Planet der Vampire (Kurzkritik)

Noch bevor Star Trek in den USA oder Raumpatrouille Orion hierzulande über die Fernsehbildschirme flimmerte, veröffentlichte der für seine Horrorfilme und Giallo-Produktionen bekannte Regisseur Mario Bava (1914-1980) seinen einzigen Science-Fiction-Streifen: Planet der Vampire.

Geist sucht Körper

Die Raumschiffe Galliot und Argos landen nach einem Notsignal auf einem entlegenen Planeten. Unmittelbar nach der Landung ergreift eine merkwürdige fremde Macht von den Mitgliedern der Argos-Crew Besitz und nur dank der Geistesgegenwart von Captain Mark Markary (Barry Sullivan) kann eine Katastrophe verhindert werden. Als sich die Astronauten auf die Suche nach der Galliot machen, entdecken sie im Raumschiff nur noch die Leichen der Besatzungsmitglieder, die sich scheinbar aus schierem Wahnsinn gegenseitig umgebracht haben. Markary erkundet mit seiner Mannschaft, darunter Sanya (Norma Bengell), Wes (Ángel Aranda) und Professor Karan (Fernando Villena), die unwirtliche Landschaften des Planeten. Da tauchen zwei tote Crewmitglieder von der Galliot offenbar quicklebendig wieder auf…

Auch wenn (teilweise) deutsche Verleihtitel (Die Stunde wenn Dracula kommt, Vampire gegen Herakles, Die toten Augen des Dr. Dracula) dem Zuschauer suggerieren, der Italiener wäre ein passionierter Vampirfilm-Guru, so erweist sich die Filmografie Mario Bavas als vielseitiger. Bei Planet der Vampire, Bavas einzigem Ausflug ins Scifi-Genre, tauchen im Film selbst daher auch keine lichtscheuen Blutsauger auf, sondern körperlose Wesen, die von den menschlichen Raumfahrern Besitz ergreifen (ähnlich wie in der Raumschiff Enterprise -Folge Geist sucht Körper von 1968). Wie so oft in seiner Karriere hatte der Regisseur auch hier wenig Geld zur Verfügung, machte aber aus dieser Not eine Tugend. Kameratricks wie das Schüffan-Verfahren, nebelverhangene Kulissen und stimmungsvolle Beleuchtung erzeugen eine unheimliche Atmosphäre. Terrore nello spazio (so der Originaltitel, zu deutsch etwa “Schrecken aus dem Weltall”) erscheint auch deshalb interessant, weil er vermutlich großen Einfluss auf Ridley Scotts Klassiker Alien (1979) ausübte. Aus heutiger Sicht mag der Plot etwas behäbig wirken, aber die Inszenierung Bavas holt das Maximum aus den beschränkten Mitteln heraus.

Planet der Vampire (Terrore nello spazio)
Science-Fiction-Horror Italien, Spanien 1965. FSK 12. 85 Minuten. Mit: Barry Sullivan, Norma Bengell, Ángel Aranda, Evi Marandi, Stelio Candelli, Franco Andrei, Fernando Villena u.a. Regie: Mario Bava. Nach der Kurzgeschichte
Una notte di 21 ora von Renato Pestriniero.

Credits:
Bilder (c) Universum Film

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4 Responses to Planet der Vampire (Kurzkritik)

  1. […] der Hand gehen. Am Wochenende habe ich neben meiner Vorbereitung auf den bevorstehenden Kurzurlaub Planet der Vampire gesehen und besprochen. Weitere Kurzkritiken sind in […]

  2. TomHorn sagt:

    Gothic im Weltall, finde ich immer wieder faszinierend, wie gut das funktioniert.

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