Wizards of the Lost Kingdom

Nach einem halben Dutzend anspruchsvoller Filme bei der Internationalen Filmwoche in Würzburg stand mir der Sinn nach leichter Unterhaltung. Daher konsumierte ich den billigen „Fantasy-Kracher“ Wizards of the Lost Kingdom.

Rogers Resterampe

Im Königreich Axeholme lebt der junge Simon (Vidal Peterson), Sohn des Hofmagiers Wulfrik (Edgardo Moreira). Mit Unterstützung von Königin Udea (Barbara Stock) stürzt und tötet der böse Magier Shurkan (Thom Christopher) den König (Augusto Larreta). Dessen Tochter, Prinzessin Aura (Dolores Michaels), landet im Kerker. Wulfrik gelingt es gerade noch seinem Sohn Simon einen magischen Ring zu übergeben bevor der Hofzauberer im Kampf mit Shurkan sein Leben lässt. Gemeinsam mit seinem befellten Freund Gulfax (Edgardo Moreira) gelingt Simon die Flucht. Unterwegs treffen die beiden auf Krieger Kor (Bo Svenson), der sich dazu überreden lässt, Simon im Kampf gegen Shurkan zu unterstützen…

Was der Bezos’sche Algorithmus so alles verzapt! Weil ich vor etwa einem halben Jahr Deathstalker – Der Todesjäger (1983) gesichtet hatte wurde mir doch glatt Wizards of the Lost Kingdom empfohlen. Das ergibt auch ziemlich Sinn, denn beide Filme gehören zu den insgesamt neun Machwerken, die B-Movie-Papst Roger Corman in den 1980ern in Argentinen produzieren ließ. Gleich vorweg: Wizards of the Lost Kingdom (in Deutschland auch bekannt als Der Zauberring, Magier der verlorenen Welten, Der Zauberer des vergessenen Königreichs und Ein Königreich vor unserer Zeit I) ist eine echte Trash-Granate wie sie im Buche steht, im Strafgesetzbuch! Ein klarer Fall für SchleFaZ bei Tele 5!

Den Trailer und die Prämisse fand ich ja irgendwie noch ganz spannend, der Film aber „glänzt“ überwiegend durch unfreiwillige Komik und ein Sammelsurium unterschiedlichster Kreaturen. Am auffälligsten in Erinnerung bleibt natürlich Simons pelziger Freund Gulfax, eine Kreuzung aus Chewbacca (spricht die gleiche Sprache), Yeti und Big Foot, der meisten nur dumm brummelnd in der Gegend rumsteht. Wer sich schon immer mal gefragt was aus den sieben Zwergen nach Schneewittchen und der Bergwerkskarriere geworden ist bekommt hier die Antwort serviert. Die kleinen Zipfelmützenträger verdingen sich als Handlanger des bösen bösen bösen Magiers Shurkan (nicht Shere Khan!), mit Ausnahme von einem, der zum Waldzauberer umgeschult hat und als Nachmieter der Hexe im Knusperhäuschen wohnt. Außerdem bekommt der Zuschauer hier unter anderem noch Echsenmenschen, Spielzeugdinosaurier, eine Truppe untoter Krieger, Zyklopen, eine Meerjungfrau und einen geflügelten Löwen geboten.

Auf dem Papier mag das nach einem brauchbaren, familientauglichen (der Protagonist ist schätzungsweise 12) Fantasyfilmchen aussehen. Der Schein trügt. Das Machwerk ist an allen Ecken und Enden billig zusammengeschustert. An den teils farbenfrohen Kostümen (blau, türkis, fliederfarben, lila…!) und den schlichten Lichteffekten (Merke: böse Magie ist rot, gute Magie ist blau) konnte ich mich (auch wegen minimalem Restalkohol) noch erfreuen. Alles andere entpuppt sich als ziemlich mies. Die Kampfszenen wirken fast noch stümperhafter gefilmt als bei Billigbarbar Ator. Für eine kohärente Geschichte hat sich wohl auch niemand interessant. So lustlos wie der schwedisch-amerikanische Actionfilm-Hüne Bo Svenson als Kor (kommt heraus, wenn man Thor und Conan mixt) hier agiert so uninspiriert-lieblos wird der ganze Schmu auch heruntergekurbelt. Was Regisseur Héctor Oliveira (Barbarian Queen) ursprünglich an verwertbarem Filmmaterial abgeliefert hatte ging nur eine knappe Stunde und so wurde die Laufzeit einfach mit Szenenschnipseln aus zwei anderen Corman-Produktionen der Zeit, nämlich (ja!) Deathstalker und Sorceress – Die Mächte des Lichts (1982), auf knapp 80 Minuten gestreckt. Nur leider fällt diese Schummelei auf, weil das zusätzliche Material nicht wirklich dazu passt.

Passend zur kreativen „Eigenleistung“ wird einfach der Score von James Horner aus Sador – Herrscher im Weltraum recycelt und ein Programm generischer Fantasy-Versatzstücke (Herr der Ringe und Star Wars zählen zu den offensichtlichen, unfreiwilligen Paten) mit an Oberflächlichkeiten nicht mehr zu überbietenden Dialogen (ich vermute Ausschussware von Kalenderblattsprüchen) kombiniert. Erstaunlich, dass die wackeligen Styropor- und Pappkulissen beim turbulenten Finale nicht eingestürzt sind. Das Fehlen jeglicher Qualität hat Corman und Co übrigens nicht davon abgehalten, eine Fortsetzung (Ein Königreich vor unserer Zeit II) zu drehen, mit komplett anderer Besetzung und Story sowie „ergänzendem“ Material aus Der Krieger und die Hexe (1984), Barbarian Queen (1985), Amazons (1986) und Mystor – Todesjäger II (1987). Falls Textstellen aus dieser Rezension in anderen Reviews auftauchen, bitte nicht wundern.

Wizards of the Lost Kingdom ist auf DVD und BluRay erhältlich sowie als Stream bei Amazon (in Prime enthalten), Google Play, maxdome und Youtube verfügbar.

Wizards of the Lost Kingdom
Fantasy-Abenteuer Argentinien, USA 1985. FSK 12. 78 Minuten.
Mit: Vidal Peterson, Bo Svenson, Thom Christopher, Barbara Stock, Dolores Michaels, Edgardo Moreira, Michael Fontaine u.a. Drehbuch: Ed Naha alias Tom Edwards. Regie: Héctor Oliveira.

Credits
Bilder (c) M-Square.

 

5 Responses to Wizards of the Lost Kingdom

  1. […] Von Donnerstag vorletzte Woche bis Mittwoch letzte Woche war ich quasi im Festival-at-Home-Modus (aka Cineast im Homeoffice), weil das seit 2012 jedes Jahr von mir besuchte Filmwochende in Würzburg in eine digitale Filmwoche umgewandelt wurde. Leider habe ich es noch nicht ganz geschafft, das ganze halbe Dutzend Filme zu rezensieren, es fehlt nur noch der letzte Beitrag. Als Kontrastprogramm zum hochwertigen Filmgenuss gab es zwischendurch einen echten Fantasy-Trashfilm, nämlich Wizards of the Lost Kingdom. […]

  2. Stepnwolf sagt:

    Klingt nach einem Film, den man unbedingt gesehen haben sollte. 😀

  3. […] Old Men Never Die (Internationale Filmwoche Würzburg) Halef (Internationale Filmwoche Würzburg) Wizards of the Lost Kingdom Ninja […]

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