She-Ra und die Rebellenprinzessinnen: Staffel 5

Eigentlich war ja 2019 das Jahr, in welchem große Serienepen endeten. Doch eine nicht ganz so gigantische Netflix-Show hat sich ihr Finale für 2020 aufgehoben.


Das große Finale

Finstere Zeiten drohen Etheria und seinen Bewohnern. Horde Prime, der oberste Anführer der Horde, hat mit seiner Raumschiff-Armada den Planeten erreicht und außerdem Glimmer, die junge Königin von Brightmoon, in seiner Gewalt. Catra bietet dem Tyrannen ihre Dienste an und enthüllt ihm, welche Macht in Etheria schlummert. Adora hat unterdessen schweren Herzens das magische Schwert zerstört, um eine Katastrophe zu verhindern. Nun kann sie sich nicht mehr in die überaus starke Heldin She-Ra verwandeln, versucht diesen Mangel mit allerlei Wut und blindem Ehrgeiz zu kompensieren, was sie nicht selten in Gefahr bringt. Denn die Truppen der Horde sind zahlenmäßig überlegen und nur ein vereinter Widerstand hat gegen den mächtigen Feind eine Chance…

Ehrlich gesagt bin ich mit dem aktuellen Trend bei Zeichentrick- und Animationsserien nicht so mit den Themenschwerpunkten vertraut noch kann ich mit großer Sicherheit sagen, dass sich seit den Sendungen meiner Kindheit diesbezüglich viel geändert hat. Nichtsdestotrotz halte ich She-Ra und die Rebellenprinzessinnen, ein komplettes Re-Imagining des Masters of the Universe-Spinoffs She-Ra – Prinzessin der Macht (1985/86), für einen Quantensprung in diesem Bereich. Denn die Gemeinschaftsproduktion des Streaminganbieters Netflix und des Animationsstudios Dreamworks vermittelt seinem anvisierten jungen Publikum nicht nur eine grellbunte, knallige Mischung aus Fantasy und Science-Fiction sondern auch Werte wie Freundschaft, Toleranz, gesundes Selbstbewusstsein und den Mut, auch mal Fehler zu machen, vor allem weil man aus diesen lernen kann. Serienschöpferin und Showrunnerin Noelle Stevenson, die sich zuvor besonders mit der anfangs als Webcomic veröffentlichen Graphic Novel Nimona (2012/15) einen Namen gemacht hatte, wagte mit „She-Ra“ von vorneherein eine Gratwanderung, zwischen kindlichen, überkandidelten Figuren (die manchmal auch nerven) und einer über die gesamte Serie solide entwickelte Geschichte, die sich zum Teil düster gestaltet.

Mit seinen gnadenlosen Methoden vor allem in Form der Gedankenkontrolle entpuppt sich Horde Prime, welcher erst spät in der Serie überhaupt auftauchte, als übermächtiger Antagonist. Zwar erschienen mir die Wendungen in der Finalstaffel bisweilen zu beliebig aber Stevenson und ihrem Autorenteam gelingt ein runder Abschluss, der fast keine Fragen offenlässt. Dabei profitiert die Serie natürlich davon, dass Netflix von vorneherein fünf Staffeln bestellt hatte. Einige Nebenfiguren, die in den vorherigen Season eher wenig zu tun hatten, werden in den letzten Folgen stärker in den Vordergrund gerückt. Die große Stärke von She-Ra und die Rebellenprinzessinnen war von Anfang an eine menschliche Ausgestaltung der Figuren, die eben nicht als (langweilige) strahlende Heldinnen bzw. Helden glänzen, sondern trotz ihrer besonderen Fähigkeiten immer mit Rückschlägen und Selbstzweifeln zu kämpfen haben. Am Ende hat mich die Figurendynamik sehr an Orphan Black erinnert, weil sich auch in der kanadischen Mysteryserie über Klone eine überaus heterogene Gruppe trotz allerlei Unterschiede und Widrigkeiten zusammenrauft.

Von Beginn an wurde in der Neuauflage von „She-Ra“ Diversität groß geschrieben, ohne diese jedoch zum zentralen Thema zu machen. In den letzten Episoden geht die Serie dann konsequenterweise einen Schritt weiter und gibt dem bisher ambivalenten Verhältnis zweier Hauptcharaktere eine klare Ausrichtung. Doch geschieht die Repräsentierung der LGBTQ-Community fernab plumper Klischees, wodurch die jungen Zuschauer behutsam an die Thematik herangeführt werden, was der Serie allein zur Ehre gereicht.

Während das Masters of the Universe-Franchise bald mit weiteren Serien bei Netflix aufschlagen wird, darunter mit Masters of the Universe: Revelation eine eher für Erwachsene geeignete Serie von Kultregisseur Kevin Smith (unter anderem mit Mark Hamill, Liam Cunningham, Lena Headey, Sarah Michelle Gellar und Voice-Acting-Legende Alan Oppenheimer als Sprecher), freue ich mich besonders darauf, dass voraussichtlich im Januar 2022 die Adaption von Nimona als Animationsfilm ins Kino kommt.

Die komplette Serie She-Ra und die Rebellenprinzessinnen mit allen fünf Staffeln ist seit dem 15. Mai 2020 bei Netflix abrufbar.


She-Ra und die Rebellenprinzessinnen: Staffel 5
(She-Ra and the Princesses of Power: Season 5)
Zeichentrick/Fantasy-Serie USA 2020. 13 Folgen. Gesamtlänge: ca. 312 Minuten. Originalsprecher: Aimee Carrero (Adora/She-Ra), AJ Michalka (Catra), Karen Fukuhara (Glimmer), Marcus Scribner (Bow), Keston John (Hordak/Horde Prime), Lauren Ash (Scorpia), Christine Woods (Entrapta), Genesis Rodriguez (Perfuma), Vella Lovell (Mermista), Merrit Leighton (Frosta), Adam Ray (Swift Wind) u.v.a. Nach der Originalserie von Larry DiTillo und J. Michael Straczynski. Adaption: Noelle Stevenson.

 


Credits:
Bilder (c) Netflix/Dreamworks.

 

One Response to She-Ra und die Rebellenprinzessinnen: Staffel 5

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