Penny Dreadful: City of Angels, Folge 10

18. August 2020

Und schon sind wir auch beim großen Finale der ersten Staffel von Penny Dreadful: City of Angels. Am Tag der Toten nehmen folgenschwere Ereignisse ihren Lauf.


Stadt der Mauern

Ähnlich wie das „Penny Dreadful“ im Serientitel entpuppt sich auch der Episodentitel des Staffelfinales als Mogelpackung. Denn der mexikanische „Tag der Toten “ (Dia de los Muertos) spielt hier nur am Rande eine Rolle, ähnlich wie die übersinnliche Ebene in der ganzen Show.

Die Nachricht vom Tode Diegos durch die Lynchjustiz rassistischer Polizisten dringt noch am selben Abend zu den Besuchern des Crimson Cat vor. Lewis Michener (Nathan Lane) gelingt es, Molly (Kerry Bishe), Mama Maria Vega (Adriana Barraza), Josefina (Jessica Garza) und Raúl (Adam Rodriguez) in Sicherheit zu bringen. Der von Pachuco-Anführer Fly Rico (Sebastian Chacon) initiierte, friedliche Gedenkmarsch der mexikanischen Bevölkerung mutiert jedoch durch Magdas (Natalie Dormer) Zutun zum blutigen Straßenkampf, zwischen dessen Fronten auch Tiago (Daniel Zovatto) gerät. Die Beziehung von Molly und Tiago steht aufgrund der jüngsten Ereignisse unter keinem guten Stern. Die beiden bilden die „Star-crossed Lovers“ in dieser Geschichte sozialer Spaltung.

Dr. Peter Craft (Rory Kinnear) versucht seinen während der Unruhen verletzten Sohn Trevor (Hudson West) zu trösten und erklärt ihm die verheerenden Folgen von Hass. Elsa (Natalie Dormer), die Frau an Peters Seite, fordert von ihm, sein familiäres Erbe anzunehmen und seiner Bestimmung als Nazi zu folgen. Nachdem die Behörden das Kriegsrecht verhängt haben und Checkpoints mit Soldaten eingerichtet wurden zeigt sich Stadtratsmitglied Charlton Townsend (Michael Gladis) überaus begeistert mit fließendem Übergang zum Größenwahn. Denn die neue Situation hat seine Pläne für die Autobahn wieder salonfähig gemacht. Und so marschieren die Bagger und Abrissbirnen unaufhaltsam in Belvedere Heights, dem Viertel der mexikanisch-amerikanischen Community ein und beginnen ihr zerstörerisches Werk. Der „Krieg der Völker“ hat nun endgültig begonnen. Traurigerweise mit aktueller Brisanz.

In dieser Folge kann und will Schöpfer/Chefautor John Logan gar nicht alle Handlungsstränge zu einem Ende bringen. Day of the Dead bereitet stattdessen eine zweite Staffel vor, die demnach kommen muss, wenngleich diese (wohl auch aufgrund der unsicheren Situation mit Covid-19) zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht bestätigt wurde. Die Quoten von City of Angels bei Showtime bewegten sich mit etwa 600 000 bis 700 000 Zuschauern pro Folge minimal unter denen des „Originals“. Diese mögliche zweite Runde werden allerdings nicht alle Figuren erleben. Gleichsam wie die ganze Season wirkte auch das Finale erzählerisch ein wenig unrund. Und die ganzheitliche Umsetzung von Penny Dreadful geht dem nominellen Spin-Off ohnehin ab.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×10: Day of the Dead
USA 2020. 60 Minuten. Idee & Drehbuch. John Logan. Regie: Richard J. Lewis.


Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.

 

 


Penny Dreadful: City of Angels, Folge 9

17. August 2020

Los Angeles im Jahre 1938. Eine Stadt, die niemals schläft, kaum zur Ruhe kommt. Daher gleich weiter mit der neunten Episode von Penny Dreadful: City of Angels.

Dance, Dance, Dance oder Familientreffen im Crimson Cat

Sing, Sing, Sing – so der Titel von Folge 9, welcher eigentlich „Dance, Dance, Dance“ lauten müsste – gehört für mich zu den besseren Episoden, ganz einfach weil der übersinnliche „Schmu“ hier keine Rolle spielt. So kann die Serie ihres Stärken besser ausspielen. Zu diesen gehört die Familie Vega, welche neben Peter Craft (Rory Kinnear), der seine Lieben ins Kino ausführt, das Herz der Show bilden.

Nach und nach treffen die Mitglieder der mexikanisch-amerikanischen Sippe im von lateinamerikanischer Lebensfreude nur so strotzenden Club namens Crimson Cat ein. Erst Raúl (Adam Rodriguez), der sich immer noch von seiner schweren Schussverletzung aus der ersten Folge erholt, und Mama Maria (Adrian Barraza), welche von Elsa schikaniert wird, gefolgt von Mateo (Johnathan Nieves) mit seinen Pachuco-Freunden Rio (Natalie Dormer) und Fly Rico (Sebastian Chacon) sowie Vega-Tochter Josefina (Jessica Garza) mit neuer Haarfarbe. Als letztes stoßen Tiago (Daniel Zovatto) und Sister Molly (Kerry Bishé) hinzu. Unterschiedliche Konflikte brechen aus, über Mateos neues Leben als Pachuco, Josefinas Bestimmung bei den „Joyful Voices“ und Tiagos Beziehung zu einer „Gringa“. Doch vor allem dank der Vermittlung Raúls und einem Machtwort Tiagos kommt es zur Versöhnung. Und anschließend wird getanzt, bis die Sohlen glühen. Selten habe ich so toll choreographierte, immersive Tanz-Sequenzen gesehen.

In seiner Verzweiflung über das drohende Scheitern seiner Pläne für die Autobahn wendet sich Stadtratsmitglied Charlton Townsend (Michael Gladis) an seinen Vater, den überaus einflussreichen Verkehrsmogul Jerome Townsend (Brian Dennehy), bittet diesen um Unterstützung. Doch Papa lehnt ab, schließlich stellt doch vielmehr die Luftfahrt die Zukunft dar. Für Darsteller Brian Dennehy (u.a. Rambo, William Shakespeares Romeo + Julia) seine letzte Rolle. Er starb am 15. April 2020 im Alter von 81 Jahren an einem Herzinfarkt. Die vorliegende Folge wurde ihm gewidmet.

Ein unerkannter Schütze hatte am Ende von Episode 8 das Feuer auf Lewis Michener (Nathan Lane) und Tiago eröffnet, dabei aber glücklicherweise nur das schöne Auto zerschossen. Lewis hat aber eindeutig die Faxen dicke und stellt Nazi-Architekt Richard Goss (Thomas Kretschmann) zur Rede. Goss zeigt sich aber unbeeindruckt, auch von Micheners „Bitte“ ihn jetzt gleich zu töten. Stattdessen erfahren wir vom Architekten ein paar dem Zuschauer bisher unbekannte Details aus dem Privatleben des jüdischen Cops. Lewis‘ Kontakten zur jüdischen Mafia ist es zu verdanken, dass der von Dottie Minter (Lin Shaye) versteckte Student Brian (Kyles McArthur), dessen Fachgebiet Berechnungen für Raketen ist, wieder in die Hände der Nazis fällt. Kein Happy End gibt es dagegen für Diego (Adan Rocha), der den ultimativen Preis bezahlen muss. Für Verbrechen, die er nicht begangen hat.

Serienschöpfer John Logan hat bei Sing, Sing, Sing nach vier Folgen aus der Feder anderer Autoren wieder das Drehbuch verfasst. Ein schönes Zitat hat die Episode auch noch zu bieten. Als Goss‘ Tischnachbarn gerade am Gehen sind, empfiehlt ihnen Michener, im Geschenkeladen noch eine Ausgabe von Mein Kampf mitzunehmen. Eine herrliche Anspielung auf Nathan Lanes Rolle als geldgeiler Broadway-Produzent in der Bühnenfassung und dem Filmremake von Mel Brooks Musical-Satire The Producers – Frühling für Hitler.

Das große Finale steht bevor.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×09: Sing, Sing, Sing
USA 2020. 51 Minuten. Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Dan Attias.

 

Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.


Penny Dreadful: City of Angels, Folge 3

26. Juni 2020

Los Angeles im Jahr 1938. An diesem Ort tummeln sich allerlei gegensätzliche Kräfte Und Natalie Dormer in mehreren Rollen, auch in der dritten Episode von Penny Dreadful: City of Angels.


Let’s Face the Music and Dance

Tiagos älterer Bruder Raul (Adam Rodriguez) ist nach seiner schweren Schussverletzung aus dem Koma erwacht und kann sich an nichts erinnern. Nur, dass der jüngste Vega-Bruder Mateo (Johnathan Nieves) gleichmal mit der Wahrheit über den Schützen rausrückt. Tiago (Daniel Zovatto) trifft an seinem unverhofften freien Tag auf die Radioevangelistin Molly Finnister (Kerry Bishé), die ihren Verpflichtungen und der strengen Mutter entflieht. Die beiden kommen sich beim gemeinsan Besuch des Santa Monica Piers näher. Charlton Townsend (Michael Gladis) muss sich mit Widerstand gegen seinen Autobahnbau in Person von Beverly Beck, einem anderen Stadtratsmitglied, auseinandersetzen. Seine unbeherrschte Art torpediert ein Treffen mit Nazi-Architekt Goss (Thomas Kretschmann). Danach gibt sich Townsend seinen sexuellen Neigungen hin, obwohl ihn Assistentin Alex (Natalie Dormer) eindringlich davor gewarnt hat, um negative Schlagzeilen zu vermeiden.

Unterdessen trauert Tiagos Detective-Partner Lewis Michener (Nathan Lane) um seine beiden jüdischen Freunde Sam und Anton, die in Folge 2 bei ihrer Verfolgung des Wagens von Goss von dessen Chauffeur (Dominic Sherwood) erschossen wurden. Um ihren Tod aufzuklären „befragt“ Lewis einen Studenten (Kyle McArthur) der CalTech, der mit den Nazis Kontakt hatte. Kinderarzt Dr. Peter Craft (Rory Kinnear) macht sich Sorgen um seine „Landsfrau“ Elsa Branson (Natalie Dormer), die von ihrem noch nie in Erscheinung getretenen Ehemann misshandelt wird. Peter versorgt ihre Wunden und lädt sie in seinen speziellen Freundeskreis (German-American Bund) ein. Mateo, der von dem schneidigen Fly Rico (Sebastian Chacon) in der letzten Folge vor den gewaltbereiten Cops um Reilly (Rod MacLachlan) gerettet wurde, nimmt dessen Einladung ins „The Crimson Cat“ an und trifft dort auf die androgyne Rio (Natalie Dormer, wer sonst?). Der Tanzabend im Club wird allerdings durch die Polizei unterbrochen, die eine willkürliche und Latino-feindliche Sperrstunde durchsetzen will. Danach entbrennt eine hitzige Diskussion zwischen Mateo, Fly Rico und Rio, bevor ersterer offiziell bei den Pachucos aufgenommen wird. Nach seinem romantischen Tag mit Molly erfährt Tiago von Lewis, dass diese ein Verhältnis mit James Hazlet, der gemeinsam mit seiner Familie in der Pilotfolge ermordet aufgefunden wurde, hatte.

John Logans „Stadt der Engel“ (nicht zu verwechseln mit dem Hollywood-Kitsch-Remake von Wim Wenders‘ poetischem Der Himmel über Berlin) bleibt ein überaus sonniger Ort der Abgründe, wo Unterdrückung und Leid neben Erfolg und Glück wohnen. Mit der Pachuca Rio lernen wir in dieser Folge die vierte (und hoffentlich letzte) Rolle kennen, in welcher die dämonische Magda auftritt. Nichts gegen Natalie Dormer. In Die Tudors und Game of Thrones hat sie durchaus ihre schauspielerischen Qualitäten bewiesen, aber so langsam hat man sich an ihr satt gesehen. Man stelle sich vor, Dracula und Lucifer hätten sich im Original-PD für den Zuschauer deutlich sichtbar unter die Leute gemischt, um einen Krieg anzuzetteln.

Das übersinnliche Element fehlt in der dritten Episode fast völlig. Dafür ist Einiges an Musik drin. Die Tanzsequenz in der purpurnen Katze (quasi das Moka Efti von City of Angels) einfach herrlich mitreißend. Und Kerry Bishé darf in der Schlussmontage den alten Irving-Berlin-Gassenhauer Let’s Face the Music and Dance von 1936 zum Besten geben. Wohin die Reise beim PD-Spinoff gehen soll erscheint schon recht klar, nur nicht welche Strecke genommen wird.

Penny Dreadful: City of Angels, 1×03 Wicked Old World
USA 2020. 54 Minuten. Idee & Drehbuch: John Logan. Regie: Sergio Mimica-Gezzan.

Credits
Bilder (c) Showtime/Sky.


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