La Flor – mwj schaut den Mammutfilm (1)

Vor knapp zwei Jahren hörte ich zum ersten Mal von La Flor, einem argentinischen Film mit einer stolzen Länge von 14 (!) Stunden. Aktuell ist das komplette, cineastische Mammutwerk in der Arte-Mediathek kostenlos verfügbar. Und ich habe mich daher an das gigantische Unterfangen der Sichtung herangewagt.


Mit einer Laufzeit von 13 Stunden und 28 Minuten (ohne die vorgesehenen Pausen) ist La Flor (zu deutsch „die Blüte“ oder „die Blume“) laut Wikipedia der drittlängste Kinofilm aller Zeiten. Aufgeteilt ist das Mammutwerk in sechs Episoden und acht Akte. Jeder der Episoden erzählt eine eigene Geschichte und bedient ein anderes Genre. Die Dreharbeiten zum kompletten Film unter Regie und nach Drehbuch von Mariano Llinás zogen sich über einen Zeitraum von zehn Jahren hin. Cast und Crew arbeiteten in diesem Zeitraum auch an anderen Projekten. Im Prolog erklärt Llinás, dass im Zentrum von La Flor die vier Darstellerinnen Elisa Carricajo, Valeria Correa, Pilar Gamboa und Laura Paredes stehen, die in jeder Episode jeweils eine andere Rolle übernehmen. Nach der Premiere auf dem Internationalen Filmfestival des Independent-Films in Buenos Aires im April 2018 lief das Epos an Ende Juli 2019 in ausgewählten deutschen Kinos. Im Januar 2020 kam es hierzulande zur Heimkinoauswertung auf DVD und BluRay.

Da ich derzeit ein paar Tage Urlaub habe und das gigantische Werk kostenlos in der Arte-Mediathek verfügbar ist, habe ich nun meine Sichtung gestartet, die natürlich in mehreren Etappen vonstatten geht. ¡Ándale!

Episode I

Die Mitarbeiter einer abgelegegenen Ausgrabungsstätte bereiten sich auf die Osterfeiertage vor. Weil aber pltötzlich noch eine Ladung mit einer Mumie eintrifft müssen die Leiterin Dr. Lucia Conti (Laura Paredes) und ihre Kollegin, die zurückhaltende Marcela (Elisa Carricajo), die eigentlich freien Tage allein im Institut verbringen. Plötzlich zeigt die dort lebende Katze extrem aggressives Verhalten und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Der zur Hilfe gerufene Tierarzt Claudio (Federico Buso) kann sich die Symptome auch nicht erklären. Da beginnt sich auch die junge Mitarbeiterin Yanina (Valeria Correa) merkwürdig zu benehmen.
Wie der Regisseur im Prolog erklärt handelt es sich bei der ersten Episode um ein B-Movie der Art, wie man sie früher in den USA produzierte. In äußerst langen Einstellungen bleibt die Kamera immer ganz nah bei den Schauspielern. Die Szenen der Aggression und Verwüstung werden nie wirklich gezeigt, sondern sind meist nur aus dem Off zu hören. Die Inszenierung wirkt insgesamt sehr zurückgenommen, bis auf die teils überzeichnet treibende, unheilsschwangere Musik. Eine Episode zwischen Horror und Mystery, die auch als Folge von Akte X oder einer Anthologie-Serie wie Twilight Zone oder The Outer Limits funktionieren könnte.

 

Episode II

In der zweiten Episode werden eigentlich zwei Geschichten erzählt, die an sich wenig miteinander zu tun haben, aber eine der Figuren bildet das Bindeglied zwischen beiden Handlungssträngen. Lange Jahre waren Ricky (Héctor Diaz) und Victoria (Pilar Gamboa) sowohl musikalisch als auch privat das absolute Traumpaar. Doch nun ist ihre Beziehung in die Brüche gegangen und getrennt voneinander sollen sie einen letzten Song aufnehmen, was sich aus unterschiedlichen Gründen jedoch als schwierig gestaltet. Parallel geht es um eine mysteriöse Gruppe, die von der dominanten Anführerin Isabella (Elisa Carricajo) und dem Wissenschaftler Garcia (Marcelo Mariño) geleitet wird und die Auswirkungen des Giftes einer seltenen Skorpion-Gattung erforscht. Während ich die erste Episode als ganz solide empfand gefiel mir die zweite etwas besser. Da wäre zum das Beziehungsdrama um die beiden Musiker, das mit seinen überaus vieldeutigen Songs und gleichzeitig dem Entzaubern des Starrummels besticht. Die Story mit dem Skorpion-Geheimbund wirkte auf mich dagegen recht schräg und etwas surreal, auch durch die übertheatralische Musik, die einen Gegenpol zu den eher einfach gestrickten, aber schönen Songs darstellt. Wie zuvor liegt der inszenatorische Schwerpunkt auf äußerst langen Kameraeinstellungen und intensiven Dialog-Szenen bzw. Monologen. In der Bildgestaltung arbeiten Regisseur Llinás und sein Team fast durchgehend mit absichtlichen Unschärfen.

Für die Veröffentlichung in seiner Mediathek hat der deutsch-französische Kultursender Arte die sechs Episoden auf drei Videos aufgeteilt (Teil 1, Teil 2 und Teil 3). Zusammengerechnet ergeben diese drei Teile allerdings eine Laufzeit von ca. 840 Minuten, also genau 14 Stunden. Diese längere Fassung beinhaltet die Pausen, die bei der Vorführung im Kino geschaltet wurden. Teil 1, der die Episoden 1 und 2 beinhaltet, ist 214 Minuten (3 Stunden 34 Minuten) lang. Nach etwa zweieinhalb Stunden folgt eine ca. dreiminütige Pause und die letzten siebeneinhalb Minuten zeigt der Bildschirm nur „Continuará“ (spanisch für „Fortsetzung folgt“) an während ein Song aus der vorherigen Geschichte läuft. Die richtigen Mammutfolgen habe ich allerdings noch vor mir. Das Video zu Teil 2 ist 327 Minuten (5 Stunden 27 Minuten) lang, Teil 3 geht knapp 5 Stunden (299 Minuten). Bis jetzt hielten sich die Längen für mich auch noch in Grenzen. Es ist allerdings zu vermuten, dass mich die vier Darstellerinnen bald in meinen Träumen heimsuchen werden. 😉

Continuará (Fortsetzung folgt)…

Aufgeteilt auf drei Videos ist der komplette Film La Flor noch bis 30.09.2021 in der Arte-Mediathek abrufbar sowie seit Januar 2020 auf DVD und BluRay erhältlich.


La Flor
Anthologie-Epos Argentinien 2018. FSK o.A. 808 Minuten. OmdU. Mit: Elisa Carricajo, Valeria Correa, Pilar Gamboa, Laura Paredes u.v.a. Drehbuch und Regie: Mariano Llinás.


Credits
Bilder (c) absolut MEDIEN

 

 

 

 

 

4 Responses to La Flor – mwj schaut den Mammutfilm (1)

  1. […] Tag nach der Sichtung des ersten von insgesamt drei Teilen (so die Aufteilung in der Arte-Mediathek), welcher die Episoden I und II […]

  2. […] Teil 1 (Episoden I und II, 3 Stunden 34 Minuten) und Teil 2 (Episode III, 5 Stunden 27 Minuten) folgen im […]

  3. […] der Woche C.S. Lewis & der Traum von Narnia (Doku) La Flor – mwj schaut den Mammutfilm (1) La Flor – mwj schaut den Mammutfilm (2) La Flor – mwj schaut den Mammutfilm […]

  4. […] Der König von Narnia (Royal Edition) C.S. Lewis & der Traum von Narnia (Doku) Desperado (1995) La Flor (Teil 1) La Flor (Teil 2) La Flor (Teil 3) Der Illusionist (2010) Lost Girls and Love Hotels […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Meine Welt der Bücher 📚

Rezensionen und mehr (02012482970)

LESELISTEN

LITERATUR - PROSOPAGNOSIE - FILM

Neue Filmkritik

braucht das Land

Apokalypse Film

Schaut vor der Apokalypse keine schlechten Filme!

Klappe!

Das Filmmagazin

Bette Davis left the bookshop

Bücher, Filme und viel mehr

VERfilmt&ZERlesen

Wo Kafka und Kubrick sich treffen

Schreiben als Hobby, kreativ sein - Poetik für Anfänger

Aus den Aufzeichnungen der Skáldkonur: Wo Worte sich zu Texten fügen, ist es Zeit für den Barden seine Geschichten zu erzählen.

11ersfilmkritiken.wordpress.com/

Ich heiße euch herzlich auf meinem Blog willkommen.

Weltending.

Buch. Musik. Film. Serie. Spiel. Ding.

Adoring Audience

Kritiken zu Filmen, Serien und Theater

Parkwelten

Freizeitparks, Kirmes & Co.

Blaupause7

die Pause zur blauen Stunde

The Home of Horn

What i like, what i don't. Short Reviews, Top-Lists, Interests.

Sneakfilm - Kino mal anders

Kino…DVD…Blu-ray…und mehr!

Gina Dieu Armstark

Passion of Arts

Filmexe - Blog über Filme und Serien

Filme und Serien werden bei uns besprochen, in Form von Kritiken und auch einem Podcast. Jede Woche gibt es zwei Filmkritiken zu Filmen die gerade im Kino laufen oder auch schon länger draußen sind, der Filmpodcast heißt Filmexe Podcast.

Miss Booleana

says "Hello World!"

Marcel Michaelsen

Selbsternannter Schriftsteller

Trivial

Friedl Von Grimm - fast eklig polygam

flightattendantlovesmovies

Die Flugbegleiterin, die gerne gute Filme und Serien guckt und darüber schreibt.

28 Books Later

Schundliteratur und anderer Unfug

neuesvomschreibtisch

You're gonna be fine.

ergothek

Der Blog mit dem DeLorean

Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Singende Lehrerin

Tagebuch einer singenden, film-, serien- und theaterverrückten Lehrerin

Xanders Blog

Ein Blog über Filme, Fernsehen, Games, Bücher, Comics und sowas.

moviescape.blog

Texte über Filme, Serien, Popkultur, Laufen und das Vatersein.

%d Bloggern gefällt das: