Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (2021)

Ein letzter weihnachtlicher Film vor dem Fest muss noch sein. Seit dieser Woche gibt es ausgerechnet eine Neuverfilmung des beliebten Märchenfilms Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Ich war skeptisch. Kann die neue Version überzeugen?


Norwegisches Wintermärchen

Nach dem Tod ihrer Eltern lebt Aschenbrödel (Astrid Smeplass) mit ihrer Stiefmutter (Ellen Dorrit Petersen) und Stiefschwester Dora (Ingrid Glæver) auf einem abgelegenen Gut im winterlichen Norden. Die Stiefmutter behandelt Aschenbrödel wie eine Dienstmagd. Doch die junge Frau flüchtet sich immer wieder in ihr eigenes Leben in der Natur. Bei einem Ausritt trifft Aschenbrödel auf einen jungen Mann (Cengiz Al), der Probleme mit seinem Pferd hat. Der junge Mann ist der Prinz des Landes, der bald auf Befehl seiner königlichen Vaters (Thorbjørn Harr) heiraten soll. Auf einem Ball im königlichen Schloss, zu welchem alle jungen vornehmen Damen eingeladen sind, soll der Prinz seine zukünftige Gattin auswählen. Die Stiefmutter bereitet Dora rigoros auf den Ball vor, um die Gunst des Thronfolgers zu gewinnen. Eher zufällig gelangt Aschenbrödel in den Besitz dreier magischer Nüsse und erhält selbst eine Chance auf dem Fest zu tanzen…

In meiner gestern veröffentlichten Rezension zum Original von 1973 habe ich ausgeführt, warum der knapp 50 Jahre alte tschechoslowakisch-ostdeutsche Märchenfilm ein zeitloser Klassiker wurde. Generell bin ich bei vielen Dingen pessimistisch veranlagt und bei Remakes grundsätzlich sehr skeptisch. Mit einer solchen Einstellung wird man allerdings manchmal doch positiv überrascht. Das passierte mir ausgerechnet bei der norwegischen „Aschenbrödel“-Neuverfilmung!

Die Idee dazu hatten norwegische Filmemacher schon länger und baten Václav Vorlíček, den Regisseur des Originals, auch beim Remake Regie zu führen. Vorlíček lehnte dies ab, erlaubte aber den Verkauf der Lizenzen. Unter Regie der auch als Schauspielerin tätigen Cecilie Mosli (Mammon), die auch bereits zwei Folgen der US-Arztserie Grey’s Anatomy inszeniert hatte, fanden die Dreharbeiten überwiegend in Litauen, aber auch in einem Freilichtmuseum im norwegischen Lillehammer und dem Jotunheimen-Gebirge statt. Auch beim neuen Film verzichtet man auf eine effektüberladene Inszenierung und setzt vor allem auf die natürliche Schönheit der tief verschneiten Landschaft und die magische Aura der Drehorte, wobei die Bilder durchaus Kinoformat besitzen. In Norwegen gab es im November 2021 auch einen Kinostart.

Inhaltlich handelt es sich fast um eine 1:1-Adaption der bekannten Geschichte. Das mag jetzt einfallslos klingen, funktioniert aber aus meiner Sicht sehr gut. Hier und da wurden Elemente leicht modifiziert und behutsam modernisiert, ohne jetzt den Geist des Originalfilms zu verraten. Auffallend ist der teils diverse Cast, in einigen aktuellen „historischen“ Produktionen (z.B. The Great) derzeit nicht unüblich. Die passende Portion Humor besitzt das Remake ebenfalls. Die Titelheldin spielt Astrid Smeplass, die sich bisher weniger als Schauspielerin denn vielmehr unter ihrem Künstlernamen Astrid S als Sängerin einen Namen gemacht hat. Smeplass überzeugt mit ihrer unaufdringlichen Ausstrahlung, erinnerte mich optisch bisweilen an Imogen Poots (Vivarium) und Johanna Christine Gehlen (bekannt etwa durch die Neuauflage von Sketchup). Cengiz Al gibt einen etwas zögerlichen und sensibleren Prinzen. Die von Ellen Dorrit Petersen gespielte Rolle der Stiefmutter wird hier etwas düsterer und unheimlicher angelegt. Das solide Ensemble wird durch einen kleinen Gastauftritt von Game of Thrones-Wildling Kristofer Hivju ergänzt.

Natürlich bleibt es dabei, dass das „Original-Aschenbrödel“ unerreicht bleibt. Die Neuauflage hätte man im Grunde auch nicht wirklich gebraucht. Aber Mosli und ihrem Team ist eine gelungener Variante des beliebten Klassikers gelungen, der vielleicht nicht den Kultstatus des Vorgängers erreichen wird, aber eine Sichtung verdient hat.

Die norwegische Neuverfilmung von Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ist seit dem 20. Dezember 2021 bei Amazon Prime verfügbar.


Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (Tre nøtter til Askepott)
Märchenfilm Norwegen 2021. FSK 6. 87 Minuten.
Mit: Astrid Smeplass, Cengiz Al, Ellen Dorrit Petersen, Ingrid Glæver, Bjøorn Sundquist, Anne Marit Jacobsen, Thorbjørn Harr, Nasrin Khusrawi, Sjur Vatne Brean, Arthur Hakalahti, Nils Jørgen Kalstaad u.a. Nach dem gleichnamigen Märchen von Božena Němcová und Aschenputtel der Gebrüder Grimm sowie dem Originalfilm von František Pavlíček und Václav Vorlíček. Drehbuch: Karsten Fullu, Kamilla Krogsveen, Anna Bache-Wiig, Siv Rajendram. Regie: Cecilie Mosli.

 


Credits
Bilder (c) Sola Media/Amazon.

 

 

 

 

 

4 Responses to Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (2021)

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  2. […] Filme (in alphabetischer Reihenfolge) Annette Beauty Water Covid Metamorphosen Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (2021) Gunpowder Milkshake Das Haus (2021) Rote Robin (Kurzfilm) Ruben Brandt, […]

  3. […] x 8 Punkte Das blutrote Kleid (HK) Covid Metamorphosen (S) Cryptozoo (S) Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (2021) (S) Die Erlösung der Fanny Lye (F/HK) Filles de Joie – Freudenmädchen (F/S) Halef (F) […]

  4. Herba sagt:

    Das klingt ka gar nicht mal so schlecht, aber ich glaube, ich bleibe beim Original und beim Remake-Verweigern 🙂

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