Drei Engel auf der Todesinsel

Welche Jahreszeit bietet sich am besten für die Sichtung des ein oder anderen Films „zweifelhafter“ Qualität an, als der Sommer. Von daher kam Drei Engel auf der Todesinsel, der seit letztem Jahr auf meinem Festplattenreceiver schlummerte, gerade recht.

Wynorski’s Lost World of Voluptous Women

Nach einem Raubüberfall auf einen Juwelier in Chinatown sterben nicht nur die drei kostümierten Täter, sondern auch die beteiligten Polizisten, darunter der Bruder von Ausnahme-Cop Angel Wolfe (Melanie Vincz). Ihr Kollege und Lover Rick (Paul Coufos) findet heraus, dass die Räuber hinter einem roten Juwel her waren. Es gibt zwei dieser Edelsteine, und wer beide an sich zu bringen vermag, erringt unvorstellbare Macht. So zumindest lautet eine alte Legende über die „Augen von Avatar“. Die Spur führt zu einem merkwürdigen Kult eines gewissen Dr. Sin Do (Angus Scrimm), der ein Trainingscamp auf einer entlegenen Insel unterhält. Weil die neuen Kandidaten für das Camp nur in Dreiergruppen zugelassen werden engagiert Angel nicht nur ihre alte Freundin, die indianische Superheldin White Star (Raven de la Croix), sondern auch die gerade einsitzende, knallharte Kleinkriminelle Heather McClure (Angela Aames). Das Trio schleust sich in die Sekte ein, deren Rekrutierung von dem schmierigen Koro (Robert Tessier) durchgeführt wird. Schon bald versuchen Angel, White Star und Heather herauszufinden, warum noch niemand jemals von der Insel zurückgekehrt ist…

Im September 2019 feierte SchleFaZ, das kultige Sendeformat, in welchem Oliver Kalkofe und Peter Rütten sich schlechte Filme reinziehen, „nachspielen“ und kommentieren, seine 100. Ausgabe. Dazu zeichnete man die betreffende Folge vor einem Live-Publikum von ca. 2.500 Zuschauern im Berliner Tempodrom auf. Außerdem gab es musikalische Extras wie die SchleBaZ (Schlechteste Band aller Zeiten), unter anderem mit ihrem Sänger Bela B und Fernseh-Bandleader Helmut Zerlett am Keyboard. Ausgestrahlt wurde „SchleFaZ 100“ schließlich am 11. Oktober 2019. Die Hauptattraktion des Abends war allerdings zweifelsohne der gezeigte Film: Drei Engel auf der Todesinsel aus dem Jahre 1984.

Zugegebenermaßen bin ich jetzt kein ausgewiesener Mega-Fan der Sendereihe, da ich nur etwa 20 Prozent der präsentierten Film-Desaster gesehen habe und mir die Dialog-Ergüsse von „Kalkrütten“ oft etwas zu sehr unter die Gürtellinie gehen. Zudem sind manche der Machwerke eben nicht so schlecht, dass sie schon wieder lustig sind, sondern einfach nur ziemlich langweilig wie Perry Rhodan – SOS aus dem Weltall (1967 / Staffel 1) Dämonen aus dem All (ebenso 1967 / Staffel 4) oder das lahme Kultserien-Sequel Knightrider 2000 (1991 / Staffel 3). Star Crash (1978 / Staffel 5), Herkules (1983 / Staffel 6) und dessen Fortsetzung Die neuen Abenteuer des Herkules (1985 / Staffel 7) – alle drei inszeniert vom Italiener Luigi Cozzi – sowie Ed Woods Kult-Gurke Plan 9 From Outer Space (1959 / Staffel 7) zählen zu meinen Favoriten des SchleFaZ-Sammelsuriums.

Beitrag Nr. 100, das Regiedebüt von Vielfilmer Jim Wynorski (angeblich 150 Regie-Arbeiten, wobei die Internet Movie Database „nur“ 103 listet, darunter solch verheißungsvolle Titel wie Die Insel der Riesen-Dinosaurier [1994], The Bare Wench Project [1999] oder Piranhaconda [2012]) gehört für mich in die Kategorie hanebüchen aber durchaus spaßig. Nachdem Wynorski zuvor für Kultproduzent Roger Corman ein paar Drehbücher geschrieben hatte, erhielt er durch finanzielle Zuwendung des Kinobesitzers Henry Plitt die Gelegenheit zu seinem ersten Streifen als Regisseur. Plitt plante The Lost Empire (so der Originaltitel von Drei Engel auf der Todesinsel) als Verlustgeschäft zur Steuerabschreibung. Doch Wynorski wusste davon nichts und legte sich trotz des geringen Budgets einigermaßen ins Zeug, was dazu führte, dass Plitt vom Endergebnis durchaus angetan war und schließlich sogar etwas Geld eingespielt wurde.

Nichtsdestorotz reiht die Story auf unmotivierte Weise diverse Elemente und Versatzstücke aneinander, ohne einen Großteil auch nur ansatzweise auszuarbeiten. Das als „Hintergrundgeschichte“ gemeinte Gefasel vom antiken Reich der Lemuren (!) wird zwar dem Zuschauer gleich zweimal vorgekaut (einmal von einer Off-Stimme zu Beginn und wenig später von einem dreisten Charlie-Chan-Klon, der kurz auftritt und dann überhaupt keine Rolle mehr spielt, quasi ein Stichwortgeberchen), macht allerdings trotzdem keinen Sinn. Auch die Augen des Avatar (die rot sind und nicht blau!) dienen freilich nur als Macguffin, um die „Handlung“ etwas ins Rollen zu bringen. Bis dies allerdings geschieht und die drei überaus schlagkräftigen Kampfmiezen auf der Insel ankommen vergeht etwa die Hälfte der schmalen Laufzeit. Wynorski bedient hier auch übelst die Exploitation-Schiene, wenn er z.B. einen Catfight im Frauenknast inszeniert oder die Damen der Schöpfung nach der Ankunft im Trainingscamp erstmal „durchleuchtet“ werden. Die Darstellerinnen des Titelheldinnen-Trios wurden sicher nicht nach schauspielerischen Gesichtspunkten, sondern wegen ihrer weiblichen Rundungen gecastet, welche in den knappen Kostümchen natürlich gut zur Geltung kommen. „Drei Engel“ wirkt über weite Strecken wie ein Softporno, nur ohne Sexszenen. Stattdessen gibt es ein paar halbgar gefilmte Kämpfe.

Insgesamt empfand ich das Filmchen als doch einigermaßen kurzweilig und durchaus unterhaltsam. Die herrlich knallbunten Kulissen auf der Todesinsel atmen fast ein wenig Flash Gordon-Flair und der Synthie-Score von Alan Howarth (der oft als Komponist für Horror-Ikone John Carpenter gewirkt hat) wirkt auf meine Ohren sogar recht gelungen. Im Finale wird sogar noch ein kleines Feuerwerk gezündet und vereinzelte Meta-Witzchen (etwa wenn Angel vor ihrem ersten Schwertkampf „Wo ist Conan, wenn man ihn braucht?“ vor sich hinmurmelt) verleihen der ganzen Chose sogar eine leicht selbstironische Note. Natürlich ist das ganze Machwerk sexistisch und zwischendurch auch brutal geraten, die Altersfreigabe ab 18 kann ich dennoch nicht ganz nachvollziehen. Am Ende ist diese krude Mischung aus den Fu Manchu-Filmen und Die Todesgöttin des Liebescamps (1981 / Staffel 6) immerhin besser als der andere Wynorski-Streifen, den ich bisher gesehen hatte: die schwachbrüstige Comicverfilmung Vampirella (1996 / Staffel 3). Insgesamt ein würdiger Beitrag für das SchleFaZ-Jubiläum.

Drei Engel auf der Todesinsel ist auf DVD erhältlich sowie kostenlos in der SchleFaZ-Mediathek abrufbar.

Drei Engel auf der Todesinsel (The Lost World)
Action-Abenteuer USA 1985. FSK: keine Jugendfreigabe. 80 Minuten (PAL-DVD). Mit: Melanie Vincz, Raven de la Croix, Angela Aames, Paul Coufos, Robert Tessier, Angus Scrimm u.v.a. Drehbuch und Regie: Jim Wynorski.

 

Trio beim Training auf der Todesinsel

 

Credits
Bilder (c) SchröderMedia.

 

2 Responses to Drei Engel auf der Todesinsel

  1. […] der Woche Ator – Herr des Feuers Drei Engel auf der Todesinsel Castle – Staffel […]

  2. […] Der göttliche Andere Tenet Ator – Herr des Feuers Deathstalker – Der Todesjäger Drei Engel auf der Todesinsel Following […]

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