Besondere Animationsfilme: Im Käfig (2016) (Kurzfilm)

16. Januar 2022

Kurzfilme im Vorprogramm einer Kinovorstellung gehören zur Tradition des Programmkinos. Beim Kinobesuch von Spencer am Freitag kam ich nach langer Zeit wiedermal in den Genuss eines schönen Shorts: Im Käfig von Loïc Bruyère.

Jazz mit Vogel und Bär

Ein Bär lebt allein in einem Käfig. Auf dem Baum nebenan schlüpfen Vogeljunge. Eines der kleinen Vögelchen kann nicht fliegen. Und der Bär kann nicht singen. Die beiden unterschiedlichen Geschöpfe werden Freunde und überwinden ihre Schwierigkeiten.

Kleine putzige Kunstwerke wie Im Käfig (Originaltitel La Cage, international auch als In a Cage bekannt) bieten das i-Iüpfelchen auf einen rundum gelungenen Kinobesuch. Von meinen unzähligen Ausflügen in die wenigen Programmkinos in der Gegend (früher das Casablanca in Ochsenfurt, heute regelmäßig das Central im Bürgerbräu in Würzburg) enthielten manche einen Kurzfilm als kleine Zerstreuung vor dem Hauptfilm. Manchmal kommen dabei solche Perlen wie der schwedische Alltagspercussion-Geniestreich Musik für eine Wohnung und sechs Perkussionisten (2001) heraus. Musikalisch geht es auch in Im Käfig von Animationskünstler und Filmemacher Loïc Bruyère zu. Ein eingesperrter Bär und ein flügellahmer Vogel werden beste Freunde und überwinden ihre Unzulänglichkeiten mit der Hilfe von Musik von Komponist Romain Trouillet, der unter anderem die Netflix-Dokuserie Verhandlung 4 (2021) und das Biopic De Gaulle (2020) vertonte. Passend zu den liebevoll, putzigen und schrägen Zecihnungen Bruyères beginnen die beiden tierischen Freunde irgendwann Jazz zu spielen und der Bär entdeckt sein Talent für Scatsinging. Wegen des Verzichts auf Dialoge eignet sich der kleine Beitrag für ein universelles Publikum, etwa als mögliches Intermezzo, wie man es aus Die Sendung mit der Maus kennt.

Den kompletten Kurzfilm Im Käfig (La Cage) kann man kostenpflichtig bei Vimeo streamen.

 

Im Käfig (La Cage)
Animation/Kurzfilm Frankreich 2016. 6 Minuten.
Musik: Romain Trouillet. Drehbuch, Animation, Schnitt und Regie: Loïc Bruyère.

Credits
Bild (c) Folimage.

 

 


Besondere Animationsfilme: My Baby Left Me (Kurzfilm)

30. Dezember 2021

Im zwarten Alter von 66 Jahren veröffentlichte der slowenisch-ungarische Künstler Milorad Krstić 2018 mit Ruben Brandt, Collector seinen ersten abendfüllenden Animationsfilm. 1995 erschien sein Kurzfilm My Baby Left Me.


Träume voller Sehnsucht und Verlangen

Ein Mann wurde von seiner Geliebten verlassen. Ganz alleine erlebt er nachts immer wieder Träume voller Sehnsucht und Verlangen, welche immer absonderliche Formen annehmen. Da klingelt das Telefon…

Milorad Krstić, geboren 1952 in Slowenien und seit 1990 wohnhaft in Ungarn, hat bisher unter anderem als Maler, Multimediakünstler und Bühnendesigner gewirkt. 23 Jahre vor seinem oben erwähnten Spielfilmdebüt voller Referenzen an Kunst und Popkultur des 20. Jahrhunderts erschien My Baby Left Me 1995 im Wettbewerb der Berlinale und gewann den Silbernen Bären in der Kurzfilm-Sparte. Im 9-Minüter lässt Krstić der psychosexuellen Phantasie seines verlassenen Protagonisten freien Lauf. Herausgekommen ist dabei ein überaus experimenteller, irrwitziger, frivoler und surrealer Trip in das Unterbewusstsein eines Mannes mit gebrochenem Herzen. Der krakelige und nicht selten eher wenig anthromorphe Stil hat bisweilen etwas von den Cutout-Animationen, welche Terry Gilliam für die Fernsehshows und Filme der Monty Pythons schuf. Die ungefilterte Weirdness von Träumen in bewegten Bildern einzufangen dürfte sicherlich äußerst schwierig sein, aber Krstić kommt dem Ganzen hier schon sehr nah.

My Baby Left Me ist als Bonusmaterial auf der Limited Mediabook Edition von Ruben Brandt, Collector enthalten und hier bei Youtube ansehbar.

My Baby Left Me
Animation/Kurzfilm Ungarn 1995. 9 Minuten. Regie: Milorad Krstić.

 

Credits
Filmbilder (c) Varga Studio.

 

 


Besondere Animationsfilme: Ruben Brandt, Collector

28. Dezember 2021

Zum dritten Mal in diesem Jahr tauchen wir ein die Welt eigenwilliger Werke der Animationsfilmkunst. Kunst ist genau das richtige Stichwort beim heutigen Beitrag. Denn Ruben Brandt, Collector von Milorad Krstić dreht sich um einen Therapeuten, dessen Träume von bekannten Gemälden heimgesucht werden.

Dr. Ruben Brandt gilt in Fachkreisen als einer der besten Therapeuten der Welt. Doch seit dem Tod des Vaters leidet Ruben unter merkwürdigen Albträumen, in welchen ihn Figuren aus weltbekannten Gemälden attackieren. Angeführt von der kleptomanischen Kunstdiebin Mimi beschließen seine Patienten, ihm zu helfen. Gemeinsam stehlen sie einige der wichtigsten Kunstwerke der Welt. Doch Detektiv Kowalski ist den Dieben bereits auf der Spur, neben Polizei und Mafia…

Milorad Krstić wurde 1952 im heutigen Slowenien geboren und wanderte 1990 nach Ungarn aus. Nach unzähligen Werken als Maler und Multimediakünstler veröffentlichte er 2018 im zarten Alter von 66 Jahren mit Ruben Brandt, Collector seinen ersten abendfüllenden Animationsfilm. Seit Januar 2021 gibt es dieses außergewöhnliche Werk hierzulande auf DVD und BluRay. Krstić zelebriert darin nicht nur seinen eigenwillien Stil, sondern liefert auch eine mit allerlei berühmten Kunstwerken des 20. Jahrhunderts und Filmzitaten vollgestopfte Wundertüte. Mehr dazu gibt es in meiner Rezension auf Vieraugen Kino.

 

 


Besondere Animationsfilme: Cryptozoo

5. November 2021

Die Welt der Animationsfilme gestaltet sich so bunt und mannigfaltig. Cryptozoo von Dash Shaw gehört zu den besonders eigenwilligen Werken.

Vor fünf (!) Monaten habe ich die neue Rezensionsreihe „Besondere Animationsfilme“ mit Der Illusionist ins Leben gerufen. Nur sind Aktionen dieser Art meinerseits dazu verurteilt, über lange Zeit brachzuliegen, siehe auch das „Tilda Swinton Festival“. Doch heute geht es endlich weiter mit einem Animationsfilm, sogar einem aktuellen.

Tierärztin Lauren (Stimme im Original: Lake Bell) hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, sogenannte Krytide – besondere, magische und oft im Verborgenen lebende Kreautren – zu finden und zu retten. In einem großen Themenpark, dem Cryptozoo, sollen diese Wesen vor der Außenwelt geschützt und gleichzeitig den Besuchern präsentiert werden. Doch bevor der Park eröffnet werden sollte will Lauren mit der Hilfe ihrer Mentorin Joan (Grace Zabriskie) und der neuen Assistentin Phoebe (Angeliki Papoulia) endlich den Baku finden. Das Fabelwesen aus der japanischen Mythologie ernährt sich von Träumen und half Lauren in ihrer Kindheit schreckliche Alpträume loszuwerden. Aber nicht nur Lauren und ihre Getreuen sind dem Baku auf den Fersen, auch der für das Militär arbeitende Söldner Nicholas (Thomas Jay Ryan) hat es auf das Wesen abgesehen. Die US-Streitkräfte möchten die Kryptide in ihren Besitz bringen, um diese als Waffen einzusetzen…

Cryptozoo, der zweite abendfüllende Film von Comicautor, Zeichner und Filmemacher Dash Shaw, ist einer der Gründe für mein Probeabo beim Arthouse-Streamingdienst. Wie sehr mir der psychedelische Trickfilm gefallen hat erfahrt ihr in meiner Rezension bei Vieraugen Kino.

 


Besondere Animationsfilme: Der Illusionist

4. Juni 2021

Hiermit startet eine neue Rezensionsreihe, in welcher ich mich (wie der Titel schon sagt) besonderen Werken aus dem mannigfaltigen Universum der Animationsfilme widme.

In den letzten Jahren haben sich meine Interessen bei Animationsfilmes von den großen (CGI-) Studioproduktionen à la Pixar, Disney und Co entfernt. Dafür begeisterten mich weniger bekannte Werke verschiedenster Machart. „Trickfilmen“ aus aller Welt, die mit unterschiedlichsten Mitteln (klassischer Zeichentrick, CGI, Puppentrick, Stop-Motion, Rotoscoping usw.) erschaffen wurden, ist diese Reihe gewidmet. Einige Animationsfilme habe ich bereits gesichtet und besprochen (siehe unten), wobei Rewatches hier nicht ausgeschlossen sind.

Als ersten Beitrag aus dieser Reihe gibt es heute den wundervollen französisch-britischen Zeichentrickfilm Der Illusionist (2010) von Sylvain Chomet, der auf einem zuvor unproduzierten Skript von Jacques Tati basiert.

1959. Tatischeff ist ein begabter Bühnenmagier. Doch Leute wie er gehören in der neuen Welt von Rock- und Popstars zu Auslaufmodell und sind nicht mehr gefragt. So verliert Tatischeff seinen Job in Paris und reist für weitere Engagements nach London. Auf einer Betriebsfeier wird der Magier von einem trinkfesten Schotten in dessen abgelegenes Heimatdorf an der Westküste eingeladen. Tatischeff nimmt die Einladung an und erlebt bei seinem Auftritt in der Dorfkneipe erstmals seit langem wieder ein völlig begeistertes Publikum. In der kleinen Pension lernt Tatischeff Alice kennen. Das junge, schüchterne Mädchen hält die Tricks des Zauberkünstlers für echte Magie und folgt ihm nach seiner Abreise. In Edinburgh beziehen die beiden gemeinsam ein Apartment in einem Künstlerhotel. Tatischeff bemüht sich Alice ihre Wünsche zu erfüllen, auch wenn seine berufliche Situation nicht besser wird…

Zu kompletten Kritik auf Vieraugen Kino

Bereits rezensiert

2003 Destino (Kurzfilm)
2003 Interstella 5555
2004
Strings – Fäden des Schicksals
2005
Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen
2006
Renaissance
2009 #9
2009 El Superbeasto
2009 Das Geheimnis von Kells
2013 The Congress
2013 Lisa Limone & Maroc Orange: A Rapid Love Story
2015 Anomalisa
2016 Die Rote Schildkröte
2017 Cinderella the Cat – La Gatta Cenerentola
2017 Loving Vincent
2018 Funan
2018
Isle of Dogs – Ataris Reise
2018 Rezo
2019
Ich habe meinen Körper verloren
2020 Fire (PoZar) (Kurzfilm)

Besondere Animationsserien

2019 Undone

 

 


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