Italian Spiderman (Kurzkritik)

In den 1960ern bevölkerten nicht nur Sandalenfilme und Spaghetti-Western die europäischen Kinos, auch Superhelden eroberten die Leinwände des Kontinents. Aus dieser Zeit könnte auch Italian Spiderman stammen, wenn es sich dabei nicht um eine schräge Retro-Parodie aus „Down Under“ von 2008 handeln würde…



Macchiato, Machismo, Mustacchio!

Nach dem Absturz eines Asteroiden gelingt es Professor Bernardi (Carmine Russo) diesen zu bergen. Der Wissenschaftler gewinnt aus dem Gesteinsbrocken ein Serum, das jeden Menschen nach der Injektion verdoppelt. Um das Serum nicht in falsche Hände geraten zu lassen, übergibt Bernardi den Asteroiden seinem treuen Freund, Italian Spiderman (David Ashby alias Franco Franchetti). Der Superheld im roten Kostüm wird allerdings sogleich von Bösewicht Captain Maximum (Leombruno Tosca) und seinen Schergen verfolgt. Zu dumm, schließlich hat Italian Spiderman doch eine Verabredung mit der hübschen Jessica (Susanna Dekker)…

 

 

Ich glaube ich spinne! Endlich ein gelungener Spiderman-Film! Vergesst Tobey Maguire, vergesst Andrew Garfield und vergesst „Spiderboy“ Tom Holland! Die wahre menschliche Spinne ist David Ashby alias Franco Franchetti (und seit neuestem auch mein Lieblingsschnurrbartträger neben Danny „Machete“ Trejo)! Das Werk von Alrugo Entertainment erscheint zwar wie ein verschollenes und wiederaufgetauchtes B-Movie aus den wilden Sixties, es handelt sich dabei allerdings um eine Produktion von fünf Filmstudenten der Flinders University Adelaide, nämlich David Ashby, Dario Russo, Tait Wilson, Will Spartalis und Boris Repasky, aus dem Jahr 2008. Ursprünglich war das Ganze als Fake-Trailer gedacht, doch nach sehr positiver Resonanz auf Voutube erhielt das Quintett von der South Australian Film Corporation die finanziellen Mittel, um eine zehnteilige Webserie zu produzieren. Ein übergewichtiger, kettenrauchender, genusssüchtiger Macho als Titelheld mit beliebigen Superkräften, ein Bösewicht mit Ringermaske, der Menschen in Schlangen verwandeln kann, attraktive Damen in bester Feuerball-Manier, ein schmissiger Soundtrack im Stile von Piero Umiliani sowie alberne Actionszenen und krude Einfälle machen Italian Spiderman zum ungemein spaßigen Retro-Trip, dessen herrlich absurd überspitzte Klischees noch durch die per Google holprig ins Italienische übersetzten Dialoge und die völlig überkandidelte, krachende Synchronisation gesteigert wird. Wie Kung Fury das zweitklassige Kino der 1980er aufbereitet, so gelingt hier eine stilechte Rekreation europäischer Superheldenfilme der 1960er bzw. 1970er, die teilweise unter willentlicher Missachtung des Copyrights entstanden (wie 3 Dev Adam – 3 Mighty Men aus der Türkei oder I fantastici tre supermen). Ursprünglich war ein zweiter Teil geplant, doch kreative Differenzen unter den fünf Filmemachern verhinderten eine Weiterführung. David Ashby und Dario Russo gründeten mit Dinosaur ihre eigene Produktionsfirma und erschufen im Auftrag der Sendeanstalt SBS die Naziploitation-Camp-Serie Danger 5.

Die ungekürzte Fassung von Italian Spiderman (mit Vor- und Abspann) kann man sich bei Vimeo ansehen.

Präsentiert von Il Gallo Super Quiet, der bevorzugten Zigarettenmarke von Italian Spiderman.

Italian Spiderman
Webserie/Kurzfilm Australien 2008. 10 Folgen. Gesamtlänge: 39 Minuten. OmeU. Mit: David Ashby alias Franco Franchetti, Carmine Russo, Susanna Dekker, Leombruno Tosca, Michael Crisci u.a. Drehbuch: David Ashy, Dario Russo, Tait Wilson, Will Spartalis und Boris Repasky. Regie: Dario Russo.

 

 

Credits:
Bilder und Trailer (c) Alrugo Entertainment

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3 Responses to Italian Spiderman (Kurzkritik)

  1. steffelowski sagt:

    Da würden mich doch mal die „kreativen Differenzen“ sehr interessieren…… Hab nur mal kurz reingeschaut. Der rote Rollkragenpulli hat mich schon beim Zugucken ins Schwitzen gebracht.

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