El Mariachi

Robert Rodriguez ist vor allem für seine unterschiedlichen Filme wie Spy Kids (2001), Sin City (2005) oder Machete (2010) bekannt. Doch seinen ersten abendfüllenden Spielfilm drehte der mexikanisch-stämmige US-Filmemacher für ganz wenig Geld und fast im Alleingang. In El Mariachi gerät der titelgebende Musiker aufgrund einer Verwechslung zwischen die Fronten einer blutigen Auseinandersetzung unter Gangstern.

Der Mann mit dem Gitarrenkoffer

Irgendwo in Mexiko. Ein namenloser Musiker (Carlos Gallardo) kommt in eine kleine Stadt und versucht dort, ein Engagement zu ergattern. Unterdessen tobt ein blutiger Konflikt zwischen Gangsterboss Mauricio (Peter Marquardt) und seinem ehemaligen Partner, dem eiskalten Azul (Reinol Martinez). Mauricio hat seine Männer auf Azul angesetzt. Weil sowohl der Mariachi als auch Azul (teils) in Schwarz gekleidet sind und einen Gitarrenkoffer bei sich tragen kommt es zu einer folgenschweren Verwechslung. Die Killer halten den Musiker für ihr Ziel und machen Jagd auf ihn. Der Mariachi flüchtet sich in die Bar der hübschen Domino (Consuelo Gómez), die ihm vorerst Unterschlupf gewährt…

Die Entstehungsgeschichte von Robert Rodriguez‘ Erstling ist unter Filmfans sicherlich schon legendär. Als kleiner Machete-Fan, der ansonsten mit Exploitation eher wenig am Sombrero hat, musste ich mir den Streifen früher oder später mal reinziehen. El Mariachi wurde im Sommer 1991 im mexikanischen Bundesstaat Coahuila, welcher an Texas grenzt, mit einem Budget von lediglich ca. 7.000 Dollar gedreht. Davon finanzierte Rodriguez etwa 3.000 dadurch, dass er an Medikamententests teilnahm. Bei dieser Gelegenheit schrieb er am Drehbuch und lernte auch einige Mitstreiter kennen, wie Peter Marquardt, den Darsteller des Mauricio. Marquardt sprach im Gegensatz zu den anderen Schauspielern kein Spanisch und musste daher seinen Text ablesen. Weil Rodriguez kein Geld für eine echte Filmcrew hatte, übernahm er fast alle Aufgaben beim Dreh selbst, nicht nur Regie, Skript und Produktion, sondern auch Kamera, Schnitt, Spezialeffekte und Tonschnitt, zum Teil auch mit der Unterstützung seines guten Freundes Carlos Gallardo, der den Titelhelden spielte.

Vor allem in Anbetracht der spärlichen Produktionsbedingungen erweist sich El Mariachi aus meiner Sicht als durchaus solider Action-Streifen. Insgesamt orientiert sich Rodriguez in der recht einfach gestrickten Geschichte sicherlich an Italo-Western und amerikanischen Gangsterfilmen. Neben den authentischen Locations fielen mir besonders die kuriosen Kamerafahrten auf. Da der Regisseur keinen Kamerawagen zur Verfügung hatte nutzte er seinen kaputten Rollstuhl als Ersatz. Die weitgehend trostlos-angespannte Atmosphäre wird gelegentlich durch humorvolle Szenen „aufgelockert“, etwa durch „Vorspulen“ oder Slapstick-Elemente. Wenn der Mariachi in Zeitlupe an zwei Gegnern vorbeirennt und diese sich dann vor lauter Schreck gegenseitig erschießen dann fühlte ich mich deutlich an die Agenten-Comedyserie Mini-Max (OT: Get Smart; 1965-1970) erinnert.

Obwohl Rodriguez sein Langfilmdebüt ursprünglich nur für den lateinamerikanischen Videomarkt konzipiert hatte, wurde Columbia Pictures auf den Streifen aufmerksam. Das Studio kaufte die amerikanischen Verleihrechte und investierte 200.000 Dollar in die Postproduktion. El Mariachi spielte mit 2 Millionen ein Vielfaches des ursprünglichen Budgets ein und bildet mit den wesentlich aufwändiger produzierten Fortsetzungen Desperado (1995, mit Antonio Banderas und Salma Hayek) sowie Irgendwann in Mexico (2003, mit Banderas, Hayek und Johnny Depp) die „Mexico-Trilogy“.

El Mariachi ist auf DVD und BluRay erhältlich sowie bei diversen Streaminganbietern abrufbar.

El Mariachi
Actionfilm/Neo-Western USA, Mexiko 1992. FSK 18. 81 Minuten. Mit: Carlos Gallardo, Consuelo Gómez, Peter Marquardt, Reinol Martinez, Jaime de Hoyos u.a. Drehbuch und Regie: Robert Rodriguez.

 

Credits:
Bilder (c) Columbia/Sony.

 

7 Responses to El Mariachi

  1. […] Beitrag der Woche El Mariachi […]

  2. Der beste der drei, außerdem der einzige von denen, der noch ein richtiger Film und nicht nur eine Anhäufung cooler Szenen ist…

    • mwj sagt:

      Danke für die Einschätzung.
      „Desperado“ und „Irgendwann in Mexico“ will ich auch noch ansehen. Alleine weil in beiden Danny „Machete“ Trejo mitspielt 😉

  3. bullion sagt:

    Den Film liebe ich ja sehr. Auch das Making-of ist extrem sehenswert.

    • mwj sagt:

      Ich fand vor allem den Humor herrlich. Wie der Film vorgespult wird als der Rezeptionist schnell den Killer anruft oder bei der Szene mit dem Keyboarder. Und wie erwähnt die Szene als El Mariachi auf das Auto rennt und die beiden Gangster sich versehentlich gegenseitig erschießen. Großartiger Maxwell-Smart-Slapstick! 😉

  4. […] & MarieEl MariachiNico, 1988Austin PowersFree […]

  5. […] Jahre nach seinem Ultra-Low-Budget-Debüt El Mariachi drehte Robert Rodriguez die Fortsetzung Desperado, in welcher es der dieses Mal von Antonio […]

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