Argoman – Der phantastische Supermann (Kurzkritik)

Im Amerika der 1960er prügelten sich Batman und Robin mit bösen Buben durch eine grellbunte Camp-Serie, während in Europa der phantastische Argoman die Welt vor der Vernichtung bewahrte…



Machoman, der sexistische Hampelmann

Wenn Sir Reginald Hoover (Roger Browne) nicht gerade auf seinem luxuriösen Inseldomizil chillt und hübsche junge Frauen mit Hilfe seiner besonderen Kräfte anlockt, um sie zu beglücken, so kämpft der reiche Playboy als Argoman gegen finstere Schurken wie Jenabell (Dominique Boschero), selbsternannte Königin der Welt. Die gerissene Dame plant mit der Hilfe eines überaus seltenen Diamanten die Welt ins Chaos zu stürzen. Argoman ist gefragt. Zu dumm dass seine übermenschlichen Fähigkeiten nach dem Koitus für sechs Stunden aussetzen…

Nach dem Ende der Sandalen-Welle dreht man in Italien Spaghetti-Western und Eurospy-Filme (als Reaktion auf die ersten James-Bond-Abenteuer) sowie Superhelden-Streifen. Als Hybrid aus den beiden letztgenannten Genres fungiert Argoman – Der phantastische Supermann von Regisseur Sergio Grieco. Die erste Hälfte, in welcher der titelgebende Held aus oben genanntem Grund seine Kräfte kaum sinnvoll einsetzen kann, bietet vor allem aus heutiger Sicht ein beispielloses Sexismusfest und dürfte zu den Lieblingswerken von Mr. Swinestein gehören. Mit dem tatsächlichen Auftauchen Argomans etwa in der Mitte der Geschichte gewinnt die ganze Sache dann etwas an „Spannung“. Freilich wirkt der Plot total gaga, aber die albernen Hampeleien des Helden (im gelb-schwarzen Strampelanzug mit rotem Cape!), die schrillen Kostüme der Antagonistin und der hemmungslos überkandidelte Sixties-Score von Piero Umiliani (Komponist des Gassenhauers „Mah Nà Mah Nà“) sorgen immerhin streckenweise für einen gewissen Unterhaltungswert. Leading Man Roger Browne wurde vermutlich gecastet, weil er wie die lebende Kombination aus Adam West, Sean Connery und William Shatner aussieht. In einer austauschbaren Rolle als Jenabells oberster Handlanger zu sehen: Mimmo Palmara (1928-2016), vormals fleißiger Sandalenkino-Nebendarsteller.

Im Rahmen der Reihe SchleFaz wurde bei Tele 5 am 27. April 2018 leider (oder Gott sei Dank?) nur die gekürzte deutsche Version gezeigt. Auf DVD gibt es die ungeschnittene Fassung.

Argoman – Der phantastische Supermann (Come rubare la corona d’Inghilterra)
Action/Agentenfilm Italien 1967. FSK 12. 93 Minuten. Mit: Roger Browne, Dominique Boschero, Edoardo Fajardo, Nadia Marlowa, Mimmo Palmara alias Dick Palmer, Nino Dal Fabbro alias Richard Peters u.a. Regie: Sergio Grieco alias Terence Hathaway.

Credits:
Bild (c) SchröderMedia.

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2 Responses to Argoman – Der phantastische Supermann (Kurzkritik)

  1. steffelowski sagt:

    Schade, den habe ich am Freitag verpasst. Die haben bei TELE 5 wohl auch das Sendeschema etwas verändert. Startete SchleFaz sonst nicht immer um 22 Uhr?
    Der von Dir angesprochene Sexismus zieht sich durch alle derartigen Produktion der 60er Jahre. Ich gucke mich grad durch die Kommisar X-Reihe. Da ist es genauso. Aber liegt das eventuell auch nur an der deutschen Synchronfassung? Keine Ahnunge, inwieweit damals Rainer Brandt schon seine Finger im Spiel hatte. Ich dachte immer, der kam erst ein paar Jahre später mit seinen flapsigen Texten.
    Es wäre ja auch einmal interessant, wie dieses frauenverachtende Bild damals ankam. War das überhaupt schon ein großes Thema? Bei James Bond hat es offfenbar auch nie wirklich gestört.

    • mwj sagt:

      Die letzte „SchleFaZ“-Staffel (nur 4 Filme) kam schon um 20:15. Da wurde dann nicht selten das extreme Fluchen von Rütten ausgepiept. 😉
      Im Grunde sind alle Bond-Filme sexistisch, aber bei „Argoman“ ist es mir (neben Kalkofe/Rütten) extrem aufgefallen.

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