Willen auch keine gute Fee mehr.

Maleficent: Die Dunkle Fee (Maleficent)
Fantasyfilm USA 2014. FSK 6. 93 Minuten (gekürzte Fassung, PAL-DVD). Mit: Angelina Jolie, Sharlto Copley, Elle Fanning, Sam Riley, Lesley Manville, Imelda Staunton, Juno Temple u.a. Regie: Robert Stromberg. Drehbuch: Linda Woolverton.

Bild (c) Disney.


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