La Flor – mwj schaut den Mammutfilm (2)

Vor knapp zwei Jahren hörte ich zum ersten Mal von La Flor, einem argentinischen Film mit einer stolzen Länge von 14 (!) Stunden. Aktuell ist das komplette, cineastische Mammutwerk in der Arte-Mediathek kostenlos verfügbar. Und ich habe mich daher an das gigantische Unterfangen der Sichtung herangewagt. Nun folgt die zweite Etappe des kuriosen Binge-Watching-Erlebnisses dieses besonderen Filmepos.


Einen Tag nach der Sichtung des ersten von insgesamt drei Teilen (so die Aufteilung in der Arte-Mediathek), welcher die Episoden I und II von insgesamt 6 Episoden von La Flor beinhaltet und mit einer stattlichen Laufzeit von 3 Stunden 34 Minuten bezüglich der Zeit in einer ähnlichen Liga wie die „Extended Edition von Der Herr der Ringe: Die Gefährten oder der „Ultimate Cut“ von Watchmen spielt, ging es mit dem zweiten Teil weiter. Im ersten Beitrag vergaß ich zu erwähnen, dass von den sechs Geschichten/Episoden, die zusammen den 14stündigen Gesamtfilm ergeben, die ersten vier quasi kein Ende haben. Fast endlos schien Episode III, die sich über den gesamten zweiten Teil erstreckt.

¡Ándale!

Episode III

Um die Dimensionen dieser Episode gleichmal direkt abzustecken: es handelt sich hierbei um einen 5 Stunden (!) und 27 Minuten langen Agentenfilm (aufgeteilt auf drei Akte und 10 Kapitel inklusive zwei Pausen von 10 bzw. 3 Minuten), in welchem gefühlt fast nichts passiert. Vier Agentinnen – Agente 50 (Elisa Carricajo), La 301 (Laura Paredes), La niña (Valeria Correa) und die stumme Theresa (Pilar Gamboa) – sollen den entführten Wissenschaftler Dreyfuss (Horacio Marassi) befreien. Der Plan geht allerdings nicht ganz auf. Zudem hat ihr Auftraggeber Casterman (Marcelo Pozzi) den vier Frauen ein Quartett von Killerinnen auf den Hals gesetzt, welche die unliebsamen Spioninnen ausschalten sollen. So weit, so gut. Ein bisschen wenig Stoff für über mehr als fünf Stunden, oder? Daher „verliert“ sich die ganze Geschichte auch immer wieder in Rückblenden. Zu Anfangs geht es bei diesen noch um die Hintergründe der als „Operation Hercules“ bezeichneten, in den 1980ern spielenden Mission. Doch ein Großteil widmet sich den Origin Stories der vier Agentinnen. Der längste Agentenfilm aller Zeiten vereint mehrere Aspekte des Themas in einem: Spionage im Kalten Krieg, die kalte Geheimdienstbürokratie der Sowjetunion, die unausgesprochene Liebe zweier eingespielter Auftragskiller und die schaurige Lebensgeschichte einer ehemaligen Guerillakämpferin (siehe Black Lagoon: Roberta’s Blood Trail). Als ob Regisseur Mariano Llinás und sein Team fast alle mögliche Facetten internationaler Spionage in einer Geschichte abhandeln und philosophisch hinterfragen wollten, nur um das Genre irgendwie zu dekonstruieren. So ähnlich stelle ich mir einen Spionagefilm von Béla Tarr, dem ungarischen Altmeister des langsamen Films (sein Werk Satanstango geht siebeneinhalb Stunden) vor.

Actionszenen gibt es in dieser überaus antiklimaktischen Angelegenheit im Grunde keine, nur sehr kurze Schusswechsel und ein paar absichtlich albern-lustlose „Prügelszenen“. Bei den ausgedehnten Rückblenden kommen mehrere Off-Sprecher zum Einsatz. Diese Mischung aus postmodernem Roman und ruhig erzähltem Kino erinnert mich sehr an Migues Gomes‘ in drei Teilen veröffentlichte, halbdokumentarische Meta-Geschichtensammlung 1001 Nacht (2015) aus Portugal. Dem internationalen Setting geschuldet sind hier fast alle Dialoge nachsynchronisiert, was bisweilen irritierend wirkend kann. Denn waren die Episoden I ud II noch fast komplett auf Spanisch, so kommen in Nummer III Dialoge in Französisch (die gemeinsame Sprache der vier Agentinnen), Englisch, Deutsch, Schwedisch und Russisch hinzu. Freilich ist das alles komplett deutsch untertitelt.

Nach diesem zugegebenermaßen sehr langem, aber auf eigenwillige Art auch beeindruckenden Mittelteil bin ich erleichtert, dass der die Episoden IV bis VI enthaltende dritte und letzte Teil „nur“ knapp fünf Stunden (299 Minuten) dauern wird. Etwa zwei Drittel der 14 Stunden sind also geschafft. 😉

Continuará (Fortsetzung folgt)…

Aufgeteilt auf drei Videos ist der komplette Film La Flor noch bis 30.09.2021 in der Arte-Mediathek abrufbar sowie seit Januar 2020 auf DVD und BluRay erhältlich.

La Flor
Anthologie-Epos Argentinien 2018. FSK o.A. 808 Minuten. OmdU. Mit: Elisa Carricajo, Valeria Correa, Pilar Gamboa, Laura Paredes u.v.a. Drehbuch und Regie: Mariano Llinás.

Credits
Bild (c) absolut MEDIEN

 

3 Responses to La Flor – mwj schaut den Mammutfilm (2)

  1. […] Teil 1 (Episoden I und II, 3 Stunden 34 Minuten) und Teil 2 (Episode III, 5 Stunden 27 Minuten) folgen im letzten der drei Teile die verbleibenden Episoden IV, […]

  2. […] der Woche C.S. Lewis & der Traum von Narnia (Doku) La Flor – mwj schaut den Mammutfilm (1) La Flor – mwj schaut den Mammutfilm (2) La Flor – mwj schaut den Mammutfilm […]

  3. […] (Royal Edition) C.S. Lewis & der Traum von Narnia (Doku) Desperado (1995) La Flor (Teil 1) La Flor (Teil 2) La Flor (Teil 3) Der Illusionist (2010) Lost Girls and Love Hotels Rezensionsleiche von 2009 […]

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