Parfum (Kurzkritik)

19. Dezember 2018

12 Jahre nachdem Tom Tykwer Patrick Süskinds Roman Das Parfum verfilmt hat gibt es eine sechsteilige Serie, welche die Prämisse des Buches in die Gegenwart verlagert. Als eine Sängerin ermordet wird geraten ihre fünf Freunde aus der Schulzeit ins Visier der Ermittlungen…

Böse Mütter, arme Kinder

In der Region Niederrhein wird die Leiche der rothaarigen Sängerin Katharina „K“ Läufer (Siri Nase) in deren Swimmingpool entdeckt. Der Toten wurden sämtliche Körperbehaarung mit chirurgischer Präzision entfernt. Die Spur des Ermittlerteams um Profilerin Nadia Simon (Friederike Becht) und ihren Kollegen Matthias Köhler (Jürgen Maurer) führt zu Katharinas alter Clique aus einem katholischen Internat, bestehend aus dem Arzt Roman Seliger (Ken Duken), seiner Ehefrau Elena (Natalia Belitski), dem Parfumeur Moritz de Vries (August Diehl), Zuhälter Thomas Butsche (Trystan Pütter) und dem einsamen Loser Daniel „Zahnlos“ Sluiter (Christian Friedel). Inspiriert durch den Roman Das Parfum (1985) experimentierte die Gruppe vor etwa 20 Jahren mit Gerüchen und Düften, genau wie Grenouille, der Protagonist des Buches. Auch der Mörder von „K“ scheint dessen Vorgehensweise zu kopieren…

Patrick Süskinds Welterfolg über die Welt der Gerüche als Vorlage für einen düsteren Kriminalfall in der Gegenwart. Warum auch nicht? Doch was Regisseur Philipp Kadelbach (Unsere Mütter, unsere Väter) und Drehbuchdebütantin Eva Kranenburg aus dieser Prämisse machen ist auf eine ganz andere Weise schaurig als beabsichtigt. Nicht nur das die Story teilweise wirklich ekelerregende Details beinhaltet, bisweilen wirkt die ganze Angelegenheit auch einfach unfreiwilig komisch. Doch das wirklich schlimme an Parfum ist die durchgehende Misogynie, die zum Himmel stinkt. Die zentrale Ursache für die Probleme fast aller Figuren, somit Auslöser für Mord und andere Verbrechen, sind schlicht und ergreifend: böse Mütter; die ihren Nachwuchs vernachlässigen, zurücklassen, demütgen oder sogar misshandeln. Die Söhne dieser Rabenelternteile werden zur frauenhassenden Monstern, die Töchter zu unterwürfigen und irrational agierenden Opfern. Der Versuch dadurch eine ausgewogene, gar psychologisch vielschichtige Charakterzeichnung zu erreichen scheitert auf ganzer Linie. Und dabei kann man nicht einmal sagen, dass der Sechsteiler durchgehend misslungen sei. Durch die farbentsättigen Bilder der trostlosen Schauplätze sowie die geschickte Montage der Gegenwartshandlung mit den Ereignissen vor 20 Jahren wirkt Parfum zumindest inszenatorisch ansprechend. Insgesamt solide agiert auch das Darsteller-Ensemble, vor allem Friederike Becht (Die Vierhändige) und August Diehl (Der junge Karl Marx). Aber von hochwertiger Serienware bleibt das Endprodukt Lichtjahre entfernt.

Parfum ist seit der Erstausstrahlung bei ZDFneo in der ZDF-Mediathek noch bis einschließlich 27. Dezember 2018 abrufbar, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 22:00 Uhr und 6:00 Uhr.

Parfum
Krimiserie Deutschland 2018. FSK 16. 6 Folgen. Gesamtlänge: 346 Minuten. TV-Erstausstrahlung: 14. November 2018.
Mit: Friederike Becht, Natalia Belitski, August Diehl, Ken Duken, Christian Friedel, Trystan Pütter, Jürgen Maurer, Wotan Wilke Möhring u.v.a. Nach Motiven des Romans Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders von Patrick Süskind. Idee: Eva Kranenburg, Philipp Kadelbach, Oliver Berben. Drehbuch: Eva Kranenburg. Regie: Philipp Kadelbach.

Credits:
Bilder (c) Constantin Film/ZDF Neo.


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