Captain America (1990) (Kurzkritik)

20 Jahre bevor der Held im Stars-and-Stripes-Kostüm in Gestalt von Chris Evans seinen Einstand im Marvel Cinematic Universe feierte schlüpfte Matt Salinger in die ikonische Rolle. Das Resultat ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.

Peinliches Patriotismusvehikel

1936 entführen die Faschisten in Italien den überaus begabten Jungen Tadzio de Santis und verwandeln ihn dank eines Serums der Wissenschaftlerin Dr. Vaselli (Carla Cassola) in einen entstellten Supersoldaten namens Red Skull. Geschockt vom Ergebnis ihrer Forschung flieht Dr. Vaselli in die USA, wo sie ihr Serum sieben Jahre später im Auftrag des US-Militärs einsetzt, um aus dem gehbehinderten Steve Rogers (Matt Salinger) den Helden Captain America zu erschaffen. Bei seinem ersten Einsatz lässt sich Steve allerdings von Red Skull (Scott Paulin) überwältigen und landet mit einer Rakete im ewigen Eis. Erst fünfzig Jahre später erwacht Rogers aus seinem Kälteschlaf und muss nicht nur feststellen, dass sich die Welt komplett verändert hat, sondern auch dass seine Nemesis Red Skull noch am Leben ist und einen perfiden Plan hat, wofür der Fiesling den amerikanischen Präsidenten Thomas Kimball (Ronny Cox) entführt…

1990, pünktlich zum 50. Geburtstag, sollte die von Joe Simon (1913-2011) und Jack Kirby (1917-1994) erschaffene Comicfigur des Captain America ihren großen Auftritt in den (US-)Kinos erleben, nachdem es bereits 1944 ein 15teiliges Filmserial sowie 1979 zwei Fernsehfilme gegeben hatte. Doch der von Menahem Golan (1929-2014), ehemals Miteigentümer der B-Film-Schmiede Cannon, produzierte und Regisseur Albert Pyun (Radioactive Dreams, Cyborg) inszenierte Film wurde in den USA erst zwei Jahre später direkt auf Video veröffentlicht. In einigen anderen Ländern debüttierte der Film zwischen Ende 1990 und 1991, erschien hierzulande im Februar 1991 auf VHS. Aber warum hat man sich so schwer getan, den Streifen unter die Leute zu bringen? Ganz einfach: das erste abendfüllende Leinwandabenteuer des blau-rot-weißen Captains ist ziemlich misslungen. Der Titelheld, sein Gegenspieler, dessen Schergen sowie das Filmteam überbieten sich hier gegenseitig an Stümperhaftigkeit. Natürlich darf man die 1990er Version nicht mit dem unter ganz anderen Bedingungen entstandenen Film von 2011 (der bei mir auch nicht gerade Begeisterungsstürme ausgelöst hat) vergleichen, schließlich standen Pyun und Co nur wenig Geld zur Verfügung. Die Story wirkt in ihrer Gesamtheit allerdings dermaßen infantil, als wäre sie von Fünftklässlern der Donald-Trump-Patriotismus-Schule verfasst worden. Noch dazu wurde das ganze Machwerk völlig uninspiriert gefilmt und überaus lieblos zusammengeschnippelt. Matt Salinger (Sohn des Autors J.D. Salinger) mag zwar optisch für die Titelrolle geeiget gewesen sein, aber seine „Performance“ passt sich dem peinlichen Verhalten des „Helden“ an. Unter der Maske des Red Skull (der hier übrigens John F. Kennedy, Robert Kennedy UND Martin Luther King auf dem Gewissen hat!) werden Fans der Serie Castle vielleicht Scott Paulin alias Kate Becketts Papa wieder erkennen. Einigermaßen schadlos bleibt wohl nur Ronny Cox (Beverly Hills Cop, Total Recall) in der Rolle des engagierten, überidealistischen US-Präsidenten. Captain America von 1990 bleibt ein Film, der zurecht weitgehend dem Vergessen anheim fiel und sich seinen Platz als einer der „Schlechtesten Filme aller Zeiten“ (siehe die SchleFaZ-Reihe mit Oliver Kalkofe und Peter Rütten) mehr als verdient hat.

Captain America
Comicverfilmung USA, Jugoslawien 1990. FSK 16. 93 Minuten. Mit: Matt Salinger, Ronny Cox, Scott Paulin, Kim Gillingham, Francesca Neri, Ned Beatty, Darren McGavin u.a. Regie: Albert Pyun. Nach Charakteren von Joe Simon und Jack Kirby.

 

Credits:
Bilder (c) Ascot Elite

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7 Responses to Captain America (1990) (Kurzkritik)

  1. steffelowski sagt:

    Sehr interessanter Beitag. Danke.
    Die Handlung liest sich auch durchaus vielversprechend.. Vielleicht hätte man -trotz des geringen Budgets- mit anderen Leuten an den richtigen Stellen, mehr draus können.
    Sollte ich den Film mal irgendwo für lau finden, würde ich zumindest mal reinschauen 😊

  2. […] der Woche Captain America (1990) (Kurzkritik) Tolkien The Double […]

  3. […] Don’t Die Tolkien Die Rote Dame (Kurzkritik) Sador – Herrscher im Weltraum (Kurzkritik) Captain America (1990) (Kurzkritik) The Double […]

  4. […] dass der Streifen eventuell in meine Parade „seichter Sommerfilme“ (siehe auch hier, da und dort) passen könnte. Vor allem Dank der genialen humoristischen Unterwanderung durch Kalkofe […]

  5. […] Argoman – Der phantastische Supermann Ator, der Unbesiegbare (Vieraugen Kino) Avengers Grimm Captain America (1990) Star Crash (Vieraugen Kino) Die Todesgöttin des […]

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