America: Der Film

1. Juli 2021

Auch wenn die Kinos nun wieder geöffnet haben (und ich meinem zweiten sowie dritten Kinobesuch dieses Jahr entgegenfiebere) so gibt es weiterhin einige Film-Neuerscheinungen, welche ausschließlich bei einem Streaminganbieter laufen. Und das ist im Falle von America: Der Film, einem knalligem Animationsstreifen für Erwachsene über die „alternative“ Gründungsgeschichte der USA, nicht einmal besonders schlimm.


Mit Bier, Silber und Wissenschaft gegen die Tee-Invasion

Eigentlich wollten George Washington (Stimme im Original: Channing Tatum), Abraham Lincoln (Will Forte) und Co die dreizehn Kolonien der Neuen Welt für unabhängig vom britischen Empire erklären, doch wird das Unterfangen von Georges altem Vertrauten Benedict Arnold (Andy Samberg) verraten, der zudem Abe Lincoln auf bestialische Weise ermordet. Washington ist verzweifelt über den Verlust seines besten Freundes. Angestachelt von seiner Ehefrau Martha (Judy Greer) stellt George ein Team zusammen, welches sich der britischen Übermacht entgegenstellt. Diese Gruppe besteht aus Bier- und Sprengstoff-Experte Sam Adams (Jason Mantzoukas), dem sozial unbeholfenen, aber sehr fähigen Pferdesportler Paul Revere (Bobby Moynihan), Fährtenleser Geronimo (Raoul Trujillo) und Erfinderin Thomas Edison (Olivia Munn). Gemeinsam wollen sie Ben Arnold und den übermächtigen britischen König James (Simon Pegg) davon abhalten, die Bevölkerung des jungen Kontinents zu willenlosen Anhängern des Empires zu machen…

Schon lange sind Trickfilme nicht mehr reiner Kinderkram, sondern immer öfter auch Stoff für erwachsene Zuschauer. Überhaupt erscheint es eine westliche Unart, gezeichnete Bewegtbilder herabzuwürdigen, während dies in Japan schon immer differenziert betrachtet wird. Als wenig differenziert entpuppt sich der aktuell bei Netflix veröffentlichte Adult-Animated-Film America: Der Film (OT: America: The Motion Picture), der zwar durchaus spaßige Ideen mitbringt, diese aber nicht umzusetzen weiß.

Auf dem Papier liest sich das Filmdebüt von Matt Thompson (bisher Autor, Produzent und Regisseur der ebenfalls bei Netflix laufenden Agenten-Trickserie Archer) wie eine Mischung aus den Avengers, Team America sowie einer sehr freien Neuinterpretation der Biographien der amerikanischen Gründerväter im Stile von Sketchshows wie Saturday Night Live und College Humor. Das erfolgreiche Duo Phil Lord und Christopher Miller (The Lego Movie) sind außerdem als Produzenten mit an Bord. Drehbuchautor Dave Callaham (Zombieland: Doppelt hält besser, Wonder Woman 1984, Mortal Kombat [2021]) verarbeitet hier unterschiedlichste Elemente und Motive amerikanischer Geschichte und Popkultur auf anachronistische Weise. Da sind etwa George Washington (1732-1799) und Abraham Lincoln (1809-1865) plötzlich Zeitgenossen im Jahre 1776 und der (in Wahrheit ebenfalls später lebende) berühmte Erfinder Thomas Edison (1847-1931) entpuppt sich als Frau asiatischer Abstammung.

Die üblichen Alltagsgegenstände und Fortbewegungsmittel sind mit technologischen Errungenschaften und moderner Musik aufgepeppt, die es erst viele Jahr(hundert)e später geben sollte. Von der Sprache mal ganz zu schweigen. Grundsätzlich besitzt die 1000-unterschiedliche-Dinge-in-einen-Topf-zu-schmeißen-Methode durchaus Potenzial, doch wird das hier fast gar nicht genutzt. Denn abgesehen von einem groben Gerüst scheint hier das Interesse an einer halbwegs ausgearbeiten Story kaum vorhanden. Über weite Strecken wird ein in manchen Momenten witziges, aber doch im Grunde einfallsloses Programm abgespult. Vor allem im Vergleich zur derben, aber ungemein treffenden Hurra-Patriotismus-Puppentrick-Parodie Team America erweist sich America: Der Film als ziemlich lahme Angelegenheit. Wobei mir die durchaus kurzweiligen 98 Minuten eher wie 75 bis 80 Minuten vorkamen. Das mag auch am gelungenen Voicecast liegen. So gibt Channing „Magic Mike“ Tatum den George Washington während Andy Samberg als böser Brite Benedict Arnold glänzt und Simon Pegg (Star Trek-Neuauflage) als König James wie Baron Harkonnen aus Dune – Der Wüstenplanet wirkt. Wer bereits ein Abo beim roten N hat, kann sich den Streifen ruhig mal ansehen, aber wirklich brauchen tut ihn niemand. Und glücklicherweise blockiert das Werk keine Kinosäle.

America: Der Film ist seit dem 30. Juni 2021 Teil des Angebots von Netflix.

America: Der Film
(America: The Motion Picture)
Animationsfilm USA 2021. FSK 16. 98 Minuten. Originalsprecher: Channing Tatum (George Washington), Jason Mantzoukas (Sam Adams), Olivia Munn (Thomas Edison), Bobby Moynihan (Paul Revere), Raoul Trujillo (Geronimo), Judy Greer (Martha Washington), Andy Samberg (Benedict Arnold), Simon Pegg (King James), Killer Mike (John Henry), Will Forte (Abraham Lincoln) u.a. Drehbuch: Dave Callaham. Regie: Matt Thompson.

 

 

Credits
Bilder (c) Netflix.

 

 

 


Rezensionsleiche von 2009

26. Mai 2021

Nachdem ich vor einigen Wochen auf zwei 19 Jahre alten Reviews von mir gestoßen bin gibt es heute die „Wiedergeburt“ einer meiner Filmkritiken von 2009.

Zwischen 2008 und 2010 schrieb ich nebenbei ein paar Filmrezensionen für sf-radio.net. Diese Seite gibt es in der früheren Form nicht mehr. Aus SF-Radio wurde „Robots and Dragons“. Manche meiner Reviews haben den Sprung auf die neue Page geschafft, andere nicht. Eine der Leichen feiert hier heute ihre Wiedergeburt, nämlich mein Text zum Animationsfilm Renaissance. Geschrieben (und vermutlich auch veröffentlicht) wurde die Filmkritik am 13. März 2009, also vor 12 Jahren.

Viel Spaß beim Lesen!
(Rechtschreibung und Interpunktion wurden im Original belassen)


Renaissance

Frankreich/UK/Luxemburg, 2006, 101 min.
DVD-Start: 28. Dezember 2006 [FSK 12]
Regie: Christian Volckman
Drehbuch: Alexandre de La Patellière und Mathieu Delaporte
Musik: Nicholas Dodd

Mitte des 21. Jahrhunderts beherrscht ein Großkonzern die Metropole Paris. Als eine ambitionierte Wissenschaftlerin entführt wird, bekommt ein umstrittener Polizist, den Auftrag die junge Frau zu finden. Ein dunkles Geheimnis könnte die Menschheit für immer verändern…

Paris im Jahre 2054. Der Megakonzern Avalon beherrscht mit seinen allgegenwärtigen Videokameras die Stadt. Eines Nachts wird die brillante Wissenschaftler Ilona Tasuiev entführt. Mit dem Fall wird der umstrittene Polizist Karas betraut. Mit der etwas widerwilligen Hilfe von Ilonas Schwester Bislane gelingen Karas Fortschritte bei den Ermittlungen. Ilona war einem Geheimnis auf der Spur, dass das Leben der Menschen für immer verändern könnte.

Renaissance“ hat eines mit vielen anderen ambitioniert hergestellten Animationsfilmen gemeinsam: es gilt die Formel Form vor Inhalt. Die Story ist auch hier wenig ausgefeilt, allerdings glücklicherweise nicht so pseudo-spirituell „vollgedröhnt“ wie in „Final Fantasy – die Mächte in dir“. Insgesamt präsentiert sich „Renaissance“ als futuristischer Krimi mit Film-Noir-Zutaten und bewegt sich irgendwo zwischen „Blade Runner“, „Sin City“ und „Immortal“. Die Handlung könnte auch einer der bekannten Mysteryserien entspringen. So gibt es eine Folge in der ersten Staffel von „Akte X“, die sich ebenfalls thematisch mit der Krankheit Progerie befasst. Als mit der Zeit immer verstörend wirkendes Element präsentiert sich der im Film sehr oft wiederholte „Avalon“-Werbespot, in dem der Megakonzern für Gesundheit, Schönheit und ewige Jugend wirbt. Dieser Spot findet sich auch im Hauptmenü der DVD.

Visuell ist der Film natürlich beeindruckend. Die ständig wechselnden Schwarz-Weiß-Animationen verleihen dem Dargebotenen einen eigenwilligen, düsteren Charme. Fast die komplette Handlung spielt bei Nacht und wenn es dann doch einmal hell ist, so wirkt dies extrem kontrastreich. Das permanente Spiel von Licht und Schatten birgt aber auch das Problem mit sich, dass man sich am Anfang schwer tut, die einzelnen Charaktere optisch auseinander zu halten. Außerdem ermüdet die Optik mit der Zeit die Augen dann etwas.

Im Gegensatz zu den Bildern herrscht bei den Charakteren keine übliche Aufteilung in Gut und Böse oder Schwarz und Weiß. So ist die Hauptfigur, der Polizist Karas, ein klassischer Anti-Held. Für seine erfolgreiche Ermittlungsarbeit wird er geschätzt, wegen seiner mitunter zweifelhaften Methoden ist Karas allerdings umstritten. Mit Bislane, der Schwester der verschwundenen Ilona, bekommt es Karas mit einer mysteriösen Femme Fatale zu tun.

Mit einem Budget von 14 Millionen Euro und sechs Jahren Produktionszeiten dürfte „Renaissance“ sicher zu den aufwändigsten europäischen Produktionen zählen. Für die internationale englische Fassung konnte man zudem prominente Schauspieler als Sprecher gewinnen, z.B. Daniel Craig als Karas, Romola Garai als Ilona, Jonathan Pryce als Avalon-Firmenchef und Ian Holm. Der Film lief 2006 auf dem Fantasy Filmfest, konnte aber kein großes Publikum erreichen und erschien Ende 2006 auf DVD.

Fazit: „Renaissance“ ist optisch beeindruckend, aber ansonsten leider nur mittelprächtig. Die eigenwillige Mischung aus Zukunftsvision, Film Noir und Animation ist jedoch für Sci-Fi-Fans einen Blick wert.

 

 

 


Justice League Dark (Kurzkritik)

3. Februar 2019

Wenn dunkle Magie, Dämonen und ähnliche übersinnliche Mächte die Menscheit bedrohen, müssen die gängigen Recken der Gerechtigkeitsliga wie Superman oder Wonder Woman passen. Dann sind Helden wie Constantine, Deadman oder Zatanna gefragt. Gemeinsam mit Batman und anderen bekämpfen sie in Justice League Dark die finsteren Pläne eines Magiers…

League of Extraordinary Magicians

Schaurige Verbrechen erschüttern Gotham City, Metropolis und Washington D.C. zugleich. Einzelne Bewohner der Großstädte greifen ihre Mitmenschen an, weil sie diese plötzlich für Dämonen halten. Superman (Jerry O’Connell), Wonder Woman (Rosario Dawson) und die anderen Mitglieder der „Justice League“ sind ratlos. Nachdem er einen entscheidenden Hinweis erhalten hat, macht sich Batman (Jason O’Mara) auf die Suche nach dem Okkultisten und Magier John Constantine (Matt Ryan). Constantine, Batman sowie die Illusionistin Zatanna (Camilla Luddington), der untote Artist Boston Brand alias Deadman (Nicholas Turturro) und der unsterbliche Jason Blood (Ray Chase) gehen den mysteriösen Vorfällen gemeinsam auf den Grund. Ein mächtiger Zauberer hat scheinbar finstere Mächte entfesselt…

Nach dem enttäuschenden Batman v Superman (2016) beschloss ich, mir die weiteren Kinofilme des DC Extended Universe (DCEU) wie Wonder Woman, Justice League (beide 2017) und Aquaman (2018) zu sparen. Zu meinem Geburtstag im Januar bekam ich die BluRay zu Justice League Dark von einer Freundin geschenkt. Nach Batman: Gotham Knight (2008), Batman: Year One (2011) und dem Kurzfilm Watchmen: Tales of the Black Freighter (2009) mein vierter Animationsfilm nach einem DC-Comic. Visuell knüpfen Regisseur Jay Oliva (u.a. Batman: The Dark Knight Returns) und sein Team an die gängige Zeichentrick-Ästhetik diverser DC-Animationsfilme und -serien an, wobei der Einsatz von Magie hier effektvoll und optisch ansprechend dargestellt wird. Leider sehen die Dämonen aus, als entstammten sie einer Cartoonserie der 1990ern. Ansonsten erweist sich „JLD“ als solider Streifen, der in inhaltlicher Hinsicht zwar viele Elemente und Versatzstücke anreißt, insgesamt aber dennoch nicht zu überladen wirkt. Neben den Serien-Stars Camilla Luddington (Grey’s Anatomy) als Zatanna und Jason O’Mara (Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.) gehört auch Matt Ryan zum Voicecast in der Originalfassung, der seine Rolle aus der kurzlebigen Live-Action-Serie Constantine (2014/15) wieder aufnimmt, wobei er diese auch im Arrowverse verkörpert. Mit der animierten Webserie Constantine: City of Demons erhielt der Okkultismus-Detektiv/Magier außerdem ein Spin-Off. Interessant für mich als jemand, der sowohl die Comics von DC oder Marvel kaum (eigentlich nur aus den Filmen) kennt, dass einige Figuren ihr jeweiliges Gegenstück im anderen Universum besitzen, etwa Constantine – Doctor Strange, Zatanna – Scarlet Witch oder Jason Blood – Hulk (als Versionen von Dr. Jekyll/Mr. Hyde).

Justice League Dark ist seit dem 23. März 2017 auf DVD und BluRay erhältlich. Seit Oktober 2018 gibt es die bisherigen fünf Episoden von Constantine: City of Demons als Schnittfassung in Spielfilmlänge ebenfalls fürs Heimkino.

Justice League Dark
Animationsfilm USA 2017. FSK 12. 76 Minuten. Originalsprecher: Matt Ryan (Constantine), Camilla Luddington (Zatanna), Jason O’Mara (Batman), Nicholas Turturro (Boston Brand/Deadman), Ray Chase (Jason Blood/Etrigan), Jeremy Davies (Ritchie Simpson), Roger Cross (Swamp Thing), Colleen Villard (Orchid), Alfred Molina (Destiny) u.a. Regie: Jay Oliva. Drehbuch: Ernie Altbacker.

Credits:
Bilder (c) Warner Animation/DC.


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