Zum 60. Geburtstag von Lisa Gerrard

12. April 2021

Ich persönlich tue mich schwer bei Medien (Filmen, Serien, Musik) sehr schwer jeweils einzelne Favoriten zu benennen. Außer beim Thema Lieblingssängerin, bei welchem ich mich ziemlich eindeutig auf Lisa Gerrard festlegen kann. Am heutigen 12. April 2021 feiert die australische Sängerin/Vokalistin und Komponistin, die sich vor allem als weibliche Hälfte der Band Dead Can Dance aber auch durch Filmmusiken einen Namen gemacht hat, ihren 60. Geburtstag.

Die Anfänge

Lisa Germaine Gerrard kommt am 12. April 1961 als Tochter von Nanette und John Gerrard, Migranten aus Irland, in Melbourne zur Welt. Sie wächst mit zwei Brüdern im Melbourner Vorort Prahran auf. Die aus den Häusern schallende Musik der überwiegend griechisch-und türkischstämmigen Nachbarschaft haben großen Einfluss auf Gerrards Musik. Als Kind wird Lisa wegen ihrer damals schon eigenwilligen Gesangsstimme von einem Gesangslehrer abgelehnt. Aus heutiger Sicht muss man fast sagen, dass ihr so „glücklicherweise“ eine klassische Gesangsausbildung verwehrt blieb. Ende der 1970er wird Lisa Teil der experimentellen Melbourner Postpunkszene, etwa als Sängerin der kurzlebigen Band Microfilm. Eines Tages lernt sie Brendan Perry (geb. 1959) kennen. Gemeinsam mit ihm und anderen entsteht die Band Dead Can Dance.


(c) 4AD / Dead Can Dance

Dead Can Dance

Enttäuscht von den überschaubaren Möglichkeiten der australischen Musikszene siedeln Dead Can Dance 1982 nach London über. Nach mehreren Abgängen bleiben nur Lisa Gerrard und Brendan Perry, damals auch privat ein Paar, übrig. Schließlich ergattern Gerrard und Perry einen Plattenvertrag beim Indie-Label 4AD. Zwischen 1984 und 1996 veröffentlicht Dead Can Dance sieben Studioalben, eine EP, eine Compilation und ein Live-Album. Während der Aufnahmen zum geplanten achten Album kommt es 1998 zu einem folgenschweren Streit zwischen Lisa und Brendan. Dead Can Dance scheint beendet. Doch für eine Welttournee 2005 kommt das Duo wieder zusammen. 2012 und 2018 erscheinen zwei neue Alben, begleitet von mehrteiligen Tourneen der Band. Im Laufe der Zeit deckt Dead Can Dance eine überaus breite Auswahl an Genres und Stilen ab, von Post-Punk und Goth Rock in den frühen Jahren über Neoklassik und Dark Wave bis hin zu Weltmusik. Fast jedes Album von DCD unterscheidet sich von den anderen. Interessant auch die grundsätzliche Zweiteilung. Da gibt es die eher abstrakten Kompositionen mit Lisas idiosynkratischem, wortlos-vokalisierendem Gesang, auf der einen, die mit überaus poetischen Lyrics und warmer Bariton-Stimme aufwartenden Songs von Brendan auf der anderen Seite. Dass beide im gleichen Stück miteinander singen ist eher selten.


(c) 4AD / Dead Can Dance / Magidson Film

(c) 4AD / Dead Can Dance

(c) 4AD / Dead Can Dance

Filmmusiken und mehr

Noch zu DCD-Zeiten veröffentlicht Gerrard 1995 mit The Mirror Pool ihr erstes Solo-Album. Ihren größten „Mainstream-Erfolg“ feiert die Australierin durch ihre Mitarbeit an der mit einem Golden Globe ausgezeichneten und Oscar-nominierten Filmmusik zum Historienblockbuster Gladiator (2000) an der Seite des deutschen Filmkomponisten Hans Zimmer. Weitere Filmscore oder auch einzelne Beteiligungen an Soundtracks sollten folgen, wie z.B. Whale Rider, Layer Cake oder Balibo. Im Grunde war Lisa Gerrard eine Karriere im Bereich Filmmusik vorgezeichnet. Denn bereits die Musik von Dead Can Dance besitzt cineastische Dimensionen und Qualitäten. Für den spanischen Mystery/Fantasy-Film Moon Child (OT: El Niño de la Luna; 1989) komponiert das Duo die Musik und Lisa Gerrard feiert ihr Debüt als Schauspielerin, ihre einzige Filmrolle. Immer wieder findet die Musik von Dead Can Dance Verwendung in Film- und Serien-Soundtracks, Trailern oder wird gesampelt.


(c) 4AD

(c) Decca

Lisa Gerrard arbeitet über die Jahre mit unterschiedlichsten Künstlern zusammen, wie ihrem Landsmann Pieter Bourke, dem deutschen Elektronikmusiker Klaus Schulze (früher Tangerine Dream), dem irischen Komponisten Patrick Cassidy und vielen anderen. Seit den 2010er Jahren erweist sich Gerrard auch als gefragte Interpretin für Klassik aus Osteuropa, bei ihren Kollaborationen mit dem polnischen Komponisten Zbigniew Preisner, dem ungarischen Pianisten Balász Havasi oder dem bulgarischen Dirigenten Yordan Kamdzhalov (Genesis Orchestra). Als Lisa von Mystery of the Bulgarian Voices zu einer Zusammenarbeit eingeladen wird erfüllt sich für sie ein Traum. Denn der traditionsreiche bulgarische Frauenchor zählt seit den 1980ern zu ihren Vorbildern. Es entsteht das gemeinsame Album BooCheeMish und die sangesstarken Damen gehen gemeinsam auf Europa-Tournee. Beim Konzert in Hamburg im Oktober 2018 bekomme ich die Gelegenheit, Lisa Gerrard kurz persönlich zu treffen. Völlig surreal, dass die einmalige Musikerin in jener milden Oktobernacht leibhaftig vor mir steht, wirkt doch ihr Werk so gar nicht von dieser Welt.


(c) PIAS / Dead Can Dance

Ich selbst werde erst 2003 auf Lisa Gerrard aufmerksam. Es muss wohl mit einer Sichtung von Gladiator begonnen haben. Danach entdecke ich ihre Musik anhand einzelner Stücke und des ersten Soloalbums bis ich knapp ein Jahr auf das damals reichhaltigere Œuvre von Dead Can Dance stoße. Der Rest ist Geschichte. 18 Jahre später habe ich zwar (vor allem in den letzten gut zehn Jahren) meinen Horizont massiv erweitert, aber Lisa Gerrard und Dead Can Dance bilden immer noch die Fixsterne in meinem musikalischen Universum.

Happy Birthday, Lisa Gerrard!

Werke (Auswahl)

Dead Can Dance-Alben
1984 Dead Can Dance
1984 Garden of the Arcane Delights (EP)
1985 Spleen and Ideal
1987 Within the Realm of a Dying Sun
1988 The Serpent’s Egg
1990 Aion
1991 A Passage in Time (Compilation)
1993 Into the Labyrinth
1994 Toward the Within (Live)
1996 Spritchaser
2001 1981 – 1998 (Best of)
2012 Anastasis
2013 In Concert (Live)
2018 Dionysus

Soloalben
1995 The Mirror Pool
2006 The Silver Tree
2009 The Black Opal
2014 Twilight Kingdom

Kollaborationen
1998 Lisa Gerrard & Pieter Bourke: Duality
2004 Lisa Gerrard & Patrick Cassidy: Immortal Memory
2008 Klaus Schulze feat. Lisa Gerrard: Farscape
2008 Klaus Schulze feat. Lisa Gerrard: Rheingold
2009 Klaus Schulze feat. Lisa Gerrard: Dziękuję bardzo (Live)
2009 Lisa Gerrard with Klaus Schulze: Come Quietly
2010 Lisa Gerrard & Marcello De Francisci: Departum
2010 Cye Wood & Lisa Gerrard: The Trail of Genghis Khan
2013 Zbigniew Preisner feat. Lisa Gerrard & Archie Buchanan: Diaries of Hope
2018 Mystery of the Bulgarian Voices feat. Lisa Gerrard: BooCheeMish
2018 Lisa Gerrard & David Kuckhermann: Hiraeth
2021 Lisa Gerrard & Jules Maxwell: Burn

Filmscores/Soundtracks
1989
Moon Child (als Dead Can Dance)
1992 Baraka (als Dead Can Dance, mit Michael Stearns)
1998 The Insider (mit Pieter Bourke)
2000 Gladiator (mit Hans Zimmer)
2000 Mission: Impossible 2 (mit Hans Zimmer)
2001 Ali (mit Pieter Bourke)
2003
Whale Rider
2004 Man on Fire (mit Harry Gregson-Williams)
2004 Salem’s Lot (Miniserie) (mit Patrick Cassidy & Christopher Gordon)
2004 Layer Cake (mit Ilan Eshkeri)
2005 Fateless (mit Ennio Morricone)
2008 Ichi (mit Michael Edwards)
2009 Balibo
2011 Samsara (mit Michael Stearns und Marcello de Francisci)
2013 Die Bibel (Miniserie) (mit Hans Zimmer)
2014
I, Frankenstein (mit Johnny Klimek und Reinhold Heil)
2015 Armello (Videospiel) (mit Michael Allen)

Filmauftritte
1989 Moon Child (weibliche Hauptrolle)
1994 Toward the Within (Konzertfilm)
2006
Sanctuary: Lisa Gerrard (Dokumentation)

 

 


Tilda Swinton Festival: David Cooperfield – Einmal Reichtum und zurück

25. November 2020

Als nächsten Beitrag meines persönlichen TSFs habe ich mir nach dem Frühwerk Egomania einen aktuellen Film mit Tilda Swinton angesehen.

In Armando Iannuccis Verfilmung von Charles Dickens bekanntem Bildungsroman David Copperfield spielt Tilda Swinton als Betsey Trotwood zwar keine Hauptrolle, gehört aber zu einem wundervollen, homogenen Darsteller-Ensemble, angeführt von Dev Patel als Titelheld. In rasanter Manier springt der Film durch die unterschiedlichen Stationen im Leben seines Protagonisten, von der Kindheit bis zur erfolgreichen Karriere als Schriftsteller.

Zur kompletten Kritik bei Vieraugen Kino

 

 


Tilda Swinton Festival: Egomania – Insel ohne Hoffnung

12. November 2020

Zur Eröffnung meines persönlichen TSF habe ich mir nicht Tilda Swintons ersten Film (Caravaggio [1986]), sondern ihren zweiten angesehen: Egomania – Insel ohne Hoffnung (ebenso von 1986). Darin spielte die damals 25jährige unter Regie von Christoph Schlingensief an der Seite von Udo Kier.



Auf einer abgelegenen Insel lebt nur eine Handvoll Menschen über welche der tyrannische Baron (Udo Kier) herrscht. Die Liebe zwischen William (Uwe Fellensiek) und Sally (Tilda Swinton) bedroht den fragilen Frieden auf dem Eiland. Sogleich macht sich der Baron daran, das junge Glück zu zerstören…

Theater-Macher, Aktionskünstler und Filmregisseur Christoph Schlingensief (1960-2010) hat mit diesem mittlerweile 34 Jahre alten Streifen einen hemmungslos überkandidelten Experimentalfilm geschaffen.

Zu meiner vollständigen Kritik bei Vieraugen Kino

Linktipp:
Tilda Swinton Festival – And so it begins

 

 

 


Tilda Swinton Festival – And so it begins

3. November 2020

In zwei Tagen, am 5. November 2020, feiert Tilda Swinton ihren 60. Geburtstag. Wer mich ein wenig kennt, weiß, dass ich die schottische Ausnahme-Schauspielerin sehr verehre. Daher möchte ich in den nächsten Wochen und Monaten einige Filme mit ihr ansehen und rezensieren.

Doch wie begann meine Faszination für die hochgewachsene, androgyne Aktrice?

Ich muss wohl 15 gewesen sein. Es war ein Donnerstag Abend. Die Eltern waren aus und ich hatte den Fernseher für mich. Zuvor hatte ich in der TV-Zeitschrift gelesen, dass auf 3sat ein Film über eine Figur gezeigt wird, die zwischendurch das Geschlecht wechselt: Orlando (1992), von Sally Potter, nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf. Titel- und Hauptfigur ist ein junger Edelmann, der über die Jahrhunderte kaum altert und eines Tages als Frau erwacht. Ich war fasziniert von der Idee und vor allem von Tilda Swintons Performance, die beide „Inkarnationen“ verkörperte.

Katherine Matilda „Tilda“ Swinton, Tochter einer altehrwürdigen schottischen Adelsfamilie, begann ihre Schauspielkarriere (nach ihrem Universitätsabschluss 1983 in Sozial- und Politikwissenschaften in Cambridge) am Theater und in experimentellen Filmen, vor allem von Regisseur Derek Jarman. Gekonnt pendelt sie in ihrer Rollenauswahl immer wieder zwischen anspruchsvollem Indie- und Arthouse-Kino (u.a. für Jim Jarmusch oder Luca Guadagnino) sowie großen Mainstream-Produktionen (etwa als Jadis bei den Chroniken von Narnia oder als „Ancient One“ im Marvel Cinematic Universe). Für ihren Rolle in Michael Clayton (2007) gewann Swinton 2008 den Oscar als beste Nebendarstellerin. Aber sie ist nicht nur im Kino zuhause, sondern wirkt(e) auch als Performance-Künstlerin (etwa als lebendes Ausstellungsstück in einer Londoner Galerie) und Model/Fashion-Ikone.

In nächster Zeit will ich versuchen, mich möglichst vielen Werken aus ihrer Filmographie, die ich entweder noch nicht gesehen und/oder noch nicht rezensiert habe, zu widmen. Open end possible.

Bereits rezensierte Filme:

2005 Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia
2008 Burn After Reading
2008 Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia
2008 Der seltsame Fall des Benjamin Button
2010
Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte
2013 Only Lovers Left Alive
2013 The Zero Theorem
2016 Doctor Strange
2018 Isle of Dogs – Ataris Reise (Sprecherin in Originalfassung)
2018 Suspiria
2019 Avengers: Endgame
2019 The Dead Don’t Die

Credits
Bild (c) Arthaus/Kinowelt.

 


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