Metal Lords

20. April 2022

Drummer Kevin und Gitarrist Hunter gehen zwar noch zur High School, aber wollen mit ihrer eigenen Metalband unbedingt durchstarten. Doch es fehlt ein geeigneter Bassist. Von ihrer Suche und weiteren Wirrungen handelt der Netflix-Film Metal Lords.


Skullf***er – Striving with Gods

Seit der Kindheit sind Kevin (Jaeden Martell) und Hunter (Adam Greensmith) beste Freunde. An ihrer Highschool wollen sie mit ihrer Band Skullfucker am Musikwettbewerb teilnehmen. Hunter spielt Gitarre und Kevin Schlagzeug, doch fehlt ihnen noch ein Bassist. Die Auswahl gestaltet sich rar und als Kevin vorschlägt, die unter Agressionsproblemen leidende Cellistin Emily (Isis Hainsworth) in die Gruppe aufzunehmen, lehnt Hunter ab. Kevin und Emily kommen sich kurze Zeit später näher, was den Zusammenhalt der Band gefährdet. Werden Skullfucker die Schwierigkeiten überwinden und am „Battle of the Bands“ teilnehmen?

Was machen eigentlich D.B. Weiss und David Benioff, die zuletzt umstrittenen Showrunner und Chef-Autoren von Game of Thrones (2011-2019), der TV-Serien-Adaption der epischen Romanreihe Das Lied von Eis und Feuer von George R.R. Martin? Ursprünglich war das Duo von Disney unter Vertrag genommen worden um nach dem Ende von GoT mehrere Star Wars-Filme zu produzieren. Doch Weiss und Benioff lösten diese Vereinbarung auf und machten stattdessen einen 200-Millionen-Dollar-Deal mit Netflix. Ihre erste Arbeit für den Streamingdienst war 2020 die Inszenierung eines Standup-Comedy-Specials für Leslie Jones. Ein Jahr später erfolgte die von Benioffs Ehefrau, der Schauspielerin Amanda Peet, miterfundene Serie Die Professorin (OT: The Chair). Der kürzlich veröffentliche Metal Lords ist der erste Film, den das Duo für Netflix abliefert. Weiss schrieb das Drehbuch und fungierte an der Seite von Benioff sowie unter anderem Bernie Caulfield als Produzent. Mit Anette Haellmigk (Kamera) und Ramin Djawadi (Musik) waren zwei weitere GoT-Alumnis maßgeblich beteiligt. Regie führte Peter Sollett (Nick & Norah – Soundtrack einer Nacht).

D.B. Weiss ist selbst ein großer Metal-Fan und überträgt sein Faible für dieses Musik-Genre in die Figur des Hunter. Hunter ist nicht nur ein Enthusiast, was die Musik betrifft, sondern versteht Metal auch als Lebenseinstellung. Mit seinem teils kompromisslosen Verhalten eckt er allerdings oft an, nicht nur bei seinem Vater, einem reichen Schönheitschirurgen (gespielt von Brett Gelman, bekannt unter anderem aus Fleabag und Love), gegen den Hunter rebelliert, sondern auch in seinem gesamten persönlichen Umfeld. Hunters einziger Freund ist der eher ruhige und besonnene Kevin. Kevin lässt sich durch Hunters Begeisterung anstecken, was ihn hinsichtlich seiner Fähigkeiten als Schlagzeuger voranbringt. Beide Jungs sind Außenseiter bei ihren Altersgenossen, genau wie Emily, die vor kurzem mit ihrer Familie aus Großbritannien in die USA gezogen ist, mit ihren Agressionsproblemen kämpft (gegen welche sie Tabletten nimmt) und sehr gut Cello spielt.

Auch wenn sich die Story einigermaßen abwechslungsreich gestaltet so bietet Metal Lords kaum mehr als die üblichen Zutaten von Coming-of-Age-Streifen und Musikkomödien. Vor allem das familiäre Umfeld der Protagonisten und eine wirklich ernste Auseinandersetzung mit deren Situation bleibt ziemlich außen vor. Metal-Fans (zu denen ich nicht wirklich gehöre) dürften sich über unzählige Zitate, Referenzen, einen prominenten Cameo-Auftritt und den ein oder anderen Song freuen. Mir haben die Performances der drei wichtigsten Darsteller gut gefallen, vor allem Newcomer Adam Greensmith als Hunter, ein Metaller aus Leidenschaft und Isis Hainsworth (Wanderlust [2018], Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution) als sozial unbeholfene, aber irgendwie liebenswerte Emily.

Metal Lords ist seit dem 8. April 2022 Teil des Angebots von Netflix.

Metal Lords
Musikkomödie USA 2022. 98 Minuten.
Mit: Jaeden Martell, Adam Greensmith, Isis Hainsworth, Noah Urrea, Brett Gelman, Phelan Davis, Sufe Bradshaw u.a. Drehbuch: D.B. Weiss. Regie: Peter Sollett.


Credits
Bilder (c) Netflix.

 

 

 

 


Happiest Season

17. Dezember 2021

Harper nimmt ihre Freundin Abby an Weihnachten mit zu ihrer Familie. Doch wissen die noch nichts von Harpers sexueller Orientierung und der Beziehung zu Abby. Werden die beiden Frauen das Geheimnis aufrechterhalten können oder findet Harper den Mut, ihren Eltern die Wahrheit zu sagen? Davon handelt Happiest Season von Regisseurin Clea DuVall.


Die perfekte Familie?

Seit einem Jahr sind Harper (Mackenzie Davis) und Abby (Kristen Stewart) ein Paar und vor wenigen Monaten auch zusammengezogen. Weihnachten steht vor der Tür und Harper entschließt sich Abby mit zur Familienfeier zu nehmen. Harpers Vater Ted (Victor Garber) ist Mitglied des Stadtrates und arbeitet an seiner Kandidatur zum Bürgermeister. Deshalb möchte Harpers Mutter Tipper (Mary Steenburgen) ein perfektes Weihnachtsfest veranstalten. Dummerweise hat Harper ihrer Familie bisher nichts von ihrer sexuellen Orientierung erzählt und so wird Abby als ihre Mitbewohnerin vorgestellt. Doch die geheimgehaltene Beziehung wird schon bald auf eine harte Probe gestellt. Harpers Eltern haben ihren Ex-Freund Connor (Jake McDorman) zu den Feierlichkeiten eingeladen. Außerdem taucht auch Riley (Aubrey Plaza), Harpers Jugendliebe aus der High School, auf. Harpers Familie wird durch ihre kindliche, jüngere Schwester Jane (Mary Holland) sowie die ältere Schwester Sloane (Alison Brie), die mit Ehemann Eric (Burt Moseley) und den Zwillingen Magnus (Anis N’Dobe) und Matilda (Asiyih N’Dobe) angereist ist, komplettiert. Bei der ganzen Heimlichkeit kommen Abby immer mehr Zweifeln daran, ob es Harper auch wirklich Ernst mit ihr meint. Abby bester Freund John (Dan Levy), welcher in ihrer Abwesenheit auf die Haustiere aufpasst, versucht aus der Ferne zu helfen…

Nach dem brandneuen Knetanimationskurzfilm Rote Robin und dem Komödienklassiker Schöne Bescherung folgt nun mein dritter Ausflug in die Gefilde weihnachtlicher Filme dieses Jahr. Happiest Season ist die zweite Regie-Arbeit von Clea DuVall, die man vermutlich eher als Schauspielerin kennt. Die 1977 geborene Kanadierin spielte unter anderem in Filmen wie Identittät (2003) und dem 2013 mit drei Oscar ausgezeichneten Argo sowie in Serien wie Heroes und American Horror Story. In ihrem zweiten Film als Regisseurin verarbeitet DuVall ihre Erlebnisse mit ihrer Familie und dem eigenen Coming Out. Ohne jetzt das breite Spektrum an Weihnachtsfilmen zu kennen wage ich zu behaupten, dass Werke dieses Genres mit LGBTQI-Thematik bisher nicht so zahlreich vorhanden sind. Von daher besitzt der vorliegende Streifen durchaus eine gewisse Relevanz. DuVall vermeidet gekonnt ein zu ernstes Drama oder eine zu leichte Komödie. Auch der Kitsch-Faktor hält sich dankenswerterweise in Grenzen. Vielmehr wird die ganze Geschichte recht authentisch und weitgehend ohne übermäßiges Spektakel erzählt. Wirklich viele „Gags“ gibt es nicht, was die wenigen aber umso wirkungsvoller macht, etwa wenn sich Abby in einem Wandschrank (!) verstecken muss.

Die Regisseurin kann sich auf ihren starken Cast verlassen. Kristen Stewart (J.T. Leroy, Jean Seberg – Against All Enemies) und Mackenzie Davis (Halt and Catch Fire, Blade Runnder 2049, Terminator – Dark Fate) bilden ein glaubwürdiges Paar ab, deren Beziehung inmitten des ganzen Festtagstrubels immer mehr auf der Kippe steht. Dazu kommen mit Victor Garber (Alias: Die Agentin, Argo), Mary Steenburgen (Zurück in die Zukunft III, The Help) und Alison Brie (Mad Men, GLOW) weitere namhafte Darsteller. Comedienne Mary Holland, die mit DuVall das Drehbuch schrieb, spielt Harper eigenwillig-merkwürdige jüngere Schwester während Aubrey Plaza (wohl der Hauptgrund, warum ich den Film angesehen habe) als Harpers verleugnete Ex-Freundin aus der Schulzeit eine eher kleine, aber wahrlich nicht unbedeutende Nebenrolle hat. Vielleicht wird Happiest Season nach der Sichtung nicht unbedingt lange im Gedächtnis bleiben, aber ein solider und sympathischer Beitrag ist er dennoch geworden.

Happiest Season ist seit dem 12. Dezember 2020 als VoD bei diversen Anbietern verfügbar und seit 21. Oktober 2021 auch auf DVD erhältlich.

Happiest Season
Komödie/Drama USA 2020. FSK 6. 97 Minuten. Mit: Kristen Stewart, Mackenzie Davis, Alison Brie, Aubrey Plaza, Mary Holland, Dan Levy, Victor Garber, Mary Steenburgen u.a. Drehbuch: Clea DuVall und Mary Holland. Regie: Clea DuVall.

 


Credits
Bilder (c) Sony.

 

 

 


Miss Fisher und die Gruft der Tränen

13. November 2021

Nachdem ich in den letzten Wochen fast ausschleßlich nicht direkt für dieses kleine Blog geschrieben hatte wurde es wiedermal Zeit für ein nur hier veröffentlichtes Review. Mit Miss Fisher und die Gruft der Tränen gibt es heute einen langersehnten Film aus Down Under, welcher der Krimiserie um die patente Detektivin in den 1920ern nachfolgt.


Der Fluch des alten Grabmals

1929. Politische Spannungen zwischen den britischen Besatzern und der einheimischen Bevölkerung von Pälastina haben die Situation im Land deutlich verschlechtert. Die junge Shirin Abbas (Izabella Yena), letzte Überlebende eines ermordeten Beduinenstammes und Nichte des mit den Briten kooperierenden Scheichs Khalil (Kal Naga), landet im Gefängis. Von dort wird sie allerdings von Privatdetektivin Phryne Fisher (Essie Davis) befreit. Gemeinsam mit ihrem Onkel reist Shirin nach London, weil dieser mit den Briten über die Errichtung eines britisch-palästinensischen Eisenbahnnetzwerkes verhandelt. Nachdem sie fälschlicherweise für tot gehalten wurde überrascht Phryne die von ihrem alten Freund Lord Lofthouse (Daniel Lapaine) und seiner Gattin (Jacqueline McKenzie) abgehaltenen Begräbnisfeier, zu denen auch Phrynes Tante Prudence (Miriam Margolyes) und Detective Inspector Jack Robinson (Nathan Page) extra aus Australien angereist sind. Trotz ihrer Differenzen beginnen Phryne und Jack schon bald mit ihren Ermittlungen, in deren Mittelpunkt die sogenannte Gruft der Tränen und die Ereignisse des Massakers an Shirins Stamm vor zehn Jahren stehen…

Nach drei Staffeln und insgesamt 34 Episoden endete die auf den Kriminalromanen von Schriftstellerin und Juristin Kerry Greenwood basierende TV-Serie Miss Fishers mysteriöse Mordfälle (Miss Fisher’s Murder Mysteries). Meldungen über einen möglichen Kinofilm machten im Anschluss bald die Runde, doch bevor dieser im Herbst 2018 gedreht wurde, dauerte es noch etwas. Teile des Budgets kamen durch eine Crowdfunding-Kampagne zusammen. 2019 feierte erst einmal die Spin-Off-Serie Miss Fishers neue mysteriöse Mordfälle (Ms. Fisher’s Modern Murder Mysteries), mittlerweile in ihrer zweiten Staffel, ihre Premiere. Das von Fans lang herbeigesehnte Leinwandabenteuer Miss Fisher und die Gruft der Tränen startete Ende Februar 2020 in den australischen Kinos und hat mittlerweile auch seine deutsche Heimkino-Auswertung gefunden. Hat sich die „Beförderung“ der unverwüstlichen Melbourne-Marple auf ein größeres Medium gelohnt? Die Antwort darauf erscheint aus meiner Sicht nicht so einfach.

Schon in meiner Rezension zur zweiten und dritten Staffel der Serie bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass Folgen in Spielfilmlänge gut wären, um die meist recht konstruierten und schematischen Plots besser ausarbeiten zu können. „Gruft der Tränen“ besitzt nun genau diese zeitlichen Möglichkeiten, nur um sie leider ziemlich zu verschwenden. Die Handlung besteht aus einer recht wahllosen Ansammlung von Versatzstücken der Fälle von Agatha Christies bekannten Schnüfflern Miss Marple und Hercule Poirot mit einer Prise Indiana Jones-Feeling, quasi eine Mischung aus Whodunit und Abenteuerfilm. Nur werden die Elemente zu beliebig abgehandelt, um ein wirklich stringentes Narrativ zu erzeugen. Die titelgebende Gruft und dazugehörige „mystische“ Artefakte dienen eigentlich nur als halbgare Macguffins, um ein schreckliches Geheimnis in der Wüste aufzuklären.

Gab es für die unabhängig-freigeistige Detektivin und den wachsamen Inspektor im Serienfinale ein Happy End so hat die Beziehung der beiden Protagonisten in der Zwischenzeit massiv gelitten. Weite Teile der Laufzeit beschäftigen sich mit den „Streitereien“ Phrynes und Jacks untereinander, was leider zu Lasten der Hauptstory geht, obgleich der Zwist durchaus für Kurzweil sorgt. Dank eines Budgets von 8 Millionen Australischen Dollar (ca. 5,2 Millionen Euro) konnte man nicht nur zuhause in Australien drehen, sondern auch im marrokanischen Quarzazate, was für recht eindrucksvolle Wüstenpanoramen sorgt. Insgesamt wirkt die Produktion bisweilen doch eher wenig kinotauglich und eher wie ein halbwegs aufwändiger Fernsehfilm. Dass hierzulande Miss Fisher und die Gruft der Tränen nicht im Kino lief, ist daher kein wirklicher Verlust.

Das liest sich jetzt vermutlich alles sehr ernüchternd, doch vermag Miss Fishers Film-Abenteuer durchaus zu unterhalten, vor allem aufgrund der charakteristischen Heldin. Zuschauer und Fans der Serie bekommen hier das gleiche Rezept geboten, nur eben mit etwas mehr internationalem Flair. Die Crew der TV-Show kehrte für den Kinofilm weitgehend zurück, darunter Tony Tilse (Regisseur mehrerer Episoden), Deb Cox (Drehbuch/Produktion) und Fiona Eagger (Produktion) – welche auch die Serie ins Leben gerufen hatten – sowie Komponist Greg J. Walker (der seinem typischen Roaring-Twenties-Score ein paar orientalische Noten hinzufügt) und Kameramann Roger Lanser. Prominente Neuzugänge im Cast gibt es in Person von Rupert Penry-Jones (Whitechapel [Serie]) als Jonathon Lofthouse, Daniel Lapaine (Poirot: Tod auf dem Nil, Zero Dark Thirty) als Lord Lofthouse und Jacqueline McKenzie (bekannt aus der kanadischen Science-Fiction-Serie 4400 – Die Rückkehrer) als dessen Gattin. Ohne groß zu spoilern sei gesagt, dass die weiteren Serien-Hauptfiguren Constable Hugh Collins (Hugo Johnstone-Burt), dessen frisch angetraute Ehefrau Dot, gleichzeitig Miss Fishers Hausmädchen (Ashleigh Cummings), sowie Bert (Travis McMahon) und Cec (Anthony Sharpe), Phrynes Gehilfen aus der Arbeiterklasse, nur einen Kurzauftritt absolvieren. Kaum mehr Screentime hat Miriam Margolyes als Phrynes Tante Prudence. Miss Fishers Butler Mr. Butler (Richard Bligh) und ihre gute Freundin, die Ärztin Dr. Macmillan (Tammy McIntosh), kommen gar nicht vor. Gibt es nach der „Gruft der Tränen“ nun bald ein MFCU („Miss Fisher Cinematic Universe“)? Der Grundstein dafür wird mit einer Midcreditszene zumindest gelegt.

Der Kinofilm Miss Fisher und die Gruft der Tränen ist seit dem 24. September 2021 auf BluRay und DVD erhältlich sowie bei Amazon, Apple TV, Google Play, Magenta TV und Youtube als kostenpflichtiger Stream abrufbar. Die DVD erhält als Bonus eine 19minütige Behind-the-Scenes-Featurette.

Miss Fisher und die Gruft der Tränen (Miss Fisher and the Crypt of Tears)
Krimi Australien 2020. FSK 12. 97 Minuten (PAL-DVD). Mit: Essie Davis, Nathan Page, Izabella Yena, Rupert Penry-Jones, Daniel Lapaine, Jacqueline McKenzie, Kal Naga, Ian Bliss, John Stanton, John Waters, William Zappa u.a. Nach der Buchreihe The Phryne Fisher Mysteries von Kerry Greenwood und der Fernsehserie Miss Fishers mysteriöse Mordfälle von Deb Cox und Fiona Eagger. Drehbuch: Deb Cox. Regie: Tony Tilse.

 

 

Credits
Bilder (c) Polyband.

 

 


Lambs of God

28. April 2021

Drei Nonnen führen ein völlig zürückgezogenes Leben in ihrem Kloster auf einer verlassenen Insel. Da taucht plötzlich ein junger Priester auf. Seine Anwesenheit droht die Idylle des Trios zu zerstören, in der australischen Miniserie Lambs of God.

Von Lämmern, Märchen und Nonnen

Auf einer schwer erreichbaren, etwas abgelegenen Insel in der irischen See wurde einst das Kloster der Heiligen Agnes gegründet. Viele Jahre später sind nur noch drei Nonnen des klausulierten Ordens übrig: die ältere Schwester Margarita (Ann Dowd), Ordensvorsteherin Schwester Iphigenia (Essie Davis) und die junge Schwester Carla (Jessica Barden). Die drei Frauen führen ein gottesfürchtiges Leben im Einklang mit der Natur, leben dabei von eigener Landwirtschaft und der Zucht von Schafen. Diese Idylle droht zu enden als Pater Ignatius (Sam Reid) auf der Insel auftaucht. Denn der junge Priester hat vom Bischoff den Auftrag zu erhalten, die Insel für ein lukratives Bauprojekt auszukundschaften. Die Nonnen sehen ihre friedliche Existenz gefährdet und halten Ignatius fest. Als für Ignatius mehrere Tage verschwunden bleibt, beginnt sich seine Schwester, die alleinerziehende Frankie (Kate Mulvany), Sorgen zu machen. Seargent Barnaby (Daniel Henshall) von der örtlichen Polizei beginnt mit Nachforschungen…

Von der australischen Miniserie Lambs of God, basierend auf dem gleichnamigen Roman der irischen Schriftstellerin Marele Day (in Deutschland unter dem Titel Die Bräute des Himmels erschienen), hatte ich schon länger gehört, wusste aber bis vor wenigen Woche nicht, dass diese bereits am 1. November 2019 beim Streaminganbieter TV NOW ihre deutsche Premiere erhalten hatte. Erst durch die Erstausstrahlung im deutschen Free-TV am 30. März und 6. April 2021 bei ARD One wurde ich wieder auf den Vierteiler aufmerksam. Zugebenermaßen hat anfangs weniger die Thematik als zwei der Hauptdarstellerinnen mein Interesse an Lambs of God geweckt, nämlich Essie Davis (Miss Fishers mysteriöse Mordfälle, Milla meets Moses) und Jessica Barden (The End of the F***ing World, Penny Dreadful). Obwohl ich alles anderes als gläubig bin vermochte mich die Geschichte vor allem hinsichtlich des Lebens der drei Nonnen wirklich zu fesseln. Die von Jeffrey Walker (u.a. Modern Family, H2O – Plötzlich Meerjungfrau) inszenierte und von Sarah Lambert (Love Child) adaptierte Miniserie präsentiert auf wirkungsvolle Weise zwei völlig gegensätzlichen Ausprägung von Religion.

Auf der einen Seite eine auf Machterhalt und Geldvermehrung fixierte autokratische, patriarchalische Institution, auf der anderen die völlig ohne Fortschritt und Luxus, im Einklang mit der Natur lebenden Ordensschwestern/Frauen. Vor allem die unterschiedlichen Aspekte und die teils weniger christlichen als vielmehr paganistisch anmutenden Rituale des Hauptfiguren-Trios (an bestimmten Tagen wird eines der Lämmer geschlachtet und anschließend dessen Blut getrunken) werden gut vermittelt. Margarita, Iphigenia und Carla glauben übrigens auch daran, dass die Lämmer und Schafe die Wiedergeburten ihrer verstorbenen Ordensschwestern sind. Durch ihre etwas absonderlichen Eigenheiten wirken die drei Nonnen auf den „klassisch ausgebildeten“ Pater Ignatius umso befremdlicher, was auch für den ein oder anderen humorvollen Moment sorgt. Die Szenen auf der Insel und im Kloster bilden mit ihrem dezenten Gothic-Horror-Ambiente und der wankelmütigen Figurendynamik die Stärken der nie zu dick auftragenden Miniserie. Gekonnt werden zudem die teils traumatischen Lebensgeschichten des Ordensschwestern-Trios immer dann in die Story eingewoben, wenn die drei düstere Varianten eines bekannter Märchen nacherzählen. Die Handlung auf dem Festland um Ignatius‘ Schwester Frankie und den freundlichen, aber wenig erfolgreichen Polizisten Barnaby kann damit leider nicht ganz mithalten.

Der Roman und auch die TV-Adaption spielen zwar in Irland, gedreht wurde allerdings in Australien, nämlich in den Blue Mountains in New South Wales und auf dem Inselstaat Tasmanien (der Heimat von Essie Davis). Für Kameramann Donald McAlpine (u.a. Predator, Die Stunde der Patrioten und Moulin Rouge) war es in seiner über fünfzig Jahre andauernden Karriere die erste Arbeit an einer Fernsehserie. Dem 1934 geborenen Australier gelangen vor allem auf der Tasmaninsel, auf welcher die Außenaufnahmen für das Kloster entstanden, eindrucksvolle Bilder von wild-berauschender Schönheit. Und ich könnte mir ehrlich gesagt keine besseren Schauspielerinnen für die drei Leading Parts verstellen. Der jungen britischen Akteurin Jessica Barden wirkt die Rolle der zwar erwachsenen, aber kindlichen, fernab der Zivilisation aufgewachsenen und daher neugierig-unschuldigen Carla wie auf den Leib geschrieben. Essie Davis erkennt man als besonnene Iphigenia mit ihrem verhärmten Gesicht und zwei verschiebenfarbigen Augen kaum wieder. Die dritte im Schwesternbunde gibt die US-Amerikanerin Ann Dowd (The Leftovers, The Handmaid’s Tale) als von einer Missbrauchserfahrung in ihrer Jugend gezeichnete Margarita. Alle drei Schwestern bilden als junges Mädchen, Frau mittleren Alters und ältere Dame quasi ein Tochter-Mutter-Großmutter-Dreigestirn. Neben Sam Reid in der vierten Hauptrolle als junger Priester hat Damon Herriman (der in Once Upon a Time in Hollywood als Charles Manson zu sehen war) in den letzten beiden Folgen einen Part als zwielichtiger Pater Bob, der mich etwas an Johnny Depp erinnert hat.

Die komplette Miniserie Lambs of God ist (leider nur) beim Streamingdienst TV NOW abrufbar.

Lambs of God
Drama/Miniserie Australien 2019. 4 Folgen. Gesamtlänge: ca. 220 Minuten. Mit: Essie Davis, Jessica Barden, Ann Dowd, Sam Reid, Kate Mulvany, Daniel Henshall u.a. Nach dem Roman
Die Bräute des Himmels von Marele Day. Drehbuch: Sarah Lambert. Regie: Jeffrey Walker.


Credits
Bilder (c) TV NOW/Foxtel.

 

 


Miss Fishers mysteriöse Mordfälle: Staffel 2 & 3 (Kurzkritik)

7. März 2017

Nach der unterhaltsamen ersten Staffel bgann ich mit viel Vorfreude die weiteren Episoden der australischen „Sleuth Show“ im Free-TV zu verfolgen, in deren Verlauf wir u.a. mehr über Miss Fisher Familie erfahren…

Am Ende der ersten Season konnte Phryne Fisher (Essie Davis) endlich den Mörder ihrer Schwester Jane seiner gerechten Strafe zuführen. In ihrem nächsten Fall muss die lebenslustige Detektivin die Unschuld des stellvertretenden Polizeipräsidenten – gleichzeitig Inspektor Jack Robinsons (Nathan Page) Ex-Schwiegervater – beweisen, der neben einer ermordeten Prostituierten erwacht. Auch die unzähligen Wohltätigkeitsaktivitäten von Tante Prudence (Miriam Margoyles) sind Ausgangspunkt für diverse Ermittlungen. Phrynes Hausmädchen, die zurückhaltende und sehr katholische Dorothy „Dot“ Williams (Ashleigh Cummings), und der junge Constable Hugh Collins (Hugo Johnstone-Burt) kommen sich langsam näher. Doch auch zwischen der patenten Detektivin und dem coolen Inspektor knistert es immer wieder…

Mit der 34. Episode, in welcher Phryne Fisher ihrem spielsüchtigen und unzuverlässigen Vater (Pip Miller) vor einem mehrfachen Mörder zu beschützen versucht, endete die australische Sleuth Show nach drei Staffeln. Zwar gibt es immer wieder Gerüchte über einen oder mehrere geplante Kinofilme, doch diese scheitern bisher daran, dass Hauptdarstellerin Essie Davis (mit 3-Folgen-Auftritt in Season 6 von Game Of Thrones ) mit ihrem Ehemann, dem Regisseur Justin Kurzel (Macbeth von 2015, Assassins Creed) und den gemeinsamen Kindern, derzeit in England lebt. Dabei wäre aus dramaturgischer Sicht ein Spielfilm genau das richtige für die junge Melbourne-Marple. Denn leider sind die meisten Folgen (mit einer Laufzeit von ca. 55 Minuten) inhaltlich oft wenig berauschend und nicht selten ziemlich konstruiert, was die Identität und Beweggründe des Mörders betreffem. Die unerschrockene Protagonistin, die als Lebedame bereits in den späten 1920er für die Rechte der Frauen kämpft (auch in Männerdomänen wie dem Rennsport), und ihre modernen Ansichten, sowie das liebenswerrte Ensemble der weiteren Hauptfiguren in Miss Fishers Entourage entschädigen aber weitgehend für die allzu schematischen Plots. Das oben erwähnte Serienfinale wirkt allerdings recht enttäuschend, vor allem weil zu viel Handlung hineingepresst wird und lang erwartete Szenen daher überhastet abgehandelt werden. Dennoch ist Miss Fisher’s Murder Mysteries über weite Strecken unterhaltsamer als so manche 40-Minuten-Procedural-Krimiserie aus den USA.

Alle drei Staffeln von Miss Fishers mysteriöse Mordfälle sind mittlerweile auf BluRay und DVD erhältlich. Die erste Season kann man auch auf Netflix streamen.

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle (Miss Fisher’s Murder Mysteries)
Krimiserie Australien 2013, 2015. FSK 12. 13 Folgen (Staffel 2, 734 Min.) bzw. 8 Folgen (Staffel 3, 432 Min.). Mit: Essie Davis, Ashleigh Cummings, Nathan Page, Hugo Johnstone-Burt, Richard Bligh, Travis McMahon, Anthony Sharpe, Tammy MacIntosh, Miriam Margoyles u.a. Nach
The Phryne Fisher Mysteries von Kerry Greenwood. Adaption: Deb Cox und Fiona Eagger.

Bilder (c) ABC/Polyband.


Miss Fishers mysteriöse Mordfälle (Kurzkritik)

7. März 2016

Genau wie das Vereinigte Königreich hat auch dessen ehemalige Kolonie Australien seine fiktionale Meisterdetektivin: Romanfigur Phryne Fisher. Am 15. März feiert die erste Staffel der Serienadaption von Miss Fishers Fällen ihre Premiere im deutschen Fernsehen.

Hätten Agatha Christies Meisterdetektive Miss Marple und Hercule Poirot ein gemeinsames Kind in die Welt gesetzt und es aus Gründen, die wir hier nicht näher ausführen werden, zur Adoption nach Australien gegeben, dann hieße dieser Nachwuchs sicher Miss Phryne Fisher und wäre selbst eine patente Detektivin.

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle_S 1 DVDEnde der 1920er Jahre kehrt die selbstbewusste Miss Phryne Fisher (Essie Davis) von einem langen Aufenthalt in Europa nach Australien zurück und bezieht ein geräumiges Haus in Melbourne. Sehr zum anfänglichen Unmut von Police-Inspector John „Jack“ Robinson (Nathan Page) und seinem Assistenten, Constable Collins (Hugo Johnstone-Burt), ermittelt sie immer wieder in kniffligen Mordfällen. Mit Hilfe ihrer bunt gemischten Entourage um das junge, katholische Hausmädchen Dot (Ashley Cummings), Butler (!) Mr. Butler (Richard Bligh) sowie zwei Freunden aus der Arbeiterklasse, Bert (Travis McMahon) und Cec (Anthony Sharpe), stürzt sich Phryne in so manche waghalsige Abenteuer und gefährliche Liebschaften.

Auf Basis der seit 1989 veröffentlichen Romanreihe der australischen Juristin und Schriftstellerin Kerry Greenwood (geboren 1954) produzierte Australiens öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ABC eine aufwändige TV-Serie mit Essie Davis (Australia, Der Babadook) in der Rolle der Glamour-Schnüfflerin Miss Fisher, die bei allem Charme doch eine Mary Sue, wie man sie sich vor knapp 100 Jahren erträumte, verkörpert. Phryne, die durch ihre Familie über ein ordentliches Vermögen verfügt, ist reich und sexy, aber auch multipolyglott und verfügt nicht nur über die Fähigkeit, Auto zu fahren, sondern hat Erfahrungen als Pilotin und in zig weiteren Disziplinen. In den stylischsten Klamotten der Roaring Twenties und bewaffnet mit ihrem vergoldeten Revolver stolziert der selbsternannte „Lady Detective“ durch für das „Whodunit“-Genre vergleichsweise gut geschriebene Stories mit einer Episodenlänge von etwa 55 Minuten. Aufgrund des üppigen Budgets von 1 Million australischer Dollar (ca. 650 000 €) pro Folge ist Miss Fishers mysteriöse Mordfälle dem britischen Vorläufer Poirot (1989-2013) im Bereich Ausstattung und Kostüme überlegen. Streckenweise ist die erste Staffel so unterhaltsam, dass man sich eine „Sleuth Convention“ mit Miss Marple und Monsieur Poirot wünscht.

Die erste Staffel der Serie ist seit 24. April 2015 auf DVD erhältlich und auch über Netflix verfügbar. Eins Festival zeigt die 13 Folgen ab dem 15. März 2016 als Free-TV-Premiere immer dienstags. Am 27. Mai 2016 erscheint die zweite Season (ebenfalls 13 Episoden) fürs Heimkino. 2015 sendete ABC eine dritte Staffel mit lediglich acht Folgen.

7-10Miss Fishers mysteriöse Mordfälle (Miss Fisher’s Murder Mysteries)
Krimiserie Australien 2012. FSK 12. 13 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 728 Minuten.
Mit: Essie Davis, Ashley Cummings, Nathan Page, Hugo Johnstone-Burt, Richard Bligh, Travis McMahon, Anthony Sharpe u.v.a. Nach The Phryne Fisher Mysteries von Kerry Greenwood. Adaption: Deb Cox und Fiona Eagger.

 

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle_Quartett

 

Bilder (c) ABC/Polyband.


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