Media Monday #388

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Und nach dem Anzünden der ersten Kerze folgt nun der erste vorweihnachtliche Media Monday in diesem Jahr.



Weder hier noch bei Vieraugen Kino habe ich vergangene Woche eine Review veröffentlicht. Ganz untätig war ich allerdings dennoch nicht. Denn für die bald kommende 100. (!) Ausgabe von Bad Alchemy habe ich noch eine ausufernde Konzertbesprechung fertiggestellt. Ansonsten war das Highlight der Woche natürlich Julia Holters Konzert am Samstag in der Elbphilharmonie zu Hamburg. Schon vor drei Jahren hat mich die amerikanische Kompositin und Sängerin mit ihrem vierten Album Have You In My Wilderness (2015) wahrlich umgehauen. Der Nachfolger Aviary (erschienen am 26. Oktober 2018) stimuliert meine Sinne allerdings noch mehr.
Das ganze Gebäude der „Elphi“ ist durchaus beeindruckend. Nach einer Fahrt auf der längsten Rolltreppe (80 Meter), die ich je betreten durfte, setzte ich meinen Weg im 110 Meter hohen Gebäude bis zum richtigen Eingang zum Großen Saal (2.100 Plätze) fort, der wohl ausverkauft war. Kurioserweise war mein Platz kein einfacher Sitz, sondern ein kleines, schickes Kanapee (siehe Foto). Julia Holter (33) hatte nicht nur das Nordstage-Keyboard mitgebracht sondern auch ihre Band, bestehend aus Sarah Belle Reid (Trompete), Tashi Wada (Synthesizer, Dudelsack), Corey Fogel (Drums, Percussions), Andrew Johns (E-Bass) und Dina Maccabee (Viola, Violine, Gesang). Bis auf vier Ausnahmen wurden nur Stücke vom aktuellen Album gespielt. Das Zusammenspiel der Akteure war perfekt einstudiert, auch wenn manche der Passagen wie eine entfesselte Jamsession wirkten. Julia zeigte sich von der tollen Location angetan und agierte bei ihrem eigenwillig-einzigartigen Gesang mehrfach völlig entfesselt. Einfach irre magisch. Leider verließen immer wieder ein paar Banausen den Saal. Dabei kann man doch heute ganz leicht über Youtube oder anderswo vorab herausfinden, ob einem die Musik des Künstlers, dessen Konzert man besuchen will, überhaupt gefällt. Wo Julia Holter draufsteht darf man eben nicht erwarten, dass Mozart oder Beethoven zum Milliardsten Mal durchgenudelt werden. Der Großteil des Publikums zeigte sich allerdings sehr begeistert. Auch Julia und Co waren äußerst glücklich. Ein tolles Erlebnis. Und daher jetzt alle bitte kräfitg mitsingen:
„I Shall Love. I Shall Love. I Shall Love. I Shall Love…“

 

 

 

Fragen der Woche:

1. Jetzt, wo dann offiziell die Vorweihnachtszeit gestartet hat versuche ich mein Möglichstes, um dem allgegenwärtigen Kommerzterror zu entgehen.

2. Ich glaube dieses Jahr wird es auch nichts mehr werden, dass ich all die Kinofilme im Kino sehen werden können, die auf meiner Liste stehen. Das liegt aber nur teilweise an mir, sondern auch an den Kinos hier in der Provinz, die zu oft die falschen Filme zeigen.

3. Julia Holter hat mich ja doch wieder überrascht, schließlich hat sie mit der intensiven Ballade Betsy On The Roof eine weitere Zugabe geliefert.

4. Gemessen daran, wie viele Hundert Millionen die Elbphilharmonie gekostet hat, müssten die Eintrittspreise eigentlich astronomisch hoch sein. Sind sie aber nicht.

5. Wenn ein Reisender in einer Winternacht von Italo Calvino ist schon allein dahingehend ein empfehlenswertes Buch, weil es ein Meta-Werk über das Lesen und den Leser ist und ständig neue Geschichten anfängt, um diese vorzeitig enden zu lassen. Ein großer Lesespaß.

6. Von all den neuen und alten Serien gibt es immer noch sehr viele, zu deren Sichtung ich noch nicht gekommen bin. Leider.

7. Zuletzt habe ich siehe oben und das war ____ , weil ____ .

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6 Responses to Media Monday #388

  1. blaupause7 sagt:

    und selbst wenn einem die Musik nicht gefällt, kann man so höflich sein und mit dem Verlassen des Saals bis zur Pause werten.

    • mwj sagt:

      Es gab keine Pause. Aber das Ehepaar hinter mir (schätzungsweise in den 50ern), denen das Konzert auch nicht durchgehend gefallen hat (der Mann meinte die ersten paar Songs hätten ihm sehr gefallen) hat bis zum Schluss durchgehalten und sich danach noch kurz mit mir unterhalten.
      Es ist aber einfach schade, dass die Leute nicht über den Tellerrand schauen wollen und dann den „Schwanz einziehen“ wenn sie mit ausgefallener, eigenwilliger und sehr kreativer Musik konfrontiert werden, die eben nicht gängige Muster bedient. Und ich vermute, dass da einige (man verzeihe mir den Ausdruck) „Klassik-Nazis“ anwesend waren. Wobei ich auch das Gefühl hatte, einige jüngere Leute waren dort weil es halt hip ist. Julia Holter hat das überhaupt nicht gestört. Sie hat sich mehrmals für die Ehre dort spielen zu dürfen und die sehr positive Resonanz von 95 Prozent des Publikums bedankt.

  2. Ja, das mit den „falschen Filmen“ im Provinzkino kenne ich. Ich sage nur: Toni Erdmann – Spielzeiten: Mo, Di, Mi jeweils um 18 Uhr. Das war schon echt heftig. Jetzt wohne ich im München, das zwar überlaufen ist, aber dafür viel Kinoauswahl bietet.

    Zum vorzeitigen Verlassen eines Saals: Ich finde das auch mega unhöflich. Ich kenne das eher vom Theater, wenn dann ein paar ältere Herrschaften demonstrativ gehen, damit die Schauspieler und auch sonst jeder mitbekommen, wie furchtbar sie die neuste Arbeit des – meistens ist es ein junger – Regisseurs finden.

    Da lohnt es sich dann ein paar Schauspieler auf der Bühne zu haben, die auch improvisieren können. Es gab mal jemanden, der die Aufmerksamkeit bewusst auf die zwei Gehenden gelenkt hat, indem er mitten im Stück auf die beiden gedeutet hat und in seiner Rolle als verzweifelter Prinz sinngemäß sowas gesagt hat wie „Die dahinten verstehen das auch nicht.“. Instinktiv hat sich das komplette Publikum umgedreht und die beiden Leute angeschaut. Ich fand’s wahnsinnig lustig, als ich erkannt habe, dass das jetzt nicht zum Stück gehört, sondern spontane Zuschauerkritik war.

    • mwj sagt:

      Vermutlich hätte Julia Holter in dem Moment, als die meisten Leute den Saal vorzeitig verließen, einfach kurz den Song „Have You in My Wilderness“ mit folgendem Textausschnitt singen sollen: „Tell me, why do I feel you running away?“ 😉

  3. […] Blog ∗ mwj ∗ Geek Germany ∗ Bette Davis left the bookshop ∗ Adoring Audience ∗ Nerd-Gedanken ∗ […]

  4. Gnislew sagt:

    Oh, ich hätte jetzt tatsächlich auch erwartet, dass es sehr teuer ist in die Elbphilharmonie zu gehen.

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