Frau Jordan stellt gleich

28. Juni 2020

Pro Sieben setzt außerhalb des linearen Fernsehens mittlerweile auf den hauseigenen Streamingdienst Joyn für welchen nicht nur internationale Serien eingekauft, sondern auch eigene produziert werden. Wie Frau Jordan stellt gleich, eine Comedy von Ralf Husmann (Stromberg), mit Katrin Bauerfeind in der Hauptrolle.

Haltung und Humor

Eva Jordan (Katrin Bauerfeind) leitet das Gleichstellungsbüro der Stadtverwaltung. Gemeinsam mit ihrem Team – bestehend aus dem einfühlsamen Philipp (Alexander Khuon), der selbstbewussten Yvonne (Natalia Belitski) und der weniger intelligenten, aber engagierten Renate (Mira Partecke) – kämpft die Mittdreißigerin an mehreren Fronten gegen Diskriminierung und Benachteiligung, egal ob beim Vorgehen gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, dem Streben nach einer höheren Frauenquote in vielen Bereichen oder dem Einsatz für Menschen mit Behinderung. Als der Bürgermeister (Ulrich Gebauer) aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten muss entschließt sich Eva kurzerhand gegen Stadtdirektorin Ingrid Sommerfeld (Adina Vetter) um die Nachfolge anzutreten. Doch in der knallharten Karrierefrau hat die Gleichstellungsbeauftragte eine starke Gegnerin…

Ralf Husmann (geboren 1964) ist innerhalb der letzten 10 bis 15 Jahre zu einer festen Größe in der deutschen Fernsehlandschaft geworden. Seit September 2019 bildet er ein Viertel von Seriös – Das Serienquartett, dem monatlich ausgestrahlten Serienpendant zu einer traditionsreichen Literatursendung. Neben Stromberg (2004-2012), der deutschen Version der britischen Kult-Büro-Comedy The Office, erschuf und schrieb Husmann auch Dr. Psycho (2007/2008) und Der kleine Mann (2009). Außerdem verfasste er die Drehbücher zu drei Tatort-Folgen aus Dresden. Für Joyn fungierte der 55jährige nicht nur als Chefautor der von Klass Heufer-Umlauf kreierten Serie Check Check, die vom Sicherheitspersonal eines Kleinflughaften handelt, sondern erfand auch Frau Jordan stellt gleich, mit Moderatorin/Schauspielerin Katrin Bauerfeind als titelgebender Gleichstellungsbeauftragten.

In Zeiten von leider immer noch viel zu präsenten gravierenden Problemen namens Rassismus, Sexismus, Homophobie und anderen Diskriminierungsformen bildet Gleichstellung ein überaus wichtiges Thema. Doch dient dies hier nicht als Aufhänger für plumpen Klamauk oder Gags einfach nur um der Gags willen. Husmann und seine Co-Autorinnen Anneke Janssen, Elena Senft sowie Sarah Palma haben hierbei keine klassische Sitcom mit Multikamera-Setting plus Lachern aus der Konserve geschrieben. Ebenso wenig eine Mockumentary im Stile von Stromberg bzw. dem britischen Vorbild. Vielmehr präsentiert uns „Frau Jordan“ ein differenziertes Bild der Gleichstellungsarbeit, bei welchem trotz allem gebotenen Ernst mehr als ausreichend Platz für Humor bleibt. Gleichstellung funktioniert nämlich nicht als Einbahnstraße, sondern kann sich auch ganz leicht als Minenfeld von Fettnäppfchen entpuppen.

Die Katrin Bauerfeind auf den Leib geschriebene Protagonistin kämpft an vielerlei Fronten für Gleichberechtigung und Toleranz sowie gegen Missstände und festgefahrene Strukturen. Eine selbstbewusste, erfolgreiche Frau, die aber auch bereit ist, ihre weiblichen Reize einzusetzen, wenn es denn der Sache dient. So gelassen und schlagfertig Eva Jordan meistens wirkt, perfekt ist sie nicht. Ohne ihr heterogenes Team wäre sie desöfteren ziemlich aufgeschmissen: die junge, bisweilen knallharte Yvonne, die auf Frauen steht, und Renate, eine alleinerziehende Mutter, der man aufgrund ihrer eher bescheidenen intellektuellen Fähigkeiten wenig zutraut, die aber immer wieder positiv zu überraschen vermag. Positiv überrascht haben mich die überaus ausgewogene, ambivalente Art der Serie. Die in den Episodentiteln gegenüber gestellten Begriffe deuten an, dass es immer zwei Seiten einer Medaille oder besser gesagt eines Streitthemas gibt. „Frau Jordan“ glänzt auch hier und da mit einigen unerwartenen Entwicklungen, etwa wenn es im Gespräch mit einer dunkelhäutigen Mitarbeiterin der Stadtverwaltung eben nicht um Diskriminierung geht oder sich ein scheinbar netter Herr (dem kurz zuvor noch geholfen wurde) als Rassist outet.

Mit der Figur des Quotenmannes Philipp im Gleichstellungsteam wird die gängige Mann-Frau-Konstellation auf augenzwinkernde Weise auf den Kopf gestellt. Eva hat bei all ihrer Arbeit keinen Nerv mehr, sich auch noch ihrem Haushalt zu kümmern. Wie gut, dass ihr Kollege, Assistent und (die meiste Zeit über) Lover auch an dieser Front den Rücken freihält. Philipp liebt seine Chefin, welche die gemeinsame Beziehung als angenehme Bequemlichkeit gerne in Kauf nimmt, auch wenn ihr sein nimmermüder Einsatz manchmal etwas zu weit geht.

Die komplette erste Staffel von Frau Jordan stellt gleich ist seit dem 21. Oktober 2019 bei Joyn abrufbar, in der kostenpflichten Version Joyn Plus auch in HD und ohne Werbeunterbrechungen. Im März 2020 begannen die Dreharbeiten zu Season 2.

Frau Jordan stellt gleich
Comedy-Serie Deutschland 2019. FSK 12. 10 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 250 Minuten. Mit: Katrin Bauerfeind, Alexander Khuon, Natalia Belitski, Mira Partecke, Adina Vetter u.v.a. Idee: Ralf Husmann.

Credits
Bilder (c) Joyn/Pro Sieben.


Parfum (Kurzkritik)

19. Dezember 2018

12 Jahre nachdem Tom Tykwer Patrick Süskinds Roman Das Parfum verfilmt hat gibt es eine sechsteilige Serie, welche die Prämisse des Buches in die Gegenwart verlagert. Als eine Sängerin ermordet wird geraten ihre fünf Freunde aus der Schulzeit ins Visier der Ermittlungen…

Böse Mütter, arme Kinder

In der Region Niederrhein wird die Leiche der rothaarigen Sängerin Katharina „K“ Läufer (Siri Nase) in deren Swimmingpool entdeckt. Der Toten wurden sämtliche Körperbehaarung mit chirurgischer Präzision entfernt. Die Spur des Ermittlerteams um Profilerin Nadia Simon (Friederike Becht) und ihren Kollegen Matthias Köhler (Jürgen Maurer) führt zu Katharinas alter Clique aus einem katholischen Internat, bestehend aus dem Arzt Roman Seliger (Ken Duken), seiner Ehefrau Elena (Natalia Belitski), dem Parfumeur Moritz de Vries (August Diehl), Zuhälter Thomas Butsche (Trystan Pütter) und dem einsamen Loser Daniel „Zahnlos“ Sluiter (Christian Friedel). Inspiriert durch den Roman Das Parfum (1985) experimentierte die Gruppe vor etwa 20 Jahren mit Gerüchen und Düften, genau wie Grenouille, der Protagonist des Buches. Auch der Mörder von „K“ scheint dessen Vorgehensweise zu kopieren…

Patrick Süskinds Welterfolg über die Welt der Gerüche als Vorlage für einen düsteren Kriminalfall in der Gegenwart. Warum auch nicht? Doch was Regisseur Philipp Kadelbach (Unsere Mütter, unsere Väter) und Drehbuchdebütantin Eva Kranenburg aus dieser Prämisse machen ist auf eine ganz andere Weise schaurig als beabsichtigt. Nicht nur das die Story teilweise wirklich ekelerregende Details beinhaltet, bisweilen wirkt die ganze Angelegenheit auch einfach unfreiwilig komisch. Doch das wirklich schlimme an Parfum ist die durchgehende Misogynie, die zum Himmel stinkt. Die zentrale Ursache für die Probleme fast aller Figuren, somit Auslöser für Mord und andere Verbrechen, sind schlicht und ergreifend: böse Mütter; die ihren Nachwuchs vernachlässigen, zurücklassen, demütgen oder sogar misshandeln. Die Söhne dieser Rabenelternteile werden zur frauenhassenden Monstern, die Töchter zu unterwürfigen und irrational agierenden Opfern. Der Versuch dadurch eine ausgewogene, gar psychologisch vielschichtige Charakterzeichnung zu erreichen scheitert auf ganzer Linie. Und dabei kann man nicht einmal sagen, dass der Sechsteiler durchgehend misslungen sei. Durch die farbentsättigen Bilder der trostlosen Schauplätze sowie die geschickte Montage der Gegenwartshandlung mit den Ereignissen vor 20 Jahren wirkt Parfum zumindest inszenatorisch ansprechend. Insgesamt solide agiert auch das Darsteller-Ensemble, vor allem Friederike Becht (Die Vierhändige) und August Diehl (Der junge Karl Marx). Aber von hochwertiger Serienware bleibt das Endprodukt Lichtjahre entfernt.

Parfum ist seit der Erstausstrahlung bei ZDFneo in der ZDF-Mediathek noch bis einschließlich 27. Dezember 2018 abrufbar, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 22:00 Uhr und 6:00 Uhr.

Parfum
Krimiserie Deutschland 2018. FSK 16. 6 Folgen. Gesamtlänge: 346 Minuten. TV-Erstausstrahlung: 14. November 2018.
Mit: Friederike Becht, Natalia Belitski, August Diehl, Ken Duken, Christian Friedel, Trystan Pütter, Jürgen Maurer, Wotan Wilke Möhring u.v.a. Nach Motiven des Romans Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders von Patrick Süskind. Idee: Eva Kranenburg, Philipp Kadelbach, Oliver Berben. Drehbuch: Eva Kranenburg. Regie: Philipp Kadelbach.

Credits:
Bilder (c) Constantin Film/ZDF Neo.


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