Die Todesgöttin des Liebescamps (Kurzkritik)

Nach seiner Karriere als Schlagersänger und Nebendarsteller in deutschen Filmkomödien versuchte sich Christian Anders (geb. 1945) als Regisseur und Leading Man. Nach dem Kampfsport-Actioner Die Brut des Bösen (1979) erschien 1981 Anders‘ zweite und letzte Regie-Arbeit: Die Todesgöttin des Liebescamps.

Sommer, Sonne, Sekten-Schlager

Auf Zypern betreibt die Sektenanführerin „die Göttliche“ (Laura Gemser) ein „Liebescamp“, in welchem eine kapitalismus- und kirchenkritische, eskapistische Religion mit „freier“ Liebe zelebriert wird. Das Camp gerät allerdings durch das Verschwinden diverser Mitglieder ins Visier der Polizei. Der charismatische Prediger Dorian (Christian Anders) ist am erfolgreichsten im Rekrutieren neuer Sektenmitglieder. Von seiner Herrin erhält er daher den Auftrag, Patricia Bannerman (Simone Brahmann), Tochter und Erbin eines reichen Senators (Bob Burrows), für die Sekte zu gewinnen. Denn obwohl sich die weiblichen Mitglieder des Camps für Geld prostituieren müssen, steht die „Glaubensgemeinschaft“ finanziell weniger gut da…

Aus unerfindlichen Gründen spukte seit der SchleFaZ-Sommerstaffel vom letzten Jahr (August 2018) das vorliegende Machwerk auf meinem digitalen Festplattenrecorder umher. Nach reichlicher Überlegung kam ich zum Entschluss dass der Streifen eventuell in meine Parade „seichter Sommerfilme“ (siehe auch hier, da und dort) passen könnte. Vor allem Dank der genialen humoristischen Unterwanderung durch Kalkofe und Rütten wurde die Sichtung einigermaßen unbeschadet überstanden. Erforscht man die Biografie von Herrn Anders (bürgerlich Antonio Augusto Schinzel-Tenicolo, daher nicht verwandt mit Thomas Anders von Modern Talking), erscheint es ganz und gar nicht verwunderlich, dass er mit Die Todesgöttin des Liebescamps einen Sekten-Exploitation-Film gedreht hat. Etwa 20 Jahre später machte Anders durch diverse Buchveröffentlichung Schlagzeilen, in denen er unter dem Guru-Pseudonym „Lanoo“ seine äußerst fragwürdigen Verschwörungstheorien (z.B. Aids sei von der WHO erschaffen worden, um Homosexuelle und Schwarze zu bestrafen; Albert Einstein sei geistig behindert gewesen und Michelle Obama in Wirklichkeit ein Mann!) verbreitete. Doch fehlt es seinem Softcore-Sekten-Streifen so ziemlich an allem, was einen halbwegs gelungenen Beitrag ausmacht. Zwar bietet „Love Camp“ (so einer der internationalen Titel) auch in der kürzeren deutschen Fassung einige freizügige Szenen mit viel nackter Haut und zudem das ein oder andere exploitative Element, doch verkommen diese Bestandteile zu bloßen Gimmicks. Anders versteht es weder als Regisseur, Drehbuchautor noch Hauptdarsteller (mit goldblondem Haar) eine Dramaturgie bzw. Entwicklung aufzuzeigen, von kritischer Distanz ganz zu schweigen. Stattdessen reiht der Film leblos unterschiedliche Sequenzen aneinander, die sich teilweise gegenseitig an niveaulosem Kitsch und Peinlichkeit überbieten. Gepaart mit dem ebenfalls von Maestro Anders verbrochenen Score respektive den geträllerten Liedchen, den zwischen schleimigen Schmonzetten und pseudophilosophischem Schwachsinn pendelnden Dialogen sowie einigen lockeren, aber deplatzierten Musical-Nummern ergibt sich ein Kuriosum von Film, das (leider oder glücklicherweise) schon wieder vorbei ist, bevor sich die „Story“ überhaupt entfalten kann. Wenn ihr mich jetzt entschuldigt, ich muss mir dringend eine güldene Perücke und ein Nachthemd kaufen, damit meine Rekrutierung junger Frauen für meine Sekte von Erfolg gekrönt sein wird!

Die Todesgöttin des Liebescamps
Erotikdrama Deutschland 1981. FSK 18. 76 Minuten. Mit: Christian Anders, Laura Gemser, Simone Brahmann, Sascha Borysenko, Bob Burrows u.a. Drehbuch und Regie: Christian Anders.

Credits
Bilder (c) X-Rated/Chranders.

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3 Responses to Die Todesgöttin des Liebescamps (Kurzkritik)

  1. steffelowski sagt:

    Ach, als Trashfilm sicherlich sehenswert. Leider schaffe ich die aber meist bestenfalls bis zur Hälfte 😊

  2. […] dem Ultra-Sex (Kurzkritik) Hot Shots! (Kurzkritik) Hot Shots! – Der zweite Versuch (Kurzkritik) Die Todesgöttin des Liebescamps […]

  3. […] Meine bisherigen Reviews zu SchleFaZ-Filmen: Argoman – Der phantastische Supermann Ator, der Unbesiegbare (Vieraugen Kino) Avengers Grimm Captain America (1990) Star Crash (Vieraugen Kino) Die Todesgöttin des Liebescamps […]

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