Masters of the Universe: Revelation – Teil 1

31. Juli 2021

Am 23. Juli sind die ersten fünf Folgen der neuen Masters of the Universe-Zeichentrickserie von Kultfilmemacher Kevin Smith (Clerks, Dogma, Jay and Silent Bob) bei Netflix erschienen. Relevation knüpft an die Original-Mattel-Serie aus den 1980ern an, gewinnt dem Stoff aber neue Facetten ab.


Eternia’s Endgame?

Auf dem Planeten Eternia. Während Teela (Originalstimme: Sarah Michelle Gellar) am Hofe von König Randor (Diedrich Bader) und Königin Marlena (Alicia Silverstone) mit einer feierlichen Zeremonie zum obersten Waffenmeister ernannt wird und damit in die Fußstapfen ihres Vaters Duncan alias Man-At-Arms (Liam Cunningham) tritt startet Skeletor (Mark Hamill) einen weiteren Versuch, Schloss Grayskull und die darin beheimatete Magie an sich zu bringen. He-Man (Chris Wood), das mächtige Alter Ego des schmächtigen Prinzen Adam,, Teela und ihre Freunde eilen der Sorceress (Susan Eisenberg), welche das magische Schloss hütet, sogleich zu Hilfe. Durch den folgenden Kampf wird die Magie Eternias vollständig zerstört und Anarchie breitet sich aus. Es liegt nun an Teela und ihrer Freundin Andra (Tiffany Smith) das Schwert der Macht zu erneuern und nicht nur die Magie, sondern auch den kompletten Planeten zu retten. Ausgerechnet an der Seite der bösen Hexe Evil-Lyn (Lena Headey) starten Teela und Andra ihre Mission…

Wie viele meiner Altersgenossen kam auch ich in den späten 1980ern und frühen 1990ern durch den Cartoonblock am Nachmittag bei der damaligen Version des Privatsenders Tele 5 in den Genuss von He-Man and the Masters of the Universe (1983/84), aber auch anderer actionreicher Zeichentrickserien wie Adventures of the Galaxy Rangers (1986) oder Saber Rider and the Star Sheriffs (1987/88), vorausgesetzt mir wurde der Konsum dieser Sendungen damals nicht von elterlicher Seite verboten. Als Grundschüler fand man vor allem He-Man & Co damals ja supercool. Als ich die Cartoon-Show um 2002 dann wieder ansah funktionierte sie frielich nur noch als unfreiwillig komischer Partyspaß. 2010 veranstalteten ein paar Freunde einen „Zeichentrick-Trash-Abend“ und da waren natürlich auch ein paar MOTU-Folgen fällig. Doch vor dem Cartoon gab es ja bekanntlich die Actionfiguren. Einer Legende zu Folge entwickelte man diese ja ursprünglich als Merchandising für John Milius‘ Fantasyfilm Conan, der Barbar (1982), nach den Stories von Robert E. Howard, mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle. Da der Film aber eine Altersfreigabe nur für Erwachsene erhielt konnten die hergestellten Figuren nicht wirklich an Kinder verkauft werden und wurden daher umgestaltet. Daraus soll dann die Masters of the Universe-Toyline entstanden sein. Egal ob diese Tall Story stimmt oder nicht, die Zeichentrickserie wurde damals (wie heute so ziemlich alles Neue von Star Wars) gemacht, um Spielzeug zu verkaufen, quasi als überlanger Werbespot.

Nach der Spielfilm-Adaption von 1987 folgten weitere Figurenreihen und dazugehörige Serien (The New Adventures of He-Man [1990] bzw. He-Man and the Masters of the Universe [2002-2004]). Bereits 1985 startete mit She-Ra – Princess of Power eine Spinoff-Serie über Adams/He-Mans Schwester, die auf einem anderen Planeten lebt und dort gegen Skeletors Meister Hordak und dessen Truppen kämpft. Über die Jahre bildete sich eine treue Fangemeinde, deren Mitglieder auch als Erwachsene ihre Begeisterung für MOTU nicht verloren. Wie etwa eine Gruppe Anhänger aus Texas um Filmemacher John F. Carroll, die zwischen 2011 und 2015 die drei Fanfilme The Wizard of Stone Mountain, The Fountain of Life und The Trials of Darksmoke veröffentlichten. Außerdem erschienen bei Netfliy zwischen 2018 und 2020 fünf Staffeln von She-Ra and the Princesses of Power, einer von Comicautorin/Zeichnerin Noelle Stevenson erschaffenen/betreuten, sehr bunten und diversen Neuauflage von „She-Ra“. Im August 2019 kündigte Kevin Smith Revelation als Fortsetzung der Originalserie für ein eher erwachsenes Publikum an.

Mit einer schönen Eingangssequenz, die optisch im Stil der alten Show, Comics und Figuren gehalten wurde, holt die Netflix-Produktion die alten Fans gut ab und bietet neuen Zuschauern einen kurzen Abriss der bisherigen Mythologie. Anschließend spinnen Showrunner/Executive Producer Smith und seine Co-Autoren die ganze Geschichte auf eher unerwartete Weise weiter. Einige Kreaturen werden gleich in der ersten Folge ziemlich vom Antlitz Eternias getilgt und liegt es nun bei Teela gemeinsam mit einer eher dysfunktionalen Gruppe das Schwert der Macht wieder zu vereinen und somit das Universum zu retten. Mit seiner Kompromisslosigkeit was das Ableben einiger Personen betrifft fühlte ich mich etwas an Avengers: Infinty War erinnert. Revelation erweist sich bisher nicht gerade als große Offenbarung, jedoch im Vergleich zur infantilen, simpelst gestrickten und albern-trashigen Serie aus den 1980ern erzählerisch massiv weiterentwickelt. Im Gegensatz zu früher haben die Wendungen dauerhafte Konsequenzen für die Figuren. Dennoch bleibt das Ganze am Ende aber auch nicht mehr und nicht weniger als eine mit gängigen, überwiegend generischen Motiven und Versatzstücken arbeitende Fantasyserie mit Scifi-Anleihen, die inhaltlich keine Bäume ausreißt. In ästhetischer Hinsicht entpuppt sich die Optik als Mischung der Ur-Show und der 2002er Inkarnation, entspricht dabei dem gängigen, stilisierten Zeichentrick-Standard, den man vom Animationsstudio Powerhouse (siehe auch Blood of Zeus) gewohnt ist. Allerdings empfinde ich es als recht armselig, dass fast zwei Jahre nach der Ankündigung lediglich mickrige fünf Folgen veröffentlicht werden. Wobei ich schon hier und da gelesen habe, dass Teil 2 möglicherweise noch Ende 2021 oder Anfang 2022 erscheinen soll.

Die Neuauflage von MOTU punktet vor allem mit einem famosen Voicecast voller prominenter Namen. Sarah Michelle Gellar, als Titelheldin in Joss Whedons Teenie-Horror-Serie Buffy the Vampire Slayer (1997-2003) zum Idol avanciert, leiht der im Zentrum stehenden Heldin Teela ihre Stimme. Für ihren Widerpart Evil-Lyn konnte man die unnachahmliche Lena Headey (Cersei Lannister aus Game of Thrones). Mit Liam Cunningham als Man-At-Arms ist ein zweiter GoT-Star mit von der Partie, dieses Mal leider ohne seinen charakteristischen irischen Akzent. Außerdem dabei: der nicht nur als Luke Skywalker bekannte, sondern auch als Sprecher des Jokers in unzähligen animierten Batman-Produktionen geschätzte Mark Hamill als Skeletor. Voice-Actor-Legende und Original-Skeletor Alan Oppenheimer (mittlerweile 91!) hat eine kleine Rolle als Moss Man.

Leider stören sich die rassistischen, sexistischen N*z*-Puristen unter den Anhängern massiv an der inhaltlich eher progressiven Ausrichtung des neuesten MOTU-Cartoons. Teela und nicht He-Man als Hauptfigur? Möglicher queerer Subtext? Das und anderes geht in den trüben Augen dieser unverbesserlichen, ewiggestrigen „Fans“ natürlich überhaupt nicht. Dahe erdreisteten sich diese Dumpfbacken die Serie am Erscheinungstag bei imdb.com und Rotten Tomatoes mit unrechtmäßig schlechten Bewertungen abzustrafen. Dabei wird doch niemand gezwungen, sich Relevation anzusehen! Es bleibt ja weiterhin die Möglichkeit den infantilen Originalcartoon bis zu Verblödung zu bingen oder im stillen Kämmerlein auch im Midlife-Crisis-Alter wieder/noch mit den alten Actionfiguren zu spielen. Ja, ich oute mich hiermit als „aufgeweckter“ Blogger, der gleichzeitig auch im Alter von 40 Jahren mit einer prominent besetzen, anspruchslosen Animationsserie seinen Spaß haben kann.

Die ersten fünf Folgen von Masters of the Universe: Revelation sind seit dem 23. Juli 2021 bei Netflix abrufbar. Als kleinen Bonus gibt es das 25minütige Special Revelations: The Masters of the Universe Aftershow, in welchem Showrunner Kevin Smith, Mattel-Produzent Rob David und Andra-Sprecherin Tiffany Smith mit den prominenten Stimmen über die Serie labern.

Masters of the Universe: Revelation – Teil 1
(Masters of the Universe: Revelation – Part 1)
Fantasy/Science-Fiction/Zeichentrickserie USA 2021. 5 Folgen. Gesamtlänge: ca. 130 Minuten. Originalsprecher: Sarah Michelle Gellar (Teela), Lena Headey (Evil-Lyn), Liam Cunningham (Duncan/Man-At-Arms), Tiffany Smith (Andra), Griffin Newman (Orko), Justin Long (Roboto), Chris Wood (Adam/He-Man), Mark Hamill (Skeletor), Diedrich Bader (Randor/Trap-Jaw), Henry Rollins (Tri-Klops), Kevin Michael Richardson (Beast Man), Susan Eisenberg (Sorceress) u.a. Nach der Originalserie Masters of the Universe von Lou Scheimer. Idee: Kevin Smith. Drehbuch: Kevin Smith, Diya Mishra, Marc Bernardin, Tim Sheridan, Eric Carrasco. Regie: Adam Conarroe und Patrick Stannard.

Credits:
Bilder (c) Netflix/Mattel/Powerhouse Animation.

 

 


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